Renaissance der Kult-Kartoffel „Linda“

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 19:14, 1. Mär. 2010 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Barum / Hannover (Deutschland), 01.03.2010 – Der Freundeskreis „Rettet Linda“ kann heute einen großen Sieg feiern. Die Kultkartoffel „Linda“, „Kartoffel des Jahres 2007“, darf wahrscheinlich bald wieder angepflanzt und in den Handel gebracht werden. Das Bundessortenamt in Hannover will die beliebte Kartoffel wieder zulassen.

Nur selten hatte wohl eine Kartoffel solche Emotionen und eine solche Kampfbereitschaft zur Erhaltung einer Kulturpflanze ausgelöst. Von ihrem „Unterstützerkreis“ um den niedersächsischen Bauern Karsten Ellenberg aus dem 800-Seelen-Dorf Barum im Landkreis Uelzen wurde ein jahrelanger Kampf zur Erhaltung der aromatischen Knolle geführt, die sie stolz als „Königin der deutschen Kartoffel“ bezeichnen. Die festkochende Kartoffelsorte, die seit 1974 nicht nur auf niedersächsischen Böden als Speisekartoffel angebaut wurde, war ab dem 01.01.2005 nicht mehr als zulässige Sorte vom Bundessortenamt geführt worden. Der Rechteinhaber, die Firma Europlant, hatte die Zulassung zurückgezogen. Als Begründung hatte die Firma angegeben, sie sei zu „krankheitsanfällig“. Für diese Begründung zeigten die niedersächsischen Bauern nur wenig Verständnis. Der Firma wurde vorgeworfen, Linda nur deshalb beerdigt zu haben, um mit neuen Sorten gewinnbringende Geschäfte zu machen und Lizenzgewinne einzustreichen. Die Bauern und andere Kartoffelliebhaber vertraten den Standpunkt, es sei Sache des Verbrauchers darüber zu entscheiden, welche Kartoffel zu Hause auf den Teller komme. „Illegal“ wurde „Linda“ weitergezüchtet, um ihr Fortbestehen zu sichern. Dafür ließen sich die Linda-Unterstützer sogar auf langwierige Gerichtsverhandlungen ein. Die Firma Europlant verklagte die Bauern beim Schiedsgericht für Saatgut und Sortenschutzstreitigkeiten bei der Landwirtschaftskammer Hannover. Das Gericht entschied, die Kartoffel dürfe weder angebaut noch gegessen werden. Die Kartoffeln durften lediglich in verplombten Lagerhallen aufbewahrt werden. Die Anhänger der Kartoffelsorte aber gaben nicht auf. In ihrem Namen stellte der Biolandhof Ellenberg den Antrag auf Wiederzulassung der Sorte beim Bundessortenamt. Ein erster Teilsieg konnte im letzten Jahr in Großbritannien errungen werden. Am 27. August 2009 konnte Ellenberg ausrufen: „Wir haben es geschafft! Die zahlreichen Freundinnen und Freunde der beliebten Kartoffel LINDA können sich freuen. Großbritannien hat nach zweijähriger Prüfung dem Antrag auf Neuzulassung von LINDA als Pflanzkartoffel zugestimmt und LINDA in die nationale Liste für Pflanzkartoffeln aufgenommen. Damit ist die Tür für LINDA auch in Deutschland wieder offen.“

Nun ist es also so weit. Auch in Deutschland wird die beliebte Kartoffel bald wieder auf den Tellern zu finden zu sein. Die Kartoffelsorte gilt nun als sogenannte freie Sorte und darf lizenzfrei vermehrt werden.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Landwirtschaft

Quellen