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September 27, 2011

Truppen des Übergangsrates marschieren in Sirte ein

Truppen des Übergangsrates marschieren in Sirte ein

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Veröffentlicht: 12:48, 27. Sep. 2011 (CEST)
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Sirte (Libyen), 27.09.2011 – Nach einer knapp einmonatigen Belagerung sind die Truppen des libyschen Übergangsrates am Montag in die Hafenstadt Sirte einmarschiert. Unterstützt von Nato-Flugzeugen erfolgte die Offensive über die östliche Stadtseite. Der letzte Angriff am Samstag war am heftigen Widerstand gescheitert, die Soldaten mussten sich wieder zurückziehen. Der Kampf hatte sieben Opfer auf Seiten der Revolutionskämpfer gefordert, mindestens 150 sollen laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verletzt worden sein. Die Zustände in der Stadt spitzten sich zu: Familien hätten sich in Kellern versteckt, es gäbe weder Wasser noch Lebensmittel oder Medikamente. Soldaten der neuen libysche Führung gaben an, dass mehr als 1300 Familien die Stadt in den vergangenen Wochen verlassen hätten.

Im Zuge der Großoffensive am Montag strömten weitere Zivilisten aus der Stadt – laut Alistair Leithead von BBC hätten einige nicht einmal vom Fall der Hauptstadt Tripolis im August gewusst. Man habe ihnen erzählt, die Rebellen würden ihnen die Hälse aufschlitzen, wenn sie aus Sirte fliehen würden. Der Übergangsrat sowie Flüchtlinge warfen den Verteidigern der Stadt vor, die Menschen als Schutzschilde zu missbrauchen und an der Flucht zu hindern.

Sirte liegt etwa 410 Kilometer östlich von Tripolis. Als Geburtsstadt des ehemaligen Diktators Muammar al-Gaddafi hat es eine enorme Bedeutung für die ihm treuen Truppen. Gaddafi hatte die Stadt Anfang September zur neuen Hauptstadt erklärt. Sirte ist die größte der drei verbliebenen Bastionen Gaddafi´s, von ihm selbst fehlt jedoch weiterhin jede Spur. Es wird vermutet, dass er noch in Libyen ist. Ahmed Bani, ein Sprecher des Übergangsrates, berichtete CNN, die Soldaten hätten vor ein paar Tagen die Wüstenstadt Bani Walid betreten. Der Berg im nördlichen Teil der Stadt sei jedoch noch immer im Besitz von Gaddafi-Truppen und mit ihnen verbündeten Söldnern. Die Kämpfe werden weiterhin andauern.

Unterdessen haben sich Mitglieder des Übergangsrates in Bengasi getroffen, um über die Zukunft der Regierung zu beraten. Es sei bereits beschlossen worden, dass es einen Premier, einen Vizepremier und 22 Minister geben werde, berichtet CNN. Die neue Regierung werde jedoch erst angekündigt, wenn auch die letzte Stadt in Libyen von den Truppen von Muammar al-Gaddafi befreit worden sei. Das Treffen begann am Sonntag und soll am Dienstag enden.

Am Freitag war eine Audiobotschaft von Gaddafis Tochter Aischa vom syrischen Fernsehsender Al-Rai veröffentlicht worden, in der sie die neue Führung Libyens als Verräter bezeichnete. Einige von ihnen hätten vor dem Seitenwechsel im Bürgerkrieg der Gefolgschaft des Ex-Diktators angehört. Ihrem Vater ginge es gut. Am Sonntag hatten Gaddafi-treue Soldaten von Algerien aus die Stadt Ghadamis angegriffen und sechs Menschen getötet. Sie seien aber zurückgeschlagen worden. Teile der Stadt gehören zum Weltkulturerbe.

Nach dem Fund eines Massengrabes kommen langsam Zweifel an der Identität der Leichen auf. Zuerst war angenommen worden, bei den rund 1300 Toten handle es sich um die Opfer eines Aufstands im Abu Salim – Gefängnis 1996. Doch laut CNN seien dort einige Knochen gefunden worden, die zu groß für Menschen seien. Jamal Ben Noor aus dem Ministerium für Justiz und Menschenrechte sagte der Internetseite, man solle warten und ihnen mehr Zeit geben, bis die Untersuchung beendet sei.

