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February 6, 2013

„Nationalsozialistischer Untergrund“: Thüringens Ermittler haben versagt

„Nationalsozialistischer Untergrund“: Thüringens Ermittler haben versagt

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Veröffentlicht: 09:57, 6. Feb. 2013 (CET)
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Stadtteil Winzerla in Jena – hier wuchsen einige der NSU-Mitglieder und -Sympathisanten auf

Seit über einem Jahr befasst sich ein Untersuchungsausschuss mit Vorgängen um die NSU-Terroristen

Berlin (Deutschland), 06.02.2013 – Der Untersuchungsausschuss „Rechtsterrorismus“ des Deutschen Bundestages befasste sich am vergangenen Donnerstag mit den Vorgängen in Thüringen und der Arbeit der dortigen Sicherheitsbehörden. Verhört wurden Kriminalhauptkommissar Sven Wunderlich, seit 1998 Zielfahnder beim Thüringer Landeskriminalamt, und Peter Jörg Nocken, 1997 bis 2001 Vizepräsident des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV). Im Januar 1998 hatte die Polizei in einer Jenaer Garage die Bombenbastler-Werkstatt von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe entdeckt, worauf die drei Personen untergetaucht waren. Bei der Durchsuchung der Garage sei auch eine Telefonliste gefunden worden. Nocken behauptete Mitte Januar 2013 vor dem Ausschuss, der Verfassungsschutz habe die Polizisten umfassend über Erkenntnisse zu Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe unterrichtet. Wunderlich, der als Mitarbeiter des Landeskriminalamtes ebenfalls mit den Vorgängen befasst war, bestreitet das. Von der Telefonliste habe er außerdem erst Jahre später erfahren.

Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses stellten mangelnden Informationsfluss sowohl zwischen als auch innerhalb der Thüringer Sicherheitsbehörden fest. Inwieweit die Vorwürfe Wunderlichs, er sei weder vom Landesamt für Verfassungsschutz noch vom Bundeskriminalamt ausreichend informiert worden, gerechtfertigt sind, konnte der Ausschuss nicht aufklären. Anschließend wurde der ehemaligen Leiter des Thüringer Landeskriminalamtes Egon Luthard vernommen. Der Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages wurde am 26. Januar 2012 eingesetzt und befasst sich schwerpunktmäßig mit der Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU).

Inzwischen hat der 6. Strafsenat des Münchner Oberlandesgerichts die Anklage der Bundesanwaltschaft gegen Zschäpe und vier mutmassliche Helfer und Unterstützer des NSU in vollem Umfang zugelassen. Es werden ihnen zehn Morde, 14 Banküberfälle, zwei Bombenanschläge sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Im November 2011 setzte Zschäpe das Haus, in dem sie mit zwei NSU-Mitgliedern gewohnt hatte, in Brand, verschickte von Leipzig aus 12 Briefumschläge mit einem Bekennervideo auf DVD an Zeitungen, Moscheevereine, Parteien sowie einen rechten Versandhandel und stellte sich anschließend der Polizei.

Aus den Befragungen des Untersuchungsauschusses könnten sich auch Erkenntnisse für das Strafverfahren gegen den NSU ergeben. So war im Juli 2012 der Verdacht aufgekommen, dass möglicherweise ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes an einem Mord beteiligt war, der bisher einem Täter aus der NSU-Gruppe zugeschrieben wurde.

