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March 9, 2011

Interesse für Biosprit E10 bleibt hinter Erwartungen zurück

Interesse für Biosprit E10 bleibt hinter Erwartungen zurück

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Veröffentlicht: 14:26, 9. Mär. 2011 (CET)
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Zapfsäule mit E10 in Vorbereitung

Berlin (Deutschland), 09.03.2011 – Das Interesse in der Bevölkerung für den Biotreibstoff E10 bleibt hinter den Erwartungen zurück. Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass viele Autofahrer unzureichend informiert und durch Presseberichte über die Unverträglichkeit des Treibstoffes verunsichert sind. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat deswegen zu einem Treffen mit Vertretern der Automobilindustrie, Verbraucherverbänden, Bioethanolerzeugern, Mineralölwirtschaft, Automobilclubs und Bauernverband eingeladen. An der Konferenz nahmen außerdem Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sowie Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (beide CSU) teil.

Politik und Industrie haben sich grundsätzlich auf eine Fortsetzung der Markteinführung verständigt. Bundesumweltminister Röttgen hatte der Industrie vorgeworfen, zu wenige Anstrengungen für die Einführung des Kraftstoffes zu unternehmen. Doch zweifelhaft ist nicht nur die Verträglichkeit des Kraftstoffes selbst, sondern Kritiker halten es für verwerflich, dass speziell für den Ethanol-Kraftstoff angebaute Zuckerrüben, Zuckerrohr, Mais und Getreide verbraucht werde, während anderswo Menschen an Hunger sterben. Außerdem würden dadurch Lebensmittel knapper, was die bereits 2007–2008 weltweit gestiegenen Lebensmittelpreise weiter erhöhe, wovon insbesondere Menschen in den Entwicklungsländern existentiell betroffen sind. Der verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, Winfried Hermann, fordert den Nachweis der Öko-Bilanz des zugemischten Bio-Ethanols; dessen Herkunft aus nachwachsendem und nachhaltigen landwirtschaftlichen Anbau müsse klar zertifiziert sein, äußerte Hermann gegenüber n-tv. Ethanol sei nicht schon durch seine Herkunft aus nachwachsenden Rohstoffen ökologisch. Problematisch sei eine etwaige Verdrängung von Ernährungsproduktion oder Regenwald.

Durch die Einführung des Treibstoffes E10 verunsicherte Autofahrer stiegen vielfach auf Super Plus um, was zu einem Versorgungsengpass dieser Treibstoffsorte führte. Politik, Wirtschaft und Verbraucher schieben sich die Verantwortung für die Situation gegenseitig zu. Für Klaus Picard, den Hauptgeschäftsführer des Verbands der Mineralölwirtschaft, erfolgt die Einführung des E10-Treibstoffes „gegen den Wunsch der breiten Bevölkerung“. Die Mineralölwirtschaft müsse die Vorgaben der Politik jedoch umsetzen, da sonst Strafzahlungen drohen, die man auf den Preis umlegen wolle. Diese Ankündigung ist für das Bundesumweltministerium „nicht hinnehmbar“, so die Sprecherin des Ministeriums. Es sei die Aufgabe der Mineralölkonzerne, die Verbraucher davon zu überzeugen, dass eine zehnprozentige Ethanolbeimischung unschädlich sei.

Der ADAC wiederum kritisierte, dass zu wenig Alternativtreibstoff zur Verfügung stehe. Außerdem kritisierte der Automobilclub, dass die Frage ungeklärt sei, wer für Fahrzeugschäden durch E10 hafte, falls ein Autofahrer den Treibstoff tankt, etwa weil der Tankwart ihm sagte, er könne das Benzin bedenkenlos tanken. Aufgrund der Unbedenklichkeitsliste, die bei der Deutschen Automobil Treuhand unter www.dat.de verfügbar ist, gelten 93 Prozent der in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge als E10-tauglich, doch ob bei den Verbleibenden ein einmaliges falsches Tanken den Motor schädigt, ist bislang nicht bekannt. Dies versucht der ADAC mit einer Testreihe derzeit herauszufinden.

