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February 11, 2013

Papst Benedikt XVI. tritt zurück

Papst Benedikt XVI. tritt zurück – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Papst Benedikt XVI. tritt zurück

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Veröffentlicht: 20:07, 11. Feb. 2013 (CET)
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Papstwappen von Benedikt XVI.

Vatikanstadt, 11.02.2013 – Papst Benedikt XVI. will am 28. Februar um 20.00 Uhr sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegen. Das Kirchenrecht sieht den Rücktritt des Papstes im Kanon 332 vor. Dies bestätigte der Vatikan. Der Rücktritt eines Pontifex ist sehr selten; in den zwei Jahrtausenden der Existenz der römisch-katholischen Kirche waren nur zwei Päpste komplett freiwillig zurückgetreten. Papst Coelestin V. war 1294 nach einem Pontifikat von nur fünf Monaten zurückgetreten, und 1415 trat Papst Gregor XII. ab, um beim Konzil von Konstanz die Neuwahl eines Papstes und das Ende einer Spaltung der katholischen Kirche zu ermöglichen. In anderen Fällen waren Päpste unter Druck aus dem Amt geschieden, da sie in Verbannung geschickt worden waren. Zum Rücktritt sagte der italienische Kardinal Angelo Sodano: „Das ist ein Donnerschlag aus heiterem Himmel“.

Der 85-jährige Joseph Ratzinger sagte, er spüre, dass er nicht mehr genügend Kraft habe, um sein Amt auszuüben. Die bei einem Konsistorium in lateinischer Sprache abgegebene Erklärung wurde inzwischen von Radio Vatikan verbreitet. „Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewißheit gelangt, daß meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. Ich bin mir sehr bewußt, daß dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, daß ich mein Unvermögen erkennen muß, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen“, sagte der Papst.

Benedikt_XVI. in Brasilien (2007)

Der ältere Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, war nach eigenem Bekunden seit langem in die Rücktrittsabsicht seines Bruders eingeweiht. „Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe.“ Der Rücktritt sei ein „natürlicher Vorgang“. Das Gehen bereite seinem Bruder Schwierigkeiten, ärztlich seien ihm Transatlantikflüge verboten worden. „Das Alter drückt“, sagte Georg Ratzinger zur Nachrichtenagentur dpa.

„Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch die Pflicht zurückzutreten“, sagte der Papst in einem 2010 veröffentlichten Interview. Der Rücktritt kam für viele dennoch überraschend. Italiens Ministerpräsident Mario Monti erklärte, er sei „äußerst erschüttert von dieser unerwarteten Nachricht“.

Der Sprecher der deutschen Bundesregierung, Steffen Seibert, würdigte die Arbeit von Benedikt XVI. „Die Bundesregierung hat den allerhöchsten Respekt für den Heiligen Vater, für seine Leistung, für seine Lebensleistung für die katholische Kirche… Er hat seine ganz persönliche Handschrift als Denker an der Spitze dieser Kirche und auch als Hirte eingebracht“, sagte Seibert in Berlin. Später sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der Presse, Benedikt XVI. „ist und bleibt einer der bedeutendsten religiösen Denker unserer Zeit“. Es müsse respektiert werden, wenn der Papst sich zu schwach fühle, um sein Amt weiter auszuüben. „In unserem Zeitalter immer längeren Lebens werden viele Menschen nachvollziehen können, wie sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen muss“, sagte Merkel.

Papst Benedikt XVI., Aufnahme aus dem Jahr 2007

Als „verpasste Chance“ beurteilte der parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion der Grünen, Volker Beck das Pontifikat Benedikt XVI. „Unter ihm ist die katholische Kirche teilweise wieder hinter Erneuerungen durch das zweite vatikanische Konzil zurückgefallen, beispielsweise durch die Aufhebung der Exkommunikation der antisemitisch-ausgerichteten Piusbruderschaft.“

Für den Theologen Hans Küng sei der Rücktritt „aus vielen Gründen verständlich“. Der 84-jährige Küng, der als Kritiker des Papstes gilt, hofft aber, „dass Ratzinger nicht Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nimmt.“ Es sei ohnehin schwierig, dass wegen der durch Benedikt XVI. betriebenen Berufung vieler konservativer Kardinäle in das Kardinalskollegium dieses eine Person findet, „die die Kirche aus ihrer vielschichtigen Krise herausführen könnte.“

„Ich denke, er verdient viel Anerkennung dafür, die interreligiösen Beziehungen zwischen Judentum, Christentum und Islam vorangetrieben zu haben“, sagte der aschkenasische Oberrabbiner Israels, Yona Metzger. „Während seines Pontifikats waren die Beziehungen zwischen der Kirche und dem Oberrabbinat die besten der Geschichte und wir hoffen, dass diese Entwicklung anhält.“

