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February 21, 2016

Irrtum über die Ursachen der Missbildungen in Brasilien aufgedeckt

Irrtum über die Ursachen der Missbildungen in Brasilien aufgedeckt

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Veröffentlicht: 21:35, 21.02.2016
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Auch die Gelbfiebermücke kann das Zika-Virus übertragen

Brasília (Brasilien), 21.02.2016 – In Brasilien wurden rund 500 Fälle von „Mikrozephalie“ festgestellt, einer Missbildung bei Säuglingen, die an einem auffällig kleinen Kopf zu erkennen ist. Jedes zehnte der betroffenen Kinder ist inzwischen gestorben. Insgesamt gibt es fast 4000 Verdachtsfälle. Als Ursache wurde zunächst das Zika-Virus vermutet, das zum Beispiel durch den Stich der Tigermücke übertragen werden kann. Jedoch wurden bisher nur 17 Fälle in Brasilien gefunden, bei denen tatsächlich dieser Virus für die Missbildung verantwortlich ist. Die argentinische Umwelt-Vereinigung REDUAS behauptet, dass als Ursache das Insektengift Pyriproxyfen in Frage kommt, das ausgerechnet in den Gebieten dem Trinkwasser beigemischt wird, in denen die meisten Fehlbildungen bei Säuglingen beobachtet wurden.

Pyriproxyfen ist ein Pestizid

Gegenwärtig sind in Brasilien 220.000 Soldaten unterwegs, um die Verbreitung des Zika-Virus durch Mücken mit großflächigem Versprühen von Insektengift zu bekämpfen. Nach Ansicht von Wissenschaftlern ist das der falsche Weg. Journalisten wird Hysterie bei der Berichterstattung vorgeworfen. Das Robert Koch-Institut vermutet weitere Faktoren als Ursache für die Missbildungen.

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 in Uganda entdeckt und kommt hauptsächlich in Afrika und Südostasien vor. Bis 2007 waren weniger als 15 Infektionen beim Menschen bekannt. Derzeit wird die Zahl der Infizierten allein in Brasilien auf 1,3 Millionen geschätzt. Da es bisher keinen Impfstoff gegen das Zika-Virus gibt, befürchten einige Beobachter eine Epidemie internationalen Ausmaßes, vor allem in den Tropen und Subtropen.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

Wikinews-logo.svg   Portal:Wissenschaft

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June 24, 2013

Brasilianische Generalstaatsanwaltschaft klagt gegen Weltmeisterschaftsgesetz

Brasilianische Generalstaatsanwaltschaft klagt gegen Weltmeisterschaftsgesetz

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Veröffentlicht: 00:12, 24. Jun. 2013 (CEST)
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WM-2014-Brasilien.svg

Brasília (Brasilien), 24.06.2013 – Die brasilianische Generalstaatsanwaltschaft (PGR) hat vor dem Obersten Gerichtshof des Landes Klage gegen einige Artikel der Gesetzesvorschriften zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 eingereicht. Das im Juni 2012 verabschiedete Gesetz regelt Grundlagen für den derzeit laufenden FIFA-Konföderationen-Pokal, die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den im Juli stattfindenden Weltjugendtag 2013. Die von der früheren stellvertretenden Generalanwältin der Republik, Deborah Duprat, vorbereitete Klage richtet sich gegen die Verfassungswidrigkeit von drei Artikeln des Gesetzes, wobei zwei davon die FIFA begünstigen. „Es ist nicht möglich, einen Grund zu erkennen, der die unterschiedliche Behandlung der FIFA sowie ihrer Partner rechtfertigt“, so argumentieren die Kläger.

Zum einen geht es um die durch die Unionsregierung gewährte Freistellung der FIFA von allen Haftungsansprüchen im Zusammenhang mit Unfällen während der Fußball-Weltmeisterschaft. Nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft kann die öffentliche Verwaltung die Verantwortung nicht beurteilen, ohne die Verursacher zu hören. Es geht beispielsweise um den Verkauf des „WM-Bier“s des FIFA-Sponsors Budweiser trotz generellen Stadion-Alkoholverbots.

Die Staatsanwaltschaft stellte zum anderen auch die Steuerbefreiung für die FIFA infrage. Nach Duprats Klageschrift stelle „die Befreiung keinen verfassungsrechtlich ausreichenden Nutzen dar, sondern es handelt sich um eine wirklich illegitime Begünstigung“.

Der dritte Punkt der Klage dreht sich um die im April beschlossenen Zahlungen von Prämien und monatlichen Hilfen an ehemalige Spieler der Nationalmannschaft, der Seleção, die in den Jahren 1958, 1962 und 1970 die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen haben. „Die gewährten Vorteile sind streng privater Natur und nicht im allgemeinen Interesse des Volkes“, sagte Duprat. Sie wies auch darauf hin, dass die Regelung rechtswidrig sei, weil die Höhe der Zahlungen nicht konkretisiert wurde.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Portal:Brasilien
  • Portal:Fußball

Quellen[Bearbeiten]

Dieser Artikel beruht auf einer Bearbeitung eines von Beto Coura verfassten und durch die Agência Brasil publizierten Meldung.

