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March 13, 2012

Demokratie auf jungen Beinen – Osttimor vor der Präsidentenwahl

Demokratie auf jungen Beinen – Osttimor vor der Präsidentenwahl

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Veröffentlicht: 15:45, 13. Mär. 2012 (CET)
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Umrahmt von Indonesien und Australien: Osttimor (Timor-Leste)

Dili (Osttimor), 13.03.2012 – Am Samstag (17. März) ist es soweit: Osttimor (offizieller Name: Timor-Leste), Südostasiens jüngstes Land, wählt seit seiner Entlassung in die Unabhängigkeit vor zehn Jahren zum dritten Mal sein Staatsoberhaupt. Wird ihm durch die Verfassung nur wenig politische Macht gewährt, so ist seine moralische Macht und Einfluss um so größer. Kein Wunder also, dass es zahlreiche Bewerber um dieses Amt gibt, mehr als man vielleicht in anderen Staaten gewohnt ist. Darunter auch so manche Persönlichkeit mit ungewöhnlichem Lebenslauf, so dass der Wahlkampf zeitweise wie eine asiatische Seifenoper wirkte.

Der amtierende Staatspräsident José Ramos-Horta

So etwa Angelita Pires. Noch vor zwei Jahren stand sie vor Gericht, weil man ihr Mitverschwörung beim Attentat auf die Staatsführung 2008 vorwarf. Ihr damaliger Geliebter und Rebellenführer Alfredo Reinado war damals mit seinen Untergebenen aus den Bergen in die Hauptstadt Dili gekommen und nahm Präsident José Ramos-Horta und Premierminister Xanana Gusmão unter Beschuss. Ramos-Horta wurde dabei schwer verletzt. Reinado kam unter nicht ganz geklärten Umständen beim Gefecht mit Sicherheitsleuten ums Leben. Pires wurde schnell als die Frau dargestellt, die die Fäden zog, doch schließlich wurde sie freigesprochen. Die genauen Hintergründe hinter Reinados Angriff sind bis heute nicht ganz geklärt. Pires hat sich aus den eigenen Erfahrungen heraus nun den Kampf für eine gerechte Justiz auf die Fahnen geschrieben. Unterstützt wird sie von der UNDERTIM, einer kleinen Partei der Regierungskoalition mit enger Beziehung zu den Veteranen, die eine wichtige Gruppe in der Gesellschaft Osttimors bilden.

Rechtskräftig verurteilt wurde der Kandidat Rogério Lobato, nachdem er als Innenminister Zivilisten bewaffnet hatte, die während der Unruhen in Osttimor 2006 gegen Gegner der FRETILIN-Regierung vorgehen sollten. Die Regierung stürzte über den Skandal und Lobato wurde zu sieben Jahren verurteilt, durfte aber kurz darauf zu medizinischer Versorgung ins Ausland ausreisen. Bei seiner Rückkehr 2010 wurde er wegen „guter Führung“ begnadigt.

Francisco Xavier do Amaral verstarb während des Wahlkampfs

Auch Osttimors erster Präsident, der 1975 die Unabhängigkeit von Portugal ausrief, neun Tage, bevor Indonesien das Land besetzte und in 24 Jahre Guerillakrieg stürzte, wollte sich zur Wahl stellen. Doch Francisco Xavier do Amaral wurde Anfang des Monats wegen seiner Darmkrebserkrankung ins Krankenhaus eingeliefert. In einer Sondersitzung beschloss das Nationalparlament daraufhin, das Wahlgesetz zu ändern, nachdem sonst beim Tode eines Kandidaten der gesamte Wahlprozess von vorne begonnen werden müsste. Gerade rechtzeitig, denn der „Großvater der Nation“ verstarb am 6. März.

Zuvor war bereits Angela Freitas aus dem Rennen ausgeschieden. Die Präsidentin der Arbeiterpartei (PT), die den Vorsitz von ihrem Vater geerbt hatte, wurde nicht zur Wahl zugelassen, weil ein Großteil ihrer Unterstützerunterschriften von der Wahlbehörde (STAE) für ungültig erklärt worden waren. Grund genug für sie, lautstark und aggressiv die Korruption und den Nepotismus im Lande anzuprangern. In der Nacht darauf flogen Brandsätze in die Büros von STAE und Nationaler Wahlkommission (CNE), der bisher schwerste Vorfall während des Wahlkampfes. Freitas kündigte nun ihre Unterstützung für den Kandidaten der FRETILIN Francisco Lú-Olo Guterres an. Diese Hilfe wird aber vermutlich nur wenig Einfluss auf den Wahlausgang haben. Die PT hat bei den Parlamentswahlen 2001 nur 0,56 Prozent der Stimmen erreicht, bei den Wahlen 2007 trat sie gar nicht an.

Auf dem Bild noch als General: Taur Matan Ruak

Guterres ist als Vorsitzender der größten Partei im Land einer der aussichtsreichsten verbliebenen zwölf Kandidaten. Bei den letzten Präsidentenwahlen unterlag er in der zweiten Runde Ramos-Horta mit 31 Prozent der Stimmen. Damals wurde Ramos-Horta noch von Xanana Gusmão und seinem CNRT unterstützt, doch das Verhältnis zwischen dem Träger des Friedensnobelpreises und dem Premierminister ist nicht mehr ungetrübt. Grund war einiges an Kritik an Gusmãos Koalitionsregierung durch den Präsidenten. Der CNRT unterstützt daher einen weiteren Favoriten, Taur Matan Ruak (zu deutsch „zwei scharfe Augen“), den ehemaligen Oberbefehlshaber der Streitkräfte Osttimors, der im September des letzten Jahres von seinem Posten zurücktrat. Unterstützung erhält Ruak auch von Veteranen und aus den Streitkräften. Aus letzteren vielleicht auch illegalerweise, denn es gibt Berichte, nach denen Soldaten in Uniform und bewaffnet in mehreren Orten Osttimors Flugblätter für Taur Matan Ruak verteilten und auch auf Wahlkampfveranstaltungen waren. Taur Matan Ruak weist diesen Vorwurf des Verstoßes gegen das Wahlgesetz zurück. Bei den Soldaten bei den Veranstaltungen soll es sich um Militärpolizisten gehandelt haben, die bei allen Kandidaten als Leibwächter fungieren.

