Das SOUND, der Dillinger Bürgermeister Franz-Josef Berg und Christiane F.

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Saarland

Dillingen (Deutschland), 28.12.2004 – Die „Diskothek SOUND Saarland“ ist von Bürgermeister Franz-Josef Berg (CDU) am 22. Dezember geschlossen worden. Es handelt sich nicht um irgendeine Diskothek, sondern um eine Filiale des berühmten SOUND Berlin in der Genthiner Straße, bekannt geworden durch das Buch und den Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und den dazugehörigen Soundtrack von David Bowie. Die „Diskothek SOUND Saarland“ in der Kleinstadt Dillingen existiert seit 25 Jahren und gehört zu den wenigen Diskotheken der Region, in denen nicht Mainstream abgespielt wird, sondern auch Alternative, Hip-Hop oder Dark Wave eine Chance haben. Zudem werden hier beispielsweise Migranten nicht diskriminiert. Dillingen hat einen sehr hohen Ausländeranteil, vor allem türkische und italienische Bürger. Im SOUND werden auch Menschen mit Behinderung gerne gesehen. Als Einzugsgebiet des SOUND kann die ganze Region Saar-Lor-Lux-Trier-Pfalz angesehen werden.

Grund für die Entziehung der Konzession durch die Stadtverwaltung war eine Drogenrazzia am 24.10.2004. Dabei wurden Drogen, unter anderem auch synthetische Drogen wie XTC, in größerem Umfang sichergestellt. 79 Personen, meist Jugendliche, wurden vorläufig festgenommen. 140 Polizisten waren im Einsatz. Von den 231 Gästen im Sound war etwa ein Drittel im Besitz von Drogen. Dies fand an einem Sonntag morgen, bei der so genannten „After Hour“ statt, mit der das SOUND recht erfolgreich die Technoszene ansprach. Als Reaktion auf die Razzia wurde diese Techno-Party aus dem Programm gestrichen. Dennoch entzog Bürgermeister Berg der Diskothek die Konzession. „Ich bin sicher, dass der Entzug der Konzession für das SOUND die breite Zustimmung der Bevölkerung finden wird.“, so Berg.

In diesem Punkt hat Berg sich allerdings geirrt. Schon bald bildete sich ein lockeres Bündnis, das gegen das Vorgehen der Stadt mobilisierte, und dem unter anderem die saarländischen und die luxemburgischen Jusos, die grüne Jugend und die PDS Saar, die SPD-Frauen und der Dillinger Seniorenbeirat angehörten. In einer ersten Stellungnahme des Juso-Landesvorstandsmitglieds und SPD-Stadtrats Carsten Klein heißt es: „Das Drogenproblem im SOUND lässt sich mit Law & Order sicher nicht lösen. Zumal wenn man beachtet, dass die CDU-Landesregierung gleichzeitig Hilfsangebote für Drogenabhängige, wie das Drogenhilfezentrum in Saarbrücken schließen will.“ Protest-Mails wurden organisiert, Unterschriften gesammelt, eine „Coming-Out-Kampagne“ mit einem Plakat, auf dem prominente SOUND Besucher abgebildet sind, unter anderem einige Landtagsabgeordnete, Saar-Oppositionsführer Heiko Maas, die Band Steppenwolf, die einmal im SOUND auftrat und Berg selbst, durchgeführt. An einer Stadtratssitzung mit „Einwohnerfragestunde“ nahmen zirka 40 SOUND-Mitarbeiter und Gäste teil, unter anderem auch Teilnehmer einer Behindertenwerkstatt der Arbeiterwohlfahrt. Zwischendurch hatte sich auch die NPD Saar zu Wort gemeldet, das Vorgehen von Berg begrüßt und die Sammlung von Unterschriften für ein drogenfreies Saarland angekündigt. Es hätten sich Massen von Bürgern an die Rechtspartei mit der Bitte um Unterstützung für die Dillinger CDU gewandt.

Natürlich hat der Geschäftsführer des SOUND beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Konzessionsentzug eingelegt. Mittlerweile ist darüber entschieden und die Diskothek hat die Entscheidung des Bürgermeisters akzeptiert. In der Begründung heißt es unter anderem: „Weder ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren noch polizeiliche Aufklärungsmaßnahmen hätten Erkenntnisse dergestalt erbracht, dass der Konzessionsinhaber die ihm obliegende Aufsichtspflicht verletzt habe.“ Nun will das SOUND ab 29.12.2004 wieder öffnen, allerdings vorerst nur mittwochs. Dennoch ist ein Widerspruch der Stadt Dillingen gegen die Gerichtsentscheidung zu befürchten. Zumindest erklärte Berg gegenüber der Presse: „Ich bleibe bei meiner Überzeugung in Sachen Schließung des SOUND richtig gehandelt zu haben.“

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Quellen