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March 9, 2016

Eklat in Bremen um Integrationsklassen an Privatschulen

Eklat in Bremen um Integrationsklassen an Privatschulen

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Veröffentlicht: 19:42, 9. März 2016 (CET)
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Motschmann, Bundestagsabgeordnete der CDU aus Bremen

Bremen (Deutschland), 09.03.2016 – Für Entrüstung sorgte die ideologische Haltung der Bremer SPD hinsichtlich der Integration von Flüchtlingskindern. Presseberichten zufolge sind in Bremen rund 600 dieser Kinder schulpflichtig, doch gibt es für sie noch keinen entsprechenden Platz in einer staatlichen Schule, damit sie am Unterricht teilnehmen können. Ein diesbezügliches Angebot einiger Privatschulen wurde von der zuständigen Bildungsbehörde zunächst begrüßt. Vom Parlamentsausschuss, der in Bremen Deputation für Bildung heißt, kam jedoch eine Ablehnung. Der bildungspolitische Sprecher der SPD–Bürgerschaftsfraktion begründete dies wie folgt: „Die Trennung von Staat und Religion ist ein hohes Gut. Privatschulen sind durch das Grundgesetz geschützt, aber sie sollten freiwillig besucht werden“. Elisabeth Motschmann, die für die CDU das kleinste Bundesland im Bundestag vertritt, erklärte, die ablehnende Haltung sei skandalös: „Die konfessionellen Schulen und Waldorfschulen in Bremen dürfen keine Integrationsklassen einrichten.“ Auch die anderen Partei reagierten mit Unverständnis.

Bremen geht – insbesondere was den Religionsunterricht an Schulen anbelangt – seit Jahrzehnten einen Sonderweg, der als Bremer Klausel bekannt ist. So heißt es in der Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen: „Die allgemeinbildenden öffentlichen Schulen sind Gemeinschaftsschulen mit bekenntnismäßig nicht gebundenem Unterricht in Biblischer Geschichte auf allgemein christlicher Grundlage.“ Die praktische Umsetzung wurde – auch in Anbetracht eines gewandelten gesellschaftlichen Verständnisses – auf Drängen der GRÜNEN im Jahre 2014 grundlegend geändert, ohne an der Verfassung zu rütteln. Das Fach heißt jetzt einfach „Religion“.

Vier Tage nach der Erklärung des bildungspolitischen Sprechers der SPD, der auch für den Landesvorsitz der Partei kandidiert, zeichnete sich – wohl auch aufgrund der öffentlichen Kritik – ein Meinungsumschwung in der Bremer SPD ab. Fraktionssprecher Matthias Koch sagte: „Die Fraktion begrüßt es, wenn auch Privatschulen Vorkurse anbieten und hat die Bildungssenatorin heute aufgefordert, Gespräche zu führen.“ Die konfessionellen und freien Schulen hatten rund 110 Vorkurs-Plätze angeboten.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

Wikinews-logo.svg   Portal:Religion

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March 3, 2016

Ausschreitungen bei Demonstration gegen Bildungsplan der grün-roten Landesregierung

Ausschreitungen bei Demonstration gegen Bildungsplan der grün-roten Landesregierung

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Veröffentlicht: 19:30, 3. März 2016 (CET)
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Hedwig von Beverfoerde

Stuttgart (Deutschland), 03.03.2016 – Ein konservatives Aktionsbündnis in Baden-Württemberg hat gegen die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ demonstriert. Die schätzungsweise 4500 Demonstranten sahen sich von einer Gegendemonstration aus Linkspartei, Grünen-Jugend, Jusos, Gewerkschaften und linksradikalen Organisationen konfrontiert, so dass die Polizei mit mehr als 600 Beamten eingreifen musste. 18 Personen, darunter drei Polizisten, wurden verletzt.

