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August 17, 2014

Bahnlinie Lhasa–Xigazê eröffnet

Bahnlinie Lhasa–Xigazê eröffnet – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Bahnlinie Lhasa–Xigazê eröffnet

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Veröffentlicht: 18.08.2014, 08:20 (CEST)
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HX-N3-Lokomotive bei Huairou

Lhasa (China), 17.08.2014 – Am 16. August wurde mit der Verbindung Lhasa–Xigazê die zweite Bahnlinie in Tibet eröffnet. Xigazê ist die zweitgrößte Stadt in Tibet. Die Eröffnung der Bahnstrecke gilt als wichtiger Schritt zur wirtschaftlichen Entwicklung und wird auch Auswirkungen auf die soziale Entwicklung der Region haben. Der Tourismus wird durch die neue Strecke neuen Auftrieb erhalten, was eine Stärkung der lokalen Wirtschaft erwarten lässt, gleichzeitig wird aber auch der Zufluss von Han-Chinesen wachsen. Es ist anzunehmen, dass die Spannungen zwischen Tibetern und Han-Chinesen damit zunehmen werden.

Bahnhofshalle in Lhasa (Archivbild 2006)

Die Bahnstrecke ist 251 Kilometer lang, sie halbiert die Fahrtzeit zwischen den beiden Städten von vier Stunden auf der Straße auf zwei Stunden. Auf der Bahnstrecke gibt es insgesamt 14 Bahnhöfe. Die neue Strecke bringt die Gesamtlänge der Eisenbahn in Tibet nun auf 802 Kilometer.

Mit dem Bau der neuen Bahnlinie wurde 2010 begonnen. Der Streckenverlauf stellte die Konstrukteure vor große Herausforderungen. Die Linie verläuft auf einer Höhe von mehr als 4.000 Metern, was zu klimatisch sehr schwierigen Bedingungen führt; dann führt die Strecke unter anderem durch den 60 Kilometer langen Yarlung-Zangbo-Canyon, wo es verschiedene heiße Quellen gibt, die auch das umgebende Gestein erwärmen und die Bauarbeiten durch einen besonderen Mangel an Sauerstoff erschwerten. Um den Wildtieren nicht ihre angestammten Wege zu verstellen, wurden weite Streckenabschnitte aufgeständert. Die Bau-Umstände sowie die insgesamt 116 Brücken und 29 Tunnel haben die Eisenbahnstrecke mit Kosten von 50.000 RMB – das entspricht derzeit etwa 6.000 Euro – pro Meter zur teuersten Eisenbahnstrecke Chinas gemacht.

Auf der Strecke wird eine überabeitete Version der HX-N3-Diesellokomotiven zum Einsatz kommen. Die Zugmaschinen werden sowohl im Personen- als auch im Gütertransport eingesetzt und sind die ersten Loks, die allein aus chinesischer Produktion stammen und unter diesen Bedingungen zum Einsatz kommen werden. Auf dem Abschnitt der Qinghai-Tibet-Bahn, der von Golmud nach Lhasa durch ein ähnlich anspruchvolles Gebiet führt, werden bisher Lokomotiven des Typs 78NJ2 genutzt, die in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Firma GE Transportations Systems gebaut werden.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Neue Eisenbahnstrecke verbindet Tibet erstmals mit den Nachbarländern (15.04.2006)
  • Längster Eisenbahntunnel Indiens eröffnet (27.06.2013)

Quellen[Bearbeiten]