Nur wenig Chancen werden Fernando La Sama de Araújo gegeben, dem Parlamentspräsidenten und Vorsitzenden der Demokratischen Partei (PD), der zweitgrößten Regierungspartei. Den restlichen Kandidaten, wie zum Beispiel der Entwicklungshelferin María do Ceu oder Abílio Araújo, dem Vorsitzenden der Nationalpartei (PNT), werden nicht mal Außenseiterchancen eingeräumt.

Spannend wird das Ergebnis auch, weil Analysten aus dem Ergebnis Hinweise für das Ergebnis der im Juni anstehenden Parlamentswahlen erwarten. Gewinnt Guterres, hat die linksorientierte FRETILIN gute Chancen, wieder an die Macht zurückzukehren. Sind Taur Matan Ruak oder Ramos-Horta die Gewinner, kann sich das eher konservative Lager um den CNRT Chancen ausrechnen. Zuverlässige Prognosen gibt es nicht, denn es gibt keine Meinungsumfragen. Auch wenn sich das Land in den letzten Jahren stabilisiert hat und ein zweistelliges jährliches Wirtschaftswachstum vorweisen kann, lebt ein Großteil der Bevölkerung noch immer in großer Armut. Die Kindersterblichkeit ist stark zurückgegangen, doch ist der Anteil von Kindern mit Unterernährung nach letzten Studien nur in Afghanistan und im Jemen größer. Auch politisch gibt es Streitigkeiten, sowohl zwischen den Parteien als auch innerhalb zweier Regierungsparteien. Große Verärgerung in der Bevölkerung verursachte die Ausreise des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Maternus Bere, der 2009 bei einem Familienbesuch in Osttimor verhaftet wurde, dann aber auf Befehl von Gusmão und Ramos-Horta wieder in seine neue Heimat Indonesien ausreisen durfte. Bere wird vorgeworfen, beim Kirchenmassaker von Suai in den letzten Monaten der indonesischen Besatzung beteiligt gewesen zu sein. Damals starben etwa 200 Menschen. Gusmão und Ramos-Horta blieben dabei ihrer Linie treu, Verbrechern zu vergeben, so wie auch die überlebenden Attentäter von 2008 begnadigt wurden. Auch versprach man sich davon, die guten Beziehungen mit dem großen Nachbarn Indonesien nicht zu belasten. Doch in der Bevölkerung fand und findet diese Denkweise kein Verständnis. Die bis dato weit verbreitete Verehrung für die beiden Unabhängigkeitskämpfer Gusmão und Ramos-Horta litt darunter stark.

Spannend wird auch, ob es nach den Wahlen ruhig bleibt. Nach den Parlamentswahlen von 2007 kam es zu Unruhen durch enttäuschte FRETILIN-Anhänger. Die Lage ist weniger angespannt, aber die Demokratie ist noch jung und ihre Regeln sind noch nicht tief in den Herzen der Menschen verwurzelt. Der Botschafter Indonesiens hat bereits angekündigt, dass es Pläne zur Evakuierung indonesischer Staatsbürger gibt, falls es zu Unruhen komme. Stabilisierend wirken die internationalen Streitkräfte der ISF und die Polizisten der UN-Mission UNMIT, die seit den Unruhen von 2006 in Osttimor stationiert sind. Bleibt alles friedlich, ist ihr Abzug für Dezember 2012 vorgesehen. Ab Samstag wird sich zeigen, ob der kleine Staat am anderen Ende der Welt weiter auf dem Weg des Friedens und der Stabilität gehen wird oder ob er erneut einen Rückschlag im Wiederaufbau nach der indonesischen Fremdherrschaft hinnehmen muss.

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March 16, 2011

Dritte Welt hilft Japan

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Dritte Welt hilft Japan

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Veröffentlicht: 15:52, 16. Mär. 2011 (CET)
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Zerstörungen in Ofunato. Hilfe kommt aus der ganzen Welt.

Sendai (Japan), 16.03.2011 – Nach dem großen Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März 2011 war auch schnell die weltweite Hilfsbereitschaft zur Stelle. Außenminister Westerwelle bot sofort Japan Deutschlands Unterstützung an, die Vereinigten Staaten entsandten einen Flugzeugträger, und auch die Europäische Union, Kanada, Australien und das gerade erst selbst von einem Beben betroffene Neuseeland schickten Bergungsteams und technisches Personal.

Doch es sind nicht nur die Industrienationen, die Japan zur Hilfe eilen. Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass der regionale Konkurrent China sich für die Japaner engagieren könnte. Erst vor kurzem kam es wieder zu schweren Verstimmungen durch den Territorialstreit um einige Inseln. Nun hat China humanitäre Hilfe im Wert von 4,5 Millionen US-Dollar zugesagt. Außerdem wurde ein 15-köpfiges Rettungsteam entsandt, dazu Hilfsgüter, wie 2.000 Decken, 900 Zelte und 200 Notlichter. Genauso kann man die Entsendung von 100 Rettungshelfern aus Südkorea nach Japan als positives Signal für eine bessere nachbarschaftliche Beziehung werten.

