WikiNews de

November 3, 2012

Moskau: Medwedew ist für die Freilassung der der inhaftierten Sängerinnen von „Pussy Riot“

Moskau: Medwedew ist für die Freilassung der der inhaftierten Sängerinnen von „Pussy Riot“

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 22:35, 3. Nov. 2012 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Dmitri Medwedew 2007

Moskau (Russland), 03.11.2012 – Der Ministerpräsident von Russland Dmitri Anatoljewitsch Medwedew, der selbst Jurist ist, hat nicht die Meinung, dass die Sängerinnen der Punkband „Pussy Riot“ in ein Straflager gehören. Am Freitag sagte er der Agentur Interfax: „Wäre ich Richter, ich hätte sie nicht zur Haft verurteilt, einfach weil ich es nicht für richtig halte, dass sie durch Freiheitsentzug bestraft werden“. Für ihren Protest gegen Wladimir Putin, seien sie genug gestraft.

Pussy Riot ist eine feministische Punkrock-Band aus Moskau. Die Gruppe ist ein loser Zusammenschluss von etwa zehn Frauen. Weltweite Aufmerksamkeit erlangte die Band durch eine Aktion gegen Putin im zentralen Gotteshaus der russisch-orthodoxen Kirche (ROK), der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau am 21. Februar 2012. Sie stürmten den Ambo der Kathedrale und sangen vor dem Altar ein „Punk-Gebet“ gegen die Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche. In diesem Lied waren heftige Beleidigungen enthalten. Die Frauen von Pussy Riot protestierten mit ihrem Auftritt dagegen, dass der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., ihren Worten nach dazu aufgerufen hatte, Wladimir Putin bei den Präsidentschaftswahlen zu wählen. Ihre Verhaftung im März 2012 löste zahlreiche Debatten in den russischen und internationalen Medien über Kunst, Religion und Politik aus.

Drei der Sängerinnen wurden zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Das Berufungsgericht hob die Freiheitsstrafe gegen eine der Frauen auf. Die beiden anderen befinden sich in einem Straflager.

Themenverwandte Artikel

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

August 19, 2012

Weltweite Empörung über das Moskauer Urteil gegen die Punkband Pussy Riot

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 09:58, 19. Aug. 2012 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Punkband Pussy Riot

Nadeschda Tolokonnikowa, Gericht in Moskau, Juni 2012

Moskau (Russland), 19.08.2012 – Den drei Bandmitgliedern von „“ im Alter von 22, 24 und 30 Jahren, zwei von ihnen Mütter kleiner Kinder, wurde grobe Störung der öffentlichen Ordnung und Ruhe, offenkundig mangelnder Respekt vor der Gesellschaft, Hooliganismus, Hass und Feindseligkeit vorgeworfen. Die Richterin Marina Syrewa am Chamovnichesky-Bezirksgericht im Stadtzentrum Moskaus verurteilte Nadeschda Tolokonnikova, Maria Aljokhina und Jekaterina Samutsewitsch wegen „Rowdytum aus religiösem Hass“ zu zwei Jahren Straflager. Die Untersuchungshaft von fünf Monaten wird angerechnet.

Pussy Riot ist eine feministische Punkrock-Band aus Moskau. Die Gruppe ist ein loser Zusammenschluss von etwa zehn Frauen. Weltweite Aufmerksamkeit erlangte die Band durch eine Aktion im zentralen Gotteshaus der russisch-orthodoxen Kirche (ROK), der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau am 21. Februar 2012. Sie stürmten den Ambo der Kathedrale und sangen vor dem Altar ein „Punk-Gebet“ gegen die Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche. In diesem Lied waren heftige Beleidigungen enthalten. Auch Ministerpräsident Wladimir Putin wurde geschmäht. Die Frauen von Pussy Riot protestierten mit ihrem Auftritt dagegen, dass der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., ihren Worten nach dazu aufgerufen hatte, Wladimir Putin bei den Präsidentschaftswahlen zu wählen. Ihre Verhaftung im März 2012 löste zahlreiche Debatten in den russischen und internationalen Medien über Kunst, Religion und Politik aus.