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April 29, 2008

Tibetkonflikt: Volksgericht verhängt Haftstrafen wegen Beteiligung an Aufruhr

Tibetkonflikt: Volksgericht verhängt Haftstrafen wegen Beteiligung an Aufruhr

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Veröffentlicht: 20:51, 29. Apr. 2008 (CEST)
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Lhasa (Volksrepublik China), 29.04.2008 – Ein chinesischer Volksgerichtshof verhängte heute weitere zum Teil langjährige Haftstrafen gegen Beteiligte an den anti-chinesischen Protesten vom 14. März des Jahres. Damit steigt die Zahl der wegen gewaltsamer Ausschreitungen im Zusammenhang mit diesen Protesten Verurteilten auf insgesamt 30, meldet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Das Strafmaß der verhängten Strafen bewegt sich dabei zwischen drei Jahren und lebenslänglich. Ein Mönch namens Basang wurde zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Der tibetische Mönch aus dem Kreis Doilungdêqên in Tibet soll zehn weitere Menschen, darunter fünf Mönche dazu angestiftet haben, den Sitz der Lokalregierung zu zerstören sowie elf Geschäfte niederzubrennen oder kaputt zu schlagen. Außerdem sollen Polizisten auf sein Geheiß angegriffen worden sein. Zwei der beteiligten Mönche seien zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden, die anderen drei erhielten eine Strafe von 15 Jahren Gefängnis.

Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur sind bei den Unruhen im März in Lhasa fünf Krankenhäuser und 120 Häuser angezündet worden. 908 Geschäfte wurden demzufolge geplündert. Den Gesamtschaden beziffert die Nachrichtenagentur auf 244 Millionen Yuan oder 35 Millionen US-Dollar.

Bei den gewaltsamen Demonstrationen waren über tausend Menschen festgenommen worden (nach chinesischen Angaben gab es nur 400 Festnahmen). Das harte Vorgehen der chinesischen Behörden hatte zu weltweiten Protesten geführt. Bei dem internationalen olympischen Fackellauf war es zu zahlreichen anti-chinesischen Störaktionen von Exiltibetern und anderen gekommen.

Die Hoffnungen auf Aufnahme eines Dialogs zwischen der chinesischen Führung und dem religiösen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, bestätigten sich bisher nicht. Nach der Ankündigung einer Dialogbereitschaft von chinesischer Seite gibt es bisher keinerlei zeitliche Festlegungen für ein entsprechendes Gespräch. Am letzten Freitag hatte Xinhua gemeldet, es werde „in den nächsten Tagen Kontakt und Konsultationen mit dem privaten Vertreter“ aufgenommen. Die Angriffe auf den Dalai Lama, der in den chinesischen Medien immer als Führer der „Dalai Clique“ bezeichnet wird, wurden in den chinesischen Medien weiter fortgesetzt. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Jiang Yu, sagte heute: „Wir hoffen, der Dalai Lama und seine Anhänger werden diese Gelegenheit wertschätzen [und] in Anbetracht der Situation ihre Position verändern und konkrete Schritte unternehmen gewaltsame Verbrechen und andere Aktivitäten zu stoppen, die auf die Störung der Olympischen Spiele in Peking und die Spaltung des Vaterlandes abzielen um Bedingungen für weitere Konsultationen zu schaffen […].“ Die tibetische Exilregierung wies die Anschuldigungen der chinesischen Führung in Bezug auf die Haltung des Dalai Lama zu den Olympischen Spielen zurück. „Wir sabotieren die Spiele nicht“, sagte ein Sprecher des Dalai Lama. Im Gegenteil sei der Dalai Lama der Meinung, China verdiene diese Spiele.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Tibet

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March 30, 2008

Erneut Proteste in Tibet – Klöster abgeriegelt

Erneut Proteste in Tibet – Klöster abgeriegelt

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Veröffentlicht: 13:27, 30. Mär. 2008 (CEST)
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Jokhang-Kloster in Lhasa

Lhasa (Volksrepublik China), 30.03.2008 – Angaben der tibetischen Exilregierung in Indien zufolge fanden gestern in Tibet erneut Massendemonstrationen statt, die von den Klöstern in Lhasa ausgingen. Demzufolge sollen sich am Samstag gegen 14 Uhr (Ortszeit Tibet) in der Nähe des Ramoqê-Tempels und des Jokhang-Klosters in der Altstadt von Lhasa Menschen versammelt haben, die dann zu einer Demonstration aufbrachen. Innerhalb kürzester Zeit sollen sich dann tausende (nach anderen Quellen mehrere hundert) Menschen dem Zug angeschlossen haben. Anderen Berichten zufolge sollen die genannten Klöster sowie Teile der Altstadt Lhasas danach von Polizeikräften abgeriegelt worden sein.