Unter den Gastrednern waren der Generalsekretär der Evangelischen Allianz Deutschland Hartmut Steeb und der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Steeb nannte den Lehrplan der rot-grünen Landesregierung in Baden-Württemberg eine „gottlose Revolution von oben“. Hedwig von Beverfoerde, Organisatorin des Aktionsbündnisses „Für Ehe und Familie – Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!“, sprach von der „klammheimlichen“ Inkraftsetzung eines Bildungsplans, demzufolge Schulkinder ihrer Ansicht nach zu früh mit den verschiedenen Formen menschlicher Sexualität vertraut gemacht werden sollen. Die Organisatorin lehnt auch die völlige rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften mit der Ehe ab.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

Wikinews-logo.svg   Portal:Kinder- und Jugendfragen (Deutschland)

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November 24, 2011

Bertelsmann Studie zur Bildung in Deutschland stuft Bremen als Schlusslicht ein

Bertelsmann Studie zur Bildung in Deutschland stuft Bremen als Schlusslicht ein

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Veröffentlicht: 06:21, 24. Nov. 2011 (CET)
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Gütersloh (Deutschland), 24.11.2011 – Die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh hat im Rahmen ihres Programms „Zukunft der Beschäftigung“ einen „Deutschen Lernatlas“ veröffentlicht. Es wurden statistische Vergleiche zwischen Bundesländern, Städten und Landkreisen dargestellt. Insgesamt wurden 412 Kreise und kreisfreie Städte untersucht. Im Ergebnis landete das kleinste Bundesland Bremen (und auch die Städte Bremen und Bremerhaven) auf dem letzten Platz. Der Mittelwert beim schulischen Lernen liegt in Deutschland laut dem Lernatlas von Bertelsmann bei 39,81 Punkten – das Land Bremen erreichte nur 18,62 Punkte. Aber auch in Bereichen wie der beruflichen Weiterbildung und der Arbeitsmarktsituation steht Bremen schlecht da. So beträgt die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit vor Beginn einer beruflichen Weiterbildung in der Stadt Bremen 291 Tage, im Durchschnitt sind es 154 Tage – also etwa nur halb so viel. Zu viel Unterricht werde von fachfremden Lehrkräften erteilt, 20 Prozent des Mathematikunterrichts in Gymnasien und 31 Prozent des Deutschunterrichts werden nicht von Fachlehrern gegeben, kritisiert die Bremer CDU und schiebt der bisherigen Bildungspolitik der rot-grünen Regierungskoalition, die seit 2007 im Amt ist, die Schuld zu.

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November 13, 2011

FDP: Parteitag verweigert Rösler und Lindner Gefolgschaft in der Bildungspolitik

FDP: Parteitag verweigert Rösler und Lindner Gefolgschaft in der Bildungspolitik

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Veröffentlicht: 18:57, 13. Nov. 2011 (CET)
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FDP-Generalsekretär Christian Lindner muss nach den Umfrage- und Wahlschlappen nun auch einen Dämpfer von der Parteibasis verkraften

Frankfurt am Main (Deutschland), 13.11.2011 – Die neue Parteiführung der FDP um den Vorsitzenden Philipp Rösler und Generalsekretär Christian Lindner ist auf dem Bundesparteitag in Frankfurt mit einem Antrag zur Bildungspolitik gescheitert. Während 217 Delegierte dem Antrag zustimmten, verweigerten sich 261 (55 Prozent).

Kern des Antrags ist die Forderung nach einer Lockerung des Kooperationsverbots in der Bildungspolitik. Die 2009 verabschiedete Föderalismusreform hat dem Bund auf dem Gebiet der Schul- und Hochschulpolitik neben der Gesetzgebungskompetenz auch die Möglichkeit der Einflussnahme durch finanzielle Zuwendungen entzogen. Das Politikfeld befindet sich seither ausschließlich in den Händen der Bundesländer. Aktuelle Probleme des deutschen Bildungssystems werden von vielen Bildungspolitikern und -experten auch auf diese Weichenstellung zurückgeführt.

Die FDP muss seit Beginn der CDU/CSU/FDP-Regierung unter Angela Merkel im Jahre 2009 ausgehend von einem sehr hohen Niveau stetig sinkende Umfragewerte und Landtagswahlergebnisse verzeichnen. Seit einigen Monaten bewegt sie sich in der „Sonntagsfrage“ stets unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Im Mai 2011 wurde Guido Westerwelle nach zehn Jahren als Parteivorsitzender abgelöst. Seither versuchen Rösler und Lindner, die Politik der Partei wieder populärer zu machen. Bisher konnten sie dabei noch keine Erfolge verzeichnen. Neben der bildungspolitischen Bedeutung könnte die Gefolgschaftsverweigerung durch die Delegierten in diesem Zusammenhang auch als „Warnschuss“ an die Parteiführung interpretiert werden.

