WikiNews de

January 31, 2011

Ägypten: Opposition mobilisiert weiter gegen Mubarak

Ägypten: Opposition mobilisiert weiter gegen Mubarak

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 23:46, 31. Jan. 2011 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Demonstranten in Kairo am 30. Januar 2011: „The stepping down of the government is not enough.. No to the NDP, No to the MPs.. No to Mubarak“

Kairo (Ägypten), 31.01.2011 – Die Lage in Ägypten hat sich nach den inzwischen sechs Tage andauernden Protesten leicht beruhigt. U-Bahn-Stationen und kleinere Lebensmittelläden hatten geöffnet. Nach wie vor harren Demonstranten auf dem zentralen At-Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo trotz des erweiterten Ausgehverbots aus. Seit 16 Uhr Ortszeit gilt ein Ausgehverbot, das von den Demonstranten jedoch weitgehend ignoriert wird. Die Ausgangssperre gilt bis acht Uhr morgens. Beim Betreten des Platzes werden Demonstranten von Soldaten kontrolliert. Das Militär schreitet jedoch nicht ein, um die Demonstrationen zu verhindern. Mit gepanzerten Militärfahrzeugen und Soldaten zeigt das Militär jedoch in den großen Städten überall Präsenz. Am Vormittag flogen erneut Kampfjets im Tiefflug über die Innenstadt von Kairo.

Auch die Polizei zeigte wieder stärker Präsenz, nachdem sie seit Freitag weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden war. Aus mehreren Gefängnissen war tausenden Gefangenen die Flucht gelungen. Teilweise bewaffnete Plünderer und Randalierer hatten dieses Machtvakuum ausgenutzt, um Zerstörungen anzurichten und fremdes Eigentum zu rauben. Banken, Geschäfte und sogar Krankenhäuser wurden angegriffen. Das Ägyptische Museum in Kairo war überfallen und vandaliert worden. In den Vororten waren Geschäfte geplündert worden. Die Bürger schlossen sich in mehreren Stadtteilen zu Bürgerwehren zusammen, um die Plünderer daran zu hindern, ihr Eigentum zu zerstören oder zu stehlen.

Die Opposition mobilisiert für Dienstag

Friedensnobelpreisträger Mohamed el-Baradei, der sich selbst als Sprecher der Opposition gegen den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak betrachtet, forderte den Präsidenten erneut zum Rücktritt auf. Die oppositionellen Kräfte hätten sich untereinander darüber verständigt, für Dienstag einen „Marsch der Millionen“ zu organisieren. Außerdem rief er für Dienstag zu einem Generalstreik auf. Er griff damit einen Streikaufruf von Arbeitern in der Stadt Suez am Sonntagabend auf. Ein anderer Oppositionsvertreter erklärte: „Wir haben uns den Arbeitern in Suez angeschlossen und treten in einen Generalstreik bis unsere Forderungen erfüllt werden.“ Wie und ob es gelingt, solche Aufrufe innerhalb der Protestbewegung zu kommunizieren, ist angesichts der Pressezensur und der Sperrung von Internetdiensten unklar. Die islamistische Muslimbruderschaft erklärte, sie akzeptiere eine Führungsrolle el-Baradeis, der sich als Übergangspräsident angeboten hatte. Die islamistische Gruppierung hatte sich bei Beginn der Proteste zunächst zurückgehalten, strebt nach Ansicht politischer Beobachter inzwischen jedoch eine aktivere Rolle in der Oppositionsbewegung an. Aus der Muslimbruderschaft ging die Palästinenserorganisation Hamas hervor, die im Gazastreifen die politische Führung inne hat.

Mubarak will nicht gehen
Ägypten: Opposition mobilisiert weiter gegen Mubarak
Es soll künftig mehr Raum geben für die Beteiligung der Parteien am politischen Leben mit dem Ziel, eine freie demokratische Gesellschaft zu schaffen, wie dies alle Menschen wünschen.
Ägypten: Opposition mobilisiert weiter gegen Mubarak

– Präsident Husni Mubarak, zitiert lt. swissinfo.de

Staatspräsident Mubarak versucht unterdessen, seine Macht zu behaupten. Am Sonntag sprach er sich in einer Rede im Fernsehen für eine umfassende Reform des politischen Systems und der Verfassung aus. Den neu ernannten Ministerpräsidenten Ahmad Schafik forderte er dazu auf, energische Schritte zur Realisierung dieser Ziele zu ergreifen. Weiter wird Mubarak mit den Worten zitiert: „Es soll künftig mehr Raum geben für die Beteiligung der Parteien am politischen Leben mit dem Ziel, eine freie demokratische Gesellschaft zu schaffen, wie dies alle Menschen wünschen.“

Reisewarnungen und Ausreisewelle

Mehrere Länder begannen am Montag damit, ihre Staatsangehörigen aus Ägypten auszufliegen. Neben der Lufthansa und Air India beschlossen mehrere Fluggesellschaften, teilweise im Auftrag ihrer Regierungen, weitere Flüge zu organisieren, um ihre Staatsangehörigen aus Ägypten auszufliegen. Das deutsche Auswärtige Amt rät bereits seit gestern von Reisen nach Ägypten ab, sprach jedoch noch keine offizielle Reisewarnung aus. Dagegen warnt die Schweiz[1], ebenso wie Österreich[2] ihre Bürger vor Reisen nach Ägypten. Auch die Regierung Australiens warnt vor Reisen in das Land[3]. Das State Department der USA (Außenministerium) empfiehlt seinen Bürgern wegen andauernder politischer und sozialer Unruhen, Reisen nach Ägypten zu „vermeiden“[4].