Journalisten haben zurzeit große Schwierigkeiten, an neutrale Informationen über die Situation in Tibet zu gelangen, weil die chinesische Regierung eine Berichterstattung aus der Region durch die Sperrung der gesamten Region für Ausländer erschwert. Die vorhandenen Quellen von Exil-Tibetern sind nur schwer oder gar nicht nachprüfbar.

Am 29. März wurde der Presseagentur UPI zufolge einer Gruppe von ausländischen Diplomaten in Begleitung chinesischer Behördenvertreter erlaubt, Tibet zu bereisen. Am 27. März war ausgewählten Journalisten auch eine geführte Besichtigung von Lhasa erlaubt worden. Dabei war es einer Gruppe von 30 Mönchen gelungen, zu den Journalisten vorzudringen. Sie beklagten sich über die Unterdrückung ihrer Religion. Die chinesischen Behörden wollten, so die Internationale Kampagne zur Rettung Tibets, durch diese Besichtigung Lhasas nachweisen, dass die Lage unter Kontrolle sei. Den Angaben der Organisation zufolge sollen einige Klöster buddhistischer Mönche im Zentrum Lhasas von der Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln abgeschnitten sein.

Das religiöse Oberhaupt der Tibeter, der im Exil lebende Dalai Lama, klagte die chinesische Regierung gestern erneut des „kulturellen Völkermords“ an. Durch die gezielte Ansiedlung von Chinesen in Tibet sollten die Tibeter in ihrem eigenen Land zur Minderheit gemacht werden. In der tibetischen Hauptstadt Lhasa lebten seinen Angaben zufolge zurzeit 100.000 Tibeter, aber doppelt so viele Chinesen. Für die Zeit nach den Olympischen Sommerspielen in Peking erwarte er eine Umsiedlung von einer weiteren Million Chinesen nach Tibet.

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March 17, 2008

Gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Tibet befürchtet

Gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Tibet befürchtet

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Veröffentlicht: 19:27, 17. Mär. 2008 (CET)
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Lage der tibetischen Provinzhauptstadt Lhasa

Lhasa (Volksrepublik China), 17.03.2008 – Mit wachsender Besorgnis reagierte heute die internationale Öffentlichkeit auf die Eskalation der Lage in Tibet. Während sich die Proteste der nicht-chinesischen Bevölkerung gegen die Vormacht der chinesischen Zentralregierung ausweiteten, verdichten sich die Anzeichen, dass die chinesische Regierung eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste vorbereitet. Ausländer und Angehörige von Hilfsorganisationen wurden gestern nach Angaben eines Mitarbeiters einer europäischen Nichtregierungsorganisation (NGO) gegenüber dem „Tagesspiegel“ von den Behörden angewiesen, die tibetische Hauptstadt Lhasa bis spätestens Montag zu verlassen. Der Präsident der autonomen Region Tibet, Qiangba Puncog, wies jedoch die Darstellung zurück, die Ausländer seien zum Verlassen des Landes gezwungen worden. Ausländern sei angesichts der angespannten Sicherheitslage lediglich abgeraten worden, jetzt nach Tibet zu reisen. In einer von der amtlichen Nachrichtenagentur verbreiteten Erklärung Puncogs gab er an, die Lage in Lhasa sei unter Kontrolle. Einer Meldung von Xinhua zufolge sei am Montag der Schulunterricht wieder aufgenommen worden. Der Aufruhr sei Ergebnis einer Konspiration von Anhängern des Dalai Lama gewesen.