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July 8, 2012

Skandal um rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ weitet sich aus

Skandal um rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ weitet sich aus

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Veröffentlicht: 15:25, 8. Jul. 2012 (CEST)
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Fahndungsplakat NSU fuer WIKINEWS.JPG

Berlin (Deutschland), 08.07.2012 – Nach mehreren Pannen im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Verfassungsschutzes bei der Aufklärung des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) will Thüringens Innenminister Geibert auch den Präsidenten seines Landesamtes für Verfassungsschutz in den einstweiligen Ruhestand versetzen. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz zum 31. Juli 2012 in den vorzeitigen Ruhestand geht. Es hatte zunehmend Kritik an den Ermittlungen der zuständigen Behörden, die sich über mehr als zehn Jahre hinzogen, und der unklaren Rolle sogenannter V-Leute in der rechten Szene gegeben. Die rechtsterroristischen Aktivitäten wurden auch von ausländischen Geheimdiensten beobachtet, so hatte der italienische Inlandsnachrichtendienst AISI bereits am 21. März 2003 dem Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln verwertbare Informationen geliefert.

Dem NSU, der vermutlich in den 1990er Jahren entstand und erst im November 2011 öffentlich bekannt wurde, werden unter anderem zehn Morde an türkisch- und griechischstämmigen Männern sowie einer Polizeibeamtin vorgeworfen. Von den drei führenden Mitgliedern des NSU ist nur noch Beate Zschäpe am Leben, sie befindet sich in Untersuchungshaft. Seit Dezember 2012 ermittelt die Staatsanwaltschaft nach einer Privatanzeige auch gegen den thüringischen Verfassungsschutz wegen des Verdachts der Beihilfe zur Flucht, Strafvereitelung im Amt und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Inzwischen befasst sich der Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags mit weiteren Einzelheiten: am kommenden Mittwoch sollen 25 geheime Akten zur sogenannten Operation „Rennsteig“ vorgelegt werden. Zudem sollen die Klarnamen der V-Leute den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses mitgeteilt werden. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Bundestagsabgeordneten von Aussagen des Geheimdienstmitarbeiters, der am 11. November 2011 einen Teil der Akten vernichtete. Nur zwei Tage später war Holger G., einer der Hauptzeugen, wegen Unterstützung des NSU verhaftet worden. Ein weiterer der mutmaßlichen Verantwortlichen aus der rechten Szene, Ralf Wohlleben, wurde erst am 29. November 2011 verhaftet. Nach umfassendem Geständnis und einem Urteil des Bundesgerichtshofs ist Holger G. am 25. Mai 2012 freigelassen worden, da ihm keine Mithilfe nachgewiesen werden konnte.

Sebastian Edathy (SPD), der den Untersuchungsausschuss leitet, verlangt auch vom Militärischen Abschirmdienst (MAD), diesbezügliche Akten vorzulegen. Der Vertreter von Bündnis90/GRÜNE, Wolfgang Wieland, will bei den Befragungen herausfinden, ob ein V-Mann Mitglied des NSU gewesen ist oder sich um die Mitgliedschaft bemüht habe. In den Akten, die dem NSU-Untersuchungsausschuss des Erfurter Landtags vorlagen, befinden sich nach Angaben des Senders MDR Thüringen auch Dokumente des Militärischen Abschirmdienstes (MAD).

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July 2, 2012

Pannen bei den Ermittlungen gegen die NSU: Verfassungsschutz-Chef Fromm tritt zurück

Pannen bei den Ermittlungen gegen die NSU: Verfassungsschutz-Chef Fromm tritt zurück

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Veröffentlicht: 16:51, 2. Jul. 2012 (CEST)
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Bundesamt für Verfassungsschutz

Berlin (Deutschland), 02.07.2012 – Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm (Bild) hat nach den Versäumnissen und Pannen bei den Ermittlungen gegen die rechten Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) um seine Entlassung gebeten. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nahm das Rücktrittsgesuch an.