Verwandte Themen[Bearbeiten]

  • Portal:FDP

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November 4, 2011

UNESCO veröffentlicht Richtlinien für freie Lehrmaterialien an Hochschulen

UNESCO veröffentlicht Richtlinien für freie Lehrmaterialien an Hochschulen

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Veröffentlicht: 17:36, 4. Nov. 2011 (CET)
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Vancouver (Kanada), 04.11.2011 – Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) und der Commonwealth of Learning haben am Dienstag einen Leitfaden für den Einsatz freier Lehrmaterialien an Hochschulen und Universitäten veröffentlicht. Die Autoren begründen diese Empfehlung damit, dass in den Jahren bis 2025 die Zahl der Studierenden um mehr als 50 Prozent auf 260 Millionen ansteigen werde, doch die Bildungsetats nur unzureichend angepasst würden.

Offene Lizenzen würden einen strukturierten Rechtsrahmen bieten, um Rechte der Autoren trotz der allgemeinen Digitalisierbarkeit und Kopierbarkeit der Inhalte zu schützen. Das transformative Bildungspotential freier Lehrmaterialien ließe sich aber nur erschließen, wenn auf die Qualität und Offenheit der Inhalte und die systematische Einbeziehung der Lehrenden und Lernenden hinreichend Wert gelegt würde.

Der Leitfaden weist darauf hin, dass Regierungen häufig in der Lage seien einzufordern, dass mit öffentlichen Mitteln geschaffene Lehrmittel unter eine gemeinfreie oder Creative Commons Lizenz gestellt werden, damit diese weiterverbreitet werden können. Den Regierungen wird nahegelegt, Rahmenbedingungen in Forschung und Lehre zu schaffen, unter denen vermehrt freie Lehrmittel in hoher Qualität erstellt werden und dauerhaft frei verfügbar bleiben. Lehreinrichtungen wiederum sollten die Integration freier Lehrmaterialien fördern, sich selbst an deren Erstellung beteiligen und den Zugang von Studenten und Hochschullehrern zu solchen freien Lehrmaterialien ermöglichen. Auch die Mitwirkung von Studenten wird im Rahmen der Initiative ist angedacht. Sie sollen selbsterstellte Lehrmaterialien unter freien Lizenzen veröffentlichen und unter Ausnutzung sozialer Netzwerke an der Qualitätssicherung und -verbesserung freier Lehrmittel mitwirken.

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April 27, 2011

Baden-Württemberg: Grün-Rot schließt Koalitionsvertrag

Baden-Württemberg: Grün-Rot schließt Koalitionsvertrag

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Veröffentlicht: 16:56, 27. Apr. 2011 (CEST)
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Stuttgart (Deutschland), 27.04.2011 – Genau einen Monat nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg haben sich Bündnis 90/Die Grünen und SPD in Stuttgart auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Zum ersten Mal in der über 50-jährigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland führen die Grünen eine Landesregierung und stellen den Ministerpräsidenten. Auch für die SPD ist es das erste Mal, dass sie Juniorpartner einer grün-roten Landesregierung ist.

Beim umstrittenen Thema Stuttgart 21 einigten sich die beiden Parteien auf einen Kompromiss. Es wurde vereinbart, dass das Land sich nicht an Mehrkosten beteiligt, die die Projektkosten in Höhe von 4,5 Milliarden Euro übersteigen. Außerdem soll bis Oktober eine Volksabstimmung in Baden-Württemberg durchgeführt werden. Weitreichende Reformen will die Koalition im Schulwesen durchführen. Es soll mehr Ganztags- und Gemeinschaftsschulen bis zur Klasse 10 geben. Der Ausstieg aus der Kernenergie soll beschleunigt werden und ergebnisoffen nach einem Endlager gesucht werden. In der Verkehrspolitik sollen Bahn und Auto zu gleichen Teilen gefördert werden. Der Landesfuhrpark soll auf Elektroautos umgestellt werden. Ab 2020 will das Land keine neuen Kredite aufnehmen. Außerdem sollen sich der Politikstil allgemein verändern und die Bürger mehr beteiligt werden.

