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April 22, 2008

Die globale Nahrungskrise steht weltweit auf der Tagesordnung

Die globale Nahrungskrise steht weltweit auf der Tagesordnung

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Veröffentlicht: 23:33, 22. Apr. 2008 (CEST)
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Berlin (Deutschland) / London (Vereinigtes Königreich) / Accra (Ghana), 22.04.2008 – Die weltweite Nahrungskrise bestimmt immer stärker die Tagesordnung von Parlamenten, Regierungen und Nichtregierungsorganisationen auf nationaler wie internationaler Ebene: Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) berät in London einen Drei-Stufen-Plan gegen die weltweite Nahrungsmittelkrise, innerhalb der Europäischen Union ist eine Diskussion über Sinn und Unsinn der Biosprit-Nutzung entbrannt, der Deutsche Bundestag kommt am Mittwoch auf Antrag der Grünen zu einer Aktuellen Stunde zusammen, um über Lösungen der Nahrungskrise zu diskutieren, und in Accra (Ghana) tagt die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD), um über den Kampf gegen Armut und Hunger im Zeitalter der Globalisierung zu beraten.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon warnte auf dem 12. UNCTAD-Treffen in der ghanaischen Hauptstadt Accra angesichts der alarmierenden Teuerung der Lebensmittelpreise vor einer „Kaskade von Krisen“. Ein Versagen der internationalen Gemeinschaft bei der Lösung des Hungerproblems werde auch eine Lösung anderer globaler Probleme unmöglich machen. Wirtschaftliches Wachstum, sozialer Fortschritt und politische Sicherheit seien ohne die Bekämpfung des Hungers undenkbar. Er beschrieb die gegenwärtige Situation der Weltwirtschaft als eine „Bedrohung für die Stabilität vieler Entwicklungsländer“.

Weizen – für Brot oder Benzin?

Einige tausend Kilometer weiter nördlich, in London (Großbritannien), wurde ebenfalls eine Situationsbeschreibung versucht – aus der Sicht des Welternährungsprogramms der UNO. Josette Sheeran, Direktorin des WFP, sagte: „Dies ist das neue Gesicht des Hungers – Millionen Menschen, die vor sechs Monaten noch nicht unter akutem Hunger leiden mussten, müssen es jetzt.“ Mehr als 100 Millionen Menschen seien vom Hungertod bedroht. WFP-Berechnungen zufolge sind die Lebensmittelpreise auf den Weltmärkten seit Juni 2007 um 55 Prozent gestiegen. Nach Ansicht Sheerans stehe die Organisation vor der „größten Herausforderung in der 45-jährigen Geschichte der Organisation“. Das WFP schlägt einen Drei-Stufen-Plan vor, dessen erste Stufe in dem kurzfristigen Ausbau der Schulspeisungen besteht, um der aktuell bedrohlichen Situation für viele Kinder zu begegnen, die darauf angewiesen sind. Mittelfristig sollen die logistischen Möglichkeiten der Organisation anderen Hilfsorganisationen zur Durchführung unmittelbar lebensrettender Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden. Langfristig geht es dem WFP um die Unterstützung von Reformen in der Landwirtschaft. In den armen Ländern, besonders denen Afrikas, müssten die vor Ort vorhandenen Möglichkeiten zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion gestärkt werden. Afrika brauche eine „grüne Revolution“. Für die Produktion von Bio-Kraftstoffen aus Nahrungsmittelkulturen dürfe es keine Prämien mehr geben, sagte der an der Konferenz teilnehmende slowenische Europa-Staatssekretär Janez Lenarcic für die EU-Ratspräsidentschaft.

