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September 7, 2011

Kämpfe im Bundesstaat an-Nil al-azraq erhöhen Zweifel an der Zukunft des Sudan

Kämpfe im Bundesstaat an-Nil al-azraq erhöhen Zweifel an der Zukunft des Sudan

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Veröffentlicht: 22:00, 7. Sep. 2011 (CEST)
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Der Bundesstaat an-Nil al-azraq, deutsch Blauer Nil, liegt in der südöstlichen Ecke des Sudan.

Khartum (Sudan), 07.09.2011 – Die Auseinandersetzungen im Südosten des Sudans, die am vergangenen Donnerstag (1. September) zwischen der sudanesischen Armee und zum nördlichen Flügel der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) gehörenden Rebellen begonnen hatten, haben zehntausende von Bewohnern des Bundesstaates an-Nil al-azraq (blauer Nil) zur Flucht getrieben. Etwa 20.000 davon sind über die Grenze nach Äthiopien gegangen, teilten das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. Ihnen fehle es vor allem an Lebensmitteln und Trinkwasser. Die IOM habe deswegen medizinisches Personal und andere Hilfskräfte in die Grenzstädte Kurmuk und Gizane entsandt. Man beabsichtige, das Einverständnis der Flüchtlinge beachtend, diese in ein Flüchtlingslager in dem etwa 50 Kilometer von der Grenze entfernten Sherkole zu bringen. Doch die UNRA sagte, dass viele Flüchtlinge auf ein baldiges Ende der Kämpfe hoffen, sodass sie nahe an der Grenze bleiben wollen, um dann schnell nach Hause zurückzukehren.

Mehrere Hilfsorganisationen haben am Dienstag (6. September) bekannt gegeben, dass sie für die nach Äthiopien geflüchteten Bewohner der Region eine Hilfsaktion eingeleitet haben.

Nach Angaben von UNRA-Mitarbeitern strömen immer noch Flüchtlinge über die Grenze in die Region Assosa im Westen Äthiopiens. „Wir haben Berichte erhalten, dass zehntausende von Menschen innerhalb des Bundesstaates an-Nil al-azraq und nordwärts in den Bundesstaat Sennar geflohen sind“, sagte das Büro des UN-Flüchtlingshochkommissars, doch diese Angaben konnten bislang vom UNHCR nicht unabhängig überprüft werden, da bislang nur der sudanische Rote Halbmond Zugang zu den Flüchtlingen habe, hieß es in der Erklärung.

Die Bewohner von an-Nil al-azraq sind Sudanesen, doch viele von ihnen fühlen sich eher dem Südsudan verbunden, der im Juli vom muslimisch dominierten Norden die Unabhängigkeit erlangte. Der Präsident des Sudan, Umar Hasan Ahmad al-Baschir hatte unmittelbar nach Ausbruch der Kämpfe den gewählten und der SPLM angehörigen Gouverneur Malik Agar abgesetzt und einen Militärstatthalter nach Damazin entsandt.

Beide Seiten hatten der Gegenseite vorgeworfen, die Gefechte angezettelt zu haben. Der Sprecher für die Sudanesischen Streitkräfte, Ali Shawarime Khalid, erklärte, die Rebellen hätten die Stellung der Regierungstruppen angegriffen und die Regierungstruppen hätten sich gewehrt und schließlich die Stadt eingenommen. Der Generalsekretär der SPLM, General Yassir Arman sagte der Presse in Khartum, dass die Regierungstruppen den Compound von Gouverneur Malik Agar angegriffen hätten. Agar und die meisten höheren Angehörigen der SPLA Northern Sector seien aus der Stadt an einen nicht bekannten Ort geflohen.

Ein sudanesischer Reporter sagte am Dienstagabend gegenüber der Nachrichtenagentur Agence France-Press, er habe aus verschiedenen Teilen der Stadt Gewehrschüsse und Artilleriefeuer gehört. Dies habe etwa 15 bis 20 Minuten angedauert, auch der Strom sei abgeschaltet worden. Nach Angaben des stellvertretenden Informationsministers Sanaa Hamad hatte ein Soldat irrtümlich Schüsse abgegeben, die vom Armeehauptquartier und der Polizei erwidert worden sein sollen. Inzwischen sei Ruhe eingekehrt.

Die Regierungstruppen haben Damazin offensichtlich vollständig unter Kontrolle, doch der neue Gouverneur, Generalleutnant Yahia Mohammed Kheir, sagte gegenüber der Voice of America, dass etwa 30 Kilometer südlich der Hauptstadt des Bundesstaates noch gekämpft werde. Die sudanesische Armee rücke gegen Kurmuk vor, wo sich nach Angaben Kheirs sein abgesetzter Vorgänger mit seinen Generälen verschanzt habe.

Ein direkter Angriff auf Kurmuk erscheint jedoch wegen der schwierigen Verhältnisse in der Regenzeit derzeit unwahrscheinlich. In Damazin herrscht eine gespannte Ruhe. Lastwagen haben Soldaten in die Stadt gebracht und patrouillieren die Straßen, an den wichtigen Plätzen sind Panzer und Artilleriegeschütze aufgefahren. Einige Geschäfte haben wieder geöffnet. „Die Leute kommen zurück. Sie rufen Verwandte an, um herauszufinden, ob die Stadt sicher sei. Die Situation ist jetzt gut“, sagte der Ladenbesitzer Ismail Abdullah. Abdullah sprach in der Anwesenheit eines Regierungsbeamten. Doch viele Läden und Restaurants sind noch geschlossen, nur wenige Menschen sind in den Straßen unterwegs.

Der Gemeindedirektor des benachbarten Ortes Bau sagte, die Behörden würden versuchen, den Geflohenen klarzumachen, dass die Situation wieder sicher sei und dass sie zurückkehren könnten. Babikir Osman sagte auch, dass es während des Bürgerkrieges keine derartige Flüchtlingswelle in der Region um die Stadt Damazin gegeben habe. „Nun ist fast jeder weggegangen“, sagte er.