Nach Angaben des Vatikan-Sprechers Federico Lombardi soll bis spätestens Ende März und noch vor Ostern die Wahl des neuen Kirchenoberhauptes erfolgen. Das Konklave zur Wahl, an dem Benedikt XVI. nicht teilnehmen werde, könne 15 bis 20 Tage nach dem Rücktritt beginnen. An der Papstwahl nehmen Kardinäle teil, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Zunächst soll der Papst nach seinem Rücktritt in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom reisen und später im bisherigen Karmelkloster im Vatikan wohnen.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

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January 14, 2011

Papst Johannes Paul II. soll seliggesprochen werden

Papst Johannes Paul II. soll seliggesprochen werden

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Veröffentlicht: 21:36, 14. Jan. 2011 (CET)
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Johannes Paul II. (2004)

Rom (Italien), 14.01.2011 – Papst Johannes Paul II. soll am 1. Mai 2011 durch Papst Benedikt XVI. in Rom seliggesprochen werden. Das teilte der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Angelo Amato, in Rom mit. Der Vorgänger von Benedikt XVI. soll ein Wunder vollbracht haben.

Drei Monate nach dem Tod von Johannes Paul II. hatte Benedikt XVI. bereits das Seligsprechungsverfahren eröffnet. Normalerweise ist die Eröffnung des Verfahrens frühestens fünf Jahre nach dem Tod der Person üblich. Das Verfahren geriet jedoch in der Zwischenzeit ins Stocken, als Zweifel daran aufkamen, ob die französische Ordensfrau Marie Simon-Pierre wirklich durch den Papst von ihrer Parkinson-Krankheit geheilt worden war, was als Wunder gelten würde. Voraussetzung für eine Seligsprechung ist nämlich neben den Bedingungen, „vorbildlich aus dem Glauben heraus gelebt“ zu haben und „Jesus Christus in besonderer Weise nachgefolgt“ zu sein, dass die betreffende Person ein Wunder vollbracht hat.

Die Nonne soll plötzlich von ihrer Parkinson-Krankheit geheilt gewesen sein, nachdem Johannes Paul II. in den Monaten nach seinem Tod in Gebeten um Hilfe angefleht worden war. Die zuständige Medizinerkommission des Vatikan schaute sich, nachdem zunächst Zweifel aufgekommen waren, den Fall noch einmal genauer an und bestätigte am Ende das Wunder.

Am 8. April 2005, als auf dem Petersplatz Millionen Gläubige Abschied von Johannes Paul II. nahmen, hatten sie mit den Ausrufen „Santo subito“ die sofortige Heiligsprechung des Papstes gefordert. Dazu ist jedoch der Nachweis von mindestens zwei Wundern nötig.

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November 21, 2010

Papst rückt von striktem Kondom-Verbot ab

Papst rückt von striktem Kondom-Verbot ab

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Veröffentlicht: 22:32, 21. Nov. 2010 (CET)
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Vatikanstadt, 21.11.2010 – Papst Benedikt XVI. ist erstmals vom strikten Verbot des Gebrauchs von Kondomen für Katholiken abgerückt. In einem Interview erklärte er, dass in Einzelfällen zur Vermeidung einer Ansteckungsgefahr der Gebrauch erlaubt sei. Noch auf seiner Afrikareise im letzten Jahr hatte der Papst den bisherigen Standpunkt der Kirche vertreten, dass eheliche Treue und nicht Kondome die Antwort auf die Ausbreitung von AIDS seien. Das Verbot war auch kirchenintern kritisiert worden, so von der Initiative „Wir sind Kirche“ und der Theologin Uta Ranke-Heinemann.

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  • Portal:Papst
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May 8, 2010

Papst entlässt umstrittenen Augsburger Bischof Mixa

Papst entlässt umstrittenen Augsburger Bischof Mixa

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Veröffentlicht: 21:44, 8. Mai 2010 (CEST)
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Walter Mixa

Augsburg (Deutschland) / Vatikanstadt, 08.05.2010 – Wie der Vatikan am Samstagmittag bekannt gab, hat Papst Benedikt XVI. den Augsburger Weihbischof Walter Mixa aus seinem Amt entlassen. Er entsprach damit einem Rücktrittsgesuch des Bischofs vom 21. April des Jahres.