Personell einigte sich Grün-Rot darauf, dass vier Ministerien an die Grünen gehen sollen und fünf an die SPD. Damit hätten die Grünen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die SPD jeweils fünf Stimmen im Kabinett. Die Grünen erhalten die Ministerien für Umwelt, Verkehr, Wissenschaft und Verbraucherschutz. Die SPD bekommt die Ministerien für Finanzen, Justiz, Arbeit, Inneres und Kultus. Der SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid soll Superminister für Finanzen und Wirtschaft werden.

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December 5, 2010

Grüne bereiten sich auf Regierungsübernahme in Baden-Württemberg vor

Grüne bereiten sich auf Regierungsübernahme in Baden-Württemberg vor

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Veröffentlicht: 19:38, 5. Dez. 2010 (CET)
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Jetzt! Politik Wechseln. Das Motto der LDK in Bruchsal. (Auf dem Podium vrnl.: Silke Krebs und Christian Kühn, Landesvorsitzende, Winfried Kretschmann, Agnieszka Malczak, Dirk Werhahn, Jörg Rupp, Andrea Lindlohr, Harald Dolderer)

Bruchsal (Deutschland), 05.12.2010 – Am Wochenende vom 4. auf den 5. Dezember trafen sich etwa 200 Delegierte aus ganz Baden-Württemberg zur Landesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen unter dem Motto „Jetzt! Politik Wechseln.“

Der grüne Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag, Winfried Kretschmann, äußerte sich zu Koalitionsoptionen und gegen „Ausschließeritis“: „Wenn wir nichts ausschließen, heißt das noch lange nicht, dass wir es mit jedem machen!“ Großen Beifall erntete er vor allem mit Äußerungen gegen eine Jamaika-Koalition, wie es sie im Saarland gibt. Am Ende seiner Rede erhielt Kretschmann, selten für grüne Parteitage, anhaltenden stehenden Applaus.

Pflöcke einschlagen: Die Vorstellungen der Abgeordneten für einen Politikwechsel

MdB Kerstin Andreae aus Freiburg erklärte, CDU und FDP müssten erst noch lernen, was heute gut für die nachhaltige Wirtschaft der Zukunft sei. Für das Land gelte: „Die FDP muss raus aus dem Landtag und die Grünen müssen rein in die Regierung.“

MdB Beate Müller-Gemmeke aus Reutlingen forderte, das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft wieder mehr in den Vordergrund zu rücken.

MdB Memet Kılıç sprach zur Integrationsdebatte. Nicht Multikulti sei tot, sondern die politische Zukunft derer, die das behaupteten. Integration sei „kein karnevalistisches Nebeneinander der Kulturen“, sondern Bildungschancen für Migranten, Wahlrecht und ein modernes Staatsbürgerschaftsrecht.

MdB Agnieszka Malczak aus Ravensburg ging auf die aktuelle Hartz IV-Debatte ein und brachte es auf folgende Formel: „Die CDU hat nach dem Herbst der Entscheidung den Winter der Kälte eingeleitet. Es ist Zeit, dass möglichst bald ein grüner Frühling folgt.“

MdB Sylvia Kotting-Uhl aus Karlsruhe sprach sich ergänzend gegen eine Koalition mit der CDU aus: „Schwarzgrün war gestern – nicht wegen Hamburg, sondern weil Schwarz von gestern ist.“

Landesvorstandsmitglied Jörg Rupp forderte die Delegierten spontan auf, jetzt ein Signal nach Nordrhein-Westfalen an die dortige rot-grüne Regierung zu senden und den vielkritisierten Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) jetzt zu stoppen. Nach kurzem Zögern folgte ihm die überwiegende Mehrheit der Delegierten und stand als sichtbares Zeichen der Zustimmung auf.

MdB Ingrid Hönlinger aus Ludwigsburg nahm die WikiLeaks-Diskussion um ‚Cablegate‘ ironisch auf: „Wir kabeln jetzt ins Land. Schluss mit Hinterzimmer-Politik, mehr direkte Demokratie!“

Die Europaabgeordnete Heide Rühle sprach als „Stuttgarter Europäerin“ und erklärte: „Einen offenen Volksentscheid zu Stuttgart 21 gibt es nur mit den Grünen“. Zugleich kritisierte sie die der CDU-geführten Landesregierung als vorgestrig, was die Landwirtschaft und die EU-Struktur- und Sozialfonds angehe.

