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December 7, 2010

PISA-Studie 2009: Deutschland hat „möglicherweise ein größeres Jungen- als ein Migrantenproblem“

PISA-Studie 2009: Deutschland hat „möglicherweise ein größeres Jungen- als ein Migrantenproblem“

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Veröffentlicht: 22:49, 7. Dez. 2010 (CET)
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Berlin (Deutschland), 07.12.2010 – Der „Pisa-Schock“ des Jahres 2001 sitzt in Deutschland noch tief. Mit Spannung werden daher die Ergebnisse der Pisa-Studie erwartet, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) alle drei Jahre durchgeführt wird. Getestet wurden wieder 15-jährige Schülerinnen und Schüler. Nach wie vor entscheidet in Deutschland in hohem Maße die soziale Herkunft über den Schulerfolg. Bei den schulischen Leistungen in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften konnten sich die deutschen Schüler verbessern, beim Textverständnis (sinnerfassendes Lesen) schnitten die deutschen Schüler jedoch erneut unterdurchschnittlich ab.

In diesem Jahr nahmen 65 Länder und Regionen an dem Kompetenztest teil. Am besten schnitten die Schüler asiatischer Länder ab. Andreas Schleicher, PISA-Koordinator für Deutschland, urteilt: Chancengerechtigkeit sei „weiterhin die größte Herausforderung für Deutschland“. Das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland sei in diesem Zusammenhang „eine große Barriere“, die die „sozialen Unterschiede in Deutschland noch weiter verstärkt“.

Trotz insgesamt „nur mäßiger Leseleistungen“ sieht der Frankfurter Bildungsforscher Eckhard Klieme gewisse Fortschritte in der Kompetenz deutscher Schülerinnen und Schüler in der Aneignung von Texten. Der Abstand zwischen guten und schlechten Lesern habe sich deutlich verringert. Zwischen Mädchen und Jungen gäbe es jedoch erhebliche Unterschiede in der Lesekompetenz. Mädchen wiesen – nicht nur in Deutschland – gegenüber Jungen einen Lernvorsprung auf, der einem ganzen Schuljahr entspreche. Bezogen auf die Situation in Deutschland sagte der Leiter des Berliner OECD-Büros, Heino von Meyer, es gebe hier „möglicherweise ein größeres Jungen- als ein Migrantenproblem“. Kinder mit Migrationshintergrund schnitten ebenfalls immer noch deutlich schlechter ab als ihre gleichaltrigen Mitschüler. Entscheidend für die Testergebnisse sei oft, in was für einem sozialen Umfeld die Schule stehe. Ein „sozial ungünstiges Schulumfeld“ führe zu signifikant schlechteren Testergebnissen bei den Pisa-Tests.

Schüler deutscher Gymnasien schnitten gegenüber den letzten PISA-Tests nicht besser oder schlechter ab. Die Bildungsforscher beobachteten in diesem Segment eine Stagnation der Leistungen. An den Gymnasien fehle es oft an individueller Förderung.

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November 16, 2008

Kultusminister wollen Hauptschüler von PISA-Studie ausschließen

Kultusminister wollen Hauptschüler von PISA-Studie ausschließen

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Veröffentlicht: 12:10, 16. Nov. 2008 (CET)
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Berlin (Deutschland), 16.11.2008 – Die Kultusministerkonferenz plant, die in den vergangenen Jahren beschlossenen nationalen Bildungsstandards für Mathematik, Deutsch und Englisch nicht mehr auf Hauptschüler anzuwenden. Hauptschüler erfüllen die Anforderungen mehrheitlich nicht, daher sollen sie in Zukunft von den PISA-Tests ausgeschlossen werden. Die Grünen-Politikerin Priska Hinz nennt das einen „Skandal“, der bildungspolitische Sprecher der FDP fragt aus diesem Anlass: „Spinnt die Kultusministerkonferenz?“

