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April 8, 2012

Umstrittenes Gedicht: Israel verhängt Einreiseverbot gegen Schriftsteller Günter Grass

Umstrittenes Gedicht: Israel verhängt Einreiseverbot gegen Schriftsteller Günter Grass

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Veröffentlicht: 18:08, 8. Apr. 2012 (CEST)
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Günter Grass (2003)

Jerusalem (Israel) / Berlin (Deutschland), 08.04.2012 – Ein Gedicht des deutschen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Günter Grass sorgte in den letzten Tagen für Aufregung. Das Gedicht, in dem Grass vor einem möglichen nuklearen Erstschlag gegen den Iran durch Israel warnt, war bei Schriftstellern in Deutschland überwiegend kritisiert worden. Das israelische Innenministerium erklärte, man betrachte Grass als „persona non grata“ (unerwünschte Person). Konkret bedeutet das für Grass ein Verbot, nach Israel einzureisen. Diese Entscheidung bestätigte ein Sprecher des Innenministers Eli Jischai am Sonntag. Zunächst war die Nachricht dementiert worden. Der Innenminister wurde von seinem Sprecher mit den Worten zitiert: „Wenn Günter Grass weiter seine verqueren und lügnerischen Werke verbreiten will, sollte er dies vom Iran aus tun, dort kann er sicher ein begeistertes Publikum finden.“

Das Gedicht war am 4. April 2012 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht worden. Darin setzt sich der Autor mit seiner eigenen Haltung gegenüber der israelischen Politik auseinander. Unter anderem schrieb Grass, er wolle angesichts der von Israel ausgehenden Gefahr nicht länger schweigen. Konkreter Anlass der kritischen Verse war offenbar die Entscheidung der Deutschen Bundesregierung Israel ein U-Boot zu liefern, „dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist“, so Grass in dem Gedicht. Israel, das er als Atommacht bezeichnete, warf er vor, es gefährde mit seiner Politik „den ohnehin brüchigen Weltfrieden“. In mehreren Interviews, die Grass nach der Veröffentlichung des Gedichts gegeben hat, verteidigte er sein Gedicht. Zuletzt relativierte er jedoch zumindest den Gebrauch des Begriffs „Israel“ in dem Gedicht. Seine Kritik richte sich in erster Linie gegen die gegenwärtige israelische Regierung von Benjamin Netanjahu, erklärte der Schriftsteller.

Der deutsche Außenminister distanzierte sich von Grass. Er warf ihm vor, in seinem Gedicht, „Israel und Iran auf eine gleiche moralische Stufe zu stellen“. Zuvor hatte bereits der bekannte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki Grass’ Gedicht als „ekelhaft“ sowie „literarisch und politisch wertlos“ bezeichnet. Auch andere Schriftsteller wie Rolf Hochhuth und Wolf Biermann haben Grass kritisiert. Unterstützung für Grass kam vom deutschen Verband „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ sowie von einem sächsischen NPD-Abgeordneten. Auch aus der Literaturszene wurde Grass teilweise gegen Kritik in Schutz genommen. So warnte Johano Strasser, der Präsident des deutschen PEN-Zentrums, vor Waffenexporten an die israelische Regierung. Der Präsident der Akademie der Künste in Berlin, Klaus Staeck, nahm Grass ebenfalls gegen den Antisemitismusvorwurf in Schutz. Er sagte, man müsse „ein klares Wort sagen dürfen, ohne als Israelfeind denunziert zu werden.“

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October 7, 2006

Grass greift FAZ an

Grass greift FAZ an – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Grass greift FAZ an

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Artikelstatus: Fertig 22:21, 7. Okt. 2006 (CEST)
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Frankfurt am Main (Deutschland), 07.10.2006 – Günter Grass greift die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) an. Sie sei in ihren Methoden der Bildzeitung ähnlich. Das Eingeständnis von ihm, SS-Mitglied gewesen zu sein, sei von der FAZ aufbauschend inszeniert worden. Nun hat die FAZ einen Brief von Grass an den ehemaligen Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller abgedruckt, in dem Grass ihn auffordert, seine NS-Vergangenheit offen zu legen. Grass sieht hierin eine Verletzung des Urheberrechts und der Privatsphäre.