Auch bei der Diskussion um das Wirtschaftsprogramm der Landesgrünen wurde die europäische Perspektive mehrfach in den Blick genommen: MdB Gerhard Schick aus Mannheim nannte das Programm ein Modell für zukunftsfähige Wirtschaft. Er äußerte zugleich seine Sorge bezüglich des derzeitige Wachstumsmodells in Europa – die EU als „unser Wirtschaftsraum“ sei „unser entscheidender Rahmen“. MdL Franz Untersteller erklärte zum selben Punkt, ein grüner Ministerpräsident würde baden-württembergische Blockaden in Brüssel gegen ökologische CO2-Grenzwerte für Kraftfahrzeuge beenden.

Viel Einigkeit: Anträge der Basis zumeist in das Programm aufgenommen

Strittige Anträge wurden nach ausgiebiger Vorabdiskussion der 450 Änderungsanträge der Parteibasis am Ende nur wenige verhandelt. Einer war die schließlich abgelehnte PKW-Maut, mit der sich die Landtagsabgeordneten Wölfle und Schlachter nicht gegen das Bundestagsmitglied Winfried Hermann, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, und MdL Jürgen Walter durchsetzen konnten. Konsequente LKW-Maut ja, City-Maut dort, wo sie Sinn mache auch, aber auch aus Datenschutzgründen keine generelle PKW-Maut, zumal nicht zur Finanzierung des Straßenbaus, lautet das programmatische Ergebnis.

Mit zwei weiteren Anträgen zum Programmkapitel „Soziales“ konnte sich die Grüne Jugend mit ihren radikalen Forderungen nicht durchsetzen. Weder stehen die Grünen im Land für einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreungsplätze vor dem 1. Geburtstag, noch wollen sie sich für ein „Wahlalter Null“ einsetzen, wie die Grüne Jugend es beantragt hatte.

Erfolgreich war der Grüne-Jugend-Landessprecher Oliver Hildenbrand mit seiner Rede zur Aufnahme der Kinderrechte in die Verfassung gegen einen diese Forderung ablehnenden Antrag. Mit deutlicher, aber nicht überwältigender Mehrheit blieb dies im Programm.

Den Abschluss des ersten Tages dieses Parteitags, mit dem Bündnis 90/Die Grünen sich programmatisch auf die Regierungsübernahme in Baden-Württemberg vorbereiten wollten, bildete eine Gedenkminute für den früheren Tübinger Grünen MdB Walter Schwenninger, schon äußerlich ein prägendes Mitglied der ersten grünen Fraktion im Bundestag, überzeugter Entwicklungspolitiker und bis zu seinem Tod in diesem September Sprecher der grünen Landesarbeitsgemeinschaft zur Internationalen Politik.

Stuttgart 21 und die Situation nach der Schlichtung

Am zweiten Tag erhielt der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer noch einmal die Chance, die wichtigsten Beiträge aus dem Schlichtungsverfahren um „Stuttgart 21“ und eine Bewertung des Schlichterspruchs vorzulegen. Mit den im sogenannten „Stresstest“, einer Simulation der Hauptbelastungszeiten, zu erwartenden Nachbesserungen werde das Projekt noch einmal mehr als 500 Millionen Euro teurer. Eine neue Debatte über die Finanzierung werde daher unerlässlich. Damit wurde noch einmal die Aussage des Parteivorsitzenden Cem Özdemir vom Vortag eingeordnet, dass man den Schlichtungsspruch, anders als die Projektträger, ernst- und annehmen sollte und davon ausgehend für das bessere Bahnhofskonzept, den Kopfbahnhof „K21“, streiten solle.

Anknüpfend daran wurde im 5. Kapitel des Wahlprogramms „mehr Demokratie und Transparenz“ im Land gefordert sowie die Senkung der Hürden für Volksbegehren im Land. Die mangelnde Bürgerbeteiligung bei der Planung des Stuttgarter Großprojekts war Mitauslöser der großen Proteste gewesen.

