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October 21, 2014

Internationale Tagung in Hildesheim zur Sexuellen Revolution und zum Missbrauch

Internationale Tagung in Hildesheim zur Sexuellen Revolution und zum Missbrauch

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Veröffentlicht: 21.10.2014, 12:08 (CET)
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Hildesheim (Deutschland), 21.10.2014 – Unter der Überschrift „Zwischen notwendiger Enttabuisierung und problematischer Entgrenzung“ beschäftigte sich in der Zeit vom 29. September bis 1. Oktober eine internationale und fachübergreifende wissenschaftliche Tagung mit der Sexuellen Revolution und den Auswirkungen bis heute. Die Vorträge deckten eine große Bandbreite von Themen ab, wie etwa die Aufklärungsbücher für Kinder um 1970 oder sehr fachspezifische Fragen wie „Wilhelm Reich, die Psychoanalyse und die deutsche Neue Linke“. Veranstalter war eine Gruppe von Hochschullehrern der Universitäten Trier, Frankfurt am Main und Hildesheim zusammen mit dem Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung.

Unter dem Begriff Sexuelle Revolution wird der Wandel der öffentlichen Sexualmoral in den westlichen Industrieländern während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstanden. Dieser Wandel steht im Zusammenhang mit einer in links-libertären Kreisen propagierten Befreiung der Gesellschaft. In den letzten Jahren wurden auch zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern damit in Verbindung gebracht. Die Tagung diente dazu, eine wissenschaftlich fundierte Sichtweise zu erarbeiten.

Meike Sophia Baader, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim und Mitglied der Ethikkommission „Nähe und Distanz in pädagogischen Beziehungen“ der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, erklärte dazu: „Sexualisierte Gewalt war in pädagogischen Einrichtungen bis zum öffentlichen Bekanntwerden von Missbrauchsvorfällen in pädagogischen Institutionen 2010 mit einem Tabu versehen. Derzeit ist es eher mit Angst und Verunsicherung verbunden, wie Forschungsergebnisse zum Umgang von pädagogischen Einrichtungen mit der Thematik zeigen.“ Seit Sommer 2014 läuft ein dreijähriges Forschungsprojekt, bei dem Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren sowie Betreuungspersonen von Wissenschaftlern bundesweit befragt werden. Eine dieser Befragungen ist anonym und läuft im Internet bis Mitte November. Dabei soll unter anderem ermittelt werden, welche Vorstellungen die Jugendlichen in Wohngruppen, Internaten und Kliniken haben und wie die Betreuungspersonen die eigenen Qualifikationen bei den Themen Gewalt und Grenzüberschreitung einschätzen.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

Wikinews-logo.svg   Sexueller Missbrauch: Ehemalige Schüler erheben Vorwürfe gegen Odenwaldschule (06.03.2010)

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July 10, 2011

Deutsche Bischofskonferenz beschließt systematische Untersuchung kirchlicher Mißbrauchsfälle

Deutsche Bischofskonferenz beschließt systematische Untersuchung kirchlicher Mißbrauchsfälle

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Veröffentlicht: 11:18, 10. Jul. 2011 (CEST)
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Bad Gastein Kirche Sankt Preimskirche 03.jpg

Bonn (Deutschland), 10.07.2011 – Die katholische Kirche öffnet die Personalakten. Mitarbeiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) und Kirchenmitarbeiter werden die Akten auf Hinweise von sexuellem Missbrauch durchforsten.

18 der 27 deutschen Diözesen sind von der Aktion betroffen. In neun davon sollen die Akten ab 1945, in den weiteren die letzten zehn Jahre überprüft werden. Die Revisoren werden bei ihrer Arbeit auf mehrere Probleme stoßen. Rechtsanwältin Marion Westphal hatte die Missbrauchsfälle der Jahre 1945 bis 2009 im Bistum München und Freising untersucht. Sie entdeckte dabei systematische Aktenvernichtungsaktionen. Teilweise waren Akten in Privatwohnungen geschafft worden, um den Skandal einzudämmen oder abzuwehren. In den Akten war sexueller Missbrauch in verharmlosenden Worten dargestellt.