Australien, China, Griechenland, Österreich, die Türkei, die USA und weitere Länder starteten ebenfalls Rückholaktionen. Die Lage in den touristischen Zentren, unter anderem Scharm El-Scheich an der Spitze der Sinai-Halbinsel und Hurghada am Roten Meer, wird als ruhig beschrieben. Allerdings werden Preisanstiege für Treibstoff oder Lebensmittel gemeldet.

Mehrere international operierende Unternehmen begannen ebenfalls ihre Mitarbeiter aus Ägypten zu evakuieren. Darunter die deutschen Autobauer BMW und Daimler sowie der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch Shell und das italienische Energieunternehmen Eni. Der deutsche Energiekonzern RWE hat bereits alle Mitarbeiter aus Ägypten evakuiert.

Fragiles Kräftegleichgewicht im Nahen Osten

Während mehrere westliche Länder demonstrativ von Mubarak abrückten und zu politischen Reformen in Ägypten drängten, zeigte sich Israel besorgt über die politische Entwicklung in Ägypten: „Wir hatten und haben immer noch großen Respekt für Präsident Mubarak“, sagte Staatspräsident Schimon Peres anlässlich eines Empfangs für neue Botschafter in seiner Residenz in Jerusalem. Mubarak war in der Vergangenheit mehrfach als Vermittler zwischen den verfeindeten Parteien des Nahostkonflikts aufgetreten. Die israelische Führung fürchtet nun, dass nach einem Umsturz in Ägypten die Macht an radikal-islamische Fundamentalisten fallen könnte. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies seine Minister an, die Vorgänge in Ägypten nicht öffentlich zu kommentieren. Doch nach einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Netanyahu die israelische Befürchtung deutlich aus, dass wie im Iran nach dem Sturz des Schahs auch in Ägypten islamistische Extremisten an die Regierung kommen könnten. Merkel und Netanyahu sprachen längere Zeit über die Situation in Ägypten. Merkel machte den Standpunkt der Bundesregierung deutlich, dass Israel unter dem Eindruck der Proteste in Kairo den Friedensprozess mit den Palästinensern vorantreiben müsse.

Das israelische Außenministerium sandte bereits am Samstagabend eine diplomatische Note an die Botschafter mehrerer international schwergewichtiger Länder in Israel, um ihnen den Standpunkt Israels klarzumachen, darunter die Vereinigten Staaten, Kanada, China, Russland und mehrere europäische Staaten. Demnach sei es von großer Bedeutung die Stabilität Ägyptens aufrechtzuerhalten. In einer gesonderten Depesche wurden sie gebeten, diesen Standpunkt der israelischen Regierung so schnell wie möglich an ihre jeweiligen Regierungen weiterzumelden. Das berichtet die israelische Zeitung Haaretz.

Israel und Ägypten haben 1977 einen Friedensvertrag abgeschlossen und beide Staaten entwickelten sich seitdem zu wichtigen strategischen Partnern. Mubarak und Netanjahu teilen die Sorge über ein Erstarken von Islamisten und der Militärmacht Irans. Mubaraks Regierung spielte außerdem eine Schlüsselrolle im israelischen Kampf gegen die Macht von Hamas im Gazastreifen. Bei den Verhandlungen zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde war insbesondere der neuernannte Vizepräsident, Omar Suleiman, des öfteren vermittelnd tätig. Ein Sturz Mubaraks könnte Israel außerdem in der Region fast vollständig isolieren. Die persönliche Chemie zwischen Netanjahu und dem jordanischen König Abdullah stimmt nicht; der Monarch weigert sich, mit dem israelischen Ministerpräsidenten zusammenzutreffen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wiederum kommt nicht mit dem rechten Flügel der israelischen Regierung und Außenminister Avigdor Lieberman zurecht. Nachdem 2010 bei einer israelischen Militäraktion neun Türken getötet wurden, sind die Beziehungen mit dem langjährigen Verbündeten Türkei erkaltet. Israel müsste sich somit nach neuen Verbündeten umsehen. Der logische Kandidat wäre Syrien, dessen Golanhöhen Israel seit 1967 besetzt hält. Syrien sehnt sich seit langem danach, die ägyptische Vormacht in der Region zu brechen.

Der syrische Staatspräsident Baschar al-Assad sprach in Zusammenhang mit den Umwälzungen in Tunesien und Ägypten von einer „neuen Ära“. Den Politikern der arabischen Welt riet er, „sich selbst in dem Maß weiterzuentwickeln, wie sich die Gesellschaft weiterentwickelt.“ Die gesamte arabische Welt sei von „jahrzehntelanger Stagnation“ geprägt. In Syrien gab es seit dem Beginn der so genannten Jasmin-Revolution in Tunesien noch keine größeren Massenaktionen. Nach Einschätzung von Human Rights Watch gibt es auch in Syrien keine Presse- und Meinungsfreiheit. Ähnlich wie in anderen arabischen Ländern kennzeichnen ebenfalls Armut und Arbeitslosigkeit die Situation in dem Land.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Ägypten

Fußnoten

  1. Reisewarnung des „Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten“ lt. eda.admin.ch
  2. Reisewarnung des österreichischen Außenministeriums lt. bmeia.gv.at
  3. Reisewarnung des australischen „Department of Foreign Affairs and Trade“ lt. smartraveller.gov.au
  4. Reisewarnung des „US State Department“ lt. travel.state.gov

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

January 30, 2011

„Marsch der Millionen“ – Ägypten demonstriert gegen Husni Mubarak

„Marsch der Millionen“ – Ägypten demonstriert gegen Husni Mubarak

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 15:01, 2. Feb. 2011 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Panzer mit Anti-Mubarak-Graffiti in Kairo, 30.01.2011

