Polizei besucht Predigt eines christlichen Fundamentalisten in Bremen

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Veröffentlicht: 12:42, 7. Feb. 2015 (CET)
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St.-Martini-Kirche in Bremen

Bremen (Deutschland), 07.02.2015 – Für die Predigt eines evangelischen Pfarrers am morgigen Sonntag in der St.-Martini-Kirche in Bremen hat die Polizei einen Besuch angekündigt. Das berichtete die Tageszeitung Weser-Kurier am Donnerstag auf der Titelseite ihrer Printausgabe. Auslöser für den Polizeibesuch sind Zitate aus einem Gottesdienst vom 18. Januar. So bezeichnete der Pfarrer das muslimische Zuckerfest als „Blödsinn“ und die katholischen Reliquien als „Dreck“. Gegenwärtig prüft die Staatsanwaltschaft, ob der Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt ist.

Die Pastoren der eher als liberal geltenden Bremischen Evangelischen Kirche sind entsetzt. So ist es den evangelischen Bewohnern in Bremen freigestellt, einer Kirchengemeinde ihrer Wahl unabhängig vom jeweiligen Wohnsitz beizutreten. Jede Gemeinde hat ihre eigene Verfassung, ihr eigenes Bekenntnis und ihre eigene Ordnung. Somit sind die Kirchengemeinden weitgehend autonom.

Besonders pikant ist die theologische Tradition des fundamentalistischen Predigers: Vorgänger ist Jens Motschmann, dessen Ehefrau für die CDU im Bundestag sitzt und zur Bürgerschaftswahl am 10. Mai in Bremen als Spitzenkandidatin antritt. Er hatte sich in den 1970er Jahren als Mitverfasser des „Rotbuchs Kirche“ eindeutig antikommunistich positioniert, indem er Missionaren etwa in Süd- und Mittelamerika eine gefährliche Nähe zu gewaltbereiten Revolutionären vorwarf. Die finanzielle Unterstützung einiger Projekte in Entwicklungsländern bezeichnet er als Missbrauch der Kirchensteuer, weil politische Ziele damit verknüpft seien, die sich gegen die jeweilige Regierung richteten. Auch bei anderen Themen zeigt sich die Gemeinde fundamentalistisch. Sie erlaubt Frauen nicht zu predigen und beruft sich dabei auf ein Bibelzitat aus dem Neuen Testament: „Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still.“

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Quellen