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November 2, 2010

Dilma Rousseff wird neue Präsidentin Brasiliens

Dilma Rousseff wird neue Präsidentin Brasiliens

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Veröffentlicht: Zeitlupe 19:49, 2. Nov. 2010 (CET)
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Brasília (Brasilien), 02.11.2010 – Die Sozialistin Dilma Rousseff hat die Stichwahl um das Amt des Präsidenten in Brasilien am Sonntag gewonnen. Rousseff war der Wunschkandidat des bisherigen populären Präsidenten Lula da Silva und wird die erste Frau an der Spitze einer Regierung in Brasilien.

Quellen

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November 19, 2007

Lula sagt, dass es in Venezuela „nicht an Demokratie fehlt“

Lula sagt, dass es in Venezuela „nicht an Demokratie fehlt“

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Veröffentlicht: 18:04, 19. Nov. 2007 (CET)
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Hugo Chávez und Lula gehen zur Aufnahme des offiziellen Fotos des 17. Iberoamerika-Gipfels (Valter Campanato/ABr).

Brasília (Brasilien), 19.11.2007 – In Erklärungen gegenüber der Presse vom 14. November verteidigte der Präsident von Brasilien, Luiz Inacio Lula da Silva, den Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez, und bagatellisierte den Vorfall zwischen ihm und dem König von Spanien, Juan Carlos I. auf dem 17. Iberoamerikanischen Gipfel in Chile.

Laut Agentur Brasilien sagte Lula nach einem Treffen mit dem Präsidenten von Guiné-Bissau: „Es gibt kaum Meinungsverschiedenheiten zwischen König Juan Carlos und Chávez. Es gibt viele Meinungsverschiedenheiten zwischen anderen Staatsoberhäuptern. Verschiedenheit ist Teil einer demokratischen Sitzung.“

Der brasilianische Präsident betonte, dass „Venezuela ein demokratisches Land ist“, und verglich es mit dem Vereinigten Königreich: „Sie können Chávez wegen jeder anderen Sache kritisieren, wegen fehlender Demokratie in Venezuela nicht. In Venezuela hat es schon drei Referenden gegeben, drei Wahlen, vier Volksabstimmungen […], warum hat sich niemand beklagt, dass Margaret Thatcher so viele Jahre an der Macht war? Das ist Kontinuität, nichts anderes. Nur die politischen Systeme unterscheiden sich – es gibt präsidiale und parlamentarische. Aber was zählt, ist nicht das System, sondern die Ausübung der Macht.“

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Venezuela

Quellen

Spanischsprachige Quelle Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines fremdsprachigen Artikels vom 17.11.2007

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July 23, 2007

Erdbeben erschüttern Argentinien und Brasilien

Erdbeben erschüttern Argentinien und Brasilien

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Veröffentlicht: 20:34, 23. Jul. 2007 (CEST)
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Epizentrum des Erdbebens, das den Norden Argentiniens erschütterte

Buenos Aires (Argentinien) / Brasília (Brasilien), 23.07.2007 – Zwei starke Erdbeben haben gestern den Norden Argentiniens sowie eine entlegene Region des Amazonas in Brasilien erschüttert.

Der Geologische Dienst der Vereinigten Staaten (USGS) meldete, dass das erste Beben um 9:27 Uhr Ortszeit (-3 UTC) 165 Kilometer von der Stadt Cruzeiro do Sul entfernt im Amazonas-Staat Acre stattgefunden und eine Stärke von 6,1 auf der Richter-Skala aufgewiesen habe.

Nach Aussage von Elio Murilo, einem Sergeant der Feuerwehr von Cruzeiro do Sul, war das Ereignis nicht zu spüren, und es wurden keine Opfer oder Sachschäden gemeldet. Die Erdbewegung fand in einer Tiefe von 632,9 Kilometern statt.

Um 12:34 Uhr Ortszeit (-3 UTC) erschütterte ein weiteres Erdbeben mit einer Stärke von 6,2 auf der Richter-Skala den Norden Argentiniens, was auch in einigen Städten Boliviens zu spüren war. Nach Aussage der USGS lag das Epizentrum in der Provinz Jujuy, 140 Kilometer östlich von Tarija (Bolivien) in einer Tiefe von 247 Kilometern. Die Behörden haben keine Opfer oder Sachschäden gemeldet.

englischsprachige Quelle Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines fremdsprachigen Artikels vom 21.07.2007.

Spanischsprachige Quelle Der englischsprachige Artikel, der Grundlage der Übersetzung ins Deutsche ist, ist eine Übersetzung des spanischsprachigen Artikels vom 21.07.2007.

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June 3, 2007

Zuckerrohr für Bioethanol bedrängt Kleinbauern und Regenwald in Brasilien

Zuckerrohr für Bioethanol bedrängt Kleinbauern und Regenwald in Brasilien

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Artikelstatus: Fertig 17:21, 3. Jun. 2007 (CEST)
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Zuckerrohr-Monokultur, soweit das Auge reicht in São Paulo. Allein in diesem Bundesstaat wächst auf vier Millionen Hektar Zuckerrohr.