Kairo (Ägypten), 02.02.2011 – Bei den größten Massendemonstrationen in der Geschichte Ägyptens gingen gestern nach Angaben des Fernsehsenders al-Dschasira in der Hauptstadt Kairo mindestens eine Million Menschen auf die Straße. Die Demonstranten skandierten Slogans und hielten Transparente und Plakate hoch, auf denen sie den Rücktritt des ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak forderten. Die oppositionellen Kräfte in Ägypten hatten sich gestern zu einem Demonstrationsaufruf unter dem Motto „Marsch der Millionen“ entschlossen. Außerdem wurde zum Generalstreik aufgerufen. Das staatliche Fernsehprogramm meldete am Nachmittag, es seien 5.000 Menschen zu einer Demonstration in der Hauptstadt gekommen. Bilder der Demonstration auf dem At-Tahrir-Platz wurden nicht gesendet.

Mubarak hielt am Abend im staatlichen Fernsehen eine Ansprache. In ihr kündigte er an, bei der nächsten Präsidentschaftswahl auf eine weitere Amtszeit verzichten zu wollen, er wolle jedoch sein Mandat bis zur Wahl erfüllen. „Meine oberste Priorität ist es, Frieden und Stabilität in unserem Lande wiederherzustellen“, sagte Mubarak. Der Präsident schlug eine Änderung der Verfassung vor, um die Amtszeit des Präsidenten zu begrenzen.
„Die Ereignisse der letzten Tage verlangen von uns allen – dem Volk und seinen Führern –, eine Entscheidung zwischen Chaos und Stabilität zu treffen“, erklärte Mubarak. Zuvor war Mubarak von dem US-Sondergesandten Frank Wisner aufgesucht worden. Nach einem Bericht der „New York Times“ hatte Wisner den Auftrag, Mubarak zum Rückzug zu bewegen. Offenbar hat die US-Regierung ihre Haltung gegenüber dem ägyptischen Präsidenten geändert. Zuvor war eine konkrete Rücktrittsforderung an die Adresse Mubaraks von US-Seite nicht zu vernehmen gewesen. Der Präsident galt als wichtiger Verbündeter der USA im Nahen Osten.

Kundgebungen gab es auch in anderen großen Städten des Landes, darunter im Sinai, wo sich 250.000 Menschen an Demonstrationen beteiligten, sowie in Sues, Mansura, Damanhur, al-Arisch, Tanta, el-Mahalla und Alexandria. Alleine in Alexandria, der zweitgrößten Stadt des Landes, beteiligten sich mehrere hunderttausend Menschen an den Demonstrationen. Die Demonstranten rekrutierten sich laut Beobachtern aus allen Schichten der Bevölkerung: alte und junge Menschen, Frauen und Männer, streng religiöse Menschen.

Ziel der Demonstranten in Kairo war der zentrale Platz At-Tahrir in der Stadtmitte. Soldaten hatten sich hier postiert; sie unternahmen aber nichts, um die Menschen daran zu hindern, den Platz zu betreten, wo sich eine große Zahl von Menschen sammelte. Sie kontrollierten die Menschen auf Waffen. Panzer waren rund um den Platz herum aufgefahren. Das Militär veröffentlichte eine Stellungnahme, wonach die Proteste der Bevölkerung legitim seien. Die Armee werde nichts tun, um diesen legitimen Protest mit Gewalt zu unterbinden. Plünderungen und Vandalismus an öffentlichem und privatem Eigentum sowie Angriffe gegen Personen hingegen werde man nicht dulden. An mehreren Orten der Stadt fanden sich auch Regierungsunterstützer zu Demonstrationen zusammen.

Die Residenz Mubaraks in einer östlichen Vorstadt Kairos wurde durch Stacheldraht gesichert. Die Regierung hatte den Eisenbahnverkehr unterbrochen, um zu verhindern, dass noch mehr Menschen in die 18-Millionen-Einwohner-Metropole gelangen. Dieser Versuch war indes erfolglos. Auf dem Kairoer Flughafen ist die Situation weiterhin chaotisch; tausende von Ausländern bemühen sich um die Abreise. Inzwischen wurde vor dem Abfertigungsgebäude ein Zelt für die Wartenden aufgeschlagen. Mehrere Staaten, darunter die Vereinigten Staaten, sowie die Vereinten Nationen entschieden sich, ihr Botschaftspersonal auf eine Notbesetzung zu verringern; alle nicht unbedingt notwendige Botschaftsangehörige und deren Familien sollen das Land verlassen.

Die Proteste in Ägypten dauern inzwischen seit acht Tagen an. Nach Angaben der Nachrichtenagentur al-Dschasira wurden bei Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften mindestens 150 Menschen getötet. Doch wie die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, in Genf der Presse mitteilte, ist die Zahl der Opfer möglicherweise viel höher als bisher angenommen, denn „unbestätigte Berichte sprechen von bisher 300 Toten und mehr als 3000 Verletzten“, so Pillay.

Zwar hat sich die Opposition gegen Mubarak inzwischen auf ein gemeinsames Konzept geeignet, doch wer das Land aus der Krise führen soll, ist immer noch unklar. Die oppositionellen Kräfte haben sich darauf verständigt, Gespräche mit der Regierung erst zu führen, wenn ihre Forderung nach dem Rücktritt des amtierenden Präsidenten Mubarak erfüllt ist. Die oppositionelle Koalition unter dem Namen „National Committee for Following up the People’s Demands“ (übersetzt etwa: „Nationales Komitee zur Erfüllung des Volkswillens“) umfasst nach Angaben von Al-Dschasira zurzeit die Muslimbruderschaft, die „Nationale Vereinigung für Veränderung“, die von Mohammed el-Baradei geführt wird, sowie politische Parteien und prominente Persönlichkeiten unter Einschluss der koptischen Christen.