Derzeit besuchen rund 19 Prozent aller Fünftklässler die Hauptschule. Etwa die Hälfte aller Hauptschüler erreicht nicht das bundesweit vereinbarte Niveau, jeder vierte kann ein Jahr vor Abgang von der Schule nur unterhalb des Grundschulniveaus rechnen, einfache Schreibaufgaben in Englisch sind für 75 Prozent aller Hauptschüler nicht zu schaffen. Die nationalen Bildungsstandards sollen nun überarbeitet werden und an das Niveau der Hauptschüler angepasst werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert die Auflösung der Hauptschule, sie sieht diesen Bildungsgang als gescheitert an. Priska Prinz fordert mehr individuelle Lernzeit und den Ganztagsbetrieb der Hauptschulen sowie mehr individuelle Förderung. Patrick Meinhard setzt sich für eine „Qualtitätsoffensive für einen besseren Hauptschulabschluss“ ein.

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November 29, 2007

Neue PISA-Studie: Platz 13 für deutsche Schüler bei Naturwissenschaften

Neue PISA-Studie: Platz 13 für deutsche Schüler bei Naturwissenschaften

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Veröffentlicht: 20:16, 29. Nov. 2007 (CET)
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Berlin (Deutschland), 29.11.2007 – Deutsche Schüler haben bei der jüngsten PISA-Studie besser abgeschnitten als 2003: Platz 13 von insgesamt 57 teilnehmenden Staaten im Bereich der OECD, die die Studie in Auftrag gegeben hatte. Mehr als 300 Wissenschaftler und nichtwissenschaftliche Mitarbeiter haben an der Auswertung der erhobenen Daten mitgearbeitet.

Bei der letzten Studie lagen die deutschen Schulen noch auf Platz 18. Obwohl die Studie offiziell erst am 4. Dezember veröffentlicht wird, wurden heute bereits erste Informationen dazu bekannt. OECD-Sprecher wiesen jedoch darauf hin, dass beide Studien wegen unterschiedlicher methodischer Vorgehensweisen nicht direkt miteinander vergleichbar seien. Unter anderem auf deutschen Wunsch standen Fragen zum Umweltwissen deutlicher im Vordergrund als vorher. Finnland landete wie schon bei der letzten Studie erneut auf dem ersten Platz.

Deutsche Schüler erreichten im Durchschnitt 516 Punkte, der Abstand zum Spitzenergebnis von Finnland ist erheblich. Die Finnen erreichten durchschnittlich 563 Punkte, was im Vergleich zu Deutschland einem Leistungsunterschied von mehr als einem Schuljahr entspricht. Die PISA-Forscher gaben an, dass eine Punktedifferenz von 30 Punkten einem Lernrückstand von einem Schuljahr entspricht. Die nächsten Plätze im Ranking nach Finnland belegen Hongkong, Kanada und Taiwan. Österreichische Schüler belegten den 18. Platz mit 511 Punkten. Die Schweiz fiel gegenüber der letzten PISA-Studie vom zwölften auf den 16. Rang zurück, ein Ergebnis, das angesichts der genannten eingeschränkten Vergleichbarkeit mit Vorsicht zu interpretieren ist.

1.516 Schulen aus Deutschland hatten an dem Test im Frühjahr teilgenommen, bei dem weniger die Abfrage von Lehrplanwissen im Vordergrund stand als die Kompetenz der Schüler, lebensnahe Aufgaben zu lösen. Ebenfalls erfasst wurde der familiäre und soziale Hintergrund der Schüler in der Studie.

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, warnte insgesamt zu vorsichtiger Interpretation der Daten, da die Studie nur einen kleinen Ausschnitt des Schullebens überprüft habe. Insgesamt sieht Kraus eine Verbesserung der deutschen Bildungslandschaft nach dem PISA-Schock vor fünf Jahren. Die Einführung von Bildungsstandards im deutschen Schulwesen bewertete der Lehrerverbandspräsident positiv.