Die regulären Truppen Sudans hatten am Freitag (2. September) bekanntgegeben, gegen Rebellen zu kämpfen, die mit dem inzwischen unabhängigen Südsudan verbündet seien. Man habe diese Einheiten zurückgedrängt. Der nördliche Arm der Befreiungsarmee gab an, die sudanesische Armee habe von ihr gehaltene Positionen angegriffen. Beobachter befürchten, dass sich die Kämpfe in Süd-Kordofan nach an-Nil al-azraq verlagern könnten. Beide Bundesstaaten liegen an der Grenze mit dem neugebildeten Staat, an deren Verlauf es an manchen Stellen zu Gefechten gekommen ist. Viele Bewohner dieser beiden Bundesstaaten hatten während des 21-jährigen Bürgerkrieges den Süden unterstützt.

Sudans Staatspräsident al-Baschir hatte Ende August einen Waffenstillstand ausgerufen. Der Schritt erfolgte, nachdem die Vereinten Nationen gesagt hatten, sie habe Berichte erhalten, die darauf hinwiesen, dass sudanesische Streitkräfte Menschenrechte der Anhänger des Südens verletzten.

Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch hatten am 30. August die Regierung in Khartum beschuldigt, im Bundesstaat Süd-Kordofan Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung zu begehen. Beide Gruppen veröffentlichten einen Bericht, in dem es heißt, dass sudanische Militärflugzeuge in Süd-Kordofan zivile Ziele bombardierten. Jehanne Henry, die bei Human Rights Watch für den Sudan zuständig ist, sagte, sie habe selbst gesehen, wie Zivilisten eines Dorfes in den Nubabergen Ziel eines Bombenangriffes des sudanesischen Militärs wurden. Henry sagte auch, dass Human Rights Watch Berichte vorliegen, dass solche Angriffe auch noch stattfanden, nachdem die Regierung in Khartum einen einseitigen Waffenstillstand für Süd-Kordofan ausgerufen hatte.

Nach Henrys Angaben sind die Menschen in dem von der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee des Nordens kontrollierten Gebieten, vor allem in den Nubabergen, auf dringende humanitäre Hilfe angewiesen. Sie warnte vor einer humanitären Katastrophe in dem Gebiet. Khartum solle, so Amnesty International und Human Rights Watch, humanitären Hilfsorganisationen den Zugang zu den zwischen die Fronten geratenen Zivilisten ermöglichen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat nach einem sofortigen Waffenstillstand verlangt. Beide Seiten müssten ihre im Juni in Äthiopien beschlossenen Verhandlungen wieder aufnehmen. „Diese Gefechte stellen eine gefährliche Eskalation des Konfliktes in Süd-Kordofan dar…“. Ashtion sei „tief in Sorge“ über die Kämpfe in an-Nil al-azraq und das Verbot der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung im Sudan.

Die Regierung des Sudan hat es mit mehreren Krisenherden zu tun. In Abyei wurde eine UN-Friedensmission stationiert, um den Waffenstillstand in dem zwischen Sudan und Südsudan umstrittenen Gebiet zu überwachen. Dem war im Mai, noch vor der Unabhängigkeit Südsudans, die Besetzung des Gebietes vorausgegangen, mit der die Regierung in Khartum reagierte, nachdem die südsudanesische Armee einen Militärkonvoi angegriffen hatte. Im benachbarten Süd-Kordofan war es im Juni zum Ausbruch von Gewalt gekommen. Und im Westen, in Darfur, kommt es seit Jahren zu Angriffen von muslimischen Milizen auf die dortige nichtmuslimische Zivilbevölkerung.

Behauptungen einer Rebellengruppe in Darfur, man habe sich im Juli an einem gemeinsamen Angriff in Süd-Kordofan beteiligt, wurde von der Armee dementiert. Doch müsse die Regierung in Khartum befürchten, dass sich die verschiedenen Aufständischen koordinieren oder dass Südsudan diese unterstützen wird. Dementsprechende Vorwürfe an die Regierung in Juba waren von der südsudanesischen Regierung zurückgewiesen worden. Auch in anderen Landesteilen, etwa dem unterentwickelten Osten, wächst die Unzufriedenheit mit der Zentralregierung.

Für Chris Philips von der Economist Intelligence Unit ist es klar, dass sich Khartum für ein scharfes Vorgehen in den Grenzgebieten entschied. Dies sei als Warnung für andere Gebiete gemeint, in denen die Unzufriedenheit wächst. „Die Regierung fürchtet die Instabilität… Falls es zu einer ernsten Niederlage für die sudanesische Armee gekommen wäre, dann hätten darin andere Regionen ihre Möglichkeit gesehen“, sagte Philipps. Doch diese Rechnung sei riskant, meinen andere, der abgesetzte Gouverneur könne sich in an-Nil al-azraq vieler Anhänger sicher sein. Der neue Militärgouverneur will deswegen Rebellen, die ihre Waffen niederlegen, in die reguläre Armee integrieren.

Der frühere US-Sondergesandte für den Sudan, Andrew Natsios, beschuldigte „radikale“ religiöse Elemente innerhalb der regierenden Nationalen Kongresspartei (NCP) für die politische Instabilität des Landes nach der Unabhängigkeit des Südsudan am 9. Juli 2011 verantwortlich zu sein. Natsios ist der Meinung, dass Präsident Baschirs Lösungsversuche der Konflikte in Darfur, Southern Kordofan und an-Nil al-azraq dazu führen könnten, dass diese Gebiete nach Unabhängigkeit streben und das Land weiter spalten könnten. Natsios, der derzeit eine Professur an der Georgetown University inne hat, brachte die derzeitigen Rebellionen in Southern Kordofan, Darfur und an-Nil al-azraq mit dem Kampf der Sultanate Funji und Fur gegen die Briten im Jahr 1821 in Verbindung.

