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January 27, 2009

Orkan Klaus schädigte 60 Prozent der Wälder in Südwestfrankreich

Orkan Klaus schädigte 60 Prozent der Wälder in Südwestfrankreich

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Veröffentlicht: 23:24, 27. Jan. 2009 (CET)
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Orkan Klaus: Blockierte Straßen
Foto:D. López

Bordeaux (Frankreich) / Barcelona (Spanien), 27.01.2009 – Zwei Tage nach dem Durchzug von Orkan „Klaus“ sind im Südwesten Frankreichs und Norden Spaniens die Aufräumarbeiten in vollem Gang. Der Eisenbahnverkehr konnte auf den Hauptstrecken Bordeaux – Agen – Toulouse, Tarbes – Toulouse und Bordeaux – Périgueux erneuert werden. Bereits am Sonntag, 25. Januar 2009 wurde die Verbindung auf der wichtigen Verbindung von Paris nach Bordeaux wieder aufgenommen. Viele Reisende mussten ihre Fahrt jedoch mit dem Bus fortsetzen, da einige Bahnstrecken immer noch wegen umgestürzter Bäume und beschädigter Oberleitungen nicht befahrbar waren. Nach Angaben der SNCF sind mehr als tausend Bahnbedienstete im Einsatz, um die Strecken passierbar zu machen.

Mehr als vierhundert Bahnübergänge im Südwesten Frankreichs waren aufgrund der Stromausfälle außer Betrieb und trugen so zum Chaos im Straßnverkehr bei. Viele Straßen waren durch umgestürzte Bäume blockiert. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy war am Sonntag in die Gironde gereist, um sich ein Bild der Lage zu machen.

Mehr als 1000 Starkstromelektriker wurden von Électricité réseau distribution France (ERDF) vor Ort gebracht, um das Netz wiederherzustellen. Sie werden durch Einsatzkräfte aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Portugal unterstützt. Mehr als 500 Notfallgeneratoren wurden vor Ort aufgestellt. Keinen elektrischen Strom gab es am Montag, 26. Januar, noch für etwa eine halbe Million Haushalte. Ein großes Problem war die schwere Beschädigung einer 400.000-Volt-Leitung im Département Aude. France Télécom teilte mit, dass noch etwa 200.000 Festnetztelefonanschlüsse nicht erreichbar seien.

Nach Angaben des spanischen Netzbetreibers REE hatte der Sturm im Norden Spaniens 17 Hochspannungsleitungen unterbrochen, zehntausende Einwohner Galiciens und Kataloniens waren betroffen. In Spanien waren am Montag noch etwa 50.000 Kunden betroffen.

Nach Angaben des Syndicat des sylviculteurs du Sud-Ouest wurden durch den Sturm in den betroffenen Gebieten der Départements Gironde und Landes ein Großteil der Wälder verwüstet. Nach ersten Schätzungen stürzten etwa im Médoc 20 Prozent und an Bassin d’Arcachon 60 Prozent der Bäume um. Im Département Landes wurden offenbar mehr als 60 Prozent der Wälder geschädigt.

Die Wälder Aquitaniens umfassen rund 1,7 Millionen Hektar Wald, 34.000 Menschen sind in der Forstwirtschaft tätig, die in diesem Bereich jährlich einen Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Der Sturm entwurzelte selbst dickste Bäume.
Foto:Pablo Herrero

Der Orkan „Klaus“ wird in seinen Auswirkungen mit Orkan „Lothar“ verglichen, der allerdings ein Gebiet mit größerer Ausdehnung verwüstete. Damals waren in Frankreich 88 Personen ein Opfer des Sturmes geworden. Frankreich hatte daraufhin ein Wetterwarnsystem aufgebaut. Diesem wird nun das Verdienst zugeschrieben, dass die Zahl der Opfer durch „Klaus“ in Frankreich relativ gering ist. Im Dezember 1999 seien darüberhinaus alle Regionen Frankreichs betroffen gewesen und nicht nur drei wie jetzt, so Météo-France. Die Fédération française des sociétés d’assurances (FFSA) hat unterdessen den Sachschaden vorläufig mit „mehreren hundert Millionen Euro“ angegeben. „Lothar“ und „Martin“ hatten seinerzeit in Frankreich zu einem Schaden von sieben Milliarden Euro geführt, 92 Personen kamen um.

