Mali: Gefängnisstrafen wegen Präsidentenbeleidigung

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Veröffentlicht: 21:14, 26. Jun. 2007 (CEST)
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Bamako (Mali), 26.06.2007 – Ein Gericht in der malischen Hauptstadt Bamako verurteilte heute einen Lehrer und einen Journalisten wegen angeblicher Beleidigung des Präsidenten Amadou Toumani Touré zu Gefängnisstrafen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur AFP, die sich dabei auf Gerichtskreise beruft.

Bassirou Kassim Minta muss für zwei Monate ins Gefängnis, weil er seiner Schulklasse am Gymnasium „Nanaïssa Santara de Bamako“ die Aufgabe erteilt hat, einen Aufsatz über eine erfundene Geliebte des Präsidenten zu schreiben. AFP zufolge sollten die Schüler über eine fiktive Studentin und Prostituierte schreiben, die für die Anerkennung ihres unehelichen Kindes kämpft, das aus einer Affäre mit einem erfundenen Präsidenten stammt.

Seydina Oumar Diarra, der als Journalist für die unabhänige Zeitung „Info-Matin“ arbeitet, wurde zu einer 13-tägigen Haftstrafe verurteilt. Er hatte über das Aufsatzthema von Bassirou Kassim Minta berichtet. Mit acht Monaten auf Bewährung wurde Sambi Touré, der Chefredakteuer des „Info-Matin“ bestraft. Auch vier weitere Journalisten, die ebenfalls wegen Präsidentenbeleidigung angeklagt waren, erhielten Bewährungsstrafen. Die Rechtsanwälte der Angeklagten hatten die Prozesse boykottiert. Sie begründeten ihre Vorgehensweise damit, dass die Gerichtsverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden. „Wir wollen durch unsere Abwesenheit zeigen, dass die Pressefreiheit in Mali verletzt wird“, sagte einer der Anwälte laut AFP. Aus dem gleichen Grund streikten am Montag die Beschäftigten unabhängiger Zeitungen und Radiosender.

Quellen