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February 3, 2012

Deutschland muss Nazi-Opfern keine Entschädigung zahlen

Deutschland muss Nazi-Opfern keine Entschädigung zahlen

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Veröffentlicht: 19:43, 3. Feb. 2012 (CET)
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Internationaler Gerichtshof

Den Haag (Niederlande), 03.02.2012 – Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat entschieden: Ausländische Gerichte können Deutschland nicht für Kriegsverbrechen durch den Nationalsozialismus belangen. Dementsprechende Urteile in Italien seien nicht mit dem Völkerrecht vereinbar und würden die deutsche Staatsimmunität nicht anerkennen, sagte Richter Hisashi Owada in der Urteilsbegründung.

Ende 2008 hatte die Bundesregierung sich an den IGH gewandt, um die Urteile zu prüfen. In Italien waren Entschädigungen für Nazi-Verbrechen zwischen September 1943 und Mai 1945 während der deutschen Besatzung gefordert worden. Der dortige Kassationsgerichtshof hatte entschieden, dass Deutschland die Hinterbliebenen eines Massakers in dem Dorf Civitella 1944 entschädigen müsse. Mehr als 200 Einwohner waren dort durch Wehrmachtssoldaten ermordet worden. Grundsätzlich ging es darum, ob Privatpersonen vor Gericht in einem Staat Anklage gegen einen anderen Staat stellen können. Deutschland hatte bereits aufgrund eines Abkommens von 1961 Reparationszahlungen in Höhe von 40 Millionen Deutsche Mark an Italien bezahlt. Weitere individuelle Forderungen lehnt die Bundesregierung ab. Diese Haltung wird von dem neuen Urteil des IGH gestärkt.

Themenverwandte Artikel[Bearbeiten]

  • Portal:Vereinte Nationen
  • Portal:Recht

Quellen[Bearbeiten]

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February 8, 2011

Gesuchter NS-Kriegsverbrecher stand in Diensten des Bundesnachrichtendienstes

Gesuchter NS-Kriegsverbrecher stand in Diensten des Bundesnachrichtendienstes

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Veröffentlicht: 19:49, 8. Feb. 2011 (CET)
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Logo des BND

Pullach / Mainz (Deutschland), 08.02.2011 – Wie jüngst bekannt wurde, beschäftigte der im bayerischen Pullach ansässige deutsche Geheimdienst BND mit Klaus Barbie, auch bekannt als „Schlächter von Lyon“, einen der bekanntesten Verbrecher des NS-Regimes. Der GeStaPo-Offizier, der unter anderem 41 jüdische Kinder neben tausenden anderen Männern und Frauen nach Auschwitz deportieren ließ, stand 1966 unter dem Decknamen „Adler“ als „Agent 43118“ gegen eine Monatspauschale von 500 DM, die ihm über eine Filiale der Chartered Bank of London in San Francisco überwiesen wurden, im Dienst der Bundesrepublik Deutschland. Barbie erlangte während des Zweiten Weltkriegs besonders als Folterexperte Berühmtheit, als welcher er sich zunächst in den Niederlanden und in Belgien engagierte, bevor er schließlich nach Frankreich versetzt wurde. Dort sorgte er für die Ermordung des Résistance-Chefs Jean Moulin, quälte er angebliche Widerstandsmitglieder mit Elektroschocks oder zwang Frauen zum Geschlechtsverkehr mit Hunden.

Barbie tauchte kurz vor Kriegsende unter. Nach dem Krieg interessierte sich zunächst der US-amerikanische Geheimdienst CIC für Barbie, der wie viele andere ehemalige Nationalsozialisten auch gegen den Kommunismus als neuem Feind eingesetzt wurde. CIC-Agent Robert S. Taylor traf Barbie 1947, nach dem damals bereits gefahndet wurde, und beschrieb ihn in einem Memorandum als „an honest man, both intellectually and personally“. Weiterhin versicherte Taylor, dass Barbie konsequent antikommunistisch sei und sich durch die nationalsozialistischen Machthaber verraten geglaubt habe. Im selben Jahr hatte er erstmals Kontakt mit der Organisation Gehlen, Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes. 1950 rekrutierte Barbie im Auftrag der CIA Mitglieder des BDJ, der später als rechtsextrem verboten wurde. Da Barbie zu diesem Zeitpunkt von Frankreich bereits in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde und als „Führer der SS-Widerstandsaktion“ mit einer Festnahme rechnen musste, verhalfen ihm beide Organisationen zu Geld und einer neuen Identität und brachten ihn 1951 über die so genannte Rattenlinie nach Bolivien ins Exil. Auch nachdem die deutsche Justiz in den fünfziger Jahren gegen Barbie ermittelte, rührten sich die Geheimdienste nicht. Stattdessen wurde er 1966, nachdem er 1952 und 1954 jeweils wegen weiterer Verbrechen erneut zum Tode verurteilt worden war, als Agent rekrutiert, der im Zusammenhang mit der Revolution Fidel Castros und Che Guevaras eingesetzt wurde. Eventuell lieferte er auch die Hinweise, die zur Ergreifung Guevaras führten. 1967 wurde Barbie, dessen „kerndeutsche Gesinnung“ vom BND zuvor gelobt wurde, als Agent abgeschaltet. Erst 1983 wurde Barbie schließlich, gegen Waffenlieferungen durch Frankreich, von Bolivien ausgeliefert und in Lyon zu lebenslanger Haft verurteilt, in welcher er 1991 schließlich auch starb.

