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February 12, 2014

Zentralafrika versinkt in Gewalt

Zentralafrika versinkt in Gewalt – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Zentralafrika versinkt in Gewalt

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Veröffentlicht: 17:53, 12. Feb. 2014 (CET)
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Zentralafrikanische Republik

Bangui (Zentralafrikanische Republik), 12.02.2014 – In der zentralafrikanischen Republik herrscht weiter Unruhe. Die christliche „Anti-Balaka“ (zu Deutsch: Gegen die Macheten) Miliz jagt Muslime, um sich an den Verbrechen der muslimischen Séléka Miliz zu rächen – und umgekehrt. Ein Ende der Gewalt ist derzeit nicht in Sicht.

Im Kampf um die Befriedung des Krisenstaates setzt die EU nun auf Tatsachen und entsendet weitere Soldaten. Bisher waren in der Zentralafrikanischen Republik 1.600 französische sowie 5.000 Soldaten der Afrikanischen Union, hauptsächlich aus Ruanda, offiziell stationiert. Ob dies auch tatsächlich den Tatsachen entspricht, kann angezweifelt werden. Gerade bei den Soldaten der Afrikanischen Union gibt es Schwierigkeiten, diese überhaupt an die Konfliktherde zu bringen, ganz zu schweigen von der mangelhaften Ausrüstung und Ausbildung. Zusätzlich sollen nun weitere 500 Soldaten der EU im Rahmen des EUFOR-RCA-Einsatzes dazustoßen. Welche Truppen durch wen entsendet werden, steht im Genauen noch nicht fest. Lediglich die Einsatzzentrale im griechischen Larissa sowie der als leitender General fungierende Philippe Pontiès wurden festgelegt. Auch diese Truppen sollen sich weitestgehend auf die Hauptstadt Bangui konzentrieren. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon forderte derweil ebenfalls die Entsendung weiterer Einsatzkräfte der EU.

Auslöser des Konfliktes war der Putsch der Séléka-Rebellen vor gut einem Jahr. Diese hatten den damaligen Präsidenten Bozizé gestürzt und den muslimischen Rebellenführer Michel Djotodia ins Amt gehoben. Anders als gehofft wurde damit aber lediglich der Zerfall des zentralafrikanischen Staates als solches beschleunigt. Als diesem dann auch noch die Entmilitarisierung der muslimischen Milizen nicht gelang, gruppierten sich die vorwiegend christlichen Opfer zu „Gegen-die-Macheten“-Milizen. Kräftige Unterstützung erhielten sie dabei durch die bereits intervenierenden französischen Truppen. Deren Hauptziel bestand darin, die bis dato gewälttätigen Muslime zu entwaffnen. Wie sich herausstellte, konnte die Gewalt dadurch nicht verhindert werden – ganz im Gegenteil, die muslimischen Minderheiten sahen sich nun dem Hoffnung schöpfendem Mob von militanten Christen ausgesetzt, welche ihre Chance auf Rache witterten.

Zentralafrikanische Streitkräfte im Jahre 2008

Michel Djotodia war nach großem Druck aus den Nachbarländern mittlerweile freiwillig abgetreten, es folgte die als neutral geltenden Interimspräsidentin Catherine Samba-Panza. An ihr sollte es liegen, dem Land zu neuer Stabilität zu verhelfen, das Morden zu beenden und das Land zu demokratischen Wahlen zu führen. Wie sich herausstellte, hat diese aber erschreckend wenig Einfluss. Im Netz tauchten Bilder auf, wie die zentralafrikanische Armee (FACA), also jene, welche für den Frieden sorgen sollen, im Anschluss an eine Rede Samba-Panzas, in der sie zur Ordnung aufrief, einen vermuteten ex-Séléka-Rebellen erst bewusstlos prügelten, mit Messern auf ihn einstachen, den Schädel zertrümmerten und schließlich mit abgetrennten Gliedmaßen verbrannten. Offenbar eine alltägliche Straßenszene, Einwohner sehen zu und filmen das Geschehen.