Unterschlupf der NSU in Zwickau; gesprengt von Beate Zschäpe (Nov 2011)

Der 63-jährige Heinz Fromm war seit Juni 2000 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, zum 31. Juli 2012 geht er in den Ruhestand. Hintergrund waren die Pannen bei den Ermittlungen, dann die Aktenvernichtung, gerade als die Bundesanwaltschaft den Fall übernommen hatte. Ein Referatsleiter hatte Anfang November 2011 die Vernichtung von sieben Ordnern mit Details zur geheimen Operation „Rennsteig“ angeordnet. Darin ging es um V-Leute, die Erkenntnisse beim rechtsextremen „Thüringer Heimatschutz“ gesammelt hatten. Dem Heimatschutz entstammten auch Beate Zschäpe, die sich in Untersuchungshaft befindet, sowie Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die bei dem Versuch ihrer Festnahme Suizid begangen hatten. Die Drei bildeten den Kern der terroristischen Vereinigung NSU. Ihnen werden bundesweit zehn Morde an türkisch- und griechischstämmigen Männern und einer Polizeibeamtin, sowie Brand- und Bombenanschläge vorgeworfen. Der Polizei gelang es über Jahre nicht den Zusammenhang der Anschläge mit den Morden herzustellen. Im Wesentlichen wurde die Spur einer ausländischen kriminellen Vereinigung verfolgt. Die Möglichkeit, dass das rechte Spektrum hinter den Taten stecken könnte wurde zwar von dem Profiler Alexander Horn aus München für möglich gehalten, die Ermittlungen gegen mögliche rechtsorientierte Täter kamen trotzdem nicht in Schwung. Die Verantwortlichen geben an, dass es keinen verwertbaren Spurenansatz in dieser Richtung gegeben hätte. Der Ex-Behördenchef des Thüringer Verfassungsschutzes Roewer wies erst kürzlich alle Vorwürfe die gegen das Amt erhoben wurden energisch zurück und sprach von Denunziation.

Die Berliner Zeitung berichtete vor wenigen Tagen über ein Schreiben des italienischen Geheimdienstes vom März 2003. Darin wurde von rechtsextremen Zellen gesprochen die „halb im Untergrund befindliche autonome Basis“ könne „mittels spontan gebildeter Zellen kriminellen Aktivitäten nachgehen“. Besondere Beziehungen zu italienischen Nazis seien in Thüringen und Bayern festzustellen gewesen.

Fromm übernahm mit seinem Rücktritt die Verantwortung für die Vorfälle beim Verfassungsschutz. Nachfolger könnte sein bisheriger Stellvertreter Alexander Eisvogel werden.

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February 1, 2012

Düsseldorf: GSG 9 nimmt mutmaßlichen Helfer der rechtsterroristischen NSU fest

Düsseldorf: GSG 9 nimmt mutmaßlichen Helfer der rechtsterroristischen NSU fest

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Veröffentlicht: 06:12, 2. Feb. 2012 (CET)
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GSG 9 Beamte bei einer Vorführung

Düsseldorf (Deutschland), 01.02.2012 – Der 31-jährige Carsten S. wurde am Mittwoch durch Beamte der GSG 9 in Düsseldorf verhaftet. Er ist dringend verdächtig, 2002 oder 2003 zusammen mit dem in Untersuchungshaft sitzenden Ralf Wohlleben eine Schusswaffe mit Munition für die aktiven Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) besorgt zu haben.

Beim Thüringer Heimatschutz soll er selbst in den Jahren 1999 und 2000 Aktivist gewesen sein. Kontakte in die Rechtsextreme Szene bestanden dann noch bis 2003. Zu den Mordverdächtigen der NSU Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt habe er ein sehr enges Verhältnis gepflegt und eine große ideelle Übereinstimmung gehabt. Deshalb habe er die Verwendung der von ihm besorgten Schusswaffe bei den folgenden Morden billigend in Kauf genommen. Noch liegen keine Ermittlungsergebnisse darüber vor, ob die von S. besorgte Waffe tatsächlich bei den Morden eingesetzt wurde.

Nach der Festnahme durchsuchten Kriminalbeamte des Bundeskriminalamts und des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen die Wohnung des Verhafteten. Die Bundesanwaltschaft erklärte, S. habe die Rechtsterroristen nach dem Abtauchen 1998 finanziell unterstützt und seit zeitweise der einzige direkt Kontakt aus dem rechtsextremen Umfeld des Trios gewesen.