Mixa war wegen Vorwürfen, als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (zwischen 1975 und 1996) Heimkinder geschlagen und Gelder einer Waisenhausstiftung veruntreut zu haben, unter Druck geraten. Diese Beschuldigungen hatte Mixa teilweise zugegeben. Inzwischen geht die Staatsanwaltschaft auch Verdachtsmomenten nach, Mixa habe sich des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen schuldig gemacht. Bisher wurden jedoch lediglich Vorermittlungen aufgenommen. Ein Anwalt des Bischofs hat die Vorwürfe in der Augsburger Allgemeinen zurückgewiesen. Diese beziehen sich auf die Zeit, als Mixa Bischof in Eichstätt war (1996 bis 2005).

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, begrüßte die Entscheidung des Papstes: „Die zügige Entscheidung des Papstes schafft die notwendige Klarheit. Sie gibt allen Beteiligten die Chance zum Neuanfang. Ich danke Papst Benedikt für seine Unterstützung der Kirche in Deutschland.“

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March 20, 2010

Missbrauchsskandal in Irland: Papst räumt „schwerwiegende Fehler“ ein

Missbrauchsskandal in Irland: Papst räumt „schwerwiegende Fehler“ ein

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Veröffentlicht: 19:37, 20. Mär. 2010 (CET)
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Vatikanstadt, 20.03.2010 – Papst Benedikt XVI. hat wegen der Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche in Irland einen „Hirtenbrief an die Katholiken in Irland“ geschrieben, der heute vom Vatikan veröffentlicht wurde. Darin entschuldigt er sich bei den Opfern. Den Bischöfen der römisch-katholischen Kirche in Irland wies er dabei eine Mitschuld an den Vorgängen zu. Diese hätten bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle „schwerwiegende Fehler“ begangen. Die Reaktionen auf den Hirtenbrief fielen unterschiedlich aus.

In dem Brief wendet sich der Papst auch direkt an die Priester in Irland, die sich in diesem Zusammehang schuldig gemacht haben: „Ihr habt das Vertrauen, das von unschuldigen jungen Menschen und ihren Familien in Euch gesetzt wurde, verraten und Ihr müsst Euch vor dem allmächtigen Gott und vor den zuständigen Gerichten dafür verantworten.“ Als konkrete Maßnahme kündigte der Papst eine Apostolische Visitation einiger Bistümer Irlands an. Die Kirche in Irland forderte er auf, die „schwere Sünde gegen schutzlose Kinder vor Gott“ offen zuzugeben.

Irische Missbrauchsopfer äußerten sich enttäuscht über den Hirtenbrief. Der Papst gebe die Schuld nur den rangniederen irischen Priestern, während die Verantwortung des Vatikans nicht thematisiert werde.

Lobend äußerte sich der Moraltheologe Michael Rosenberger von der Diözese Linz. Rosenberger zeigte sich beeindruckt vom Fingerspitzengefühl des Papstes für die Situation der Opfer: „Der Papst zeigt, dass er deren Nöte auch im Detail wahrnimmt. Das Mitgefühl mit den Opfern zieht sich durch das gesamte Dokument.“ Positiv hob er ebenfalls hervor, dass der Papst erstmals in dieser Deutlichkeit die volle Zusammenarbeit mit der weltlichen Justiz gefordert habe.

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February 12, 2009

Papst rehabilitierte weitere Rechtsextreme

Papst rehabilitierte weitere Rechtsextreme

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Veröffentlicht: 18:38, 12. Feb. 2009 (CET)
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Vatikanstadt, 12.02.2009 – Mit der Aufhebung der Exkommunikation des Holocaustleugners Williamson, Bischof der Piusbruderschaft, stieß der Vatikan innerhalb wie außerhalb der römisch-katholischen Kirche vielfach auf Kritik, Unverständnis und Empörung. Die Aufhebung der Exkommunikation ihrer Bischöfe war eine der Bedingungen, die die Bruderschaft stellte, um den Dialog mit dem Vatikan über ihre Annerkennung aufzunehmen. Die Bruderschaft erkennt das Zweite Vatikanische Konzil nicht an, in dem es unter anderem um die Akzeptanz der Menschenrechte und Fragen der Religionsfreiheit ging. Ob Papst Benedikt XVI. von der Piusbruderschaft die Anerkennung der Menschenrechte verlangt, ist fraglich, denn bereits 2006 gründete der ehemalige Piusbruder und bekannte Unterstützer der rechtsextremen Front National, Abt Philippe Laguérie, mit päpstlichem Segen eine eigene Bruderschaft, ohne sich zum II. Vatikanischen Konzil bekennen zu müssen. Dieser Vorgang ist noch prekärer, da Laguérie als katholischer Traditionalist die Kirche gar nicht spalten kann, da ihm dazu nach katholischem Verständnis die apostolische Sukzession fehlt.