Nach Ansicht el-Baradeis hat Mubarak die Signale nicht verstanden, die durch die Armee gesendet wurden, als sie erklärte, nicht gegen das demonstrierende Volk vorzugehen. El-Baradei stellte Präsident Mubarak ein Ultimatum. Dieser solle, unter Zusicherung des Verzichtes auf eine Strafverfolgung, bis spätestens Freitag das Land verlassen und von seinem Amt zurücktreten. Anschließend könne der Dialog beginnen, erklärte el-Baradei gegenüber Al-Arabija. Außerdem müsse eine Vereinbarung zur Auflösung des Parlaments und zur Abgabe der Macht durch die derzeitige Regierung Gegenstand der Gespräche zwischen Opposition und Regierung sein.

In die Debatte um eine eventuelle Nachfolge für Mubarak griff der derzeitige Vorsitzende der Arabischen Union ein. Amr Musa erklärte, er sei bereit, das Land aus der Krise zu führen, falls man ihn fragen würde. Musa genießt hohes Ansehen in der arabischen Welt.

Für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel war es „ein wichtiges Signal, dass die Armee gesagt hat, es ist ein Recht der Menschen zu demonstrieren“. Die Kanzlerin wies in Tel Aviv jedoch auf die Unbestimmtheit hinsichtlich des Fortgangs der politischen Entwicklungen in Ägypten hin. „Wir können nur hoffen, dass all das wirklich friedlich verlaufen wird.“

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan äußerte sich gestern erstmals zu der Protestbewegung in Ägypten. In einer Ansprache vor AKP-Mitgliedern im türkischen Parlament stellte sich Erdoğan klar hinter die Volksbewegung in Ägypten. Er appellierte an den ägyptischen Präsidenten Mubarak zurückzutreten, um Sicherheit und Stabilität im Land wiederherzustellen. Die Demonstranten in Ägypten rief er dazu auf, sich jeglicher Gewaltanwendung zu enthalten. Erdoğan, der seinen für den 8. und 9. Februar geplanten Staatsbesuch in Ägypten bis auf weiteres verschoben hat, rief Mubarak auf, die „Schreie der Menschen und ihre extrem menschlichen Forderungen“ zu hören und Forderungen nach einem demokratischen Wandel zu erfüllen.

Auch die iranische Regierung reagierte auf die Massendemonstration. Der neue iranische Außenminister Ali Akbar Salehi sagte, Iran sei solidarisch mit der nach Freiheit strebenden Demonstrationsbewegung. Es sei klar, dass es im Nahen Osten den Wunsch nach Veränderung gebe und die Menschen ein Ende von unpopulären Regimen wollten. Iran unterstütze daher die ägyptische Protestbewegung. Sie zeige, dass es in der Region ein Bedürfnis nach einem Wandel und der Beendigung unpopulärer Regime gebe. Die Menschen in der Region würden sich nicht länger von den „Mächten der Weltarroganz“ kontrollieren lassen, sondern nähmen sich ihr Selbstbestimmungsecht, sagte Salehi. Ramin Mehmanparast, der Sprecher des Außenministeriums, äußerte die Hoffnung Teherans auf einen „islamischeren Nahen Osten“ als Unterstützung gegen die „Feinde Israel und Amerika“. Mehmanparast stellte die Behauptung auf, dass die Aufstände gegen die pro-westlichen Regierungen in Ägypten und Tunesien die westliche Welt verwirrten. Doch ganz so selbstsicher ist die iranische Staatsführung wohl nicht – auch im Iran wurde der Zugang zum Internet eingeschränkt. Nach Berichten der in London erscheinenden arabischen Zeitung Asharq al-Awsat fürchtet die Regierung in Teheran ein Überschwappen der Proteste von Ägypten in den Iran.

Themenverwandte Artikel

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

January 27, 2011

Ägypten: Friedensnobelpreisträger Mohammed el-Baradei unterstützt Massenproteste

Ägypten: Friedensnobelpreisträger Mohammed el-Baradei unterstützt Massenproteste

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 23:58, 27. Jan. 2011 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Präsident Hosni Mubarak

Mohammed el-Baradei

Kairo (Ägypten), 27.01.2011 – Die seit Tagen stattfindenden Massendemonstrationen gegen die Regierung Ägyptens und seinen amtierenden Präsidenten, Husni Mubarak, dauerten auch heute an. Die Protestbewegung erhielt heute Unterstützung durch den ehemaligen Leiter der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und Friedensnobelpreisträger, den Ägypter Mohammed el-Baradei. Der Oppositionspolitiker, der am Donnerstag in Ägypten eingetroffen war, forderte Mubarak offen zum Rückzug von seinem Amt auf.

Wörtlich sagte el-Baradei beim Verlassen des Flughafens in Kairo gegenüber Journalisten: „Es ist eine kritische Zeit im Leben Ägyptens. Ich bin gekommen um diesen Moment mit dem ägyptischen Volk zu teilen.“[1] Er fügte hinzu: „Einige meiner Anhänger drängen mich, den Veränderungsprozess zu führen, aber ich bin noch nicht so weit. Alles, was ich tun kann, ist die gegenwärtige Bewegung politisch zu unterstützen.“[2] Die Regierung forderte er dazu auf, den Willen des Volkes zu respektieren und keine Gewalt gegen Demonstranten einzusetzen. Bevor er in Wien das Flugzeug nach Kairo bestieg, hatte sich el-Baradei gegenüber Reuters etwas offensiver geäußert. Er sagte, dass Präsident Mubarak dem Land nun 30 Jahre gedient habe und dass es nun Zeit für ihn sei, sich zurückzuziehen. Wenn die jungen Menschen ihn dazu aufforderten, den Übergangsprozess zu führen, würde er sie nicht im Stich lassen.

Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel kam es im Verlauf des Donnerstags zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen protestierenden Beduinen und Polizeikräften. Zwei Menschen wurden dabei laut Augenzeugen getötet. Nach dem Tod einer Frau hatten mehrere bewaffnete Männer versucht, mit Panzerfäusten eine Polizeistation zu stürmen. Am Vortag war in der Ortschaft im Norden der Sinai-Halbinsel ein 27 Jahre alter Mann getötet worden. Zu schweren Auseinandersetzungen kam es auch in den Städten Ismailia und Suez, in der Nähe des Suez-Kanals. Im Stadtzentrum von Alexandria kam es bei einer Kundgebung ebenfalls zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften, die mehrere Menschen verhafteten.

Für den Freitag hat die Oppositionsbewegung zu landesweiten Großdemonstrationen aufgerufen. Die oppositionelle Muslimbruderschaft will sich erstmals ebenfalls an den Protesten beteiligen.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:Ägypten

Quellen

Fußnoten

  1. Wortlaut im englischen Original: „It is a critical time in the life of Egypt. I have come to participate with the Egyptian people“, zitiert laut al-Arabija
  2. Wortlaut im englischen Original: „Some of my supporters urge me to lead the process of change, but I am not ready for that, but all I can do is to politically support the uprising“, zitiert laut al-Arabija

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

February 23, 2009

Bombenanschläge in Kairo

Bombenanschläge in Kairo – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Bombenanschläge in Kairo

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 18:33, 23. Feb. 2009 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Kairo (Ägypten), 23.02.2009 – Am gestrigen Sonntag ereigneten sich bei einem Café im Basarviertel „Khan-el-Khalili“ in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zwei Bombenanschläge. Bei den Bomben handelte es sich um selbst gebastelte Sprengsätze, von denen nur einer detonierte. Eine französische Touristin starb durch die Explosion eines der Sprengsätze, die vermutlich von einem Dach geworfen wurden. 21 weitere Menschen wurden verletzt. Der andere Sprengsatz detonierte nicht und konnte rechtzeitig von der Polizei entschärft werden.

Zu dem Anschlag bekannte sich keine der islamistischen Gruppierungen Ägyptens. Die ägyptische Muslimbruderschaft distanzierte sich von der Tat ausdrücklich. Auch die islamistische Untergrundorganisation al-Dschamaʿa al-islamiyya, die für den Anschlag von Luxor im Jahr 1997 verantwortlich ist, hat inzwischen der Gewalt abgeschworen. Vereinzelte Entführungen von Touristen waren in den letzten Jahren von anderen Gruppierungen, überwiegend lokalen Stammesangehörigen, verübt worden.

Ägyptische Medienvertreter gehen davon aus, dass aufgebrachte Jugendliche den Anschlag vom Sonntag verübten. Der islamistische Anwalt Muntassir al Zayat vermutet als Motiv für die Tat die Unzufriedenheit Jugendlicher, die sich von der ägyptischen Regierung im Stich gelassen fühlten und von der Haltung der Regierung im jüngsten Gaza-Konflikt enttäuscht seien.

Die ägyptische Polizei hat inzwischen fünf Personen festgenommen, alle ägyptischer Herkunft. Sie sollen sich laut Polizeiangaben zum Zeitpunkt des Angriffs in der Nähe des Tatortes aufgehalten haben. Der Platz steht unter ständiger Beobachtung durch die ägyptische Polizei.

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

February 16, 2007

Ägypten: Zahlreiche Mitglieder der Muslimbruderschaft festgenommen

Ägypten: Zahlreiche Mitglieder der Muslimbruderschaft festgenommen

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikelstatus: Fertig 00:06, 16. Feb 2007 (CET)
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Kairo (Ägypten), 16.02.2007 – In der Nacht auf Donnerstag haben ägyptische Sicherheitskräfte etwa 80 Anhänger der oppositionellen islamistischen Muslimbruderschaft festgenommen. Die Behörden werfen ihnen vor, Mitglied einer verbotenen Organisation zu sein und regierungskritische Literatur zu besitzen. Offiziell ist die Muslimbruderschaft in Ägypten seit 1954 verboten; faktisch wird sie aber in einem gewissen Rahmen toleriert. Ihre Anhänger sind offen politisch tätig. So hat sich die Gruppe zur größten Oppositionspartei entwickelt. Im Parlament ist die Partei mit 88 von 454 Abgeordneten vertreten, die an der letzten Wahl im November und Dezember 2005 als unabhängige Kandidaten teilgenommen haben.

Die Organisation sieht einen Zusammenhang zwischen den jüngsten Festnahmen und der Oberhauswahl (Shura Council), die im April dieses Jahres stattfinden wird. „Das ist ein Versuch, die Rolle der Bruderschaft im politischen Leben Ägyptens zu marginalisieren“, sagte Mohamed Habib, der stellvertretende Vorsitzende der Organisation, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Khayrat al-Shatir, einer der bekanntesten Vertreter der Muslimbrüder in Ägypten, muss sich seit heute vor einem Militärgericht wegen Geldwäsche und der Finanzierung einer illegalen Vereinigung verantworten. Nachdem studentische Mitglieder der Bruderschaft im Dezember 2006 an der Al-Azhar-Universität in militärischer Kleidung demonstriert hatten, hat die Regierung ihre Maßnahmen gegen die Organisation verschärft, weil Befürchtungen bestanden, dass die Muslimbrüder einen militärischen Arm gründen könnten. Die Organisation selbst sagte, dass die Demonstration der Studenten von ihr nicht genehmigt gewesen sei.

