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September 20, 2011

Erdbeben erschüttert Teile von Indien, Nepal, Tibet und Bangladesch

Erdbeben erschüttert Teile von Indien, Nepal, Tibet und Bangladesch

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Veröffentlicht: 23:58, 20. Sep. 2011 (CEST)
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Neu-Delhi (Indien), 20.09.2011 – Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im nordostindischen Bundesstaat Sikkim ist die Zahl der Opfer weiter gestiegen. Mindestens 83 Personen sind durch die Auswirkungen des Erdbebens gestorben, die meisten davon in Sikkim. In West-Bengalen und Bihar wurden weitere 18 Menschen getötet. Opfer durch das Beben registrierten auch die Behörden in der autonomen Region Tibet und in Nepal. In der britischen Botschaft in Kathmandu kam es zum Einsturz einer Wand, wodurch drei Personen getötet wurde. 59 Tote wurden bislang geborgen.

Das Erdbeben in der Nacht zum vergangenen Sonntag (Ortszeit) hat nicht nur Häuser zum Einsturz gebracht, sondern auch mehrere Erdrutsche verursacht. Dadurch sind Teile des Erdbebengebietes nicht erreichbar. Sobald die entlegeneren Gebiete erreicht werden, könnten die Opferzahlen noch steigen. Heftige Monsunregenfälle erschweren die Rettungsarbeiten. Tiefhängende Wolken verhindern teilweise den Einsatz von Hubschraubern. Die Regierung schickte mehr als 5000 Soldaten mit dem Auftrag in die Region, Straßenverbindungen befahrbar zu machen und sich an den Rettungsarbeiten zu beteiligen.

Die Erschütterungen des Erdbebens wurden bis in die etwa 1000 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernte indische Hauptstadt Neu-Delhi gespürt. Die Stärke des Bebens wird mit 6,9 angegeben. Weitere Nachbeben werden befürchtet, deshalb übernachten verängstigte Anwohner im Freien.

Das Epizentrum liegt bei Mangan in der Region Gangtok, in der sich die Indische Platte mit einer Geschwindigkeit von etwa 45 Millimeter pro Jahr unter die Eurasische Platte schiebt. Sie ist nur mäßig seismisch aktiv, das letzte größere Erdbeben ereignete sich 1980 etwa 85 Kilometer weiter südöstlich.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Portal:Erdbeben
  • Portal:Indien

Quellen[Bearbeiten]

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April 20, 2011

Bangladesch: Regierung erhöht Löhne in der Textilindustrie

Bangladesch: Regierung erhöht Löhne in der Textilindustrie

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Veröffentlicht: 17:27, 20. Apr. 2011 (CEST)
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Dhaka (Bangladesch), 20.04.2011 – Auf umgerechnet mindestens etwa 30 Euro pro Monat steigen die Löhne der Textilarbeiter in Bangladesch. Das beschloss jetzt die Regierung des Landes durch die Festlegung neuer Mindestlöhne. Die Lohnerhöhung kommt nahezu einer Verdoppelung des Lohnniveaus im Textilsektor des Landes gleich. Dennoch gehören die Löhne von Textilarbeitern in Bangaldesch immer noch zu den niedrigsten weltweit. Das berichtet die Deutsche Welle.

Im Dezember 2010 war es in der Textilindustrie des Landes zu Streiks und teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen um die Einhaltung von vereinbarten Mindestlöhnen gekommen. Bei den Auseinandersetzungen waren mehrere Menschen getötet worden (Wikinews berichtete). Mehr als 80 Prozent der Textilarbeiter in Bangladesch sind weiblichen Geschlechts.