Drei Jahre soll die Untersuchung dauern. Es ist geplant, Opfern einen Fragebogen zuzuschicken. Bei Interesse soll es zu ausführlichen Interviews kommen, auch für die Täter gilt das, soweit sie dazu bereit sind.

Weitere Details der Untersuchung wollen die Bischöfe diese Woche vorstellen. Die katholische Kirche will damit vor allem verloren gegangenes Vertrauen bei den Gläubigen zurückgewinnen.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Römisch-katholische Kirche

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April 18, 2010

Bischof Mixa beteuert seine Ehrlichkeit heftig

Bischof Mixa beteuert seine Ehrlichkeit heftig

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Veröffentlicht: 16:18, 18. Apr. 2010 (CEST)
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Bischof Walter Mixa (2008)

Berlin (Deutschland), 18.04.2010 – Am Freitag, 16.04.2010, hat sich Bischof Walter Mixa erstmals dazu bekannt, während seiner Dienstzeit als Pfarrer und Erzieher in Schrobenhausen von 1975 bis 1996 Kinder aus dem örtlichen Jugend- und Kinderzentrum St. Josef geohrfeigt zu haben – was damals „vollkommen normal“ gewesen sei. Weil Mixa in den mehr als zwei Wochen seit Bekanntwerden der Vorwürfe stets seine Unschuld beteuerte, bezichtigen ihn nun viele Medien und Politiker der Lüge.

Diese Vorwürfe des Prügelns und der Lüge weist der Kirchenvorsteher des Bistums Augsburg gegenüber Bild am Sonntag weit von sich. Gemäß dem katholischen Online-Magazin Kathnews verteidigt sich Mixa heftig: „Dass ich nicht geprügelt habe, dazu stehe ich auch heute noch. Auf vereinzelte Ohrfeigen hat sich die Diskussion erst in den letzten Tagen zugespitzt. Und dann habe ich eben so ehrlich gesagt, dass ich das nicht ausschließen kann. Daraus wird jetzt künstlich eine Lüge konstruiert.“

Durch mehrere eidesstattliche Versicherungen ehemaliger Heimkinder, welche der Süddeutschen Zeitung vorliegen, war Walter Mixa bereits Ende März 2010 in die Schusslinie geraten – seiner Meinung nach völlig zu Unrecht. Körperliche Gewalt habe er „zu keiner Zeit“ angewandt. Vor allem über die Bildzeitung informierten der Bischof und sein Ordinariat die Öffentlichkeit über ihre differenzierte Sicht der Dinge. Demnach seien die Anschuldigungen „absurd, unwahr und offenbar in der Absicht erfunden, den heutigen Bischof von Augsburg persönlich zu diffamieren“. Den ehemaligen Heimkindern wurden anfangs zivil- und strafrechtliche Konsequenzen angedroht.

Unterstützung erhalten das Ordinariat und sein Bischof durch Norbert Walter, bis Ende 2009 Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Mitglied des Bundes Katholischer Unternehmer und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Prügel schaden Kindern nicht unbedingt, so die sinngemäße Argumentation von Norbert Walter.

Themenverwandte Artikel

  • Portal: Römisch-katholische Kirche

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March 22, 2010

Auch Evangelische Kirche im Rheinland meldet Missbrauchsfälle

Veröffentlicht: 23:03, 22. Mär. 2010 (CET)
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Düsseldorf (Deutschland), 22.03.2010 – Meldungen von Missbrauchsfällen im Bereich kirchlicher Einrichtungen ziehen weitere Kreise. Heute meldet die Evangelische Kirche im Rheinland, in den vergangenen Wochen hätten sich sechs Männer und Frauen aus Nordrhein-Westfalen und drei aus Rheinland-Pfalz gemeldet, die Opfer körperlicher Gewalt und Erniedrigungen geworden seien. In drei Fällen wird von der Kirche wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt. Die Fälle lägen zum Teil jahrzehntelang zurück, so dass eine strafrechtliche Verfolgung nicht mehr möglich sei. Vizepräses Petra Bosse-Huber erklärte dazu heute auf einer Pressekonferenz: „Wir sind beschämt und entsetzt, dass solche Übergriffe offenbar auch in Einrichtungen im Bereich unserer Landeskirche und ihrer Diakonie stattgefunden haben. Wir bitten die Opfer um Verzeihung!“

