WikiNews de

January 8, 2011

Dioxinskandal: Vertrauen in die Kontrollmechanismen erschüttert

Dioxinskandal: Vertrauen in die Kontrollmechanismen erschüttert

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 12:09, 8. Jan. 2011 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Kennzeichnung von Hühnereiern (roter Aufdruck), hier ein Bio-Ei mit der leitenden Null

Berlin / Uetersen / Kiel (Deutschland), 08.01.2011 – Verbraucher in Deutschland reagieren verunsichert auf die jüngsten Nachrichten über dioxinverseuchte Lebensmittel. Supermärkte verzeichnen einen starken Rückgang im Verkauf von Eiern aus konventioneller Landwirtschaft. Bio-Eier dagegen verzeichnen eine wachsende Nachfrage, da sie bislang als unbelastet gelten.

Bundesweit sind nach Angaben des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure (BVLK) 2.500 Überwacher für 1,1 Millionen Betriebe zuständig. Nach Meinung von Verbandschef Müller fehlen bundesweit rund 1.500 Kontrolleure, um den „notwendigen Überwachungsdruck auf die Branche“ zu erzielen. Krisenexperten bezeichneten das Vertrauen der Verbraucher in die gegenwärtigen Kontrollmechanismen als „erschüttert“.

Heute wurde bekannt, dass die Firma Harles & Jentzsch in Uetersen (Kreis Pinneberg), die als Verursacher des gegenwärtigen Dioxinskandals gilt, die verseuchten Futtermittel schon über einen längeren Zeitraum als bisher angenommen verkauft hat. Schon am 19. März 2010 hatte ein von der Firma beauftragtes privates Labor Futtermittelproben von Harles & Jentsch untersucht. Dabei war eine Überschreitung der Grenzwerte für Dioxin festgestellt worden. Die zuständigen Behörden waren von der Firma jedoch nicht darüber informiert worden. Erst am 27. Dezember hat das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein von dem Dioxinproblem bei Harles & Jentsch erfahren. Am 4. Januar stellte das Ministerium Strafanzeige gegen die Firma. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU): „Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass das verantwortliche Unternehmen bereits seit Monaten von der Dioxin-Belastung wusste und trotzdem nicht die zuständigen Landesbehörden informiert hat, ist das hochgradig kriminell und völlig unverantwortlich.“ Außerdem wurde bekannt, dass seitens Harles & Jentsch eine Partnerspedition, die Firma Lübbe in Bösel [1], benutzt wurde, um sich gezielt der staatlichen Kontrolle der verkauften Futtermittel zu entziehen. In Schleswig-Holstein seien nach Ministeriumsangaben 61 Landwirte mit dioxin-verseuchten Futtermitteln beliefert worden, teilte das Ministerium weiter mit.

Bei der Firma Lübbe in Bösel wurden im Auftrag von Harles & Jentsch Fette unterschiedlicher Zusammensetzung, darunter technische Fette, pflanzliche Fette und tierische Fette in Tanks gelagert und dann nach Bedarf gemischt. Die kontaminierten Fette der Firma Lübbe seien dann an sieben Mischfutterhersteller in Niedersachsen sowie an je einen Hersteller in Sachsen-Anhalt und Hamburg geliefert worden, erklärte das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung zusammenfassend. Als Grund für die Kontamination mit Dioxin gab die Firma Lübbe „menschliches Versehen“ an. Aus einem Tank sei ein technisches Fett mit Futtermittelfett vermischt worden. Eine Probe dieses Fettes war hoch belastet. Die Untersuchung ergab 123 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm Fett.

Das Landwirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein gab heute weitere Ergebnisse bisher untersuchter Rückstellproben der Firma vom März bekannt. Die Dioxingehalte der 18 analysierten Proben lagen zwischen 0,66 und 58,17 Nanogramm. Der zulässige Höchstwert von 0,75 Nanogramm wurde in neun Fällen überschritten. Nach Einschätzung des Ministeriums sind die bisher ermittelten 18 Proben wegen der Überschreitung der Höchstwerte für die Futtermittelherstellung nicht geeignet.

Am gestrigen Donnerstag wurden außerdem Untersuchungsergebnisse aktueller Proben mitgeteilt. Diese enthielten bis zu 10,05 Nanogramm Dioxin und damit mehr als das Zehnfache des zulässigen Höchstwertes von 0,75 Nanogramm.