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Quellen[Bearbeiten]

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April 23, 2011

Unübersichtliche Lage im libyschen Misrata: Armee zieht sich angeblich zurück

Unübersichtliche Lage im libyschen Misrata: Armee zieht sich angeblich zurück

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Veröffentlicht: 19:30, 23. Apr. 2011 (CEST)
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Misrata (Libyen), 23.04.2011 – Widersprüchliche Meldungen laufen aus der umkämpften libyschen Stadt Misrata ein. Während ein Sprecher der Rebellen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch mitteilte: „Misrata ist frei, die Rebellen haben gewonnen“, werden andererseits Nachrichten bekannt, wonach die Kämpfe an Heftigkeit noch zugenommen hätten. Allein am heutigen Samstag wird über mindestens zehn Menschen berichtet, die laut Aussagen von Ärzten getötet wurden. Außerdem wurden 50 Verletzte in das Krankenhaus der Stadt eingeliefert.

Der stellvertretende libysche Außenminister, Chaled Kaim, sagte am Freitag, die Armee werde sich zurückziehen und den Kampf um die Kontrolle der Stadt den Stämmen der Region überlassen. Wörtlich sagte er: „Die Situation in Misrata wird entschärft, wird bewältigt durch die Stämme rund um Misrata und die verbliebene Bevölkerung von Misrata und nicht durch die libysche Armee.“ [1] Soldaten der libyschen Armee, die von Rebellen gefangen genommen worden waren, bestätigten den Rückzugsbefehl. Begründet wurde der Rückzug von Kaim mit andauernden westlichen Luftangriffen. Erstmals griffen die US-Streitkräfte am Samstag wieder in die Kämpfe ein, nachdem sie sich vor einigen Tagen von den Kämpfen zurückgezogen hatten. Sie feuerten eine sogenannte Drohne auf ein Ziel in Libyen ab. Welches Ziel genau anvisiert wurde, ist nicht bekannt.

Mit Luftangriffen auf Ziele in der Stadt Tripolis setzte die NATO in der Nacht auf Samstag ihren Militäreinsatz gegen die libysche Armee fort.

Die Stadt Misrata war seit fast acht Wochen von Armeeeinheiten Gaddafis belagert worden. Die Stadt liegt 200 Kilometer östlich von Tripolis und gilt als letzte verbliebene Hochburg der Rebellen im westlichen Landesteil Libyens. Hunderte Menschen sollen bei den Kämpfen um die Stadt bereits getötet worden sein.

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Quellen

Fußnoten

  1. Übersetzung lt. tagesschau.de

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April 20, 2011

NATO: Gaddafi-Armee missbraucht Kinder als menschliche Schutzschilde

NATO: Gaddafi-Armee missbraucht Kinder als menschliche Schutzschilde

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Veröffentlicht: 12:33, 20. Apr. 2011 (CEST)
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Tripolis (Libyen), 20.04.2011 – Die bisherige Zwischenbilanz des Bürgerkrieges in Libyen wird mit 10.000 Toten und bis zu 55.000 Verletzten ausgewiesen. Das erklärte der italienische Außenminister Franco Frattini unter Berufung auf Angaben libyscher Rebellen. Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) schätzt, dass in den letzten zehn Tagen 10.000 Menschen vor den Kämpfen in Libyen geflohen seien. Der libyschen Staatsführung unter Oberst Muammar al-Gaddafi wird seitens der NATO vorgeworfen, die schweren Waffen, mit denen das Regime gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, in der Nähe von Krankenhäusern, Schulen und Moscheen zu positionieren, um auf diese Weise die NATO-Kampfpiloten von Angriffen auf diese Waffensysteme abzuhalten, weil diese gehalten seien, zivile Opfer zu vermeiden. Außerdem würden Scharfschützen der libyschen Armee in ziviler Kleidung in die umkämpfte Stadt Misrata einschleust, um von Krankenhäusern und Dächern von Moscheen aus Rebellen und Einwohner unter Feuer zu nehmen. Auf diese Weise würden Frauen und Kinder als Schutzschilde missbraucht. Das erklärte NATO-General Charles Bouchard gegenüber dem kanadischen Fernsehen.