Als würde das nicht genügen, scheinen auch die stationierten Truppen der Afrikanischen Union mitunter Partei zu ergreifen. Über Neujahr eröffneten die im Rahmen der MISCA entsandten Friedenstruppen aus dem muslimischen Tschad das Feuer gegen demonstrierende christliche Flüchtlinge. Diese sollen aus einer der Hochburgen der christlichen Milizen geflohen sein.

Auf den ersten Blick scheint die Zentralafrikanische Republik in einen konfessionellen Bürgerkrieg zu rutschen. Alarmierende Berichte über Massaker an Zivilisten bestätigen dies. Dennoch ist diese Form der Gewalt lediglich ein Ausdruck zur Bekennung der eigenen Identität, gerecht zu sein, und die Suche nach den Schuldigen des eigenen Leids. Schon seit das Land in die Unabhängigkeit entlassen wurde, leben Muslime, Christen und indigene Volksgruppen friedlich Seite an Seite. Der armen Bevölkerung scheint keine andere Lösung als die Gewalt als gerecht zu erscheinen, Perspektivlosigkeit und Misstrauen in machtlose Regierungen beherrschen das Meinungsbild. Dabei ist das bisher bekannte möglicherweise lediglich die Spitze des Eisberges: Zu der Situation außerhalb der Hauptstadt Bangui ist beinahe nichts bekannt. Schon jetzt befinden sich bis zu 1 Million Menschen auf der Flucht, Tausende wurden getötet. Zur Rechenschaft werden dabei auch Menschen gezogen, die lediglich helfen wollen. Die taz berichtet über einen christlichen Pastor, der flüchtende Muslime in seiner Kirche aufnimmt. Dabei wird er beinahe selbst zum Opfer seiner vermeintlichen Mitchristen.

Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, ist nun auch noch mit einer dringenden Lebensmittelknappheit zu rechnen. Die fluchtartig das Land verlassenden Muslime beherrschten bisher vor allem das Handels- und Transportwesen. Fahrer trauen sich nicht mehr in das Land. Das einzige in großen Mengen zur Verfügung stehende Gut sind Waffen – Waffen und das Bedürfnis der Rache.

Polnische Soldaten bei der EUFOR Einsatzmission im Tschad 2007

Zur Lösung sollen nun die 500 bewaffneten Soldaten der EU beitragen. Die Szenerie erinnert stark an Ruanda im Jahr 1994. Bei dem damaligen Genozid schaute die Weltgemeinschaft bewusst vorbei. So etwas sollte nie wieder geschehen, versprach man. In Anbetracht der bisher gesicherten Informationen zur Lage des Landes ist es aber kaum vorstellbar, dass die bisherigen Soldaten genügen, um überhaupt die Hauptstadt zu sichern. Passend stellte die deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen nun in Aussicht, mehr Engagement in Afrika zeigen zu wollen, schließt aber im gleichen Atemzug einen Kampfeinsatz aus. UN und USA zeigen derzeit mit dem Finger in die europäische Richtung und geben keine Anzeichen, dem afrikanischen Staat Hilfe zukommen zu lassen. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel kommentierte dies eindeutig: „Afrika ist unser Nachbarkontinent. Die USA werden sich nicht drum kümmern.“ Immerhin konnte sich die internationale Gemeinschaft zu Hilfsgeldern in Höhe von 500 Millionen US-Dollar durchringen, 200 Millionen davon sollen zeitnah eingesetzt werden.

Den westlichen Staaten fällt es zunehmend schwerer, den humanitären Einsatz von Soldaten zu rechtfertigen. Erfahrungen wie in Afghanistan oder der zweifelhafte Krieg gegen den Irak haben an dem humanitären Image dieser Auslandseinsätze gekratzt. Es seien Kriege aus wirtschaftlichen oder geostrategischen Gründen gewesen. Seither ist die Entsendung von Soldaten in Krisengebiete äußerst unbeliebt geworden, ein schwieriges Unterfangen für westliche Politiker. Der Bevölkerung in der zentralafrikanischen Republik hilft das zweifelsfrei wenig. Aus Ruanda ist immerhin ein mittlerweile stabiles Land geworden.

