Island und die Färöer bilden gemeinsame Wirtschaftszone

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Artikelstatus: Fertig 14:55, 2. Sep. 2005 (CEST)
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Hoyvík (Färöer) / Reykjavík (Island), 31.08.2005 – Island und die Färöer vereinbaren eine gemeinsame Wirtschaftszone. Für die Färöer ist es der größte selbstständige außenpolitische Schritt ihrer Geschichte.

Das Abkommen wurde vom isländischen Außenminister Davíð Oddsson und dem färöischen Ministerpräsidenten Jóannes Eidesgaard im Nationalmuseum der Färöer in Hoyvík unterschrieben, einem Vorort der Inselhauptstadt Tórshavn.

Von nun an herrscht freier Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen beiden nordatlantischen Ländern. Isländische und färöische Firmen und Einzelpersonen genießen volle Freizügigkeit im jeweils anderen Partnerland. Bereits am 2. September trat die Aufhebung aller Zölle in Kraft.

Die historischen und kulturellen Bindungen zwischen den Färöern und Island gelten als besonders eng. Beide Völker besiedelten diese Inseln ab dem 9. Jahrhundert und stammen von norwegischen Wikingern ab. Die isländische Sprache und das Färöische sind nah miteinander verwandt und daher gegenseitig verständlich. Beide Länder waren über Jahrhunderte norwegische und später dänische Kolonien. Während Island heute eine Republik ist (seit dem 17. Juni 1944), gehören die Färöer außenpolitisch noch zu Dänemark, befinden sich aber in einem stetigen Autonomieprozess, der dieses Jahr mit dem Vertrag von Fámjin eine neue Grundlage erhalten hat.

Wichtigster Wirtschaftsfaktor beider nordischer Länder ist die Fischerei. Beide sind nicht Mitglied der EU und haben eine 200-Seemeilen-Zone errichtet, in denen keine anderen Nationen ohne Sondergenehmigung fischen dürfen. Einzige traditionelle Ausnahme: die Färinger dürfen vor Island fischen und umgekehrt dürfen die Isländer in färöischen Gewässern fischen. Auch wenn die Fischerei in dem neuen Abkommen vorerst ausgeklammert ist, so geht man auf beiden Seiten davon aus, dass auch hier sehr bald alle noch bestehenden gegenseitigen Beschränkungen aufgehoben werden.

Chronik der isländisch-färöischen Beziehungen

  • 7. und 8. Jahrhundert – die ersten bekannten Menschen auf den Färöern sind irische Mönche. Vermutlich wurden sie von Wikingern vertrieben und zogen weiter nach Island.
  • 9. Jahrhundert – um 825 lässt sich mit Grímur Kamban der erste Wikinger auf den Färöern nieder. Ein anderer früher Siedler ist Naddoddur, der eines Tages auf einer Fahrt von Norwegen zurück auf die Färöer, jene verpasst und stattdessen Island entdeckt. Er nennt es “Schneeland”. Ihm folgen dann weitere Siedler, die teilweise von oder über die Färöer kommen.
  • Nach der Landnahme sind die Färöer und Island jeweils Freistaaten mit eigenen Parlamenten. Das Alþingi und das Løgting gelten als die ältesten heute noch bestehenden Parlamente der Welt.
  • Um 1000 – König Olav II. Haraldsson von Norwegen christianisiert nicht nur sein Land, sondern auch die Färöer und Island.
  • 13. Jahrhundert – Beide Länder geraten endgültig unter die Herrschaft Norwegens. Durch die Personalunion Norwegens mit Dänemark ab 1380 sind sie nun auch Teil des dänischen Großreichs.
  • 1536 – Die Reformation in Dänemark führt zur Auflösung des norwegischen Reichsrates. Dessen nordatlantischen Besitzungen werden nun endgültig dänische Provinzen und von Kopenhagen aus regiert. Während sich die isländische Sprache in Kirche, Bildungswesen und Literatur halten kann, wird das Färöische durch das Dänische verdrängt – überlebt aber in den färöischen Balladen, die teilweise von isländischem Sagenstoff inspiriert sind.
  • 1720-1776 – Die Färöer werden als Teil der dänischen Kolonie Island von Reykjavík aus verwaltet.
  • 1814 – Nach dem Kieler Frieden wird Norwegen von Dänemark abgetrennt. Die Färöer und Island fallen an Dänemark.
  • 1848 – Die Färöer werden der Islandabteilung des dänischen Innenministeriums unterstellt.
  • Zweiter Weltkrieg – Während Dänemark von Deutschland besetzt ist, rücken die Alliierten auf den Färöern und Island ein. Wirtschaftlich bedeutsam für alle Seiten ist das Engagement der färöischen Seefahrer und Fischer, die isländischen Fisch nach Großbritannien transportierten. Während der Versuch der Errichtung einer färöischen Republik scheitert, proklamiert Island am 17. Juni 1944 die Republik. Dennoch haben die Färöer während der Kriegsjahre eine eigene provisorische Regierung, und bekommen 1948 eine Teilautonomie innerhalb des Königreichs zugesprochen.
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Quellen