Bundesweit sind rund 4.700 betroffene Betriebe wegen der Belieferung mit belasteten Futtermitteln gesperrt. 95 Prozent davon liegen in Niedersachsen. Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) gab heute Erzeuger-Kennzeichnungen von Hühnereiern bekannt, bei denen eine Überschreitung der zulässigen Dioxin-Höchstwerte festgestellt wurde. Diese Nummern sind auf die Eier meist in roter Farbe direkt aufgedruckt. Es handelt sich um die Nummern 2-DE-0355461, 3-DE-0312141, 2-DE-0312142, 2-DE-0312151 und 2-DE-0350384.[2].

Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wurden von der Firma Lübbe insgesamt 2.482 Tonnen Futtermischfette hergestellt, die an 20 verschiedene niedersächsische Futtermittelunternehmer geliefert wurden. Das Ministerium geht weiterhin davon aus, dass diese Fette in Mengen zwischen zwei und 10 Prozent mit anderen Futtermitteln vermischt wurden, so dass sich ihr Dioxingehalt entsprechend gegenüber dem kontaminierten Ausgangsfett verringerte. Das Ministerium hat außerdem errechnet, dass in Niedersachsen eine mit Dioxin belastete Futtermittelmenge von 25.000 bis 125.000 Tonnen an Tiere verfüttert worden ist.

Die Slowakei und Südkorea haben inzwischen ein Importverbot für Eier und Geflügelfleisch aus Deutschland verhängt. In Südkorea erstreckt sich das Einfuhrverbot auch auf deutsches Schweinefleisch. Dioxin-verseuchte Eier waren auch in die Niederlande gelangt. Über den Umweg der Mayonnaiseherstellung waren belastete Lebensmittel von den Niederlanden auch nach Großbritannien gelangt. In weitere Länder wurden nach bisherigem Kenntnisstand keine dioxin-belasteten Produkte aus Deutschland geliefert.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. ml.niedersachsen.de
  2. laves.niedersachsen.de

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

November 28, 2006

Lebensmittelkontrolleure beschlagnahmten Fleisch in einem Braunschweiger Betrieb

Lebensmittelkontrolleure beschlagnahmten Fleisch in einem Braunschweiger Betrieb

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikelstatus: Fertig 00:47, 28. Nov. 2006 (CET)
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Braunschweig / Oldenburg (Oldb) (Deutschland), 28.11.2006 – Erneut wurden Lebensmittelkontrolleure bei einem Fleischverarbeitungsbetrieb in Niedersachsen fündig. Möglicherweise verdorbenes Rind- und Hähnchenfleisch war am Freitag bei einem Dönerhersteller in Braunschweig gefunden worden. Offenbar entstand der Anfangsverdacht durch den Augenschein, 230 Kilogramm Fleisch seien „optisch auffällig“ gewesen. Da ein Mitarbeiter der Firma angab, das Fleisch sei mit frischem Fleisch vermischt worden, beschlagnahmten die Lebensmittelkontrolleure gleich die ganze Produktion von 5.500 Kilogramm. Dabei handelte es sich um Hähnchen- und Rindfleischspieße sowie gebratene Fleischstreifen.

Das Landesinstitut Oldenburg übernahm die Untersuchung des beschlagnahmten Fleisches. Mit Untersuchungsergebnissen sei jedoch erst in den kommenden Tagen zu rechnen. Das teilte eine Sprecherin des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit am Montag in Oldenburg mit.

Themenverwandte Artikel

  • Niedersachsen: „Gammelfleisch“ aus Bayern nicht in den Verkauf gelangt (08.09.2006)
  • Portal:Gesundheit

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

September 27, 2006

Fund von gentechnisch verändertem Reis in Oyten, Niedersachsen

Fund von gentechnisch verändertem Reis in Oyten, Niedersachsen

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikelstatus: Fertig 15:33, 27. Sep. 2006 (CEST)
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Oyten (Deutschland), 27.09.2006 – Bei der Firma „Kreyenhop & Kluge“ im niedersächsischen Oyten wurden bei Untersuchungen von Reisprodukten Verunreinigungen durch GVO-Reis von geringem Umfang entdeckt. Es wurden Spuren von „BT-63-Reis“ aus China in zwei Produkten nachgewiesen. Die Firma hat den Rückruf der betroffenen Produkte bereits veranlasst.

„BT-63-Reis“ ist in der Europäischen Union nicht zugelassen. Das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) weist aber darauf hin, dass der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit keine Hinweise vorlägen, wonach der gentechnisch veränderte Reis gesundheitlich bedenklich sei.

Die Untersuchungen von Reisprodukten waren verschärft worden, nachdem gentechnisch veränderter Reis in US-Importen gefunden worden war (Wikinews berichtete). Dabei hatte es sich um die Sorte „LL 601“ gehandelt.

Themenverwandte Artikel

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.