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February 7, 2011

Bangladesch: 14-jährige zu Tode gepeitscht

Bangladesch: 14-jährige zu Tode gepeitscht

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Veröffentlicht: 21:47, 7. Feb. 2011 (CET)
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Bangladesch

Dhaka (Bangladesch), 07.02.2011 – Ein 14-jähriges Mädchen ist im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, die ihr Bewohner des Dorfes Naria, etwa vierzig Kilometer südlich der Landeshauptstadt Dhaka, bei der Vollstreckung des Urteils eines örtlichen Standgerichtes zugefügt wurden. Der Vierzehnjährigen wurde vorgeworfen, ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann gehabt zu haben, der ihr Cousin war. Die Ehefrau des Mannes hatte geklagt, sie habe gesehen, wie das Mädchen mit ihrem 40-jährigen Mann gesprochen habe. Das Standgericht hatte das Mädchen und den Ehemann zu 100 Hieben mit einer Bambusrute verurteilt. Der Vater des Mädchens wurde zu einer Geldstrafe von 50.000 Taka verurteilt, umgerechnet knapp 500 Euro.

Die Polizei hat bereits vier Personen verhaftet, nach weiteren 14 werde gefahndet, berichtete die britische Zeitung The Guardian am Donnerstag (3. Februar). Ihnen wird Mord und Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Unter den Verhafteten sind die Klägerin und der Iman des Ortes, der das Urteil nach der Scharia gefällt haben soll. Rund 90 Prozent der etwa 160 Millionen Einwohner Bangladeschs sind Muslime, von denen die meisten einen gemäßigten Islam praktizieren.

Nach dem Urteil wurde das Mädchen in ein Haus gezerrt, in dem 20 bis 25 Personen anwesend waren, darunter vier Frauen. Das Mädchen war während der Vollstreckung ohnmächtig geworden und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Es starb nach einer Woche und wurde am Mittwoch (2. Februar) beerdigt. Zu einer Bestrafung des von dem Standgericht ebenfalls verurteilten Ehemannes kam es nicht. Der Mann ist, so berichtete die Polizei, auf der Flucht. Die Polizei hat Berichte örtlicher Medien dementiert, nach denen der Ehemann das Mädchen vergewaltigt haben soll, und die Ehefrau die Schreie des Mädchens gehört habe. Es gibt Darstellungen, nach denen die Familie des Ehemannes das Mädchen am Tag vor dem Standgericht verprügelt haben soll.

„Was für eine Art von Gerechtigkeit ist das? Meine Tochter wurde im Namen der Gerechtigkeit zu Tode geschlagen“, beklagte Dorbesh Khan, der Vater des Mädchens gegenüber der BBC. Die Tat hat in Bangladesch zu Aufregung geführt. Durch eine Fatwa verhängte Strafen sind seit 2010 illegal. Damals hatte das Oberste Gericht des Landes in einem Urteil angeordnet, dass die Behörden solche Vorfälle zu verfolgen haben, anderweitig würden sie gegen die Verfassung des Landes verstoßen. Es handelt sich um den zweiten bekanntgewordenen Fall seit der Entscheidung des obersten Gerichtes.

Im Dezember war eine vierzigjährige Frau im Bezirk Rajshahi öffentlich ausgepeitscht worden, sie starb an den Folgen der unmenschlichen Behandlung. Anlass für die Strafe war der Vorwurf, sie habe ein Verhältnis mit ihrem Stiefsohn gehabt.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Scharia

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December 13, 2010

Textilarbeiter in Bangladesch kämpfen um Mindestlöhne

Textilarbeiter in Bangladesch kämpfen um Mindestlöhne

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Veröffentlicht: 20:17, 13. Dez. 2010 (CET)
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Lage des Distrikts Chittagong

Chittagong (Bangladesch), 13.12.2010 – Wegen der Unzufriedenheit um nicht eingehaltene Zusagen über Auszahlungen von Mindestlöhnen, die im November festgesetzt worden waren, kam es in der Region um Chittagong, wo die Textilindustrie Bangladeschs beheimatet ist, zu teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den staatlichen Sicherheitskräften. Mindestens vier Menschen sollen laut der in Pakistan erscheinenden Zeitung „The Daily Star“ am Sonntag bei den Zusammenstößen getötet worden sein. Weiterhin wurden 200 Menschen verletzt. Tausende Textilarbeiter hatten mehrere Textilfabriken gestürmt und dort hohe Sachschäden angerichtet.