Brasília (Brasilien), 03.06.2007 – In Brasilien steigt die Nachfrage nach Zuckerrohr für Bioethanol weiterhin massiv an – vier von fünf Neuwagen sind mittlerweile mit einem Flex-Fuel-Motor ausgestattet, der wahlweise mit Benzin oder Ethanol betankt werden kann. Die bestehenden 300 Zuckerrohrfabriken können der Nachfrage kaum mehr nachkommen, sodass in den nächsten fünf Jahren 100 weitere hinzukommen sollen. Auch der Export von Biotreibstoffen aus Brasilien soll, in Zusammenarbeit mit den USA, ausgebaut werden. Entsprechend weiten die Großgrundbesitzer ihre Zuckerrohrproduktion aus. Ethanolproduzenten und Regierung streben gar eine Verdoppelung der Anbauflächen von heute sieben Millionen Hektar an.

Ethanol aus Zuckerrohr wird seit den 1970er Jahren von der brasilianischen Regierung als Alternative zu Erdöl gefördert. So muss Benzin von Gesetzes wegen 25 % Ethanol beigemischt werden. Heute ist Brasilien weltweit führend in der Bioethanolproduktion, Ethanol macht die Hälfte des Treibstoffverbrauchs aus. In jüngerer Zeit ist das Interesse am brasilianischen Bioethanol wegen der Diskussionen um Klimaschutz und die Verknappung des Erdöls gewachsen. Die Produktion von heute 17 Milliarden Litern (von denen 14 Mia. im Inland verbraucht werden), wird Schätzungen zufolge bis 2013 auf 35 Mia. Liter steigen, während die Inlandsnachfrage 29 Mia. erreichen wird.

Für die Ausweitung der Zuckerrohr-Bioethanolproduktion mussten und müssen, vor allem im Nordosten Brasiliens, Kleinbauern weichen – die „Zuckerbarone“ vertreiben sie mit Gewalt, um ihre Plantagen zu vergrößern. Die landlos gewordenen Vertriebenen landen oftmals in den städtischen Favelas oder als Arbeiter auf den Zuckerrohrplantagen unter meist schlechten Arbeitsbedingungen. Die Landlosenbewegung MST protestiert deshalb gegen den Ausbau der Bioethanolproduktion aus Zuckerrohr, die zur weiteren Konzentration des Landbesitzes in den Händen Weniger beitrage.

Umweltschützer fürchten auch um den Amazonas-Regenwald. Denn dort weitet sich der Zuckerrohranbau zwar noch nicht aus, da das Zuckerrohr auf den nährstoffarmen Böden schlecht gedeiht. Experten vermuten aber, dass Genetiker bald Zuckerrohrpflanzen züchten werden, die auch auf gerodetem Regenwaldboden wachsen. Ähnlich ist es beim Sojaanbau geschehen, der mittlerweile als eine der größten Gefahren für den brasilianischen Regenwald gilt.

Der Atlantische Küstenurwald, die Mata Atlântica, wurde bereits in der Vergangenheit großflächig für den Anbau von Zuckerrohr, Kaffee und Soja abgeholzt.

Um der wachsenden Kritik am Einsatz von Biotreibstoffen entgegenzukommen, plant die brasilianische Regierung derweil ein Gütesiegel, das eine sozial und ökologisch verträgliche Produktion gewährleisten soll. Ein solches Zertifikat soll in drei bis vier Jahren entwickelt sein.

Themenverwandte Artikel

Quellen

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August 16, 2006

Paraguay: Ex-Diktator Alfredo Stroessner ist tot

Paraguay: Ex-Diktator Alfredo Stroessner ist tot

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Artikelstatus: Fertig 23:10, 16. Aug. 2006 (CEST)
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Brasília (Brasilien), 16.08.2006 – Der ehemalige Diktator Paraguays, der deutschstämmige Alfredo Stroessner, ist tot. Der Ex-General, der sich im Juli einer Leistenoperation unterzogen hatte, litt an einer Lungenentzündung und war mit starkem Untergewicht in die Intensivstation eines Krankenhauses in Brasília eingeliefert worden, wo er künstlich beatmet werden musste. Hier erlag er nach Angaben seiner Ärzte am Mittwoch den Folgen der Lungenentzündung.

Alfredo Stroessner war der Sohn eines deutschen Einwanderers, der im Jahr 1912 in Encarnación, im Süden Paraguays, geboren wurde. Mit 17 Jahren trat Alfredo Stroessner in die Armee ein, wo er eine Blitzkarriere machte. 1948 wurde er zu dem jüngsten Brigadegeneral Südamerikas ernannt. Bereits drei Jahre später wurde er Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Am 4. Mai 1954 ergriff er an der Spitze eines Militärputsches die Macht gegen den amtierenden Präsidenten Federico Chavez. Kurz danach wurde er Präsident Paraguays.

Stroessner war einer der brutalsten Diktatoren in der an Diktatoren nicht gerade armen Geschichte Südamerikas. Das Verschwinden von Menschen, totale Bespitzelung, politische Morde ohne Gerichtsurteil – das waren die Methoden, mit denen sich der Militärbefehlshaber an der Macht hielt. Tausende mussten dafür mit dem Leben bezahlen, verschwanden in den Gefängnissen oder wurden gefoltert. Dies alles geschah, wie seine Tochter Olivia Stroessner sagte, auf Druck der USA und im Namen der „Bekämpfung des Kommunismus“. Unter seiner Herrschaft wurde Paraguay auch zur beliebten Zuflucht ehemaliger Nazi-Kriegsverbrecher wie dem KZ-Arzt Josef Mengele.

