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December 8, 2010

Elfenbeinküste: Menschen fliehen vor drohender Gewalt

Elfenbeinküste: Menschen fliehen vor drohender Gewalt

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Veröffentlicht: 13:58, 8. Dez. 2010 (CET)
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Lage des Staates „Elfenbeinküste“

Abidjan (Elfenbeinküste), 08.12.2010 – Nach der Präsidentschaftswahl Ende November spitzt sich die Staatskrise in dem westafrikanischen Land Elfenbeinküste weiter zu. Die Menschen flüchten zu Hunderten aus dem Land. Sie fürchten die weitere Eskalation der Gewalt zwischen den rivalisierenden politischen Kräften des Landes.

Die Stichwahl vom 28. November hatte laut amtlicher Wahlkommission der Oppositionsführer Alassane Ouattara gewonnen. Er erhielt nach den offiziellen Zahlen 54,1 Prozent der Stimmen. Der zum Zeitpunkt der Wahl amtierende Präsident des Landes, Laurent Gbagbo, hatte das Wahlergebnis jedoch nicht anerkannt. Beide politischen Führer ließen sich am Wochenende vereidigen und beanspruchen das Präsidentenamt für sich. Außerdem beriefen sie jeweils die Minister einer neuen Regierung, so dass das Land zurzeit zwei Regierungen hat. Vermittlungsbemühungen des ehemaligen Präsidenten Südafrikas, Thabo Mbeki, waren vor drei Tagen gescheitert.

Auch die UNO begann mit der Evakuierung ihrer Mitarbeiter in die Nachbarländer. Die 10.000 Soldaten starke Blauhelmtruppe (Opération des Nations Unies en Côte d’Ivoire, UNOCI) soll jedoch im Land bleiben. Die UNO hatte offiziell Ouattara als Wahlsieger anerkannt.

Da Ouattara vor allem im einstigen Rebellengebiet im Norden des Landes die Unterstützung der Bevölkerung genießt und der ehemalige Rebellenführer Guillaume Soro in dem von Ouattara ernannten Kabinett zum Ministerpräsidenten ernannt wurde, halten es Beobachter für möglich, dass es zur Wiederaufnahme von Kampfhandlungen durch die Rebellen des Nordens kommen könnte, wenn Gbagbo den Wahlsieg seines Kontrahenten nicht anerkennen sollte. Beobachter ziehen auch in Betracht, dass Milizen im Nachbarland Liberia in den Machtkampf hineingezogenen werden könnten. Nach Angaben des liberianischen Informationsministers Cletus Sieh sei es bereits zu Gesprächsversuchen zwischen ivorischen Politikern und ehemaligen liberianischen Warlords gekommen.

Auf diplomatischer Ebene hat die Weigerung Gbagbos zur Suspendierung der Elfenbeinküste aus der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft geführt. Bei dem Treffen in Nigeria wurde Ouattara als neuer Präsident der Elfenbeiküste anerkannt und der bisherige Amtsinhaber Gbagbo aufgefordert, augenblicklich die Macht abzugeben. Unterdessen gerieten Russland und die Vereinigten Staaten in Streit darüber, ob das Mandat der Vereinten Nationen ausreiche, Ouattara zum Wahlsieger zu erklären. Russland „blockiere“ eine dementsprechende Erklärung des UN-Sicherheitsrates, hieß es aus Kreisen von US-Diplomaten in New York City. Die UN-Botschafterin der Vereinigten Staaten, Susan Rice verteidigte eine solche Initiative. Der Friedensvertrag von 2002 habe UNOCI beauftragt, das Wahlergebnis zu bestätigen. „Dies ist ein wichtiger Moment für den Sicherheitsrat. Die Ergebnisse sind bekannt, die Fakten klar, und es ist notwendig, diese zu bestätigen und zu akzeptieren“, sagte Rice.

