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February 11, 2008

Anschlag auf Präsident Osttimors

Anschlag auf Präsident Osttimors – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Anschlag auf Präsident Osttimors

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Veröffentlicht: 14:47, 11. Feb. 2008 (CET)
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Osttimors Präsident José Ramos-Horta wurde schwer verletzt

Dili (Osttimor), 11.02.2008 – Der Präsident Osttimors (Timor-Leste) und Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta wurde bei einem Überfall auf sein Wohnhaus durch drei Schüsse verletzt. Zwei haben ihn in die Brust getroffen, der dritte durchschlug den Magen. Nach einer Operation in einem australischen Militärkrankenhaus in Dili wurde er zur medizinischen Behandlung in das australische Darwin ausgeflogen. Die Verletzungen sollen ernst, aber nicht lebensbedrohlich sein. Zur Zeit liegt er im künstlichen Koma. Premierminister Xanana Gusmão entging unverletzt einem Feuerangriff. Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. „Der Staat ist angegriffen worden,“ sagte er, der Versuch eines Staatsstreichs sei aber abgewehrt worden.

Täter waren Rebellen unter der Führung des ehemaligen Chefs der Militärpolizei Alfredo Reinado, der beim Angriff auf Ramos-Hortas Haus von Wachleuten erschossen wurde. Die Rebellen sind ehemalige Soldaten der Streitkräfte Osttimors (F-FDTL), die 2006 meuterten und damit die größten Unruhen seit der Unabhängigkeit des Landes 2002 auslösten, bei der mindestens 37 Menschen starben. Aufgrund der damals ausbrechenden ethnischen Konflikte leben noch heute 100.000 Menschen in Flüchtlingslagern. Eine von Australien geführte Militärmission und eine UN-Mission sorgen seitdem für Recht und Ordnung im Land. Erst in diesem Monat hatte man der nationalen Polizei wieder die Verantwortung für die Landeshauptstadt Dili übergeben. Damals musste die Regierung Alkatiri zurücktreten und Ramos-Horta übernahm bis zu seiner Wahl zum Präsidenten das Amt des Premierministers. Reinado war zeitweise in Untersuchungshaft wegen achtfachem Mord im Zusammenhang mit Feuergefechten während der Unruhen, konnte aber mit Anhängern aus dem Gefängnis fliehen und versteckte sich bisher in den Bergen im Westen des Landes. Ein Zugriffsversuch im März 2007 durch australische Spezialeinheiten misslang. In der letzten Woche feuerten Männer Reinados acht Warnschüsse in Richtung einer australischen Patrouille. Dabei wurde niemand verletzt. Auch nicht bei einer Explosion in einem australischen Militärcamp am letzten Donnerstag.

Gegen 7:00 Uhr morgens Ortszeit feuerten die Rebellen aus zwei Autos auf das Haus des Präsidenten. Beim darauf folgenden Schusswechsel kamen Reinado und ein Wachmann Ramos-Hortas ums Leben. Darauf folgte um 7:45 Uhr eine Attacke auf Gusmãos Haus.

Gusmão war der erste Präsident des Landes nach 24 Jahren Besatzung durch das Nachbarland Indonesien und drei Jahren Verwaltung durch die Vereinten Nationen. 2007 wurde er Premierminister einer Vier-Parteien-Koalitionsregierung, die die größte und bisher regierende Partei FRETILIN ausschloss.

Ramos-Horta erhielt 1996 zusammen mit Dilis Bischof Carlos Belo den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz für die Unabhängigkeit Osttimors. Im letzten Jahr wurde er in einer Stichwahl gegen den FRETILIN-Kandidaten zum Staatspräsidenten gewählt.

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March 4, 2007

Situation in Timor-Leste nach wie vor kritisch

Situation in Timor-Leste nach wie vor kritisch

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Artikelstatus: Fertig 22:14, 4. Mär. 2007 (CET)
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Lage von Timor-Leste

Der Manufahi-Distrikt

Lage von Same

Same (Timor-Leste), 04.03.2007 – Bei einem Angriff australischer Soldaten auf die osttimoresische Stadt Same am frühen Sonntagmorgen wurden australischen Angaben zufolge vier Aufständische getötet. Das eigentliche Ziel der Mission, den Ende August des vergangenen Jahres mit 50 anderen Häftlingen aus einem Gefängnis geflohenen Rebellenführer Major Alfredo Reinado festzunehmen, schlug jedoch fehl.