Konkret geht es um Vorfälle in Schulen und Internaten in landeskirchlicher Trägerschaft. Die Kirchenleitung erklärte, sie wolle auch dem Verdacht der Vertuschung nachgehen. Ähnlichkeiten mit der Situation in der katholischen Kirche bezüglich der Vertuschung von Missbrauchsfällen in Deutschland sieht Bosse-Huber nicht. Die rheinische Kirche habe, so erklärte sie, bereits 2003 als erste deutsche Landeskirche ein Verfahren zum Umgang mit Missbrauchsfällen eingeführt, das sich an dem niederländischem Vorbild orientiere.

[Bearbeiten] Themenverwandte Artikel

[Bearbeiten] Quellen

  • www.an-online.de: „Auch Misshandlungen bei Evangelischer Kirche“ (22.03.2010)
  • www.ekir.de: „Übergriffe in kirchlichen Einrichtungen: ‚Wir bitten die Opfer um Verzeihung!‘“ (22.03.2010)
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March 20, 2010

Missbrauchsskandal in Irland: Papst räumt „schwerwiegende Fehler“ ein

Missbrauchsskandal in Irland: Papst räumt „schwerwiegende Fehler“ ein

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Veröffentlicht: 19:37, 20. Mär. 2010 (CET)
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Vatikanstadt, 20.03.2010 – Papst Benedikt XVI. hat wegen der Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche in Irland einen „Hirtenbrief an die Katholiken in Irland“ geschrieben, der heute vom Vatikan veröffentlicht wurde. Darin entschuldigt er sich bei den Opfern. Den Bischöfen der römisch-katholischen Kirche in Irland wies er dabei eine Mitschuld an den Vorgängen zu. Diese hätten bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle „schwerwiegende Fehler“ begangen. Die Reaktionen auf den Hirtenbrief fielen unterschiedlich aus.

In dem Brief wendet sich der Papst auch direkt an die Priester in Irland, die sich in diesem Zusammehang schuldig gemacht haben: „Ihr habt das Vertrauen, das von unschuldigen jungen Menschen und ihren Familien in Euch gesetzt wurde, verraten und Ihr müsst Euch vor dem allmächtigen Gott und vor den zuständigen Gerichten dafür verantworten.“ Als konkrete Maßnahme kündigte der Papst eine Apostolische Visitation einiger Bistümer Irlands an. Die Kirche in Irland forderte er auf, die „schwere Sünde gegen schutzlose Kinder vor Gott“ offen zuzugeben.

Irische Missbrauchsopfer äußerten sich enttäuscht über den Hirtenbrief. Der Papst gebe die Schuld nur den rangniederen irischen Priestern, während die Verantwortung des Vatikans nicht thematisiert werde.

Lobend äußerte sich der Moraltheologe Michael Rosenberger von der Diözese Linz. Rosenberger zeigte sich beeindruckt vom Fingerspitzengefühl des Papstes für die Situation der Opfer: „Der Papst zeigt, dass er deren Nöte auch im Detail wahrnimmt. Das Mitgefühl mit den Opfern zieht sich durch das gesamte Dokument.“ Positiv hob er ebenfalls hervor, dass der Papst erstmals in dieser Deutlichkeit die volle Zusammenarbeit mit der weltlichen Justiz gefordert habe.