Auch auf EU-Ebene wird über die Strategie der Gewinnung von Kraftstoffen aus energiehaltigen Pflanzen diskutiert. Konkret geht es um den EU-Beschluss vom März 2007, den Treibstoffverbrauch in den Mitgliedsstaaten durch einen vermehrten Einsatz von Biosprit bis zum Jahr 2020 um zehn Prozent zu verringern und so das Ziel der Klimapolitik zur Reduzierung des Kohlenstoffdioxidausstoßes erreichen zu helfen. Bis 2020 will die Europäische Union den CO2-Ausstoß um 20 Prozent senken, um der weiteren Erderwärmung zu begegnen. „Starke Bedenken“ gegen diese Biotreibstoffstrategie äußerte bereits die Regierung Luxemburgs. Es könne nicht sein, dass „diejenigen, die am härtesten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden, zusätzlich unter den perversen Konsequenzen kurzsichtiger Klimaschutzmaßnahmen zu leiden haben.“ Die Gewinnung von Biokraftstoffen aus Getreide wird mitverantwortlich für die weltweite Verteuerung von Getreide und Getreideprodukten gemacht. Die deutsche Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hatte am Montag ebenfalls einen Stopp der weiteren Verwertung von Nahrungsgrundstoffen für die Produktion von Biosprit gefordert. Die britische Regierung macht ihre Haltung in dieser Frage vom Ausgang einer Untersuchung abhängig, die Premierminister Gordon Brown in Auftrag gegeben hat. Die Studie soll ermitteln, welchen Einfluss die Produktion von Biokraftstoffen auf die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Umwelt ausübt.

Die Bundestagsfraktion der Grünen, die die morgige Aktuelle Stunde im Deutschen Bundestag beantragt hat, kritisiert insbesondere die Subventionen der Europäischen Union für den Export von Agrarprodukten. Diese sollten komplett gestrichen werden. Notwendig sei auch nicht eine weitere Steigerung der Produktion innerhalb Europas, sondern die Stärkung des Agrarmarktes in den Entwicklungsländern selbst. Die Grünen stellen sich damit gegen die Vorschläge des Bundeslandwirtschaftsministers Horst Seehofer (CSU), der sich für eine Erhöhung der europäischen Agrarproduktion ausgesprochen hatte. Innerhalb der Unionsfraktion wird auch der verstärkte Einsatz von Gentechnik zur Steigerung der Agrarproduktion ins Spiel gebracht. Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, hatte sich am Montag entsprechend geäußert.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch macht die Subventionspolitik der EU für die steigenden Lebensmittelpreise verantwortlich. Foodwatch-Gründer Thilo Bode sagte am Dienstag, die Exportsubventionierung von Schweinefleisch führe zu einer doppelten Bestrafung des Verbrauchers. Dieser müsse nicht nur die Subventionen über die Steuern finanzieren, sondern werde auch noch durch die so entstehenden höheren Preise zur Kasse gebeten, weil der Schweinefleischexport zu einer Verknappung des Angebotes im Inland und einem entsprechenden Preisanstieg führe.

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March 6, 2007

Ghana feiert 50 Jahre Unabhängigkeit

Ghana feiert 50 Jahre Unabhängigkeit – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Ghana feiert 50 Jahre Unabhängigkeit

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Artikelstatus: Fertig 18:13, 6. Mär. 2007 (CET)
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Accra (Ghana), 06.03.2007 – Heute vor 50 Jahren wurde Ghana von der britischen Kolonialmacht unabhängig. An diesem historischen Datum erreichen die Feierlichkeiten im Unabhängigkeitsjahr ihren Höhepunkt. In der gestrigen Nacht versammelten sich Tausende auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum der Hauptstadt Accra, wo die Ausrufung der Unabhängigkeit feierlich wiederholt wurde und zum genauen Zeitpunkt des goldenen Jubiläums ein Feuerwerk entzündet wurde. Das ganze Jahr hindurch werden in allen Teilen des Landes Veranstaltungen zur Erinnerung an das geschichtliche Ereignis stattfinden.