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May 20, 2008

Südafrika: Fremdenfeindliche Banden machen Jagd auf Immigranten

Südafrika: Fremdenfeindliche Banden machen Jagd auf Immigranten

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Veröffentlicht: 23:08, 20. Mai 2008 (CEST)
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Blick auf ein Township (hier: Soweto, Archivaufnahme)

Johannesburg (Südafrika), 20.05.2008 – Die Republik Südafrika erlebt eine Welle ausländerfeindlicher Gewalt. Die Zahl der Toten durch fremdenfeindliche Übergriffe bewaffneter Banden ist inzwischen auf 24 gestiegen. Ziel der Attacken sind vor allem Immigranten aus Simbabwe, Mosambik und Malawi. Der fremdenfeindliche Mob tobt vor allem in den Armenvierteln von Johannesburg. Bis zu zehntausend Immigranten aus Nachbarstaaten Südafrikas sind auf der Flucht vor den Mörderbanden; sie versuchen in Kirchen und öffentlichen Gebäuden Schutz vor der Gewalt zu finden. Der Präsident Südafrikas, Thabo Mbeki, forderte in einem Appell an seine Landsleute ein Ende der Gewalt: „Als Südafrikaner müssen wir begreifen und vollends würdigen, dass wir mit anderen Afrikanern durch Geschichte, Kultur, Wirtschaft und vor allem durch das Schicksal verbunden sind.“

Die größte Gruppe von Immigranten sind die rund drei Millionen Flüchtlinge aus Simbabwe, die nach Südafrika gekommen sind, um der Armut durch den wirtschaftlichen Niedergang in ihrer Heimat zu entfliehen.

Knapp 300 Personen wurden seit Beginn der Ausschreitungen vor einer Woche im Township Alexandra von der südafrikanischen Polizei inzwischen festgenommen. Während die Polizei behauptet, die Lage unter Kontrolle zu haben, fordert die Menschenrechtskommission Südafrikas den Einsatz der Armee gegen die fremdenfeindliche Gewalt.

Sicherheitsminister Charles Nqakula kündigte ein entschlossenes Vorgehen der Polizei gegen die militanten Banden an. Die Zahl der im Einsatz stehenden Polizeikräfte wurde erhöht; Polizeistreifen in besonders gefährdeten Gebieten wurden verstärkt. Auch der Nationale Geheimdienst soll mit der Ermittlung der Drahtzieher der Gewalttaten befasst sein, wie südafrikanische Medien berichteten. Der Geheimdienst vermutet eine organisierende Kraft hinter den fremdenfeindlichen Bluttaten.

Das südafrikanische „Institut für Rassenbeziehungen“ teilte mit, die gegenwärtige Welle der Gewalt sei eine direkte Folge der verfehlten Politik unter Präsident Mbeki. Verschiedene Verfehlungen wirft das Institut der Regierung unter Mbeki vor. An erster Stelle wird ein Versagen der Strafverfolgungsbehörden genannt, durch das ein Klima der Rechtlosigkeit entstanden sei, in dem Gewalt und Verbrechen sich relativ ungestört, ohne Bestrafung befürchten zu müssen, entfalten konnten. Ursache sei ein völliges Versagen der Polizei; diese sei bis hinauf in die höchsten Ränge durch Korruption gelähmt – eine Korruption, die auch die übrigen Staatsorgane auf allen Ebenen ergriffen habe. Hinzu komme ein Versagen des Grenzregiments, das unkontrollierte illegale Einwanderung in großem Umfang ermögliche. Südafrika verfolgt zudem eine sehr freizügige Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik. Gleichzeitig habe die Arbeitslosigkeit dem Institut zufolge in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Sie liege jetzt bei 40 Prozent. Unter jungen Schwarzafrikanern liegt die Arbeitslosigkeit sogar bei rund 50 Prozent. Das Versagen der Regierung in allen Bereichen werde nur noch von dem politischen Versagen im Bereich des Bildungswesen übertroffen, so das Institut weiter. Seit den Tagen der Apartheid hat sich die Lage der Schwarzen in dieser Hinsicht kaum verbessert. Der Anteil der schwarzafrikanischen Bevölkerung an den Hochschulabschlüssen ist verschwindend gering. Gleichzeitig warnt das Institut vor dem Einsatz des Militärs in der gegenwärtigen Situation. Die Soldaten seien schlecht ausgebildet und wären mit einem Einsatz gegen den randalierenden Mob in den Vororten von Johannesburg völlig überfordert. Es bestehe ein großes Risiko, dass Soldaten in Ermangelung an Handlungsalternativen in eine aufgebrachte Menge mit scharfer Munition hineinschießen könnten. Durch solch einen Vorfall könnte es zu landesweiten Unruhen kommen, befürchtet das Institut. Das Institut spricht außerdem von der Gefahr, die von einem seit Jahren latenten schwarz-schwarzen Rassismus ausgehe und der jetzt zum Ausbruch komme.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Südafrika