Der jetzt Verhaftete lebte seit Jahren in Düsseldorf und arbeitete bei der AIDS-Hilfe. Zumindest nach außen war ihm die Nähe zu rechtsradikalen Kreisen nicht mehr anzumerken. Bei der Aids-Hilfe half er homosexuellen Opfern von Mobbing, Stalking oder Gewalt durch telefonische Beratung. Kollegen beschrieben ihn als angenehmen Menschen.

In den letzten Wochen wurden vier weitere Unterstützer der Nazizelle festgenommen und befinden sich in Untersuchungshaft. Bei weiteren mutmaßlichen Unterstützern wurden die Wohnungen durchsucht. Das Trio ist beginnend mit dem Jahr 2000 für zehn Morde verantwortlich. Wegen weiteren schweren Straftaten, wie Bombenanschlägen, Raubüberfällen und Brandstiftung werden Ermittlungen geführt.

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January 8, 2012

NSU-Terroristen: Unterstützer Holger G. packt aus

NSU-Terroristen: Unterstützer Holger G. packt aus

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Veröffentlicht: 16:16, 8. Jan. 2012 (CET)
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Eingangsbereich der JVA Köln-Ossendorf (Archivaufnahme)

Ralf Wohlleben (Archiv)

Berlin (Deutschland), 08.01.2012 – Ralf Wohlleben, einer der führenden Neonazis im Freistaat Thüringen, wird durch die Aussage von Holger G. schwer belastet. Auf Anweisung von Wohlleben sei er dem Terrortrio bis ins Jahr 2011 behilflich gewesen. Holger G. war am 13. November 2011 in Lauenau wegen Unterstützung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) verhaftet worden.

Schon in seiner ersten Vernehmung hatte der 37-jährige Holger G. gestanden, den beiden Mitgliedern der NSU, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, Dienste geleistet zu haben. Reisepass und Führerschein habe er ihnen überlassen und diese Urkunden später als gestohlen gemeldet. Auch das Wohnmobil, in dem sich Böhnhardt und Mundlos getötet hatten, hatte er angemietet. Inzwischen liegen den Ermittlern weitere Aussagen vor. Schon im Jahr 1998 soll Wohlleben ihn um Geld für die damals Untergetauchten gebeten haben. Holger G. habe ihm daraufhin 3.000 DM für die Flüchtigen gegeben. Im Jahr 2000 oder 2001 soll Wohlleben ihn dann beauftragt haben, einen Reisepass für Böhnhardt fälschen zu lassen. Diesen habe er auf dem Zwickauer Bahnhof übergeben. Eine geheime Telefonnummer habe er dazu von Wohlleben erhalten. 2001 oder 2002 sei es zur Übergabe einer Schusswaffe gekommen. Diese habe er von Wohlleben mit den Worten erhalten: „Es ist besser, wenn du nicht weißt, was die damit vorhaben.“ Später will er sich geweigert haben, weitere Dienste für das Terror-Trio auszuführen, telefonisch stand er weiter mit ihm im Kontakt. 2005 habe er ihnen dann doch auf ihre Bitte hin einen Führerschein besorgt. Bis Mai 2011 habe er trotz Bedenken für Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe Dienste geleistet. Man habe ihm dabei gesagt, nach zehn Jahren sei es zum Kneifen zu spät.

Ralf Wohlleben war am 29. November 2011 wegen Beihilfe zum Mord und Unterstützung einer Terroristischen Vereinigung verhaftet worden. Er war der stellvertretende Landesvorsitzende und Pressesprecher der NPD Thüringen sowie Vorsitzender des Kreisverbandes der NPD Jena.