Die Straßenkämpfe zwischen den aufgebrachten Demonstranten und der Polizei dauerten etwa fünf Stunden. Die Polizei setzte dabei Gummigeschosse und Tränengas ein. Außerdem wurden auch reguläre Schusswaffen eingesetzt. Die Arbeiter sollen Straßensperren errichtet, mit Steinen geworfen und Autos angezündet haben. In der Textilien erzeugenden Region „Chittagong Export Processing Zone“ (CEPZ) kam die Arbeit vollständig zum Erliegen.

Hintergrund ist die Auseinandersetzung um die Auszahlung des gesetzlichen Mindestlohns in Höhe von 3.000 Taka (entspricht in etwa 32 Euro) im Monat, den die Regierung bereits 2006 eingeführt hatte. Neue Mindestlöhne waren zuletzt im November eingeführt worden, die Fabrikbesitzer weigerten sich bisher jedoch, die höheren Löhne auszuzahlen.

Die Textilindustrie Bangladeschs ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes und befriedigt vor allem die ausländische Nachfrage nach Textilien. 2,5 Millionen Menschen arbeiten hier. Von den extrem niedrigen Löhnen in Bangladesch profitieren unter anderem auch deutsche Textilunternehmen, die hier nähen lassen. Dazu gehören beispielsweise der Textildiscounter KiK sowie H&M und der Jeanshersteller Levi Strauss.

Bangladesch gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Im HDI-Index der Vereinten Nationen für Wohlstand und Entwicklung belegt das Land Platz 130 von 169.

Ausgangspunkt der gewalttätigen Eskalation der Proteste am Sonntag war ein südkoreanisches Unternehmen (Youngone Ltd), das alle seine 17 Unternehmen in Bangladesch wegen der Proteste am Samstag geschlossen hatte. Arbeiter dieser Fabriken wussten von dieser Entscheidung des Managements anscheinend aber nichts. Als sie am Sonntag zur Arbeit erschienen, fanden sie die Fabriktore verschlossen vor. Wie „The Daily Star“ weiter berichtet, begannen die Arbeiter dann damit, die umliegenden Fabrikgebäude zu demolieren. Die Arbeiter anderer Fabriken schlossen sich schließlich ihren Kollegen von Youngone Ltd an.

Bereits im Juli 2010 waren die Auseinandersetzungen um Mindestlöhne in der Textilindustrie Bangladeschs eskaliert. Die Arbeiter konnten höhere Mindestlöhne durchsetzen. Davor galten in Bangladesch die niedrigsten Industrielöhne weltweit: 1700 Taka (etwa 19 Euro) pro Monat. Die Forderung der Arbeiter lautete auf 5.000 Taka pro Monat.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Arbeit und Soziales
  • Portal:Armut

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December 30, 2008

Bangladesh: Erdrutschsieg für Scheich Hasina

Veröffentlicht: 15:33, 30. Dez. 2008 (CET)
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Scheich Hasina Wajed

Lage von Bangladesch

Dhaka (Bangladesch), 30.12.2008 – Die Spitzenkandidatin der linksorientierten Awami-Liga, Scheich Hasina Wajed, die an der Spitze einer Allianz aus mehreren Parteien stand, ist nach Auszählung der überwiegenden Zahl der Wahlkreise bei den Nationalwahlen vom gestrigen Montag als eindeutige Siegerin und damit wahrscheinlich auch künftige Ministerpräsidentin von Bangladesch hervorgegangen. Sie kann sich künftig auf eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament stützen, wie die Wahlkommission heute mitteilte. Danach soll Hasina mit ihrer Mehrparteienallianz 175 der bis jetzt 204 ausgezählten Sitze gewonnen haben. Genaue Zahlen sollen von offizieller Seite erst am Mittwoch mitgeteilt werden. Wie ein privater Fernsehsender berichtete, könnte Hasina im künftigen Parlament auf 255 der 300 Abgeordnetensitze zählen. Die unterlegene Kandidatin der Nationalistischen Partei Bangladesch (BNP), Begum Khaleda Zia, will das Stimmenergebnis jedoch anfechten. Zia vertritt eine eher islamisch-konservative Orientierung. Die Wahl in Bangladesh war die erste seit sieben Jahren.