Natsios warnte davor, dass militärische Lösungsversuche den derzeit in Kämpfe mit Regierungstruppen verwickelten Regionen keinen Frieden bringen werden. Präsident Baschirs Partei sollte eine alle einschließende Konferenz einberufen, um die Probleme wie eine Verfassungsreform und die Pressefreiheit anzusprechen. Er rief Khartum dazu auf, die Krise in an-Nil al-azraq beizulegen, indem der abgesetzte Gouverneur Agar, der erst 2010 gewählt worden war, wieder in sein Amt eingesetzt werde.

John Ashworth, der das Sudan Ecumenical Forum in Friedens- und Sicherheitsfragen berät und ein langjähriger Kenner der Lage im Sudan ist, befürchtet, dass die Eskalation der Kämpfe in den Bundesstaat an-Nil al-azraq ernste Auswirkungen in anderen Teilen des Landes haben könnte. So könnte das Eröffnen mehrerer Fronten das ganze Land in einen ausgewachsenen Krieg stürzen. Die Zentralregierung sei in Darfur und Southern Kordofan in zwei Bürgerkriege verwickelt, ein weiterer innersudanischer Konflikt hätte negative finanzielle und politische Wirkungen.

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July 13, 2011

Südsudan ist unabhängig

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Südsudan ist unabhängig

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Veröffentlicht: 07:09, 13. Jul. 2011 (CEST)
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Die Flagge des neuen Staates

Juba (Südsudan) / Khartum (Sudan), 13.07.2011 – Südsudan ist seit dem 9. Juli um 0:00 Uhr Ortszeit unabhängig und somit der 54. Staat Afrikas. Mit dem Läuten von Kirchenglocken und mit Trommeln begrüßten die Südsudanesen die Sezession vom Norden. Die Unabhängigkeitserklärung vom Sudan, zu der in einem Referendum im Januar 2011 von einer sehr großen Mehrheit der Grundstein gelegt worden war, wurde einige Stunden später in einer Zeremonie verlesen, an der außer UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rund 30 Staatsoberhäupter, vor allem aus Afrika, teilnahmen. Unter ihnen war auch der sudanesische Staatspräsident Umar al-Baschir, dessen Land den nun unabhängigen Süden bereits am Freitag (8. Juli) anerkannte. Zu weiteren Staaten, die den 193. Staat der Erde bereits anerkannt haben, gehören Deutschland, Indien und die Vereinigten Staaten.

„Wir, die demokratisch gewählten Vertreter des Volkes, erklären den Südsudan auf der Grundlage des Willens der Bevölkerung und des Ausgangs des Referendums zur Unabhängigkeit hiermit zu einer unabhängigen und souveränen Nation“, hieß es in der Erklärung, die von Parlamentspräsident James Wani Igga verlesen wurde. Bei der Feierlichkeit wurde die sudanische Flagge eingeholt und die Flagge des Südsudan gehisst.

Im Norden, in Khartoum war die Reaktion gemischt. Manche unterstützen den Staatspräsidenten al-Baschir, manche empfinden die Sezession des Südens als „Schande“, wie der Händler Bahar Abakar. Viele Mütter dürften die Sezession genauso pragmatisch sehen wie Amina Mohammed, die froh darüber ist, dass ihre Söhne nicht in den Krieg ziehen müssen.

Der neue Staat ist in zehn Bundesstaaten gegliedert.

Viele Bewohner des neuen Staates hoffen, dass mit der Unabhängigkeit ein endgültiger Schlussstrich unter den 30-jährigen Bürgerkrieg gezogen wird, bei dem rund zwei Millionen Menschen getötet wurden. Der Bürgerkrieg war 2005 mit einem Waffenstillstand beendet worden. Der Grenzverlauf zwischen Sudan und Südsudan beruht weitgehend auf der Grenzlinie von 1956. Strittig ist der Grenzverlauf allerdings im Westen bezüglich der Enklave um Kafia Kingi, einem Gebiet, das 1960 dem sudanischen Bundesstaat Dschanab Darfur angegliedert wurde, und in der Mitte des Grenzverlaufes mit dem ölreichen Abyei-Gebiet, wo ein gesondertes Referendum über die Zugehörigkeit entscheiden soll. Dieses Referendum im Abyei-Gebiet hat bislang jedoch wegen Meinungsunterschieden über den Kreis der Stimmberechtigten noch nicht stattgefunden.

In dem Gebiet kommt es vor allem zu Auseinandersetzungen zwischen Ackerbauern der überwiegend christlichen Ngok-Dinka und nomadischen Misseryia, die hier ihr Vieh weiden lassen. Und Khartum will dieses Gebiet eigentlich nicht abgeben, weil in dieser Region Erdölvorkommen vermutet werden. Ende Mai und Anfang Juni kam es hier zu Kämpfen zwischen Truppen aus dem Norden und Angehörigen der Sudan People′s Liberation Army (SPLA) aus dem Süden. Vermittlung durch Südafrika hat zu einer Entspannung der Situation geführt, vorerst. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete dazu die UN-Resolution 1990 (2011), mit der die Bildung einer vorübergehenden Sicherheitstruppe beschlossen wurde. Die United Nations Interim Security Force for Abyei (UNISFA) wird aus bis zu 4200 äthiopischen Soldaten gebildet, die sich zunächst als einzige Sicherheitstruppe in dem Gebiet aufhalten darf.

Unabhängigkeitsfeier in Juba

Unbekannt ist auch der Standpunkt der südsudanesischen Regierung zum Ilemi-Dreieck im äußersten Südosten des neuen Staates. Das Gebiet wurde bislang von Sudan, Kenia und Äthiopien beansprucht. Und auch innerhalb des neuen Staates herrschen Spannungen. Viele der kleineren Volksgruppen fühlen sich von den Dingka, die den größten Teil der rund acht Millionen Einwohner Südsudans stellen, zu stark dominiert und verlangen mehr Mitsprache. Daneben wirft die meist christliche oder animistische Bevölkerung dem Norden vor, islamistische Aufstände im Süden zu inszenieren. Dabei ist der neue Staat auch so mit einer Reihe von Problemen belastet. Die Müttersterblichkeit ist die höchste in Afrika. Nur einem Drittel der Bevölkerung steht sauberes Trinkwasser zur Verfügung und nirgendwo sonst ist es um die Schulbildung so schlecht bestellt wie in Südsudan: Drei Viertel der Bevölkerung sind Analphabeten, neunzig Prozent haben weniger als einen US-Dollar am Tag zum Leben.