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March 6, 2007

Ghana feiert 50 Jahre Unabhängigkeit

Ghana feiert 50 Jahre Unabhängigkeit – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Ghana feiert 50 Jahre Unabhängigkeit

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Artikelstatus: Fertig 18:13, 6. Mär. 2007 (CET)
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Accra (Ghana), 06.03.2007 – Heute vor 50 Jahren wurde Ghana von der britischen Kolonialmacht unabhängig. An diesem historischen Datum erreichen die Feierlichkeiten im Unabhängigkeitsjahr ihren Höhepunkt. In der gestrigen Nacht versammelten sich Tausende auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum der Hauptstadt Accra, wo die Ausrufung der Unabhängigkeit feierlich wiederholt wurde und zum genauen Zeitpunkt des goldenen Jubiläums ein Feuerwerk entzündet wurde. Das ganze Jahr hindurch werden in allen Teilen des Landes Veranstaltungen zur Erinnerung an das geschichtliche Ereignis stattfinden.

Die Flagge Ghanas

An den Festlichkeiten in Ghana nehmen mehr als 20 Staats- und Regierungschefs teil, unter ihnen Thabo Mbeki, der Staatspräsident Südafrikas, Robert Mugabe, der Präsident Simbawes, und der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo. Als Vertreter der ehemaligen Kolonialmacht reiste der Herzog von Kent zu den Feiern. Der ehemalige ghanaische Präsident Jerry Rawlings boykottiert den Festakt „BBC News“ zufolge. Auch bekannte Persönlichkeiten wie der ehemalige brasilianische Fußballspieler Pelé und der Sänger Stevie Wonder sind bei den Jubiläumsfeiern anwesend. Stevie Wonder wird seinen ursprünglich Martin Luther King gewidmeten Song „Happy Birthday“ in einer speziellen Version für Ghana vortragen. Außerdem wird es Lesungen und eine Parade geben. Am heutigen Nachmittag wird in den Straßen des Landes weiter gefeiert werden. Laut „allAfrica.com“ wird an einem Veranstaltungsort ein 380-Meter langer Tisch aufgebaut, auf dem mehr als 450 Speisen aus allen zehn Regionen des Landes Platz finden sollen. Im ganzen Land wurde die rot-gelb-grüne Landesfahne gehisst.

Die Feiern wurden in Ghana wegen ihrer Kosten kritisiert. Die Regierung verwendet für das zwölfmonatige Festprogramm mit dem Motto „Afrikas Vorzüglichkeit verfechten“ über 12,5 Millionen Euro. Vorwürfen, man hätte das Geld besser investieren können, begegnet die Regierung mit dem Argument, es werde keine ganzjährige protzerische Party geben. Stattdessen würden Einrichtungen und Projekte finanziert, die auch in Zukunft wichtig für die Würde und den Fortschritt des Landes seien. Die größte Oppositionspartei, der „National Democratic Congress (NDC)“, und die „Convention People’s Party“ haben sich im Vorfeld darüber beschwert, nicht in die Planungen für die Feiern einbezogen worden zu sein. Oboshie Sai Cofie, die Informationsministerin Ghanas, entgegnete dem in einem Interview mit „Voice of America“, sie glaube, ein derartiges Programm müsse von der Regierung geplant werden.

Denkmal für Kwame Nkrumah in Accra

Großbritannien übergab am 5. März 1957 nach 80 Jahren Kolonialherrschaft die Macht formell an den Führer der friedlichen ghanaischen Unabhängigkeitsbewegung, Kwame Nkrumah. Um Mitternacht wurde der Union Jack auf dem alten Poloplatz eingeholt, bevor die ghanaische Flagge begleitet vom Schlagen der Kirchenglocken feierlich gehisst wurde. Am 6. März hielt Kwame Nkrumah in seiner Funktion als erster Ministerpräsident des unabhängigen Ghanas eine Rede, in der er sagte: „Der Kampf ist nun endlich zu Ende. Und Ghana, eure geliebte Heimat, ist frei für immer.“ Im Zuge der Dekolonialisierung legte das westafrikanische Land den Namen „Goldküste“ ab und benannte sich nach dem alten Reich von Ghana. Großbritannien hatte das Land 1874 nach acht Kriegen gegen die Ashanti zur Kronkolonie erklärt. Die Briten gewährten der Bevölkerung des Landes ab der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg begrenzte politische Rechte. Zeitungen und unabhängige Schulen konnten gegründet werden. Auch die Gründung der „Convention People’s Party“ durch Kwame Nkrumah, der 1952 Premierminister des Landes wurde, war zugelassen worden. Das Amt des Premierministers war zu dieser Zeit aber lediglich auf repräsentative Aufgaben beschränkt.

