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March 30, 2008

Interview mit dem deutschen Regisseur von Musikvideos, Uwe Flade

Interview mit dem deutschen Regisseur von Musikvideos, Uwe Flade

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Veröffentlicht: 17:58, 30. Mär. 2008 (CEST)
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Rammstein bei einem Auftritt am 11. August 2006

Deutschland, 30.03.2008 – Der 36-jährige Uwe Flade ist einer der Großen in der Szene der Videoclip-Regisseure Deutschlands. Er hat mit zahlreichen Künstlern zusammen gearbeitet, darunter Depeche Mode, Rammstein, Apocalyptica, In Extremo, Nickelback, Franz Ferdinand und Tarja Turunen. Benutzer unserer englischen Wikinewsschwester führten ein exklusives E-Mail-Interview mit ihm.

Interview

Erzähl uns über deine Arbeit und wie du dazu kamst, dich mit der Regie-Arbeit zu beschäftigen. Was ist typisch für dich und was inspiriert dich?

Ich beschäftige mich schon eine Weile mit Musikvideos, guckte jeden Tag stundenlang MTV. In den 90-ern war es sehr inspirierend und aufregend all diese neuen und visuellen Stilrichtungen zu beobachten. Leute wie Gondry, Glazer, Jonze, Mike Mills aufsteigen zu sehen. Ich versuchte dann so um 1999 herum eine kleine Gesellschaft für Filmproduktionen aufzubauen, nachdem ich in einigen Bürojobs bei Fernsehstationen und anderen Produktionsfirmen festgesteckt hatte. Ich machte ein paar kleinere Sachen und bekam dann die Möglichkeit einem Freund eine Idee vorzuschlagen, der in einer aufsteigenden deutschen Band spielte. Sie übernahmen das Konzept und ich erstellte mein erstes Video. Es war eine heiße Sache und das Video bekam einige Sendezeit. Die nächsten Jobs kamen nicht so leicht rein, aber ich war in dem Genre, das ich so liebte. Ich kämpfte hart, was mir immer mehr neue Aufträge einbrachte.

Ich sammle die ganzen Ideen und ich kann nicht wirklich erklären, was mich inspiriert. Manchmal bringt mich eine Dusche auf neue Gedanken, manchmal sitze ich einfach vor meinem Computer bis mir ein Einfall kommt. Zu Plätzen zu fahren, an denen ich noch nicht gewesen bin, inspiriert mich ebenfalls stark.

Wie hat der Aufbruch des Internets – und der Übergang solcher Netzwerke wie MTV vom fast ausschließlichen Senden von Musikvideos zu Originalprogrammen – den Weg verändert, den Künstler beschreiten, um eine Idee davon zu entwickeln, was sie von einem Musikvideo erwarten? Ist das Musikvideo mit dem „großen Budget“ verschwunden?

Die Band „OK go“
(20. Juli 2007, auf dem Festival Internacional de Benicàssim)

Das große Budget ist nicht vollständig verschwunden, aber die Anzahl der Künstler, die viel ausgeben, ist jetzt viel kleiner und die Budgets sind im Allgemeinen ziemlich runter gegangen. YouTube hat sich ebenfalls stark verändert. Das hypererfolgreiche hausgemachte Video für Ok Go „Here it goes again“ war ein Meilenstein dieser Entwicklung. Es wurde über 31.000.000 mal auf YouTube abgespielt und angesehen, gewann jede Menge Preise und eine Menge Publicity. Deshalb ist der hausgemacht-handwerkliche Stil seitdem zu einer großen Sache bei den Musikvideos geworden, die die Kürzungen der Budgets kreativ wendete. Vor einigen Jahren war Fatboy Slims „Praise You“ ein Außenseiter, aber jetzt ist er ein großer Teil des Gesamtbildes.

Ich glaube, die Künstler wollen auf den Videos einfach nur gut aussehen, das kommt an erster Stelle. Einige von ihnen wollen immer noch, dass etwas Originelles passiert, aber mit den allgemein schrumpfenden Budgets musste ein neuer Stil entstehen, um aus den meist sehr begrenzten finanziellen Mitteln möglichst viel an Kreativität herauszuquetschen und zurzeit haben die Künstler ohnehin keine Wahl.

Ist es schwierig einen im Einzelnen ausgearbeiteten Plot für ein Video zu machen, das zu der Musik und der kurzen Zeit, die sie im Angebot ist, passt?