Abt Laguérie, in Frankreich auch bereits als Piusbruder durch zahlreiche Medienauftritte bekannt, taufte ein Patenkind des rechtsextremem Politikers Le Pens. 1991 erklärte er zur Partei Le Pens: Die Front National sei die Partei, die am wenigsten weit „von dem Naturrecht“ entfernt sei. [1] 1987 hatte er bereits im französischem Fernsehen Äußerungen Le Pens zum Holocaust mit den Worten verteidigt, der Vorsitzende der Front National sei ein Opfer der „grande banque juive“, des jüdischen Finanzkapitals, das Frankreich seit 45 Jahren tyrannisieren würde. Die Thesen der Holocaustleugner Roques und Faurisson seien absolut wissenschaftlich. [2] Ferner hielt er 1996 ein Requiem für den verurteilten Kriegsverbrecher Paul Touvier, der zuvor von der Piusbruderschaft in einem Kloster in Nizza versteckt wurde. Touvier hatte im 2. Weltkrieg Juden hinrichten lassen, als Vergeltung für einen Anschlag des französischen Widerstands auf einen Minister der mit Nazideutschland kollaborierenden Vichy-Regierung. Laguérie erklärte sich zum Anwalt Touviers vor Gott. Vor dem Letzten Gericht gäbe es keine Medien, keine Inszenierungen, keine Nebenkläger und keine Organisationen gegen Rassismus und Antisemitismus. [3] [4] [5] [6]

2004 wurde Laguérie wegen seiner heftigen Kritik an Leitung und Dozenten des von der Piusbruderschaft in Écône betriebenen Priesterseminars aus der Bruderschaft ausgeschlossen, nachdem er zuvor eine dienstliche Versetzung nach Mexiko abgelehnt hatte.

2006 trat Laguérie mit einigen weiteren Ex-Mitgliedern der Priesterbruderschaft St. Pius X. in kirchliche Gemeinschaft mit Papst Benedikt XVI. und wurde von diesem zur Gründung und Leitung des „Institut du Bon Pasteur“ („Institut zum Guten Hirten“) ermächtigt. Die Gesellschaft des Apostolischen Lebens päpstlichen Rechts wurde durch die päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ am 8. September 2006 auf zunächst fünf Jahre, ad experimentum, errichtet. Eine Ausweitung der Tätigkeit ist im Gange. Die Angehörigen des Instituts haben sich zur Treue gegenüber dem „unfehlbaren Lehramt der Kirche“, d. h. dem römischen Papst und den Ökumenischen Konzilien, verpflichtet, dürfen und wollen jedoch „ernsthafte und konstruktive Kritik“ an den Entscheidungen des Zweiten Vatikanischen Konzils und deren Umsetzung vortragen. Damit verbleibt die Bruderschaft in der Tradition Lefebvres.

Es ist wahrscheinlich, dass der Papst über die Gesinnung Laguéries, Williamsons und der Priesterbruderschaft St. Pius X. informiert war, da er ja selbst an dem Prozess der Exkommunikation Lefebvres und der abtrünnigen Bischöfe der Bruderschaft beteiligt war. [7] Die Piusbruderschaft beruft sich auf ultramontane Lehren und hat in Frankreich von Anfang an mit der extremen Rechten sympathisiert.[8]

  • Marcel Lefebvre, der 1991 verstorbene Gründer der Priesterbruderschaft St. Pius X., schrieb am 31. August 1985 in einem Brief an Papst Johannes Paul II., die Feinde der Kirche seien Juden, Kommunisten und Freimaurer. [9] „Wegen des Abfalls vom Glauben, der in Rom herrscht, müssen wir mit ansehen, wie die Seelen in Massen der Hölle zustreben? Der Atheismus beruht auf der Erklärung der Menschenrechte. Die Staaten, die sich seither zu diesem offiziellen Atheismus bekennen, befinden sich in einem Zustand dauernder Todsünde“ predigte Lefebvre zu Allerheiligen 1990 im schweizerischen Ecône, dem Hauptsitz seiner Bruderschaft.[10] In den Jahren zuvor fiel er auch öffentlich durch Aussagen in Predigten auf, wonach die Militärjunta von Argentinien und die Diktatur in Chile unter Augusto Pinochet vorbildliche Regierungen seien. Lobende Worte fand er auch für die Diktatoren Franco, Salazar und Pétain. Marcel Lefebvre wurde durch reaktionäre Aristokraten, die sich die Monarchie zurück wünschen und aus autoritär-republikfeindlichen Kreisen des Großbürgertums finanziell unterstützt. [11]
  • Die Piusbruderschaft nahm mehrfach an Pilgerfahrten zum Grab des Nazi-Kollaborateurs Pétain teil, wobei 2007 der französische Distriktobere der Bruderschaft, Abbe Regis de Cacqueray, den „Kampf von Patin für Frankreich“ mit dem „Kampf des Lefebvres für die katholische Kirche“ verglich. [12][13]
  • Am 12. Mai 1982, während der Pilgerreise des Papst Johannes Paul II. in Portugal zum Dank, dass er das Attentat vom 13. Mai 1981 überlebt hatte, versuchte der ultrakonservative katholische Priester und Anhänger des französischen Bischofs Marcel Lefebvre, Joan Fernandez Krohn mit einem Bajonett ein weiteres Attentat auf den Papst zu verüben, konnte jedoch von dessen Leibwächtern überwältigt werden. Der Attentäter begründete sein Handeln mit der „Rettung“ der katholischen Kirche vor den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Selbst wenn Williamsons von der Holocaustlegung abrücken sollte, wie es der Vatikan inzwischen fordert, bleibt fraglich, ob sich der Piusbruder auch vom Antisemitismus distanziert. Wie Williamson distanziert sich auch die Piusbruderschaft nicht von Demokratiefeindlichkeit und Frauenunterdrückung. Die Suche nach Akzeptanz der Menschenrechte und Toleranz gegenüber Andersgläubigen verlief auch bei der deutschen Sektion der Piusbruderschaft bislang vergeblich. [14][15]