Für zusätzliche Verunsicherung hatten Berichte gesorgt, nach denen das E10-Benzin womöglich schädlicher sei als bisher angenommen. Thomas Brüner, der Leiter der Motorenentwicklung bei BMW, hatte am 6. März in der Welt am Sonntag gesagt, dass bei einer Verwendung von E10 vermutlich die Wartungsintervalle für den Ölwechsel verkürzt werden müssen. Auf diese Frage wollen sich BMW und Daimler nun in einer gemeinsamen Forschungsgruppe konzentrieren. Andreas Keßler, der für das ZDF in der Sendung Wiso regelmäßig Autofragen erörtert, sieht vor allem im erhöhten Wasseranteil eine Gefahr. So würde die Schmierfähigkeit zurückgehen. Im Winter könne deswegen bei Kurzstrecken unter starkem Frost ein Einfrieren der Ölpumpe verursacht und so ein Motorschaden ausgelöst werden.

Derzeit sind in manchen Raffinerien die Tanks mit E10-Benzin gefüllt, doch der Absatz ist rückläufig. Weniger als ein Drittel der von PCK in Schwedt an der Oder im Februar produzierten E10-Menge sei an die Tankstellen ausgeliefert worden und im März sei das Interesse weiter gesunken, teilten Firmensprecher der Mineralölwirtschaft mit. „Jetzt geht nur noch etwa ein Viertel der bestellten E-10-Menge weg. Die Tendenz ist weiter rückläufig“, sagte Vica Fajnor von PCK, einem Gemeinschaftsunternehmen von BP, Shell, Eni und Total.

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September 2, 2005

Debatte über Verkauf der Deutschen Ölreserven entbrannt

Debatte über Verkauf der Deutschen Ölreserven entbrannt

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Artikelstatus: Fertig 11:51, 2. Sep 2005 (CEST)
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Berlin (Deutschland), 02.09.2005 – In Deutschland ist eine Debatte über einen Verkauf der deutschen Ölreserven entbrannt. Einen entsprechenden Vorschlag des stellvertretenden FDP-Chefs Rainer Brüderle zum Verkauf von Reserven sollte man „sehr positiv prüfen“, sagte Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Ein Tabu dürfe das nicht sein.

CSU-Chef Edmund Stoiber sagte: „Die zusätzliche Mehrwertsteuer, die dadurch entsteht, dass der Ölpreis explodiert, die müssen wir für die Absenkung des Benzinpreises einsetzen.“ Auch FDP-Chef Guido Westerwelle nannte einen Verkauf mit dem Ziel, den Preisanstieg im Interesse der Verbraucher zu dämpfen, eine „kluge und sinnvolle“ Möglichkeit.

Der stellvertretende FDP-Chef Brüderle hatte angesichts der drastisch gestiegenen Benzin- und Heizölpreise dafür plädiert, die Reserve am Markt zu verkaufen: „Wir können damit die extrem spekulativen Ausschläge dämpfen, reduzieren.“

Die Bundesregierung und die Mineralölwirtschaft lehnten den Vorstoß ab. Ein Sprecher des Wirtschaftsminsteriums sagte: „Es gibt keine Notwendigkeit für eine solche Maßnahme.“ Aktuell gebe es kein Versorgungs-, sondern ein Preisproblem an den Ölmärkten.

Auch der Mineralölwirtschaftsverband wandte sich gegen einen Verkauf. Eine Sprecherin verwies auf die engen Voraussetzungen für einen solchen Schritt. Es gebe momentan keinen Versorgungsengpass.

Die deutschen Mineralölunternehmen sind gehalten, über den Erdölbevorratungsverband (EBV) Reserven von Rohöl und Ölprodukten für den Verbrauch von 90 Tagen zu halten. Derzeit sind nach Angaben des EBV Ölprodukte im Volumen von 23 Millionen Tonnen eingelagert. Verkauft werden dürfe die Reserve nur zur Abwendung eines drohenden oder eingetretenen Versorgungsproblems. Die Freigabe für den Verkauf muss der Wirtschaftsminister erteilen.

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