Für mich ist es eine Herausforderung und immer noch die Freiheit zur Kreativität in diesem Genre, die mich reizt. Ich habe soviele Sachen gelernt, indem ich sie einfach ausprobiert habe und spiele einfach mit ihnen.

Du hast mit so vielen Künstlern unterschiedlicher Stilrichtungen gearbeitet. Wie ist das, mit einer solchen Bandbreite zu arbeiten?

Es ist eine großartige Bandbreite, ich war fasziniert von den unterschiedlichen Anforderungen und Charakteren, die ich bisher getroffen habe. Ich mag es persönlich lieber unterschiedliche Stile auszuprobieren, einfach um der Kreativität ihren Lauf zu lassen und immer wieder neu herausgefordert zu werden anstatt das gleiche Rezept immer und immer zu wiederholen.

Die „Sportfreunde Stiller“

Was würdest du sagen, welche deiner Arbeiten hast du am meisten genossen?

Neben den großen internationalen Projekten für Depeche Mode habe ich am meisten meine Zusammenarbeit mit meinen Freunden der „Sportfreunde Stiller“ genossen. Ich drehte 10 Videos für sie und es ist wesentlich anstrengender für alte Freunde zu arbeiten, weil die Angst zu versagen viel persönlicher ist.

Gab es irgendwelche Projekte, die du nicht gerne gemacht hast?

Hmmmm. Da sind schon ein paar 😉

Arbeitest du zurzeit an etwas Neuem?

Ich arbeite an einer medienübergreifenden Arbeitsgruppe aus Designern, Animateuren und Regisseuren und plane einen Kurzfilm.

Findest du, dass der kommerzielle Druck wie die Auseinandersetzung mit dem Zwang sicherzustellen, dass Videos nicht der Zensur zum Opfer fallen oder dem Termindruck, mit deinen künstlerischen Interessen kollidiert?

Tatsächlich fühle ich mich durch diese Dinge eher herausgefordert als genervt. Die Band und das Label bezahlen für die ganze Sache, so definieren sie die Grenzen, das ist völlig okay für mich. Die Fernsehzensur in Deutschland is nicht sehr steng und ich habe nicht so viel Erfahrung mit diesen Dingen in den Vereinigten Staaten. Ich sah einige Bestimmungen für das US-Fernsehen, sehr lange Listen von Dingen, auf die man achten muss. Meine Videos brechen nicht wirklich diese Regeln, aber egal, es gibt ‘ne Menge davon … das ist es, was ich dachte.

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Quellen

englischsprachige Quelle Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines fremdsprachigen Artikels (mit originärer Berichterstattung) vom 26.03.2008

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September 27, 2005

„Du Bist Deutschland“ – Kampagne beschwört das nationale Kollektiv

„Du Bist Deutschland“ – Kampagne beschwört das nationale Kollektiv

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Berlin (Deutschland), 27.09.2005 – Mit „Du Bist Deutschland“ gründet sich eine neue umfangreiche Werbekampagne, die nach eigenen Angaben das Ziel verfolgt, eine neue Aufbruchstimmung in Deutschland zu schaffen. Der Gesamtetat der Kampagne beträgt 30 Millionen Euro. Sie wurde von den Medienunternehmen Axel Springer Verlag, ARD, RTL, Bertelsmann, Gruner & Jahr und 20 weiteren ins Leben gerufen. Unterstützung erfährt sie darüber hinaus von zahlreichen Prominenten, darunter Xavier Naidoo, Yvonne Catterfeld, Sarah Connor und Günther Jauch.

Die Kampagne soll bis Januar 2006 laufen und wird im wesentlichen durch einen Werbespot im TV und Kino repräsentiert. Weitere Aktionsformen sind dagegen nicht bekannt. Im Internet können sich Interessierte Wallpaper mit Slogans wie „Du Bist Ludwig Van Beethoven“ und anderen deutschen Persönlichkeiten herunterladen. Somit solle, nach Meinung von Kritikern, mit der Kampagne eine Identität gestiftet und Deutschland auf einen positiven Weg geführt werden.