Noch beeindruckender sind Hilfen die von Ländern kommen, die selbst wenig haben. Das kriegszerstörte Afghanistan spendete 50.000 US-Dollar, Kambodscha Hilfen im Wert von 100.000 US-Dollar und Vietnam 200.000 US-Dollar. Osttimor, Asiens ärmstes Land, kündigte an, dass es 100 Helfer nach Japan zur Trümmerbeseitigung schicken wolle. Die Malediven erlitten durch den großen Tsunami 2004 schwere Schäden. Damals kamen zahlreiche Hilfslieferungen aus Japan zu dem Inselstaat im Indischen Ozean. Nun schickten die Malediven 90.000 Dosen Thunfisch nach Japan – zur Versorgung der Menschen in den am schlimmsten betroffenen Gebieten. Auch Sri Lanka, das ebenfalls 2004 vom Tsunami betroffen war, entsandte ein Rettungsteam und spendete eine Million US-Dollar. Thailand spendete gar 6,6 Millionen US-Dollar, 15.000 Tonnen Reis, Decken, Kleidung und Dosennahrung. Daneben wurde ein thailändisches Rettungsteam nach Japan geschickt. Indonesien, der Ausgangspunkt des Tsunamis von 2004, entsandte ein Rettungsteam und medizinisches Personal, ebenso Malaysia, Mexiko und die Philippinen. Indien schickt 22 Tonnen Decken nach Japan. Die Mongolei spendete eine Million US-Dollar und schickte ein Rettungsteam.

Es sind, gerade angesichts der großen Schäden, teilweise nur kleine Gesten, aber es sind Zeichen der internationalen Solidarität mit den Opfern dieser Katastrophe, deren Folgen noch nicht absehbar sind.

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July 28, 2010

Grenzstreitigkeiten zwischen Indonesien und Timor-Leste drohen zu eskalieren

Grenzstreitigkeiten zwischen Indonesien und Timor-Leste drohen zu eskalieren

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Veröffentlicht: 20:05, 28. Jul. 2010 (CEST)
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Timor-Lestes Exklave Oecusse im Westen der Insel

Naktuka liegt im äußersten Westen

Naktuka (Timor-Leste), 28.07.2010 – Die Region scheint am Ende der Welt zu liegen. Will man nach Naktuka, muss man zunächst mit der von Deutschland finanzierten Fähre MS Berlin Nakroma, von Timor-Lestes Landeshauptstadt Dili in zwölf Stunden nach Pante Macassar fahren, dem Hauptort der Exklave Oecusse im Westen der Insel Timor. Von hier aus geht es über mal besser, mal schlechter ausgebauten Strassen weiter Richtung Westen nach Citrana, dem lokalen Zentrum und jenseits des Rio Besi befindet sich das kleine Dorf Naktuka. Eigentlich ein Ort, den die Welt vergessen hat, doch die Grenze zum Nachbarn Indonesien ist nicht weit.

Ende 1975 besetzte der große Nachbar die Exklave, während des Chaos der Entkolonisierung von Portugal, bevor er nach der Unabhängigkeitserklärung von Timor-Leste kurz darauf auch das restliche Land besetzte. 24 Jahre Guerillakrieg mit fast 200.000 Toten waren die Folge, bevor die Vereinten Nationen die Kontrolle übernahmen und 2002 das Land in die Freiheit entließen. Seitdem verbesserten sich die Beziehungen zwischen den Nachbarn, doch seit der Unabhängigkeit gibt es immer noch an mehreren Stellen Uneinigkeit über die exakte Grenzziehung. Zwar hatte man sich dabei an der Einigung zwischen den damaligen Kolonialmächten Portugal und Niederlanden orientiert, doch gerade bei Oecusse gibt es Probleme. Und gerade um einen kleinen Landstreifen von 1069 Quadratmetern bei Naktuka eskaliert in letztere Zeit der Streit.

Im September 2009 fuhr eine Gruppe von indonesischen Soldaten in das osttimoresische Dorf Naktuka und begann Fotos von neu errichteten Gebäuden zu machen. Sie wurden von den Einwohnern kurzerhand rausgeworfen und über die Grenze zurück geschickt. Am 26. Mai 2010 drangen 28 bewaffnete Soldaten des 742. indonesischen Battalions in Timor-Leste ein und setzten in Naktuka ihre Flagge, einen Kilometer von der Grenze entfernt. Drei Tage später brannten sie zwei Häuser sozialer Einrichtungen nieder, die nach ihrer Ansicht nicht dort stehen hätten dürfen. Sie befanden sich auf dem umstrittenen Territorium. Am 24. Juni drang erneut eine bewaffnete Einheit der indonesischen Armee einen Kilometer in das Gebiet von Naktuka ein, zog sich aber zurück, als sie auf eine Einheit der osttimoresischen Grenzpolizei traf. Timor-Lestes Außenminister Zacarias da Costa bestätigte die Vorfälle und auch ein Ultimatum, dass die Soldaten der lokalen Bevölkerung gesetzt hatten, das Gebiet zu verlassen. Indonesiens Botschafter in Dili betonte, dass der Vorfall aufgrund von „technischen Schwierigkeiten“ entstanden sei und dass der Konflikt friedlich gelöst werden sollte. Allerdings forderte die Legislative der indonesischen Provinz Nusa Tenggara Timur bereits die Armee auf, die hunderten Osttimoresen auszuweisen, die „einseitig“ Siedlungen im umstrittenen Gebiet errichtet hätten, das angeblich reich an mineralischen Ressourcen sein soll. Das Mitglied des Provinzrats Jonathan Kanan warnte, man solle es nicht wieder zu einen Fall, wie bei Sipadan und Ligitan kommen lassen, bei dem der Internationale Gerichtshof zugunsten Malaysias die Besitzrechte festlegte. Indonesien sieht das Dorf Naktuka als Teil seines Subdistrikts Ost-Amfoang, doch Einwohner betonen, sie seien schon immer Teil Oecusses gewesen. Erst als Teil Portugiesisch-Timors, dann von Timor-Leste. Auch während der indonesischen Besetzung blieb Timor-Leste als Timor Timur eine eigenständige Provinz im indonesischen Staatsverband. Eine friedliche Lösung will auch die Regierung von Timor-Leste, aber die Einwohner von Naktuka fühlen sich bedroht und verlangen inzwischen die Entsendung von Grenzpolizei und Armee zu ihren Schutz.