Nach NATO-Angaben konnte die vom UN-Sicherheitsrat in der Resolution 1973 beschlossene Flugverbotszone über Libyen durch den Einsatz von NATO-Kampfflugzeugen vollständig durchgesetzt werden. Es wurden keine Verstöße gegen das Flugverbot seitens der NATO registriert. Insgesamt seien seit dem Beginn des NATO-Einsatzes 2.800 Einsätze geflogen worden, durchschnittlich rund 1.000 Einsätze pro Woche. Die Hälfte der NATO-Einsätze seien Luftschläge gegen die militärische Infrastruktur des Gaddafi-Regimes oder gegen Militäreinheiten der libyschen Armee gewesen – darunter Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, Raketenabschussrampen und Munitionslager. Auch das Waffenembargo konnte laut NATO-Angaben in vollem Umfang durchgesetzt werden. Trotz des massiven Einsatzes von NATO-Kriegsgerät gelang es bisher offenbar nicht, die Gaddafi-Armee entscheidend zu schwächen.

Nach Angaben des britischen Außenministers William Hague entsendet Großbritannien Militärberater nach Bengasi, um die Aufständischen „bei der militärischen Organisation“ zu unterstützen, meldet die Süddeutsche Zeitung.

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  • Portal:Libyen

Quellen

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April 16, 2011

Libyen: Regierungstruppen setzen angeblich Streumunition gegen Aufständische ein

Libyen: Regierungstruppen setzen angeblich Streumunition gegen Aufständische ein

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Veröffentlicht: 20:56, 16. Apr. 2011 (CEST)
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Misrata (Libyen), 16.04.2011 – Laut Fotodokumenten von Journalisten setzt die libysche Militärführung um Oberst Muammar al-Gaddafi im Kampf um die einzige im westlichen Landesteil verbliebene Hochburg der Aufständischen, Misrata, offenbar die weltweit geächtete Streumunition ein. Entsprechende Berichte bestätigte auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

In der Nacht zum Donnerstag sollen mindestens drei Streubomben über der Stadt Misrata zur Explosion gebracht worden sein. Die Entdeckung der Munition geht auf einen Reporter der US-Zeitung New York Times zurück. Streumunition besteht aus einem großen Behälter (auch „Granate“ genannt), der in seinem Inneren mehrere kleinere Sprengsätze enthält, die bei der Explosion der Bombe freigesetzt werden und viele heiße Metallsplitter herausschleudern, deren Konstruktion auf die Zerstörung von Metallplatten ausgerichtet ist, wie sie von Militärfahrzeugen zur Panzerung benutzt werden. So können durch diese Munition Zerstörungen auf einer großen Fläche erzielt werden. Diese Munition ist vor allem deshalb geächtet, weil sie aufgrund ihrer Konstruktion sehr ungenau ist und auch Zivilisten gefährdet. Außerdem detoniert ein beträchtlicher Teil der Munition nicht sofort und wird so zu einem anhaltenden Risiko für spielende Kinder oder Fußgänger, die Jahre später noch zufällig auf solche Blindgänger stoßen und durch sie getötet werden oder bleibende Schäden an Rumpf und Gliedmaßen erleiden.

Laut Human Rights Watch stammen die 120-Millimeter-Granaten vom Typ MAT-120 von dem spanischen Waffenproduzenten Instalaza SA und sind im Jahr 2007 hergestellt worden. Seit dem Jahr 2010 sind Waffen dieses Typs laut dem internationalen Abkommen zur Streumunition verboten. 108 Staaten traten dem Abkommen bei. Libyen hat den Vertrag allerdings nicht ratifiziert. Spanien trat dem Abkommen 2009 bei. Die libysche Regierung bestreitet den Vorwurf, Streumunition eingesetzt zu haben.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bekräftigte am Freitag in einem Interview mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen das militärische Ziel der NATO, Zivilisten in Libyen vor Angriffen des libyschen Militärs zu schützen. Die Politik von Mitgliedsstaaten verfolge jedoch ein weitergehendes Ziel, den Abtritt des Diktators Gaddafi. Dieses Ziel unterstütze die NATO. Rasmussen verwies jedoch auf die Einschränkung des UN-Mandats, das den Einsatz von Bodentruppen nicht vorsehe. Aus der Luft sei es aber schwierig, Heckenschützen vom Beschuss von Zivilisten abzuhalten. Die Präsidenten der Vereinigten Staaten und Frankreichs, Barack Obama und Nicolas Sarkozy, sowie der Premierminister des Vereinigten Königreichs, David Cameron, hatten zuvor eine gemeinsame Erklärung herausgegeben, in der es heißt, der Einsatz der NATO werde bis zum Sturz von Gaddafi fortgeführt.

