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March 5, 2010

Verstimmung der Türkei über Völkermord-Resolution des US-Kongresses

Verstimmung der Türkei über Völkermord-Resolution des US-Kongresses

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Veröffentlicht: 21:14, 5. Mär. 2010 (CET)
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Ankara (Türkei) / Washington D.C. (Vereinigte Staaten), 05.03.2010 – Der außenpolitische Ausschuss des US-Kongresses beschloss am Freitag, den Massenmord an den Armeniern in den Jahren 1915/16 künftig als „Genozid“ einzustufen. Der Vorgang liegt inzwischen rund 95 Jahre zurück. Die Einordnung des Massakers an den Armeniern während des 1. Weltkrieges zur Zeit des Osmanischen Reiches als Völkermord löst in der Türkei von heute aber noch immer heftige Reaktionen aus. Erst im vergangenen Jahr hatten die Türkei und Armenien wieder diplomatische Beziehungen untereinander aufgenommen.

Nach der Annahme der Resolution am Freitag warnte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu vor einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und der Türkei. Der türkische Botschafter wurde abberufen. Der türkische Parlamentssprecher Sahin[1] sprach in diesem Zusammenhang von einem „historischen Fehler“ der USA.

Nach Schätzungen von Historikern waren in den Jahren 1915/1916 zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Menschen armenischer Nationalität und christlichen Glaubens bei der Vertreibung aus der Türkei gestorben. Die Türkei bestreitet bis heute eine Einordnung des Geschehens als Völkermord. In den vergangenen Wochen hatten Vertreter der Türkei auf diplomatischem Wege noch versucht, die Resolution zu verhindern. Türkische Medien wiesen darauf hin, dass Rüstungsprojekte zwischen den USA und der Türkei im Wert von mehreren Milliarden Dollar auf dem Spiel stünden.

Der armenische Außenminister Edward Nalbandjan begrüßte dagegen die Entscheidung des Ausschusses im US-Repräsentantenhaus. Er bezeichnete die Resolution, die mit einem Stimmenverhältnis von 23 zu 22 Stimmen denkbar knapp ausgefallen war, als „ein[en] wichtige[n] Schritt auf dem Weg zur Unterbindung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Themenverwandte Artikel

Referenzen

  1. Korrektur nach Veröffentlichung: Nicht Davutoğlu, sondern der Parlamentssprecher hatte von einem „historischen Fehler“ gesprochen.

Quellen

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October 13, 2006

Orhan Pamuk erhält Literaturnobelpreis 2006

Orhan Pamuk erhält Literaturnobelpreis 2006

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Artikelstatus: Fertig 14:50, 13. Okt. 2006 (CEST)
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Stockholm (Schweden), 13.10.2006 – Die „Svenska Akademien“ hat den diesjährigen Literaturnobelpreis an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk vergeben, der laut Pressemitteilung „auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden hat“. Es ist das erste Mal, dass diese Auszeichnung an einen türkischen Schriftsteller geht.

Der 1952 in Istanbul geborene Schriftsteller hatte im vergangenen Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. In seinen historischen Romanen befasst er sich häufig mit der Identitätskrise, in der sich seine türkische Heimat auf dem Weg aus dem Orient in den Okzident befindet.

Die bekanntesten Romane Orhan Pamuks, „Die Weiße Festung“, „Mein Name ist Rot“ und „Schnee“, wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt und mit internationalen Preisen ausgezeichnet.

In seinem Heimatland ist Orhan Pamuk sehr umstritten, da er Kritik an der türkischen Haltung zu dem Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges geäußert hatte und sich deshalb 2005 vor Gericht wegen „Öffentlicher Herabsetzung des Türkentums“ verantworten musste. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger, einer überregionalen Tageszeitung, die in Zürich aufgelegt wird, hatte er zu dem Völkermord an den Armeniern Stellung genommen: „Man hat hier 30.000 Kurden umgebracht und eine Million Armenier. Und fast niemand traut sich, das zu erwähnen. Also mache ich es. Und dafür hassen sie mich.“ Das Gerichtsverfahren hatte europaweit für Aufsehen gesorgt, drohte dem Autor doch eine mehrjährige Haftstrafe. Pamuk stellte den Prozess selbst in den Zusammenhang der Aufnahme der Türkei in die Europäische Union und sprach in diesem Zusammenhang von einer neuen Dimension: „Und diese Dimension bedeutet, dass in der Türkei die Freiheit des Gedankens und des Wortes herrschen muss, und dass die Menschenrechte gelten müssen.“ Der von der Europäischen Union kritisierte Prozess wurde Anfang 2006 eingestellt.