Indonesiens Außenminister Marty Natalegawa zeigte sich Ende des Monats bei seinem Besuch in Dili überrascht. Er hatte zuvor nichts von den Vorfällen gehört, versprach aber eine Klärung und eine friedliche Lösung.

Quellen

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November 6, 2009

Petition fordert Auszeichnung für Timor-Leste

Petition fordert Auszeichnung für Timor-Leste

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Veröffentlicht: 20:07, 6. Nov. 2009 (CET)
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Timoresische Verbündete der Australier führen Gefangene ab (Dez. 1942)

Sydney (Australien), 06.11.2009 – Die katholischen Joseph-Schwestern aus dem australischen Sydney sind seit Jahren im benachbarten Timor-Leste (Osttimor) aktiv. 1993 gründeten sie in Becora, einem Stadtteil der Hauptstadt Dili, die Mary MacKillop East Timor Mission. Hier kümmern sich die Nonnen um Ausbildung und die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Seit kurzem ist auch eine Musikschule hinzugekommen, um auch durch kulturelle Förderung die Gewalt, die noch immer große Teile der Gesellschaft prägt, besser zu bekämpfen. Timor-Leste war zwischen 1975 und 1999 vom Nachbarn Indonesien besetzt, was zu einem Guerillakrieg und fast 200.000 Toten führte.

Anfang August traten die Schwestern mit einem ungewöhnlichen Vorschlag an die australische Öffentlichkeit: Der Demokratischen Republik Timor-Leste soll der Honary Companion of the Order of Australia verliehen werden – als Dank für die Unterstützung der australischen Soldaten durch die Timoresen im Zweiten Weltkrieg. Trotz der Neutralität der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor geriet das Land damals in die Wirren des Pazifikkrieges. Vor allem australische Einheiten führten auf Timor einen Guerillakrieg gegen die Japaner, die die Insel 1942 besetzten. Viele Einheimische halfen den Australiern mit Lebensmittel und boten ihnen Unterschlupf, manche kämpften auch auf deren Seite in der sogenannten Schlacht um Timor mit. Dadurch konnten wenige hundert australische Soldaten eine komplette japanische Division binden, die an anderen Kriegsschauplätzen fehlte. Folge waren Repressionen durch die japanischen Besatzer. Dazu kamen Zwangsarbeit, Zwangsprostitution und Internierungen, unter denen die timoresische Bevölkerung zu leiden hatte. Erst mit der japanischen Kapitulation 1945 endete die Besatzung. Insgesamt starben in dieser Zeit 40.000 Timoresen.

Nach Ansicht der Nonnen hat Australien bisher nicht deutlich genug seine Dankbarkeit für die Opfer der Timoresen gezeigt. Zwar unterstützt das Land den kleinen Nachbarn seit dem Abzug der Indonesier 1999, hatte aber bei der Invasion 1975 wohlwollend den Indonesiern gegenüber geschwiegen. Japan hat Timor-Leste, im Gegensatz zu anderen Staaten, bisher auch keine Entschädigungen gezahlt.

Schwester Susan Connelly von der Mary MacKillop East Timor Mission erklärte:

„Wir dürfen nicht vergessen, was sie für uns getan haben. Die praktische Unterstützung, die viele Australier den Timoresen zur Bewältigung ihrer jüngerer Vergangenheit geben, muss mit einem klaren Bekenntnis zu unser Schuld aus dem Zweiten Weltkrieg gegenüber ihnen ergänzt werden.“

Inzwischen haben 22.000 Menschen die Petition unterzeichnet, und der Aufruf der Nonnen wurde Ende Oktober weltweit wiederholt.

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Quellen

Weblinks

Commons-logo.svg Wikimedia Commons: Weitere Bilder, Videos oder Audiodateien zum Thema „Schlacht um Timor“.

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July 1, 2009

Timor-Lestes Premierminister sieht sich zunehmend mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert

Timor-Lestes Premierminister sieht sich zunehmend mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert

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Veröffentlicht: 05:48, 1. Jul. 2009 (CEST)
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Premierminister Xanana Gusmão

Dili (Timor-Leste), 01.07.2009 – Von vielen Seiten wird Timor-Leste als eine „Gesellschaft, die auf Gerüchten basiert“ (rumor-based society) bezeichnet, eine Folge der indonesischen Besatzungszeit (1975-1999), in der sowohl Besatzer als auch Freiheitskämpfer mit Gerüchten die Bevölkerung und die jeweils andere Seite verunsichern wollten. Die Bevölkerung ist daher anfällig für Gerüchte und Verschwörungstheorien, was von allen politischen Parteien und Akteuren ausgenutzt wird. Das beginnt mit Vermutungen über die verfassungsmäßige Rechtmäßigkeit der Koalitionsregierung und geht über Behauptungen über Fehlverhalten der ausländischen Sicherheitskräfte (zum Beispiel der „INTERFET-Frosch“) und Unfähigkeit der Regierenden bis hin zu Gerüchten über bewaffnete, paramilitärische Gruppen und Spekulationen über den gewaltsamen Tod des Rebellen Alfredo Reinado und dessen Verbindungen ins Ausland. Im Mai 2009 sah sich der stellvertretende Polizeikommandant Alfredo de Jesus gezwungen, die Bevölkerung in Radio und Fernsehen aufzufordern, nicht dem Gerücht zu glauben, eine Hexe namens Magareta würde nächtens über Dili fliegen.