Themenverwandte Artikel

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March 6, 2010

Sexueller Missbrauch: Ehemalige Schüler erheben Vorwürfe gegen Odenwaldschule

Sexueller Missbrauch: Ehemalige Schüler erheben Vorwürfe gegen Odenwaldschule

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Veröffentlicht: 19:25, 6. Mär. 2010 (CET)
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Das Goethehaus, Schulgebäude der Odenwaldschule zum Zeitpunkt der Schulgründung 1910

Heppenheim (Bergstraße) (Deutschland), 06.03.2010 – Zwischen 1970 und 1985 ist es an der Odenwaldschule in Heppenheim (Hessen) offenbar zu Fällen von sexuellem Missbrauch von Schülern durch das Lehrpersonal der Schule gekommen. Das geht aus einer Stellungnahme der Schulleiterin Margarita Kaufmann hervor, die die Internatsschule seit 2007 leitet. Damals seien Minderjährige „Opfer sexueller Übergriffe nicht nur durch den damaligen Leiter der Odenwaldschule geworden“, heißt es in dem Schreiben an die Eltern der Schüler dieser integrierten Gesamtschule in freier Trägerschaft.

Die Vorfälle seien der jetzigen Schulleiterin dadurch zu Gehör gekommen, dass sie in den letzten Monaten Gespräche mit ehemaligen Schülern der Schule Gespräche geführt habe. Aus diesen Berichten ging hervor, dass die damals 13- bis 14-jährigen Schüler von den Lehrern durch Streicheln ihrer Genitalien geweckt worden waren. Die Schüler seien für „sexuelle Dienste“ eingeteilt worden und in Einzelfällen sogar Besuchern zum Missbrauch zur Verfügung gestellt worden. Opfer der Übergriffe seien mindestens 50 Schüler geworden, schreibt die Frankfurter Rundschau, möglicherweise auch bis zu 100 Schüler. Erste Anschuldigungen gegen den ehemaligen Schulleiter, der die Schule von 1971 bis 1985 führte, waren bereits vor etwa zehn Jahren laut geworden. Damals waren intensive Nachforschungen jedoch unterblieben. „Es war eine Unterlassung und ein grober Fehler, dass die Schule damals nicht nachgeforscht hat“, erklärte die gegenwärtige Schulleiterin Kaufmann dazu. Der damalige Schulleiter legte nach der damals (1998/99) bruchstückhaften Aufdeckung von Missbrauchsfällen alle schulischen Ämter nieder. Eine Strafanzeige wurde dann aber nicht weiterverfolgt, da die Straftaten inzwischen verjährt waren. Die Schule richtete damals einen „Ausschuss zum Schutz vor sexuellem Missbrauch“ ein und führte eine mehrjährige Supervision für Mitarbeiter durch.

Neben dem sexuellen Missbrauch soll es auch zur Anwendung von Gewalt gegen Schüler gekommen sein. Auch Alkohol- und Drogenmissbrauch wurde offenbar von Lehrkräften nicht nur geduldet, sondern anscheinend auch aktiv Beihilfe dazu geleistet.

Die Schule stand bisher in einem guten Ruf. So war sie 1963 von der UNESCO zur Projektschule für Reformpädagogik ernannt worden. Die Aufdeckung des Missbrauch-Skandals kommt für die Schule zu einem Zeitpunkt, zu dem das 100-jährige Bestehen der Odenwaldschule gefeiert werden soll. Die Feier soll im April stattfinden. Offenbar war die Leitung der Schule und ihr Vorstand bis zuletzt darum bemüht, die Aufklärung des Missbrauchskandals da „herauszuhalten“. So durfte ein Bericht des Frankfurter Psychologen Schwertl über die Missbrauchsfälle nicht in der Festbroschüre erscheinen.