Im Jahr 1989 wurde der Diktator mit einem Militärputsch gestürzt, so dass er des Landes verwiesen wurde und flüchten musste. Das Land Brasilien nahm ihn auf. Er erhielt politisches Asyl mit der Begründung, dass er in seiner Heimat mit dem Tod bedroht würde. In der brasilianischen Hauptstadt Brasília lebte er lange Jahre in einer luxoriösen Unterkunft. Versuche, ihn für seine Verbrechen während seiner Amtszeit zur Rechenschaft zu ziehen, schlugen fehl. Auslieferungsanträge von Paraguay wurden abgelehnt. Er wurde in Paraguay wegen Mordes und Folter angeklagt.

Die Außenministerin des Landes, Leila Rachid, kündigte an, es werde kein Staatsbegräbnis geben.

Quellen

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June 7, 2006

Landlose Bauern stürmen Parlamentsgebäude in Brasília

Landlose Bauern stürmen Parlamentsgebäude in Brasília

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Artikelstatus: Fertig 21:19, 7. Jun. 2006 (CEST)
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Brasília (Brasilien), 07.06.2006 – Mehrere hundert landlose Bauern haben ein Nebengebäude des brasilianischen Unterhauses in der Hauptstadt Brasília gestürmt. Bei den Protesten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Bauern, die Stöcke, Steine und landwirtschaftliche Werkzeuge sowie Fahnen bei sich trugen, und Polizisten. Nach offiziellen Angaben wurden 500 Menschen verhaftet, etwa 25 Menschen wurden verletzt, darunter einer schwer. Bei den Protesten der landlosen Arbeiter wurden auch ein Auto umgestoßen und Gegenstände im Inneren des Gebäudes zerstört.

Landlose Bauern bei der Stürmung des Parlamentsgebäudes
(Foto: José Cruz/ABr)

Bei den Teilnehmern der Protestaktion soll es sich Medienberichten zufolge um Mitglieder einer militanten Abzweigung der Landlosenbewegung Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST) handeln. Die Bauern verschafften sich Zugang zum Nebenraum zweier Plenarsäle, in denen zu diesem Zeitpunkt debattiert wurde. Die Bauern forderten mehr finanzielle Mittel, eine Beschleunigung der Landreform und ein Ende von Arbeitsverhältnissen, die sie als Sklavenarbeit bezeichnen. Nach Angaben der Bauern sollte mit einem friedlichen Protest auf diese Forderungen aufmerksam gemacht werden, sie seien aber von Polizisten angegriffen worden. Kongresspräsident Aldo Rebelo hatte die Unterstützung der Armee angefordert, um die Proteste der Bauern zu beenden. Nach einer Stunde verließen die Bauern das Parlamentsgebäude, nachdem dieses von Militärpolizisten umstellt worden war.

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verurteilte die gewaltsame Stürmung des Parlamentsgebäudes, die er als Akt des Vandalismus gegen die Demokratie bezeichnete. Bei seiner Wahl im Jahr 2003 war der Präsident von der Landlosenbewegung unterstützt worden, der er eine Landreform versprochen hatte. Bruno Maranhao, einer der Anführer der Landlosenbewegung, ist führendes Mitglied der regierenden Arbeiterpartei PT. Es war geplant, dass der Staat ungenutztes Land kaufen sollte, um es den verarmten, landlosen Bauern zur Verfügung stellen. In diesem Jahr will Lula da Silva für eine zweite Amtszeit kandidieren. Die MST wirft dem Präsidenten vor, sein Wahlversprechen nicht eingehalten zu haben, 400.000 Landlosen bis 2006 Land zur Verfügung zu stellen. Grundbesitzer sind dagegen der Meinung, die Regierung unternehme zu wenig, um ihr Eigentum vor Besetzungen durch landlose Bauern zu schützen.

Quellen

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January 13, 2006

Interview mit dem brasilianischen Blogger Ricardo Serran Lobo

Interview mit dem brasilianischen Blogger Ricardo Serran Lobo

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Artikelstatus: Fertig 13. Jan. 2006 (CET)
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Brasília (Brasilien), 13.01.2006 – Am 12.01.2005 wurde der brasilianische Blogger Ricardo Serran Lobo im Wikinews IRC-Channel interviewt. Ricardo Serran Lobo ist in Brasilien als „Vizinho do Jefferson“ (Der Nachbar von Jefferson) bekannt. Ricardo Serran Lobo ist der Nachbar des ehemaligen brasilianischen Parlamentsabgeordneten Roberto Jefferson der konservativen PTB, der den so genannten mensalão-Skandal aufgedeckt hat, aber auch selbst in die Bestechungsaffäre verwickelt war. Die regierende Arbeiterpartei (PT) von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte Bestechungsgelder an Abgeordnete der konservativen PTB gezahlt, um den Koalitionspartner an sich zu binden. Ricardo Serran Lobo betreibt das Blog „Vizinho do Jefferson“ in dem er seine Beobachtungen zur brasilianischen Politik, sowie zu seinem berühmten Nachbar niederschreibt. Lobos Blog war für den Preis „Best of the Blogs“ der Deutschen Welle in der Kategorie bestes journalistisches Blog in portugisischer Sprache nominiert. In dieser Kategorie kam das Blog bei einer Leserabstimmung auf den zweiten Platz.

