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December 23, 2007

Wikinews interviewt Christoph Bals von Germanwatch nach Ende der Klimakonferenz in Bali

Veröffentlicht: 22:03, 23. Dez. 2007 (CET)
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Nusa Dua (Indonesien), 23.12.2007 – Nach dem Ende der Klimakonferenz auf Bali hat Sean Heron für Wikinews Christoph Bals von der deutschen Nichtregierungsorganisation Germanwatch um seine Meinung zum Ausgang der Verhandlungen und im Hinblick auf zukünftige Verhandlungen interviewt. Christoph ist Politischer Geschäftsführer für Germanwatch, Co-Autor des Klimaschutz-Index und hat auf Bali Lobbyarbeit geleistet.

Einführung Germanwatch

Kannst du vielleicht erst erklären, was die Organisation Germanwatch ausmacht und was eure Ziele sind?
Germanwatch ist eine Nichtregierungsorganisation, die die Themen Umwelt und Nord-Süd-Gerechtigkeit als Schwerpunkte hat. Wir führen allerdings keine Projekte im Süden durch, sondern vertreten Themen, die für den Süden, also die so genannten Entwicklungsländer, von Relevanz sind, gegenüber Politik, Wirtschaft und dem Finanzmarkt.
Kannst du noch näher darauf eingehen, was ihr beim Thema Klimaschutz im Spezifischen macht?
Klimaschutz ist ein Schwerpunktthema für uns. Von Bedeutung ist sowohl die Verringerung vom Ausstoß von Treibhausgasen als auch die Anpassung an den Klimawandel. In diesen Punkte setzen wir uns sowohl bezüglich Deutschland als auch besonders verletzlicher Länder ein. Wir bringen uns in nationale wie auch internationale Politikprozesse intensiv ein. Dabei erzeugen wir gegenüber Politik und Wirtschaft Druck und/oder arbeiten konstruktiv mit ihnen zusammen – je nachdem, wie man besser Erfolge erreichen kann.

Klimaverhandlungen in Bali

Die nächste, recht nahe liegende Frage ist natürlich wie du beziehungsweise Germanwatch den Ausgang der Verhandlungen jetzt betrachtet? Sind eure Erwartungen erfüllt worden?
Wir haben leider die Reduktionsziele, die wir gebraucht hätten, nicht verbindlich festschreiben können. Aber diese Ziele können in dem von der Bali-Roadmap festgelegten Verhandlungsrahmen noch erreicht werden. Das größte Hindernis waren hier die Vereinigten Staaten. Mit dieser Regierung wird es nicht möglich sein, Ziele festzuschreiben, aber wir werden hoffentlich in zwei Jahren, mit der nächsten US-Regierung, die notwendigen globalen Ziele vereinbaren können.
Hättest du gestern Abend mit diesem Ergebnis gerechnet? Oder vor einem Jahr?
Vor einem Jahr hätte ich das jetzige Ergebnis fast schon als revolutionär empfunden. Gegenüber meinen Erwartungen vor der Verhandlung sieht es allerdings anders aus; da hatte ich doch die Hoffnung gehabt, dass es am Ende dieses „Klimajahres“ weiterreichende Fortschritte geben würde. Wenn man sich allerdings die Pakete anschaut, die vereinbart worden sind – Entwicklung und Transfer von klimafreundlichen Technologien, Anpassung an den Klimawandel, Finanzierung der Mechanismen, Waldschutz –, dann ist dort ein sehr substanzieller Prozess angestoßen worden. Damit ist eine ganze Menge erreichbar, aber die großen Hürden liegen noch vor uns.
Was Dynamik erzeugen kann, ist, dass man für diese Pakete Geld braucht und dieses eigentlich nur durch starke Reduktionsziele kommen kann, sei es durch Klimaabgaben oder Steuern, durch die Versteigerung von Emissionszertifikaten oder durch eine Art Tobinsteuer auf den internationalen Emissionshandel. Das führt dazu, dass auch die Länder, die Gelder aus den Paketen bekommen wollen, einen Anreiz haben, sich für stärkere Reduktionsziele einzusetzen. Es ist zu hoffen, dass so sowohl eine Dynamik für starke Emissionsziele als auch für die Finanzierung von Technologien, Waldschutz und Anpassungsmaßnahmen entsteht. Und dass eine Koalition aus Vorreitern der Industriestaaten, der am wenigsten entwickelten Ländern (den sogenannten LDCs) und der großen, sich schnell industrialisierenden Schwellenländer, etwa China, Mexiko, Südafrika, Indien, dies unterstützt. Für eine solche Entwicklung gab es erste Anzeichen in Bali.