Die in Bangladesh erscheinende Bangladesh Today berichtet in ihrer Onlineausgabe von einer hohen Wahlbeteiligung, vor allem von Frauen und jungen Menschen, deren Anteil von Beobachtern auch als Hauptgrund für den hohen Wahlsieg der Awami-Liga angesehen wird. Als weiterer Grund für das schlechte Abschneiden der BNP wird die Wahrnehmung dieser politischen Kraft als einer tief in Korruption verstrickten Partei mit einer schwachen Leistung als Regierung in der Zeit vor 2006 genannt. Bei der Wahl gingen erstmals 1,6 Millionen Jungwähler an die Urnen; insgesamt waren 81 Millionen Bürger zur Wahl aufgerufen. Beobachter hoben den friedlichen Verlauf der Wahl hervor. 50.000 Soldaten, 75.000 Polizisten sowie 6.000 paramilitärische Einsatzkräfte sorgten für den regulären Verlauf des Wahlganges. Zusätzlich waren 200.000 einheimische und 2.000 ausländische Wahlbeobachter für die Gewährleistung eines ordnungsgemäßen Wahlverlaufs zugelassen worden. Außerdem hatte die Wahlkommission neue Wählerlisten vorbereitet, neue Ausweise mit Lichtbildern waren verteilt worden, und durchsichtige Wahlurnen waren eingesetzt worden, um Betrug zu verhindern.

Ursprünglich waren Parlamentswahlen bereits für den Januar 2007 geplant. Wegen der entstandenen Unruhen verschob Staatspräsident Iajuddin Ahmed den Wahlgang und verhängte den Ausnahmezustand. Seitdem wird das Land von einer vom Militär unterstützten Interimsregierung geführt. Die Gesellschaft ist gespalten zwischen den beiden Politikerinnen, die zwischen 1991 und 2006 abwechselnd das Land regierten. Als größtes Problem des Landes, in dem 140 Millionen Einwohner leben, gilt die Armut. Fast die Hälfte der Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Beide führenden politischen Parteien hatten im Wahlkampf versprochen, sich diesem Problem anzunehmen.

Themenverwandte Artikel

Quellen

  • nzz.ch: „Sheikh Hasina gewinnt Wahl in Bangladesh“ (30.12.2008)
  • de.reuters.com: „Kreise: Ex-Regierungschefin Hasina bei Wahl in Bangladesch vorn“ (30.12.2008)
  • thebangladeshtoday.com: „AL-led alliance heads for massive victory“ (30.12.2008) englischsprachige Quelle
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June 6, 2007

Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus an der Universität Karlsruhe

Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus an der Universität Karlsruhe

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Artikelstatus: Fertig 20:20, 6. Jun. 2007 (CEST)
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Karlsruhe (Deutschland), 06.06.2007 – Im Rahmen einer Sonderveranstaltung der von AIESEC und der Global Marshall Plan-Hochschulgruppe Karlsruhe und dem interfakultativen Institut für Entrepreneurship veranstalteten Vortragsreihe „Globalisierung gestalten“ gab es heute im Audimax der Universität Karlsruhe Vorträge von Muhammad Yunus und Eduardo Suplicy. Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ist Schirmherrin der Vortragsreihe.