Ausgiebige Diskussionen um die bessere Bildung

Zum Abschluss der Delegiertenkonferenz wurde das strittigste Kapitel, , verhandelt. Nach einer Gastrede der Vizeministerpräsidentin Sylvia Löhrmann, die als Ministerin für Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen dafür plädierte, Bildung als Kernfrage vorrangig zu behandeln und für ihr Modell der Einführung von Basisschulen auf Freiwilligkeit warb, kam es zu vielen strittigen Abstimmungen. Angefangen wurde mit der frühkindlichen Bildung: Kindertagesstätten sollen nicht verpflichtend und nicht von Anfang an gebührenfrei sein, da der Ausbau gegenüber der Qualität vorgehe. Auch die Gemeinschaftsschule für längeres gemeinsames Lernen solle nicht wie in Hamburg als Regelschule vorgeschrieben, sondern wie in Nordrhein-Westfalen überall dort genehmigt werden, wo Initiativen vor Ort das wünschten und beantragen. Der Religionsunterricht soll, anders als von manchen gewünscht, neben dem flächendeckenden Ethik-Angebot ein Regelangebot zur Wahl bleiben, wofür sich auch Spitzenkandidat Kretschmann stark machte.

Am knappsten war das Ergebnis der Studiengebührendebatte. Hier ging es um die Frage: Sollte, nach Ablehnung der bisherigen oder nachlaufender Studiengebühren, die einzelne „Realos“ aus Tübingen eingebracht hatten, nur das Erststudium vom Bachelor bis zur Promotion gebührenfrei sein, wie der Landesvorstand es beantragte, oder sollten Studiengebühren ganz abgelehnt werden, wie Grüne Jugend und Campusgrün, die Vereinigung Grüner Hochschulgruppen, es forderten? Eine Mehrheit von einer einer Stimme gab schließlich bei 88 zu 87 Stimmen den Ausschlag für das Erststudium, das so ins Landtagswahlprogramm aufgenommen wird.

Realismus und Kritik

Während die Sprecher und Sprecherinnen der Grünen einen Regierungswechsel für sicher und notwendig halten, ist ihnen, wie allen Beobachtern klar, dass in den vier Monaten bis zur Wahl noch viel geschehen kann und am Ende auch gestärkte Grüne auf der Oppositionsbank gegenüber einer CDU-SPD-Regierung landen könnten. Auch ob bei den Grünen im Wahlkampf wie auf dem Schlussbild des Parteitags die Pfeile des Politikwechsels noch in verschiedene Richtungen weisen, wird abzuwarten sein.

Die in Baden-Württemberg regierende CDU hat unterdessen die Grünen scharf angegriffen. Keine Koalition, auch nicht mit der Linkspartei, auszuschließen, sei „absolut verantwortungslos“, wetterte etwa CDU-Generalsektretär Strobl. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Peter Hauk, legte nach: „Die Grünen sind von den ökologischen Idealisten zu den Öko-Fundamentalisten geworden“, lautete sein Vorwurf. Der auch aus dem Bundesland stammende CDU-Fraktionschef im Bundestag, Volker Kauder, erklärte in einem großen Interview mit der ‚Bild am Sonntag‘: „Die Grünen sind keine bürgerliche Partei!“

Erleichtert zeigten sich manche Grüne am Rande des Parteitags darüber, dass die radikaleren Vorschläge abgelehnt und „nur bezahlbare, durchgerechnete Punkte“ ins Programm aufgenommen wurden. Das mache eine Übernahme von Verantwortung im Land und den Erhalt der Glaubwürdigkeit nach einem Regierungswechsel möglich. Die Kritik der CDU hatten die beiden Landesvorsitzenden Silke Krebs und Chris Kühn schon im Vorfeld abgewiesen: Die aufgewärmte ‚Rote-Socken-Kampagne‘ nannte Krebs ein „plumpes und durchsichtiges Manöver“, das so wenig verfangen werde wie die „CDU-Polemik von der grünen Dagegen-Partei“.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Bündnis 90/Die Grünen
  • Portal:Politik in Baden-Württemberg

Quellen

Originäre Berichterstattung
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October 25, 2010

Iran beschränkt „westliche“ Studiengänge

Iran beschränkt „westliche“ Studiengänge

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Veröffentlicht: 20:55, 25. Okt. 2010 (CEST)
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Lage des Iran

Teheran (Iran), 25.10.2010 – Die iranische Regierung hat zwölf Studiengänge beschränkt, die angeblich „westlich“ geprägt und daher mit den Lehren des Islam nicht vereinbar seien. Betroffen sind unter anderem Menschenrechte, Jura, Philosophie, Management, Politikwissenschaft und Frauenstudien. In diesen Studiengängen dürfen keine neuen Institute gegründet werden. Darüber hinaus soll in einigen Universitäten im Land der Lehrplan überprüft werden.