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Quellen

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March 20, 2011

US-amerikanische und britische Streitkräfte schließen sich Angriffen auf Libyen an

US-amerikanische und britische Streitkräfte schließen sich Angriffen auf Libyen an

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Veröffentlicht: 15:36, 20. Mär. 2011 (CET)
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Muammar al-Gaddafi

Washington D.C. (Vereinigte Staaten) / London (Vereinigtes Königreich), 20.03.2011 – Nachdem französische Flugzeuge Missionen über Libyen flogen, begannen auch Attacken der Vereinigten Staaten und Großbritannien auf Libyen.

Über 110 Tomahawk-Raketen wurden von US-amerikanischen und britischen Kriegsschiffen und U-Booten im Mittelmeer abgefeuert. Ziele waren Tripolis und andere Militärstützpunkte im ganzen Land. Der Name dieser Operation lautet „Operation Odyssey Dawn“.

David Cameron sagte, dass neben der französischen Luftwaffe auch die britische Luftwaffe an Angriffen teilnehmen werde, die Situation sei durch Gaddafi entstanden. Er habe die internationale Gemeinschaft belogen. Gaddafi habe einen Waffenstillstand versprochen und nicht eingehalten. Er setze die Brutalität gegen sein Volkes fort. Die Zeit zu handeln sei gekommen.

Gaddafi hatte einen Brief an mehrere internationale Führungskräfte aufgesetzt in dem er verlautete: „Libyen gehört nicht euch. Libyen gehört der libyschen Bevölkerung. Die Resolution des Sicherheitsrates ist ungültig. Ihr solltet es nicht wagen in unser Land zu intervenieren.“

Wikipedia-logo-v2.svg In Wikipedia gibt es den weiterführenden Artikel „Aufstand in Libyen 2011“.

Themenverwandte Artikel

Quellen

englischsprachige Quelle Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines fremdsprachigen Artikels vom 19.03.2011

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Französische Luftwaffe greift libysche Regierungstruppen an

Französische Luftwaffe greift libysche Regierungstruppen an

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Veröffentlicht: 16:13, 20. Mär. 2011 (CET)
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Karte Libyens

Paris (Frankreich) / Bengasi (Libyen), 20.03.2011 – Mit einem Angriff auf ein libysches Militärfahrzeug hat die französische Luftwaffe erstmals direkt in die Kämpfe zwischen den Aufständischen und der regulären libyschen Armee eingegriffen. Dies teilte das französische Verteidigungsministerium in Paris mit. Der Angriff erfolgte knapp zwei Tage nachdem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 1973 verabschiedet hat, mit der das Gremium andere Nationen ermächtigt hatte, zum Schutze der Zivilbevölkerung zu intervenieren.

Bereits früher hatte das Ministerium mitgeteilt, dass französische Flugzeuge im libyschen Luftraum Aufklärungsmissionen flögen. Ein Sprecher sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, etwa 20 Flugzeuge seien in Libyen eingesetzt. Außerdem sei eine Seeblockade verhängt, erklärte Kanadas Premierminister Stephen Harper.

Es gibt außerdem Berichte darüber, dass Regierungstruppen einen Kampfjet der Rebellen abgeschossen haben. Die Aufständischen waren in den letzten Tagen durch desertierende Piloten an mehrere Flugzeuge gekommen. Der Abschuss wurde von einem Sprecher der Aufständischen bestätigt. Stefan Schlentrich, ARD Kairo berichtete in den ARD-Tagesthemen um 22:05 Uhr am Samstag, die Rebellen selbst hätten versehentlich eine von einem Rebellen gelenkte Mirage mit ihrem Flugabwehrfeuer in Bengasi abgeschossen.