Kwame Nkrumah, der das Land nach dem Vorbild sozialistischer Staaten umstrukturierte, wurde 1966 durch einen Militärputsch, der von der CIA unterstützt wurde, aus dem Amt gedrängt. In den nächsten 20 Jahren folgten weitere Putsche. In den 1980-er Jahren regierte Jerry Rawlings das Land, der durch einen Militärputsch an die Macht kam und wirtschaftsliberale Veränderungen nach den Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) durchführte. In der Medienberichterstattung wird von Ghana heute häufig das Bild eines Musterlandes hinsichtlich Demokratie und Marktwirtschaft gezeichnet, während es weiterhin Korruption, Analphabetismus und Armut gibt; etwa die Hälfte der Ghanaer leben in Armut. Weitere Probleme sind die Abhängigkeit der Wirtschaft von wenigen Primärgütern wie Kakao und Gold und die Abwanderung von Fachkräften.

Die Unabhängigkeit Ghanas hatte einen hohen symbolischen Wert, weil es das erste Land in Subsahara-Afrika war, das sich von seiner europäischen Kolonialmacht löste. Ein Sonderfall ist der Sudan, der 1956, also noch vor Ghana unabhängig wurde. Diesem Ereignis wird im Vergleich zur Unabhängigkeit Ghanas ein geringer Symbolwert zugesprochen. So erklärte Südafrikas Präsident Thabo Mbeki am 3. März dieses Jahres in einer Internetkolumne, dass die Unabhängigkeit Ghanas eine Aufmunterung für die afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen gewesen sei, die sich Kwame Nkrumahs Parole „immer vorwärts, niemals zurück“ zu eigen gemacht hätten.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Afrika

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November 10, 2005

Größtes Teleskop der Südhalbkugel eingeweiht

Größtes Teleskop der Südhalbkugel eingeweiht

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Kapstadt (Südafrika), 10.11.2005 – In Südafrika ist heute das bislang größte Teleskop der südlichen Erdhalbkugel eingeweiht worden. Das „Southern African Large Telescope“ (SALT) hat einen Spiegel in Wabenform mit einem Durchmesser von elf Metern.

Bei strahlend blauem Himmel konnte heute der südafrikanische Staatspräsident Thabo Mbeki ein technisches Meisterstück der Öffentlichkeit übergeben. Im kleinen Örtchen Sutherland, 350 Kilometer nordöstlich von Kapstadt, fand die Einweihung des 24,6 Millionen Euro teuren und 82 Tonnen schweren astronomischen Instruments statt. Sein Spiegel besteht aus 91 kleineren Spiegeln in Wabenform.

Astronomen bestätigten bereits, dass Südafrika mit SALT seinem Ziel nahekommt, ein erstklassiges Forschungsland zu werden. Das Teleskop soll aktuelle Fragen zur Entstehung von Planetensystemen, schwarzen Löchern und dem Weltall allgemein beantworten helfen.

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October 8, 2005

Elfenbeinküste: Trotz Wahlabsage bleibt Staatspräsident Gbagbo im Amt

Elfenbeinküste: Trotz Wahlabsage bleibt Staatspräsident Gbagbo im Amt

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Lage der Elfenbeinküste (Cote d’Ivoire)

Abidjan (Elfenbeinküste) / Addis Abeba (Äthiopien), 08.10.2005 – Ende September 2005 hatte Laurent Gbagbo, Staatspräsident des westafrikanischen Landes Elfenbeinküste (Cote d’Ivoire), die für Oktober geplanten Wahlen abgesagt.