Der Generalbundesanwalt wirft dem Zwickauer Nazitrio bislang neun Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 14 Banküberfälle vor. Zu weiteren Delikten wird die Täterschaft noch geprüft. Beate Zschäpe sitzt als Mitglied des Terrortrios in der Kölner Justizvollzugsanstalt Ossendorf ein. Ihre Anwälte Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl kritisieren die Haftbedingungen: „Ihre Menschenwürde wird mit Füßen getreten.“ Auf ihren Hofgang habe sie verzichtet, da sie von Mitgefangenen beleidigt und bespuckt wird. Sie verbringe nun 24 Stunden am Tag in der Zelle. Dort brenne die ganze Zeit Licht und sie könne nicht gut schlafen, weshalb sie erschöpft sei. Nach Ansicht von Heer und Stahl erfülle die Untätigkeit der Gefängnisleitung den Straftatbestand der Körperverletzung im Amt; sie erwägen deshalb eine Anzeige. In einem Schreiben an die Anstaltsleitung, die Bundesanwaltschaft und an den nordrhein-westfälischen Justizminister fordern sie, den Schlaf ihrer Mandantin zu ermöglichen.

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December 3, 2011

Naziterroristen haben möglicherweise auch Anschläge im Saarland verübt

Naziterroristen haben möglicherweise auch Anschläge im Saarland verübt

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Veröffentlicht: 17:03, 3. Dez. 2011 (CET)
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Fahndungsplakat des BKA (2011, nach dem Ende der Zwickauer Zelle)

Völklingen (Deutschland), 03.12.2011 – Nachdem eine türkische Einrichtung in Völklingen die zwölfte DVD des Nationalsozialistischen Untergrunds erhalten hat, wird eine Verbindung zwischen der Zwickauer Terrorzelle und einer Serie von Brandanschlägen sowie einem Bombenanschlag auf die Wehrmachtsausstellung in Saarbrücken von 1999 vermutet.

Zehn Brandstiftungen ereigneten sich zwischen 2006 und dem 3. September 2011 in Völklingen. Betroffen waren Gebäude die von türkischstämmigen Personen, Arabern oder Schwarzafrikanern bewohnt waren. 20 Personen waren durch die Brände verletzt worden. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund der Taten wurde von der Polizei und dem Verfassungsschutz nicht erkannt. Nach dem Bombenanschlag auf die Wehrmachtsausstellung ging ein Drohschreiben bei den Behörden ein, nach Analysten dürfte der Verfasser eine Person aus Ostdeutschland gewesen sein. Ein Zeuge gibt an, nach dem Bombenanschlag zwei Männer und eine Frau im Alter zwischen 20 und 25 Jahren beobachtet zu haben, die mit der Tat geprahlt hatten.

Völklingen hat etwa 40.000 Einwohner. Die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ist im Stadtrat und hat zwei der 51 Sitze. Bei der Wahl am 7. Juni 2009 hatte die Partei 4,6 Prozent der Stimmen erhalten und damit fünf Prozent weniger als bei der Wahl zuvor.

Die DVDs wurden von Beate Zschäpe nach dem Tod ihrer mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November 2011 verschickt. Adressaten waren verschiedene Medien und Organisationen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière bestätigte in einem Interview, dass Uwe Mundlos vom 1. April 1994 bis zum 31. März 1995 seinen Grundwehrdienst geleistet habe. Er soll seinen Dienst im 6. Panzergrenadierbataillon 381 im sächsischen Frankenberg verrichtet haben, so die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.).

Die Ermittlungen zu den Anschlägen im Saarland sollen neu aufgerollt werden. Der saarländische Generalstaatsanwalt Ralf-Dieter Sahm: „Ein rechtsextremer Hintergrund ist nicht auszuschließen, er ist wahrscheinlich. Auch dem Verfassungsschutz wird man die ein oder andere Frage stellen müssen“.