Die Proteste weiteten sich heute auf die an das tibetische Kerngebiet angrenzenden Regionen, die Provinzen Gansu, Sichuan und Qinghai, aus. In der Provinzhauptstadt von Gansu, Lanzhou, seien einige hundert Studenten in einen Sitzstreik getreten. Die „Kampagne für ein Freies Tibet“ berichtete über einen Marsch von 300 bis 400 Tibetern in Machu in der Provinz Gansu zu den Regierungsgebäuden. Die Demonstranten sollen Bildnisse des im indischen Exil lebenden geistlichen Oberhaupts Tibets, des Dalai Lama, mit sich geführt haben. Dabei seien die Geschäfte von Chinesen angegriffen worden, ihre Scheiben eingeschlagen und die Türen eingetreten worden. Am Sonntag begannen die chinesischen Sicherheitskräfte mit Razzien in der tibetischen Hauptstadt Lhasa. Dabei sollen vor allem junge Tibeter verhaftet worden sein. Auch bereits wieder freigelassene Demonstranten seien erneut inhaftiert worden. Die Zahl der Verhaftungen soll einige hundert betragen.

Der Vorsitzende der tibetischen Regionalregierung bestritt nach Angaben der offiziellen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua den Einsatz von tödlichen Waffen gegen Demonstranten während der vergangenen Woche. Das tibetische Exilparlament im indischen Dharamshala erklärte heute hingegen, bei den Unruhen der vergangenen Tage in Lhasa und benachbarten Provinzen seien mehrere hundert Menschen getötet worden.

Am Samstag sollen tausende Demonstranten durch die tibetische Hauptstadt gezogen sein. Nicht näher genannten Quellen zufolge handelt es sich laut „Tagesspiegel“ bei den Demonstranten vor allem um Jugendliche und sogar Kinder. Dabei seien von den Demonstranten auch Feuer gelegt und Schaufenster eingeworfen worden.

Durch die Unruhen der letzten Woche soll laut der chinesischen Presseagentur Xinhua auch die Stromversorgung in Lhasa in Mitleidenschaft gezogen worden sein. In den letzten drei Tagen hätten Fachkräfte des Stromversorgers den Schaden jedoch wieder behoben, so dass am Montag die Stromversorgung wieder aufgenommen worden sei.

Die Zahl der Menschen, die durch die Unruhen am Freitag getötet worden sein sollen, bezifferte die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua heute mit 13. Die Getöteten, vor allem chinesische Zivilisten, seien verbrannt oder erstochen worden. Die Lokalregierung machte dafür die Aufständischen selbst verantwortlich. Bei den Polizeieinsätzen seien 61 Polizisten verletzt worden, darunter sechs schwer. Die Anzahl der zerstörten Geschäfte wurde mit 214 angegeben. Außerdem seien 56 Fahrzeuge in Brand gesteckt oder zerstört worden. Die Agentur bestätigte die Meldung, dass am vergangenen Montag, den 10. März rund 300 Mönche vom Kloster Zhaibung in das Stadtzentrum von Lhasa gezogen sind. Die tibetischen Mönche, die sich an den Demonstrationen beteiligt hatten, beschrieb die Nachrichtenagentur unter Berufung auf Erklärungen des Vorsitzenden der Provinzregierung, Qiangba Puncog, als „aggressiv“ und „herausfordernd“ gegenüber den chinesischen Sicherheitskräften. In den anderen Teilen Tibets und in den Nachbarprovinzen sind laut Augenzeugen mit Sicherheit weit mehr Menschen umgekommen, hier vor allem tibetische Mönche, die dort zu Tausenden demonstrierten.