Persönliche Fragen

Wikinews: Unser Interviewpartner ist der Brasilianer Ricado Serran Lobo. Er ist wegen seines Weblogs, das sich mit politischen Themen beschäftigt und während des mensalão-Skandals in Brasilien sehr bekannt wurde, normalerweise bekannt als Vizinho do Jefferson (Der Nachbar von Jefferson).
Ricado Lobo: Guten Tag! Ich heiße Ricardo, bin 44 Jahre alt, unterrichte Web-Writing und halte Vorträge über das Informationszeitalter und digitale Technologien.
Wikinews: Leben Sie schon immer in Brasília?
Ricado Lobo: Nein. Ich komme aus São Paulo und mein Herz hängt an Santa Catarina.
Wikinews: Wie lange leben Sie schon in Brasília?
Ricado Lobo: Ich wohne seit fünf Jahren in Brasília. Während all dieser Jahre bin ich schon der Nachbar des ehemaligen Parlamentsabgeordneten Roberto Jefferson.

Das Blog

Wikinews: Was war Ihr Ziel, als sie mit dem Bloggen begonnen haben?
Ricado Lobo: Um ehrlich zu sein startete ich das Blog ohne ein bestimmtes Ziel. Es entstand aus einem Witz mit einem Freund von mir und meinem Cousin. Sie wussten, dass ich neben dem Abgeordneten [Roberto Jefferson] wohne und fragten mich jeden Tag, ob die Journalisten immer noch vor der Türe seines Hauses stehen würden.
Darum begann ich zu bloggen. Es war so etwas wie ein „Making of“, eine Berichterstattung über die Verwirrung und die Veränderung meines Tagesablaufes, die durch Journalisten verursacht wurde, die vor meinem Fenster darauf warteten, dass etwas passiert.
Wikinews: Ist das Ihr erstes internationales Interview? Welche Zeitungen oder Zeitschriften haben sich mit Ihnen in Verbindung gesetzt?
Ricado Lobo: Es ist mein zweites internationales Interview. In der Anfangsphase meines Blogs wurde ich noch vom „Bloomberg Channel“ aus New York interviewt. In Brasilien wurde ich von den wichtigen Massenmedien interviewt. Nur der Fernsehsender „Rede Globo“ wollte wegen meiner Angriffe gegen den Sender kein Interview mit mir führen. Ich habe kritisiert, dass der Sender einen Kredit von 2,8 Milliarden Real bei der BNDES (Brasilianische Entwicklungsbank) aufgenommen hat. Außerdem habe ich dem Sender tägliche Manipulation vorgeworfen.
Wikinews: Hatten sie erwartet, dass ihr Blog so erfolgreich werden wird?
Ricado Lobo: Ich habe nicht erwartet Berühmtheit zu erlangen. Aber sonst hätte ich alles erwartet. Ich habe viel über die Auswirkungen gelacht, die durch das Blog entstanden sind. Dennoch ist der wichtigste Aspekt aus meiner Sicht, die Veränderungen des Verhaltens der wichtigen Persönlichkeiten der politischen Krise, die durch das Blog bewirkt wurden. Sowohl in den Medien, als auch bei den Parlamentsabgeordneten.
Wikinews: Erhalten Sie viele E-Mails?
Ricado Lobo: Ich habe schon viele E-Mails erhalten, etwa 300 E-Mails pro Tag zur Zeit des Höhepunkts der politischen Krise und der Beliebtheit des Blogs. Im Juli konnte ich nur drei Stunden in der Nacht schlafen. Ich habe jede E-Mail beantwortet. Zur Zeit erhalte ich in der Regel 20 E-Mails am Tag. Ich liebe das. (Lacht)