Im Verlauf des Prozesses wurde von den Angeklagten eine Erklärung abgegeben. Sie prangerten an, dass sie im Verlauf der Untersuchungshaft gefoltert wurden. Sie seien überlangen Verhören ausgesetzt gewesen, und man habe sie daran gehindert zu schlafen. Im Prozess wiederholten die Frauen ihre Kritik an Putin, die beabsichtigte abschreckende Wirkung scheint ins Leere gelaufen zu sein. Es wird erwartet, dass die Anwälte der Frauen das Urteil nicht annehmen werden, damit würde es zu einer Berufungsverhandlung kommen. Die Richterin befürchtete einen Anschlag während der Verkündung des Urteils, die Polizei sperrte die Umgebung des Gerichts ab. Die Höchststrafe für die Anstiftung zu religiösem Hass sind sieben Jahre. In Deutschland wäre das Verhalten der Bandmitglieder als Störung der Religionsausübung strafbar und könnte mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden; allerdings ist davon auszugehen, dass eine Geldstrafe für das Verhalten der Täterinnen ausgesprochen worden wäre.

In Russland gibt es 50 russische Straflager für Frauen. Ungefähr 60.000 Häftlinge sitzen dort ein. Die Härte des Vollzugs ist unterschiedlich und wird bereits im Urteil festgelegt. Im Urteil gegen die Frauen wurde auf „normale Unterbringung“ entschieden. Jeder Gefangenen stehen dabei drei Quadratmeter Platz zur Verfügung und damit deutlich mehr als in den gefürchteten Sammelzellen im Männervollzug. Im Lager dürfen sie sich frei bewegen und es mit Erlaubnis auch kurzzeitig verlassen. Sechs kurze und vier lange Besuche sind erlaubt. Im Jahr dürfen sechs Pakete an eine Gefangene geschickt werden, und bei guter Führung ist nach sechs Monate eine Verlegung in den „erleichterten Vollzug“ möglich.

International hagelte es Kritik an dem Urteil. Man geht davon aus, dass die Entscheidung über die Höhe der Strafe nicht im Gericht sondern im Kreml gefällt wurde. Die Richterin, die sich bislang mit unspektakulären Fällen befasst hatte und dafür bekannt ist, täglich zehn bis 15 Urteile zu fällen, war erstmals mit einem Prozess betraut, der sie in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte. Stundenlang begründete sie die Entscheidung.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem „unverhältnismäßig harten Urteil“, es stehe nicht im Einklang mit Europäischen Werten wie Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Josh Earnest, ein Sprecher des Weißen Hauses, sagte: „Die Vereinigten Staaten sind über das Urteil enttäuscht, einschließlich der unverhältnismäßigen Strafen, die erteilt wurden.“ US-Außenministerin Hillary Clinton geht davon aus, dass es negative Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit in Russland geben wird. Der deutsch-russische Schriftsteller Wladimir Kaminer erklärte in einem Zwischenruf, die Menschen hätten gesehen, wovor dieser Staat Angst habe: „vor singenden Mädchen. Nicht vor der Finanzkrise, nicht vor der politischen Opposition, sondern vor singenden Mädchen.“ Amnesty International fand ebenfalls eindeutige Worte: „Zwei Jahre Straflager für eine vielleicht provokante, aber friedliche Protestaktion: Das ist erschütterndes, politisch motiviertes Unrecht. Das Urteil ist nicht nur der Versuch, die drei jungen Frauen zum Schweigen zu bringen. Es soll auch eine Warnung an alle anderen sein, die es wagen, Präsident Putin und seine Regierung zu kritisieren.“

In vielen europäischen Metropolen kam es zu öffentlichen Protesten gegen das Urteil. Mehrfach waren nach der Festnahme und im Verlauf des Verfahrens Stimmen in den Medien zu vernehmen, die sinngemäß vom möglichen Anfang des Endes des Putin-Regimes sprachen. So äußerte sich beispielsweise „de Volkskrant“ (Amsterdam), „Der Standard“ (Wien) und „Die Welt“.

Der Stein des Anstoßes:

DAS PUNKGEBET

Mutter Gottes, Du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin!
Schwarzer Priesterrock, goldene Schulterklappen
Alle Pfarrkinder kriechen zur Verbeugung
Das Gespenst der Freiheit im Himmel
Homosexuelle werden in Ketten nach Sibirien geschickt.
Der KGB-Chef ist Euer oberster Heiliger,
Er steckt die Demonstranten ins Gefängnis.
Um den Heiligsten nicht zu betrüben
Müssen Frauen gebären und lieben.
Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!
Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!
Mutter Gottes, Du Jungfrau, werde Feministin, Werde Feministin, werde Feministin!
Kirchlicher Lobgesang für die verfaulten Führer –
Kreuzzug aus schwarzen Limousinen.
In die Schule kommt der Pfarrer,
Geh’ zum Unterricht – bring ihm Geld.
Der Patriarch glaubt an Putin.
Besser sollte er, der Hund, an Gott glauben.
Der Gürtel der Seligen Jungfrau ersetzt keine Demonstrationen –
Die Jungfrau Maria ist bei den Protesten mit uns!
Mutter Gottes, Du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin!