Ausblick nächste zwei Jahre

Wie geht es jetzt nach dieser Konferenz weiter? Was ist der Ablauf bis zur Konferenz in Kopenhagen 2009?
Es müssen jetzt die vier Pakete Klimaschutzziele, Anpassung an den Klimawandel, beschleunigte Markteinführung der notwendigen Technologien und die Finanzierung von Technologie, Waldschutz und Anpassung im Detail verhandelt werden. Im nächsten Jahr wird es vier Verhandlungsrunden geben. Das Gesamtergebnis soll dann bis Ende 2009, beim Klimagipfel in Kopenhagen, vorliegen.
Was muss deiner/eurer Meinung nach in diesem Zeitraum passieren? In welchem Rahmen müssen sich die Vereinbarungen deiner/eurer Meinung nach bewegen, die dann hoffentlich getroffen werden?
Zentral ist die Reduktion von Treibhausgas-Emissionen, so dass eine Erwärmung von mehr als 2°C Erwärmung vermieden wird. Die globale Durchschnittstemperaturen dürfen also nicht über 2°C im Vergleich zu den vorindustriellen Werten steigen. Dass nennen wir die Vermeidung des Unbewältigbaren, da die Risiken bei einer solchen Erwärmung einfach zu groß wären.
Zum Erreichen dieses Ziels ist eine Verringerung von Treibhausgasemissionen um 50 bis 85 Prozent bis 2050 notwendig. Für die nächste Zeit heißt dass, dass der Höhepunkt der globalen Emissionen in zehn bis 15 Jahren erreicht und der Ausstoß danach jährlich deutlich verringert werden muss. Die Gruppe der Industrienationen muss ihre Treibhausgas-Emissionen dafür bis 2020 im Vergleich zu 1990 um durchschnittlich 25 bis 40 Prozent reduzieren.
Im Anpassungsbereich, den wir die Bewältigung des unvermeidlichen Wandels nennen, muss sich die Größenordnung der Unterstützung verändern. Bis 2020 werden voraussichtlich etwa 50 Milliarden Dollar jährlich aufgebracht werden müssen.
Was siehst du als (größtes) Hinderniss(e) auf dem Weg zu einer solchen Vereinbarung? Angesprochen hast du ja schon die jetzige US Regierung.
Wir sollten nicht denken, dass das Problem alleine in den USA liegt, auch wenn es dort derzeit am deutlichsten sichtbar ist. Auch bei uns ist vielen nicht klar, was die notwendigen Reduktionsziele bedeuten. Wenn wir wirklich solche Treibhausgas-Reduktionen erreichen wollen, wie ich sie soeben beschrieben habe, dann muss einem zuerst bewusst sein, dass bislang der Wohlstand der Industrieländer auf CO2 aufgebaut ist. Von der Dampfmaschine über die Kohlekraftwerke, die chemische Industrie bis hin zum Auto- und Flugverkehr ist das ganze Wohlstandsmodell bislang auf fossilen Energieträgern und damit auf CO2-Ausstoß aufgebaut. Bislang gilt: Mehr Wohlstand heißt auch mehr ausgestoßenes CO2. Jetzt müssen wir uns mit großen Schritten auf ein nahezu emissionsfreies Wohlstandsmodell hinbewegen – und da scheint Europa eine Vorreiterrolle zuzufallen. Wenn es Europa gelingt, es zu zeigen, steigen die Chancen enorm, dass die großen Schwellenländer ihr neues Wohlstandsmodell daran orientieren.

Möglichkeiten jedes einzelnen

Schließlich würde mich und eventuell auch die Leser interessieren, wie Leute daheim auch positiven Einfluss auf die Entwicklung nehmen können?
Zum einen gibt es die Möglichkeit, sich politisch zu engagieren, wobei die Mitarbeit bei einer Nichtregierungsorganisation wie Germanwatch nur eine Option darstellt. Ermutigend ist in diesem Bereich, was durch informierte Öffentlichkeit schon beachtliches erreicht worden ist. Als Beispiel sei genannt, dass die Planungen von mehreren Kohlekraftwerken in letzter Zeit – gerade auch Dank öffentlichen Drucks – eingestellt wurden.
Zum anderen sollte es einem klar sein, dass jeder Geldschein auch einen Stimmzettel darstellt, mit dem man sich für mehr oder weniger Emissionen entscheidet. Bei praktisch jeder Geldausgabe – ob ich für Lebensmittel oder Mobilität mein Geld ausgebe – gibt es klimaverträgliche und -unverträgliche Möglichkeiten. Ich kann fliegen oder mit der Bahn fahren oder, wenn letzteres nicht geht, die Erwärmungswirkung immerhin durch atmosfair.de ausgleichen.
Aber auch wenn ich Geld spare, liegt es in meiner Hand, ob das Geld für oder gegen Klimaschutz arbeitet. Für jede Geldanlagemöglichkeit gibt es inzwischen Möglichkeiten, die den Klimaschutz fördern – oft sogar, ohne dass ich auf Rendite verzichten muss.
Das Geld, das man bei der Bank anlegt, wird nämlich für Investitionen und Projekte verwendet, die zur Nachhaltigkeit unseres Wirtschaftssystems beitragen oder diese untergraben.
Bedeutet das die Forderung nach einem klimaverträglichem Lebensstil?
Es geht nicht um einen klimaverträglichen Lebensstil. Für die verschiedene Lebenstiltypen, die es in unserer Gesellschaft gibt, muss sich jeweils auch eine klimaverträgliche Variante entwickeln. Die Menschen in unserer Gesellschaft müssen nicht „einheitlich“ werden. Die einen setzen auf Klimaschutz durch technische Innovationen und bringen ihr Haus auf den neuesten Stand der Effizienztechnik, setzen massiv erneuerbare Energieträger ein. Andere sehen einen Wohlstandsgewinn im Nein zum Auto, kaufen sich eine Bahncard 100, bei der man auch die Kinder umsonst mitnehmen kann, und setzen auf ein langsameres, bewussteres Leben. Es geht nicht darum einen Lebensstil vorzuschreiben, sondern jede Lebensstilvariante klimaverträglich weiterzuentwickeln.
Vielen Dank für das Interview und deine Zeit.