Journalismus

Wikinews: Wissen sie von Bürgerjournalismus in portugisischer Sprache?
Ricado Lobo: Nein. Diese Art von Journalismus ist in meinem Land unüblich. Das Blog „Vizinho do Jefferson“ animierte eine große Diskussion zu diesem Thema, weil zuvor journalistische Tätigkeit denen vorbehalten war, die einen Abschluss in Journalismus haben. Das erste und „außergesetzliche“ Kommunikationsmittel, das wirklich auf der Idee des Bürgerjournalismus beruhte, war mein Blog [In Brasilien]. Man nennt es hier „unabhängige Presse“.
Wikinews: Gibt es irgendeine Gefahr für Sie, als „unabhängige Presse“ zu arbeiten, weil Sie kein Journalismusdiplom haben?
Ricado Lobo: Ja, die Journalistengewerkschaft kann mich jederzeit verklagen. Ich nehme aber keinem die Arbeit weg. Zu eurer Information: Meine reguläre Arbeit besteht darin, Workshops für die Journalistengewerkschaft über Webwriting, Informationsarchitektur und über das Erstellen digitaler Inhalte zu veranstalten. Ich habe das schon für 12 Klassen gemacht.
Wikinews: Sie haben gesagt, dass Ihr Blog einen Einfluss auf gewisse Personen hatte. Können Sie ein paar Fälle schildern?
Ricado Lobo: Dazu möchte ich auch sagen, dass der journalistischen Elite meine Arbeit gefällt und sie für sehr wichtig erachtet. Nur weniger einflussreiche kritisieren mich und versuchen meine Arbeit zu stören.
Wikinews: Haben Sie die Berichterstattung über den Skandal in der portugisischsprachigen Wikinews-Version verfolgt? Was halten Sie davon?
Ricado Lobo: Leider neun. Es tut mir leid, aber ich muss mich 24 Stunden am Tag um mein Blog kümmern, Informationen sammeln und überprüfen. Bei manchen Geschichten stelle ich auch Nachforschungen an.
Wikinews: Sie können sich die Wikinews-Artikel über die Krise [auf pt.wikinews] gerne einmal ansehen. Es wurden schon viele Artikel darüber geschrieben.
Wikinews: Glauben Sie, dass das Internet eine Veränderung in der Beziehung zwischen der brasilianischen Bevölkerung und der Presse bewirkt hat?
Ricado Lobo: Ja, sicher. Das Blog „Vizinho do Jefferson“ machte viele Leser auf Journalismus in digitalen Medien aufmerksam. Jeder wollte wissen, was ein Blog ist und worum es in meinem Blog geht, vor allem als viel in den traditionellen Medien darüber berichtet wurde. Zur Zeit ist es üblich, dass manche Menschen nur politische Blogs lesen und nichts anderes. Nach dem Blog „Vizinho do Jefferson“ folgten viele weitere Blogs. Heute betreibt jeder wichtige Journalist in Brasilien ein eigenes Blog. Trotzdem stehen sie alle noch am Anfang.
Wikinews: Glauben Sie, dass die brasilianischen Medien von Unterstützern der Arbeiterpartei kontrolliert wurden?
Ricado Lobo: Eine sehr gute Frage. Ja. Die Partei befand sich lange Zeit in der Opposition. Jetzt sind die Journalisten aber ein wenig verloren und sie sind nicht fähig über das Verückte in der Regierung Lula zu reden.
Wikinews: Die brasilianische Presse hat sehr detailreich über den Skandal berichtet. Hat sie sich damit rehabilitiert?
Ricado Lobo: Aber bei diesem Punkt müssen sie auch den Einfluss der Blogs auf die Presse berücksichtigen. Wie könnte man nicht über etwas schreiben, wenn jemand anderes über das Thema spricht?

Allgemeine Fragen zur brasilianischen Politik

Wikinews: Zu welcher politischen Organisation fühlen Sie sich zugehörig, wenn Sie sich überhaupt einer Organisation zugehörig fühlen? Beeinflusst diese Zugehörigkeit die Inhalte ihres Blogs?
Ricado Lobo: Ja, Ich bin Mitglied der Grünen Partei. Es beeinflusst meine Arbeit nicht, aber meine Arbeit hat mein politisches Leben beeinflusst.
Wikinews: Haben Sie schon einmal für ein politisches Amt kandidiert?
Ricado Lobo: Der Vorsitzende meiner Partei hat mich gefragt, ob ich bei den nächsten Wahlen kandidieren möchte. Ich bin in diesem Jahr Mitglied des Führungsgremiums der Grünen Partei geworden – bevor ich zu bloggen angefangen habe – dort verlangte ich ein Moratorium zur Abholzung der Wälder. Ich war schon immer ein sehr aktiver Umweltschützer.
Wikinews: Kann man sagen, dass brasilianische Politiker heute korrupter sind als früher?
Ricado Lobo: Ich bin der Meinung sie sind weniger diskret. Die Verbindung aus Politk und Korruption gibt es in jedem Land der Welt. In jedem Teil der Welt sind viele Interessen involviert.

Der Skandal

Wikinews: Gab es schon in der Vergangenheit ähnliche politische Skandale in Brasilien?
Ricado Lobo: Nicht in diesem Ausmaß. Die Summe des Geldes, dass da geflossen ist, ist riesig. Das Problem ist, dass die drei Gewalten in Brasilien: Legislative, Exekutive und Judikative mit der Sache vertraut waren. Jedes Ministerium hatte Probleme mit Ineffizienz und die Regierungspartei, die immer Moral und ethisches Verhalten verkörpert hat, wurde buchstäblich eingeholt von den Dollars in ihren Taschen. (Lacht)
Wikinews: Wie weitreichend ist die Korruption? Dauert die Krise noch an und wird sie noch andauern?
Ricado Lobo: Die Krise wird sicherlich andauern, es gibt viele Dinge, die erklärt werden müssen. Der Große Zweifel besteht darin, ob Lula von allem gewusst hat oder nicht. Natürlich wusste er von der Existenz der Bestechung von Abgeordneten durch die Regierung, die nach dem Muster des sogenannten „mensalão“ stattfand.
Wikinews: Dauert der „mensalão“ noch an?
Ricado Lobo: Nicht genau in der Art, wie es zuvor vonstatten ging, aber ich glaube, dass es [Die Bestechung] immer noch existiert. Die Wahl von Aldo [Aldo Rebelo (PCdoB)] zum Präsident des Kongresses ist ein Beispiel dafür.
Wikinews: Glauben Sie, dass Lula über den „mensalão“ Bescheid wusste?
Ricado Lobo: Es ist sicher, dass er davon gewusst hat und Teil der Anordnung und Schaffung des Plans war. Ansonsten wird er in die Geschichte eingehen als der unwissendste aller brasilianischen Präsidenten.
Wikinews: Welche Rolle spielte der ehemalige Minister und Abgeordnete José Dirceu ihrer Meinung nach?

