Französische Truppen sollen vor mehr als 80 Jahren Gräueltaten begangen haben

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Artikelstatus: Fertig 01:45, 10. Jan. 2007 (CET)
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Lage von Adana in der Türkei

Adana (Türkei), 10.01.2007 – Nach 88 Jahren wurde ein Brief im türkischen Staatsarchiv gefunden, der vom damaligen Gouverneur der Stadt Adana nach Istanbul geschickt wurde, in dem über Gräueltaten der damaligen französischen Besatzer berichtet wird.

Der Brief wurde im Dezember 1919 verschickt. Am 24. Dezember 1918 eroberten französische Truppen mit der Hilfe von armenischen Guerillakämpfern die Stadt Adana.

Der Historiker Cezmi Yurtsever hat gegenüber dem Anadolu-Ajansı-Korrespondenten bekannt gegeben, dass mit der Veröffentlichung von Dokumenten des Staatsarchives die wirklichen Ausmaße der französischen Besatzung klar werden.

Celal Bey wurde ein Jahr, nachdem die französische Besatzung begonnen hatte, zum Gouverneur von Adana ernannt und hatte dieses Amt für ein halbes Jahr inne. Laut Yurtsever werden im Brief dramatische Szenen geschildert, es sei wichtig, dass diese Vorfälle von Celal Bey dokumentiert wurden.

In dem Brief fällt oft der Name eines französischen Obersts namens Bremond, der vom Gouverneur als Türkenfeind bezeichnet wird. Die türkische Bevölkerung von Adana soll – laut Aussagen von Celal Bey – von den französischen Truppen gezwungen worden sein, an ihren Häusern französische Fahnen anzubringen.

Celal Bey zu den Vorfällen: „Alle wichtigen Beamten von Adana wurden gezwungen, nach Mersin zu reisen, um dort den französischen General Guro zu empfangen. Unsere Abwesenheit nutzten die französischen Truppen aus, um in unsere Häuser einzudringen und französische Fahnen dazulassen mit der Notiz, dass eine Strafe von 15 Goldstücken zu bezahlen sei, wenn diese Fahnen nicht gehisst würden. Ich habe einen dieser Belege aufbewahrt, um zu beweisen, dass alle diejenigen, die keine französische Fahne hissten, eine Strafe zahlen mussten.“

In Adana sollen 32, in Ceyhan sieben und in Osmaniye weitere 18 Zivilisten durch den Befehl des französischen Oberst Normand und ohne jegliche Befragung oder Gerichtsverfahren erschossen worden sein.

Ein weiterer Vorfall, der im Brief zitiert wird:

„In Adana hat die Tochter von Aziz Efendi, Sohn von Pamukçu, während sie auf dem Balkon ihres Hauses gespielt hat, auf das vorbeifahrende Auto der Madame Bremond gespuckt, aber es nicht getroffen. Dem Vater des Kindes wurde eine Strafe von 5.000 Goldstücken verhängt. “

Laut Yurtsever sollen in Adana und Umgebung während der Besatzung 10.000 Türken umgebracht worden sein. Als Quelle für diese Behauptung gibt der Historiker die Briefe des ehemaligen Gouverneurs von Adana und etliche Dokumente im Staatsarchiv an.

Celal Bey soll aktiv an der Organisation der Gruppen, die sich am Türkischen Befreiungskrieg beteiligten, mitgewirkt haben.

Quellen