Seit Monaten gibt es bereits Gerüchte und Anschuldigungen gegen mehrere Mitglieder der AMP-Koalitionsregierung unter Premierminister Xanana Gusmão. Ihnen werden Korruption und Vetternwirtschaft vorgeworfen, vor allem durch die oppositionelle FRETILIN. Im Mai letzten Jahres drohte die ASDT aus der Regierungskoalition auszuscheiden, da Premierminister Gusmão sich weigerte, zwei der Korruption beschuldigte ASDT-Angehörige des Kabinetts zu entlassen, wie es die Partei gefordert hatte. Dahinter stand ein Machtkampf zwischen der Parteiführung und ihren Parlamentsabgeordneten. Letztlich blieben Tourismusminister Gil da Costa Alves und der Staatssekretär für Umwelt Abílo de Deus de Jesus Lima im Amt und die ASDT in der Koalition.

Sitzverteilung und Bündnisse im Nationalparlament Osttimors
(Stand: Mai 2008)

Als nächstes kamen Landwirtschaftsminister Mariano Assanami Sabino (PD) und Justizministerin Lúcia Lobato (PSD) unter Korruptionsverdacht. Das Wohnhaus von Lobato wurde am 1. Juni diesen Jahres von UN- und Nationalpolizei ebenso durchsucht, wie die Firma von Lobatos Ehemann Americo Lopes. Die Pualaka Petrolium Fuel hatte einen Vertrag über die Lieferung von Dieseltreibstoff an die nationalen Elektrizitätskraftwerke im Wert von 3,1 Millionen US-Dollar erhalten. Medien vermuteten eine Übervorteilung von Lopes. Zudem wird ihm von Geschäftspartnern vorgeworfen, Lopes habe Dokumente manipuliert, um mehr Einfluss in der Firma zu gewinnen.

Nun ist auch der Regierungschef und Unabhängigkeitsheld Gusmão selbst unter Verdacht geraten. Er hatte einen Vertrag über mehrere Millionen US-Dollar mit einer Firma unterzeichnet, deren Haupteigentümer seine Tochter aus erster Ehe, Zenilda Gusmão ist. Laut ABC Radio Australia erhielt Prima Food einen Lieferauftrag über Reis im Wert von 3,5 Millionen US-Dollar. Prima Food ist eine von mehreren Firmen, die Timor-Leste für insgesamt 56 Millionen US-Dollar das wichtige Grundnahrungsmittel 2008 lieferten. Das Geld stammte aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfond und sollte die akute Nahrungsmittelknappheit lindern. Die Opposition hatte die Ausgaben scharf kritisiert. Ebenfalls zu den Lieferanten gehören United Foods Lda. und Belun Feto Lda., die unter Kathleen Gonçalves Geburtsname Fon Ha Tchong verzeichnet sind. Kathleen Gonçalves ist die Ehefrau von Entwicklungsminister João Mendes Gonçalves (PSD). Der Liefervertrag mit den beiden Firmen und einer Firma namens Tres Amigos hatte ein Volumen von 11 Millionen US-Dollar. Eine Regierungssprecherin erklärte, dass Kathleen Gonçalves allerdings schon seit 1999 Reis importiere und auch schon von den Vorgängerregierungen, auch jener der FRETILIN, als offizielle Handelspartnerin anerkannt war. João Gonçalves erklärte, er habe keinen Einblick in die Firmen seiner Frau und deren Verträge.

Während die ABC auf ein Gesetz verweist, dass Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes, Beamten und Politikern verbietet Verträge mit nahen Verwandten abzuschließen, erklärte die timoresische Regierung der australische Sender habe mehrere Fakten, vor allem bei der juristischen Bewertung nicht richtig dargestellt. Der Staatssekretär für den Ministerrat Agio Pereira erklärte, Gusmão habe keine Gesetze gebrochen. Die Verträge seien von der Regierung die ganze Zeit über transparent gehalten worden, erklärte eine Regierungssprecherin. Kritik an dem Vorgang kommt aber weiterhin sowohl von den Oppositionsparteien FRETILIN und PUN, als auch der Menschenrechtsorganisation La’o Hamutuk. PUN-Chefin Fernanda Borges erklärte, die Regierung würde das Gesetz so auslegen, dass bestimmte Regierungsmitglieder nicht an ihm gebunden seien, doch gerade der Premierminister müsse hier vorsichtig sein. Der stellvertretende FRETILIN-Vorsitzende Arsénio Bano forderte den Rücktritt von Premierminister Gusmão. Zudem kritisierte Bano, dass die Regierung noch nicht einmal angebe, um wie viel Reis es sich bei der Lieferung handle.