Nach den ersten Gesprächen, die ehemalige Schüler mit Vertretern der Schule im Frühjahr 2009 geführt hatten, tat sich zunächst nicht viel. In einem Brief an die Schulleitung vom 19. Februar 2009 äußerten die ehemaligen Schüler: „Unsere Geduld ist erschöpft.“ Ein ehemaliger Lehrer äußerte ebenfalls Enttäuschung über die Art der Aufarbeitung der Vorkommnisse: „Der Schule ging es immer nur um ihren schönen Ruf. So ist es bis heute.“ Die Ehemaligen ließen jedoch nicht locker und setzten die Schule weiter unter Druck – bis hin zu einem Ultimatum, in der eine vollständige und offene Aufklärung der Vorkommnisse gefordert wurde. Am 1. März fand sich der Schulvorstand zu einer ersten Stellungnahme bereit, die eine Art Entschuldigung enthält: „Wir bitten auch um Verzeihung für die lange Zeit, die es gedauert hat, bis Ihre Verletzungen in der Schule wirklich wahrgenommen und anerkannt wurden.“ (zitiert laut FR)

Am Freitag, den 6. März gab die Schulleiterin der Odenwaldschule auf der Homepage der Schule eine Erklärung ab, in der es heißt: „Als Institution müssen wir begreifen, dass wir den Opfern nur durch eine aktive Aufarbeitung der Missbrauchsfälle an unserer Schule gerecht werden können.“

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Recht in Deutschland

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Sonderermittler: Gewalt und sexueller Missbrauch über Jahrzehnte im Kloster Ettal

Sonderermittler: Gewalt und sexueller Missbrauch über Jahrzehnte im Kloster Ettal

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Veröffentlicht: 12:28, 6. Mär. 2010 (CET)
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Kloster Ettal aus der Vogelperspektive

Ettal (Deutschland), 06.03.2010 – „Kinder und Jugendliche wurden in Ettal über Jahrzehnte sexuell, psychisch und physisch misshandelt.“ So lautet die vorläufige Bilanz des Sonderermittlers des Klosters, Thomas Pfister, der am Freitag auf einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten der Benediktinerabtei Ettal seinen vorläufigen Abschlussbericht über die Missbrauchsfälle in dem Kloster-Internat vorlegte. Der Münchner Strafverteidiger Thomas Pfister war von den Mönchen des Klosters als unabhängiger Sonderermittler eingesetzt worden.

Die Kinder des Elite-Internats sind in den 1970-er und 1980-er Jahren bis etwa 1990 systematisch gezüchtigt, gedemütigt und sexuell missbraucht worden. Rund zehn Patres der Einrichtung seien für diese Taten verantwortlich, so der Sonderermittler. Die Zahl der Opfer soll bei rund 100 liegen. Dies alles sei nur möglich gewesen, weil es in dem Kloster eine „Kultur des Schweigens und des Wegsehens“ gegeben habe. Ein inzwischen suspendierter Pater des Ettaler Klosters soll Fotos von ihm anvertrauten Schülern, die darauf großenteils unbekleidet zu sehen waren, auf Homosexuellenseiten im Internet veröffentlicht haben. Bei einer Razzia im Kloster Ettal am Mittwoch waren Computer mit belastenden Inhalten zur Beweissicherung sichergestellt worden. Gegen zwei Patres wird inzwischen wegen „unangemessener körperlicher Züchtigung“ in den 1970-er Jahren ermittelt.

Sonderermittler: Gewalt und sexueller Missbrauch über Jahrzehnte im Kloster Ettal
Erniedrigungen und Einschüchterungen gehörten zum Alltag, manche Patres waren Sadisten.
Sonderermittler: Gewalt und sexueller Missbrauch über Jahrzehnte im Kloster Ettal

– Äußerung eines ehemaligen Schülers zum Missbrauch im Kloster Ettal laut stern.de

In den vergangenen Tagen hatten sich ehemalige Schüler des Kloster-Internats an den Sonderermittler gewandt und über eigene Erfahrungen berichtet. Pfister zitierte auf der Pressekonferenz aus einem solchen Schreiben die folgende Aussage: „Erniedrigungen und Einschüchterungen gehörten zum Alltag, manche Patres waren Sadisten.“ Und: „Die ersten drei Jahre waren die schlimmsten meines Lebens. Ich wurde mit einem Bambusstock geprügelt und landete auf der Krankenstation.“