In der Zwischenzeit lebte er in Südamerika unter dem Namen Klaus Altmann, der dort ein Sägewerk betrieb. Insbesondere während des Vietnamkrieges belieferte er den Ingelheimer Pharmaziehersteller Boehringer mit Chinin und kam so in das internationale Geschäft. Mit seinem Pass bereiste er die Welt und kam mehrfach unerkannt nach Hamburg, wo seine Firma eine Zweigstelle besaß. Als Marine-Ingenieur verkaufte er nach dem Sechs-Tage-Krieg Kriegswaffen und Panzer aus Deutschland und Österreich an das mit einem Waffenembargo belegte Israel.

Barbies BND-Vergangenheit wurde durch den Mainzer Historiker Peter Hammerschmidt aufgedeckt, der zufällig im Rahmen seiner Examensarbeit darauf stieß, die sich eigentlich mit den Beziehungen Barbies zu den US-Geheimdiensten beschäftigt. In diesem Kontext beantragte er Akteneinsicht beim BND, die ihm abgelehnt wurde. Erst nachdem er sich daraufhin beim Bundeskanzleramt beschwerte, wurde ihm Akteneinsicht gewährt. Während sich die USA inzwischen offiziell beim französischen Volk für den Schutz Barbies entschuldigt haben, hüllt sich der deutsche Bundesnachrichtendienst weiter in Schweigen. Erst im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass auch Adolf Eichmann, der Organisator des Holocausts, vom Bundesnachrichtendienst gedeckt wurde.

Themenverwandte Artikel

  • Portal:BND
  • Portal:Kriegsverbrechen

Quellen

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April 27, 2010

Colonia-Dignidad-Gründer Paul Schäfer ist tot

Colonia-Dignidad-Gründer Paul Schäfer ist tot

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Veröffentlicht: 22:36, 27. Apr. 2010 (CEST)
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Buenos Aires (Chile), 27.04.2010 – Bei der Beisetzung des Colonia-Dignidad-Gründers Paul Schäfer ist es zu heftigen Protesten der Anwohner in unmittelbarer Nähe des Friedhofs gekommen. Der 88-Jährige verstarb an einer Herzkrankheit im Gefängnishospital in Santiago de Chile, wo er zu insgesamt 33 Jahren Haft – eine 20-jährige Freiheitsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 27 Fällen aus dem November 2004, weiterhin eine dreijährige Haftverlängerung wegen Folter von Kindern und Jugendlichen in 25 Fällen (Urteil vom 24. Mai 2006) sowie eine siebenjährige Gefängnisstrafenverlängerung (im November 2008) wegen Mordes und schließlich weitere drei Jahre wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und auch wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz (Urteil: 14. Mai 2009), verurteilt wurde. Er war dort seit dem Juli 2009 in stationärer Behandlung.

Bereits vor seiner Auswanderung nach Chile 1961 wurden gegen den ehemaligen Nazi-Korporal Vorwürfe des sexuellen Kindesmissbrauchs laut. Schäfers 1961 in Chile gegründete Colonia Dignidad war eine sektenartige Enklave, die der Geheimpolizei DINA des Militärdiktators Augusto Pinochet, der von 1973 bis 1990 in Chile herrschte, als Folter- und Konzentrationslager diente. Seine Einwohner behandelte Schäfer wie Zwangsarbeiter. Schäfer vergewaltigte viele Kinder und misshandelte seine Opfer körperlich und psychisch, unter anderem mit Elektroschocks. Auf dem Gelände der Colonia Dignidad wurden mindestens 120 Oppositionelle Pinochets ermordet. Schäfer tauchte unter, als seine Verbrechen nach dem Ende der Pinochet-Diktatur bekannt wurden, wurde jedoch 2005 festgenommen. Inzwischen wurde die Siedlung in „Villa Baviera“ umbenannt.