„Die Anzahl der Soldaten ist komplett. Es wurde nur eine Person verwundet“, bestritt Reinado diese Behauptung und fügte hinzu, dass australische Truppen beschossen wurden. Der ehemalige Major der Streitkräfte wird beschuldigt, für einen Überfall auf eine Polizeistation am vergangenen Sonntag verantwortlich zu sein, bei dem er mit seinen Männern etwa 25 automatische Waffen erbeutet haben soll. Reinado wies die Anschuldigungen jedoch zurück und sagte, dass die Polizei ihm die Waffen überlassen habe.

Nach dem Zwischenfall hatte Osttimors Präsident Gusmão am vergangenen Dienstag in einem Brief an die australische Regierung die ausländischen Truppen ermächtigt, den Rebellenführer, der schon im Januar damit gedroht hatte, Australier zu töten, falls diese versuchten, ihn mit Waffengewalt zur Aufgabe zu zwingen, gefangen zu nehmen. Indonesien hat inzwischen seine Grenze zu dem Nachbarland geschlossen.

Einer der Aufständischen teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, dass er seit gestern Abend den Kontakt zu Reinado verloren habe, nachdem es zu ersten Zusammenstößen mit australischen Truppen gekommen sei, und sagte: „Sie haben uns morgens etwa um zwei Uhr angegriffen und feuerten Tränengas und Leuchtgeschosse.“ Am Abend soll es zu einer erneuten Operation gekommen sein, bei der auch Hubschrauber im Einsatz waren.

Brigadegeneral Mal Rerden, der Kommandierende einer von Australien geführten Eingreiftruppe, welche seit Ende Mai des vergangenen Jahres in Osttimor ist, um das von innerer Unruhe erschütterte Land wieder zu befrieden, bestätigte, dass sich die Situation in Same wieder beruhigt habe und Reinado in die nahen Berge geflohen sei. Aus dem zuständigen Ministerium in Canberra verlautete, dass bisher weder Verletzte noch Tote zu beklagen seien. Zusätzliche Truppen wurden in den vergangenen Tagen nach Osttimor geschickt, um die 800 australischen Soldaten zu verstärken, die sich bereits auf Timor befinden.

Am Sonntag kam es zu Ausschreitungen in der Hauptstadt Dili, in Gleno, wo Alfredo Reinado seine Kindheit verbrachte, und in Ermera, die sich am frühen Montagmorgen fortsetzten. Dabei wurden Autos und zwei Regierungsgebäude beschädigt. Die geglückte Flucht Reinados erhöht die Beliebtheit des früheren Kommandeurs der Militärpolizei in der Bevölkerung.

Seit vergangenen Donnerstag lagen Berichte vor, dass Alfredo Reinado, der in Australien militärisch ausgebildet wurde, mit bis zu 150 schwer bewaffneten Männern in Same eingeschlossen sei. Gegenüber der australischen Zeitung „The Age“ erneuerte er seine Drohung gegenüber den australischen Truppen. Der osttimoresische Lieutenant Gastao Salsinha, der eigentliche Anführer der seit Februar letzten Jahres entlassenen 600 Soldaten der Armee, beschloss, sich der Truppe anzuschließen – zusammen mit etwa 100 bewaffneten Männern. Erst am Samstag erklärte sich Reinado in einem Telefonat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zu Verhandlungen mit der Regierung bereit. Den Vorschlag, sich zu ergeben, hatte er zuvor bereits mehrfach abgelehnt.

Am 22. Februar erschossen australische Soldaten zwei Jugendliche in einem Flüchtlingslager nahe dem Flughafen der Hauptstadt Dili, nachdem sie angeblich mit Pfeilen aus Stahl angegriffen worden waren. An der Trauerkundgebung zwei Tage später nahmen mehrere hundert Menschen teil. Die Kundgebung mit bebannerten Fahrzeugen zog dabei an der australischen Botschaft vorbei. Auf einigen der Banner war „Australische Armee – verschwinde“ zu lesen. Der Zwischenfall ereignete sich während vermehrter Bandenaktivität in dem Flüchtlingslager. Letzten Monat wurden dort mehr als 100 Personen verhaftet, am 31. Januar allein 47 innerhalb einer Nacht. Australische Soldaten und UN-Polizei suchten dabei nach versteckten Waffen. Nur zwei Tage vor dem Tod der beiden Jugendlichen wurden sechs Häuser niedergebrannt. Mehr als 5.000 Menschen hatten ihre Häuser verlassen. Inzwischen wurden vier weitere Flüchtlingslager eröffnet. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat nach dem Diebstahl von 700 Säcken Reis seine Lebensmittellieferungen eingestellt. Regierungskritische Stimmen behaupten, dass die politische Führung Nahrungsmittel nur noch an Unterstützer der Regierungspartei FRETILIN ausgebe.