Wegen der Vorkommnisse in der Abtei waren der Abt des Klosters sowie der Schulleiter von ihren Funktionen zurückgetreten. In einer persönlichen Erklärung auf der Homepage des Klosters schrieben sie: „Mit tiefer Beschämung wissen wir, dass Ettaler Mönche zu Tätern und Mitwissern wurden und in unverantwortlicher Weise zu den Vorgängen geschwiegen haben. Die Schuld, die dadurch auf uns lastet, verlangt nach einer grundlegenden geistlichen Neuorientierung unserer Gemeinschaft.“

Die jetzt ans Licht gekommenen Fälle sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen der katholischen Kirche in Deutschland haben die Gläubigen tief erschüttert, schreibt dpa. Auch im Bistum Limburg und bei den Regensburger Domspatzen war in den letzten Tagen von möglichen weiteren Fällen sexuellen Missbrauchs berichtet worden, denen jetzt nachgegangen wird.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Römisch-katholische Kirche

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June 5, 2008

Urteil im Fall des kleinen Kevin aus Bremen: 10 Jahre Haft für den Ziehvater

Urteil im Fall des kleinen Kevin aus Bremen: 10 Jahre Haft für den Ziehvater

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Veröffentlicht: 22:39, 5. Jun. 2008 (CEST)
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Landgericht Bremen an der Domsheide

Bremen (Deutschland), 05.06.2008 – Zehn Jahre Haft für den Ziehvater des vor zwei Jahren an schweren Misshandlungen gestorbenen zweijährigen Kevin aus Bremen beschloss heute das Landgericht Bremen. Der Mann wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie Misshandlung Schutzbefohlener für schuldig befunden. Damit blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 13 Jahre Haft gefordert hatte. Einer Verurteilung wegen Mordes, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, folgte das Gericht nicht. Außerdem ordnete das Gericht die Unterbringung des 43-jährigen drogensüchtigen Ziehvaters in einer Entziehungsanstalt an, diese erfolge jedoch erst nach Verbüßung von drei Jahren Haft.

In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann aus, dem Ziehvater Bernd K. habe eine Tötungsabsicht nicht nachgewiesen werden können. Insofern folgte das Gericht der Argumentation der Verteidigung. Zur Todesursache Kevins führte der Richter aus, die vorliegenden Fakten und Gutachten hätten zu der Erkenntnis geführt, dass der Junge an den Folgen mehrfacher Knochenbrüche gestorben sei. Durch einen Bruch sei Knochenmark in die Blutbahn gelangt und habe eine Fettembolie in der Lunge ausgelöst. An dem anschließenden Herzversagen sei das Opfer dann gestorben. Diese Fakten seien insofern von Bedeutung, als dem Angeklagten nicht unterstellt werden könne, er habe gewusst, dass ein solcher Knochenbruch zum Tode führen könne. Das gehöre auch nicht zum Allgemeinwissen der Öffentlichkeit. Wenn der Angeklagte den Jungen hätte töten wollen, wäre er vermutlich anders vorgegangen. Wegen der Drogensucht des Angeklagten könne das Gericht auch eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausschließen.

Der Angeklagte hatte sich während des mehrmonatigen Prozessverlaufs kein einziges Mal zu dem Vorgang geäußert. Erst am letzten Prozesstag, am 28. Mai des Jahres, hatte er eine vorbereitete schriftliche Erklärung mit stockender Stimme verlesen. Dabei brachte er zum Ausdruck, dass er keine angemessene Worte für das Geschehene finden könne: „Ich bin erschüttert von der Katastrophe. Ich würde gern mehr sagen, aber das kann ich nicht. Ich weiß wirklich nicht, was da passiert ist.“ In seiner Urteilsbegründung bezweifelte der Richter diese Aussage des Angeklagten: „Ich bin ganz ehrlich. Das glaube ich Ihnen nicht.“