Am 29. Dezember 2006 hatte ein reguläres Strafgericht in Kairo alle Anklagepunkte im Fall Khayrat al-Shatir abgewiesen und die Freilassung des Politikers angeordnet. Laut Human Rights Watch (HRW) hat Präsident Muhammad Husni Mubarak am 6. Februar 2007 in seiner Funktion als oberster Kommandant des Militärs den Fall einem Militärtribunal übertragen. Das Ausnahmerecht, das seit der Ermordung von Präsident Anwar as-Sadat 1981 ununterbrochen in Kraft ist, erlaubt es, Zivilpersonen vor Militärtribunale zu stellen. Neben Khayrat al-Shatir sind 39 weitere Personen angeklagt, die in der vergangen Woche von der Polizei verhaftet wurden. Laut Nachrichtenagentur APA sind sie unter anderem wegen der „Nutzung terroristischer Methoden zur Durchsetzung ihrer Ziele“ angeklagt. Die Muslimbruderschaft hält alle Anklagepunkte für falsch. Nach Angaben der Muslimbruderschaft erfolgten die Festnahmen in Kairo, Alexandria, Gizeh, Sharqiya, Gharbiya, Monofiya und Fayyum. Unter den Festgenommenen befinden sich der Organisation zufolge Politiker, die in der Vergangenheit an Parlamentswahlen teilgenommen hatten, sowie zwei Mitarbeiter von Abgeordneten.

In einer heute veröffentlichten Pressemitteilung ruft die Menschenrechtsorganisation HRW Ägypten dazu auf, die inhaftierten Anhänger der verbotenen Organisation freizulassen. Laut HRW sind derzeit 226 Muslimbrüder in Ägypten inhaftiert. „Dadurch, dass sie versucht, die größte oppositionelle Bewegung zu zerstoßen, zeigt die Regierung erneut, dass sie keine Kritik tolerieren kann“, sagte Sarah Leah Whitson, HRW-Direktorin für den Nahen Osten. „Allen politischen Parteien und Gruppen in Ägypten, auch den Muslimbrüdern, soll es erlaubt sein, ihre Ansichten friedlich auszudrücken, auch wenn sie die Regierung kritisieren“, so Sarah Leah Whitson weiter.

Themenverwandte Artikel

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

September 17, 2006

Regensburger Papst-Rede löst Kritik und Proteste in der islamischen Welt aus

Regensburger Papst-Rede löst Kritik und Proteste in der islamischen Welt aus

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikelstatus: Fertig 13:38, 17. Sep. 2006 (CEST)
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Regensburg (Deutschland), 17.09.2006 – Auf Kritik und zum Teil heftigen Protest in weiten Teilen der islamischen Welt stieß eine Rede von Papst Benedikt XVI.. In einer Vorlesung zum Verhältnis von Gewalt und Religion an der Universität Regensburg am 12. September hatte der Papst ein Zitat eines Kaisers aus dem 14. Jahrhundert verwendet, in dem dieser den Propheten Mohammed kritisiert hatte.

Der Papst hatte bei dem theologischen Vortrag aus einem Dialog zwischen dem im 14. Jahrhundert regierenden christlich-byzantinischen Kaiser Manuel II. Palailogos und einem persischen Gelehrten unter anderem die Worte zitiert: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“ Diese Bemerkung des Kaisers, die der Papst zuvor als „in erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form“ vorgebracht qualifiziert hatte, stand im Kontext der Aussage von Benedikt XVI., dass Gewalt mit dem Wesen Gottes nicht vereinbar sei. Vor dem Zitat hatte der Papst zudem betont, auch Kaiser Manuel habe vermutlich bereits die Koransure gekannt, in der gefordert werde, „kein Zwang in Glaubenssachen“.

Die Folge der Äußerungen von Papst Benedikt sind nun weltweite Proteste moslemischer Kreise. Zuerst haben türkische Religionsführer Kritik geübt. Das Amt für Religiöse Angelegenheiten verlangte in Person von Ali Bardakoğlu eine Entschuldigung und stellte gleichzeitig die geplante Türkei-Reise von Papst Benedikt XVI. im November in Frage.

Die Muslimbruderschaft in Ägypten rief die islamische Welt zu Protesten gegen den Papst auf. Die islamischen Staaten sollten mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan drohen, falls die Äußerung nicht zurückgenommen werde. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) sprach gar von einer „Verleumdungskampagne“ des Papstes gegen den Propheten Mohammed.

Das pakistanische Parlament verabschiedete eine Resolution, in der die Bemerkungen des Papstes ebenfalls verurteilt werden. Es verlangt eine Entschuldigung des Vatikans. Der Vatikan versucht derweil, die Wogen zu glätten. Ein Sprecher sagte, der Papst habe nicht die Absicht gehabt, die Gefühle der Moslems zu verletzen.

Wikiquote-logo.svg Wikiquote: Zitate zu „Manuel II.“.

Themenverwandte Artikel

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

June 6, 2006

Ägypten fordert Nichtregierungsorganisation zum Stopp ihrer Arbeit auf

Ägypten fordert Nichtregierungsorganisation zum Stopp ihrer Arbeit auf

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikelstatus: Fertig 20:24, 6. Jun. 2006 (CEST)
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Kairo (Ägypten), 06.06.2006 – Die ägyptische Regierung hat die US-Nichtregierungsorganisation International Republican Institute (IRI) zum Stopp ihrer Arbeit aufgefordert. Ein Regierungssprecher sagte am Montag, dass die Organisation ihre Arbeit einstellen müsse, bis sie eine Genehmigung erhalten habe. Der Regierungssprecher warf Gina London, der Vorsitzenden der Organisation für das Ägyptenprogramm vor, sich in innere Angelegenheiten des Landes eingemischt zu haben.