Der UN-Sicherheitsrat beschloss am 22. Februar mit der Resolution 1745 die Erweiterung der dortigen UN-Mission bis Februar kommenden Jahres und stockte damit die Anzahl der UN-Polizisten um 140 Mann auf, um die für den 9. April geplanten Präsidentschaftswahlen zu sichern. Befürchtungen, die anhaltende Gewalt könne die Durchführung der Wahlen gefährden, wies der australische Außenminister Alexander Downer derweil zurück.

Um das Amt des nächsten Präsidenten bewerben sich der derzeitige Premierminister und Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta, die drei Mitglieder des Parlamentes João Carrascalão (UDP), Fernando de Araújo (Demokratische Partei) und Manuel Tilman (KOTA) sowie die Anwältin Lúcia Lobato, Avelino Coelho da Silva von der Sozialistischen Partei Osttimor und Francisco Guterres, jetziger Parlamentspräsident und Mitglied der Regierungspartei FRETILIN.

Xanana Gusmão, der momentane Präsident des Landes und langjährige Führer des Widerstandes während der indonesischen Besatzungszeit, möchte eine eigene Partei gründen und dann Mitte des Jahres bei den kommenden Parlamentswahlen antreten.

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November 18, 2006

UN-Wahlhelfer landen in Osttimor

UN-Wahlhelfer landen in Osttimor – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

UN-Wahlhelfer landen in Osttimor

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Artikelstatus: Fertig 18:15, 18. Nov. 2006 (CEST)
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Lage von Timor-Leste

Dili (Timor-Leste), 18.11.2006 – Eine Gruppe von 45 UN-Helfern, bestehend auf 29 Männern und 16 Frauen aus 21 verschiedenen Nationen ist gestern in der osttimoresischen Hauptstadt Dili eingetroffen, um im Rahmen der UNMIT-Mission die Vorbereitung für die im nächsten Jahr stattfindenden Präsidenten- und Parlamentswahlen zu unterstützen. Anfang 2007 sollen noch einmal 205 freiwillige UN-Mitarbeiter folgen. Es werden die ersten freien Wahlen seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 2002.

Nach einem dreiwöchigem Training, in dem unter anderem Grundkenntnisse in der Amtssprache Tetum vermittelt und auf kulturelle und sicherheitsrelevante Aspekte der Mission eingegangen werden soll, werden die freiwilligen Helfer ihre Arbeit aufnehmen. Jeweils drei UN-Mitarbeiter sollen in einen Distrikt gesendet werden, um bei logistischen Fragen zu helfen und die Wähler zu beraten. Weitere drei werden direkt im nationalen Parlament eingesetzt; die restlichen vier sollen mit den lokalen Wahlbehörden zusammenarbeiten.

Präsident Xanana Gusmão hatte sich gestern öffentlich bei der Bevölkerung für die Gewalt der letzten sechs Monate entschuldigt und gestand Fehler der Regierung ein. Zwischen April und Mai hatten nach Krawallen 37 Menschen ihr Leben verloren, nachdem ein Drittel der Armee wegen internen Umgereimtheiten desertierte. Eine etwa 2000 Mann starke Friedenstruppe landete schließlich und versuchte die Lage unter Kontrolle zu bringen. Erst Ende Juni mit der Entlassung des Premierministers Marí Alkatiri, der eine harte Linie gegenüber den Aufständigen verfolgte, hatte sich die Situation langsam beruhigt.

Nach Angaben des neuen Premierministers José Ramos-Horta sind letzte Woche bei Zusammenstößen zweier rivalisierender Jugendbanden in der Nähe des Dorfes Estado im zentral gelegenen Distrikt Ermera vier Menschen gestorben und zehn Häuser niedergebrannt worden. Ramos-Horta verschaffte sich per Helikopter einen Überblick in der betroffenen Region.