Hochrangige Diplomaten und Politiker aus mehr als zwanzig Staaten hatten am Samstag (19. März) in Paris an einem Sondergipfel teilgenommen, um ein gemeinsames Vorgehen gegenüber Libyens Herrscher Muammar Gaddafi zu beraten, darunter Vertreter der Arabischen Liga, der Europäischen Union und der USA. Die NATO, die zeitgleich in Brüssel tagt, konnte sich nicht auf eine gemeinsame Haltung einigen. Die Afrikanische Union, die sich in den vergangenen Tagen gegen eine ausländische Intervention ausgesprochen hatte, entsandte keinen Vertreter zu dem Treffen, tagte am Samstag allerdings in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott. Die NATO soll offenbar keine führende Rolle übernehmen, weil sie nach Ansicht Frankreichs in der Arabischen Welt nicht angesehen sei. Berlin will keine Truppenkontingente bereitstellen, Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte in Paris aber an, sich stattdessen stärker an AWACS-Aufklärungsflügen in Afghanistan beteiligen zu wollen.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hatte Gaddafi nach dem Gipfel nochmals zum Einlenken aufgefordert. Notfalls könne der derzeit in Toulon vor Anker liegende Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ auslaufen, um die französische Luftwaffe zu unterstützen. Außerdem habe man Einheiten auf Korsika und im Tschad in Bereitschaft versetzt. „Die Tür der Diplomatie wird sich wieder öffnen, wenn die Angriffe enden“, sagte der französische Staatspräsident. Weniger diplomatisch war der britische Premierminister David Cameron. Es sei der Zeitpunkt gekommen, an dem die internationalen Staatengemeinschaft handeln musste. „Wir müssen den Willen der Vereinten Nationen durchsetzen und können das Abschlachten von Zivilisten nicht weiter zulassen.“

Die britische Luftwaffe hat zusätzliche Tornado- und Eurofighter-Flugzeuge auf der britischen Luftwaffenbasis Akrotiri auf Zypern stationiert, die US-Navy hat den Flugzeugträger „USS Enterprise“ und mehrere weitere Kriegsschiffe im Mittelmeer zur Verfügung. Unterstützung haben außerdem Katar, Dänemark, Norwegen, Italien, Belgien und Spanien versprochen. Kanada will sich an der Durchsetzung der Flugverbotszone mit mehreren Jagdbombern und der Fregatte „Charlottetown“ beteiligen.

Unterdessen heißt es, dass immer mehr Menschen ostwärts zur ägyptischen Grenze fliehen. BBC-Reporter Ben Brown zufolge seien zwar erst wenige Menschen an der Grenze zu dem Nachbarland, doch OCHA befürchtet, dass in den nächsten Tagen 200.000 Menschen zu Fuß oder mit Autos die Grenze überqueren wollen, um sich vor den Kampfhandlungen in Sicherheit zu bringen. Der libysche Staatschef hatte nach dem Bekanntwerden der UN-Resolution am Freitag zwar einen Waffenstillstand seitens der Regierungstruppen verkündet, doch gelangte diese Anordnung offenbar nicht an die Front; nach Berichten von Al-Dschasira drangen regierungstreue Einheiten am Samstag bis in die westlichen Vororte Bengasis vor. Die Rebellen berichteten auch über Angriffe der libyschen Regierungstruppen auf Misrata und az-Zintan im Westen Libyens. Die Regierung bestreitet eine Offensive. Die Regierungstruppen würden sich lediglich selbstverteidigen, hieß es in einer durch die staatliche Nachrichtenagentur Jana verbreiteten Erklärung.

Wikipedia-logo-v2.svg In Wikipedia gibt es den weiterführenden Artikel „Aufstand in Libyen 2011“.