Cathy Groenendijk, die ein Heim für gefährdete Mädchen betreibt, hofft, dass sich die Regierung bewusst ist, dass der Verlust einer ganzen Generation drohe. „Eines der größten Probleme für alle Kinder ist, dass sie jede Menge Zeit haben. Sie haben nichts zu tun, so dass sie wütend werden“, erklärte die Uganderin der Tageszeitung Los Angeles Times. Groenendijk befürchtet eine Zunahme der Kriminalität. Viele Eltern hätten nicht genügend Geld, um ihre Kinder zu ernähren und großzuziehen. Ihnen drohe sexueller Mißbrauch und Prostitution. In den Bordellen schaffen auch Frauen aus Uganda, Kenia, Äthiopien und aus den Kongostaaten an, offenbar strikt getrennt nach der Nationalität der Prostituierten. Die Regierung hat unlängst ein Rotlichtviertel niederreißen lassen. Beseitigt hat sie das Problem nicht, sondern nur um einige Straßen verlagert.

Eine der großen Herausforderungen des jungen Staates dürfte die Bekämpfung der Korruption sein. Der Herausgeber und Eigentümer der Tagezeitung „Citizen“, Nhial Bol, wurde nach eigenen Angaben in den letzen Jahren dreimal verhaftet, weil er Behördenvertreter wegen Bestechlichkeit und Misswirtschaft kritisierte. Er meint, dass die Personen, die das Land nun führen, auf diese Situation nicht vorbereitet seien. Diese Männer seien durch den Kampf gegen den Norden geeint gewesen, ihnen fehle jedoch die Vision für das Land. Die Situation sei gefährlich, man könne zu den früheren Rebellenchefs schlecht hingehen und fragen, wo das Geld geblieben sei.

Lage von Sudan und Südsudan (rot)

„Diese Unabhängigkeit ist ein Neuanfang für den Südsudan. Die internationale Gemeinschaft hat eine Verantwortung für den neuen Staat“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in einer Pressekonferenz. Und tatsächlich ist das Land von internationaler Hilfe abhängig. In dem neuen Staat, der ungefähr die Größe Frankreichs hat, gibt es nur wenige Kilometer asphaltierte Straßen, zumeist in der Hauptstadt Juba. Die Vereinigten Staaten finanzieren mit 225 Millionen US-Dollar eine Fernstraße von Juba zur Grenze nach Uganda. Hinzu kommen 300 Millionen US-Dollar US-amerikanische Entwicklungshilfe und weitere 150 Millionen US-Dollar in Form von Nahrungsmittellieferungen. Ban Ki-moon ist sich dieser Probleme bewusst. Er will eine Geberkonferenz der internationalen Staatengemeinschaft einberufen. Dabei könnte auch helfen, dass über Investitionen im Süden nun nicht mehr das wegen der Krise in Darfur latent drohende Damoklesschwert Wirtschaftssanktionen gegen Sudan schwebt.

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May 23, 2011

Situation vor Unabhängigkeit Südsudans gespannt – Kämpfe in Ölregion

Situation vor Unabhängigkeit Südsudans gespannt – Kämpfe in Ölregion

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Veröffentlicht: 16:37, 23. Mai 2011 (CEST)
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Vor der Unabhängigkeit: Südsudan und Sudan

Khartum (Sudan) / Juba (Südsudan), 23.05.2011 – Nur wenige Wochen vor der geplanten Unabhängigkeit Südsudans ist die Situation angespannt. Sudanesische Soldaten sind nun in Abyei in der Nähe der geplanten künftigen Grenze einmarschiert. Das staatliche sudanesische Fernsehen berichtete von „schweren Verlusten des Feindes“ bei der Eroberung der Stadt durch die Streitkräfte des Nordens. Auf Weisung von Staatspräsident Umar al-Baschir sei der Verwaltungsrat der Stadt aufgelöst worden. In diesem Verwaltungsrat sind Vertreter aus dem Norden und dem Süden vertreten. Der Status Abyeis nach der Unabhängigkeit Südsudans ist umstritten, ein Referendum zu dieser Frage konnte nicht durchgeführt werden.

UN-Mitarbeiter bestätigten, dass sudanesische Regierungstruppen die Kontrolle über Abyei ausübten und schwere Artillerie zur Verfügung hätten. Ein UNMIS-Sprecher teilte mit, die Truppen des Nordens hätten mit Dutzenden von Panzern die Stadt besetzt und die südsudanesischen Soldaten seien geflohen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte mit, dass auch die Bewohner Abyeis vor den Kämpfen geflohen seien. Südsudanesische Vertreter sprachen auch davon, dass die Truppen al-Baschirs, der wegen Menschenrechtsverletzungen mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, die Stadt aus der Luft angegriffen hätten. Wie Philip Aguer Panynag, ein Sprecher der Sudanesischen Befreiungsarmee (SPLA) der Presse mitteilte, seien auch neun weitere Dörfer bombardiert worden. Ärzte ohne Grenzen sagte, dass in Agok, etwa 40 km von Abyei entfernt, in einem von der Hilfsorganisation betriebenen Krankenhaus allein am Samstag, dem 21. Mai, 42 Verletzte aufgenommen wurden.

Die Kämpfe hatten am Donnerstag begonnen. Nach Angaben aus Khartum wurden 22 Soldaten der Armee des Nordens getötet, als sie in einen Hinterhalt gerieten, etwa sieben Kilometer entfernt von Abyei. Die Soldaten seien in UN-Fahrzeugen transportiert worden, als sie beschossen wurden, sagt Khartum. Der Süden bestreitet, in den Zwischenfall verwickelt zu sein. Die Vereinten Nationen bestätigten den Zwischenfall, teilten jedoch mit, es sei unklar, wer den bewaffneten Angriff ausgeführt habe. Beide Seiten hatten vereinbart, aus der umstrittenen Region bis zum 17. Mai „alle nichtautorisierten Truppen“ zurückzuziehen.

