Der Publizist Peter Boenisch ist tot

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Tegernsee (Deutschland), 08.07.2005 – Der frühere Chefredakteur der „Bild-Zeitung“ und der überregionalen Tageszeitung „Die Welt“, enger Vertrauter des Verlegers Axel Springer sowie ehemaliger Regierungssprecher, Peter Boenisch ist tot. Er erlag am Freitag, 8. Juli 2005, im Alter von 78 Jahren in Gmund am Tegernsee einer langen Krankheit.

Biografische Daten zum Lebenslauf

  • Peter Boenisch kam am 4. Mai 1927 als Sohn einer Russin und eines deutschen Ingenieurs in Berlin zur Welt. Er besuchte in Berlin die Schule. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er noch zur „Deutschen Wehrmacht“ eingezogen.
  • 1945 begann Peter Boenisch seine journalistische Laufbahn als Lokal- und Sportreporter der „Allgemeinen Zeitung“ in Berlin. Er schrieb für das Magazin „Newsweek“ und für die Tageszeitung „New York Times“ und leitete ab 1949 als Chefredakteur die „Schleswig-Holsteinische Tagespost“.
  • 1956 hob Peter Boenisch das Teenagermagazin „Bravo“ mit aus der Taufe und arbeitete ab 1959 im Axel-Springer-Verlag. Nach seinem Wechsel zur „Bild-Zeitung“ konnte er als Chefredakteur von 1961 bis 1971 die Auflage dieser Boulevardzeitung auf über fünf Millionen Exemplare bringen. Eine der Schlagzeilen aus seiner Zeit bei „Bild” lautete: „Der Mond ist ein Ami“. Von 1965 bis 1979 leitete er zudem die Redaktion der Boulevard-Zeitung „Bild am Sonntag”.
  • 1971 avancierte Peter Boenisch zum Chef der neuen Holding der Springer-Gruppe. Zwischen 1978 und 1981 wirkte er als Chefredakteur der überregionalen Tageszeitung „Die Welt“.
  • Nach beratenden Tätigkeiten im Bundestagswahlkampf 1976 und 1980 für den CDU-Politiker Helmut Kohl wurde Boenisch 1983 von Kohl zum Staatssekretär ernannt. Außerdem war Boenisch bis 1985 Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung und Sprecher der Bundesregierung.
  • Im Juni 1985 trat Peter Boenisch wegen eines steuerrechtlichen Ermittlungsverfahrens von seinem Amt zurück. Danach war er kurze Zeit in leitender Position für den Burda-Verlag tätig.
  • Ab 1999 fungierte Peter Boenisch als Mitglied des Aufsichtsrates des Axel-Springer-Verlags.
  • Von 2001 bis 2005 war Peter Boenisch Präsident des „Union-Club“ und setzte sich für die Erhaltung der Galopprennbahn Berlin-Hoppegarten ein.
  • Ab 2001 bekleidete Peter Boenisch das Amt des Vorsitzenden des Lenkungsausschusses des „Petersburger Dialogs“, eines Forums zur Verständigung mit Russland. Im „Petersburger Dialog“ arbeitete er mit dem früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow zusammen.
  • Am 11. Juli 2003 wurde Peter Boenisch mit dem „Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ ausgezeichnet. Er erhielt diese Auszeichnung für „außerordentliche Verdienste um die Freiheit der Medien“ und für seinen besonderen Einsatz um die deutsch-russischen Beziehungen.

Nach außen hin wirkte Peter Boenisch stets elegant, weltläufig und positiv auftretend. Er war aber auch ein hart arbeitender Blattmacher, doch kein ewig festgelegter Meinungsmacher, heißt es aus seinem Umfeld.

Peter Boenisch hinterlässt zwei kleine Töchter: Nanja-Maresa (geb. 1998) und Nika-Luna Benedetta (geb. 2001). Seine dritte Ehefrau Julia starb ein Jahr vor ihm am 7. Mai 2004 im Alter von nur 42 Jahren an den Folgen einer Routineoperation. Danach kehrte der alleinerziehende Vater dem Berliner Politik- und Medientrubel den Rücken und zog an den Tegernsee.

Würdigungen

Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte den verstorbenen Publizisten Peter Boenisch als „engagierten Demokraten“, der nicht nur die Zeitungslandschaft bereichert habe.

Altbundeskanzler Helmut Kohl sagte über Peter Boenisch: „Er gehörte zur Elite des deutschen Journalismus“ und fügte hinzu, Boenisch sei ein streitbarer und streitbereiter Kritiker gewesen.

Der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner erklärte: „Mit Peter Boenisch verlieren wir einen großen Journalisten; wir verlieren einen brillanten Kolumnisten; wir verlieren einen unermüdlichen Förderer der deutsch-russischen Annäherung; vor allem aber verlieren wir einen außergewöhnlichen Menschen und Freund unseres Verlages und seiner Mitarbeiter.“

Quellen