Die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer warnte die deutschen Bildungspolitiker vor „zu viel Ephorie“. Von einer Lösung der Probleme des deutschen Schulwesens könne keine Rede sein. Eines der größten Probleme sei nach wie vor die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland. Dieses Problem stelle sich in Deutschland schärfer als in vergleichbaren Industrienationen.

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May 15, 2006

OECD: Schlechte Chancen für Migrantenkinder im deutschen Bildungssystem

OECD: Schlechte Chancen für Migrantenkinder im deutschen Bildungssystem

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Artikelstatus: Fertig 21:54, 15. Mai 2006 (CEST)
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Berlin (Deutschland), 15.05.2006 – Kinder aus Familien ausländischer Herkunft (so genannte Migranten) haben im deutschen Bildungssystem schlechtere Lernchancen als in anderen Ländern. Dies geht aus einer Studie der OECD hervor, die auf dem Datenmaterial der PISA-Studie des Jahres 2003 beruht.

Bei dieser Studie waren die Leistungen von Kindern aus 17 Ländern (darunter die OECD-Länder Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Kanada, Luxemburg, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten sowie Hongkong (China), Macau (China) und der Russischen Föderation, die nicht der OECD angehören) in den Lernbereichen Mathematik, Lesekompetenz sowie naturwissenschaftliche Kompetenz und problemlösenden Fähigkeiten untersucht worden.

Kinder mit einer Familiengeschichte, in der eine Ein- oder Zuwanderung eine Rolle gespielt hat, weisen deutlich schlechtere Lernergebnisse im Vergleich zu ihren Mitschülern einheimischer Herkunft aus. Trotz nachweislich hoher Lernmotivation dieser Kinder weisen diese erhebliche Lerndefizite auf. Besonders auffällig sind die Leistungsunterschiede zu den gleichaltrigen Kindern, die in dem jeweiligen Land geboren wurden, in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Ein Viertel aller Kinder mit Migrationshintergrund erreichen in den meisten europäischen Ländern nicht die „Kompetenzstufe 2“ im Bereich der mathematischen Fähigkeiten, die von der Pisa-Studie als „Basisniveau an Mathematikkompetenz“ definiert wurde und deren Erreichung erforderlich ist, um auf dem Arbeitsmarkt eine realistische Chance für eine Berufsausübung zu haben. Von den Kindern der zweiten Generation bleiben in Deutschland 40 Prozent unterhalb des Niveaus der so definierten „Kompetenzstufe 2“. Damit liegt Deutschland noch hinter anderen europäischen Ländern.

Nach Auskunft von OECD-Direktorin Prof. Dr. Anne-Barbara Ischinger, die den Bericht (englischer Originaltitel: „Where Immigrant Students Succeed – a comparative Review of Performance and Engagement from PISA 2003“) in Berlin heute vorstellte, beträgt der Leistungsrückstand der zweiten Generation rechnerisch etwa zwei Schuljahre. Besonders seien davon die Kinder türkischer Familien betroffen. In Bezug auf die Ursachen kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass dem Spracherwerb der gesprochenen Unterrichtssprache eine wichtige Rolle beim Zustandekommen der Lerndefizite zukomme.

Auf der Suche nach den Ursachen der Lerndefizite sind die Forscher auch der Frage nachgegangen, welche Rolle die Höhe der Zuwanderungsquote an Migranten in einem Land für die Qualität der Bildung von Migrantenkindern zukomme. Das überraschende Ergebnis ist: Die Zuwanderungsquote hat keinen entscheidenden Einfluss auf das Abschneiden dieser Kinder in vergleichenden Datenreihen. Umgekehrt erhalten sogar Kanada, Neuseeland und Australien ein ausgesprochenes Lob für ihre erfolgreiche Integrationspolitik gegenüber den Migrantenkindern, gelten diese Länder doch als klassische Zuwanderungsländer. Dabei stießen sie jedoch erneut auf einen schon bekannten Faktor, dessen Bedeutung auch durch diese Studie erneut belegt wird: die Rolle der sozialen Herkunft. Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben – unabhängig von ihrer nationalen oder ethnischen Herkunft – schlechtere Bildungschancen.

