Winnenden: Tote und Verletzte bei Amoklauf an Albertville-Realschule

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Veröffentlicht: 00:16, 12. Mär. 2009 (CET)
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Winnenden (Deutschland), 12.03.2009 – Ein 17-jähriger Auszubildender hat gestern morgen um 09:30 Uhr in der Albertville-Realschule im baden-württembergischen Winnenden auf mehrere Personen geschossen. Er tötete vermutlich 15 Personen und im Anschluss sich selbst.

Laut Angaben der Polizei betrat der Täter das Schulgebäude, ging in die erste Etage und schoss mit einer mitgebrachten Acht-Millimeter-Beretta in zwei Klassenräumen und dem Physikraum auf Schüler und Lehrer. In den Räumen fand zu der Tatzeit Unterricht der neunten und zehnten Klassenstufe statt. Er tötete dabei sieben Schüler und eine Lehrerin. Zwei weitere Schüler erlagen ihren Verletzungen auf dem Weg in das Krankenhaus. Acht weitere Schüler und eine Lehrerin wurden verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Vermutlich schlugen die schnell eintreffenden Polizeibeamten den Täter in die Flucht. Dieser tötete beim Verlassen des Schulhauses zwei weitere Lehrerinnen. Unter den weiblichen Lehrkräften war eine 1984 geborene Referendarin, die erst seit einigen Wochen an der Schule tätig war.

Als der Täter das Schulhaus verließ, flüchtete er über das Gelände der angrenzenden psychiatrischen Klinik und erschoss hier einen Mitarbeiter des Klinikums. Danach kidnappte er einen 41-Jährigen in seinem VW Sharan und flüchtete weiter über Bundesautobahn und Bundesstraße über Tübingen und Nürtingen. Vor dem Autobahnkreuz Wendlingen nutzte der Fahrer ein Bremsmanöver, bei dem das Auto auf dem Grünstreifen zum stehen kam, zur Flucht. Der Täter flüchtete daraufhin in das Industriegebiet Wert von Wendlingen am Neckar, wo er gegen 12:30 Uhr einen Kunden (46) und einen Mitarbeiter (36) eines Autohauses erschoss. Im Anschluss lieferte sich der 17-Jährige noch einen Schusswechsel mit der Polizei, wobei zwei Beamte schwere Schussverletzungen erlitten. Laut Angaben der Polizei richtete sich der Täter danach vermutlich selbst.

Die Schule selbst wurde evakuiert. Schüler und Lehrer wurden von Seelsorgern sowie Ärzten und Psychologen des Interventionsdienstes der Polizei und des Deutschen Roten Kreuzes betreut. Die Polizei fahndete mit einem Großaufgebot von 1.000 Polizeibeamten sowie Spürhunden und Hubschraubern nach dem Täter. Zu diesem Zweck wurde auch die Innenstadt von Winnenden großteils abgesperrt, und es wurden Kontrollpunkte auf umliegenden Straßen errichtet.

Laut Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Täter um einen mit schwarzem Kampfanzug bekleideten 17-jährigen Jugendlichen aus Leutenbach im Rems-Murr-Kreis, der selbst diese Schule besucht hatte. Diese soll er erfolgreich abgeschlossen und eine Ausbildung begonnen haben. Bei einer Hausdurchsuchung im Elternhaus des Täters wurden 16 Waffen in einem verschlossenen, tresorähnlichen Waffenschrank aufgefunden. Eine großkalibrige Waffe aus dem Arsenal fehlte jedoch, ebenso wie etwa 50 Schuss Munition. Beides soll laut Polizei frei zugänglich gewesen sein. Der Vater des Täters ist Sportschütze und Mitglied in einem Schützenverein. Er hatte einen Waffenschein.

Der Schulleiter der Schule schilderte den jungen Mann als Schüler, der seinen Abschluss in der Tasche hatte und eine Ausbildung begonnen hätte. Er sei bislang nach außen hin völlig unauffällig gewesen. Von einem ehemaligen Mitschüler war zu erfahren, dass er offenbar eine Vorliebe für Ego-Shooter hatte. Am Abend des Tattages fand ein ökumenischer Trauergottesdienst in Winnenden statt, die Kirche war Medienberichten zufolge vollkommen überfüllt.

In den letzten Jahren war es bereits mehrfach zu Amokläufen an deutschen Schulen gekommen. Als bislang schlimmster Fall gilt der Amoklauf von Robert Steinhäuser am 26. April 2002 am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Der damals 19-Jährige war schwer bewaffnet in seine ehemalige Schule eingedrungen und hatte daraufhin 16 Menschen und anschließend sich selbst getötet.

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Quellen