WikiNews de

September 13, 2012

Neapel: Krieg zwischen Camorra-Clans

Neapel: Krieg zwischen Camorra-Clans – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Neapel: Krieg zwischen Camorra-Clans

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 14:15, 13. Sep. 2012 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Neapel (Italien), 13.09.2012 – Am Sonntagmorgen wurde der 42 Jahre alte Raffaele Abete vor der „Caffetteria Zeus“ im neapolitanischen Stadtteil Scampia von zwei Killern mit drei Schüssen in den Kopf ermordet (Bild). Vermutlich ein Racheakt eines Camorraclans, nach der Ermordung von Gaetano Marino am Strand von Terracina vor zwei Wochen.

Der Ermordete galt nicht als einflussreich. Opfer dürfte er geworden sein, weil er der Bruder des in Strafhaft befindlichen Camorrachefs Arcangelo Abete, genannt „Arcangelo“ („Erzengel“), ist. Nicht ohne Hintergrund ist der Tatort des Mordes, er befindet sich im tristen Ortsteil Scampia im Norden der Stadt und hat den Beinamen „größter Drogensupermarkt Europas“. Dort gibt es riesige Wohnblöcke, an denen der Zahn der Zeit schon extreme Spuren hinterlassen hat. Tausende Menschen wohnen trotzdem darin. Wegen ihres einst blauen Anstrichs werden sie „Case dei Puffi“, Häuser der Schlümpfe genannt. Hunderte Kriminelle teilen sich den Drogenmarkt im Viertel. Die Staatsanwaltschaft schätzt den Umsatz von illegalen Drogen im Stadtteil auf 100 Millionen Euro.

Vieles spricht dafür, dass man am Anfang eines neuen Mafiakriegs steht. Mehrere Personen, die Angehörige verschiedener Camorraclans waren, sind in den vergangenen Monaten ermordet worden. Innenminister Annamaria Cancellieri sagte: „In der letzten Zeit haben wir starke Kontrollen auf dem Gebiet umgesetzt. Wahrscheinlich war es nicht genug, und wir müssen mehr tun“.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

August 26, 2012

Terracina in Süditalien: Mord an einem ehemaligen Camorra-Chef am Strand

Terracina in Süditalien: Mord an einem ehemaligen Camorra-Chef am Strand

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 21:48, 26. Aug. 2012 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Der Strand von Terracina (Archivbild)

Terracina (Italien), 26.08.2012 – Gaetano Marino, der Boss einer Gruppe von Mafiosi, die sich vom mächtigen Di-Lauro-Clan losgesagt hatten, wurde am Strand von Terracina vor den Augen seiner Familie und vieler Touristen erschossen. Dem Opfer wurde mit einer halbautomatischen Pistole ins Gesicht geschossen.

Einem der Mörder gelang die Flucht in einem grauen Fiat Punto, der zweite Täter konnte festgenommen werden. Am Strand brach Panik aus. Gaetano Marino, auch „Spalter“ genannt, hat bei einer Sprengstoffexplosion beide Hände verloren. Dies brachte ihm einen weiteren Spitznamen ein: „Moncherino” (Armstumpf). Der Machtkampf im Di-Lauro-Clan hat in den Straßen von Neapel schon viele Todesopfer gefordert. Der Clan gehört zur Mafiaorganisation Camorra.

Ein Auftritt der 12-jährigen Tochter des Ermordeten in einer Neujahrssendung des staatlichen Rai-Fernsehens hatte erst vor kurzem zu herber Kritik geführt. Sie hatte das Lied ihrem Vater gewidmet, der sich unter den Zuschauern befand.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Organisierte Kriminalität

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

May 3, 2012

Camorra stellt nahezu perfektes Falschgeld her

Camorra stellt nahezu perfektes Falschgeld her

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 08:30, 3. Mai 2012 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Einer Frau werden von einer Mitarbeiterin der Österreichischen Nationalbank die Sicherheitsmerkmale eines Euro-Scheins erklärt.

Giugliano in Campania (Italien), 03.05.2012 – Die Europäische Zentralbank (EZB) ist besorgt: In Italien expandiert die Camorra in Sachen Falschgeldherstellung. Inzwischen kommen nahezu perfekt nachgemachte Euro-Scheine auf den Markt.