Wegen der Berichte von Ausländern in Tibet, sie seien zum Verlassen der Region aufgefordert worden, wachsen Befürchtungen, die chinesische Regierung könnte zu noch größerer Gewalt greifen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Am Wochenende hatten die chinesischen Behörden den aufständischen Demonstranten eine Frist bis Mitternacht am Montag gesetzt, sich den Behörden zu stellen. Daraus wurde von Beobachtern der Schluss gezogen, es könnte eine größere Polizei- und Militäraktion bevorstehen. Die staatlich kontrollierten chinesischen Medien hatten am Wochenende von der Notwendigkeit eines „Volkskrieges“ gegen die Aufrührer in Tibet gesprochen. Wie die Presseagentur AFP berichtet, habe sich ein Bewohner aus Lhasa telefonisch gegenüber AFP dahingehend geäußert, Panzer seien auf den Straßen zu sehen gewesen. Besorgt äußerte sich auch der Vorstandsvorsitzende der Tibet Initiative Deutschland, Wolfgang Grader, zu den Vorgängen in Tibet: „Wir befürchten das Schlimmste“, sagte er gegenüber Deutschlandradio. „Es sind jetzt massive Polizei- und Militäreinheiten in Lhasa und es wird sicher eine Durchsuchung von Haus zu Haus geben. Da werden sie alles versuchen zu finden, was verdächtig ist wie Bilder des Dalai Lama und tibetische Flaggen.“ Er erwarte Massenverhaftungen in den nächsten Tagen.

Mit der Vorbereitung eines geplanten gewaltsamen Vorgehens gegen die anti-chinesischen Proteste könnten auch Maßnahmen der chinesischen Regierung in Zusammenhang stehen, die eine unabhängige Berichterstattung über die Lage in der Region erschweren sollen. Wie „heise online“ berichtet, sperrten chinesische Behörden den Internetzugang zu „YouTube“. Dieser war genutzt worden, um Videos über die Lage in Tibet über das Internet zu verbreiten.

In Nepal lebende Tibeter protestierten in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu gegen die Vorherrschaft der chinesischen Zentralregierung über Tibet. Unter den etwa hundert Menschen befanden sich auch tibetische Mönche. Polizeikräfte gingen gewaltsam mit Schlagstöcken aus Bambus gegen die Demonstranten vor. Etwa 30 Menschen sollen dabei verletzt worden sein.

US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte China zur Aufnahme eines Dialogs mit dem im Exil lebenden Dalai Lama auf. Dieser sei eine Autoritätsperson, die zur Lösung der Probleme beitragen könne. Das russische Außenministerium erklärte, ein solcher Dialog sei eine „innere Angelegenheit“ Chinas. Das Ministerium wandte sich außerdem gegen Versuche, die bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking zu politisieren.

Weltweit haben die Berichte über die Situation in Tibet zu einer Diskussion über einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking geführt. Inzwischen haben sich der Dalai Lama und die Sportminister der Europäischen Union gegen einen Olympia-Boykott ausgesprochen.

Auch das IOC lehnt einen Olympiaboykott ab. Christoph Müller-Hofstede, China-Experte bei der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn, erwartet jedoch einen steigenden Druck auf die Veranstalter der Olympischen Spiele. Steven Spielberg war vor einigen Wochen als künstlerischer Berater für die Eröffnungsfeier wegen der Unterstützung Chinas für den Feldzug der sudanesischen Regierung gegen die schwarzafrikanische Bevölkerung im eigenen Land zurückgetreten. „Es gibt Menschenrechts-Lobbyorganisationen in den USA mit Richard Gere oder Mia Farrow, die massiven Druck schon auf einzelne Personen“ wie Spielberg ausübten. Er erwartet, dass bald auch die Sponsoren der Olympischen Spiele zunehmend unter Druck geraten werden. Die Strategie der chinesischen Führung, die Olympischen Spiele zu nutzen, um zu demonstrieren, wie weltoffen und modern China geworden sei, sei angesichts der aktuellen Entwicklung in Frage gestellt.