CDU-Bildungsministerin Annette Schavan bezeichnete die Ergebnisse der Studie als „Besorgnis erregend“. Sie betonte die Notwendigkeit einer besseren frühkindlichen Förderung der Migrantenkinder, die einher gehen müsse mit einer systematischen Sprachförderung über die gesamte Zeit ihres schulischen Bildungsweges vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung. Mit dieser Forderung erhielt sie Unterstützung von anderen Spitzenpolitikern der Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD.

In einer Stellungnahme geht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Gründen für das Versagen der deutschen Bildungspolitik nach. In diesem Zusammenhang weist die Lehrer-Gewerkschaft darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Lerndefiziten mit der frühen Selektion der Kinder im deutschen Schulwesen ignoriert werde. Die Sammlung von Kindern mit einem Migrationshintergrund im Hauptschulbereich schaffe ungünstige Ausgangsbedingungen für eine positive Lernentwicklung. Das Lernklima an dieser Schulform führe dazu „dass im Alter von 15 Jahren bei gleich intelligenten und fähigen Kindern ein Rückstand von durchschnittlich ca. 1,5 Schuljahren […] verglichen mit Schülern, die das Gymnasium besuchen, entstanden ist.“ Nach Ansicht der GEW weisen die Daten darauf hin, dass nur in einem integrativen Schulsystem, in dem die Trennung der traditionellen Schulformen Hauptschule, Realschule und Gymnasium aufgehoben ist, die Bildungschancen von Kindern aus Elternhäusern von Migranten verbessert werden könne. Dies zeigten auch die positiven Ergebnisse in einigen untersuchten Ländern, die integrative Systeme haben.

Die OECD-Direktorin Ischinger betonte ebenfalls die nachteilige Wirkung der Sammlung von Migrantenkindern im Hauptschulbereich.

Themenverwandte Artikel

  • UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung kritisiert Bildungsföderalismus in Deutschland (21.02.2006)

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February 21, 2006

UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung kritisiert Bildungsföderalismus in Deutschland

UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung kritisiert Bildungsföderalismus in Deutschland

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Artikelstatus: Fertig 19:38, 21. Feb. 2006 (CET)
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Berlin (Deutschland), 21.02.2006 – Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz, hat zum Abschluss seiner zehntägigen Informationsreise durch Deutschland Kritik am Bildungsföderalismus geübt.

Vernor Muñoz reiste vom 13. bis zum 21. Februar auf Einladung der Bundesregierung durch Deutschland, um zu untersuchen, wie das Recht auf Bildung in Deutschland gewährleistet ist. Im Zentrum der Untersuchungen des UN-Sonderberichterstatters standen der Zugang zu Bildung, die Qualität der Bildungseinrichtungen sowie die spezielle Situation von Kindern mit Migrationshintergrund, wirtschaftlich und sozial benachteiligten Kindern und Kindern mit Behinderung. Zum Auftrag des Sonderberichterstatters zählte außerdem die Untersuchung der Reformen nach den Ergebnissen der PISA-Studien. Während seines Deutschlandaufenthalts traf sich Vernor Muñoz mit Regierungsvertretern, Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, Erziehungswissenschaftlern, Medienvertretern und Schülern. Er besuchte Schulen, Kindergärten und andere Bildungseinrichtungen. Einen ausführlichen Bericht über seine Beobachtungen des deutschen Schulsystems wird Vernor Muñoz im nächsten Jahr der UN-Menschenrechtskommission vorlegen. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung ist ein von den Vereinten Nationen ernannter unabhängiger Experte mit dem Auftrag, das Recht auf Bildung in allen Ländern zu fördern und sicherzustellen.