Der südsudanesische Informationsminister Barnaba Marial Benjamin bezeichnete die sudanesische Militäroperation als Verstoß gegen das Friedensabkommen von 2005. Im Januar 2011 hatte sich der Süden für die Unabhängigkeit ausgesprochen. Diese soll am 9. Juli 2011 wirksam werden. Der Sudan büßt durch die Unabhängigkeit weite Teile seines Staatsgebietes ein. In diesem Teil liegen rund zwei Drittel der bekannten Rohölvorkommen des bisher flächengrößten Staates in Afrika. Doch der Konflikt zwischen Nord und Süd ist nicht nur ein Konflikt um das Erdöl, sondern es ist auch ein Konflikt zwischen Muslimen und Christen. Der Norden wird überwiegend von muslimischen Arabern bewohnt, während im Südsudan meist christliche Schwarzafrikaner beheimatet sind. Abyei charakterisiert sich dadurch, dass die Bevölkerung zwar überwiegend schwarzafrikanisch geprägt ist, die Gegend geographisch jedoch zum Norden gehört. Hier treffen vor allem die Interessen der ganzjährig hier lebenden Ngok Dinka mit denen der Misseriya aufeinander, die als Nomaden in der Trockenzeit ihr Vieh in die Region treiben und darin von der Regierung in Khartum bestärkt werden. Beobachter befürchten, dass sich am Streit um Abyei ein neuer Bürgerkrieg entzünden kann.

Der Informationsminister des Südsudans sagte in Juba der Presse, die SPLA werde nicht vergelten, es sei die Aufgabe des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, das Gebiet um Abyei zu entmilitarisieren. Frankreich und die Vereinigten Staaten haben das Vorgehen der sudanesischen Streitkräfte kritisiert. Das Weiße Haus verlangte einen umgehenden Rückzug der sudanesischen Regierungstruppen. Aus Paris hieß es, das Vorgehen Khartums sei „eine schwerwiegende Verletzung“ des Friedensabkommens. Die Vereinten Nationen sind durch die neueste Entwicklung besorgt. Die Mission der Vereinten Nationen im Sudan (UNMIS) verlangte den Rückzug aller Kampfeinheiten und einen sofortigen Waffenstillstand.

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January 30, 2011

Volksabstimmung im Sudan: Die überwältigende Mehrheit unterstützt die Unabhängigkeit des Südens

Volksabstimmung im Sudan: Die überwältigende Mehrheit unterstützt die Unabhängigkeit des Südens

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Veröffentlicht: 17:32, 30. Jan. 2011 (CET)
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Khartum (Sudan), 30.01.2011 – In einer Volksabstimmung waren die Sudanesen aufgerufen, über die Entlassung des südlichen Landesteils in die Unabhängigkeit abzustimmen. Die Abstimmung fand zwischen dem 9. und 15. Januar dieses Jahres statt. Heute lagen die ersten vorläufigen Endergebnisse vor. Danach votierten 99 Prozent der Bewohner des Südens (3,8 Millionen Wähler) bei einer Wahlbeteiligung von 99 Prozent für die Unabhängigkeit. Nur knapp 45.000 Südsudanesen stimmten dagegen.

Im Norden des Sudan lag die Wahlbeteiligung bei 60 Prozent. Aber auch hier stimmten 58 Prozent für die Unabhängigkeit des Südens. Ein amtliches Endergebnis des Referendums soll Anfang Februar vorgelegt werden. Damit ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Weg frei für die staatliche Unabhängigkeit des Südens, die am 5. Juli 2011 erklärt werden könnte. Damit würde dann der 54. afrikanische Staat entstehen.

Das Referendum war Bestandteil eines Friedensabkommens aus dem Jahr 2005 zwischen den verfeindeten politischen Kräften des Landes, die einen blutigen Bürgerkrieg gegeneinander geführt hatten. Dabei waren mehr als zwei Millionen Menschen getötet worden. Die beiden Landesteile sind kulturell und ethnisch sehr unterschiedlich. Während der Norden von einer arabisch sprechenden, muslimischen Mehrheit geprägt wird, hängen die schwarzafrikanischen Bewohner des Südens mehrheitlich dem Christentum an.

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  • Portal:Sudan

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May 21, 2009

Armee des Tschad griff Ziele im sudanischen Norddarfur an

Armee des Tschad griff Ziele im sudanischen Norddarfur an

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Veröffentlicht: 13:39, 21. Mai 2009 (CEST)
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Khartum (Sudan), 21.05.2009 – Die sudanische Regierung hat dem Tschad vorgeworfen, Luftangriffe auf Gebiete im Sudan zu fliegen. „Heute morgen um 10:30 Uhr Ortszeit [9:30 Uhr MESZ] fand ein weiterer Besuch am selben Ort und mit derselben Methode statt“, erklärte am 16. Mai Militärsprecher Othman al-Aghbasch auf einer Pressekonferenz. Gleichzeitig dementierte Aghbasch Aussagen von Diplomaten, nach denen sich vom Sudan unterstützte Rebellengruppen im Tschad auf sudanesisches Staatsgebiet zurückgezogen haben sollen.

Bereits am 15. Mai hatte Sudan den Tschad beschuldigt, 60 Kilometer weit auf sudanesischem Territorium Ziele mit Flugzeugen angegriffen zu haben. Dieser Vorwurf wurde aus Ndjamena zurückgewiesen. Dort verglich man die sudanesische Seite mit einem Räuber, der sich über einen Diebstahl beschwere. Nach Angaben aus Ndjamena habe man nahe der sudanesischen Grenze Aufständische aus der Luft angegriffen, deren Ziel die Absetzung von Präsident Idriss Deby sei. Tschad sei überrascht über die Proteste aus Khartum, da die Aufständischen im Tschad vom Regime in Karthoum gelenkt würden. Die Angriffe der tschadischen Luftwaffe seien daraus die Konsequenz.