Quellen

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March 24, 2010

Urteil: Lebenslange Haft für Heinrich Boere

Urteil: Lebenslange Haft für Heinrich Boere

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Veröffentlicht: 14:22, 24. Mär. 2010 (CET)
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Aachen (Deutschland), 24.03.2010 – Wegen dreifachen heimtückischen Mordes wurde der staatenlose Deutsch-Niederländer Heinrich Boere (88) am 23. März 2010 vor dem Landgericht Aachen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Boere habe, so das Gericht, 1944 als überzeugter Nationalsozialist drei Morde für das „Sonderkommando Silbertanne“ ausgeführt.

Im Zweiten Weltkrieg hatte sich Boere freiwillig der in den Niederlanden verhassten „Schutzstaffel der NSDAP“ (SS) und später der SS-Aktion „Silbertanne“ angeschlossen, die als sogenannte Vergeltungsaktion für niederländischen Widerstand insgesamt 54 niederländische Zivilisten erschoss. Ebenfalls 1944 soll Boere nach Angaben der Nebenklage niederländische Fluchthelfer benannt haben, von denen sieben ebenfalls von der SS ermordet wurden. Die Nebenklage sah darin einen Beweis für die kriminelle Energie Boeres als überzeugter und eifriger Nationalsozialist.

Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass Boeres Morde „an Niederträchtigkeit und Feigheit kaum zu überbieten“ gewesen seien. Boere habe dabei mit weiteren in Zivil gekleideten SS-Männern die Opfer besucht. Dabei fragte Boere nach deren Namen und schoss sie dann ohne ein weiteres Gespräch als Erster nieder. Dabei habe er „menschenverachtend brutal und feige“ gehandelt. Das Urteil folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte die Einstellung des Verfahrens beantragt und will nun Revision beim Bundesgerichtshof einlegen. Grundlage des Revisionsantrags ist ein Verfahren in den Niederlanden im Jahr 1949, bei dem Boere in Abwesenheit und ohne Verteidigung wegen der gleichen Straftat schon einmal verurteilt worden war. Nach Ansicht der Anwälte verbiete das EU-Recht eine neue Strafe.

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Quellen

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November 23, 2009

Anklage wegen 58-fachen Mordes gegen ehemaligen SS-Angehörigen

Anklage wegen 58-fachen Mordes gegen ehemaligen SS-Angehörigen

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Veröffentlicht: 22:01, 23. Nov. 2009 (CET)
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Lage des Burgenlands in Österreich

Duisburg (Deutschland), 23.11.2009 – Ein heute 90-Jähriger muss sich möglicherweise bald wegen 58 Morden im heutigen österreichischen Bezirk Oberwart vor Gericht verantworten.

Die zuständige Dortmunder Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, gemeinsam mit weiteren Angehörigen der Schutzstaffel und Hitlerjugend am 29. März 1945 zunächst 57 jüdischen Zwangsarbeitern in einem Wald bei Deutsch-Schützen im Burgenland, heute in Österreich gelegen, die Wertsachen abgenommen zu haben. Anschließend hätten sich die Opfer in einem Graben niederknien müssen, wo sie hinterrücks erschossen wurden. Entweder am gleichen oder folgenden Tag habe der Beschuldigte einen weiteren jüdischen Zwangsarbeiter nahe Jabing bei einem Marsch getötet, da dieser aus Erschöpfung nicht mehr gehen konnte. Bei beiden Taten habe der Angeklagte aus seiner „äußerst (…) menschenverachtenden Gesinnung“ und der nationalsozialistischen Ideologie heraus gehandelt.

Das Landgericht Duisburg muss über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Der Angeklagte hat dann zwei Wochen Zeit, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Themenverwandte Artikel

Weblinks

Wikipedia-logo-v2.svg In Wikipedia gibt es den weiterführenden Artikel „das Massaker von Deutsch Schützen“.

