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May 1, 2007

Virginia-Tech-Amoklauf hatte offenbar sozialen, psychischen und antikapitalistischen Hintergrund

Virginia-Tech-Amoklauf hatte offenbar sozialen, psychischen und antikapitalistischen Hintergrund

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Artikelstatus: Fertig 14:18, 1. Mai 2007 (CEST)
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Blacksburg (Vereinigte Staaten), 01.05.2007 – Das Motiv des Amoklaufes an der Virginia Tech (auch „Massaker von Virginia“ oder „Blacksburg-Massaker“ genannt) gibt weiterhin Rätsel auf. Am Montagmorgen, den 16. April 2007 wurden bei der Tat 32 Menschen ermordet. Anschließend richtete sich der Täter, Seung-Hui Cho[1], selbst hin. Die Tat gilt nach dem Schulmassaker von Bath am 18. Mai 1927 als folgenschwerster Amoklauf in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Warum die Tat ausgerechnet in der Norris Hall begangen wurde, ist unklar.

Der am 18. Januar 1984 geborene Seung-Hui Cho, der als Sohn koreanischer Immigranten im Washingtoner Vorort Centreville aufgewachsen war, war von schmächtiger Figur. Der Brillenträger trug seine Haare militärisch kurz. Cho war das jüngste von mehreren Kindern.

Im Februar und März hatte Cho laut Ermittlerangaben die beiden Tatwaffen besorgt, deren Seriennummern er durch Abfeilen unkenntlich machte. Er besuchte seit geraumer Zeit ein Fitnessstudio. Cho ließ sich auch die Worte „Ismael Ax“ auf seinen Arm tätowieren. Die Bedeutung der Worte ist unklar. Er starb nach dem Amoklauf am 16. April 2007 im Alter von 23 Jahren durch Suizid.

Soziale Vereinsamung

Nach Angaben seiner Zimmergenossen sprach der koreanische Student fast nie mit ihnen. Sie empfanden ihn als „unfreundlich“ oder sogar feindselig. Er soll niemals von anderen Menschen auf seinem Zimmer besucht worden sein. Auch in der Mensa soll Cho immer alleine gesessen haben. Wenn seine Mitbewohner etwa zu Feiern nach Florida oder in den Ferien nach Hause fuhren, soll er ebenfalls im Gebäude geblieben sein. Er soll seinen Zimmergenossen nicht einmal auf Fragen geantwortet haben. Früher als die Anderen soll Cho aufgestanden und zu Bett gegangen sein, meist um fünf Uhr früh und um neun Uhr abends. Nach dem Aufstehen soll er sich an seinen Computer gesetzt haben, wo er oft Musik der Gruppen Nirvana und Led Zeppelin gehört haben soll. In manchen Nächten soll er aufgestanden sein, um mit dem Fahrrad herumzufahren. Nach Ermittlungsergebnissen hat er sich nicht mit gewaltverherrlichenden Computerspielen beschäftigt, jedoch Literatur mit gewaltverherrlichendem Inhalt konsumiert.[2]

Cho soll sich, so die Aussagen seiner Kommilitonen, eine Freundin ausgedacht haben. Er habe ein stalkerähnliches Verhalten an den Tag gelegt. So habe er Mädchen nachgestellt und sie durch Anrufe und E-Mails belästigt. Die Polizei gab an, zweimal deswegen alarmiert worden zu sein, wobei jedoch die Opfer auf eine Anzeige verzichtet hätten. Einmal soll sie alarmiert worden sein, weil Cho nach Ansicht des die Polizei alarmierenden Freundes in Suizidgefahr war.

Klassenkameraden haben ausgesagt, Cho sei von Mitschülern schikaniert worden, die sich über seine Art zu reden und seine Schüchternheit lustig gemacht haben sollen.

In einer Englisch-Schulstunde habe eine Lehrkraft die Studenten laut vorlesen lassen. Als Cho an die Reihe kam, soll er nur seinen Kopf gesenkt und geschwiegen haben. Nach der Ankündigung der Lehrkraft, ihm „ungenügend“ für „Teilnahme“ zu geben, soll der Südkoreaner in einer tiefen, lauten Stimme geredet haben, als ob er etwas im Mund hätte. Daraufhin soll die Klasse Cho ausgelacht und gesagt haben, er solle nach China zurückkehren. Dies berichtete ein Student der Virginia Tech in einem Interviem mit AP.

Im vergangenen Herbst soll Cho erneut einer Studentin nachgestellt haben. Das mutmaßliche Opfer sei jedoch noch nicht für ein Interview zu erreichen gewesen, so msnbc.msn.com.

Psychische Probleme

Seung-Hui Cho wurde nach dem Anruf seines Freundes, der Angst hatte, dass Cho Suizid begehen könnte, im Dezember 2005 in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Dort wurde er bald wieder entlassen. „Sein Verständnis und seine Urteilskraft sind normal“, so ein Untersuchungsbericht. Ein Richter entschied, dass Cho keine unmittelbare Gefahr für andere darstelle.