Gina London hatte zuvor am Sonntag in einem Interview mit der ägyptischen Tageszeitung „Nahdet Masr“ den langsamen Reformprozess in Ägypten kritisiert. Im Interview äußerte sich Gina London über das Vorhaben des IRI, Veränderungen in Ägypten beschleunigen zu wollen. In der Zeitung wurde die Mitarbeiterin der Nichtregierungsorganisation mit den Worten zitiert, Reformer hätten in den letzten 25 Jahren keine Chance gehabt, ihre Reformvorhaben unzusetzen. Ein Anwalt der Organisation spielte die Aussage der ägyptischen Regierung herunter und sprach von einem Missverständnis. Das Institut habe nach Angaben des Anwalts noch nicht mit seiner Arbeit in Ägypten begonnen. Eine Genehmigung der Aktivitäten stehe kurz bevor. Gina London sagte, sie habe gegen kein Gesetz verstoßen, weil es ein Abkommen zwischen Ägypten und den Vereinigten Staaten gäbe, das es Organisationen, die von der United States Agency for International Development unterstützt würden, erlaube, ohne besondere Genehmigung in Ägypten tätig zu werden.

Das IRI wurde im Jahr 1983 als eine Nichtregierungsorganisation gegründet, die nach eigenen Angaben die weltweite Ausbreitung der Demokratie fördern will. Die Organisation unterhält Büros in 60 Ländern. Vorsitzender des Instituts ist der republikanische US-Senator John McCain. Das Ägyptenprojekt des Instituts wird von der United States Agency for International Development, einer US-Regierungsorganisation für nicht-militärische Entwicklungszusammenarbeit finanziert. Auf ihrer Website stellt die Organisation die Aufgaben und Ziele ihres Projekts in Ägypten vor. So trafen sich Vertreter des IRI zwischen März und April dieses Jahres mit Vertretern ägyptischer Parteien, um sich über das ägyptische Parteiensystem zu informieren. Zudem finanzierte das Institut zwei Konferenzen, auf denen die demokratische Teilhabe von Frauen in Ägypten gefördert werden sollte. Das IRI kritisiert die politischen Veränderungen, die im Zuge eines Referendums erfolgt waren. Eine Verfassungsergänzung ersetzt das Referendum eines vom Parlament ernannten Präsidetschaftskandidaten durch Wahlen mit mehreren Kandidaten. Das IRI kritisiert, dass unabhängige Kandidaten 250 Unterschriften von Abgeordneten und anderen Politikern sammeln müssen, um an der Wahl teilnehmen zu dürfen. Dies hindere unabhängige Kandidaten an der Teilnahme an der Präsidentenwahl.

Am Montag wurde bekannt, dass neun führende Mitglieder der verbotenen islamistischen Oppositionspartei Muslimbruderschaft bei einer Polizeirazzia im Zentrum Kairos festgenommen wurden. Das ägyptische Innenministerium wirft den Festgenommenen vor, an einem konspirativen Treffen teilgenommen zu haben. Obwohl die Muslimbruderschaft in Ägypten offiziell verboten ist, stellen Anhänger und Mitglieder der Partei 20 Prozent der Parlamentsabgeordneten, die bei der Wahl als unabhängige Kandidaten angetreten waren.

Themenverwandte Artikel

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

April 26, 2006

Tote und Verletzte nach Explosionen im Badeort Dahab

Tote und Verletzte nach Explosionen im Badeort Dahab

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikelstatus: Fertig 15:17, 26. Apr. 2006 (CEST)
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Dahab (Sinai), 28.5° N, 34.5° W

Dahab (Ägypten), 26.04.2006 – Bei Anschlägen in der ägyptischen Stadt Dahab sind am Montagabend 18 Menschen ums Leben gekommen, über 80 wurden verletzt. Unter den Toten befinden sich auch Ausländer, darunter ein Junge aus Baden-Württemberg. Insgesamt ereigneten sich drei Explosionen. Ob es sich dabei um Selbstmordattentate gehandelt hat oder die Bomben ferngezündet wurden, stand bis gestern noch nicht fest.

Am gestrigen Dienstag hat die Polizei zehn Verdächtige festgenommen, unter denen sich auch drei Computerspezialisten aus Kairo befinden, die einen Tag vor den Anschlägen nach Dahab gekommen waren und einen Tag danach wieder abreisen wollten.

Die Polizei hat die Sicherheitsvorkehrungen auf den Zufahrtstraßen nach Dahab und auch auf den Flughäfen in ganz Agypten verstärkt. Da sich Deutsche unter den Opfern befinden, hat sich auch der Generalbundesanwalt Nehm eingeschaltet. Seine Behörde ermittelt gegen eine unbekannte ausländische terroristische Vereinigung. Das Auswärtige Amt hat seine Sicherheitswarnungen für ganz Ägypten verstärkt.

Die Anschläge wurden von verschiedenen Seiten verurteilt: Dazu gehören Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), UN-Generalsekretär Kofi Annan, US-Präsident George W. Bush, ein Sprecher der Hamas-Bewegung, der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, ein ranghohes Dschihad-Mitglied und die Muslimbruderschaft in Ägypten.

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

September 7, 2005

Präsidentenwahl in Ägypten hat begonnen

Präsidentenwahl in Ägypten hat begonnen

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikelstatus: Fertig 21:42, 7. Sep. 2005 (CEST)
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Muhammad Husni Mubarak

Kairo (Ägypten), 07.09.2005 – Heute hat in Ägypten die erste Präsidentenwahl begonnen, an der mehrere Kandidaten teilnehmen dürfen. Der seit 24 Jahren regierende Präsident Muhammad Husni Mubarak strebt eine fünfte sechsjährige Amtszeit an. Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erwartet.