Themenverwandte Artikel

  • Unruhen in Tibet (15.03.2008)
  • Portal:Tibet

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March 15, 2008

Unruhen in Tibet

Unruhen in Tibet – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Unruhen in Tibet

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Veröffentlicht: 21:10, 15. Mär. 2008 (CET)
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Lhasa (Volksrepublik China), 15.03.2008 – In der Hauptstadt von Tibet, Lhasa, kam es nach Protesten von buddhistischen Mönchen und Studenten in den vergangenen Tagen zu schweren Unruhen. Nach unbestätigten Angaben der tibetischen Exilregierung habe es bei Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und chinesischen Sicherheitskräften etwa 100 Tote gegeben. Die offizielle chinesische Presseagentur Xinhua gab die Zahl der Toten mit 10 an, darunter zwei Hotelangestellte und zwei Ladeninhaber, die von dem randalierenden „Mob“, wie sich die Agentur ausdrückte, angegriffen worden seien. Weiter sagte die chinesische Presseagentur, die Toten seien ausschließlich unschuldige Zivilisten, von denen die meisten verbrannt seien. An 160 Stellen der Stadt seien Feuer gelegt worden, darunter 40 Großfeuer.

Nach Angaben der tibetischen Exilregierung, die sich in Nordindien befindet, wurden bis heute mindestens 30 Menschen getötet. Diese Zahl sei bestätigt, weiterhin ist von insgesamt 100 unbestätigten Toten die Rede.

Radio Free Asia (RFA) zufolge wurde die tibetische Hauptstadt nach den anti-chinesischen Protesten von Sicherheitskräften abgeriegelt. RFA beruft sich auf tibetische Quellen, denen zufolge chinesische Soldaten auf Demonstranten in der Nähe des Jokhang-Klosters geschossen haben sollen. Diese Aussagen konnten von unabhängigen Quellen jedoch nicht bestätigt werden. Chinesische Geschäfte seien zerstört, angezündet und die Waren auf der Straße verbrannt worden. Entsprechende Meldungen liegen auch von der chinesischen Presseagentur Xinhua vor.

RFA berichtet weiterhin von 1.000 buddhistischen Mönchen, die am Freitag vom Kloster Labrang kommend einen Protestmarsch anführten. Militär- und Polizeikräfte hätten den Zug jedoch gestoppt, bevor er das Gebäude der Lokalregierung erreichte. Die Demonstranten sollen tibetische Fahnen getragen und Rufe skandiert haben wie „Lang lebe der Dalai Lama!“ und „Freies Tibet!“. Auch von anderen Klöstern wurde über ähnliche Demonstrationen berichtet.

Die Proteste begannen am 10. März, dem 49. Jahrestag des tibetischen Aufstandes gegen die Vorherrschaft Chinas in Tibet im Jahre 1959, der damals von der chinesischen Armee niedergeschlagen wurde. Damals begab sich der Dalai Lama ins Exil.

Die chinesischen Strafverfolgungsbehörden erklärten Xinhua zufolge, sie hätten die Situation unter Kontrolle, und forderten die Teilnehmer der gewaltsamen Proteste auf, sich den Behörden zu stellen. In der Erklärung wurden die „Gesetzesbrecher“ (Xinhua) aufgefordert, sich bis Mitternacht am Montag zu ergeben, für diesen Fall wurde ihnen Nachsicht zugesichert. Denjenigen, die sich ergeben und außerdem Informationen über andere „Gesetzesbrecher“ liefern, wurde Straffreiheit versprochen.

Die chinesische Provinzregierung der autonomen Region Tibet beschuldigte den Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, die gewaltsamen Ausschreitungen angeheizt zu haben. Es gebe genug Beweise, dass die „Dalai Clique“ die jüngsten Sabotageakte organisiert, geplant und ideologisch vorbereitet habe.

Der Dalai Lama hatte die chinesische Regierung am Freitag aufgefordert die Gewalt zu beenden. Er sagte, er sei tief besorgt über die Situation in Tibet, die sich dort nach friedlichen Protesten entwickelt habe. Seine Landsleute drängte er dazu, nicht zur Gewalt zu greifen.

