Blackout in Mumbai – In Indien geht die Angst vor einer Energiekrise um

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Veröffentlicht: 04.09.2014, 02:37 (CEST)
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Die Börse von Mumbai

Mumbai (Indien), 04.09.2014 – Große Teile der indischen Finanzmetropole Mumbai waren am Dienstag von einem Stromausfall betroffen, der die Angst vor einer weitreichenden Energiekrise in Indien steigen lässt. Um 9:45 Uhr Ortszeit fiel der Strom in rund 40 Prozent des Gebietes von Mumbai aus, und die Wiederherstellung der Stromversorgung zog sich bis zum Abend hin. Ursache war laut Angaben der Tata Power Company der Ausfall der Einheit 5 der Trombay Thermal Power Station. Die betroffene Einheit des Kraftwerks schaltete offenbar aus Sicherheitsgründen ab, ein Vorgang, der sich dort schon neunmal seit Januar 2013 ereignet hat. Die Gründe der Abschaltung können vielfältig sein und reichen von technischem Versagen bis zu Überlastung. Da Indien Stromerzeugungskapazität in einer Größenordnung von etwa 15 Prozent seines aktuellen Bedarfs fehlen, ließ sich der Ausfall auch nicht durch andere Kraftwerke ausgleichen. Der vergangene August war der wärmste August seit 23 Jahren in Indien; die noch immer andauernde Hitze lässt den Strombedarf zusätzlich anschwellen. Die Börse von Mumbai, die wichtigste des Landes, war dank Generatoren nicht betroffen, und der Handel konnte dort ohne Beeinträchtigung laufen.

Der Stromausfall ließ Erinnerungen an den größten Blackout in der Geschichte wachwerden. Im Sommer 2012 waren große Teile des nördlichen Indiens für zwei Tage ohne Strom. Während in Delhi stundenlange Stromausfälle mittlerweile zum Alltag gehören, ist man in Mumbai eigentlich eine sehr zuverlässige Stromversorgung gewohnt. Neben dem chronischen Strommangel werden nun aber Befürchtungen laut, die Anzeichen einer noch viel weiterreichenden Krise sehen. Zwei Drittel der Energie Indiens werden aus Kohle gewonnen – so auch in Mumbai -, aber das Land kann seit Jahren nicht die eigentlich geplanten Kohlemengen fördern. Indien als der drittgrößte Kohleförderer der Welt ist deshalb zum fünftgrößten Kohleimporteur der Welt geworden. Diese Umstände drohen sich noch zu verschärfen, nachdem der Supreme Court, das oberste Gericht Indiens, 218 Kohleförderlizenzen wegen Korruption bei ihrer Vergabe für illegal erklärte. Das Gericht wird am 9. September seinen Beschluss zur Schließung der betroffenen Anlagen verkünden. Als Folge der Abhängigkeit von Kohleimporten sind die Kohlereserven der Kraftwerke extrem klein. Einige Kraftwerke, darunter welche, die die Hauptstadt Delhi versorgen, haben überhaupt keine Reserven, während andere Vorräte von bis zu einer Woche für den normalen Betrieb haben. Aber selbst diese Vorräte sind erheblich kleiner als die eigentlich vorgeschriebene Menge für einen Verbrauch in 15 bis 30 Tagen im Normalbetrieb. Gleichzeitig steht Strom aus Wasserkraft im Augenblick praktisch nicht zur Verfügung, weil nach einem ungewöhnlich trockenen Sommer die Stauseen der existierenden Wasserkraftwerke leerzulaufen drohen, wie das Energieministerium einräumen musste.

Die Energiekrise setzt Premierminister Narendra Modi unter Druck, denn zu seinen Wahlversprechen gehörte es, Elektritziät für die 35 Prozent der Bevölkerung, die vor allem in den ländlichen Bezirken noch keinen Stromanschluss haben, zugänglich zu machen. Er kann immerhin auf Erfolge als Chief Minister des indischen Bundesstaates Gujarat verweisen, wo er eine unterbrechungsfreie Stromversorgung erreichte.

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Quellen[Bearbeiten]