Rede von Hugo Chávez macht Chomsky-Buch zum Bestseller

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Artikelstatus: Fertig 21:44, 23. Sep. 2006 (CEST)
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New York City (Vereinigte Staaten), 23.09.2006 – Am 20. September hielt der venezolanische Präsident Hugo Chávez eine Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, in der er unter anderem US-Präsident George W. Bush als Teufel bezeichnet und die Lektüre des Buches „Hegemony or Survival: The Imperialist Strategy of the United States“ (deutscher Titel: „Hybris – Die endgültige Sicherung der globalen Vormachtstellung der USA“) von Noam Chomsky empfohlen hat. Nach der Rede wurde das Buch des 77-jährigen Professors für Linguistik und linken politischen Kommentators, der am Massachusetts Institute of Technology tätig ist, in den USA zu einem Bestseller.

Seit Freitag ist die 2004 veröffentlichte Taschenbuchausgabe des Buches, in dem sich Noam Chomsky kritisch mit der US-Außenpolitik auseinandersetzt, in der Bestsellerliste von „amazon.com“ auf dem ersten Platz. Laut „New York Times“ verzehnfachten sich die Verkaufszahlen des Buches bei weiteren großen Buchhändlern in den letzten zwei Tagen. Jay Hyde, ein Manager der Borders Group, wird in einem Artikel der „New York Times“ mit folgenden Worten zitiert: „Es ist äußerst selten, dass jemand vom Format eines Chávez in einer Rede vor den Vereinten Nationen ein Buch präsentiert.“ Der Verlag „Metropolitan Books“, der das Buch in den USA vermarktet, will nun 25.000 zusätzliche Exemplare drucken lassen. Vor der Chávez-Rede gab es in den USA eine andauernde Nachfrage nach dem Buch, das aber kein Bestseller war. Laut „Nielsen BookScan“ wurden dort bisher insgesamt 121.000 Exemplare des Buches verkauft.

Noam Chomsky auf dem Weltsozialforum 2003

Im Anschluss an seine Rede vor der UN-Vollversammlung sagte Hugo Chávez auf einer Pressekonferenz, dass er es bedauere, sich nicht mit Noam Chomsky vor dessen Tod getroffen zu haben. Auf der Pressekonferenz empfahl Chávez das Buch ein weiteres Mal. Die Bürger der USA sollten dieses Buch lesen, anstatt sich Superman- oder Batmanfilme anzusehen, sagte der venezolanische Präsident. Noam Chomsky, der noch lebt, sagte gegenüber Journalisten, dass er sich zurzeit mit etwa 10.000 E-Mails befasse, die er nach der Chávez-Rede erhalten habe. Von seinem Haus in Lexington, Massachusetts, sagte Chomsky, dass er weiter schreiben und arbeiten werde. Weiter sagte Chomsky, er sei erfreut darüber, dass Hugo Chávez das Buch gefalle, er würde sich aber selbst nicht in diesen Tönen loben. Chomsky bezog auch Stellung zum Inhalt der Chávez-Rede. Chomsky sagte, er hätte nicht dieselben harschen Formulierungen verwendet, sei aber der Meinung, dass Hugo Chávez einfach die Sichtweise von vielen Menschen in der Welt ausgedrückt habe. Die Wut des venezolanischen Präsidenten sei verständlich, so Chomsky, weil die Regierung von Präsident Bush einen Putschversuch gegen Chávez unterstützt habe. Desweiteren sagte der Sprachwissenschaftler, er würde sich gerne mit dem venezolanischen Präsidenten treffen.

Neben der Kritik an der US-Außenpolitik, am Libanonkrieg und der Werbung für das Chomsky-Buch warb der venezolanische Präsident in seiner Rede für die Aufnahme des Landes als nichtständiges Mitglied in den UN-Sicherheitsrat. Laut Chávez hat sich die Vollversammlung zu einem Organ entwickelt, das nur eine beratende Funktion habe. Daher müssten Enwicklungsländer in Zukunft als ständige Mitglieder in den Weltsicherheitsrat aufgenommen werden. Venezuela werde laut Chávez im Sicherheitsrat als eine unabhängige Stimme auftreten. Einige Staaten und Organisationen hätten bereits öffentlich ihre Unterstützung für die Aufnahme Venezuelas als nichtständiges Sicherheitsratsmiglied ausgesprochen, über die in einer geheimen Abstimmung entschieden werde. Zu den Unterstützern zählte Chávez die Mitgliedsstaaten des Mercosur, der Karibischen Gemeinschaft, der Arabischen Liga, der Afrikanischen Union sowie Russland und China. Auf einer Pressekonferenz hatte Tom Casey, der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, am Mittwoch die Rede des venezolanischen Präsidenten kritisiert. Er sei insbesondere über die persönlichen Angriffe gegen den US-Präsidenten enttäuscht, so Tom Casey. Der Regierungssprecher sagte, es sei Sache des venezolanischen Volkes zu entscheiden, ob Hugo Chávez sie mit seiner Rede so vertreten habe, wie sie es wollten.

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Quellen