Muhammad Yunus wurde 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Eduardo Suplicy (Partido dos Trabalhadores) repräsentiert den Bundesstaat São Paulo im brasilianischen Senat und hat als Verfechter der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens erreicht, Ansätze dieser Idee in der brasilianischen Verfassung zu verankern. Götz Werner, Gründer der Drogeriekette dm, moderierte die Veranstaltung. Alle drei auf dem Podium anwesenden Personen sind Professoren für Ökonomie. In seinem Eingangsstatement sagte Götz Werner, dass Muhammad Yunus auch den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verdient hätte.

Muhammad Yunus hielt im überfüllten Audimax eine frei vorgetragene Rede auf Englisch, die mit vielen amüsanten Anekdoten gespickt war, mit denen er die Geschichte der Grameen Bank veranschaulichte. Sein etwa einstündiger Vortrag wurde häufig von Lachern und Applaus unterbrochen. Der Friedensnobelpreisträger leitete seine Rede damit ein, dass er sich immer freue, vor Studenten zu sprechen, da die Idee für das Mikrokreditinstitut auf dem Campus einer Universität in Bangladesch entstanden sei. Dafür, dass er in einer Zeit, in der in seinem Heimatland eine große Hungersnot herrschte, Wirtschaftswissenschaften lehrte, fühlte sich Yunus nach eigenen Angaben schuldig. Insbesondere, weil die Lehrbücher keinen Ausweg aus der Krise versprachen und ihm „sinnlos“ erschienen.

Daher habe er das Campusgelände zusammen mit einigen Studenten verlassen, um arme Menschen in Dörfern zu besuchen. Dort habe er einigen Menschen insgesamt 27 Dollar geschenkt, mit denen sie ihre Schulden begleichen konnten. Dadurch seien die Personen aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen befreit worden. Der Anstoß für die Idee zur Vergabe von Mikrokrediten als ein Weg der Armutsbekämpfung sei anschließend von Yunus’ Studenten gekommen. Yunus, der sagte, er habe sich zu diesem Zeitpunkt nicht mit dem Bankwesen ausgekannt, sei daraufhin zu einer Bank gegangen und habe dem Direktor vorgeschlagen, Armen Geld zu leihen. Dieser habe Yunus für verrückt erklärt. Er sei der Meinung gewesen, dass die Armen die Kredite niemals zurückzahlen würden. Nach Versuchen, sich gegenseitig von ihrer Meinung zu überzeugen, hätten Yunus und der Bankdirektor sich schließlich zu einer versuchsweisen Kreditvergabe geeinigt, bei der Yunus für die armen Kreditnehmer bürgte. Nachdem der Großteil des Geldes entgegen den Erwartungen des Bankiers zurückgezahlt worden war, kam es zur Gründung der Grameen Bank. Muhammad Yunus erläuterte die zentralen Prinzipien der Bank. „Die Menschen müssen nicht zur Bank kommen, wir kommen zu den Menschen.“ Die von Yunus begründete Bank wolle keine Menschen vor Gericht bringen und beschäftige keine Rechtsanwälte. Die Kreditvergabe erfolge hauptsächlich an Frauen und basiere auf Vertrauen – offizielle Dokumente, mit denen die Kreditvergabe besiegelt wird, gebe es nicht. Frauen könnten, so Yunus, die Welt schneller und besser verändern.

Nach dem Erfolg der Grameen Bank erfolgte die Gründung eines Telekommunikationsunternehmens, das sich inzwischen laut Yunus zur größten Firma und zum größten Steuerzahler des Landes entwickelt hat. Auch hier stieß Yunus auf Widerstände. Kaum jemand habe den armen Menschen, die in ihrer großen Mehrheit Analphabeten waren, zugetraut, mit Mobiltelefonen umgehen zu können. Muhammad Yunus habe es aber für wichtig gehalten, die Informationstechnologie in die Dörfer zu bringen. Entgegen den Erwartungen konnten die Frauen in den Dörfern die Telefone sinnvoll nutzen. Weil für den Betrieb der Telefone Elektrizität benötigt werde, habe Yunus eine Firma gegründet, die Minisolaranlagen für die Familien in die Dörfern entwickelt.