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Quellen[Bearbeiten]

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January 26, 2014

Die Zentralafrikanische Republik kämpft gegen das Chaos

Die Zentralafrikanische Republik kämpft gegen das Chaos

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Veröffentlicht: 18:39, 26. Jan. 2014 (CET)
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Bangui (Zentralafrikanische Republik), 26.01.2014 – Die Zentralafrikanische Republik hat eine neue Präsidentin. Am 20. Januar 2014 wählte das Übergangsparlament Catherine Samba-Panza zur Interimspräsidentin Zentralafrikas. Die Euphorie über die erfolgreichen Wahlen mit einer vielversprechenden Präsidentin – Samba-Panza wird zugetraut, von allen Bevölkerungsseiten akzeptiert zu werden – verflog allerdings schnell. Schon zwei Tage nach der Wahl erreichte die Gewalt in der Hauptstadt Bangui einen neuen kritischen Höhepunkt. Die christliche Anti-Balaka Miliz verwüstet laut Augenzeugenberichten Teile der Hauptstadt und macht dabei offenbar Jagd auf Muslime. “Sie haben zu den Waffen gegriffen, weil sie etwas erreichen wollen. Wir müssen ihre Gründe erfahren. Wir werden klären, welche Wünsche realistisch sind und welche nicht erfüllt werden können”, so die Interimspräsidentin.

Zentralafrikanische-republik-karte-politisch.png

Samba-Panza kritisierte bereits die mangelnde Internationale Unterstützung. Die jetzige Anzahl an Soldaten und finanzielle Unterstützung reiche nicht einmal aus, um die Ordnung in der Hauptstadt Bangui wiederherzustellen. Versuchen will Sie es dennoch: „Die Zentralafrikanische Republik ist groß, und wir fangen mit der Hauptstadt Bangui an, dann werden wir mit anderen großen Städten weitermachen.” Derzeit sind etwa 400 französische sowie 2.500 Soldaten der Afrikanischen Union stationiert. Diese sollen auf mindestens 1.000 bzw. 3.600 aufgestockt werden. Die USA, Großbritannien sowie Deutschland beteiligen sich an der – durch UN-Resolution gedeckten – Operation lediglich logistisch.

Die Milizen der Anti-Balaka erstarken, seit Präsident Michel Djotodia Anfang Januar zurücktrat. Der frühere Präsident war gleichzeitig auch Anführer der muslimischen Rebellenallianz Séléka gewesen. Ohne die politische Rückendeckung durch Djotodia ist die religiöse Minderheit dem christlichen Mob praktisch ausgeliefert. Dabei wird kein Unterschied gemacht, ob die Menschen der gewaltbereiten Miliz der Séléka angehören oder nicht. Die sich in der Auflösung befindende Rebellengruppe wurde 2013 bereits Ziel französischer Einsatztruppen, bevor der sich zum Präsidenten geputschten Djotodia sie zumindest offiziell auflöste.

In Bangui flüchten nach Berichten der taz derweil mindestens 500.000 Menschen vor der ausufernden Gewalt. Andere Quellen berichten sogar von bis zu 1 Millionen Flüchtlingen. Die Vereinten Nationen berichten über „beispiellose Ausmaße“ der Gewalt gegen Kinder, die etwa die hälfte der Flüchtlinge darstellen sollen.

Die christlichen Milizen gehen nun in eine neue Offensive. Die im Parlament vertretene Zentralafrikanische Volksfront strebt dabei schon jetzt die Absetzung der Präsidentin an, weil mit ihr „der Kampf der zentralafrikanischen Jugend gegen Michel Djotodia, Chef der gott- und gesetzlosen Seleka-Banden, gestohlen worden ist“. Ziel der Offensive ist aber nicht nur die Präsidentin und die Hauptstadt, die Milizen besetzten bereits die gesamte Region zwischen Bangui und der kamerunischen Grenze. Das besetzte Gebiet konterkariert auch die für EU-Truppen vorgesehenen Gebiete und Fernstraßen. Muslimische Bürger aus den angrenzenden Ländern, zumeist dem Tschad, wurden bereits evakuiert.