Die neusten Fälle sind der Höhepunkt der monatelangen, größtenteils unbelegten Korruptionsvorwürfe. Diese zeigen in der öffentlichen Meinung immer deutlicher ihre Wirkung. 35 % der Timoresen glauben, die Korruption wäre unter der neuen Regierung schlimmer geworden. Im Internationalen Korruptionsindex von Transparency International fiel Timor-Leste 2008 von Platz 122 auf Platz 145, was erneut zu einer heftigen öffentlichen Diskussion führte. Die Regierung wies darauf hin, dass die Verschlechterung noch auf Daten der FRETILIN-Vorgängerregierung beruhen würden, ernannte aber Mário Viegas Carrascalão zum zweiten Vizepremierminister, der sich primär mit der Korruptionsbekämpfung beschäftigen soll und gründete eine Anti-Korruptionskommission, die von einer Mehrheit der Bürger begrüßt wurde. Carrascalão erklärte, er werde den Reishandelskandal untersuchen. Staatspräsident José Ramos-Horta erklärte, er werde sich in den Skandal nicht einmischen. Es gehöre nicht zu seinen Aufgaben als Präsident, hier zu intervenieren. Heute verteidigte Ramos-Horta den Premierminister und Minister João Gonçalves. „Nur weil jemand Präsident oder Premierminister geworden ist, bedeutet das ja nicht, dass seine Familie in die Arbeitslosigkeit gehen, ihre Firmen verkaufen und ihre Geschäfte stoppen muss,“ so Ramos-Horta.

Quellen

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June 25, 2009

Deutscher wegen Sex mit elfjährigem Jungen in Timor-Leste verhaftet

Deutscher wegen Sex mit elfjährigem Jungen in Timor-Leste verhaftet

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Veröffentlicht: 07:20, 25. Jun. 2009 (CEST)
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Lage von Timor-Leste

Dili (Timor-Leste), 25.06.2009 – Der 80-jährige Deutsche Erich S. wurde am vergangenen Sonntag in Timor-Lestes Hauptstadt Dili verhaftet. Laut der Untersuchungen von Interpol und der UN-Polizei wird ihm vorgeworfen, mit einem elfjährigen Jungen mehrmals Sex gehabt zu haben. Nach Gerichtsunterlagen soll Erich S. den Jungen viermal für seine sexuellen Dienste bezahlt haben. Der ehemalige Ingenieur gab als seinen Wohnsitz die thailändische Provinz Songkhla an. Seit Mai 2006 besuchte er mehrmals Osttimor. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest. Einige Tage vor dem Deutschen war bereits ein Brasilianer in Dili verhaftet worden. Er soll mehrere minderjährige Mädchen sexuell genötigt haben.

Timor-Leste ist das ärmste Land Asiens. Es erlangte erst 2002 seine Unabhängigkeit und erlebte 2006 schwere Unruhen, bei denen ein Zehntel der Bevölkerung aus ihren Häusern fliehen mussten. Der Anteil der Bevölkerung mit einem Alter unter 15 Jahren beträgt 41,6 Prozent (Stand: 2004).

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  • 100.000 Timoresen leben immer noch in Flüchtlingslagern (03.02.2008)

Quellen

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May 15, 2009

Australische Soldaten gehen mit Fahrrad auf Patrouille

Australische Soldaten gehen mit Fahrrad auf Patrouille

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Veröffentlicht: 05:49, 15. Mai 2009 (CEST)
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Zerstörungen in Dili nach den Unruhen von 2006

Dili (Timor-Leste), 15.05.2009 – Das südostasiatische Land Timor-Leste (Osttimor) hat unruhige Zeiten hinter sich. Nach 24 Jahren indonesische Besatzung und drei Jahren UN-Verwaltung erhielt es 2002 seine Unabhängigkeit. Doch 2006 kam es zu schweren Unruhen, denen mindestens 37 Menschen zum Opfer fielen. 155.000 Menschen, 10 Prozent der Bevölkerung war auf der Flucht. Unter Führung der australischen Armee wurde eine internationale Eingreiftruppe, die International Stabilization Force ISF entsandt, um wieder für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Vereinten Nationen setzten zudem eine internationale Polizeimission ein, die UNMIT. Eine Rebellenbewegung führte am 11. Februar 2008 einen Anschlag auf die Staats- und Regierungschefs aus. Präsident Ramos-Horta wurde dabei schwer verletzt. Da aber auch der Rebellenführer ums Leben kam, war dies das Ende der Bewegung. Auch wenn Bandenkämpfe immer noch für Opfer sorgen, hat sich die Lage in den letzten Monaten sehr beruhigt. Doch noch immer sorgen ausländisches Militär und Polizei für Sicherheit und Stabilität in Timor-Leste, darunter 650 australische Soldaten

Doch waren die Diggers bisher in voller Kampfausrüstung und in gepanzerten Wagen in den Straßen der Landeshauptstadt Dili unterwegs, scheint jetzt der Zeitpunkt gekommen, ein weniger martialisches Auftreten an den Tag zu legen. Australiens Friedenswächter satteln um auf den Drahtesel. Fahrrad- statt Stahlhelm, als einzige Ausrüstung nur Pistole, Funkgerät und Wasserflasche. Der Vorteil: Die Soldaten können im Notfall schneller eingreifen und haben auf diese Weise einen engeren Kontakt zur Bevölkerung. Die Abrüstung im Erscheinungsbild liegt auch ganz im Interesse der Regierung Timor-Lestes, erklärt Australiens Verteidigungsminister Joel Fitzgibbon. Die leichte Ausrüstung sei ein Zeichen des Erfolges der Befriedung des Landes und würde die Bevölkerung darauf vorbereiten, dass nun die einheimischen Sicherheitskräfte wieder die Verantwortung übernehmen. Und tatsächlich: Seit gestern ist die timoresische Nationalpolizei PNTL erstmals seit 2006 wieder alleine zuständig für die öffentliche Ordnung in einem Distrikt. In Lautém, im äußersten Osten des Landes wurde ihr die Aufgabe in einer offiziellen Zeremonie übergeben. Weitere Distrikte sollen in den nächsten Wochen folgen. Noch werden aber die internationalen Kräfte nicht abgezogen. Der PNTL fehlt es nicht nur an Ausrüstungsgegenständen, wie Fahrzeugen und Funkgeräten, dieses Jahr finden auch wieder Kommunalwahlen in der noch jungen Demokratie statt.