Mehr als 14.000 Bewohner mussten in Benidorm in der Nähe von Alicante wegen eines Waldbrandes ihre Häuser verlassen. Das Feuer wurde durch einen umgestützten Hochspannungsmast verursacht. Die spanische Regierung hat Armeeeinheiten in die Region geschickt, die bei der Brandbekämpfung helfen sollen.

Der Orkan, der mindestens 26 direkte Opfer forderte, hatte in geringerem Ausmaß auch Auswirkungen auf Italien. Im Süden des Landes kamen drei Menschen um. Zwei Personen wurden von einem Erdrutsch auf einer Autobahn verschüttet und eine Frau wurde bei einem Strandspaziergang vom Meer mitgerissen. Der Fährverkehr zwischen Sizilien und den kleineren Inseln kam zum Erliegen. Durch die Ausläufer des Sturmes wurden auch in Algerien zwei Personen getötet. Nach Angaben des Zivilschutzes in Sétif war durch den Wind eine Hausmauer zusammengebrochen.

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  • Orkantief über Europa fordert Menschenleben (25.01.2009)

Quellen

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January 25, 2009

Orkantief über Europa fordert Menschenleben

Orkantief über Europa fordert Menschenleben

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Veröffentlicht: 21:41, 25. Jan. 2009 (CET)
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Offenbach am Main (Deutschland) / Barcelona (Spanien) / Bordeaux (Frankreich), 25.01.2009 – Orkantief „Klaus“ hat mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 175 Stundenkilometern und Starkregen (20 bis 40 Liter pro Quadratmeter) in Europa sowie starkem Wellengang zwischen sechs bis neun Metern im französischen „Golf von Gascogne“ beziehungsweise angeblichen 21 Metern in Galicien zu erheblichen Schäden geführt. Bislang starben – direkt oder indirekt über durch den Orkan verursachte Lawinenabgänge – 38 Menschen. Auch in Schottland gab es drei Tote und einen verletzten Bergsteiger (die drei Toten sind zu beklagen, weil orkanbedingt die Rettungskräfte nicht rechtzeitig zum Einsatzort gelangen konnten). Dieser Sturm gilt nach Ansicht von Meteorologen als der zweitstärkste nach Orkantief „Lothar“ aus dem Jahre 1999. Parallel dazu sorgten die Wetterverhältnisse ebenfalls für zwei Todesopfer in Deutschland. Die Höhe des wirtschaftlichen Schadens dieses Orkantiefs ist derzeit noch nicht absehbar.

Orkan „Klaus“ zog quer durch Südwestfrankreich.

In Frankreich wurden durch den Sturm mindestens vier Menschen getötet, drei davon im Départment Landes. Ein Autofahrer wurde auf einer Landstraße durch einen umstürzenden Baum erschlagen, sein Beifahrer schwer verletzt. Ebenfalls ein umgestürzter Baum war für den Tod eines Mannes in Losse verantwortlich. Herumfliegende Trümmer töteten in Saint-Vincent-de-Tyrosse einen Mann. Das vierte Opfer war eine 73-jährige Frau aus dem Département Gironde. Die Frau starb, weil ihr Beatmungsgerät aufgrund eines Stromausfalles versagte. Aus Frankreich hieß es, der Wind lasse Tannenzapfen wie Gewehrkugeln durch die Gegend fliegen. Besonders betroffen war hier der Südwesten des Landes. Der Verkehr ist in allen Bereichen zusammengebrochen, in zwei Millionen Haushalten in den Regionen Aquitaine, Midi-Pyrénées, Languedoc-Roussillon, Poitou-Charentes, Auvergne und Limousin kam es durch den Sturm zum Ausfall des Stromnetzes. Ein Sprecher von Météo-France bezeichnete den Orkan als den schlimmsten Sturm, seitdem die Wetterwerte aufgezeichnet werden. Die Auswirkungen seien absolut vergleichbar mit denen von Orkan „Lothar“ vom 26. und 27. Dezember 1999. In Perpignan wurde eine Spitzenböe mit 184 km/h verzeichnet. In der Nacht zu Sonntag wurde die „Alarmstufe Rot“ wieder aufgehoben.