Nach sudanesischen Angaben nach griff Tschad in den vergangenen Tagen insgesamt dreimal Ziele im Sudan an. Osman Kebir, der Gouverneur des sudanesischen Bundesstaats Norddarfur, erklärte am 18. Mai, reguläre tschadische Truppen hätten die Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit, eine Gruppe Aufständischer in Dafur (JEM), bei einem Angriff auf die Stadt Kornoi unterstützt. Der Gouverneur sagte der Presse: „Kornoi wurde durch Streikräfte des Tschad und der JEM angegriffen. Unsere Armee hat die Aggression gestoppt.“

Im tschadischen Fernsehen bestätigte der amtierende Verteidigungsminister Adoum Younnousmi das Vordringen der Luftwaffe seines Landes. Demnach wurden mehrere Lager der Tschad-Rebellen zerstört. Man habe jedoch Informationen, dass die verbleibenden Kämpfer sich östlich von al-Dscheneina neu formieren sollen, und sei in diesem Falle vorbereitet, dieses rund 20 Kilometer von der Grenze liegende Gebiet im Sudan erneut anzugreifen.

Unterdessen erklärte ein Sprecher der Union für die Kräfte des Wechsels (UFR), man werde den Kampf gegen die tschadische Regierung fortsetzen.

Beide Staaten werfen sich gegenseitig vor, Rebellen im jeweiligen Land zu unterstützen. Der Präsident des Tschad gehört derselben ethnischen Gruppe an wie JEM-Führer Chalil Ibrahim, weswegen die Regierung in Kartum Tschad regelmäßig der Unterstützung der Aufständischen in Darfur beschuldigt.

Die Vereinten Nationen halten einen Frieden zwischen beiden Staaten für eine Grundbedingung zur Lösung des Darfurkonflikts. Ban Ki-mun, derzeitiger UN-Generalsekretär, rief alle Seiten zum Waffenstillstand auf. Rund 4,7 Millionen Menschen sind in der Region von humanitären Hilfslieferungen abhängig. Im Laufe des Konflikts sind nach UN-Angaben 300.000 Personen getötet worden. Laut sudanesischer Regierung hat der seit 2003 andauernde Konflikt nur 10.000 Menschenleben gefordert.

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May 19, 2009

Armee des Tschad griff Ziele im sudanischen Norddarfur an

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Khartum (Sudan), 19.05.2009 – Die sudanische Regierung hat Tschad vorgewurfen, Luftangriffe auf Gebiete im Sudan zu fliegen. „Heute morgen um 10:30 Uhr Ortszeit [9:30 Uhr MESZ] fand ein weiterer Besuch am selben Ort und mit derselben Methode statt“, erklärte am 16. Mai Militärsprecher Othman al-Aghbasch auf einer Pressekonferenz. Gleichzeitig dementierte Aghbasch Aussagen von Diplomaten, nach denen sich vom Sudan unterstützte Rebellengruppen im Tschad auf sudanisches Staatsgebiet zurückgezogen haben sollen.

Bereits am 15. Mai hatte Sudan den Tschad beschuldigt, 60 Kilometer weit auf sudanischem Territorium Ziele mit Flugzeugen angegriffen zu haben. Dieser Vorwurf wurde aus Ndjamena zurückgewiesen. Dort verglich man die sudanesische Seite mit einem Räuber, der sich über einen Diebstahl beschwere. Nach Angaben aus Ndjamena habe man nahe der sudanischen Grenze Aufständische aus der Luft angegriffen, deren Ziel die Absetzung von Präsident Idriss Deby sei. Tschad sei überrascht über die Proteste aus Khartum, da die Aufständischen im Tschad vom Regime in Karthoum gelenkt würden. Die Angriffe der tschadischen Luftwaffe seien daraus die Konsequenz.

Nach sudanischen Angaben nach griff Tschad in den vergangenen Tagen insgesamt dreimal Ziele im Sudan an. Osman Kebir, der Gouverneur des sudanischen Bundesstaats Norddarfur, erklärte am 18. Mai, reguläre tschadische Truppen hätten die Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit, eine Gruppe Aufständischer in Dafur (JEM), bei einem Angriff auf die Stadt Kornoi unterstützt. Der Gouverneur sagte der Presse: „Korna wurde durch Streikräfte des Tschad und der JEM angegriffen. Unsere Armee hat die Aggression gestoppt.“

Im tschadischen Fernsehen bestätigte der amtierende Verteidigungsminister Adoum Younnousmi das Vordringen der Luftwaffe seines Landes. Demnach wurden mehrere Lager der Tschad-Rebellen zerstört. Man habe jedoch Informationen, dass die verbleibenden Kämpfer sich östlich von al-Dscheneina neu formieren sollen, und sei in diesem Falle vorbereitet, dieses rund 20 Kilometer von der Grenze liegende Gebiet im Sudan erneut anzugreifen.

Unterdessen erklärte ein Sprecher der Union für die Kräfte des Wechsels (UFR), man werde den Kampf gegen die tschadische Regierung fortsetzen.

Beide Staaten werfen sich gegenseitig vor, Rebellen im jeweiligen Land zu unterstützen. Der Präsident des Tschad gehört derselben ethnischen Gruppe an wie JEM-Führer Chalil Ibrahim, weswegen die Regierung in Kartum Tschad regelmäßig der Unterstützung der Aufständischen in Darfur beschuldigt.

Die Vereinten Nationen halten einen Frieden zwischen beiden Staaten für eine Grundbedingung zur Lösung des Darfurkonflikts. Ban Ki-mun, derzeitiger UN-Generalsekretär, rief alle Seiten zum Waffenstillstand auf. Rund 4,7 Millionen Menschen sind in der Region von humanitären Hilfslieferungen abhängig. Im Laufe des Konflikts sind nach UN-Angaben 300.000 Personen getötet worden. Laut sudanesischer Regierung hat der seit 2003 andauernde Konflikt nur 10.000 Menschenleben gefordert.