Die Motive des Papst bleiben im Unklaren. „Benedikt wusste, was er tat und mit wem er es zu tun hatte. Niemand im Vatikan kennt die Piusbruderschaft länger und wohl auch besser als er“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. icare.to: „Internet Centre Anti-Racism Europe: Philippe Laguérie qui établissait dès 1991 que le Front National était „le parti le moins éloigné du droit naturel““ (24.08.2005)
  2. le.monde.fr: „Tout le flot de haine qui est dirigé contre Jean-Marie Le Pen, affirme-t-il, est suscité, organisé, par la grande banque juive qui tient la France en dictature depuis quarante-cinq ans (…) D’ailleurs, les thèses des professeurs Roques et Faurisson sont parfaitement scientifiques.“ – Philippe Laguérie ; Gründer des „Institut du Bon Pasteur“ („Institut zum Guten Hirten“)“ (18.09.87)
  3. Lefebvre movement: long, troubled history with Judaism
  4. liberation.fr: „Vade retro sontanas“ (11.10.2006)
  5. AngelusOnline Page 831
  6. Literature of the Holocaust: „Paul Tourvier,81, French War Criminal“ (18.06.1996)
  7. faz.net: „Papst Benedict XVI. und die Piusbrüderschaft: Der unbedarfte Brückenbauer“ (06.02.2009)
  8. faz.net: „Papst-Dekret:Ein Politikum“ (29.01.2009)
  9. Lefebvre movement: long, troubled history with Judaism
  10. Die Welt: „Marcel Lefebvre, der Mann, der die Kirche spaltete“ (04.02.2009)
  11. A l’extrême droite de Dieu; Introduction au dossier sur la Fraternité lefebvriste
  12. Adresse au Maréchal Pétain par Mgr Lefebvre (13 avril 1987 à l’Ile d’Yeu), Invitation et affiche du pélerinage du 22 septembre 2007, accompagné d’une sur le site de La Porte latine
  13. Photos du pélérinage, bénédiction de la tombe de Pétain par l’abbé de Cacqueray, 22/09/2007, sur le site du Prieuré de Saint-Louis
  14. sueddeutsche.de: „Papst und Pius-Brüder:Mit dem Rücken zur Welt“ (04.02.2009 11:23 Uhr)
  15. faz.net: „Deutsche Piusbruderschaft – Der Teufel versteht die Lage besser“ (08.02.2009)

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February 8, 2009

Weihbischof von Linz: „Homosexualität ist heilbar“

Weihbischof von Linz: „Homosexualität ist heilbar“

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Veröffentlicht: 17:28, 8. Feb. 2009 (CET)
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Linz (Österreich), 08.02.2009 – Während die interessierte Öffentlichkeit von dem Streit um die Rücknahme der Exkommunikation des Pius-Bruders Richard Williamson noch in Atem gehalten wird, sorgt in Österreich eine andere Personalie für Unmut in einigen katholischen Gemeinden der Alpenrepublik. Der gerade erst ernannte Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner sorgt mit einigen Aussagen für Schlagzeilen. Gegenüber der österreichischen Zeitschrift profil nahm er zum Thema Homosexualität Stellung. Der Weihbischof von Linz bejaht die Frage, ob Homosexualität heilbar sei und behandelt werden müsse: „Dafür gibt es genügend Beispiele, nur davon spricht man nicht.“

Das Bild zeigt zerstörte Häuser nach dem Hurrikan Kathrina, 2005
Interpretation durch Weihbischof Wagner:
Das „Prinzip des strafenden Gottes“:

Weihbischof von Linz: „Homosexualität ist heilbar“
Es ist wohl kein Zufall, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs zerstört wurden.
Weihbischof von Linz: „Homosexualität ist heilbar“

– Gerhard Wagner, Weihbischof von Linz, laut kurier.at

Der ehemalige Pfarrer von Windischgarsten war erst am 4. Februar von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof der Diözese Linz ernannt worden. In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Kurier bekannte sich Wagner zum „Prinzip des strafenden Gottes“. So sieht der Bischof Naturkatastrophen als Strafen Gottes an: „Eltern strafen ja auch ihre Kinder – und das hoffentlich aus Liebe. Warum soll Gott nicht auch ein Signal setzen? In der Heiligen Schrift haben wir ganz klar das Prinzip des strafenden Gottes.“ Zu den katastrophalen Auswirkungen des Hurrikans Kathrina hatte Wagner „geistige Umweltverschmutzung“ als Ursache ausgemacht. Es sei kein Zufall gewesen, „dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs zerstört wurden.“ Frühere Äußerungen Wagners zu den „Harry-Potter-Romanen“, die er als „satanisches Werk“ ansieht, hatten auch bereits für Verwunderung gesorgt. Gegenüber dem Kurier präzisierte er diese Aussage: „Bei Harry Potter ist von Zauberei und Hexerei die Rede. Das ist nicht harmlos.“ Wagner sieht zum Beispiel im dritten Band der Harry-Potter-Reihe „viel Okkultes“, wovor man Kinder schützen müsse.

Die Kritik an seiner Person nimmt der Weihbischof gelassen auf. Dass seinetwegen immer mehr Menschen aus der Kirche austreten, tue ihm leid, „aber ich habe um die Zukunft der Kirche keine Angst.“ Er fügt hinzu: „Vielleicht müssen wir erst wieder eine kleine Gruppe werden, um dann stärker hinaus zu wirken. Und dann werden die Wenigen mehr bewegen als die Vielen, die sich nicht bewegen.“

In Österreich treten seit Beginn der 1980-er Jahre jährlich zwischen 30.000 und 50.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus.

Nach der Ernennung Wagners verdoppelte sich in den Wiener Gemeinden der katholischen Kirche die Zahl der Kirchenaustritte. In Linz kam es zu einer Verdreifachung dieser Zahl. Hans Peter Hurka, Vorsitzender der Plattform „Wir sind Kirche“ innerhalb der katholischen Kirche sieht die Ursache für die wachsende Zahl von Kirchenaustritten in einer Auseinanderentwicklung zwischen der katholischen Basis und der Amtskirche. Bei den Gläubigen habe sich sehr viel verändert, während sich in der Amtskirche fast nichts bewege. In den Entscheidungen des Papstes sieht er ein massives Ungleichgewicht: „Es steckt politisches Kalkül dahinter, rechte Strömungen in der Kirche sollen gestärkt werden.“

Themenverwandte Artikel

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February 4, 2009

Vatikan fordert Entschuldigung von Williamson wegen Holocaust-Leugnung

Vatikan fordert Entschuldigung von Williamson wegen Holocaust-Leugnung

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Veröffentlicht: 23:36, 4. Feb. 2009 (CET)
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Die Gaskammer im Konzentrationslager Mauthausen

Vatikan fordert Entschuldigung von Williamson wegen Holocaust-Leugnung
Ich denke, dass 200.000 bis 300.000 Juden in Nazi-Konzentrationslagern starben, aber keiner von ihnen in Gas-Kammern.
Vatikan fordert Entschuldigung von Williamson wegen Holocaust-Leugnung