Auch im Ausland protestierten im Exil lebende Tibeter gegen die chinesische Vorherrschaft in Tibet. In der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu protestierten rund 200 tibetische Demonstranten vor dem Büro der Vereinten Nationen. 20 Demonstranten seien von der Polizei festgenommen worden. In Sydney wurde das chinesische Konsulat von Exil-Tibetern gestürmt. Die australische Polizei nahm sieben Demonstranten fest. Im indischen Dharamshala brachen Tibeter erneut zu einem Marsch in Richtung der chinesischen Grenze auf. Vor zwei Tagen hatte es bereits einen ähnlichen Marsch gegeben, den die indische Polizei jedoch dann beendet hatte. Dabei waren 102 Demonstranten festgenommen worden.

Besondere Brisanz gewinnen die Unruhen in Tibet und die Reaktion der chinesischen Regierung darauf, da im Sommer in Peking die Olympischen Sommerspiele stattfinden. Jacques Rogge, der Prädident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wollte sich derweil nicht zur Gewalt in Tibet äußern.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:China
  • Portal:Tibet

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April 15, 2006

Neue Eisenbahnstrecke verbindet Tibet erstmals mit den Nachbarländern

Neue Eisenbahnstrecke verbindet Tibet erstmals mit den Nachbarländern

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Artikelstatus: Fertig 14:07, 15. Apr. 2006 (CEST)
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Blick auf die Hauptstadt Lhasa

Xigazê (Volksrepublik China), 15.04.2006 – Erstmals in seiner Geschichte wird Tibet mit einer Eisenbahnlinie mit den Nachbarregionen in China verbunden. Die 1.142-Kilometer-Strecke soll von der tibetanischen Hauptstadt Lhasa in den Südwesten Chinas nach Xigazê führen. Dabei wird sie die gefrorene Tundra des Qinghai-Tibet-Plateaus durchqueren. Nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2010 wird sie mit dem chinesischen Streckennetz verbunden sein. Eine weitere Linie soll von Lhasa in den Osten Chinas nach Linzhi geführt werden. Erste Güterzüge befahren die Bahnlinie bereits, im Juli dieses Jahres soll nach Medienberichten zum ersten Mal ein Passagierzug die Strecke befahren.

Erst vor Kurzem endeten in Tibet die Bauarbeiten auf der höchst gelegenen Eisenbahnstrecke der Welt. Fast 90 Prozent der Strecke liegen dabei auf einer Höhe von 4.000 Metern über dem Meeresspiegel, an einer Stelle ist sie sogar 5.072 Meter hoch. An der Strecke befinden sich 29 Bahnhöfe, der höchste liegt in Nagqu bei 4.500 Metern. Der zurzeit laufende Probebetrieb soll im Juli 2007 enden.

Bislang erfolgte die Versorgung der tibetanischen Städte über LKW. Drei schwer zu befahrende Straßen führen bisher in das Land. Erleichtert wird auch der Abtransport der Bodenschätze. Die tibetanische Exilregierung vermutet hinter den Plänen die systematische Assimilierung der tibetischen Gebiete. Die tibetanische Kultur wird als gefährdet angesehen, da immer mehr Chinesen durch diese Bahn immer leichter nach Tibet gelangen. Auf der „Shanghai World Trade Fair 2006“ wurden am 30. März 2006 Angebote für Zugfahrten von China nach Tibet präsentiert. So wird zum Beispiel eine fünftägige Zugreise von Shanghai nach Lhasa angeboten. Eine Zugfahrt von Xining, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Qinghai, nach Lhasa soll 22 Stunden dauern. Die Reisen werden chinesischen Staatsbürgern und ausländischen Touristen angeboten. Ausländische Touristen benötigen für Tibet eine spezielle Einreisegenehmigung. Die Anbindung der Lhasa-Bahn an Indien, über die in indischen Medien spekuliert worden war, wurde von einem Sprecher des chinesischen Eisenbahnministeriums am 10. April 2006 dementiert. Die Kosten für den Bau der 1.965-Kilometer-Stecke von Xining nach Lhasa beziffern sich auf 2,96 Milliarden US-Dollar.