Themenverwandte Artikel

Artikel kommentieren


Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

July 24, 2012

Moskau: Prozessbeginn gegen „Pussy Riot“ am 30. Juli

Moskau: Prozessbeginn gegen „Pussy Riot“ am 30. Juli

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 21:12, 24. Jul. 2012 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Plakat zur Unterstützung von „Pussy Riot“ in Prag

Moskau (Russland), 24.07.2012 – Die nächste Anhörung der Beschuldigten im Prozess gegen die russische Punkband „Pussy Riot“ wird am 30. Juli 2012 stattfinden. Es wurde angekündigt, dass live aus dem Gerichtssaal ins Internet übertragen wird. Bei der letzten Anhörung, die unter großem Medieninteresse stattfand, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Gegen die Musikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Maria Alechina von der Band war erst kürzlich die Untersuchungshaft um sechs Monate verlängert worden. Gegen diese Entscheidung haben die Verteidiger Einspruch erhoben. Den Antrag der Verteidigung auf Vernehmung von 32 Zeugen, darunter Präsident Wladimir Putin und der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I., hat das Bezirksgericht in Moskau abgelehnt. Prominente Unterstützung erhalten die von Amnesty International als politische Gefangene bezeichneten Frauen von dem Sänger Anthony Kiedis der Band „Red Hot Chili Peppers“. Er trat bei einem Konzert in Moskau mit einem T-Shirt auf, auf dem der Name der Punkband zu lesen war.

Den jungen Bandmitgliedern wird vorgeworfen, Ende Februar die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gestürmt zu haben. Dort sollen sie Wladimir Putin verunglimpft haben. In einem Gebet skandierten sie: „Mutter Maria, treibe Putin davon!“ Auch sonst sind ihre Aktionen nicht gerade als regierungsfreundlich bekannt.

Inzwischen haben sich mehrere deutsche Politiker zum Verfahren geäußert. Claudia Roth von der Partei Bündnis 90/Die Grünen erklärte, der Präsident Russlands missbrauche die Justiz, um seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Stefan Liebich, Chef der Bundestagsfraktion der Linken, spricht von einer „absurden Verfolgung“. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, ist erschüttert von dem Beschluss, die Untersuchungshaft zu verlängern.

(Bild)

Weblinks

Videobericht

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

July 20, 2012

Russland: Punkband wegen Verunglimpfung von Putin weiter in Haft

Russland: Punkband wegen Verunglimpfung von Putin weiter in Haft

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 22:08, 20. Jul. 2012 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Punk Band „Pussy Riot“

Moskau (Russland), 20.07.2012 – Ein russisches Gericht hat am Freitag die Untersuchungshaft gegen drei junge Frauen, Mitglieder der Punk-Band „Pussy Riot“, um sechs Monate verlängert.

Den jungen Aktivistinnen wird vorgeworfen, Ende Februar die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gestürmt zu haben. Von der Kanzel aus sollen sie Wladimir Putin verunglimpft haben. In einem Gebet skandierten sie: „Mutter Maria, treibe Putin davon!“ In der Kirche waren sie mit Miniröcken und Skimasken bekleidet. Der Vorfall ereignete sich zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl. Bei der Anhörung saßen die Beschuldigten Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Marina Alechina in einem Gitterkäfig; dies ist in Russland bei solchen Anlässen üblich. Zwei der Frauen haben kleine Kinder.

Die Verteidigung kündigte Widerspruch gegen die Verlängerung der U-Haft an, das Gericht habe die Argumente der Beschuldigten nicht zur Kenntnis genommen. Die jungen Frauen sind zwischen 22 und 29 Jahre alt. Amnesty International sieht die Inhaftierten als politische Gefangene. Die Bevölkerung ist unterschiedlicher Meinung zu der Tat. Die russisch-orthodoxe Kirche will offensichtlich eine Verurteilung. Den Frauen drohen wegen Rowdytums bis zu sieben Jahre Haft. Tausende Gläubige unterzeichneten eine Aufforderung, in der die Kirche aufgefordert wird, den Frauen zu vergeben.

Die Anhörung der Frauen vor Gericht wurde von großem Medieninteresse begleitet.

Weblinks

Video Kirchenauftritt

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Portal:Russland

Quellen[Bearbeiten]

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.