Hier stand einmal ein Bild, das von den Commons aus eingebunden wurde, dort aber gelöscht wurde.

Luiz Inácio Lula da Silva und Hugo Chávez, Ana Nascimento/ABr
Ricado Lobo: Ausführender Arbeiter, Chef der Regierung und ihrer Strategien. Er und Lula schufen diesen ganzen „mensalão“-Plan. Er, Lula, Hugo Chávez und Fidel Castro schufen einen Plan, um Südamerika in einen großen Kontinent für die weltweite Linke zu verwandeln. Der erste Schritt war Lula in Brasilien, dann folgte Evo Morales in Bolivien und so weiter. Jose Dirceu war ein Teil dieser Strategie.
Wikinews: Glauben sie, der Korruptionsskandal wird zu Ende gehen und es wird nichts übrigbleiben, oder es gibt „Pizza“, wie man es in Brasilien nennt?
Ricado Lobo: Tatsächlich gibt es viele „Pizzas“. Eine wurde schon serviert: Der Stimmenkauf der CPI. Es wird immer noch versucht weitere zu servieren. Aber ich denke, es wird nichts übrig bleiben. Die Politiker sind sehr kooperativ.
Ricado Lobo: Sie [Die Abgeordneten] wissen, dass ihre Tage gezählt sind, dies gilt besonders für die aus den großen Städten. Die aus den Provinzhauptstädten oder noch kleineren Städten wissen nicht einmal, was ein Computer ist und können die Bedeutung des Problems nicht einschätzen. Sie glauben, wenn ihr Name nicht in der Zeitung auftaucht, hat ihr Name damit auch überhaupt nichts zu tun. Vielleicht werde ich kurz vor den Wahlen eine Website erstellen, auf der ich alle Namen der Inkompetenten aus dem Nationalkongress auflisten werde.
Ricado Lobo: Wovon wird nichts übrigbleiben? Von den Ermittlungen oder vom Skandal?
Ricado Lobo: Die Ermittlungen werden von den wichtigen Parteien, der Arbeitspartei und den Sozialdemokraten bis zu einer akzeptablen Grenze weitergeführt werden. Sie werden dann aufhören, wenn es für die Bevölkerung „genug“ ist.

Reaktion der Bevölkerung

Wikinews: Wie beurteilen die normalen Menschen auf der Straße diese Angelegenheit?
Ricado Lobo: Jeder ist enttäuscht, weil die Menschen gedacht haben, dass sich alles [Korruption, die Politiker usw.] verändern wird. Es hat sich wirklich verändert, aber zum schlechten. Das amateurhafte Verhalten des Kommunikationsteams des Präsidenten Lula trug auch sehr viel dazu bei, es fehlte ihnen an professioneller Erfahrung.
Wikinews: Sind die Menschen in Brasília zu sehr aufgebracht?
Ricado Lobo: Niemand ist aufgebracht über die Regierung in Brasilia. Der große Teil der Bevölkerung der Stadt arbeitet für die Bundesregierung, es ist daher wirklich eine besondere Stadt. Und sie ist wunderschön.
Wikinews: Aber es gibt noch Menschen, die dem Präsidenten Lula vertrauen, ist das richtig?
Ricado Lobo: Die Zahl derer wird von Tag zu Tag kleiner. Aber es gibt ja auch noch Menschen, die an den Weihnachtsmann glauben (lacht). Es tut mir leid, aber ich weiß nicht, wie ich über Lula sprechen soll, ohne einen Witz zu machen. (Lacht)