Lage der Ölfelder in der Timorsee

Am gestrigen Freitag wurde ebenfalls bekannt, dass die osttimoressiche Regierung und der indische Industriegigant Reliance Industries Ltd. einen Vertrag über die Ausbeutung von einem 2384 Quadratkilometer großem Gebiet eines Ölfeldes im so genannten „Timor Gap“ unterzeichneten. Vor elf Tagen hatte bereits der italienische ENI-Konzern einen ähnlichen Vertrag mit der Regierung von Osttimor abgeschlossen, der fünf der insgesamt elf ausgeschriebenen Blöcke umfasst. Ein Tochterunternehmen der indischen Videocon Electronics Ltd.-Gruppe soll zwei- bzw dreidimensionale seismische Bilder aufnehmen und in einer ersten Phase während der kommenden drei Jahren vier Bohrungen durchführen.

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June 25, 2006

Osttimors Außenminister José Ramos-Horta ist zurückgetreten

Osttimors Außenminister José Ramos-Horta ist zurückgetreten

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Artikelstatus: Fertig 19:40, 25. Jun. 2006 (CEST)
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Der ehemalige Außenminister von Timor-Leste

Dili (Timor-Leste), 25.06.2006 – Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta gab gestern bekannt, dass er am heutigen Sonntag von dem Posten des Außen- und Verteidigungsministers zurücktrete.

Zu den Gründen gab er an: „Ich wünsche nicht, mit der jetzigen Regierung oder irgendeiner anderen Regierungsstelle von Marí Alkatiri in Verbindung gebracht werden.“ Die Entscheidung fiel, nachdem eine Versammlung der Regierungspartei FRETILIN den amtierenden Premierminister Alkatiri trotz anhaltender Proteste und anderer kritischer Stimmen seitens des Präsidenten Xanana Gusmão das Vertrauen ausgesprochen hatte.

Hintergrund ist die anhaltende Unruhe im Land, die Tote und zehntausende Vertriebene gefordert hatte. Die Bevölkerung und ein Teil der Armee, der wegen schlechter Zustände der Truppe im Februar erst desertierte und später entlassen wurde, unterstützten Premierminister Alkatiri nicht (weitere Details). Auch Präsident Gusmão hat inzwischen das Vertrauen in Alkatiri verloren. Vergangene Woche stelle er Alkatiri ein Rücktrittsultimatum.

Alkatiri soll in die Aufstellung von Todesschwadronen verwickelt gewesen sein, um politische Gegner zu eliminieren. Gegen den ehemaligen Innenminister Rogerio Lobato wurde inzwischen ein Haftbefehl erlassen. Ihm wird vorgeworfen, Morde in Auftrag gegeben zu haben.

Ovidio Amaral, Minister für Transport, Kommunikation und Öffentlichsarbeit, entschloss sich ebenfalls, seinen Posten aufzugeben.

Kurz vor der Bekanntgabe seines Rücktritts traf sich Ramos-Horta mit seiner ehemaligen Ehefrau Ana Pessoa, einer Verbündeten Alkatiris und der derzeitigen Justizministerin. Auf die Frage, ob sie bereit sei, den Posten des Premierministers zu übernehmen, sagte sie: „Ich bin bereit, meinen Beitrag bei der Findung einer Lösung zu leisten. […] Ich bin bereit, alles in meiner Macht Stehende dafür zu tun.“

Die Vereinten Nationen beschlossen derweil den Einsatz von Blauhelmen, welche die etwa 2.000 Mann starke Eingreiftruppe, die Ende Mai in Timor-Leste landete, bis zum 20. August des Jahres ablösen sollen.

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  • Portal:Timor-Leste

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May 27, 2006

Internationale Truppe soll Lage in Timor-Leste stabilisieren

Internationale Truppe soll Lage in Timor-Leste stabilisieren

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Artikelstatus: Fertig 23:55, 27. Mai 2006 (CEST)
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Timor-Leste liegt nördlich von Australien

Dili (Timor-Leste), 27.05.2006 – In Timor-Leste, dessen Hauptstadt seit Ende April immer wieder von schweren Gewaltausbrüchen erschüttert wird, soll jetzt eine internationale Truppe für Ruhe sorgen. Allein in dieser Woche kamen bei der Unruhe über 20 Menschen ums Leben.

Premierminister Marí Alkatiri vermutet einen Militärputsch. Hintergrund sind Unstimmigkeiten und Rangeleien um Beförderungen und andere Missstände innerhalb der bewaffneten Streitkräfte von Osttimor, die etwa 1500 Soldaten und etwa die gleiche Anzahl an Reservisten unterhalten.