Hass auf Reiche

Cho hinterließ zwei dreiseitige Texte in seinem Zimmer. Dort zog er über „Reiche und Privilegierte“ her. Es müsse etwas getan werden. „Ihr habt mich dazu gebracht“, ist in den Texten zu lesen, wobei nicht klar ist, wer damit gemeint ist. Auch in dem an NBC gesandten Paket bekräftigt Cho seinen Hass auf genusssüchtige Reiche, mit denen er eine Rechnung zu begleichen habe. Neben Reichen soll Cho in dem an NBC gesandten Paket auch Religionen angegriffen haben.

Cho warf laut der NBC-Veröffentlichung den Reichen vor, ihre Mercedes und goldenen Halsketten seien ihnen nicht genug gewesen. Auch die Investmentfonds, der Wodka, Cognac und die Ausschweifungen hätten nicht für die Befriedigung hedonistischer Bedürfnisse gereicht.

Warnzeichen

Eine Dozentin der Universität rief einmal die Universitätspolizei, weil Cho eine Arbeit bei ihr abgegeben hatte, die sie als versteckte Drohung verstand. Nach der Empfehlung der Universität, Cho Einzelunterricht zu erteilen oder ihn rauszuwerfen, entschloss sich die Frau für den Einzelunterricht. Diesen erteilte sie Cho dreimal, wobei dieser immer mit einer Sonnenbrille erschien. Sie denke, Cho habe hinter den Gläsern geweint, berichtete die Dozentin. Die Frau fühlte sich von ihm bedroht.

Nachdem Cho einmal in einem anderen Seminar Texte abgegeben hatte, die viel Gewalt enthielten, wurde von Studenten diskutiert, ob Cho eines Tages einen Amoklauf begehen würde. Viele hatten Angst und blieben einmal sogar demonstrativ dem Unterricht fern.

Multimediapaket für NBC

Um 9:01 Uhr Ortszeit am Tattag – zu einem Zeitpunkt also, als bereits zwei Menschen getötet worden waren, etwa 105 Minuten nach den ersten tödlichen Schüssen – wurde per Eilkurier ein Paket an NBC versandt, das jedoch erst am nächsten Tag geöffnet wurde, da das FBI den Inhalt überprüfen musste. Als Absender war „Cho Seung Hui“ (nach anderen Quellen „Ismael Ax“) angegeben. Das Paket enthielt selbstgebrannte CD-ROMs, Briefe und Fotos.

In dem Multimedia-Schreiben heißt es unter anderem: „Ihr hattet einhundert Milliarden Chancen, das hier zu vermeiden. Aber ihr habt entschieden, mein Blut zu vergießen. Ihr habt mich in die Ecke getrieben und nur eine Option gelassen. Das war eure Entscheidung. Jetzt habt ihr Blut an euren Händen, das sich nie mehr abwaschen lässt“ und „All eure Ausschweifungen waren nicht genug. Sie reichten nicht, eure hedonistischen Bedürfnisse zu befriedigen. Ihr hattet alles“. Cho nannte die Columbine-Mörder „Märtyrer“ und hielt sich offenbar für einen Helden: „Dank euch sterbe ich wie Jesus Christus, um Generationen schwacher und schutzloser Menschen zu inspirieren.“

Das Multimedia-Bekennerschreiben soll aus 23 Seiten bestehen, darin sollen 43 Fotos und 28 Videos eingebettet sein.

Nachdem Cho das Paket abgegeben hatte, erschoss er noch 30 weitere Menschen und richtete danach die Waffe gegen sich selbst. Vermutlich „inspiriert“ davon, bedrohte ein 16-jähriger Oberschüler in North Carolina zwei Mitschüler und tötete sich selbst. In vielen Bildungseinrichtungen gingen Drohungen ein, die zur vorübergehenden Schließung in mindestens zehn Bundesstaaten führte.

Das Paket lässt vermuten, dass Cho die Tat lange vorbereitet hatte. Manche Videos sollen einem Film ähneln, der 2004 in Cannes ausgezeichnet wurde und ebenfalls von einem Südkoreaner, Park Chan-wook, stammte.

NBC wurde von vielen Bürgern, besonders von Journalisten und Gesetzeskräften der Vereinigten Staaten für die Veröffentlichung des Videomaterials kritisiert. Es sei nicht nötig gewesen, die verstörenden Bilder zu senden. NBC-Nachrichtenpräsident Capus begründete die Übertragung damit, dass es wichtig für die Beantwortung der Frage sei, warum der Amoklauf geschehen sei, einen Einblick in die Gedanken des Mörders zu bekommen. Das Video solle nicht mehr als zehn Prozent des Sendeprogramms einnehmen. Im NBC-eigenen Messageboard wurde dem Sender vorgeworfen, Cho mit der Veröffentlichung die Aufmerksamkeit gegeben zu haben, die er haben wollte.