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March 5, 2009

Nach Den Haager Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten: Hilfsorganisationen des Landes verwiesen

Nach Den Haager Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten: Hilfsorganisationen des Landes verwiesen

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Veröffentlicht: 23:40, 5. Mär. 2009 (CET)
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Den Haag (Belgien) / Khartum (Sudan), 05.03.2009 – Nach dem Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen den sudanesischen Staatschef Umar Hasan al-Baschir wurden zehn ausländische Hilfsorganisationen, die in der Krisenregion Darfur tätig waren, des Landes verwiesen. Eine Regierungsbehörde hatten laut der Nachrichtenagentur Reuters behauptet, Hilfsorganisationen hätten Informationen an den Strafgerichtshof weitergeleitet, mit denen der Haftbefehl begründet worden sei. Zu den betroffenen Hilfsorganisationen gehören unter anderem Oxfam, Save The Children, Care, Ärzte ohne Grenzen und das International Rescue Committee. Ärzte ohne Grenzen war bereits vor dem Erlass des Haftbefehls aufgefordert worden, bis zum 4. März das Land zu verlassen. Angesichts des bevorstehenden Haftbefehls gegen den Präsidenten könne für die Sicherheit der Mitarbeiter der Hilfsorganisation keine Garantie übernommen werden. Laut einer Erklärung der Hilfsorganisation wird der erzwungene Abzug des medizinischen Personals von Ärzte ohne Grenzen die Bevölkerung des Landes schwer treffen. Mehrere Projekte der Organisation, in denen medizinische und allgemeine humanitäre Hilfe geleistet wurde, müssten nun aufgegeben werden. In einigen Gebieten wird die Bevölkerung nun keinerlei medizinische Hilfe mehr erhalten können. Die Organisation betont, dass politische Neutralität und Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen zu den Grundsätzen ihrer Arbeit gehöre.

Hintergrund des Haftbefehls gegen den sudanesischen Präsidenten ist eine Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in der Region Darfur. Umar Hasan al-Baschir soll persönliche Verantwortung für Morde, Vertreibungen, Folterungen und Vergewaltigungen tragen. Der Antrag des Chefanklägers Luis Moreno Ocampo, Umar Hasan auch wegen Völkermordes anzuklagen, fand jedoch nicht die Unterstützung des Den Haager Gerichtshofes. Die Regierung des Sudans wurde aufgefordert, den Haftbefehl zu vollstrecken. Es war das erste Mal, dass der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen einen amtierenden Präsidenten eines Staates ausstellte.

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Wikipedia-logo-v2.svg In Wikipedia gibt es den weiterführenden Artikel „den Darfur-Konflikt“.

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August 31, 2006

Amnesty International: Darfur steht Menschenrechtskrise bevor

Amnesty International: Darfur steht Menschenrechtskrise bevor

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Artikelstatus: Fertig 19:15, 31. Aug. 2006 (CEST)
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Khartum (Sudan), 31.08.2006 – Eine Unterbrechung der friedenssichernden Maßnahmen könnte den Sudan nach Angaben eines Berichts von Amnesty International in der Darfur-Region zurück in einen schweren Konflikt stürzen. Die Menschenrechtsorganisation schloss sich am 28. August der wachsenden Besorgnis des „International Rescue Committee“ über die sich verschlechternde Situation in Darfur an. In einer Erklärung bestätigte die stellvertretende Generalsekretärin von Amnesty International, Kate Gilmore, Besorgnisse, die sudanesische Regierung bewaffne Soldaten in Vorbereitung für den Konflikt, obwohl sie im Mai einen Friedensvertrag unterschrieben hatte.

„Augenzeugen in el-Fasher im Norden Darfurs erzählen uns, dass Flugzeuge der sudanesischen Regierung täglich Truppen und Waffen einfliegen“, sagte Gilmore und forderte gleichzeitig die internationale Gemeinschaft auf zu handeln.

Die Vereinten Nationen diskutieren heute einen Resolutionsentwurf, der vorsieht, 20.000 Soldaten in den Westen des Sudans zu schicken, um die 2,5 Millionen vertriebenen Menschen zu beschützen. Aber die sudanesische Regierung hat die Forderung nach einer Intervention des Auslands zurückgewiesen und schlug stattdessen vor, eine 26.000 Mann starke inländische Truppe zu entsenden, was Amnesty International zurückweist.

„Wie kann der Sudan, der im Begriff zu sein scheint, seine eigene Offensive in Darfur zu starten, realistischerweise vorschlagen, ein Friedensbringer in einem Konflikt zu sein, in dem er selbst eine große Rolle spielt und Täter von schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen ist“, fragten Amnesty-Offizielle.

Bevorstehende Konflikte

Anzeichen, dass Khartum sich für weitere Kämpfe in Darfur mit Waffen ausrüstet, rufen große Besorgnis unter Regierungen über einen möglicherweise bevorstehenden Völkermord hervor. Gestern flog die stellvertretende Außenministerin der Vereinigten Staaten, Jendayi Frazer, in die sudanesische Hauptstadt, um die von Omar Hassan Ahmad al-Bashir angeführte Regierung zu drängen, die UN-Truppe zu akzeptieren.

„Darfur steht am Rande einer gefährlichen Abwärtsspirale“, sagte Frazer, die auch meinte, dass es in der UN nicht zu Verzögerungen kommen dürfe.

Die sudanesische Regierung ist gänzlich gegen die UN-Intervention. Der Vorsitzende der Nationalen Kongress-Partei, Ghazi Salah Eldin Atabani, sagte Journalisten, dass „jeder Staat der diesen [UN] Resolutionsentwurf finanziert, so angesehen wird, als nimmt er eine feindliche Haltung gegenüber dem Sudan an“.