Rund um die Gemeinde Giugliano nördlich von Neapel gibt es die meisten Werkstätten zur Herstellung von Eurofalsifikaten in Europa. Nach italienischen Medienberichten will die Regierung Monti einen Schwerpunkt in der Bekämpfung dieser Kriminalität setzen. Besondere Besorgnis lösen die hervorragenden Reproduktionstechniken aus, die zur Produktion eingesetzt werden. Mehr als die Hälfte der falschen Banknoten, die in den Ländern der Eurozone angehalten werden, stammen aus der Region um Giugliano. Als „angehalten“ gilt Falschgeld, das sich im Zahlungsverkehr befunden hat, erkannt und sichergestellt wurde. Das Gebiet wird durch die Camorra kontrolliert.

Den Fälschern in der Region ist es gelungen, die Sicherheitselemente der Scheine nachzuahmen. Diese sollen dem Spezialisten, dem Warenhaus und auch dem Verbraucher ermöglichen, falsche von echten Scheinen zu unterscheiden.

Gefälschte Scheine im Millonenwert wurden durch die Organisationen der Mafia insbesondere in Nordafrika, Kolumbien und in Nahost in Umlauf gebracht.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Portal:Organisierte Kriminalität

Videobericht[Bearbeiten]

Video in italienischer Sprache über die Aushebung von Fälscherwerkstätten der Camorra & ‘Ndrangheta italienischsprachige Quelle

Quellen[Bearbeiten]

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

January 21, 2012

Aversa bei Neapel: Italienische Polizei nimmt Chef eines Camorra-Clans fest

Aversa bei Neapel: Italienische Polizei nimmt Chef eines Camorra-Clans fest

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 20:53, 21. Jan. 2013 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Weg in Aversa

Aversa (Italien), 21.01.2012 – Nach einer einstündigen Verfolgungsjagd konnte Carmine Schiavone, Chef des Casalesi-Clans, des mächtigsten Clans der Camorra, durch die Polizei festgenommen werden.

Im Morgengrauen war er in einem Nachtclub in Aversa entdeckt worden, durch eine versteckte Tür konnte er zunächst fliehen. Bei seiner Festnahme sagte er zu den Polizisten: „Das habt ihr gut gemacht“. Danach brachte er aber zum Ausdruck, dass er die Polizei grundsätzlich nicht ins Herz geschlossen habe. Er ist der Sohn von Francesco Schiavone, der eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Damit sind jetzt vier seiner fünf Söhne im Gefängnis.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Portal:Organisierte Kriminalität

Quellen[Bearbeiten]

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

December 7, 2011

Neapel: Razzia gegen die Camorra – Berlusconi-Abgeordneter unter Tatverdacht

Neapel: Razzia gegen die Camorra – Berlusconi-Abgeordneter unter Tatverdacht

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 12:48, 7. Dez. 2011 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Neapel (Italien), 07.12.2011 – Anti-Mafia-Einheiten haben in Neapel bei einer Razzia 50 mutmaßliche Mitglieder der Camorra festgenommen. Der Wirtschaftsstaatssekretär und Abgeordnete Nicola Cosentin stand auch auf der Liste der Fahnder. Seine parlamentarische Immunität schütze ihn vor der Verhaftung. Er ist ein Vertrauensmann des ehemaligem Premiers Silvio Berlusconi und Mitglied der Partei Popolo della Libertà (PDA).

Neapel

Die Aktion richtete sich gegen den Casalesi-Clan. Gegen 70 Personen wurde ermittelt. Zahlreiche Wohnungen im Großraum Neapel wurden durchsucht. Neapolitanischen Staatsanwälte wollen die Festnahme des Wirtschaftsstaatssekretärs Nicola Cosentin. Sie haben das Abgeordnetenhaus in Rom gebeten der Maßnahme zuzustimmen. Ihm wird vorgeworfen eine Bank unter Druck gesetzt zu haben, damit sie dem Casalesi-Clan einen Kredit für den Bau eines Einkaufzentrums in Neapel gewährt. Im Juli 2010 legte er sein Amt nieder, er war in den Verdacht gekommen korrupt zu sein. Angeblich war er in einer Geheimloge aktiv.

Francesco Schiavone gilt als Chef des Casalesi-Clans. Er wurde mit 18 Jahren erstmals verhaftet und verbüßt nun eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Portal:Organisierte Kriminalität
  • Portal:Korruption

Quellen[Bearbeiten]

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

November 7, 2011

Italien: 35 Personen mit Verbindungen zum Camorra-Clan Casalesi verhaftet

Italien: 35 Personen mit Verbindungen zum Camorra-Clan Casalesi verhaftet

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 12:47, 7. Nov. 2011 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.
Handcuffs01 2003-06-02.jpg

Neapel (Italien), 07.11.2011 – Wegen des Aufbaus einer kriminellen Organisation wurden im Raum Neapel und weiteren Regionen 35 Personen verhaftet. Sie sollen in Verbindung zu dem Camorra-Clan Casalesi stehen.