Kritiker bezeichnen die als „Manifest“ bezeichnete Selbstdarstellung des Bündnisses unter den Vorzeichen der deutschen Geschichte als skurril: „Ein Schmetterling kann einen Taifun auslösen. Der Windstoß, der durch seinen Flügelschlag verdrängt wird, entwurzelt vielleicht ein paar Kilometer weiter Bäume. […] Der Wille ist wie Feuer unterm Hintern“ und „Deutschland redet sich selbst schlecht. Dagegen wollen wir in diesem bislang einmaligen Schulterschluss einen Impuls setzen und einen Bewusstseinswandel […] anstoßen“, erklärte Dr. Bernd Kundrun, Vorsitzender des Vorstandes des Verlagshauses Gruner & Jahr, auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Dem steht die Kampagne „I Can’t Relax In Deutschland“ gegenüber (Wikinews berichtete), welche sich gegen die „Nationalisierungstendenzen der neuen deutschen Selbstfindung“ ausspricht und für ein „kritisches Selbstbewusstsein“ eintritt. Im Gegensatz zu aufwendigen Werbekampagnen führt „I Can´t Relax In Deutschland“ (ICRID) im Oktober eine Tour durch die Republik (u.a. Berlin, Frankfurt, Freiburg), um auf Podiendiskussionen mit anschließenden Konzerten den Fragen nach einer „Neuen deutschen Identität“ kritisch auf den Grund zu gehen und Alternativen fernab eines heraufbeschworenen „Nationalen Kollektivs“ anzubieten, so Pressesprecher Tobias Funske von ICRID.

„Frei nach der Faustregel: je größer die Krise, desto höher der Zulauf zur Nation. In unsicheren Zeiten besinnt man sich auf das einende Kollektiv. Das machen viele ja auch ganz unbewusst. Hinzu kommt die bereits angesprochene Veränderung im Bewusstsein, die mit Rot-Grün einsetzte“, so Marvin Alster von der Initiative „I Can´t Relax In Deutschland“ gegenüber der Jugendausgabe der Süddeutschen Zeitung „Jetzt.de“.

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Quellen

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August 29, 2005

Initiative gegen Nationalismus in der Popkultur veröffentlicht Buch-CD

Initiative gegen Nationalismus in der Popkultur veröffentlicht Buch-CD

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Artikelstatus: Fertig 17:43, 30. Aug 2005 (CEST)
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Tocotronic

Köln (Deutschland), 29.08.2005 – Die Initiative „I Can´t Relax In Deutschland“, bestehend aus über 150 Initiatoren, darunter zahlreiche Journalisten und Autoren sowie Musiker von Bands wie Tocotronic, The Notwist oder Mouse On Mars, hat eine Buch-CD veröffentlicht.

Die Initiatoren der Initiative wünschen sich „popkulturell und gesellschaftlich ein universelles, kosmopolitisches Grundverständnis, das es nicht nötig hat, in den Grenzen von Kulturkreisen, Staatsangehörigkeiten usw. zu denken.“ Dies gab Pressesprecher Marvin Alster gegenüber dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung „Jetzt“ bekannt.

Wir Sind Helden

Die Initiative ist als Reaktion auf eine „Nationalisierungstendenz deutscher Bands und Musiker“ (so der Musikjournalist Martin Büsser bei 3sat) zu verstehen und bringt im Zusammenhang mit ihrer Kritik eine Buch-CD auf den Markt, auf der laut Marvin Alster die Rolle von Musikgruppen wie MIA., Fler, Wir Sind Helden und ähnlichen sowie Filmen wie „Das Wunder von Bern“ und „Der Untergang“ thematisiert und kritisiert werden. Außerdem wird Bezug genommen auf zurückliegende Debatten wie die der Radioquoten-Forderung in der deutschen Gesellschaft.

In dem Buch werden phänomenunabhängig Fragen aufgeworfen, die sich um eine Definition von „Nation“ bemühen und zu klären versuchen, ob es etwas Spezielles an der deutschen Nation gibt. Welche allgemeine und spezielle Kritik man daran überhaupt haben kann, klärt ein Aufsatz der Gruppe Sinistra. Martin Büsser bringt diesen Ansatz ins Verhältnis zur Kultur. Gefragt wird: Was für eine Rolle spielt diese in bzw. für eine Nation oder die Gesellschaft unter den gegenwärtigen Verhältnissen? Gibt es eine „deutsche Kultur“, welche ja jüngst von den Radioquoten-Befürwortern gefordert wurde?

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