In der Vergangenheit stimmte die Bevölkerung Ägyptens über einen Kandidaten ab, der vom Parlament nominiert wurde. Nach einem Verfassungszusatz sind nun erstmals mehrere Kandidaten zur Präsidentenwahl zugelassen worden. Oppositionspolitiker hatten die Verfassungsänderung kritisiert, da sie aus ihrer Sicht nicht weit genug gehe. Die Wahlkommission hat insgesamt zehn Kandidaten zur Präsidentenwahl zugelassen. Husni Mubarak gilt bei der Wahl als klarer Favorit, da seine National Democratic Party (NDP) den Wahlkampf in den Medien dominierte und viele Mubark für einen verlässlichen Politiker halten.

Zu den aussichtsreichsten Oppositionspolitikern unter den zugelassenen Kandidaten zählen der Vorsitzende der al-Ghad Partei, Aiman Nur und der Vorsitzende der Wafd-Partei, Numan Gumaa. Von der islamistischen Muslimbruderschaft, einer der größten Oppositionsbewegungen wurde kein Kandidat zur Wahl zugelassen.

Die Egyptian Organization for Human Rights (EOHR) hat vor der Wahl unabhängige Beobachter ausgebildet, die überprüfen sollen ob die Wahl frei und fair abläuft. Auch Delegierte verschiedener Parteien wollen die Wahl überwachen. Offiziell hat die Wahlkommission unabhängige Beobachter nicht zugelassen.

Ein AFP Korrespondent berichtet von Sicherheitskräften, die sich in einem Wahllokal aufhielten, obwohl das Innenministerium darum gebeten hatte, dies nicht zu tun. Vor einem Wahllokal in einem Kairoer Stadtteil sollen sich mehrere Anhänger der regierenden NDP versammelt haben, um den Wähler Flugblätter auszuhändigen. Eine Gruppe von Reportern des International Center for Journalists hat über tausend Interviews geführt in denen Menschen über ihre Erwartungen an die Wahl befragt wurden. Viele Ägypter sprachen in den Interviews davon, dass es wenig sinnvoll sei, sich an der Wahl zu beteiligen, da der Sieger vorher schon so gut wie feststehe. Eine große Zahl der Befragten gab an, zu sehr mit grundsätzlichen Bedürfnissen beschäftigt zu sein, um sich mit der Wahl auseinander zusetzen.

Themenverwandte Artikel

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.

August 8, 2005

Ägypten: Wahlkommission lässt zehn Kandidaten zur Präsidentenwahl zu

Ägypten: Wahlkommission lässt zehn Kandidaten zur Präsidentenwahl zu

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikelstatus: Fertig
Bitte keine weiteren inhaltlichen Veränderungen vornehmen, sondern einen Folgeartikel schreiben.

Kairo (Ägypten), 08.08.2005 – Die ägyptische Wahlkommission hat zehn Kandidaten zur Präsidentenwahl am 7. September zugelassen. 20 Bewerber wurden laut Wahlkommission nicht zur Wahl zugelassen.

Muhammad Husni Mubarak, seit 1981 Staatspräsident von Ägypten, strebt eine fünfte Amtszeit an. Der 77-jährige Mubarak ist Nachfolger des ermordeten Anwar as-Sadat. Eine Verfassungsergänzung, die im Mai 2005 per Referendum angenommen wurde, erlaubt zum ersten Mal eine Präsidentenwahl mit mehreren Kandidaten. Zuvor wurde in Ägypten über einen Kandidaten abgestimmt, der vom Parlament ernannt wurde, wobei Mubaraks Nationaldemokratische NDP über eine Mehrheit im Parlament verfügt.

Als bekanntesten Herausforderer ließ die Wahlkommission Aiman Nur von der oppositionellen Partei al-Ghad (der Morgen) zu, die als liberal gilt. Die weiteren Kandidaten sind Numan Gumaa von der liberalen Wafd Partei, Ahmed Awad Allah von der Umma party, Mamduh Qinawi von der Verfassungspartei, Osama Shaltut von der Solidaritätspartei, Kamal Kasbah von der Partei für soziale Gerechtigkeit, Ibrahim Turk von der Demokratischen Union, Rifaat al-Agrudi von der Nationalen Einheitspartei und Wahid al-Uqsuri von der Ägyptisch-Arabischen Kommunistischen Partei. Kein Unabhängiger Kandidat wurde zur Wahl zugelassen.

Beobachter gehen davon aus, dass Mubarak dank der Kontrolle der Medien und der Dominanz seiner Nationaldemokratischen Partei (NDP) die Wahl gewinnen wird. Vielen Oppositionsparteien geht die Verfassungsänderung nicht weit genug. Das Wahlrecht benachteiligt aus ihrer Sicht unabhängige Kandidaten. Zwei Oppositionsparteien boykottieren die Wahl im September. Auch die Muslimbruderschaft stellt keinen Kandidaten auf. Die Partei ist offiziell verboten, wird jedoch geduldet.

Die von der Wahlkommission abgelehnten Bewerber haben 48 Stunden Zeit um ihrern Ausschluss anzufechten. Am 13. August wird die Kommission dann eine endgültige Liste der Bewerber vorlegen. Unter den abgelehnten Bewerbern befindet sich auch Talaat Sadat, ein Neffe von Anwar as-Sadat.

Themenverwandte Artikel

Quellen

This text comes from Wikinews. Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the Creative Commons Attribution 2.5 licence. For a complete list of contributors for this article, visit the corresponding history entry on Wikinews.