Er begründete die Absage mit Aktivitäten einer Rebellengruppe im Norden des Landes, die bis zu diesem Zeitpunkt ihre Waffen nicht abgegeben hatte. Es handelt sich dabei um die Rebellenorganisation FN („Neue Kräfte“). Im September 2002 hatte diese Gruppe einen Putsch gegen Gbagbo unternommen. Nach dem anschließenden Bürgerkrieg wurde der Norden des Landes von den Rebellen kontrolliert. Das Land war somit zweigeteilt. Seitdem wird das Land, in dem immer wieder Waffen eingesetzt werden, von rund 10.000 Soldaten überwacht. 4.000 Mann gehören der Armee der früheren Kolonialmacht Frankreich an, rund 6.000 der UNOCI im Rahmen der UN-Mission für die Elfenbeinküste. Insgesamt ist durch diese Machtverteilung die Lage innerhalb des Landes angespannt. Präsident Gbagbo hat nur noch die Kontrolle über den Süden des Landes. Zu einer kommenden Wahl sagte Gbagbo: „Vor dem Stattfinden der Wahl muss es eine Entwaffnung geben. Unsere Verfassung lässt die Abhaltung von Wahlen jeglicher Art nicht zu, wenn die Einheit des Staates bedroht ist.“ Falls die FN jedoch ihre Waffen sofort abliefere, könnten laut Gbagbo die Wahlen etwa Ende des Jahres stattfinden.

Nach dem geltenden Verfassungsrecht der Elfenbeinküste kann Gbagbo auch nach dem geplanten Wahltermin, dem 30. Oktober, an der Spitze des Staates verbleiben. Heute hat die Afrikanische Union (AU) mit Sitz in Addis Abeba diese Entscheidung bestätigt. Demnach darf Gbagbo ein weiteres Jahr regieren.

Thabo Mbeki

Als Vermittler zwischen der Elfenbeinküste und der AU trat bisher der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki auf. Seine Rolle wurde gleichzeitig mit der Bekanntgabe der heutigen Entscheidung eingeschränkt. Nach Angaben der AU wird künftig ein internationales Team zwischen den beiden Parteien, der Regierung in Abidjan sowie den Rebellen, vermitteln. Die FN hatte bereits angekündigt, die Wahlen boykottieren zu wollen. Sie bemängelt das Fehlen korrekter Wählerlisten, und sie lehnt Mbeki als Vertrauensperson zur Vermittlung ab. Mbeki hatte Gbagbo unterstützt, indem er eine Gesetzesänderung gutgeheißen hatte, durch die viele Bürger des nördlichen Landesteils kein Wahlrecht mehr haben.

Ein im April zwischen Gbagbo und der FN unterschriebenes Friedensabkommem wurde von beiden Seiten nicht eingehalten, gegenseitige Schuldzuweisungen sind die Folge. Die FN sowie die Oppositionsparteien forderten den Rücktritt Gbagos sowie die Bildung einer Übergangsregierung. Nach Gbagbos Meinung sei eine Übergangsregierung jedoch verfassungswidrig. Er lehnte das Ansinnen daher ab. Gbagbo sieht in der Forderung einen Vorwand, um ihn aus dem Amt zu bekommen. Er beruft sich auf die letzten Wahlen und gibt vor, auf Wunsch der Bürger an die Macht gekommen zu sein.

Um einer humanitären Katastrophe im Lande zu entrinnen, riefen der UNO-Präsident sowie der Vorsitzende der AU zu dringenden Maßnahmen auf. Sie forderten die sofortige Entwaffnung der FN.

Quellen

  • DerStandard.at: „Cote d’Ivoire: Präsident Gbagbo bleibt nach abgesagter Wahl im Amt“ (8. Oktober 2005, 16:09 Uhr) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar
  • KleineZeitung.at: „Präsident sagt Wahlen in Cote d’Ivoire ab“ (28.09.2005, 02:38 Uhr}) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar
  • Weltalmanach.de: „Konflikte: Friedensmission UNOCI“ (27.02.2004)

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July 11, 2005

Hoffnung für den Sudan: Ehemaliger Rebell als Vize-Präsident vereidigt

Hoffnung für den Sudan: Ehemaliger Rebell als Vize-Präsident vereidigt

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Artikelstatus: Fertig 11. Jul. 2005 (CEST)
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Flagge Sudans

Khartum (Sudan), 11.07.2005 – Die Vereidigung des neuen Vize-Präsidenten des Sudan, des früheren Anführers des aufständischen Südens, John Garang, eröffnet für das von einem zwanzigjährigen Bürgerkrieg geschundene Land eine neue politische Ära.