Die Staatsanwaltschaft in Gera will ein weiteres Verfahren an die Bundesanwaltschaft abgeben. Es geht um sechs Neonazis aus Thüringen. Sie sollen Plastiksprengstoff beschafft haben. Einer davon, André K., der möglicherweise in Verbindung mit der NSU stand. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft gab an, dass das Geraer Verfahren derzeit nicht Gegenstand des Verfahrens gegen die NSU sei. In dem Verfahren gegen die NSU habe man momentan eine Handvoll Personen im Visier. Bei der Bundesanwaltschaft sind zehn Staatsanwälte mit den Ermittlungen zur Bildung der terroristischen Vereinigung befasst. Mit den Ermittlungen befassen sich zwischenzeitlich 420 Beamte, 50 weitere sollen noch hinzukommen. Neben Beate Zschäpe als direktem Mitglied der Terrorgruppe sind der 32-jährige Andre E., der 37-jährige Holger G. und der 36-jährige Ralf Wohlleben wegen Unterstützung der Gruppe in Untersuchungshaft.

Die Liste der Straftaten die das Trio begangen haben soll wird damit immer länger. Zur Ceska-Mordserie, dem Mord und dem Mordversuch in Heilbronn an den Polizisten, sowie den Raubüberfällen reihen sich nun die Anschläge im Saarland.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Portal:Rechtsextremismus
  • Polizistin in Heilbronn mit Kopfschüssen getötet (26.04.2007)
  • Nach vier Jahren neue Spur im Polizistenmordfall von Heilbronn (07.11.2011)
  • Bundesanwalt übernimmt die Ermittlungen – Heilbronner Polizistenmord und Dönermorde offenbar von Rechtsextremisten begangen (12.11.2011)
  • „Nationalsozialistischer Untergrund“ bekennt sich in Video zu Morden (14.11.2011)
  • Hochbrisante Datei: Planten die Neonazis aus Thüringen Anschläge auf Politiker? (16.11.2011)

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November 14, 2011

„Nationalsozialistischer Untergrund“ bekennt sich in Video zu Morden

„Nationalsozialistischer Untergrund“ bekennt sich in Video zu Morden

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Veröffentlicht: 15:45, 14. Nov. 2011 (CET)
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Neubau Bundesgerichtshof in Karlsruhe

Karlsruhe (Deutschland), 14.11.2011 – Die Bundesanwaltschaft und die Bundesregierung bezeichnen die Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ die für zehn Morde und weitere Straftaten verantwortlich sein soll als Rechtsterroristische Vereinigung. Gegen die letzte Woche in Haft genommene Beate Z. wurde vom Bundesgerichtshof Haftbefehl wegen Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erlassen.

Am Sonntag wurde außerdem in Hannover der 37-jährige Deutsche Holger G. festgenommen. Er soll die Gruppe möglicherweise nicht nur logistisch unterstützt haben. Eine mögliche Beteiligung von ihm an den Morden wird untersucht. Fest steht, dass Holger G. für die Terrorgruppe Wohnmobile angemietet, seinen Führerschein und seinen Reisepass zur Verfügung gestellt hat.

Zu der Waffe, einer Pistole des Typs Ceska 83, Kaliber 7,65 Millimeter, gibt es neue Erkenntnisse. Sie gehört zu einer speziellen Serie von der nur 24 Stück hergestellt wurden. Alle Exemplare wurden in den Schweizer Kanton Solothurn ausgeliefert.

Laut Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) soll sich bald das Kontrollgremium des Bundestags für die Geheimdienste mit dem Fall befassen und die Rolle der Polizei und des Verfassungsschutzes beleuchten. Bundesweit werden nun Fälle von rechtsgerichteten Anschlägen nochmals aufgerollt. Auch die Kanzlerin äußerte sich: „Es ist ein außergewöhnliches Ereignis, dem man mit größter Sorgfalt nachgehen muss.“ Die Vorgänge ließen „Strukturen erkennen, die wir uns so nicht vorgestellt haben. Deshalb heißt es, immer wieder wachsam sein, gegen jede Form von Extremismus.“