In seiner Urteilsbegründung zeichnete der Kammervorsitzende, Richter Kellermann, dann ein detailreiches Bild des mehrjährigen Martyriums, das der von Polizisten im Oktober 2006 im Kühlschrank des Ziehvaters gefundene Kevin erleiden musste. Bereits im Herbst 2004, als Kevin gerade acht Monate alt war, habe Kevin nach den Untersuchungsergebnissen „multiple Frakturen und damit verbundene heftigste Schmerzen“ erleiden müssen. Brutalste Misshandlungen haben sich dann über die Zeit bis zu seinem Tod fortgesetzt. Der genaue Todeszeitpunkt habe aber nicht genau festgestellt werden können – vermutlich zwischen Ende Juni und Anfang Juli 2006. Insgesamt ermittelten die Gerichtsmediziner 24 Knochenbrüche. Nach dem Tod der ebenfalls drogenabhängigen Mutter im November 2005 war Kevin den Misshandlungen seines Ziehvaters weiter schutzlos ausgeliefert. In diesem Zusammenhang wertete es der Richter als Entlastungsgrund für den Angeklagten, dass Behördenmitarbeiter trotz vorliegender Erkenntnisse über Misshandlungen des Kindes nicht eingegriffen hätten. Allerdings habe es der Angeklagte verstanden, die tatsächliche Notlage des Kindes durch immer neue Ausreden nach außen hin zu verschleiern. In diesem Zusammenhang erhob der Richter Vorwürfe auch an die Adresse des zuständigen Jugendamtes, bei dem die Vormundschaft für das Kind gelegen hatte: „Mancher Handelnde oder Nichthandelnde mag sich moralisch berechtigte Vorwürfe machen.“ Die Verfehlungen der Behörde seien jedoch nicht Gegenstand des Prozesses gewesen.

Gegen den zuständigen Sozialarbeiter sowie den Amtsvormund wird in einem weiteren Prozess über den Vorwurf fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verhandelt werden. Der Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen, Jens Böhrnsen, räumte die Mitschuld der Sozialbehörden der Stadt ein. Der Staat sei seiner Fürsorgepflicht nicht ausreichend nachgekommen und habe „versagt mit seinen Behörden und Ämtern, im Schutz Kevins vor den Gewalttätigkeiten des Vaters“.

Mit Empörung reagierte die anwesende Öffentlichkeit im Gerichtssaal laut Radio Bremen auf die Aussage des Richters, dass der Angeklagte im Falle eines erfolgreichen Verlaufs der Entziehung auch bereits nach fünf oder sechs Jahren entlassen werden könnte. In einer Presseerklärung kritisierte die Deutsche Kinderhilfe das Urteil. Mit dem Urteil werde ein „fatales Signal an die Öffentlichkeit“ gesandt. Die Staatsanwaltschaft wurde aufgefordert gegen das Urteil Rechtsmittel beim Bundesgerichtshof einzulegen. „Nach der ausgezeichneten Prozessführung des Vorsitzenden, die an dieser Stelle ausdrücklich hervorgehoben werden muss, ist dieser Abschluss des Verfahrens vollkommen überraschend und nicht nachvollziehbar. Die Staatsanwaltschaft hat völlig zu Recht auf Mord plädiert“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, der selbst Rechtsanwalt ist.

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May 30, 2008

Im Prozess um den Tod des kleinen Kevin aus Bremen äußerte sich erstmals der Ziehvater

Im Prozess um den Tod des kleinen Kevin aus Bremen äußerte sich erstmals der Ziehvater

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Veröffentlicht: 21:15, 30. Mai 2008 (CEST)
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Bremen (Deutschland), 30.05.2008 – Nachdem der angeklagte Ziehvater des zweijährigen Kevin aus Bremen, der im Jahr 2006 im Kühlschrank des Angeklagten tot aufgefunden worden war, bisher zu den Vorwürfen der Anklage geschwiegen und sich während der gesamten Dauer der Gerichtsverhandlung nicht geäußert hatte, entschied sich der Angeklagte Bernd K. am Mittwoch, dem letzten Prozesstag vor der Urteilsverkündung, nach dem Plädoyer der Verteidigung zu einer Stellungnahme: „Ich finde bis heute nicht die richtigen Worte, um meine Fassungslosigkeit zu beschreiben und meine Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen. Wenn ich sagen würde, ich bin sehr traurig über das, was da mit Kevin passiert ist, dann wäre das maßlos untertrieben. Es tut mir schrecklich leid, ich bin erschüttert über diese Katastrophe. Meine Reue ist so drastisch, es wäre alles eine Art Verniedlichung, es geht extrem tief. Ich weiß einfach nicht, wie das passiert ist. Ich würde gern mehr sagen, aber ich kann nicht.“

