Israelische Bodenoffensive teilt den Gazastreifen

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Veröffentlicht: 17:48, 4. Jan. 2009 (CET)
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Übersichtskarte des Gazastreifens

Gaza-Stadt (Gazastreifen) / Tel Aviv (Israel), 04.01.2009 – Die gestern begonnene Bodenoffensive der israelischen Armee (IDF) wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit Panzereinheiten, Infanterie und Pioniereinheiten fortgesetzt. Dabei wurden die vorrückenden Bodenstreitkräfte von der israelischen Artillerie und dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet unterstützt. Von der Seeseite her griff die israelische Marine in die Kämpfe ein. Gleichzeitig beschossen israelische Kampfflugzeuge in der letzten Nacht 45 Ziele im Gazastreifen, darunter erneut Schmuggeltunnel an der Grenze zu Ägypten, Waffenlager sowie Abschussvorrichtungen für Mörsergranaten. Laut Medienberichten wurde der schmale Küstenstreifen um die Stadt Gaza von den israelischen Bodentruppen in zwei oder drei Teile gespalten.

Palästinensische Gesundheitsbehörden gaben die Zahl der seit Mitternacht getöteten Palästinenser mit 19 an. Drei von ihnen seien Hamas-Aktivisten gewesen. Nach IDF-Angaben wurden 28 Soldaten bei den Kampfhandlungen verletzt, zwei israelische Soldaten davon schwer.

Auf einer Pressekonferenz nannte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert die Bodenoffensive „unvermeidbar“. Die Hoffnungen, die auf den von der Hamas aufgekündigten Waffenstillstand gerichtet gewesen waren, hätten sich nicht erfüllt. Kriegsziel der israelischen Bodenoffensive sei es, die Sicherheitssituation im Süden Israels zu verbessern. Daher sei es Aufgabe der israelischen Streitkräfte, die Infrastruktur der Hamas für Raketenangriffe auf Israel zu zerstören. Gebiete, von denen solche Angriffe auf die israelischen Städte Sderot, Askalon und Aschdod ausgegangen sind, würden jetzt militärisch eingenommen. Olmert versicherte, sein Land wolle keine humanitäre Katastrophe im Gazastreifen verursachen. Lebensmittel und medizinische Versorgungsgüter würden von Israel in den Gazastreifen gebracht. Die im Gazastreifen lebenden Palästinenser würden nicht als Feind betrachtet, diese Menschen seien „Opfer einer gewalttätigen und grausamen Unterdrückung“.

Bei einem Treffen des israelischen Kabinetts am Sonntag teilte der Leiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, General Yuval Diskin, mit, die Hamas habe ihre Bedingungen für einen Waffenstillstand abgemildert. Bei dem letzten Kabinettstreffen am vergangenen Mittwoch sagte Diskin, die Hamas-Infrastruktur sei durch die bisherigen Angriffe der israelischen Luftwaffe schwer getroffen worden. Ihre Fähigkeit den Gazastreifen zu regieren, sei sehr beeinträchtigt worden. Führende Hamas-Funktionäre suchten inzwischen Zuflucht in Moscheen oder tarnten sich als Ärzte oder Krankenpfleger in den palästinensischen Hospitälern. Dutzende Moscheen seien zudem zu Waffenlagern oder Kommandozentren umfunktioniert worden. Nach einer Einschätzung des militärischen Geheimdienstes vom Dienstag sei durch die Luftangriffe auf den Gazastreifen bisher etwa ein Drittel der Bestände an Raketen zerstört worden.

Der Beginn der israelischen Bodenoffensive führte zu weltweiten Protesten (Wikinews berichtete). Zehntausende Menschen gingen gestern in den großen Städten Europas, Asiens und Australiens auf die Straße.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen befasste sich gestern mit der Lage im Nahen Osten. Durch ein Veto der Vereinigten Staaten wurde jedoch ein von arabischen Staaten eingebrachter Resolutionsentwurf nicht verabschiedet, in der Israel zu einem sofortigen Waffenstillstand aufgefordert werden sollte. Der libysche Vertreter im Sicherheitsrat, Giadalla Ettalhi, kritisierte die Vereinigten Staaten wegen ihrer fehlenden Kompromissbereitschaft, die eine Entschließung des Rates verhindert habe. Enttäuscht äußerte sich auch der britische UNO-Botschafter John Sawers.

Kleine Chronik der Gaza-Krise

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Quellen