– Bischof Williamson, laut http://www.katholisches.info/?p=2561

Vatikanstadt, 04.02.2009 – Der Vatikan reagierte heute auf die Kritik an der Entscheidung, die Exkommunikation des britischen Bischofs Richard Williamson aufzuheben mit der Forderung an den der Priesterbruderschaft St. Pius X. angehörenden Bischof, sich von seinen Äußerungen, in denen er den Holocaust in Frage gestellt hatte, „eindeutig und öffentlich“ zu distanzieren. Andernfalls könne Richardson seine „bischöflichen Funktionen innerhalb der Kirche“ nicht zurück erhalten. Richardson hatte in einem Interview unter anderem die Existenz von Gaskammern zur Judenvernichtung in deutschen Konzentrationslagern bestritten. Die Aufhebung der Exkommunikation des Priesters durch den Vatikan war von bedeutenden Teilen der internationalen Öffentlichkeit mit deutlicher Kritik, teilweise Entsetzen aufgenommen worden. Zuletzt hatte sich sogar die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in die öffentliche Debatte eingeschaltet und den Papst öffentlich zu einer Klarstellung aufgefordert. Merkels Erklärung wurde heute vom Vatikan zurückgewiesen. Der Pressesprecher des Vatikan, Federico Lombardi, erklärte am Dienstag, die Haltung des Papstes zum Völkermord an den Juden „könnte klarer nicht sein“. Die Merkel-Äußerungen hatten auch in Deutschland zum Teil Widerspruch ausgelöst. Der Europaparlamentarier Bernd Posselt (CSU) forderte Merkel dazu auf, sich nicht als „Lehrmeisterin des Papstes“ aufzuspielen. Der Freiburger Theologie-Professor Hubert Windisch warf der Bundeskanzlerin Amtsmissbrauch vor. Ihre Kritik am Papst sei durch „Arroganz“ und „Ignoranz“ gekennzeichnet: „Weiß sie denn nicht, wie oft und wie deutlich der Papst zum Holocaust Stellung genommen hat?“, fragt der Theologe. Nach ihrer Einlassung sei die Kanzlerin für Katholiken nicht mehr wählbar, erklärte Windisch weiter. Unterstützung bekam Merkel von der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) und von ihrem sozialdemokratischen Koalitionspartner. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering nannte die Entscheidung des Papstes einen „historischen Fehler“. Er sagte weiterhin gegenüber der Berliner Zeitung: „Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel.“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßt zwar die Erklärung des Vatikan von heute als „Schritt in die richtige Richtung“, die Erklärung gehe jedoch nicht weit genug. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süskind, wurde noch deutlicher. Sie fordert die Rücknahme der päpstlichen Entscheidung: „Es gibt nur eins: Dieser Mann muss aus der katholischen Kirche raus.“ Der TV-Moderator und ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman griff den Papst persönlich an. Dieser sei ein „Lügner und ein Heuchler“, wenn er einerseits erkläre, er wolle den Dialog mit dem Judentum führen und andererseits solche Holocaust-Leugner wie Williamson „mit offenen Armen aufnimmt“.

Auch von katholischen Bischöfen wird weiterhin öffentlich Kritik an der Entscheidung des Vatikan geübt, Williamsons Exkommunizierung aufzuheben. Der Münchner Bischof Reinhard Marx sagte: „Wer den Holocaust leugnet, hat keinen Platz in der katholischen Kirche.“

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January 25, 2009

Papst holt Lefebvre-Bischöfe in katholische Kirche zurück – darunter ein Holocaustleugner

Papst holt Lefebvre-Bischöfe in katholische Kirche zurück – darunter ein Holocaustleugner

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Veröffentlicht: 21:43, 25. Jan. 2009 (CET)
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Vatikanstadt, 25.01.2009 – Nach einem Bericht der italienischen Zeitung „Il Giornale“ soll Papst Benedikt XVI. ein Dekret bereits unterschrieben haben, das den Ausschluss von vier Bischöfen der von Marcel Lefebvre gegründeten ultrakonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. aus der katholischen Kirche rückgängig machen soll.

Von der Entscheidung betroffen ist unter anderem der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Williamson ist der Meinung, dass zwei- bis dreihunderttausend Juden in Nazi-Konzentrationslagern umgekommen seien. In einem Fernsehinterview hat der britische Bischof auch die Existenz von Gaskammern unter der Hitlerherrschaft bezweifelt. Die Äußerungen Williamsons waren insbesondere bei jüdischen Organisationen auf Unverständnis gestoßen. Der Rabbiner David Rosen wird von der italienischen Nachrichtenagentur ANSA mit den Worten zitiert, Williamson sei eine „klar antisemitische Person“ und die Rücknahme der Exkommunikation sei „ein Schritt, der die gesamte Kirche verseucht.“ Auch die Priesterbruderschaft Pius X. hat sich von den Äußerungen Williamsons distanziert. Der Distriktobere der Bruderschaft von Deutschland, Franz Schmidberger, erklärte: „Es ist klar, dass für Äußerungen, wie sie Bischof Williamson angeblich gemacht hat, nur der Urheber selbst verantwortlich ist und diese nicht die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. widerspiegeln.“

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat gegen Williamson ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, weil die umstrittenen Äußerungen während eines Aufenthaltes des Bischofs beim Besuch eines Priesterseminars der Bruderschaft Pius X. im Ortsteil Zaitzkofen des Marktes Schierling im Landkreis Regensburg stattgefunden hatte. Holocaustleugnung steht in Deutschland unter Strafe.“ N-tv.de zitiert einen Vatikansprecher mit folgenden Worten: „Über die Äußerungen Williamsons zum Holocaust müsse auf anderer Ebene gerichtet werden.“ Bei der Entscheidung des Papstes gehe es ausschließlich darum, die Anhänger der Bruderschaft Pius X. wieder zu integrieren.