In ihrem Schlussplädoyer vertrat die Verteidigung die Auffassung, eine „Tötungsabsicht“ könne ihrem Mandanten nicht nachgewiesen werden. Die Ermittlungen zum Tod des Zweijährigen hätten weder zum Zeitpunkt noch den genauen Umständen des Todes zu konkreten Ergebnissen geführt. Seinem Mandanten könne man lediglich „Körperverletzung, maximal Körperverletzung mit Todesfolge“ zur Last legen. In ihrem Plädoyer hatte die Staatsanwaltschaft bereits in der letzten Woche eine Verurteilung zu 13 Jahren Gefängnis wegen Mordes und Misshandlung Schutzbefohlener gefordert.

Das Urteil in dem Prozess, der für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt hatte, wird für den 5. Juni erwartet. Die Aufmerksamkeit für diese Straftat rührt zum Teil auch daher, dass dem Jugendamt der Stadt Bremen, das die Vormundschaft für den Jungen ausübte, schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit der Betreuung der Familie gemacht worden waren. Die verantwortliche Bremer Sozialsenatorin war daraufhin zurückgetreten.

Bei der Obduktion des Kindes waren über 20 Knochenbrüche, darunter ein Oberschenkelbruch, festgestellt worden. Das Gutachten zum Tod des Jungen hatte ergeben, dass dieser kurz vor seinem Tod fünf Knochenbrüche erlitten hatte, die zu einer Embolie geführt hatten, die letztlich ursächlich für den Tod des Kindes war. Die Gutachter waren außerdem zu dem Schluss gelangt, dass Kevin mit großer Wahrscheinlichkeit misshandelt worden war.

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October 24, 2007

Prozessauftakt im Fall „Kevin“: Angeklagter Ziehvater schweigt

Prozessauftakt im Fall „Kevin“: Angeklagter Ziehvater schweigt

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Veröffentlicht: 17:16, 24. Okt. 2007 (CEST)
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Bremen (Deutschland), 24.10.2007 – Heute begann vor dem Landgericht Bremen der Prozess gegen den Ziehvater des zweijährigen Kevin aus Bremen, dessen qualvoller Tod im Jahr 2006 bundesweit für Aufregung gesorgt hatte. Die Leiche des Jungen war im Oktober 2006 in einem Kühlschrank der elterlichen Wohnung gefunden worden. Der angeklagte, drogensüchtige Ziehvater (43) verweigerte zum Prozessauftakt die Aussage. Ihm wird Totschlag und Misshandlung Schutzbefohlener vorgeworfen.

Dem Gericht liegt ein medizinisches Gutachten vor, laut dem Kevin in schwerer Weise misshandelt worden war. Dies belegen zahlreiche Knochenbrüche an Armen, Beinen und Rippen. Der Tod des Kindes soll durch eine Fettembolie mit anschließendem Herzversagen nach einer Reihe von Knochenbrüchen eingetreten sein. Die Verteidigung zweifelt diese Darstellung jedoch an. Sie argumentiert, die Fettembolie sowie die Knochenbrüche könnten auch erst nach dem Tod Kevins eingetreten sein.

Der Prozess wird voraussichtlich ein Jahr dauern. Der Fall hatte viele Fragen bezüglich der Mitverantwortung der Bremer Behörden an dem Tod des Kindes, das unter der Vormundschaft des Jugendamtes gestanden hatte, aufgeworfen. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss hatte die Verantwortlichkeiten im Fall Kevin geprüft. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Leichenfundes war die damalige Sozialsenatorin Karin Röpke von ihrem Amt zurückgetreten.

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