Vernor Muñoz kritisierte die zunehmenden Kompetenzen der Bundesländer im Bildungsbereich. Zum Abschluss seines Besuchs sagte er heute in Berlin, dass der Bund dadurch die Möglichkeit verliere, eine Einheit zu gewährleisten. Die Kritik des UN-Sonderberichterstatters richtet sich insbesondere gegen zu große Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern. Auch zur Chancengleichheit im deutschen Schulsystem äußerte sich der Juraprofessor aus Costa Rica, der auch Philosophie und Erziehungswissenschaften studiert hat, kritisch. Seiner Meinung nach finde die Zuteilung der Schüler auf unterschiedliche Schularten in Deutschland sehr früh statt. Vernor Muñoz betonte, dass der Zugang zu Bildung ein Menschenrecht sei. Positiv äußerte sich der Sonderberichterstatter über die Bemühungen, vorschulische Bildung stärker zu fördern. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) reagierte zurückhaltend auf die Kritik am föderalen Schulsystem. Laut Schavan gehe es um gemeinsame Ziele auf der einen und Selbstständigkeit auf der anderen Seite.

Als Ergebnis seiner Beobachtungen formulierte Vernor Muñoz vier Empfehlungen an die deutsche Politik: Erstens fordert Muñoz von der Bundesregierung die Aufgabe des Vorbehalts gegen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Dies spielt vor allem für den Status von Migranten eine wichtige Rolle. Bei diesem Aspekt hatten Nichtregierungsorganisationen und Kirchenvertreter in Gesprächen mit dem UN-Inspektor ihre Bedenken vorgebracht. So würden Kinder illegaler Migranten aufgrund des unklaren Aufenthaltsstatus ihrer Eltern oft nicht eingeschult. Zweitens müsse laut Muñoz die vorschulische Bildung kostenlos sein. Drittens solle die Menschenrechtserziehung bei der Weiterbildung von Lehrern künftig eine wichtigere Rolle spielen. An vierter Stelle seiner Empfehlungen fordert der Bildungsexperte der UN eine Aufgabe der Zuteilung der Schüler auf verschiedene Schularten nach der vierten Klasse. Generell sei ein weiterer Dialog über die Struktur des Schulsystems in Deutschland notwendig, so Vernor Muñoz.

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Zu den Schwerpunkten des Regierungsprogramms der amtierenden Bundesregierung sowie zur bildungspolitischen Diskussion in Deutschland:

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July 14, 2005

Bayerische Schüler liegen im Pisa-Schultest wieder vorne

Berlin (Deutschland), 14.07.2005 – Am Mittag hat die Kultusministerkonferenz weitere Ergebnisse der 2003 erhobenen Schulleistungsstudie PISA offiziell in Berlin vorgestellt. Während bei einer ersten Bekanntgabe von Ergebnissen im Dezember vergangenen Jahres das internationale Abschneiden deutscher Schüler im Vordergrund stand, ging es diesmal um den Leistungsvergleich zwischen den einzelnen Bundesländern.

Inhaltsverzeichnis

Überblick über die Ergebnisse der Studie

Ergebnisse des Ländervergleichs

Wie schon in der ersten PISA-Studie gingen die Schüler aus Bayern auch diesmal als klare Sieger aus dem nationalen Vergleich hervor. Sie erreichten in allen vier getesteten Fächern – Mathematik, Naturwissenschaft, Lesekompetenz und Problemlösen – mit Abstand die besten Ergebnisse. Auf dem zweiten Platz folgen die Schüler aus Baden-Württemberg. Schlusslicht in der Untersuchung sind erneut die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Insgesamt konnten jedoch alle Bundesländer in fast allen Kompetenzbereichen Verbesserungen gegenüber der ersten Studie aus dem Jahr 2000 verzeichnen.