Des Weiteren habe die Grameen Bank Kredite für Schüler und Studenten in ihr Programm aufgenommen, so dass sie sich bilden könnten. Dies sei für Familien, die seit Generationen nicht lesen und schreiben könnten, eine große Erfahrung gewesen. Laut Yunus besuchten in der Folge viele der Stipendiaten Hochschulen. Eine Aussage, die sich wie ein roter Faden durch Yunus’ Vortrag zog, war die, dass in jedem Menschen ein Potential stecke, egal ob es sich um einen Slumbewohner oder einen Universitätsprofessor handele. Für die Armut seien, so Yunus, nicht die Menschen verantwortlich, sondern bestimmte Denkweisen. Als Beispiel nannte er das Bankwesen, wobei reiche Menschen hohe Kredite erhielten und Arme in der Regel keine.

Muhammad Yunus kritisierte eine Form des Kapitalismus, deren einziges Prinzip die Profitmaximierung sei. Dies werde an Hochschulen gelehrt, wodurch sich das System verfestige. Als Alternative schlug Yunus ein soziales Unternehmertum vor, bei dem es darum gehen solle, Gutes zu tun und nicht unbedingt Geld anzuhäufen. Beide Formen des Unternehmertums schlössen sich aber nicht aus, sondern könnten kombiniert werden, sagte Yunus. Der Friedensnobelpreisträger zeigte sich optimistisch, was die Entwicklung seines Heimatlandes betrifft. So sei das Land bei der Erreichung von sechs der acht Hauptziele des Millennium-Gipfels im Plan. Bei den anderen Zielen wird das Land nach Meinung von Muhammad Yunus noch aufholen. In einigen Jahren könne man in Bangladesch Armutsmuseen bauen, da die Kinder nicht mehr wüssten, was Armut sei, da es keine Armut mehr geben werde. Nach der Veranstaltung in Karlsruhe wird Yunus nach Rostock fahren, wo er im Rahmen des Konzerts „Deine Stimme gegen Armut“ anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm auftreten wird.

Im anschließenden Vortrag von Eduardo Suplicy vertrat dieser die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Soziale Gerechtigkeit sei eine Voraussetzung für politische Teilhabe, sagte der brasilianische Senator. Eduardo Suplicys stellte in seiner Rede zahlreiche historische Bezüge her. Er bezog sich unter anderem auf die Bibel, Karl Marx, Aristoteles und Thomas Paine, aber auch auf islamische und buddhistische Denker.

Themenverwandte Artikel

Quellen

Originäre Berichterstattung
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January 8, 2007

Bangladesch: Ausschreitungen bei Protesten für Wahlrechtsreform

Artikelstatus: Fertig 09:10, 8. Jan. 2007 (CET)
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Dhaka (Bangladesch), 08.01.2007 – Bei Protesten für eine Verschiebung der Wahl, die am 22. Januar stattfinden soll, und für Wahlrechtsreformen kam es in Dhaka zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten. Ein Bündnis bestehend aus 19 Parteien hat zu einer dreitägigen landesweiten Blockade von Straßen, Schienen und Häfen aufgerufen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Eine führende Rolle innerhalb des Oppositionsbündnisses, das auch zum Wahlboykott aufgerufen hat, spielt die ehemalige Premierministerin Hasina Wajed von der linksgerichteten Awami-Liga (AL). Vertreter der Oppositionsparteien sind der Meinung, dass die Wahl, sollte sie in diesem Monat stattfinden, nicht frei und fair ablaufen könne. Iajuddin Ahmed, der amtierende Staatspräsident Bangladeschs, hält laut Medienberichten am geplanten Wahltermin fest.