Quellen

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March 12, 2009

Haftbefehl gegen John Demjanjuk

Haftbefehl gegen John Demjanjuk – Wikinews, die freie Nachrichtenquelle

Haftbefehl gegen John Demjanjuk

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Veröffentlicht: 21:50, 12. Mär. 2009 (CET)
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Demjanjuks Ausweis konnte ihm bei dem Verfahren in Israel (hier 1988 bei der Verkündung des Todesurteils) noch nicht zugeordnet werden, weshalb er 1993 vom Obersten Gerichtshof Israels freigesprochen wurde.

München (Deutschland), 12.03.2009 – Das Amtsgericht München hat gegen John Demjanjuk einen internationalen Haftbefehl erlassen. Dem heute 88-Jährigen wird Beihilfe zu 29.000 Morden vorgeworfen.

Die Jagd auf einen der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher könnte sich schon bald ihrem Ende nähern: Nachdem ein Gutachten bestätigt hat, dass ein umstrittener SS-Ausweis tatsächlich John Demjanjuk gehörte und er somit mit dem NS-Kriegsverbrecher „Iwan der Schreckliche“ identisch ist, hat das Amtsgericht München am 11. März 2009 gegen John Demjanjuk einen internationalen Haftbefehl erlassen. Demjanjuk hält sich derzeit in den Vereinigten Staaten auf, soll aber nach dem Willen der Staatsanwaltschaft nach Deutschland ausgeliefert werden. Danach soll Anklage vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts München erhoben werden.

Demjanjuk soll als Angehöriger der SS-Spezialeinheit Trawniki im Vernichtungslager Sobibór beim Mord an 29.000 Juden mitgewirkt haben. Er soll dabei besonders grausam vorgegangen sein.

Die Vereinigten Staaten, in denen sich Demjanjuk derzeit aufhält, haben ihre Kooperation mit der Bundesrepublik zugesagt.

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Quellen

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May 2, 2008

DGB und SPD erinnern an Besetzung der Gewerkschaftshäuser vor 75 Jahren

DGB und SPD erinnern an Besetzung der Gewerkschaftshäuser vor 75 Jahren

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Veröffentlicht: 15:13, 2. Mai 2008 (CEST)
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Gedenktafel vor dem DGB-Haus in Essen

Mainz / Berlin (Deutschland), 02.05.2008 – Am 2. Mai 1933 besetzten die Nationalsozialisten in Deutschland die Gewerkschaftshäuser. Daran erinnerten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) am gestrigen 1. Mai. Die paramilitärischen Schlägertrupps der Nationalsozialisten, SA und SS, zerschlugen damals die Organisationsstrukturen der Arbeiterbewegung. Gewerkschaftsfunktionäre wurden verhaftet und sogar, wie in Duisburg, ermordet. Am 10. Mai folgten Angriffe auf Einrichtungen der SPD. Selbstkritisch weist der DGB darauf hin, dass einige Gewerkschaftsführer der Illusion unterlagen, sie könnten mit den Nazis im Sinne der Vertretung von Arbeiterinteressen zusammenarbeiten. Noch am 1. Mai 1933 demonstrierten sie gemeinsam mit den Nationalsozialisten. Nur einen Tag später mussten die Gewerkschaften mit ansehen, wie ihre Einrichtungen von den Nazis zerstört wurden. Auch der 1. Mai als Kampftag für die Interessen der arbeitenden Bevölkerung wurde von den Nationalsozialisten vereinnahmt. Der DGB schreibt dazu: „Mit zynischer Konsequenz wurde dem 1. Mai seine ursprüngliche Bedeutung als wichtigster Festtag der internationalen Arbeiterbewegung geraubt und zum ‚Tag der nationalen Arbeit‘ deklariert. Man berief sich auf angeblich uraltes germanisches Brauchtum und nutzte fortan den gesetzlichen Staatsfeiertag als Kulisse für Massenaufmärsche und aufwendig arrangierte Kundgebungen.“

Scharfe Kritik äußert der DGB auch an den Naziaufmärschen am gestrigen 1. Mai. Diese Kundgebungen dienten nur dem Zweck die Gewerkschaften und die demokratische Öffentlichkeit zu provozieren. Auch die Opfer des Naziregimes würden durch solche Aufmärsche verhöhnt. Der DGB fordert ein Verbot aller neonazistischen Gruppierungen und Parteien, die noch heute die Nazi-Greueltaten verherrlichen und Demokratie, Freiheit und Menschenrechte beseitigen wollen. Auf der zentralen DGB-Kundgebung gestern in Mainz erklärte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer, aus gewerkschaftlicher Sicht sei es unverständlich, warum solche Parteien und Organisationen nicht aufgelöst würden. Es sei unerträglich, „dass die Nazis über die Parteienfinanzierung Steuergelder abräumen“.