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January 7, 2006

Heinrich Harrer, der Lehrer des Dalai-Lama, ist tot

Heinrich Harrer, der Lehrer des Dalai-Lama, ist tot

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Artikelstatus: Fertig 13:11, 8. Jan. 2006 (CET)
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Friesach (Österreich), 07.01.2006 – Der Lehrer des Dalai Lama ist tot. Heinrich Harrer, ein berühmter Bergsteiger und Forscher, starb im Alter von 93 Jahren am Samstag, den 7. Januar im Deutschordensspital Friesach in Kärnten.

Sein Geburtsort ist Hüttenberg in Kärnten, dort kam er am 6. Juli 1912 zur Welt. Er wurde Gymnasiallehrer, doch in diesem Beruf arbeitete er nicht lange. Seine Hauptbetätigung war die eines Skilehrers. Bei den Olympischen Spielen 1936 war er Mitglied des österreichischen Nationalteams, ein Jahr später errang er einen Weltmeistertitel im Abfahrtslauf.

Wegen seiner Vergangenheit im Nationalsozialismus geriet Harrer im Jahr 1996 in die Schlagzeilen. Nachdem sein Wirken in der Buchverfilmung „Sieben Jahre in Tibet“ einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, kam seine Mitgliedschaft in der SA, der SS und der NSDAP ans Tageslicht. In der Diskussion wies er nach Angaben eines Berichts angeblich nach, dass er in diesen Organisationen jedoch passiv geblieben wäre. Sein Beitritt sei aus opportunistischen Gründen erfolgt.

Eiger

Diese opportunistischen Gründe führte er laut einem Artikel des Tagesspiegels vom 13. November 1997 in einem Spiegel-Interview genauer aus. Er habe das Parteibuch der NSDAP als Sport- und Geographielehrer gebraucht, und die SS-Mitgliedschaft sei der „größte Irrtum seines Lebens“ gewesen. Im Mai 1997 veröffentlichte der Stern dann ein Dokument seiner Mitgliedschaft aus dem Jahr 1933 in der SA (damals in Österreich noch illegal). Auch dafür hatte Harrer wieder eine Erklärung parat. Dieses Dokument sei „rückdatiert“ gewesen, damit er im Dezember 1938 den Beginn der Ehe mit Lotte, der Tochter eines Grönlandforschers, „beschleunigen“ konnte. Nähere Einzelheiten gehen aus dem Bericht des Tagesspiegels nicht hervor. Bei Lotte Wegeners Vater handelte es sich um keinen Geringeren als den Entdecker der Kontinentalverschiebung, Alfred Wegener. 1938 war auch das Jahr, in dem Harrer als erster Mensch die Eiger Nordwand bestieg. Er wurde damit zu einer Art Nationalheld für Österreich und Deutschland. Die Propagandaabteilung der Nationalsozialisten „bat“ Harrer, als so genannter Sportinstrukteur der SS beizutreten, was dieser dann auch tat. 1938 war übrigens das Jahr, in dem der „Anschluss“ Österreichs nach Deutschland erfolgte.

Harrer war von 1946 bis 1951 bei der tibetanischen Regierung angestellt. Er entzog sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Gerichtsbarkeit der Briten, in dem er zusammen mit einem Expeditionsleiter einer zuvor durchgeführten Expedition nach Indien aus einem Internierungslager floh. Sie marschieren zusammen 2.000 Kilometer in 21 Monaten zu Fuß und erreichten die heilige Stadt Lhasa, die für Ausländer eigentlich gesperrt war. Seine technischen Kenntnisse wurden dort sofort geschätzt, so dass er zum Berater und Lehrer des damals elfjährigen Dalai Lama aufstieg. Auch vor der anrückenden chinesischen Besatzungsarmee im Tibet konnte er wieder rechtzeitig fliehen.

Heinrich Harrer wurde später vielfach ausgezeichnet. Er ist seit 1982 Träger des Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, ebenfalls seit 1982 Träger des Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und seit 1992 Träger der Goldenen Humboldt-Medaille.

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