Zusammenhang soziale Herkunft und Bildungschancen

Es liegen jetzt nur noch wenige Bundesländer unter dem OECD-Durchschnitt. Ein Problem wird die Bildungspolitik jedoch weiterhin beschäftigen: Es gibt nach wie vor einen stark ausgeprägten Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft von Schülerinnen und Schülern und ihrem erreichten Kompetenzniveau. Benachteiligungen durch die soziale Lage des Elternhauses schlagen im deutschen Bildungswesen immer noch durch als schlechtere Bildungschancen.

Fortschritt bei der Problemlösekompetenz

Als erfreulich werten die Autoren der Studie die Tatsache, dass die Problemlösekompetenz bei den deutschen Schülerinnen und Schülern nach dem katastrophalen Abschneiden bei der ersten PISA-Studie aus dem Jahre 2000 nunmehr in fast allen Bundesländern mindestens den OECD-Durchschnitt erreicht oder sogar deutlich oberhalb des Durchschnitts der untersuchten Länder liegt.

Reaktionen

In einer ersten Reaktion warnte die Vize-Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Demmler, die erfolgreichen Länder vor Selbstgefälligkeit und mahnte eine höhere Chancengleichheit für sozial Benachteiligte an.

Hintergrund

Die Abkürzung PISA steht für das von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Auftrag gegebene „Programme for International Student Assessment“. Der erste internationale PISA-Schulvergleich fand im Jahr 2000 statt. An der zweiten Untersuchung, die im Frühjahr 2003 stattfand, nahmen insgesamt 41 Nationen teil. In Deutschland wurden dabei knapp 50.000 Schüler im Alter von rund 15 Jahren getestet. Weltweit arbeiten rund 300 Wissenschaftler an der Erstellung und Auswertung der Testbögen.

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April 25, 2005

Landesweiter Leistungstest für Grundschüler

Landesweiter Leistungstest für Grundschüler

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Hessen

Wiesbaden (Deutschland), 25.04.2005 – In diesen Tagen werden alle Drittklässler in Hessen landeseinheitliche Tests in Mathematik und Deutsch absolvieren müssen.

Die Tests dienen als Leistungsstanderhebung zur Bewertung des hessischen Grundschulsystems und gehen nicht in die Schulnoten ein. Kultusministerin Karin Wolff (CDU) hat die Maßnahme als Reaktion auf die Ergebnisse der PISA-Tests eingeführt. An ausgewählten Schulen hat es bereits in den vergangenen zwei Jahren Probeläufe gegeben; dieses Jahr nehmen erstmals alle knapp 1.200 Grundschulen teil.

Themenverwandte Artikel

  • Themenportal: Kinder- und Jugendfragen (Europa)
  • UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung kritisiert Bildungsföderalismus in Deutschland

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February 10, 2005

Nürnberger Spielwarenmesse eröffnet

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Nürnberger Spielwarenmesse eröffnet

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Messe Nürnberg

Nürnberg (Deutschland), 10.02.2005 – Heute morgen um 09:00 Uhr hat Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber in Nürnberg die 56. Internationale Spielwarenmesse eröffnet. Mit 2.747 Ausstellern aus 65 Ländern ist dies die größte Spielwarenschau weltweit. Insgesamt werden zirka 78.000 Messebesucher erwartet.

Zugelassen sind wie immer nur Fachbesucher aus der Spielwarenbranche, Pressevertreter und geladene Gäste. Es werden zirka 60.000 Neuheiten auf dem Spielwarenbereich vorgestellt.

Schwerpunkt wird dieses Jahr das Thema Lernspiele sein. Aufgrund der Ergebnisse der Pisa-Studie erwarten die Firmen großes Interesse auf diesem Gebiet. Bereits für Kinder ab sechs Monaten werden Spiele in diesem Genre angeboten.

Wie bereits seit Jahren versprechen auch heuer wieder Erwachsenenspiele, Puzzles und Bewegungsspielzeuge großes Interesse. Eines der neuen Produkte in diesem Jahr wird von zwei jungen Männern aus Bayern vorgestellt. Sie haben im Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ eine Konstruktion eines ferngesteuerten Ufos präsentiert. Ein Nürnberger Spielwarenanbieter hat davon erfahren und das Teil in seine Produktion aufgenommen. Erwartet wird ein Absatz von zirka 100.000 Stück in Europa.