Zu den Ausschreitungen kam es am vergangenen Sonntag, dem ersten Tag der Blockadeaktionen in der Hauptstadt Dhaka, nachdem laut chinesischer Nachrichtenagentur Xinhua zuvor mindestens 15.000 Angehörige der Sicherheitskräfte von der Regierung in die Hauptstadt des Landes geschickt worden waren, darunter paramilitärische und militärische Einheiten. In der Altstadt explodierten fünf kleine Bomben. Ein hochrangiger Polizeibeamter sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass die Demonstranten mit Steinen auf Polizisten geworfen hätten, worauf die Polizei die Versammlung durch den Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen aufgelöst habe. An der Demonstration hatten laut Nachrichtenagentur AP tausende Menschen teilgenommen. Augenzeugenberichten zufolge wurden bei den Zusammenstößen zahlreiche Menschen verletzt. Die Awami-Liga behauptet, dass im Vorfeld der Protestaktionen mehr als 1.000 ihrer Anhänger verhaftet wurden. Dies wird von offizieller Seite dementiert; laut Polizei wurden 600 Personen festgenommen, denen verschiedene Straftaten vorgeworfen werden.

Laut BBC zeigte die Blockade in Dhaka eine deutliche Wirkung. So blieben Schulen und Geschäfte geschlossen; die Straßen seien frei von Autos. Ähnliches wird von verschiedenen Medien über andere Teile des Landes berichtet. Die Oppositionsparteien kündigten an, die Proteste fortzusetzen, sofern ihre Forderungen nicht erfüllt würden. Abdul Jalil, ein Sprecher der Opposition wird von „news.bbc.co.uk“ mit folgenden Worten zitiert: „Wir werden keine possenhaften Wahlen akzeptieren. Wir werden das Land für Wochen stilllegen, wenn die Regierung dabei bleibt, die Wahlen stattfinden zu lassen.“ Die amtierende Regierung begründet ihr Beharren auf dem Wahltermin mit einem Hinweis auf die Verfassung, nach der eine Wahl 90 Tage nach Amtsantritt einer Übergangsregierung vorschreibe. Am 29. Oktober 2006 hatte die Bangladesh Nationalist Party (BNP) die Macht an eine solche Übergangsregierung übergeben, der Premierministerin Khaleda Zia vorsteht. Seitdem kamen bei gewaltsamen Protesten mindestens 34 Menschen ums Leben.

Die BNP und verbündete Parteien werfen der Opposition vor, eine Niederlage erwartend, die bevorstehenden Wahlen mit Entschlossenheit zu sabotieren. Eine Kernforderung der Opposition besteht darin, bei der Wahl eine aktualisierte Version des Wählerverzeichnisses aus dem Jahr 2000 zu verwenden, anstelle eines Wählerverzeichnis, das in den letzten Tagen erstellt wurde. Weitere Forderungen der Opposition sind die Neuzusammensetzung der Wahlkommission und der Rücktritt von Präsident Iajuddin Ahmed. Auf einem Treffen debattierten die Kabinettsmitglieder heute mit dem Präsidenten über einen Ausweg aus der politischen Krise. Xinhua berichtet unter Berufung auf einen Minister, dass auf dem Treffen beschlossen wurde, eine Anfrage an den obersten Gerichtshof zu senden, ob es trotz der verfassungsrechtlichen Bestimmungen möglich sei, den Wahltermin zu verschieben.

Quellen

  • news.bbc.co.uk: „Violent clashes at Dhaka protest“ (englischsprachige Quelle) (07.01.2007)
  • baz.ch (AP): „Verletzte bei Grossdemonstration in Dhaka“ (07.01.2007)
  • Associated Press via theglobeandmail.com: „Dhaka grinds to a halt under political protest“ (englischsprachige Quelle) (07.01.2007)
  • Xinhua via muslimnews.co.uk: „Over 50 wounded on 1st day of blockade in Bangladesh“ (englischsprachige Quelle) (07.01.2007)
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October 13, 2006

Friedensnobelpreis 2006 für den Gründer der Grameen Bank

Friedensnobelpreis 2006 für den Gründer der Grameen Bank

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Artikelstatus: Fertig 20:42, 13. Okt. 2006 (CEST)
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Muhammad Yunus