Bei der Festnahmeaktion waren 200 Beamte und Helikopter im Einsatz. Der Casalesi-Clan ist einer der gefährlichsten Familien im Geflecht der Camorra. Zahlreiche Morde gehen auf das Konto der verschiedenen Clans der Mafiaorganisation.

Die Geschichte der Camorra reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. 1970 gründeten einige Camorristi unter der Führung von Raffaele Cutolo die Nuova Camorra Organizzata (NCO), die sich in den Folgejahren erfolgreich gegen die alten Familien durchsetzen konnte. Die Finanzkraft der NCO stieg derart an, dass Cutolo sich nun auch Politiker kaufen konnte. Damit konnte er sich die Kontrolle über das Baugeschäft und die damit verbundenen kommunalen Aufträge sichern. Zwischenzeitlich betreibt die NCO ihre Geschäfte auch in anderen Ländern der Welt. Kriminelle Einnahmequellen wurden im Bereich des Drogen- und Waffenhandels, der Erpressung, im Handel mit Plagiaten und weiteren illegalen Bereichen erzielt. Die Gewinne werden zum Teil in den legalen Wirtschaftskreislauf investiert und zum Ausbau von Monopolstellungen genutzt. Der steigende Einfluss solcher Organisationen stellt eine weltweite Bedrohung dar.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

July 26, 2011

Vereinigte Staaten kontra Organisiertes Verbrechen

Vereinigte Staaten kontra Organisiertes Verbrechen

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 18:25, 26. Jul. 2011 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Mitglieder der Yakuza (Archivbild)

Washington D.C. (Vereinigte Staaten), 26.07.2011 – Am Montag, dem 25. Juli 2011, unterzeichnete der amerikanische Präsident Barack Obama einen Erlass zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität. Gruppierungen wie der Organisation Los Zetas aus Mexiko, der Camorra aus Italien oder den japanischen Yakuza soll dadurch die Unterwanderung demokratischer Institutionen erschwert werden. Zudem seien die Eingriffe zum Schutz der Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten geboten.

Durch den Erlass wird das in den USA befindliche Vermögen der Verbrechersyndikate eingefroren, auch verbietet er Bürgern und Firmen, Geschäfte mit diesen einzugehen.

Obama sieht eine große Gefahr von den kriminellen Gruppierungen ausgehen: „Sie sind zunehmend mit ausländischen Regierungen und dem internationalen Finanzsystem verstrickt und schwächen dadurch demokratische Institutionen, zerstören den Rechtsstaat und unterwandern die Märkte.“

Die Weltbank geht davon aus, dass jährlich 700 Milliarden Euro an Schmiergeldern den Einfluss der Organisation auf staatliche Institutionen stärken. Auch terroristische Netzwerke würden immer mehr von den kriminellen Verflechtungen profitieren.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Organisierte Kriminalität

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

May 5, 2011

Italienische Polizei beschlagnahmt eine Milliarde Euro der Camorra

Italienische Polizei beschlagnahmt eine Milliarde Euro der Camorra

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 20:36, 5. Mai 2011 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Fahrzeuge der Staatspolizei (Archivbild)

Neapel (Italien), 05.05.2011 – Mit Unterstützung der spanischen Polizei führten die italienischen Ermittler am Dienstag einen Schlag gegen die neapolitanische Camorra. Bei der Razzia wurden Immobilien, Grundstücke, Unternehmensbeteiligungen, Autos, Boote und Motorräder im Wert von einer Milliarde Euro beschlagnahmt. Bei den sichergestellten Geldmitteln soll es sich um kriminelle Gewinne aus dem Drogen- und Waffenhandel sowie aus Erpressungen handeln.

Der Polizeieinsatz richtete sich gegen den Polverino- und den Casalesi-Clan im Raum Neapel. Am Montag und Dienstag wurden die Polizeiaktionen durchgeführt. 40 Mitglieder des Polverino-Clans wurden festgenommen. Zwei der Inhaftierten sind nach Angaben der Ermittler Mitglieder der Partei von Berlusconi, der „Popolo della Libertà“. Beide kandidieren bei den Kommunalwahlen in Quarto.