Auslöser der Maßnahme soll der politische und religiöse Führer Ali Chamene’i sein, der befürchtet, dass diese Studien zu Zweifeln an der Religion führen könnten.

Studenten spielten bei den Protesten nach den iranischen Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr gegen die Wiederwahl von Mahmud Ahmadinedschad zum iranischen Präsidenten eine zentrale Rolle. Bereits 2006 wurden einige als liberal geltende Professoren in den Ruhestand versetzt. Im Iran studieren etwa 3,5 Millionen Menschen Gesellschafts- und Geisteswissenschaften.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Iran

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July 20, 2010

Primarschule in Hamburg durch Volksentscheid verhindert

Primarschule in Hamburg durch Volksentscheid verhindert

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Veröffentlicht: 12:51, 20. Jul. 2010 (CEST)
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Hamburg (Deutschland), 20.07.2010 – Am 18. Juli 2010 stimmten bei einem Volksentscheid 276.304 Hamburger für die Initiative „Wir wollen lernen“ und verhinderten damit einen zentralen Teil der von der schwarz-grünen Regierung geplanten Schulreform. Die Reform sah eine sechsjährige Primarschule statt der Grundschule vor.

Unabhängig von dem Volksentscheid soll es zukünftig statt vier weiterführenden Schulformen nur noch zwei geben, nämlich das Gymnasium und die Stadtteilschule. Auf welche davon die Schüler gehen, entscheiden die Eltern. Die Stadtteilschulen werden alle Abschlüsse bis zum Abitur nach 13 Jahren anbieten. Alle Fraktionen im Senat billigten die Reform.

Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat bereits vor der Auszählung des Volksentscheids seinen Rücktritt angekündigt.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Bildung
  • Portal:Hamburg

Quellen

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June 12, 2010

Heidelberg: Situation an der Pädagogischen Hochschule auch noch nach einem Jahr kritisch

Heidelberg: Situation an der Pädagogischen Hochschule auch noch nach einem Jahr kritisch

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Veröffentlicht: 22:12, 12. Jun. 2010 (CEST)
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Heidelberg (Deutschland), 12.06.2010 – Auch ein Jahr nach dem erstmaligen Bekanntwerden der finanziellen Probleme der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg hat sich die Situation dort nicht gebessert. Durch Sparmaßnahmen bedingt hätten viele Dozenten die Hochschule verlassen müssen, wodurch Lehrveranstaltungen (vor allem Seminare und Tutorien) extrem überfüllt seien und die Öffnungszeiten von Bibliotheken und Lernwerkstätten stark reduziert würden. Studierende forderten nun ein „Rettungspaket“ von 1,2 Millionen Euro vom Land Baden-Württemberg für ihre Hochschule. Außerdem solle die Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen abgeschafft werden; Kritiker befürchten hingegen, dass dies zu einem „Schmalspurstudium“ führen könnte.

Die Ursachen für die Krise der Pädagogischen Hochschule ist immer noch nicht eindeutig geklärt. So ist nach Ansicht des Unabhängigen Studierendenausschusses der alten Leitung der Hochschule unter Michael Austermann durchaus eine Teilschuld zuzuschreiben, andererseits liege die letztendliche Ursache in der Unterfinanzierung von Hochschulen durch das Land Baden-Württemberg. Das so entstehende Haushaltsloch, dem mit einer Haushaltssperre begegnet werden sollte und wird, hat bereits vor einem Jahr zu etlichen Protestaktionen und Streiks der Heidelberger Studenten geführt. Seit dem informiert die Website des Unabhängigen Studierendenausschusses regelmäßig über Aktionen und Vorgänge an der PH Heidelberg.

Unterdessen wurden in Leserbriefen zur Onlineausgabe der Rhein-Neckar-Zeitung Forderungen laut, das Land Baden-Württemberg solle sich vom System der Pädagogischen Hochschulen trennen und, wie die übrigens Bundesländer auch, die Lehramtsstudiengänge in die allgemeinen Hochschulen integrieren. Schließlich sei der Vorteil der stark praktisch und pädagogisch orientierten Ausbildung durch die Bologna-Reform weggefallen, während die Pädagogischen Hochschulen aufgrund geringerer Zahlen von Fachdozenten keine zu den Universitäten gleichwertige fachliche Ausbildung leisten könnten.

Quellen

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