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December 6, 2008

Genaue Bestimmung des Todeszeitpunkts anhand der Eigenschaften des Auges ermöglicht

Genaue Bestimmung des Todeszeitpunkts anhand der Eigenschaften des Auges ermöglicht

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Veröffentlicht: 17:34, 6. Dez. 2008 (CET)
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Hoboken (New Jersey) (USA), 06.12.2008 – Spanische Mediziner entwickelten eine neue Analysemethode, um aus der chemischen Zusammensetzung des Glaskörpers im Auge genauer als bisher bestimmen zu können, wie lange ein Mensch bereits tot ist. Die korrekte Bestimmung des Todeszeitpunkts ist ein wichtiges Ziel der Gerichtsmedizin, viele der bisherigen Methoden sind den Forschern zufolge jedoch unpräzise. Zu den verbreiteten Methoden zählen die Temperaturmessung in Organen und die Analyse der blauvioletten Totenflecke auf der Haut. Eine bekannte Methode ist auch die Untersuchung des Glaskörpers des Auges: Dabei wird die Konzentration der Stoffe Kalium, Harnstoff und Hypoxanthin untersucht, wobei bisher davon ausgegangen wurde, dass die Konzentration dieser Substanzen nach dem Tod gleichmäßig ansteigt. Zur Berechnung des Todeszeitpunkts wurden daher einfache lineare Gleichungen verwendet. Forscher um José Ignacio Munoz Barús von der Universität von Santiago de Compostela (Spanien) fanden jedoch heraus, dass die bisherigen Methoden sehr ungenau waren, da die Konzentrationen der Stoffe nicht gleichmäßig, sondern unregelmäßig ansteigen. Dazu untersuchten die Forscher über 200 Proben von Glaskörpern von Personen, deren Todeszeitpunkt genau bekannt war. Anhand der neuen Daten entwickelten die Forscher zudem ein Computerprogramm. „Die von uns entwickelten Gleichungen ermöglichen eine präzisere Abschätzung des Todeszeitpunktes als bisher und stellen forensischen Pathologen ein nützliches und einfach zu bedienendes Werkzeug zur Verfügung“, so die Forscher, die ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Statistics in Medicine“ (Band 27, Nummer 24, Seite 5026) im Sommer dieses Jahres veröffentlichten.

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Quellen

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June 15, 2008

Deutschland: Etwa jeder zweite Mord bleibt unentdeckt

Deutschland: Etwa jeder zweite Mord bleibt unentdeckt

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Veröffentlicht: 21:45, 15. Jun. 2008 (CEST)
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Celle (Deutschland), 15.06.2008 – Im Juni 2008 thematisierte die Justizministerkonferenz in Celle, wie die Aufklärungsrate bei Morden verbessert werden kann. In Deutschland werden jedes Jahr zirka 1.000 Menschen ermordet. Experten zufolge bleibt jeder zweite Mord unentdeckt; Schätzungen zufolge könnten es bis zu 2.400 Morde sein. Ein Grund dafür ist, das fälschlicherweise oft natürliche Todesursachen von Ärzten in den Totenscheinen attestiert werden. Erst vergangene Woche hat ein Arzt in Hessen einem Mann, der erstochen in einer Blutlache lag, einen natürlichen Tod bescheinigt.

Professor Wolfgang Eisenmenger, Vorstand des Rechtsmedizinischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität München, erklärte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „In einer Multi-Center-Studie der Universität Münster aus dem Jahr 1997 kam heraus, dass mindestens 1.200 Tötungsdelikte jährlich unaufgedeckt bleiben.“ Laut Eisenmanger hat sich seit Veröffentlichung der Studie nichts getan, dass zu einer Verbesserung der Missstände führen kann. Viele rechtsmedizinische Institute sind geschlossen worden, etwa die der Universitäten in Aachen und Göttingen. Die Teilnehmer der Justizministerkonferenz 2008 in Celle appellierten an die Wissenschaftsminister, keine weiteren rechtsmedizinischen Institute zu schließen.

