Sachsen: DNA-Massentest gestartet

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Artikelstatus: Fertig 20:03, 18. Jul. 2006 (CEST)
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Coswig (Deutschland), 18.07.2006 – Der Massen-Gentest, mit dem die sächsische Polizei die Spur eines Sexualtäters finden will, ist am Wochenende in Coswig bei Dresden angelaufen. Es wurden 3.108 Männer ins alte Coswiger Rathaus gebeten, um sich eine Speichelprobe entnehmen zu lassen. Es erschienen 1.944 Männer, von denen 155 ungetestet nach Hause geschickt wurden, da sie nicht dem Profil des gesuchten Täters entsprachen. Fünf Männer verweigerten die Abgabe, so dass 1.784 Männern eine DNA-Probe abgenommen wurde. An beiden Tagen wurden bei dem Massentest 50 Polizisten eingesetzt.

Für den 22. und 23. Juli wurden weitere 3.129 Männer aus Dresden-Klotzsche zur Speichelabnahme geladen. Im August sollen keine DNA-Tests durchgeführt werden, weil nach den Untersuchungen in Coswig und Dresden-Klotzsche erst einmal alle abgegebenen Speichelproben ausgewertet werden müssen.

Zur größten DNA-Massenuntersuchung in der Geschichte Deutschlands sollen 100.000 männliche Dresdener im Alter zwischen 25 und 45 Jahren und mit einer Größe von 1,65 Meter bis 1,85 Meter geladen werden. Der Test wird durchgeführt, da laut Oberstaatsanwalt Christian Avenarius „konkrete Wiederholungsgefahr“ einer Sexualstraftat bestehe. Weiter sagte Avenarius, dass der Gentest freiwillig sei. Allerdings würden Personen näher überprüft, die sich dem Test verweigerten. Auch deren Umfeld werde untersucht. Das sächsische Landeskriminalamt zeigte sich beeindruckt vom Verständnis der Bürger für den Test.

Während die großen Medien bislang kritiklos über den Test berichten und lokale Tageszeitungen von einem Erfolg sprechen, kommt Kritik am Massentest vom innenpolitischen Sprecher der FDP im sächsischen Landtag, Jürgen Martens. Dieser bezeichnete den Test, der bis zu 2,5 Millionen Euro kosten soll, als teuren Irrweg.

Die Tageszeitung sieht wenig Sinn in einem Massentest in einer anonymen Großstadt wie Dresden, weil dort kein sozialer Druck, wie es beispielsweise in kleineren Orten häufig der Fall ist, auf die zu testenden Personen einwirke, durch den der Täter praktisch zum Test mitgeschleppt werde.

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Quellen