Kurt Beck

Ähnlich äußerte sich auch der SPD-Vorsitzende Kurt Beck, der angesichts der Neonazi-Aufmärsche am 1. Mai die Überzeugung bekräftigte, dass „soziale Demokratie auch eine wehrhafte Demokratie sein müsse“. Er unterstützt auch die Forderung „nach einem Verbot der neonazistischen und verfassungsfeindlichen NPD“.

Die Forderung nach einem Verbot der NPD findet zurzeit keine Unterstützung von Seiten der CDU. Eine Ausnahme bildet der Innenminister des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, der bei der Vorstellung des Landesverfassungsschutzberichtes 2007 sagte, das provokante Auftreten der Neonazis im Parlament sei zu einer „Dauerbelastung des politischen Klimas“ in Mecklenburg-Vorpommern geworden.

Der rechtsextremistischen Szene in Mecklenburg-Vorpommern gehören laut Verfassungsschutzbericht etwa 1.300 Personen an. Der Bericht stellt fest, der „Einfluss der NPD auf die rechtsextremistische Szene des Landes Mecklenburg-Vorpommern“ habe sich „weiter gefestigt“. Die NPD-Fraktion im Schweriner Landtag bilde dabei ein „besonderes Kraft- und Anziehungsfeld“. Der Bericht registrierte in dem Bundesland im vergangenen Jahr 470 rechtsextremistisch motivierte Straftaten. Deren Schwerpunkt lag dabei im Bereich „Propagandadelikte“ (357 Fälle). Es gab aber auch 33 Gewalttaten, die vorwiegend „gegen Personen nichtdeutscher Herkunft sowie den politischen Gegner“ gerichtet waren. Außerdem wurden 23 antisemitische Straftaten sowie 60 fremdenfeindliche Delikte begangen.

Udo Voigt, NPD-Parteivorsitzender

In ihrer politischen Propaganda nutzt die NPD die verbreitete Kritik an der Globalisierung und verbindet sie mit nationalistischen Schlagworten. In seiner Rede anlässlich einer Kundgebung der NPD am 1. Mai 2008 in Nürnberg erklärte ihr Vorsitzender Udo Voigt: „Die Globalisierung muß gestoppt werden! An ihre Stelle muß eine raumorientierte Volkswirtschaft treten, welche Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und eine gesunde Natur gewährleistet. Die Politik muß dafür sorgen, daß die Menschen in ihrer Heimat Arbeit finden.“ Ihre Ausländerfeindlichkeit vertritt die Partei offen: „Anstelle eines Zuwanderungsgesetzes fordern wir ein ‚Gesetz zur Ausländerheimführung‘, statt Integration.“ Anlässlich des 1. Mai knüpft die Partei an Forderungen der Gewerkschaften nach Vollbeschäftigung an und verbindet diese mit nationalistischen Parolen: „Wir fordern an diesem 1. Mai soziale Gerechtigkeit, Vollbeschäftigung für alle Deutschen, wir fordern die Einführung von Schutzzöllen auf Waren, die in fremden Ländern produziert werden.“

Petra Pau

Die Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau von der Fraktion Die Linke. im Deutschen Bundestag hält ein Verbotsverfahren gegen die NPD solange für aussichtslos, als die Innenminister der Länder nicht bereit sind, ihre V-Leute aus den NPD-Zentralen abzuziehen: „Das Haupthindernis war, dass der damalige Bundesinnenminister und seine Länderkollegen nicht bereit waren, die V-Leute aufzudecken. So bekamen die Richter nicht die Möglichkeit festzustellen, was der NDP originär zuzuordnen ist und was ist durch die staatlich finanzierten Provokateure und Straftäter tatsächlich verursacht worden.“ Die Diskussion zwischen den Parteien über ein NPD-Verbotsverfahren bezeichnete sie als „eine peinliche Werbeveranstaltung für die NPD – über Wochen. Aus eigener Kraft hätte die NPD nie soviel Öffentlichkeit herstellen können.“

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September 22, 2007

Auschwitz-Bilderalbum von Paul Höcker veröffentlicht

Auschwitz-Bilderalbum von Paul Höcker veröffentlicht

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Veröffentlicht: 10:27, 22. Sep. 2007 (CEST)
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Eingang zum ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau 2002

Washington D.C. (Vereinigte Staaten), 22.09.2007 – Ein Bilderalbum des während der Zeit des Nationalsozialismus im Vernichtungslager in Auschwitz als Adjutant tätigen SS-Offiziers Karl Höcker wurde erstmals veröffentlicht.