Ein weiteres Problem ist die schlechte Ausbildung der Ärzte im Bereich der Erkennung von Todesursachen. Daher fasste die Konferenz den Beschluss in Zukunft den Ausbildungsstand von Ärzten zu erhöhen. Welcher Art diese Qualifizierung sein wird, soll im Rahmen einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Justiz-, Innen-, Wissenschafts- und Gesundheitsministern beraten werden, die Vorschläge zur Verbesserung der ärztlichen Leichenschau ausarbeiten soll. Zurzeit kann jeder Arzt unabhängig von seiner Fachrichtung nach einer Untersuchung der jährlich rund 850.000 Toten in Deutschland den Totenschein ausstellen.

Burkhard Madea, Leiter des Bonner rechtsmedizinischen Instituts und Experte für Leichenschauen, sieht auch die Abrechnung mit den Kassen als eine Ursache des Problems, weil Kliniken bei der Obduktion einen finanziellen Verlust machen.

Als einziges Bundesland hat bisher Bremen auf den seit langem bekannten Missstand reagiert. Hier wird jeder Totenschein von einem Experten geprüft. Der Leiter des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin am Klinikum Bremen-Mitte, Michael Birkholz, schätzt, dass jedes zweite Tötungsdelikt unerkannt bleibt. Seit dort alle Details zu den Todesursachen von Gerichtsmedizinern geprüft werden, wird im Durchschnitt jede Woche ein zuvor unbemerkter unnatürlicher Tod entdeckt.

Allerdings gibt es auch Kritik an der Studie. Der Direktor der rechtsmedizinischen Abteilung der Medizinischen Hochschule Hannover, Hans-Dieter Tröger, bezweifelt die Aussagekraft der Studie, die nur auf Zahlen aus Nordrhein-Westfalen beruhe. Der Mediziner nennt andere Zahlen, er wird auf tagesschau.de mit Bezug auf die Münsteraner Studie von 1997 wie folgt zitiert: „In 100.000 Fällen“ (der zweiten amtsärztlichen Leichenschau, die vor der Feuerbestattung durchgeführt wird) „hatten wir in Hannover nur einen Verdacht auf einen unnatürlichen Tod.“ Der Verdacht habe sich nicht bestätigt.

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July 27, 2005

Todesfall nach verweigerter Bluttransfusion

Todesfall nach verweigerter Bluttransfusion

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Landau an der Isar (Deutschland), 27.07.2005 – In Landau ist eine 33-jährige Frau bei der Geburt ihres Kindes verstorben. Sie ist verblutet, weil sie aufgrund einer schriftlich niedergelegten Patientenverfügung eine Bluttransfusion verwehrt hatte. Die Frau gehörte den Zeugen Jehovas an, die aufgrund ihres religiösen Verständnisses bestimmte medizinische Behandlungen ablehnt.

Aus medizinischer Sicht wäre der Tod der Frau vermeidbar gewesen. Zwei oder drei Blutkonserven hätten ausgereicht um das Leben der Frau zu retten. Die Ärzte und Krankenschwestern waren jedoch verpflichtet, den Willen der Frau zu respektieren. Sie mussten tatenlos das Sterben der Frau mit ansehen. Die emotionale Belastung für das Krankenhauspersonal war hoch und wird psychologische Nachsorge nötig machen.

Auf dem Totenschein wurde eine nichtnatürliche Todesursache angegeben. Dies bedeutet automatisch die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die zuständige Staatsanwaltschaft Landshut. Die Frau wurde inzwischen obduziert. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass kein Fremdverschulden vorliegt. Der amtshabende Oberstaatsanwalt Alfons Obermeier hat dem Krankenhauspersonal trotz aller widrigen Umstände vorbildliches Verhalten attestiert.

Quellen

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