Anfang Februar waren über 400 Soldaten des in Baucau stationierten 1. Bataillons in die Hauptstadt gezogen und hatten den Rücktritt des Kommandenten Colonel Falur gefordert. Nach zwei Treffen mit dem Präsidenten Xanana Gusmão in Dili, der sie zur Rückkehr in ihre Kasernen bewegen wollte, was ihm auch anfänglich gelang, desertierten die aufmüpfigen und bewaffneten Soldaten endgültig und schlugen ihr Lager im benachbarten Aileu auf. Schon Mitte Januar hatten sie ihm eine Petition mit ihren Klagen geschickt. Am 14. Februar wurden die insgesamt 591 Männer offiziell durch Brigade-General Taur Matan Ruak aus dem Dienst entlassen, während sich der Präsident auf einer Afrikareise befand. Eine am 23. März veröffentliche Nachricht von Gusmão an abtrünnige Einheiten und auch spätere Verhandlungen brachten keine Lösung.

Ende April gab es dann nach einer Demonstration die ersten Verletzten und insgesamt fünf tote Menschen (Wikinews berichtete). Australiens Außenminister Alexander Downer hatte ein militärisches Eingreifen seines Landes zunächst ausgeschlossen, nachdem er am 20. April schon mehrere hundert Soldaten und Polizisten auf die Solomonen geschickt hatte, um Ausschreitungen nach der Ernennung des inzwischen wieder zurückgetretenen Premierministers Snyder Rini zu beenden.

Osttimors Außenminister José Ramos-Horta erklärte Mitte Mai in New York, dass die nationale Polizei PNTL unfähig sei, die Lage zu kontrollieren, und dass den verbleibenden Einheiten der Armee nicht mehr vollständig vertraut werden könne. Nur Tage später, nach dem vierten Jahrestag der Unabhängikeit des Landes, flammten die Unruhen wieder auf. Jugendliche Krawallmacher verbündeten sich mit den Streikenden, zündeten Gebäude an und warfen mit Steinen.

Mit Pistolen und Macheten bewaffnet zog eine Menschenmenge randalierend durch Dili und setzte Häuser in Brand. Der neuseeländische Botschafter musste nach ernsthafter Bedrohung sein Gebäude räumen und sucht seitdem in der australischen Botschaft Zuflucht. Erst am Freitag starben bei einem absichtlich gelegten Feuer in einem Gebäude die Frau und fünf Kinder eines Kabinettmitglieds. Vergangenen Dienstag erschossen regierungstreue Soldaten neun Polizisten, die angeblich mit Aufständischen kollaboriert hatten.

Das kleine ostasiatische Land befindet sich im Moment in einer ersthaften Krise. Inzwischen sind viele Ausländer evakuiert worden, und die Grenze zu Indonesien, das eine militärische Beteiligung an der Mission ablehnt, wurde geschlossen. Human Rights Watch hatte im April einen traurigen Bericht über Folter im Land veröffentlicht, nachdem die gewalttätigen Übergriffe gegenüber der Zivilbevölkerung mit der Zeit überhand genommen hatten.

Harte Lebensbedingungen sind für die Bevölkerung Alltag. 45 Prozent der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Mit einem durchschnittlichen Tagesverdienst von weniger als drei Euro und einer Arbeitslosenrate von 40 Prozent in der ländlichen Region teilt sich Timor-Leste Platz 158 mit Ruanda auf einem UN-Entwicklungsindex, in dem 185 Länder aufgelistet sind. Nach einer Studie der UNO gehen nur 30 Prozent der Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren überhaupt zur Schule.

Lage der Erdölfelder in der Timorsee zwischen Timor und Australien

Die einheimische Wirtschaft ist stark vom Ausland abhängig. Das amerikanische Unternehmen Starbucks hat dem Land den Großteil seiner Kaffeebohnenproduktion abgekauft. Die im Januar erzielte Einigung mit der australischen Regierung in Canberra über die Aufteilung des Erdöls, das sich in dem so genannten Timor Gap befindet, könnte eine finanzielle Zukunft für das Land sein.

Auch Premierminister Alkatiri, ein Muslim, ist zum ersten Mal in einer tiefen politischen Krise in dem vorwiegend von Christen bewohnten Land. Sein Führungsstil stößt auf massive Kritik seitens der Kirche im Land und des UN-Botschafters von Osttimor, Jose Luis Guterres.

