WikiNews de

January 19, 2006

Doppelgrab aus der Steinzeit entdeckt

Doppelgrab aus der Steinzeit entdeckt – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Doppelgrab aus der Steinzeit entdeckt

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikelstatus: Fertig
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Karsdorf (Deutschland), 19.01.2006 – Einen Aufsehen erregenden Fund machten Archäologen in Karsdorf (Burgenlandkreis). Bei ihren Ausgrabungen stießen sie auf ein gut erhaltenes steinzeitliches Doppelgrab, in dem eine Frau und ein höchstens zehnjähriger Junge bestattet waren. Bei dem Frauenskelett fanden sich ungewöhnliche Grabbeigaben: tausende durchlöcherte Schmuckplättchen aus feinen Unstrut-Muschelplättchen und rund 300 gelochte Zähne von Hunden, Wölfen oder Füchsen. Die Forscher vermuten, dass die Plättchen als Verzierungen auf einem nicht mehr erhaltenen Umhang befestigt waren. Aus Tierzähnen wurden in der Steinzeit u.a. auch Schmuckketten gefertigt. Möglicherweise handelte es sich bei der Frau um eine ranghohe Person, beispielsweise eine Schamanin.

Vier dem Grab beigefügte Gefäße in unterschiedlicher Größe weisen die für die so genannte „schnurkeramische Epoche“ (ca. 2800 bis 2200 v. Chr.) typische Ornamentik auf, damit lässt sich für das Grab ein ungefähres Alter von 4.700 Jahren bestimmen. Die Datierung wird durch die Grablegung bestätigt; beide Toten wurden mit angezogenen Beinen, auf der Seite hockend begraben. Die Frau lag in Richtung Osten geneigt, der Junge in Richtung Westen. Die Blickrichtung der beiden zeigte nach Süden, wie bei allen Schnurkeramikern.

DNA-Analysen sollen jetzt ergeben, ob die beiden Toten Mutter und Sohn waren. Als gesichert gilt, dass sie zeitgleich gestorben sind.

Die Grabungen in der Steinzeitsiedlung bei Karsdorf laufen seit dem Jahr 2004. Eine ebenfalls außergewöhnliche Grabanlage der schnurkeramischen Epoche war erst vor wenigen Wochen im knapp 20 Kilometer entfernten Eulau, einem Ortsteil von Naumburg, ergraben worden. In zehn Kilometern Entfernung hatten im Sommer 1999 Raubgräber die so genannte „Himmelsscheibe von Nebra“ ausgegraben. Knapp 15 Kilometer entfernt befindet sich das kürzlich eröffnete „Sonnenobservatorium von Goseck“.

Die Fundstücke werden voraussichtlich ab 2007 im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) ausgestellt.

Themenverwandte Artikel

  • Uralte Steinzeit-Hüte aus Süddeutschland (12.05.2005)
  • Im Hügelgrab lagen zehn Steinzeit-Menschen (28.05.2005)
  • Steinzeit-Sonnenobservatorium wird rekonstruiert (29.05.2005)
  • Urmenschen litten unter vielen Krankheiten (23.04.2005)

Quellen

  • mainpost.de: „Archäologen entdecken 4700 Jahre altes Doppelgrab“ (09.01.2006 13:40) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar
  • glaubeaktuell.net: „Rätselhaftes 4700 Jahre altes Doppelgrab in Karsdorf entdeckt“ (10.01.2006) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

May 29, 2005

Steinzeit-Sonnenobservatorium wird rekonstruiert

Steinzeit-Sonnenobservatorium wird rekonstruiert

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche

Goseck (Deutschland), 29.05.2005 – Das 1991 beim Erkundungsflug eines Luftbildarchäologen zufällig am Ortsrand von Goseck (Landkreis Weißenfels) in Sachsen-Anhalt entdeckte älteste Sonnenobservatorium der Welt wird rekonstruiert und soll künftig als Touristenattraktion dienen. Der erste Spatenstich für diese imposante Anlage der jungsteinzeitlichen stichbandkeramischen Kultur (etwa 4.900-4.500 v. Chr.) soll am 1. Juni 2005 erfolgen. Die Kosten für die aufwändige Holzkonstruktion werden auf rund 100.000 Euro veranschlagt

Das kreisförmige Sonnenobservatorium von Goseck hat einen Durchmesser von etwa 75 Metern, besaß drei Tore und wurde von einem Erdwall und zwei jeweils schätzungsweise zwei Meter hohen Palisadenzäunen umgeben. Es liegt auf einem Plateau oberhalb des Flusstales der Saale. Untersuchungen des Astronomen Wolfhard Schlosser haben bewiesen, dass zwei südliche Tore und Zugangswege der Anlage von Goseck – vom Mittelpunkt der Anlage aus gesehen – mit einer Genauigkeit von drei bis vier Tagen auf den Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende um 4.800 v. Chr. ausgerichtet sind. Ein anderes Tor weist ziemlich genau nach Norden. Das Sonnenobservatorium bzw. Heiligtum von Goseck wurde rund 2.000 Jahre früher als die weltberühmte Steinkreisanlage Stonehenge in England errichtet. Bei Ausgrabungen in Goseck entdeckte man Keramikreste der Stichbandkeramischen Kultur, Reste eines Langhauses mit lehmverputzten Flechtwänden, zahlreiche Rinderschädel und Menschenknochen, von denen man sorgfältig das Fleisch abgeschabt hatte. Die erwähnten Menschenknochen deuten auf blutige Menschenopfer oder geheimnisvolle Begräbnisrituale hin. In der Religion der stichbandkeramischen Ackerbauern und Viehzüchter spielten kreisrunde Plätze mit Durchmessern von 60 bis 150 Metern, die von einem Graben oder zwei Gräben umgeben waren, eine wichtige, aber in Einzelheiten noch ungeklärte Rolle. Solche Erdwerke oder Grabenrondelle wurden häufig von in allen vier Himmelsrichtungen liegenden Erdbrücken unterbrochen, über die man Zugang zum Inneren dieser imposanten Anlagen hatte. Stichbandkeramische Grabenanlagen kennt man aus Tschechien (Mähren), Niederösterreich, Bayern und Sachsen-Anhalt. Ihre Funktion als Schauplatz von Kulthandlungen ist durch Funde tönerner Menschenfiguren im Innern solcher Anlagen in Mähren und Niederösterreich gesichert. Deshalb spricht man von Tempelanlagen unter freiem Himmel. Als ein den Stichbandkeramikern zugeschriebenes Heiligtum gilt auch die Anlage bei Quenstedt (Kreis Hettstedt) in Sachsen-Anhalt. Dieses auf einem Bergsporn namens Schalkenburg angelegte Heiligtum besaß fünf im Abstand von wenigen Metern hintereinander gestaffelte, im Grundriss eiförmige Palisadenringe. Der äußerste Palisadenring hatte einen Durchmesser von etwa 90 bis 100 Metern, der innerste etwa von 35 Metern. Dieses Ringpalisadensystem wurde durch drei Durchlässe unterbrochen. Der Bau des Heiligtums auf der Schalkenburg stellte eine faszinierende Gemeinschaftsleistung dar. Denn für die fünf Palisadenringe musste man schätzungsweise etwa 5.000 Baumstämme mit einem Durchmesser von 10 bis 20 Zentimetern fällen – und dies mit einfachen Steingeräten. Hinzu kamen das Ausheben des Grabens, in den die Palisaden gestellt wurden, sowie dessen Auffüllung. Solche Mühen nahm man wohl nur auf sich, weil eine eindrucksvolle Idee damit verbunden war.

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.