Die Flagge Ghanas

An den Festlichkeiten in Ghana nehmen mehr als 20 Staats- und Regierungschefs teil, unter ihnen Thabo Mbeki, der Staatspräsident Südafrikas, Robert Mugabe, der Präsident Simbawes, und der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo. Als Vertreter der ehemaligen Kolonialmacht reiste der Herzog von Kent zu den Feiern. Der ehemalige ghanaische Präsident Jerry Rawlings boykottiert den Festakt „BBC News“ zufolge. Auch bekannte Persönlichkeiten wie der ehemalige brasilianische Fußballspieler Pelé und der Sänger Stevie Wonder sind bei den Jubiläumsfeiern anwesend. Stevie Wonder wird seinen ursprünglich Martin Luther King gewidmeten Song „Happy Birthday“ in einer speziellen Version für Ghana vortragen. Außerdem wird es Lesungen und eine Parade geben. Am heutigen Nachmittag wird in den Straßen des Landes weiter gefeiert werden. Laut „allAfrica.com“ wird an einem Veranstaltungsort ein 380-Meter langer Tisch aufgebaut, auf dem mehr als 450 Speisen aus allen zehn Regionen des Landes Platz finden sollen. Im ganzen Land wurde die rot-gelb-grüne Landesfahne gehisst.

Die Feiern wurden in Ghana wegen ihrer Kosten kritisiert. Die Regierung verwendet für das zwölfmonatige Festprogramm mit dem Motto „Afrikas Vorzüglichkeit verfechten“ über 12,5 Millionen Euro. Vorwürfen, man hätte das Geld besser investieren können, begegnet die Regierung mit dem Argument, es werde keine ganzjährige protzerische Party geben. Stattdessen würden Einrichtungen und Projekte finanziert, die auch in Zukunft wichtig für die Würde und den Fortschritt des Landes seien. Die größte Oppositionspartei, der „National Democratic Congress (NDC)“, und die „Convention People’s Party“ haben sich im Vorfeld darüber beschwert, nicht in die Planungen für die Feiern einbezogen worden zu sein. Oboshie Sai Cofie, die Informationsministerin Ghanas, entgegnete dem in einem Interview mit „Voice of America“, sie glaube, ein derartiges Programm müsse von der Regierung geplant werden.

Denkmal für Kwame Nkrumah in Accra

Großbritannien übergab am 5. März 1957 nach 80 Jahren Kolonialherrschaft die Macht formell an den Führer der friedlichen ghanaischen Unabhängigkeitsbewegung, Kwame Nkrumah. Um Mitternacht wurde der Union Jack auf dem alten Poloplatz eingeholt, bevor die ghanaische Flagge begleitet vom Schlagen der Kirchenglocken feierlich gehisst wurde. Am 6. März hielt Kwame Nkrumah in seiner Funktion als erster Ministerpräsident des unabhängigen Ghanas eine Rede, in der er sagte: „Der Kampf ist nun endlich zu Ende. Und Ghana, eure geliebte Heimat, ist frei für immer.“ Im Zuge der Dekolonialisierung legte das westafrikanische Land den Namen „Goldküste“ ab und benannte sich nach dem alten Reich von Ghana. Großbritannien hatte das Land 1874 nach acht Kriegen gegen die Ashanti zur Kronkolonie erklärt. Die Briten gewährten der Bevölkerung des Landes ab der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg begrenzte politische Rechte. Zeitungen und unabhängige Schulen konnten gegründet werden. Auch die Gründung der „Convention People’s Party“ durch Kwame Nkrumah, der 1952 Premierminister des Landes wurde, war zugelassen worden. Das Amt des Premierministers war zu dieser Zeit aber lediglich auf repräsentative Aufgaben beschränkt.