Das Washingtoner United States Holocaust Memorial Museum hat insgesamt 116 Bilder veröffentlicht. Auch Josef Mengele ist auf den Bildern, die allesamt nach Dienstschluss entstanden sind, zu sehen. Die Bilder waren von einem anonym bleiben wollenden Spender, der in diesem Sommer verstorben ist, 1946 in einer Wohnung in Frankfurt am Main gefunden worden.

Den Bildern kommt nach Expertenmeinung historische Bedeutung zu, da sie erstmals das Alltagsleben der Nationalsozialisten in Auschwitz dokumentieren. Auf einem der Bilder ist etwa Mengele lachend zwischen Richard Baer, der Höckers Vorgesetzter war, und Rudolf Höß abgebildet.

Karl Höcker wurde in einem Strafverfahren im Rahmen des Frankfurter Auschwitz-Prozesses zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die er bis 1970 verbüßte. Im Jahr 2000 starb er im Alter von 88 Jahren.

Die Bilder des Albums sind auf der Website von Welt Online zu sehen (siehe Quelle).

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August 17, 2007

Früheres SS-Mitglied Vladas Zajanckauskas muss die Vereinigten Staaten verlassen

Früheres SS-Mitglied Vladas Zajanckauskas muss die Vereinigten Staaten verlassen

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Boston (Vereinigte Staaten), 17.08.2007 – Der 91-jährige Vladas Zajanckauskas wurde in Litauen geboren, wanderte jedoch 1950 mit seiner Ehefrau in die Vereinigten Staaten aus. Bei seiner Ankunft dort machte er falsche Angaben bezüglich seiner Vergangenheit. So erzählte er unter anderem, bis 1944 in Litauen auf einem Bauernhof gearbeitet zu haben, um dann später nach Österreich zu fliehen. In Wirklichkeit war er ab 1943 Mitglied der SS und war unter anderem beteiligt an der Auflösung des Warschauer Ghettos und der Deportation der dort ansässigen Juden. 1956 wurde Zajanckauskas US-Staatsbürger.

Am Donnerstag entschied Richter Wayne R. Iskra, dass Zajanckauskas wieder nach Litauen zurückkehren muss, weil er bei der Einbürgerung über seine Rolle während des Zweiten Weltkrieges gelogen beziehungsweise falsche Angaben zu seiner Person gemacht hat.

Während der Gerichtsverhandlung legte Zajanckauskas ein Geständnis ab und bekannte sich dazu, im Jahr 1943 Juden an ihrer Flucht aus dem Warschauer Ghetto gehindert zu haben. Außerdem gestand er ein, er habe Juden bis an die Züge gebracht und auch an Hausdurchsuchungen teilgenommen.

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April 19, 2007

Tresckows Putschplan gegen Hitler entdeckt

Tresckows Putschplan gegen Hitler entdeckt

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Artikelstatus: Fertig 09:53, 19. Apr. 2007 (CEST)
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Emblem des KGB

Hamburg (Deutschland), 19.04.2007 – In Archiven des ehemaligen russischen Geheimdienstes KGB wurde von Stauffenberg-Biograf Peter Hoffmann ein detaillierter von Generalmajor Henning von Tresckow stammender Plan für ein Attentat gegen Adolf Hitler gefunden. Der vermutlich von September bis Oktober 1943 entstandene Text schloss auch einen Militärputsch ein.

Aus dem elf Schreibmaschinenseiten langen Dokument geht hervor, dass Militäreinheiten 24 Stunden vor dem Attentat in Ostpreußen eine Übung abhalten sollten. Zehn Minuten, nachdem sie von dem Attentat erfahren hätten, sollten die Truppen Hauptquartiere der Nationalsozialisten besetzen. Der Plan enthielt auch eine Radiomeldung zum Tod Hitlers, die abgespielt werden sollte.

Das geplante Attentat auf Hitler geschah nicht. Tresckow, der auch mit Stauffenberg die Änderung der „Operation Walküre“ durchgeführt hatte, beteiligte sich später am Attentat vom 20. Juli 1944, das jedoch misslang. Am folgenden Tag beging er im polnischen Ostrow Suizid.

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