Der Casalesi-Clan gilt als einer der mächtigsten und gewalttätigsten in der Camorra.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Italien
  • Portal:Polizeieinsätze
  • Portal:Organisierte Kriminalität

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

October 21, 2010

Proteste gegen neue Mülldeponie bei Neapel

Proteste gegen neue Mülldeponie bei Neapel

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 20:04, 21. Okt. 2010 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Neapel (Italien), 21.10.2010 – Der Streit um eine geplante Mülldeponie bei Neapel geht in eine neue Runde. In Terzigno, 25 Kilometer südlich von Neapel, eskalierte jetzt die Auseinandersetzung um die Ansiedlung einer Mülldeponie. Demonstranten warfen mit Steinen und Feuerwerkskörpern auf Polizisten, außerdem wurden Einsatzfahrzeuge der Polizei in Brand gesetzt. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas gegen einige hundert Demonstranten. Die Anwohner befürchten insbesondere gesundheitliche Probleme wegen der geplanten Anlage. Die neue Anlage soll mit einer Gesamtkapazität von drei Millionen Tonnen die größte Deponie Europas werden. Seit Jahren ist das Problem der Müllentsorgung in Neapel und Umgebung ungelöst. In den Straßen Neapels verrottet der Müll, weil die vorhandenen Deponien hoffnungslos überlastet sind.

Das organisierte Verbrechen (Stichwort: Camorra) behindert bisher eine umweltverträgliche Lösung des Müllproblems, weil sie an der illegalen Abfuhr des Mülls und seiner Entsorgung in wilden Mülldeponien Millionen verdient. Die politischen Parteien blockieren sich gegenseitig. Der Bürgermeister der Kleinstadt Terzigno, Gennaro Langella von der italienischen Regierungspartei Volk der Freiheit (PDL), trat aus Protest von seinem Amt zurück: „Ich kann so eine gefährliche und ernste Entscheidung nicht mittragen. Es handelt sich um ein sehr ernstes Problem nicht nur für die öffentliche Gesundheit, sondern auch für die öffentliche Ordnung.“

Themenverwandte Artikel

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

May 17, 2008

Ausschreitungen gegen Roma in Italien

Ausschreitungen gegen Roma in Italien – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Ausschreitungen gegen Roma in Italien

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 19:52, 17. Mai 2008 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Karte Italiens
(Neapel = Naples)

Neapel (Italien), 17.05.2008 – Im neapolitanischen Stadtteil Ponticelli kam es am Dienstag und erneut am Mittwochabend zu gewalttätigen Angriffen auf eine Barackensiedlung der ethnischen Minderheit der Roma. Medien sprachen angesichts des organisierten Vorgehens von „pogromartigen Ausschreitungen“. Steine flogen, und Jugendliche warfen von Mopeds Molotow-Cocktails auf die Baracken. Dabei wurden sie von Fernsehteams gefilmt. Als die Feuerwehr die Brände zu löschen versuchte, wurde sie von dem umstehenden Mob beschimpft. Hunderte von Roma ergriffen mit ihren Fahrzeugen die Flucht. 500 Roma wurden unter Polizeischutz aus der Stadt geleitet. Eine Gruppe von 56 Roma, darunter 30 Kinder, gilt seit dem Vorfall als vermisst. Über Verhaftungen von Brandstiftern und Steinewerfern ist nichts bekannt.

Im Großraum Neapel sollen rund 2.000 Roma leben. Sie werden für zahlreiche unaufgeklärte Diebstähle in der Gegend verantwortlich gemacht. Journalisten der Region vermuten, dass neapolitanische Mafiaclans, also die Camorra, gezielt eine Anti-Roma-Stimmung entfacht haben, um die Polizei mit den so entstehenden Auseinandersetzungen zu beschäftigen, damit das organisierte Verbrechen in Ruhe seine Geschäfte abwickeln kann.

In Italien leben etwa 160.000 Roma, vorwiegend an den Stadträndern. Nur etwa die Hälfte von ihnen besitzt die italienische Staatsangehörigkeit. Hinzu kommen noch Sinti. Beide Gruppen zusammen sind offiziellen Angaben zufolge etwa 342.000 Menschen stark. Die Caritas legt jedoch wesentlich höhere Zahlen zugrunde. Sie schätzt diese Bevölkerungsgruppe auf 556.000 Menschen.