Die Vereidigung Garangs ist Ausdruck eines politischen Kompromisses mit dem aufständischen Süden des Landes. Hauptstreitpunkt waren die religiösen Differenzen und der Streit um die Einkommen aus dem Erdölgeschäft. Nach dem Versuch im Süden das islamische Gesetz, die Scharia (شريعة), einzuführen, waren Kämpfe ausgebrochen, die zu über zwei Millionen Toten geführt und über vier Millionen zum Verlassen ihrer Heimat getrieben hatte. Durch das Friedensabkommen, das durch die Wahl des einstigen politischen Gegners zum Vizepräsidenten besiegelt wurde, werden die Einkommen aus der Erdölförderung geteilt. Der neue Vizepräsident wird gleichzeitig Präsident der Südregion. Ihm wurde auch ein Vetorecht bei allen Beschlüssen eingeräumt, die der sudanesische Präsident erlässt. Die Friedenshoffnungen gründen sich vor allem auf das hohe Ansehen, dass der einstige Rebellenführer bei den oppositionellen Kräften genießt.

Staatschef Omar El Bashir hieß gestern seinen ehemaligen Gegner nach dessen Rückkehr aus dem Exil willkommen. Dieser war gestern unter dem Jubel von hundertausenden seiner Anhänger empfangen worden.

Bei der feierlichen Vereidigung waren auch zahlreiche namhafte Repräsentanten afrikanischer Länder anwesend, darunter auch der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki.

Bereits am Mittwoch hatte das sudanesische Parlament eine neue Verfassung verabschiedet, die für zunächst sechs Jahre gelten soll. Danach erhält der neue Vizepräsident weitreichende Vollmachten. Menschenrechtsorganisationen kritisieren jedoch, dass auch nach der neuen Verfassung Amputationen, Auspeitschen und die Todesstrafe als Strafen zugelassen bleiben.

Reguläre Neuwahlen des Parlaments sind für das Jahr 2008 geplant.

Themenverwandte Artikel

  • Vize-Präsident des Sudan bei Hubschrauberabsturz getötet (01.08.2005)

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March 31, 2005

Parlamentswahlen 2005 in Simbabwe

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Parlamentswahlen 2005 in Simbabwe

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Simbabwe

Harare (Simbabwe), 31.03.2005 – Am heutigen Donnerstag haben in Simbabwe die Parlamentswahlen begonnen.

5,8 Millionen Wahlberechtigte der insgesamt zwölf Millionen Einwohner Simbabwes sind aufgerufen, mit ihrer Wahl in mehr als 8.000 Wahllokalen über die künftige Besetzung von 120 der 150 Parlamentssitze zu entscheiden. Weitere 30 Sitze fallen automatisch an die Regierungspartei ZANU-PF von Präsident Robert Mugabe. Sowohl die Oppositionsparteien in Simbabwe als auch ausländische Regierungen und Organisationen haben den Ablauf der Wahl im Vorfeld scharf kritisiert. Massive Wahlfälschungen zugunsten der ZANU-PF werden befürchtet. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki hofft dagegen auf freie und faire Wahlen. Auch bei den letzten Wahlen 2000 und 2002 monierten internationale Beobachter Unregelmäßigkeiten beim Wahlablauf. Die Europäische Union droht im Falle erneuter Wahlmanipulationen mit Sanktionen.

Aus Simbabwe wird berichtet, dass ein Kandidat der Opposition verschwunden sei, nachdem er telefonisch über einen Angriff auf ihn berichtet hatte. In Außenbezirken der Hauptstadt patrouillieren vereinzelte Polizeistreifen, größere Unruhen blieben bislang aus. Auch im Wahlkampf habe es weniger Einschüchterung der Oppositionskandidaten gegeben. Kundgebungen der Opposition seien nicht gestört worden.

Als stärkster Herausforderer der Regierungspartei gilt die Oppositionsbewergung Movement for Democratic Change (MDC). Präsident Mugabe spricht im Zusammenhang mit der MDC von „Marionetten des Westens’“.

Oppositionsparteien und ausländische Organisationen werfen Mugabe die Einschüchterung der Opposition und die Zensur der Medien vor. Der ehemalige Unabhängigkeitskämpfer regiert das Land, seit dessen Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht 1980.

Simbabwe befindet sich in einer wirtschaftlich desolaten Situation. Die Nahrungsmittel sind knapp, unter anderem wegen einer schlechten Ernte und weil Hilfslieferungen ausländischer Organisationen von der Regierung seit letztem Frühjahr untersagt werden.

Themenverwandte Artikel

  • Simbabwe: Erzbischof ruft zu Revolte gegen Mugabe auf (28.03.2005)
  • Simbabwe: Mugabes Regierungspartei erreicht Zweidrittelmehrheit (02.04.2005)

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