Die genaue Ursache, die aus Cho einen Amokläufer machte, wurde jedoch auch aus dem Bekennerschreiben nicht deutlich.

US-Präsident George Walker Bush forderte die Bürger dazu auf, fremdartiges Verhalten Anderer mitzuteilen und nicht für sich zu behalten.

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Weblinks

Videos

Einzelnachweise

  1. Die Familie soll angegeben haben, dass sie den Nachnamen wie im Westen zuletzt genannt haben möchte, berichtet msnbc.msn.com. In Südkorea ist es sonst üblich, den Familiennamen zuerst zu nennen.
  2. GMX: Blazers letzte Shopping-Tour, Seite 2

Quellen

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April 17, 2007

Mehr als 30 Tote bei Amoklauf an Hochschule im US-Bundesstaat Virginia

Mehr als 30 Tote bei Amoklauf an Hochschule im US-Bundesstaat Virginia

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Immatrikulationsgebäude auf dem Campus der Virginia Tech

Blacksburg (Vereinigte Staaten), 17.04.2007 – Gestern früh (Ortszeit Virginia) ereignete sich auf dem Universitätsgelände der Hochschule für Technik „Virginia Tech“ im US-Bundesstaat Virginia an mehreren Stellen des Campus eine Schießerei, der nach Behördenangaben 33 Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Gebäude der Universität wurden im Laufe des Tages evakuiert. Die Polizei suchte zunächst noch nach weiteren Tatverdächtigen. Der noch nicht identifizierte Todesschütze soll Polizeiangaben zufolge tot sein. Über die Umstände seines Todes wurden von der Polizei noch keine Angaben gemacht. Unklar ist, ob sich der Täter selbst erschoss oder von Polizisten bei einem Schusswechsel getötet wurde.

Mindestens 26 Verletzte sollen in nahe gelegene Krankenhäuser transportiert worden sein. Sechs von ihnen befanden sich AP zufolge in chirurgischer Behandlung, tageschau.de spricht von mehreren Verletzten in kritischem Zustand.

Der Präsident der Hochschule, Charles W. Steger, sagte über die Ereignisse: „The university was struck today with a tragedy of monumental proportions.“ (dt. „Die Universität wurde heute von einer Tragödie monumentalen Ausmaßes getroffen.“)

Die ersten Schüsse waren bereits gegen sieben Uhr Ortszeit vom „West Ambler Johnston“, einem Studentenwohnheim, gemeldet worden. Die Polizei fand hier bereits mehrere Tote. Zwei Stunden später trafen Berichte über weitere Schusswechsel bei „Norris Hall“, der Technischen Fakultät, ein. Wie Campus-Polizeichef Wendell Finchum auf einer Pressekonferenz auf Nachfragen bestätigte, begann der Amokschütze während einer laufenden Vorlesung auf seine Kommilitonen zu schießen. Per E-Mail und Telefon (voicemail) wurden die Studenten vor der Gefahr gewarnt und aufgefordert, in ihren Zimmern zu bleiben und die Fenster zu meiden, bis später die Anweisung zur Evakuierung der Gebäude kam.

Einige Studenten beschwerten sich über die Informationspolitik der Universitätsverwaltung. Nach den ersten Schüssen am Morgen sei niemand gewarnt worden. Im Hinblick auf die Informationspolitik der Universität sagte der Student Jason Piatt gegenüber CNN: „Was sich heute ereignete, das war lächerlich.“ Während zwei Stunden später E-Mails verschickt wurden, starben den Angaben des Studenten zufolge die Menschen im Kugelhagel des Amokschützen.

Im August 2006 hatte sich bereits ein ähnlicher Vorfall auf dem Universitätsgelände ereignet, bei dem ein Gewehrschütze auf dem Gelände vermutet wurde. Die Universität war daraufhin zeitweilig geschlossen worden. Der Mann, bei dem es sich um einen entflohenen Häftling handelte, wurde später auf dem Gelände der Universität festgenommen.

Bei der Schießerei handelt es sich um einen der gravierendsten Vorfälle dieser Art in einer Bildungseinrichtung der Vereinigten Staaten. 1966 hatte Charles Whitman vom Turm des Universitätsgeländes in Austin (Texas) 13 Menschen erschossen. In der jüngeren Geschichte ist vor allem das Massaker an der Columbine High School bekannt geworden. Dabei hatten zwei Täter im April 1999 13 Menschen erschossen, bevor sie sich selbst das Leben nahmen.

Ein Sprecher des Weißen Hauses übermittelte das Mitgefühl des Präsidenten. Seinen Worten zufolge schloss der Präsident die Opfer und die Menschen Virginias in seine Gebete ein. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, sagte: „Der Präsident glaubt, dass es ein Recht der Menschen gibt Waffen zu tragen, aber unter der Voraussetzung dass alle Gesetze befolgt werden.“

Wikipedia-logo-v2.svg In Wikipedia gibt es den weiterführenden Artikel „Amoklauf an der Virginia Tech“.

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Quellen

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