Die UN hat vor ein paar Tagen in der Nähe der Hauptstadt Dili ein neues Flüchtlingslager eröffnet, obwohl ihre Mission eigentlich ab dem 11. Mai beendet werden sollte. Am 12. Mai hatte der Sicherheitsrat die UNOTIL-Mission als Reaktion der Geschehnisse Ende April bis zum 20. Juni verlängert. Jetzt will man zur Sicherheit erst einmal den Großteil seiner Leute abziehen und nur 50 Angestellte in Osttimor belassen, die UNMISET aufrecht erhalten sollen. Das Rote Kreuz schätzt die Zahl der Flüchtlinge auf 50.000 und hat zu Spenden aufgerufen.

Ein erstes australisches Vorauskommando, das am Donnerstag im Rahmen der Operation Astute landete, patroulliert durch die Stadt und hat inzwischen den Flughafen von Dili und andere Schlüsselobjekte gesichert. Australien stellt mit insgesamt 1.800 am Einsatz beteiligten Männern, wie schon 1999 bei dem Abzug plündernder proindonesischer Milizen in den Westteil der Insel Timor, die Mehrheit der Eingreiftruppe und entsendete mehrere Kriegsschiffe in die Region. Über 100 zusätzliche Soldaten der früheren Kolonialmacht Portugal sollen bald folgen.

Die HMAS Manoora liegt im Hafen von Dili vor Anker

Eine malaysische Spezialeinheit – das Land hat etwa 200 Soldaten geschickt – erreichte das Gebiet am frühen Samstag. Ihre Stellung wurde nach drei Stunden von einer unbekannten Partei beschossen. Nach Meldungen der malaysischen Nachichtenagentur Bernama richtete sich die Einheit zwanzig Minuten von Dili entfernt in einer Polizeischule ein. Ein Vorauskommando war schon am Dienstag in das Land geflogen. Zwei mit Transportfahrzeugen und anderem Material beladene Schiffe hatten schon am Freitag einen Hafen in Nordmalaysia Richtung Timor verlassen.

Auch neuseeländische Truppen sind inzwischen gelandet. Sie erreichten Timor am späten Abend, sollen die Botschaft sichern und die restlichen Mitarbeiter in Sicherheit bringen. Premierministerin Helen Clark sagte weitere finanzielle Hilfe zu. Die australische Luftwaffe ist mit vier Black Hawk Hubschraubern und der HMAS Manoora vor Ort.

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April 30, 2006

Tote und Verletzte nach Krawallen in Dili

Tote und Verletzte nach Krawallen in Dili

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Dili (Timor-Leste), 30.04.2006 – Am vergangenen Freitag und Samstag kam es in der osttimorischen Hauptstadt Dili zu den schwersten Ausschreitungen seit dem Abzug der indonesischen Besatzer im Herbst 1999. Die Krawalle, ausgelöst durch Proteste entlassenener Soldaten, kosteten zwei Menschen das Leben. Es gab über 30 Verletzte und mehr als 100 Häuser und Geschäfte im westlichen Teil der Stadt wurden verwüstet.

José Ramos-Horta, der Außenminister des kleinen Landes, beschuldigt Jugendgangs, welche den Protest unterstützen, für die Zerstörungen verantwortlich zu sein. Tausende Menschen suchten in Botschaften, Gebäuden der katholischen Kirche oder den umliegenden Bergen Zuflucht. Bewaffnete Polizisten und Soldaten bezogen inzwischen Stellung und bewachen Regierungsgebäude. Am vergangenen Freitag warfen Demostranten Steine auf das Büro des Premierministers Marí Alkatiri. Nachdem Autos in Brand gesteckt worden waren, feuerte die Polizei Tränengas in die Menge.

Nach einem informellen Treffen zwischen dem Premier und Präsident Xanana Gusmão wurde bekannt, dass eine Kommission die Beschwerden der Soldaten untersuchen soll. Australiens Außenminister Alexander Downer schloss inzwischen ein Eingreifen seines Landes aus.

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Quellen

  • The Age Online: „Two dead as rioters go on rampage in Dili“ (englischsprachige Quelle) (30.04.2006)
  • sundaytimes.news.com.au: „4 die in Dili clash: PM pledges talks as soldiers torch shops, cars“ (englischsprachige Quelle) (30.04.2006) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar
  • Forbes.com: „Update 1: Ex-Soldiers Burn Cars, Shops in E. Timor“ (englischsprachige Quelle) (28.04.2006) B stop.svg Quelle nicht mehr online verfügbar

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