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  • Anschlag auf Präsident Osttimors (11.02.2008)
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  • Tote und Verletzte nach Krawallen in Dili (30.04.2006)

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September 11, 2008

Krötenplage in Timor-Leste

Krötenplage in Timor-Leste – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Krötenplage in Timor-Leste

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Veröffentlicht: 22:32, 11. Sep. 2008 (CEST)
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Bedrohung für Timors einzigartige Tierwelt: Die giftige Aga-Kröte

Dili (Timor-Leste), 11.09.2008 – Vor neun Jahren wurde die indonesische Besatzung Timor-Lestes durch UN-Truppen beendet, nun sieht sich der kleine südostasiatische Staat von einer neuen Invasion bedroht. Immer öfter findet man hier die giftige Aga-Kröte (Bufo marinus).

„Es sind so viele Kröten in Timor-Leste. Wir wissen nicht, wie wir sie los werden können, wir wissen nicht, wie wir sie töten können,“ berichtet Simplicio Barbosa von Care International im australischen Radio. Die ursprünglich aus Lateinamerika stammende Kröte wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein in Pazifikstaaten und Australien eingeführt um Insektenplagen zu bekämpfen, ohne zu beachten, dass die Kröten dort fast keine natürlichen Fressfeinde haben. Dazu kommt, dass die Amphibien bei ihrer Nahrungswahl nicht wählerisch sind. Von Insekten über Reptilien und andere Amphibien bis hin zu kleinen Säugern reicht ihr Speisezettel. Sogar Aas und Essensabfälle verschmähen sie nicht und sogar Kannibalismus wurde schon beobachtet. In Australien gelten sie schon lange als Plage und haben es zu einem der am meisten gehassten Tieren auf dem fünften Kontinent gebracht, denn die bis zu 22 Zentimeter großen und über ein Kilo schweren Aga-Kröten werden in ihren neuen Siedlungsgebieten oft für das Verschwinden vieler einheimischer Arten verantwortlich gemacht. Auch weil Raubtiere, wie zum Beispiel Schlangen durch das Hautgift zu Tode kommen. Menschen erleiden zumeist Hautreizungen, es sind aber auch schon Todesfälle durch das Hautsekret bekannt. Auf der Insel Timor leben viele seltene Vogelarten, 23 findet man nur hier und auf der kleinen Nachbarinsel Wetar. Dazu gibt es verschiedene Waran- und Schlangenarten. Und auch Haustiere sind bedroht, die für den ländlich geprägte Staat lebenswichtig sind. Schon wird berichtet, dass die Kröten viele Hühner getötet haben.

Barbosa glaubt, die Kröten seien vom australischen Darwin nach Timor-Leste durch die australischen Truppen gebracht worden. Die Australier bilden seit 1999 den Hauptteil der internationalen Streitkräfte, die das Land im Wiederaufbau und bei der Stabilisierung unterstützen. Timoresische Bauern in einigen Regionen berichten sogar, die Aga-Kröten seien von den Soldaten absichttlich eingeführt worden, um Giftschlangen zu bekämpfen. Australische Experten glauben eher, dass die Aga-Kröten als blinde Passagiere ins Land kamen. Konfrontiert mit dem Vorwurf erklärte ein australischer Militärsprecher, man könne nicht zurückverfolgen welcher Transport die Kröten nach Timor-Leste eingeschleppt hat. Seit Beginn der Hilfsmaßnahmen gab es unzählige Schiffe und Flugzeuge, sowohl vom Militär, als auch von zivilen und staatlichen Hilfsorganisationen, die von Australien nach Timor-Leste gingen. Der australische Verteidigungsminister kündigte bei einem Besuch in Darwin Joel Fitzgibbon Untersuchungen an.

Barbosa und auch Senator Bob Brown, Vorsitzender der australischen Grünen fordern, Australien solle dem kleinen Nachbarland bei der Krötenbekämpfung helfen. Die Kröten seien eine Bedrohung für die Umwelt und die Wirtschaft Timor-Lestes. Die Amphibien müssten noch vor Beginn der Regenzeit beseitigt werden.

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August 4, 2008

Timor-Leste eröffnet seinen ersten Nationalpark

Timor-Leste eröffnet seinen ersten Nationalpark

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Veröffentlicht: 17:24, 5. Aug. 2008 (CEST)
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Eine Fatu, eine für Timor typische steile Klippe nahe Tutuala

Tutuala (Timor-Leste), 04.08.2008 – Der Premierminister von Timor-Leste Xanana Gusmão hat heute gemeinsam mit Vertretern der Gemeinden der Region den ersten Nationalpark des Landes offiziell eröffnet. Das 123.600 Hektar große Gebiet im äußersten Osten der Insel Timor ist nach dem Freiheitskämpfer und Kommandant der FALINTIL Nino Konis Santana (1959-1998) benannt, der in Tutuala geboren wurde. 55.600 Hektar des Nationalparks sind Meeresfläche. Bereits seit 2000 waren schon der Strand von Tutuala und der dahinterliegende Wald Wildschutzgebiet. Am 27. Juli 2007 wurde dann das Schutzgebiet auf die heutige Fläche erweitert. Es umfasst nun die Important Bird Areas von Loré, des Monte Paitchau und des Sees Ira Lalaro (dem größten See des Landes), sowie die Insel Jaco und im Meer das Korallendreieck, eine Region mit der größten Biodiversität an Korallen und Rifffischen in der Welt. Das Gebiet war ein Rückzugsgebiet für die Unabhängigkeitskämpfer der FALINTIL.