Themenverwandte Artikel

  • Türkei droht Frankreich mit Sanktionen (13.10.2006)
  • Portal:Nobelpreise

Quellen

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October 1, 2006

Chirac: Türkei soll Völkermord an den Armeniern anerkennen

Chirac: Türkei soll Völkermord an den Armeniern anerkennen

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Artikelstatus: Fertig 11:36, 1. Okt. 2006 (CEST)
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Eriwan (Armenien), 01.10.2006 – Der Staatspräsident Frankreichs, Jacques Chirac, der sich zurzeit zu dem ersten Besuch eines französischen Staatspräsidenten in Armenien aufhält, forderte die Türkei dazu auf, den Völkermord an den Armeniern während der Herrschaft des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg anzuerkennen. Auf einer Pressekonferenz sagte Chirac, die Türkei müsse sich im eigenen Interesse zu der dunklen Seite ihrer Geschichte bekennen. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an das Eingeständnis des Holocaust durch Deutschland. „Jedes Land wächst daran, wenn es seine Fehler eingesteht“, so Chirac während eines Besuchs bei dem Denkmal in der Nähe von Eriwan zur Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern zwischen 1915 und 1917. Armenien gibt die Zahl der damals getöteten armenischen Christen mit 1,5 Millionen an. Die Armenier starben damals bei gezielten Tötungen, aber auch infolge von Hunger und Entkräftung bei den so genannten Todesmärschen. Die Türkei bestreitet nicht die historischen Fakten, weist jedoch die Behauptung eines vorsätzlichen Völkermordes zurück.

Chirac stellte seine Äußerungen in den Zusammenhang mit der Aufnahme der Türkei in die Europäische Union. Die Europäische Union hatte im Rahmen der Beitrittsverhandlungen eine solche Bedingung bisher nicht an die Türkei gestellt.

400.000 Franzosen sind armenischer Herkunft.

Themenverwandte Artikel

Quellen

  • euronews.net: „Chirac fordert türkisches Bekenntnis zu Armenien-Massakern“ (30.09.2006) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar
  • de.today.Reuters.com: „Chirac: Türkei muss Völkermord an Armeniern eingestehen“ (30.09.2006, 02:52 Uhr) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar

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January 16, 2005

Haltet die Saar, Genossen! Vor 70 Jahren fand die Saarabstimmung statt

Haltet die Saar, Genossen! Vor 70 Jahren fand die Saarabstimmung statt

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Saarbrücken (Deutschland), 16.01.2005 – „Lieber republikanisch sterben als faschistisch verderben“, so brachte Max Braun, saarländischer SPD-Vorsitzender und Anführer der Einheitsfront von KPD, SPD, Gewerkschaften und einigen Katholiken, das Motto der „Status-Quo“-Bewegung auf den Punkt. Der Tag der Saarabstimmung 1935 jährte sich am 13. Januar 2005 zum siebzigsten Mal.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Saargebiet gemäß dem Versailler Vertrag vom Deutschen Reich getrennt. 1920 wurde es mit einem Mandat des Völkerbundes unter französische Verwaltung gestellt. Alle saarländischen Parteien unterstützten den Wunsch, wieder zu Deutschland zu gehören, bis 1933. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten unter Hitler in Deutschland änderte sich die Politik der liberalen und linken Parteien im Saargebiet. Nun wurde der „Status Quo“ propagiert, das hieß Beibehaltung der Mandatsverwaltung bis zum Sturz Hitlers. Obwohl diese Politik von vielen international bekannten Persönlichkeiten unterstützt wurde, ein nicht unbedeutender Teil der vor den Nazis geflohenen deutschen Intelligenz in dieser Zeit kurz Aufenthalt im Saargebiet nahm, war die „Status Quo“-Politik der Demokraten zum Scheitern verurteilt. 15 Jahre „Heim ins Reich“-Politik aller saarländischen Parteien konnten ab 1933 bis zur Volksabstimmung am 13. Januar 1935 nicht mehr ausgeglichen werden, Hitler wurde nicht als Gefahr wahrgenommen.

In Erinnerung geblieben ist nur die Tatsache, dass der Aufenthalt der emigrierten deutschen Elite aus Kunst und Literatur zu einer kurzen kulturellen Blütezeit während des Abstimmungskampfes geführt hat. Der Abstimmungskampf ist vor allem mit den Namen Max Braun (SPD), Fritz Pfordt (KPD), Fritz Dobisch (ADGB), Angela Braun-Stratmann (Arbeiterwohlfahrt), Johanna Kirchner (SPD), Ernst Braun (SAJ), Herbert Wehner (KPD, später SPD), Richard Kirn (SPD), Rabbiner Friedrich Shlomo Ruelf, Johannes Hoffmann, Änne Meier (Bund katholischer Pfadfinder) und den jüdischen Rechtsanwälten Eduard Lehmann, Dr. Charles (Karl) Levy und Dr. Walter Sender verbunden. Aber auch zahlreiche SchriftstellerInnen, KünstlerInnen und PublizistInnen haben die „Status-Quo“-Bewegung unterstützt. Zu erwähnen sind Bertolt Brechts „Haltet die Saar Genossen“ und die Fotodokumente des bekannten ungarisch-amerikanischen Fotografen, Kriegsberichters und Filmemachers Robert Capa aus dem Saarland. Beteiligt haben sich auch Alfred Kerr, Heinrich Mann, Thomas Mann, Klaus Mann, Hedda Zinner, Gustav Regler, Georg K. Glaser, Kurt Tucholsky, Margarete Buber-Neumann, Lore Wolf, Max Ophüls, Erich Weinert und John Heartfield.

Das Saargebiet gehörte ab dem 1. März 1935 wieder uneingeschränkt zu Deutschland. Es trat aber nicht Preußen beziehungsweise Bayern bei, sondern blieb als politische Einheit unter dem neuen Namen „Saarland“ erhalten.

Quellen

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