Rund 330 Reisende im Schnellzug von Paris nach Hendaye mussten die Reise unterbrechen und wurden von der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF in einem Hotel untergebracht. Genauso erging es 195 Fahrgästen zweier TGVs und 200 Insassen eines Fernzuges von Marseille nach Bordeaux. Bei Hendaye mussten 60 Passagiere die Nacht zum Sonntag, den 25.01.2009 im Zug verbringen. Mehrere Straßen sind durch Windbruch unpassierbar, sogar Wintersporteinrichtungen in den Pyrenäen wurden geschlossen. Die Flughäfen in Bordeaux, Toulouse, Perpignan und Biarritz mussten zeitweise ebenfalls den Betrieb unterbrechen. In einigen Regionen wurde der Notstand ausgerufen, ebenso bestand ein Verkehrsverbot im Département Aude.

Umgefallende Mopeds und Pflanzen in Barcelona

In Sant Boi de Llobregat bei Barcelona in Spanien wurde die Wand einer Sporthalle durch den Orkan eingedrückt, wodurch das Dach einstürzte. Dabei starben vier Kinder im Alter zwischen 9 und 12 Jahren, mindestens 13 weitere Kinder und zwei Erwachsene wurden verletzt. Es wurden jedoch noch weitere Kinder verschüttet. Nach offiziellen Angaben haben 20 bis 30 Personen im Freien Baseball gespielt und vor dem Sturm in der 25 Jahre alten Halle Zuflucht gesucht. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet. Andernorts in Spanien wurden durch den Sturm mindestens fünf weitere Personen getötet.

Hoher Wellengang an der Küste des Baskenlandes.
Foto: D. López

Ein Fischer ertrank auf hoher See, sechs Besatzungsmitglieder konnten noch gerettet werden. Am Kap Matxitxako (Baskenland) wurden Wellenhöhen von bis zu 21,5 m beobachtet. Der Wind erreichte hier in Böen bis zu 194  Kilometer pro Stunde. Rund 700.000 Bewohner Nordspaniens waren ohne elektrischen Strom. Im Baskenland kam es angesichts der Wetterwarnung mit 12 Meter hohen Wellen zu Evakuierungen. 51 Flüge von spanischen Flughäfen wurden annulliert.

Vier Personen starben durch umstürzende Bäume oder Mauern. Im Stadtzentrum von Barcelona wurde eine 52-jährige Bewohnerin von einer Mauer erschlagen, die der Wind umgeworfen hatte. Der Versuch, ein Hindernis von der Straße zu beseitigen, kostete einen Verkehrspolizisten auf einer Landstraße bei Lugo im Nordwesten des Landes das Leben, als er von einem umstürzendem Baum erschlagen wurde. Inwieweit die Verkehrssicherungspflicht hinsichtlich der Standfestigkeit des Baumes verletzt wurde, steht noch nicht fest.

Der Sturm erschwert Löscharbeiten bei einem Waldbrand, der durch einen umstürzenden Hochspannungsmast und Kurzschluss ausgelöst worden war und an der Costa Blanca einen Kiefernwald in Brand gesetzt haben soll. Ebenfalls wegen eines umstürzenden Hochspannungsmastes wurde aus Sicherheitsgründen die Autobahn AP-7 zwischen Alicante und Monforte de Cid gesperrt; der Verkehr wird über die A-70 umgeleitet.