Das Vorurteil von kinderstehlenden Zigeunern wurde in Neapel durch einen Vorfall bedient, der die Volksseele in der Stadt zum Kochen brachte. Eine 16-jährige Romni, die inzwischen festgenommen wurde, hatte am Wochenende angeblich versucht, ein sechs Monate altes Baby zu entführen. Ähnliche Behauptungen tauchen in den italienischen Medien in regelmäßigen Abständen auf. Journalisten geben der entsprechenden Berichterstattung breiten Raum und tragen so zur Schaffung eines Klimas bei, in dem die Roma zum Feindbild hochstilisiert werden. Der italienische Reformminister Umberto Bossi, Vorsitzender der Lega Nord, wird zu den Vorgängen in Neapel mit den Worten zitiert: „Die Leute machen das, was die politische Klasse nicht fertig gebracht hat.“

Politische Beobachter bemerken ein auffälliges Schweigen der Politik zu den Vorgängen. „Null Toleranz gegenüber kriminellen Ausländern“ lautet die Devise der Berlusconi-Regierung. Bereits im Wahlkampf zu den kürzlich stattgefundenen Präsidentschaftswahlen war durch ausländerfeindliche Parolen eine fremdenfeindliche Stimmung erzeugt worden. Die Berlusconi-Regierung brachte als eine ihrer ersten Amtshandlungen ein Gesetzespaket zur Kriminalitätsbekämpfung und der illegalen Immigration auf den Weg. In der Diskussion ist es, illegale Immigration zum Straftatbestand zu erklären. Die rechtspopulistische Lega Nord, ein Koalitionspartner Berlusconis, tut sich dabei besonders hervor. Sie fordert energische Schritte gegen die Bevölkerungsgruppe, die unter Generalverdacht wegen krimineller Handlungen gestellt wird. Von der linken Opposition gegen die Berlusconi-Regierung kommt gegen diese Verbreitung einer fremdenfeindlichen Stimmung kaum Gegenwehr, registrieren politische Beobachter. Immerhin wurde der Angriff gegen die Roma vom Stadtrat in Neapel als krimineller Angriff verurteilt.

Gezielte Durchsuchungen von Roma-Siedlungen – wie zuletzt in Rom – schüren weiter das Bild des kriminellen „Zigeuners“. Bei einer Razzia in Rom in einem Roma-Lager, in dem 630 Menschen leben, wurden 50 Personen ohne Ausweispapiere festgenommen. Innenminister Roberto Maroni (Lega Nord) hat für die Stadt Mailand einen Sonderbeauftragten zur „Bewältigung des Roma-Problems“ eingesetzt. Die Stadt Mailand hatte vor einigen Wochen das größte Romalager, in dem einige hundert Familien lebten, durch eine Zwangsräumung aufgelöst und anschließend mit Baggern abgerissen. Mailänder Bürger hatten entsprechende Maßnahmen immer wieder verlangt.

Am Donnerstag führte die italienische Polizei eine landesweite Razzia gegen illegale Einwanderer durch. Dabei wurden 383 Personen festgenommen, darunter 268 Ausländer. 118 illegale Auswanderer wurden dabei in Gewahrsam genommen, wovon 53 direkt zur Grenze gebracht und abgeschoben wurden. Der Rest wurde in Auffanglagern festgesetzt.

Mit der rumänischen Regierung werden Verhandlungen geführt, um die Einwanderung von Rumänen auf italienisches Staatsgebiet zu verhindern. Eine Aussetzung des Schengener Abkommens für diese Grenze ist in der Diskussion. Der neue italienische Außenminister Frattini fordert auch auf europäischer Ebene offen eine Revision des Schengener Abkommens. Das europäische Problem sei „nicht die Personenfreizügigkeit, sondern die Sicherheit. Heute ist eine Revision des Abkommens notwendig“. In diesem Zusammenhang machte Frattini einen Vorschlag zur Bekämpfung der Immigration: Man müsse „die Fingerabdrücke aller Immigranten“ abnehmen, die in einer europäischen Datenbank erfasst werden, um das „Problem der Identifizierung der Ausländer“ zu lösen.

Die Europäische Union verlangt von Italien Maßnahmen zu einer besseren Integration der Roma. Als positives Beispiel wird auf Spanien verwiesen, wo ebenfalls eine große Zahl von Roma lebt. In Spanien wird versucht, die Roma durch staatliche Förderprogramme in Bildung und Arbeit gesellschaftlich zu integrieren.

Laura Boldrini vom Hochkommissariat für Flüchtlingsfragen (UNHCR) der Vereinten Nationen äußerte sich besorgt über die verbreiteten Vorurteile der italienischen Bevölkerung bezüglich der Roma. Sie erinnerte daran, dass ein großer Teil der in Italien lebenden Roma – etwa 34.000 – vor ethnischen Säuberungen aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Italien geflohen sind. Auch sei der Bevölkerungsanteil der Roma an der Gesamtbevölkerung Italiens mit 0,3 Prozent vergleichsweise niedrig.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Italien
  • Portal:Organisierte Kriminalität

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.
Older Posts »