Die NZZ berichtet unter Berufung auf katholische Theologen, dass die Leugnung des Holocausts nach dem katholischen Kirchenrecht kein Grund für eine Exkommunikation sei. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi bezeichnete die in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Äußerungen des Bischofs als „in keiner Weise akzeptabel“. Die Aufhebung der Exkommunikation habe mit den Äußerungen des Bischofs jedoch nichts zu tun.

Sitz des Priesterseminars in Ecône, Schweiz

Die vier Bischöfe waren 1988 von dem 1991 verstorbenen, ehemaligen Erzbischof Marcel Lefebvre illegal geweiht worden und daraufhin aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden. Erzbischof Lefebvre opponierte gegen den von der katholischen Kirche mit dem 2. Vatikanischen Konzil (zwischen 1962 und 1965) eingeleiteten Reformkurs. Ein von ihm 1970 in Ecône gegründetes Priesterseminar wurde zu Beginn von der Kirchenführung toleriert. 1976 ignoriert Lefebvre jedoch ein päpstliches Verbot, Priester und Diakone zu weihen, was seine Suspendierung zur Folge hat. Die Bischofsweihe von 1988 führt dann zur Exkommunikation Lefebvres und der vier geweihten Bischöfe aus der römisch-katholischen Kirche durch Papst Johannes Paul II. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (lateinisch: Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X. (decimi), abgekürzt FSSPX) weist auf ihrer deutschsprachigen Homepage darauf hin, dass sie ordnungsgemäß in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der römisch-katholischen Kirche gegründet worden sei und dass diese Zulassung vom Papst nie wieder aufgehoben worden sei. Daher betrachtet die Priesterschaft auch die Suspendierung Lefebvres als ungültig, da sie nicht auf einer rechtlich unzweifelhaften Grundlage beruhe. Die Priesterbruderschaft ist inzwischen stark angewachsen; Priesterseminare wurden in vielen Ländern, unter anderem in Deutschland, Frankreich, Australien, den Vereinigten Staaten und Argentinien gegründet. Der Priesterbruderschaft gehören nach eigenen Angaben heute „417 Priester, 62 Brüder und ebenso viele Schwestern sowie 183 Seminaristen“ an.

Nach der Papstkrönung Benedikts XVI. kam es zu einer Entspannung zwischen der offiziellen Papstkirche und den abtrünnigen Lefevbre-Anhängern insbesondere durch die päpstliche Entscheidung vom März 2007 Latein wieder als offizielle Sakralsprache der katholischen Liturgie zuzulassen.

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May 16, 2007

Kritik an Papst nach Äußerung zur Christianisierung

Kritik an Papst nach Äußerung zur Christianisierung

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Aparecida (Brasilien), 16.05.2007 – Nach der Rede von Papst Benedikt XVI. (bürgerlich: Joseph Alois Ratzinger) bei der lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Aparecida in Brasilien, in der dieser behauptet hatte, die Ureinwohner hätten die Christianisierung „still herbeigesehnt“, wurde scharfe Kritik laut. Er meinte auch, die katholische Kirche habe die Ureinwohner erlöst.

Die in Venezuela als Ministerin für indogene Völker tätige Indianerin Nizia Maldonado nannte die lateinamerikanische Kolonisation einen „Völkermord“. Abel Barrera, ein mexikanischer Menschenrechtler, verurteilte die Äußerung als „ethnozentrische, rassistische und wenig respektvolle Sicht der indigenen Kulturen“. Sandro Tuxe, der Koordinator der nördlichen Stämme, zeigte sich ebenfalls empört: „Zu sagen, dass die kulturelle Dezimierung unseres Volkes eine Reinigung darstellt, ist beleidigend und beängstigend.“ Luis Evelis Andrade nannte als Direktor der Organisation der Ureinwohner Kolumbiens die Einführung des Katholizismus einen Mechanismus, durch den Ureinwohner dominiert worden seien. Dies nicht anzuerkennen, sei eine Verschleierung der Geschichte. „Es ist arrogant und respektlos, unser kulturelles Erbe als zweitrangig zu bewerten“, so auch der Leiter der Coiab, eines Stammes am Amazonas, Jecinaldo Satere Mawe.

In Brasilien wurden zwischen 1500 und 2001 beinahe 1.500 Volksgruppen der Indianer vernichtet, so der katholische Indianermissionsrat in Brasilia. Durch die Kolonisation Lateinamerikas, die von der katholischen Kirche unterstützt wurde, starben Millionen Ureinwohner.

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