Dem Trio Uwe B. und Uwe M. und Beate Z. werden acht Morde an türkischen und türkischstämmigen und einem griechischen Geschäftsmann sowie der Mord an einer 22-jährigen Polizeibeamtin vorgeworfen. In dem Haus in Jena, das Beate Z. angezündet hatte, fanden die Ermittler laut Informationen des Spiegel eine DVD, auf der sich die Gruppe zu den Morden und zu einem Nagelbombenanschlag in Köln bekennt. In dem Video bezeichnet sich die Gruppe als „ein Netzwerk von Kameraden mit dem Grundsatz Taten statt Worte.“

Von verschiedenen Politikern wurde die Frage in den Raum gestellt, warum die Täter, die schon vor Jahren als Bombenbauer einschlägig bekannt waren, unbemerkt untertauchen konnten. Vom Zentralrat der Juden und einem Sprecher der türkischen Gemeinden in Deutschland kam Kritik zum Umgang mit Rassismus und rassistischen Terror. Die SPD und die Linke schlossen sich der Kritik an.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

Wikipedia-logo-v2.svg In Wikipedia gibt es den weiterführenden Artikel „Döner-Mordserie“.
Wikipedia-logo-v2.svg In Wikipedia gibt es den weiterführenden Artikel „Polizistenmord von Heilbronn“.
Wikipedia-logo-v2.svg In Wikipedia gibt es den weiterführenden Artikel „Nationalsozialistischer Untergrund“.

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November 7, 2011

Nach vier Jahren neue Spur im Polizistenmordfall von Heilbronn

Nach vier Jahren neue Spur im Polizistenmordfall von Heilbronn

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Veröffentlicht: 21:10, 7. Nov. 2011 (CET)
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Eisenach (Deutschland) / Heilbronn (Deutschland), 07.11.2011 – Vor mehr als vier Jahren wurde die 22-jährige Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn erschossen (Wikinews berichtete). Jetzt wurde nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) die Dienstwaffe der Beamtin bei den Leichen von zwei mutmaßlichen Bankräubern in einem ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach aufgefunden.

Am letzten Freitag (4. November 2011) wurde die Sparkasse in Eisenach von zwei bewaffneten Männern überfallen. Im Verlauf der Fahndung wurde ein Wohnmobil durch die Polizei in der Nähe von Eisenach angehalten und fing kurz darauf an zu brennen. Nachdem der Brand des Fahrzeugs gelöscht worden war, wurden darin zwei Leichen aufgefunden. Es dürfte sich um die Bankräuber handeln. Bei den Toten fanden sich die Dienstwaffe der ermordeten Polizeibeamtin und die Waffe ihres Streifenkollegen, der damals schwer verletzt wurde.

Bei den als Bankräuber Verdächtigten handelt es sich um zwei Männer im Alter von 34 und 38 Jahren. Sie stammen aus rechtsradikalen Kreisen. Sie lebten in einem Haus in Zwickau, in dem es nach einer Explosion am Freitag ebenfalls zu einem Brand gekommen ist. In dem Haus soll auch eine 36-jährige Frau mit dem Namen Susann gewohnt haben; nach ihr wird gefahndet.

Lange Zeit jagte die Polizei im Zusammenhang mit dem Mord an der Polizistin das „Phantom von Heilbronn“. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine falsche Spur. Bei der Spurensicherung am Tatort war ein Wattestäbchen zur Anwendung gekommen, das durch die DNA einer Mitarbeiterin der Herstellerfirma verunreinigt worden war. Auf gleiche Weise verunreinigte Wattestäbchen ließen die Ermittler glauben, dass der Täter an diversen Einbrüchen beteiligt gewesen sein müsse. Erst nach Jahren klärte sich der Irrtum auf.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Polizistin in Heilbronn mit Kopfschüssen getötet (26.04.2007)

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