Kwame Nkrumah, der das Land nach dem Vorbild sozialistischer Staaten umstrukturierte, wurde 1966 durch einen Militärputsch, der von der CIA unterstützt wurde, aus dem Amt gedrängt. In den nächsten 20 Jahren folgten weitere Putsche. In den 1980-er Jahren regierte Jerry Rawlings das Land, der durch einen Militärputsch an die Macht kam und wirtschaftsliberale Veränderungen nach den Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) durchführte. In der Medienberichterstattung wird von Ghana heute häufig das Bild eines Musterlandes hinsichtlich Demokratie und Marktwirtschaft gezeichnet, während es weiterhin Korruption, Analphabetismus und Armut gibt; etwa die Hälfte der Ghanaer leben in Armut. Weitere Probleme sind die Abhängigkeit der Wirtschaft von wenigen Primärgütern wie Kakao und Gold und die Abwanderung von Fachkräften.

Die Unabhängigkeit Ghanas hatte einen hohen symbolischen Wert, weil es das erste Land in Subsahara-Afrika war, das sich von seiner europäischen Kolonialmacht löste. Ein Sonderfall ist der Sudan, der 1956, also noch vor Ghana unabhängig wurde. Diesem Ereignis wird im Vergleich zur Unabhängigkeit Ghanas ein geringer Symbolwert zugesprochen. So erklärte Südafrikas Präsident Thabo Mbeki am 3. März dieses Jahres in einer Internetkolumne, dass die Unabhängigkeit Ghanas eine Aufmunterung für die afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen gewesen sei, die sich Kwame Nkrumahs Parole „immer vorwärts, niemals zurück“ zu eigen gemacht hätten.

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October 10, 2005

Ghana fordert Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen

Ghana fordert Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen

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Artikelstatus: Fertig 08:51, 11. Okt. 2005 (CEST)
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Accra (Ghana), 10.10.2005 – Der westafrikanische Staat Ghana leidet zunehmend unter dem Preisverfall für Agrarprodukte. Die Regierung des Staates forderte daher von der internationalen Gemeinschaft Maßnahmen gegen die vorhandenen Wettbewerbsverzerrungen.

Als ein geeignetes Instrument zur Durchführung eines fairen Welthandels sieht der Vizepräsident Ghanas, Aliu Mahama, die Einschaltung der Welthandelsorganisation WTO. Vergangenen Freitag fand in der Hauptstadt Ghanas, in Accra, ein Treffen des Ministerrates der Kakaoproduzierenden Länder (COPAL) statt. Mahama wies darauf hin, dass die Mitglieder der COPAL ihre Verhandlungsposition verbessern sollten. Dazu sei es notwendig, sich entsprechend auf den neuen Märkten in Ostasien und Osteuropa zu positionieren.

Als Vorbild nannte Mahama das südostasische Land Malaysia. Dort würden aufgrund intensiver Forschung die Früchte der Ölpalme vollständig genutzt. Er zog damit Parallelen zur Kakaopflanze. Laut Mahama könne der Kakao nicht nur zum Trinken oder zur Schokoladenherstellung verwandt werden, vielmehr müssten auch die Möglichkeiten zur Herstellung von Seife, Medizin, Dünger und vielen anderen Dingen genutzt werden. Die Herstellung dieser Produkte aus natürlichen Grundstoffen hätte gesundheitliche Vorteile gegenüber künstlichen Lebensmitteln. Besonders der Preisverfall für Kakao macht Ghana schwer zu schaffen, da er das wichtigste Exportprodukt des Landes darstellt. Daneben trifft dies auch für Holz und Mineralien zu.

Die Wirtschaftsvereinigung COPAL, gegründet im Jahr 1962, besteht aus den Ländern Brasilien, Dominikanischen Republik, Elfenbeinküste, Gabun, Ghana, Malaysia, Nigeria, Sao Tomé & Principe sowie Togo. Die Gemeinschaft dieser Länder produziert rund 75 Prozent der Kakaoernte weltweit.

Quellen

  • kleine.at: „Ghana verlangt Aktionen gegen unfairen Welthandel“ (08.10.2005, 14:45 Uhr MESZ) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar

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