Zwölf Monate Zeit wurden Samba-Panza gegeben, um den Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik zu beenden. Danach werden Neuwahlen durchgeführt, bei denen sie selbst nicht antreten darf. Im Gegensatz zu anderen Konfliktherden in Afrika hat die Zentralafrikanische Republik nicht nur mit den traditionellen Fehden verschiedener Stämme oder Volksgruppen, sondern auch mit dem Einfluss verschiedener Glaubensrichtungen zu kämpfen. Während ein Großteil der Bevölkerung christlichen oder indigenen Glaubensrichtungen angehört, verbreitet sich unter Einfluss islamisch geprägter Nachbarländer dieser im Norden des Landes.

Quellen[Bearbeiten]

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August 27, 2005

Zentralafrikanische Republik: Bürgerkrieg erneut ausgebrochen

Zentralafrikanische Republik: Bürgerkrieg erneut ausgebrochen

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Flagge der Zentralafrikanischen Republik

Bangui (Zentralafrikanische Republik), 27.08.2005 – Im Nordwesten der Zentralafrikanischen Republik ist an der Grenze zum Tschad erneut ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Innerhalb der letzten Tage sind nach Angaben der UNO rund 4.000 Bewohner in den Tschad geflüchtet.

Bereits im Juni und Juli dieses Jahres sind mehr als 10.000 Menschen über die Grenze geflohen. Die Flüchtlinge sind im Tschad durch starke Regenfälle von Krankheiten bedroht, es wird mit dem Ausbruch von Malaria und Cholera gerechnet.

Karte der Zentralafrikanischen Republik

Bisher erreichten die UNO keine unabhängigen Berichte über die aktuelle Lage im Bürgerkriegsgebiet. Die Erkenntnisse der Politiker stützen sich auf Aussagen der Flüchtlinge, die von Vergewaltigungen, Plünderungen und Überfällen auf ihre Dörfer berichteten. Diese Straftaten würden von Rebellen begangen, aber auch Regierungstruppen seien beteiligt.

Internationale Hilfswerke sowie die UNO bezeichnen den Norden der Zentralafrikanischen Republik als «No-go-Area». Dies drückt aus, dass die Sicherheit der Bürger in dem Gebiet nicht garantiert werden kann. Aus dem Kampfgebiet wurde bekannt, dass der Aufstand von einem Teil der Armee ausgeht und ehemalige Anhänger des Präsidenten François Bozizes beteiligt sind.

Bozizes war früher Stabschef der Armee und hatte im Jahr 2003 gegen seinen Vorgänger Ange-Felix Patasse einen Putsch angeführt. Erst im Mai 2005 wurde Bozizes durch eine Wahl offiziell zum Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik gewählt.

Die nach dem Putsch bis zu den Wahlen durch die Afrikanische Union verhängten Sanktionen wurden nach dem Mai 2005 aufgehoben. Trotzdem beendete Bozize die andauernde Korruption nicht. Seine Staatsangestellten und seine Soldaten erhielten keinen Sold. Aus diesem Grund ist der Aufstand durch einen Teil der Streitkräfte ausgebrochen. Die UNO vermutet rund 6.000 Aufständische in diesem Gebiet.

Obwohl die Zentralafrikanische Republik über reichlich Gold, Diamanten und Bodenschätze verfügt, gilt sie als eines der ärmsten Länder der Welt. 70 Prozent der Menschen in dem afrikanischen Land müssen von weniger als einem US-Dollar am Tag leben.

Quellen

  • tagblatt.ch: „Bürgerkrieg an der Grenze zu Tschad“ (26.08.2005) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar

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