Roberto Jefferson

Wikinews: Warum hat Roberto Jefferson Ihrer Meinung nach den Skandal offengelegt?
Ricado Lobo: Eine gute Frage. Er hat sich einen Strick um den Hals gelegt [Bildlich!]. Tatsächlich hat er eine Atombombe zur Detonation gebracht, ohne zu wissen, wer ihn dafür angreifen wird. Die Personen, die ihn dafür angegriffen haben, waren seine Parteifreunde und nicht José Dirceu. Das hat mit den vier Millonen Real zu tun, die sie sich geteilt haben. Aber es gab noch viel mehr Geld, aber nur vier [Millionen] haben sie sich geteilt. Das ist der Ursprung der Krise, die von ihm [Jefferson] offengelegt wurde.
Wikinews: Es scheint, als haben sie sich mit dem ehemaligen Abgeordneten Roberto Jefferson angefreundet. Können Sie uns etwas über ihn erzählen? Was denkt er über Ihr Blog?
Ricado Lobo: Wir wurden Freunde und er war dankbar für die von mir bewirkten Verbesserungen an ihm und seiner Familie. Er hat gesagt, ich sei sehr kompetent und dass ich eines der besten Ergebnisse der ganzen Krise sei.
Wikinews: Gibt es noch andere Abgordnete der Arbeiterpartei (PT), die neben Roberto Jefferson wohnen?
Ricado Lobo: Ja, sie wohnen alle hier in dieser Gegend. Zum Beispiel: Der Abgordnete Greenhalg [Luiz Eduardo Greenhalg] von der PT wohnt auch in unmittelbarer Nachbarschaft von mir. Rebelo [Aldo Rebelo], der Präsident des Kongresses, ebenso. Fast jeder von ihnen woht im 302 Nord [Name des Häuserblocks].
Wikinews: Ist das eine schöne bzw. eine wohlhabende Gegend?
Ricado Lobo: Brasília unterscheidet sich von anderen Städten der Welt; sie ist gekennzeichnet durch Häuserblocks, nicht durch Straßen. Ich wohne in einem Häuserblock, wo sonst nur Parlamentsabgeordnete leben, unter ihnen auch Roberto Jefferson. Abgeordnete sind sehr reich, natürlich. Politik macht Menschen reicher in Brasilien. (Lacht)
Wikinews: Nimmt Roberto Jefferson immer noch Gesangsunterricht? Was singt er gerne?
Ricado Lobo: Ja er macht weiter damit. Er wird nun von einem Bariton aus dem Stadttheater von Rio de Janeiro unterrichtet. Er hat jeden Nachmittag Gesangsunterricht, wenn er in der Stadt ist. Er mag romantische Sänger und lyrische Lieder. Er singt: Mein Weg, Io che amo solo te, Dio come ti amo und andere italienische Lieder, zum Beispiel das von Andrea Bocelli.
Wikinews: Würde Roberto Jefferson auch für ein Interview mit Wikinews zur Verfügung stehen?
Ricado Lobo: Ich glaube schon, er ist ein Mensch, der offen für alles ist. Das Problem ist, dass er sehr wenig Erfahrung mit der Tastatur hat. An einem Tag hat er einen Kommentar in meinem Blog geschrieben und er konnte ihn später nicht mehr finden. Vielleicht könnte jemand für ihn tippen, das könnte eine Lösung sein.
Wikinews: Es ist offensichtlich, dass wir an unserer Technik für Interviews arbeiten müssen, weil wir auch Menschen befragen wollen, die nicht sehr technikversiert sind. Vielleicht wird es in der Zukunft telefonische Interviews geben.

Schlussbemerkungen

Wikinews: Danke, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben. Der Platz für die Schlussbemerkung gehört ihnen.
Ricado Lobo: Die Krise in Brasilien zeigt, dass die junge brasilianische Demokratie sich auf dem richtigen Weg befindet. Neben all den Problemen, die der Skandal uns verursacht hat, wurde eines bewiesen: Die politische Reife der Bevölkerung. Was wir nun benötigen, ist politische Reife bei den Politikern, die immer noch in den letzen beiden Jahrhunderten leben. Das Blog „Vizinho do Jefferson“ (Der Nachbar von Jefferson) brachte eine neue Herangehensweise an die politische Berichterstattung und die brasilianische Presse wurde dadurch ebenfalls bereichert. Wir haben uns alle gegenseitig bereichert.
Ricado Lobo: Ich danke Ihnen für eure Geduld [Der Interviewtermin musste einmal verschoben werden]. Es war mir eine Ehre und eine große Freude, der erste Interviewpartner für das Wikinews-Portal im neuen Jahr zu sein. Ihr könnt mir eine E-Mail schreiben: vizinhodojefferson/at/gmail.com.
Wikinews: Vielen Dank, Herr Lobo.
Ricado Lobo: Eine Umarmung an euch alle und vielen Dank für das Interesse für mein Land. Brasilien ist immer einen Besuch wert. Dieses Land ist wunderbar. Vielen Dank.

englischsprachige Quelle Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines fremdsprachigen Artikels (mit originärer Berichterstattung) vom 13.01.2006

Quellen

  • Deutsche Welle Online: „Kategorie: Best journalistic blog Portuguese“ (keine Datumsangabe) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar
  • Deutsche Welle Online: „Ergebnisse im Überblick“ (keine Datumsangabe) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar
  • taz.de: „Totengräber der Arbeiterpartei Lulas“ (16.09.2005)

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September 3, 2005

Brasilianischer Astronaut soll 2006 in den Weltraum fliegen

Brasilianischer Astronaut soll 2006 in den Weltraum fliegen

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Artikelstatus: Fertig 19:16, 3. Sep. 2005 (CEST)
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Brasília (Brasilien) / Moskau (Russland), 03.09.2005 – Die brasilianische Raumfahrtagentur Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais (INPE) und die russische Raumfahrtagentur Roskosmos haben grundsätzlich vereinbart, dass bereits im nächsten Jahr ein brasilianischer Astronaut mit einer Sojus-Kapsel in den Weltraum fliegen soll. Oberstleutnant Marcos Pontes soll nach bisherigen Planungen im März oder April 2006 auch die Internationale Raumstation ISS besuchen.

Wenn der Zeitplan eingehalten werden soll, müssen jedoch ein paar Voraussetzungen erfüllt sein. Spätestens am 15. September muss Pontes in Russland mit dem Training beginnen, der endgültige Vertrag muss bis zum 1. November unterschrieben sein und außerdem müsse das brasilianische Parlament den Vertrag noch ratifizieren.

Der Präsident der brasilianischen Raumfahrtagentur Sergio Gaudenzi nannte als einen Grund für das Vorhaben, 2006 sei der 100. Jahrestag des Pionierfluges des Brasilianers Alberto Santos-Dumont. Dieser Flug sei für das Land Brasilien denkwürdig.

Themenverwandte Raumfahrt

  • Portal:Bemannte Raumfahrt

Quellen

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