Geschützt werden sollen Natur, und das kulturelle und historische Erbe in der Region. Dazu gehören Korallenriffe und der größte verbliebene intakte tropische Flachland- und Monsunregenwald der Region. Außerdem hat das Gebiet mythologische Bedeutung für die Bevölkerung. Seit über 40.000 Jahren leben Menschen in dieser Region, weswegen auch aus Sicht der Archäologie der Nationalpark interessant ist. Außerdem gibt es historisch wichtige Orte aus der portugiesischen Kolonialzeit und der Zeit der japanischen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Die Regierung wird beim Nationalpark unterstützt von BirdLife International und dem Department of Environment and Climate Change der Regierung von New South Wales/Australien.

Der Nationalpark beherbergt unter anderem 25 Vogelarten, die nur auf Timor und benachbarten Inseln zu finden sind, darunter der gefährdete Gelbwangenkakadu (Cacatua sulphurea) und die grüne Timortaube (Treron psittaceus).

Im Gebiet des Nationalparks leben 10.000 Menschen, die sich direkt beim Schutz des Parks beteiligen sollen. Sie sollen als Parkwächter angeworben werden.

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June 25, 2008

Timor-Leste: Pläne für Biosprit gefährden Nahrungsmittelversorgung

Timor-Leste: Pläne für Biosprit gefährden Nahrungsmittelversorgung

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Veröffentlicht: 05:46, 25. Jun. 2008 (CEST)
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Nahrung oder Biosprit? Reisfelder in Timor-Leste

Dili (Timor-Leste), 25.06.2008 – Anfang des Jahres unterschrieb die Regierung von Timor-Leste mit der indonesischen Firma GTLeste Biotech eine Absichtserklärung über ein geplantes Bioethanol-Projekt. Auf 100.000 Hektar sollen Zuckerrohrplantagen entstehen, was einem Sechstel des fruchtbaren Landes von Timor-Leste entsprechen würden. Außerdem ist eine Ethanolfabrik geplant. Für 50 Jahre Nutzung des „unproduktiven Landes“ will GTLeste der Regierung 100 Millionen US-Dollar zahlen. Durch das Engagement sollen 2000 neue Arbeitsplätze entstehen, hauptsächlich in ländlichen Gebieten.

Die Oppositionspartei FRETILIN zeigt sich skeptisch, dass auf so genanntem „unproduktiven Land“ Zuckerrohr angebaut werden könne, und befürchtet stattdessen den Verlust von Anbauflächen für Nahrungsmittel. Der landwirtschaftliche Sprecher der FRETILIN, der ehemalige Premierminister Estanislau da Silva, sagte, der Plan könne sich zu einem Fluch für die Nahrungsmittelproduktion in dem durch die Landwirtschaft geprägten Land entwickeln.

Maximus Tahu vom unabhängigen „Timor-Leste Institut für Entwicklungsbeobachtung und -analyse La’o Hamutuk“ kritisiert vor allem den Entstehungsprozess des Projektes. Zuerst solle sich die Regierung beraten lassen, bevor sie Verträge unterzeichne, so Tahu. Bei einer Fläche von 100.000 Hektar wären auch bereits bestehende Farmen von den Planungen betroffen. Zudem könnten die Böden unfruchtbar werden. Da 80 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebten, sei Land für sie von zentraler Bedeutung. Tahu erklärte, andere Länder hätten bereits schlechte Erfahrung mit Zuckerrohrplantagen gemacht.

Die Regierung gab bekannt, dass die Gespräche noch in einem Anfangsstadium seien und noch keine konkreten Flächen eingeplant seien. Noch sei GTLeste kein Land versprochen worden. Landwirtschaftsminister Mariano Assanami Sabino nannte die Kritik an den Plänen „falsche Propaganda“. Er sieht in dem Projekt eine dringend benötigte Investition für das ländliche Timor-Leste. Timor-Leste ist eines der ärmsten Länder Asiens – mit fast 50 Prozent Arbeitslosigkeit und gleichzeitig einer der höchsten Geburtsraten der Welt.

Subdistrikte mit Hungersnöten im November 2007

Biosprit, der aus Palmöl, Zuckerrohr und Sojabohnen hergestellt wird, gilt als Lösung für Probleme wie steigende Erdölpreise und die Globale Erwärmung. Sorgen bereiten allerdings die Umweltschäden durch die Monokulturen und der Anstieg der Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt durch sinkende Produktion.

So stieg der Reispreis in Timor-Leste in den letzten sechs Monaten von 40 US-Cent pro Kilo auf 1,20 oder gar 1,30 US-Dollar. Preise, die viele Familien nicht mehr bezahlen können. Nur durch Subventionen können die Vereinten Nationen einen 35-Kilogramm-Sack Reis für 17 US-Dollar verkaufen, doch ihre Mengen sind begrenzt.

Timor-Leste kämpft zudem schon seit Monaten mit einer akuten Lebensmittelknappheit, hauptsächlich durch Unwetter und Heuschrecken. Ein Fünftel der Bevölkerung leidet an Unterernährung und muss mit Hilfslieferungen versorgt werden. Man schätzt, dass Osttimor 86.000 Tonnen an Lebensmitteln einführen musste, um die Verluste der letzten Ernteausfälle auszugleichen. 15.000 Tonnen davon mussten durch internationale Nahrungsmittelhilfen aufgebracht werden.

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