In Deutschland brachte „Orkan Klaus“ einen Wintereinbruch mit sich. Glatteis, Orkanböen und starker Schneefall behinderten den Verkehr. Betroffen waren vor allem Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. In Gerabronn in Baden-Württemberg brach ein Scheunentor zusammen und begrub einen 70-jährigen Mann unter sich, ein weiterer Mann starb bei einem sturmbedingten Verkehrsunfall bei Offenbach in Hessen.

Auf der Bundesautobahn 98 im Landkreis Konstanz begrub ein Erdrutsch fünf Autos und einen Lastwagen unter den Geröllmassen, fünf Insassen wurden verletzt. Der Hang drohte weiter abzurutschen, so bleibt die Autobahn bis Montag gesperrt. In dem Stau, der sich durch den Erdrutsch bildete, konnte die Polizei zwei Betrüger festnehmen, die sich mit zwei unredlich erworbenen Autos ins Ausland absetzen wollten – sie hatten mit Falschgeld bezahlt.

Bereits am Freitag war es in mehreren Landesteilen Deutschlands zu starken Niederschlägen und Neuschnee gekommen, mit den üblichen Auswirkungen auf den Verkehr. Keller liefen voll und Fließgewässer traten über die Ufer. Die Feuerwehren waren pausenlos im Einsatz. Zusätzlich war auch die Polizei mit der Aufnahme von Verkehrsunfällen aufgrund von Glatteis oder Schneeglätte beschäftigt. Betroffen war vor allem das Waldecksche Upland.

Themenverwandte Artikel

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May 3, 2005

Neandertaler konnte bereits weit gehen

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Neandertaler konnte bereits weit gehen

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Bordeaux (Frankreich), 03.05.2005 – Die Neandertaler (Homo sapiens neanderthalensis) in der mittleren Altsteinzeit (Mittelpaläolithikum) waren schon fähig, längere Wegstrecken zu bewältigen. Das belegt ein rund 41.000 Jahre alter Oberschenkelknochen (Femur), der in der Höhle Rochers-de-Villeneuve in Westfrankreich entdeckt wurde. Denn seine Form hat ein Bau- und Belastungsmuster, das typisch für erhöhte und stetige Mobilität ist. Dies ergab eine Analyse von Wissenschaftlern um Cédric Beauval von der Universität Bordeaux.

Zu Lebzeiten dieses Neandertalers existierten noch keine anatomisch modernen Jetztmenschen (Homo sapiens sapiens) in Europa. Nachzulesen ist dies im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). Zum Forscherteam gehörte auch Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Die Höhle, in welcher der menschliche Oberschenkelknochen lag, war abwechselnd von Neandertalern und Höhlenhyänen (Crocuta crocuta spelaea) aufgesucht worden. Der Unterschlupf lag wenige Meter über dem Fluss Les Grands Moulins und besaß zwei Ausgänge.

Wenn Neandertaler nach Höhlenhyänen von der Höhle Besitz ergriffen, herrschte dort ein unerträglicher Gestank. Denn Hyänen wälzen sich im verwesenden Protein und Fett von Kadavern ihrer Beutetiere, um deren Geruch anzunehmen. Je bestialischer eine Hyäne riecht, desto höher steht sie im Rang des Rudels und darf sich öfter paaren.

An den in der Höhle geborgenen Knochen vom Bison, Wildpferd und Rentier waren Kratzspuren menschlicher Werkzeuge und Bissspuren von Hyänen sichtbar. Demnach sind diese Beutetiere von Menschen und Hyänen verzehrt worden. Zum Fundgut der Höhle gehörten auch Feuersteinwerkzeuge und Feuerspuren.

Am erwähnten Oberschenkelknochen eines Neandertalers befanden sich Bissspuren von Höhlenhyänen. Man kann darüber spekulieren, ob dieser Urmensch von einer Höhlenhyäne getötet oder erst nach seinem natürlichen Tod angenagt wurde.

Die Neandertaler wohnten nicht nur in Höhlen, wie von Laien oft angenommen wird. Sie errichteten zudem Hütten im Freiland, wie unter anderem Funde aus Frankreich, Deutschland und der Ukraine belegen. Als Baumaterial für solche Behausungen dienten Mammutreste.

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Quellen


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