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August 20, 2006

Danzig: Lech Walesa will Ehrenbürgerschaft zurückgeben

Danzig: Lech Walesa will Ehrenbürgerschaft zurückgeben

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Artikelstatus: Fertig 10:39, 20. Aug. 2006 (CEST)
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Warschau (Polen), 20.08.2006 – Weil Günter Grass Ehrenbürger von Danzig ist, möchte Lech Wałęsa vielleicht künftig auf seine dortige Ehrenbürgerschaft der Stadt verzichten. Das teilte er am Freitag, den 18. August im polnischen Nachrichtensender „TVN 24“ mit. Er wolle nicht Seite an Seite mit Grass stehen, sagte der polnische Friedens-Nobelpreisträger. In einem Interview mit dem TV-Moderator Ulrich Wickert hatte Grass zuvor für die Rückgabe der Ehrenbürgerschaft keinen Anlass gesehen. Man habe ihm die Ehrenbürgerschaft damals angetragen, weil er sich zu einem frühen Zeitpunkt um die deutsch-polnische Freundschaft verdient gemacht habe.

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August 16, 2006

Günter Grass: Spätes Geständnis erhitzt die Gemüter

Günter Grass: Spätes Geständnis erhitzt die Gemüter

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Artikelstatus: Fertig 21:27, 16. Aug. 2006 (CEST)
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Günter Grass

Berlin (Deutschland), 16.08.2006 – Vergangenen Samstag gestand der bekannte deutsche Schriftsteller Günter Grass öffentlich ein, dass er in den letzten Kriegsjahren Mitglied der Waffen-SS gewesen ist. Er selbst sagte, dass er zum Zeitpunkt seines Eintritts die Waffen-SS nicht als schlecht, sondern als Elite-Einheit ansah. Seine Kritiker werfen ihm jedoch vor, erst jetzt über dieses Kapitel seines Lebens gesprochen zu haben. Er war im Alter von 17 Jahren der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ beigetreten, der bis heute keine Kriegsverbrechen nachzuweisen sind.

Besonders pikant ist, dass die Werke von Günter Grass oft vor der Kulisse des deutschen Faschismus spielen. Seine Intention dabei war das „Schreiben gegen das Vergessen“: Immer wieder behandelt er die Thematik der Verdrängung faschistischer Verbrechen.

Die Reaktionen auf dieses Geständnis fallen sehr unterschiedlich aus. Wolfgang Börnsen (CDU) forderte, dass Grass seinen Nobelpreis für Literatur zurückgeben müsse. Die Nobelstiftung selbst schloss bereits eine Aberkennung des Preises aus.

Aus Polen wurden Stimmen laut, er müsse die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Danzig zurückgeben, was jedoch von Danziger Politikern und Künstlern nur mit einem Kopfschütteln quittiert wird. Die Verdienste an der Stadt Danzig, für die er die Ehrenbürgerschaft bekam, seien riesengroß gewesen. Kritiker wie Lech Walesa halten aber entgegen, er hätte sie nie bekommen, wäre seine SS-Vergangenheit bekannt gewesen. Zum verspäteten Geständnis selbst vermutet ein polnischer Schriftsteller, es könne eine PR-Aktion für sein neues Buch sein.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland vermutet eine PR-Aktion und kritisiert den Schriftsteller in scharfen Tönen. Charlotte Knobloch sagte: „Sein langjähriges Schweigen über die eigene SS-Vergangenheit führt nun seine früheren Reden ad absurdum.“

Viele Schriftstellerkollegen sehen das wesentlich entspannter. Der 80-jährige Schriftsteller Ralph Giordano ist der Meinung, dass es viel schlimmer sei, keine Konsequenzen aus seiner Vergangenheit zu ziehen, als sich im Termin einer Enthüllung zu irren: „Für mich verliert er durch diese Öffnung nicht an moralischer Glaubwürdigkeit – in keiner Weise, das möchte ich hier ganz klar und unmissverständlich sagen.“

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