Auf der Suche nach neuen, jüngeren Zielgruppen ist der Modelleisenbahnbereich. Der Trend geht dahin, schnell und ohne langwierigen Aufbau die Eisenbahnen zum Laufen zu bringen. Der bisherigen Tendenz mehr und mehr zum Sammlerobjekt zu werden, soll damit entgegengesteurt werden.

Die Messe läuft noch bis zum 15. Februar 2005.

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December 10, 2004

„Hartz IV“ Wort des Jahres 2004

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„Hartz IV“ Wort des Jahres 2004

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Wiesbaden (Deutschland), 10.12.2004 – Die Gesellschaft für deutsche Sprache gab in Wiesbaden die Wörter des Jahres bekannt. „Hartz IV“ ist demnach das Wort des Jahres 2004.

Als Begründung für die Wahl verwies die Gesellschaft auf die große Diskussion, die das nach VW-Personalchef Peter Hartz benannte Gesetz zur Arbeitsmarkt- und Sozialhilfereform Hartz IV ausgelöst hat.

Auf Platz zwei kam das Wort „Parallelgesellschaften“ bei dem es um die Integration von Ausländern geht. Um die ebenfalls heftig diskutierten PISA-Studien geht es auf Platz drei. Hier wurde das Wort „Pisa-gebeutelte-Nation“ auserkoren. Die Wörter des Jahres 2003 waren „Das alte Europa“ und „Agenda 2010“. Seit 1971 zeichnet die Sprachgesellschaft jährlich Ausdrücke aus, die den öffentlichen Sprachgebrauch des jeweiligen Jahres beeinflusst haben.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Deutsche Sprache
  • Portal:Hartz IV

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December 7, 2004

Bulmahn für Verzicht auf dreigliedriges Schulsystem

Bulmahn für Verzicht auf dreigliedriges Schulsystem

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Berlin (Deutschland), 07.12.2004 – Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn hat am Dienstag vor Journalisten in Berlin als Reaktion auf die jüngste PISA-Studie die Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem gefordert: „Ich glaube nicht, dass die Hauptschule auf Dauer ein zukunftsträchtiges Modell ist. […] Ich bin persönlich überzeugt davon, dass wir mittel- und langfristig das dreigliedrige Schulsystem überwinden müssen. Der aktuelle Zustand des Bildungssystems in Deutschland kann niemanden ernsthaft zufrieden stellen. Ein Durchschnittsplatz ist für Deutschland nicht ausreichend.“

Laut Bulmahn weise die PISA-Studie vor allem auf Defizite bei den schwächeren Schülern hin, da in Deutschland Kinder aus unteren Einkommensschichten eine sehr viel schlechtere Chance auf gute und erfolgreiche Bildung hätten. Sie stellte außerdem die frühe Auslese von zehnjährigen Kindern nach der vierten Klasse in Frage. Gemäß Bulmahn bezweifeln selbst die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, dass die Gesamtleistung der deutschen Schüler allein durch eine weitere Optimierung der bestehenden Bildungssysteme nennenswert gesteigert werden kann.

Bulmahn tritt für die Schaffung von regelmäßig überprüften national einheitlichen Bildungsstandards ein, die für einen besseren Unterricht mit besserer Betreuung und individueller Förderung sorgen sollen. An anderer Stelle forderte sie jedoch, dass Schulen und Lehrer größere Spielräume benötigten, um eigene Schulprofile zu entwickeln und eine klare Orientierung über die notwendigen Kompetenzen der Schüler zu erlangen. Die dafür nötigen Umbauten im Bildungssystem sollen durch die Streichung der Eigenheimzulage mitfinanziert werden.

Themenverwandte Artikel

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  • de.news.yahoo.com: „unbekannt“ B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar

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