Commonwealth Games: Untergetauchte Sportler erhalten befristete Aufenthaltsgenehmigungen

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Artikelstatus: Fertig 19:37, 28. Mär. 2006 (CEST)
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Mitgliedsstaaten des Commonwealth

Sydney (Australien), 28.03.2006 – Einige Sportler aus verschiedenen afrikanischen Ländern, die am Wochenende während der Commonwealth Games in Australien untergetaucht waren, sind von der Polizei entdeckt worden, andere haben sich bei den Einwanderungsbehörden gemeldet. Einige Sportler erhielten nun befristete Aufenthaltsgenehmigungen.

Dreizehn Sportler, die an den bis Sonntag andauernden Commonwealth Games in Melbourne teilgenommen haben, werden noch vermisst. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht von insgesamt 19 vermissten Athleten. Unter den 13 Sportlern befinden sich neun Menschen aus Kamerun, ein Läufer aus Bangladesch und der Boxer Iddi Kimweri aus Tansania, dessen Mannschaft am Dienstag ohne ihn nach Tansania zurückreiste. Ein BBC Korrespondent in Daressalam sprach mit der Frau des untergetauchten Boxers, die sich von der Nachricht schockiert und überrascht zeigte. Auch zwei Sportler aus Sierra Leone werden noch vermisst. Insgesamt waren 14 der insgesamt 21 Sportler der Mannschaft aus Sierra Leone während der Commonwealth Games untergetaucht. Sechs Sportler meldeten sich am Montag bei einer Einwanderungsbehörde in Sydney. Nach Angaben der Flüchtlingsorganisation „Northern Beaches Refugee Sanctuary“ sind die Sportler aus Sierra Leone der Meinung, dass das Leben bei einer Rückkehr in ihre Heimat sehr schwer für sie werde. Der 19-jährige Sportler Hassan Fullah sagte im australischen Fernsehen, er fürchte sich davor, bei einer Rückkehr nach Sierra Leone getötet zu werden. Sein Bruder sei in Sierra Leone umgebracht worden. Laut Medienberichten wurde Hassan Fullah vor seiner Abreise zu den Commonwealth Games schwer misshandelt. Der 100-Meter-Sprinter Lamin Tucker ist in seiner Heimat als Studentenaktivist bekannt, der zweimal wegen Kritik an der Regierung inhaftiert wurde. Nach Aussagen von Lamin Tucker, dessen Vater im zehnjährigen Bürgerkrieg ums Leben kam, musste dieser vor der Abreise nach Australien dem sierra-leonischen Minister für Jugend und Sport, Dennis Bright, versichern, in Australien keine Kritik an der Regierung von Sierra Leone zu üben. Die Weitspringerin Marion Banguru sagte dem Fernsehsender ABC, Frauen müssten sich in Sierra Leona verstecken, um der Verstümmelung weiblicher Genitalien zu entgehen. Diese Begründung wird von insgesamt drei Sportlerinnen aus Sierra Leone geteilt. Sechs Athleten aus Sierra Leone erhielten vorläufige Aufenthaltsgenehmigungen, bei sechs anderen Sportlern, die von der Polizei in einem wohlhabenden, am Meer gelegenen Stadteil von Sydney festgenommen wurden, werden die Anträge auf Anerkennung als Flüchling noch geprüft. Vorerst dürfen sich die Athleten aber weiter in Australien aufhalten. Die bis zum 13. April befristeten Aufenhaltsgenehmigungen erlauben es den Sportlern, einen Antrag auf Anerkennung als Flüchtling zu stellen und bis zur abschließenden Prüfung des Antrages in Australien zu bleiben.

Für die Teilnehmer der Commonwealth Games wurden spezielle Visa ausgestellt, die noch einen Monat nach Ende der Spiele gültig bleiben. Die australischen Behörden haben aber die Visa der noch vermissten Sporler widerrufen und sie zu illegalen Einwanderern erklärt. Die Sportler aus Sierra Leone leben nun vorübergehend bei Australiern, die ebenfalls aus Sierra Leone stammen.

Bei den letzten Commonwealth Games, die vor vier Jahren in Manchester stattfanden, wurden nach dem Ende der Spiele 21 Athleten vermisst. Die ersten Commonwealth Games fanden 1930 in Hamilton, Ontario, Kanada, statt. Zwischen 1930 und 1950 hießen die Spiele „British Empire Games“. Seit 1930 finden die Spiele mit Teilnehmern aus den Ländern des Commonwealth, einem Statenbund bestehend aus dem Vereinigten Königreich und dessen ehemaligen Kolonien, alle vier Jahre statt.

Quellen