Oslo (Norwegen), 13.10.2006 – Das norwegische Nobelpreiskomitee hat den Gründer der Grameen Bank, Muhammad Yunus, und die Bank selbst mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der aus Bangladesch stammende Muhammad Yunus wird laut einer Pressemitteilung des Nobelpreiskomitees für seine Bemühungen zur Schaffung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten geehrt. Dieses Engagement von unten trage zur Festigung der Demokratie und der Menschenrechte bei, heißt es in der Begründung des Nobelpreiskomitees.

Die Grameen Bank vergibt Mikrokredite an sehr arme Menschen im ländlichen Bangladesch, wobei die Kredite nicht an klassische Sicherheiten gebunden sind. Nach Angaben der Bank haben insgesamt 6,61 Millionen Menschen Kredite der Grameen Bank in Anspruch genommen (Stand: Mai 2006) – 97 Prozent der Kredite gingen an Frauen. Auf der Website der Grameen Bank heißt es, dass mehrere unabhängige Studien, darunter auch Studien der Weltbank und des International Food Research Policy Instituts, die positiven Auswirkungen der von der Grameen Bank vergebenen Mikrokredite auf die Kreditnehmer bewiesen hätten.

Themenverwandte Artikel

  • Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus an der Universität Karlsruhe (06.06.2007)
  • Portal:Nobelpreise

Quellen

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August 17, 2005

Hunderte Bombenexplosionen erschüttern Bangladesh

Hunderte Bombenexplosionen erschüttern Bangladesh

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Dhaka (Bangladesh), 17.08.2005 – Durch eine Serien von etwa hundert, nach Angaben von Reuters zweihundert, nahezu gleichzeitig gezündeten Bomben in 58 verschiedenen Orten wurden heute zwischen 11:00 und 11:30 Uhr Ortszeit mindestens 120 Menschen verletzt. Nach Angaben von Reuters wurde in der Stadt Rajshahi ein Rikschafahrer getötet.

Bangladesh

Die Polizei hat bereits 45 verdächtige Personen verhaftet. Sie teilte auch mit, bei den Bomben handele es sich um selbstgebastelte Bombensätze mit geringer Sprengkraft. Bislang hat noch keine Organisation die Verantwortung für die Anschläge übernommen. An einigen Orten, an denen Explosionen stattgefunden haben (Dhaka, Tschittagong, Sylhet und Mymensingh) wurden jedoch Flugblätter einer verbotenen islamistischen Gruppierung gefunden. Die Gruppe zielt auf die Errichtung eines islamischen Staates in dem vorwiegend von Muslimen bewohnten Bangladesh ab. Die Gruppierung nennt sich „Jamayetul Mudschaheddin“. Die Polizei veröffentlichte Zitate aus dem Flugblatt: „Es ist Zeit das islamische Recht in Bangladesh einzuführen. Das von Menschen gemachte Gesetz hat keine Zukunft.“ Ein Polizist aus Barisal berichtete über ein Flugblatt, das die Sätze enthielt: „Bush und Blair, seid gewarnt und verlasst die islamischen Länder. Eure Tage der Machtausübung über islamische Länder sind vorbei.“

Ein hoher Beamter des Innenministeriums erklärte, die Explosionen seien gut organisiert und gezielt ausgeführt worden. Sie hätten sich hauptsächlich gegen Regierungsgebäude, Presseeinrichtungen und belebte Plätze in Städten gerichtet. In Dhaka sei ein gutes Dutzend der Bomben in der Nähe des Flughafens explodiert, in Kalachnapur gab es eine Explosion in der Nähe der US-Botschaft.

Seit März 1999 sind in Bangladesh mindestens 148 Menschen durch Bombenattentate ums Leben gekommen. Keiner der Bombenschläge konnte durch die Sicherheitsorgane wirklich aufgeklärt werden.

Quellen

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