Falls Darfur in einen weiteren regierungsgeförderten Konflikt herabsinke, wären laut Eric Reeves von Democracy Now die Konsequenzen für die Zivilbevölkerung verheerend.

„Falls diese Offensive stattfindet, wird es sehr, sehr große zivile Zerstörung geben. Ich denke, dass sich dann wahrscheinlich auch fast alle humanitären Helfer zurückziehen würden. Dies würde ungefähr 1,2 Millionen Menschen, die völlig auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, ohne jegliche Hilfe zurücklassen“, sagte Reeves der „Koalition für Darfur“ am Samstag.

Frauen und Kinder sind am verletzlichsten, wenn sie die Camps verlassen, um Brennholz zu sammeln.

Sexuelle Übergriffe steigen dramatisch an

Mittlerweile verschlimmert sich laut dem „International Rescue Committee“ die Situation für Millionen von Flüchtlingen vor Ort rapide. Am Mittwoch hat die Gruppe Statistiken herausgegeben, die vermuten lassen, dass seit Anfang Juli mindestens 200 Frauen vergewaltigt worden sind – oft, wenn sie die Siedlungen verlassen, um nach Brennholz und Nachrung zu suchen.

„Das ist eine massive Spitze der Zahlen“, sagte Kurt Tjossem vom „International Rescue Committee“ (IRC), „wir sind es gewohnt, von zwei bis vier Fällen sexueller Übergriffe pro Monat im Kalma-Camp [in Süd-Darfur] zu hören.“

englischsprachige Quelle Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines fremdsprachigen Artikels vom 28.08.2006

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August 27, 2006

Erneut ausländischer Berichterstatter im Sudan verhaftet

Erneut ausländischer Berichterstatter im Sudan verhaftet

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Artikelstatus: Fertig 21:53, 27. Aug. 2006 (CEST)
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Khartum (Sudan), 27.08.2006 – Erneut wurde in der Krisenregion Darfur im Westen des Sudans ein ausländischer Berichterstatter verhaftet und der „illegalen Einreise, Spionage und Verbreitung falscher Nachrichten“ beschuldigt. Paul Salopek, zweifacher Pulitzer-Preisträger und Afrikakorrespondent, der Chicago Tribune, hatte bereits mehrfach über die verschiedenen Konflikte im Sudan berichtet und hielt sich nun in Darfur auf, um eine Reportage über die Sahelzone für National Geographic zu schreiben.

Am 6. August waren Paul Salopek sowie seine zwei Begleiter aus dem benachbarten Tschad – Fahrer und Übersetzer – festgenommen und ins Gefängnis gebracht worden. Drei Wochen später wurden nun die Anschuldigungen offiziell bekanntgegeben. Am 10. September sollen Salopek und die beiden Tschader in Al-Fashir im Bundesstaat Shamal Darfur vor Gericht kommen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen mehrere Jahre Haft.

Der Gouverneur von Shamal Darfur soll Salopek in den Medien als „Kriminellen“ bezeichnet haben, weswegen dessen Verteidiger, Omer Hassan, Zweifel an der zu erwartenden Fairness des Verfahrens angemeldet hat. Der vorsitzende Richter in dem Fall hatte zudem am 14. August wegen genau derselben Vorwürfe den slowenischen Friedensaktivisten Tomo Križnar zu zwei Jahren Haft und einer Geldbuße von umgerechnet 2.400 US-Dollar verurteilt.

Zu seiner Frau hatte Paul Salopek letztmals am 5. August Kontakt gehabt. National Geographic wurde besorgt, als Salopek sich am 17. August nicht wie vereinbart meldete.

Sowohl National Geographic als auch Chicago Tribune fordern die Freilassung Salopeks. Eine Delegation des US-Kongresses besuchte Salopek.

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August 18, 2006

Reaktionen auf Urteil gegen einen Friedensaktivisten im Sudan

Reaktionen auf Urteil gegen einen Friedensaktivisten im Sudan

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Artikelstatus: Fertig 17:17, 18. Aug. 2006 (CEST)
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Khartum (Sudan), 18.08.2006 – Nach der Verurteilung von Tomo Križnar, dem Friedensaktivisten, Schriftsteller und Sondergesandten des slowenischen Präsidenten im Sudan, wegen „illegaler Einreise, Spionage und Verbreitung falscher Nachrichten“ am 14. August regt sich Widerstand.

Tomo Križnar war im Februar 2006 mit Hilfe von Rebellen aus dem benachbarten Tschad in die sudanesische Krisenregion Darfur eingereist, um als Sondergesandter der slowenischen Regierung die dortigen Zustände zu untersuchen. Am 20. Juli wurde er verhaftet und anschließend aufgrund der oben genannten Tatbestände von einem Gericht in Al-Fashir im Bundesstaat Schamal Darfur (Nord-Darfur) zu zwei Jahren Haft und einem Bußgeld von 500.000 Dinar (2.400 US-Dollar) verurteilt. Seine Fotoausrüstung sowie Film- und Fotomaterial wurden beschlagnahmt.

Die Regierung Sloweniens fordert die Freilassung Tomo Križnars. Der slowenische Präsident Janez Drnovšek schrieb einen entsprechenden Brief an seinen sudanesischen Amtskollegen Omar al-Bashir. Laut dem slowenischen Außenministerium ist der slowenische Konsul in Ägypten auf dem Weg nach Al-Fashir, um Križnar zu besuchen.

Die slowenische Sektion von amnesty international plant eine Protestkampagne zugunsten Križnars. Die Menschenrechtsorganisation „Aegis Trust“ hat dazu aufgerufen, Visaanträge an sudanesische Botschaften zu richten, um „nach Darfur zu reisen und Tomo Križnar im Gefängnis zu besuchen“.

Križnars sudanesischer Anwalt, Mohammed Madjub, hat gegen das Urteil Berufung eingelegt und sieht gute Chancen, dass es angesichts des internationalen Drucks nicht vollstreckt und sein Mandant stattdessen des Landes verwiesen wird.

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