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March 4, 2011

Bürgerkrieg: Patt-Situation in Libyen

Bürgerkrieg: Patt-Situation in Libyen – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Bürgerkrieg: Patt-Situation in Libyen

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Veröffentlicht: 23:15, 4. Mär. 2011 (CET)
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Leute auf einem libyschen Panzer, Bengasi im Februar 2011

Leute auf einem libyschen Panzer, Bengasi im Februar 2011

Tripolis (Libyen), 04.03.2011 – Die Situation in Libyen ist weiterhin von bewaffneten Auseinandersetzungen um die politische Macht in dem Land gekennzeichnet. Die libysche Luftwaffe flog mehrfach Angriffe auf Gegner des Regimes. Insbesondere konzentrieren sich die Kämpfe um die libyschen Ölhäfen Al Burayqah (auch: „Marsa al-Brega“), Ras Lanuf und az-Zawiyya. Dabei gab es zahlreiche Tote und Verletzte. Keine der beiden Seiten konnte bisher jedoch einen entscheidenden Vorteil für sich erzielen. Unterdessen sind weiterhin zehntausende Menschen auf der Flucht aus dem vom Bürgerkrieg geprägten Land.

Laut einem Bericht des staatlichen libyschen Fernsehens haben regimetreue Truppen die Stadt az-Zawiyya, 60 Kilometer westlich von Tripolis, aus den Händen von Aufständischen zurückerobert. Dabei seien ein Rebellenführer und weitere Aufständische gefangen genommen worden.

Die Hafenstadt Al Burayqah (Brega) scheint weiter in der Hand Aufständischer zu sein. Gestern hatten Kampfflugzeuge eine zu dem Ölhafen gehörende Landebahn bombardiert. Rebellen gelang es am Mittwoch laut Medienberichten eine Großoffensive von Gaddafi-treuen Bodentruppen zurückzuschlagen. Bei den Kämpfen in der Region Brega-Ajdabiya wurden am Donnerstag etwa 100 regimetreue Soldaten gefangen genommen.

Bei Kämpfen um den Ölhafen Ras Lanuf setzte das Gaddafi-treue Militär heute Grad-Raketen gegen die Aufständischen ein. Dabei sollen mindestens vier Menschen getötet worden sein. Ein AFP-Reporter berichtete von Bombardierungen und Artilleriefeuer.

In der libyschen Hauptstadt Tripolis kam es nach dem heutigen Freitagsgebet zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Befürwortern des Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi.

In den Flüchtlingslagern an der Grenze zwischen Libyen und Tunesien spitzt sich unterdessen laut einem Bericht der deutschen Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany die humanitäre Lage zu. Nach Einschätzung des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) halten sich in den Flüchtlingslagern auf tunesischer Seite zwischen 15.000 und 18.000 Menschen auf. Die Zahl der Flüchtlinge, die versuchten das Land in Richtung der tunesischen Grenze zu verlassen, sei jedoch seit Mittwoch stark zurückgegangen. Am Montag hatten noch ungefähr 1.000 Menschen pro Stunde versucht, auf diesem Wege Libyen zu verlassen. Diese Entwicklung wird darauf zurückgeführt, dass schwerbewaffnete regierungstreue Truppen den Zugang zur libysch-tunesischen Grenze bewachten. UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming sagte in Genf: „Sie konfiszieren Mobiltelephone, Kameras, Geld. Die Leute, die ankommen, sind verängstigt und sprechen nur mit Zurückhaltung.“ Aus Kreisen der libyschen Regierung heißt es dazu, die Truppen seien damit beauftragt, „den Flüchtlingen zu helfen“.

Das deutsche Auswärtige Amt koordiniert von der tunesischen Insel Djerba aus eine Hilfsaktion für Libyen-Flüchtlinge, die dann nach Ägypten geflogen werden. Mit insgesamt zehn Charterflügen sollen insgesamt etwa 1.900 Flüchtlinge vorwiegend ägyptischer Herkunft nach Kairo ausgeflogen werden. Außerdem sind drei deutsche Marineschiffe im Einsatz, um Flüchtlinge aufzunehmen.

Auch die Europäische Union organisiert Hilfe für die Flüchtlinge an der tunesisch-libyschen Grenze.

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  • Portal:Arabische Welt

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