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December 15, 2007

Klimagipfel auf Bali endet mit Verhandlungsauftrag

Klimagipfel auf Bali endet mit Verhandlungsauftrag

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Veröffentlicht: 23:01, 15. Dez. 2007 (CET)
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Nusa Dua (Indonesien), 15.12.2007 – Nach einer an Dramatik nicht mehr zu überbietenden Schlusssitzung der Delegierten der internationalen Klimakonferenz auf Bali einigten sich die Verhandlungsteilnehmer auf einen Fahrplan zu einem neuen Weltklimaschutzvertrag, der die Nachfolge des auslaufenden Kyoto-Vertrages übernehmen soll. Die Verhandlungen sollen bis 2009 zum Abschluss gebracht werden. Die vor allem von der EU geforderten konkreten Festlegungen auf eine prozentuale Reduzierung von Treibhausgasen scheiterten insbesondere am Widerstand der Verhandlungsdelegation aus den Vereinigten Staaten. Trotzdem zeigte sich der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel zufrieden. Es sei „mehr erreicht worden, als angesichts der Interessenlagen zu erwarten“ gewesen sei.

In der Erklärung von Bali werden unter anderem die folgenden Ziele angepeilt:

„Bessere nationale und internationale Maßnahmen zur Minderung der klimaschädlichen Emissionen, unter anderem: messbare, berichtspflichtige und nachprüfbare, je nach Land angemessene Emissionsreduzierungen der Industrieländer.“
„Je nach Land angemessene Maßnahmen der Entwicklungsländer unter Berücksichtigung einer nachhaltigen Entwicklung, unterstützt durch Technologie, Finanzhilfen und Training, auf messbarer, berichtspflichtiger und nachprüfbarer Basis.“

Außerdem enthält das Dokument Verweise auf die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung, wie sie im „4. Weltklimabericht“ niedergelegt sind.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wertete die Übereinkunft von Bali als „großen Erfolg“. Das Mandat von Bali werde sich „schon bald als wegweisend und weichenstellend erweisen“. Kritik wird vor allem von Umweltschützern geäußert. Insbesondere die kompromisslose Verhandlungsführung der US-Delegation wurde für ein mageres Ergebnis der Konferenz verantwortlich gemacht. „Die internationale Staatengemeinschaft hatte bis zur letzten Minute die Vereinigten Staaten als Klotz am Bein, deshalb ist man leider nicht weitergekommen“, so ein Greenpeace-Vertreter.

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Quellen

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December 5, 2007

Klimakonferenz auf Bali hat begonnen

Klimakonferenz auf Bali hat begonnen – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Klimakonferenz auf Bali hat begonnen

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Veröffentlicht: 01:35, 5. Dez. 2007 (CET)
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Nusa Dua (Indonesien), 05.12.2007 – Auf der indonesischen Insel Bali hat am 3. Dezember die Weltklimakonferenz begonnen. In Nusa Dua kommen mehr als 10.000 Delegierte aus rund 190 Ländern zusammen. Das Ziel: die Aushandlung eines Nachfolgevertrag für die Ende 2012 auslaufende erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls zur Eindämmung von Treibhausgasemissionen. Konkrete Beschlüsse für eine Reduzierung sind nach Ansicht von Experten nicht zu erwarten.

Ein international besetztes Wissenschaftlerteam hat auf der Konferenz erste Handlungsempfehlungen für 24 Staaten der Erde unterbreitet. Dabei handelt es sich im Prinzip um Ratschläge, wie die Staaten mit den Folgen des Klimawandels umgehen sollen. Dem Staat Gambia wurde etwa empfohlen, durch den Einsatz neuer Sorten, Düngemittel oder innovative Bewässerungssysteme seine Ernte zu verbessern. Aber auch das relativ weit entwickelte Südafrika bekam ein paar Tipps. So prognostizieren die Wissenschaftler dem Land in bestimmten Regionen zunehmende Probleme in der Wasserversorgung. Würde etwa das Wasser nach freien Marktgesetzen gehandelt, führe das zwar zu höheren Kosten, aber zu einem reduziertem Konsum.

Deutlich wurde auch, dass die Folgen des Klimawandels Milliarden von Euro kosten werden. Nach Ansicht der Hilfsorganisation Oxfam sollten die Verursacher der Klimawandels den Entwicklungsländern mindestens 50 Milliarden Dollar zahlen.

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