Sieben Banken am EU-Stresstest gescheitert

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Veröffentlicht: 18:27, 25. Jul. 2010 (CEST)
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Brüssel (Belgien), 25.07.2010 – Wie der Europäische Ausschuss der Bankenaufsichtsbehörden CEBS am Freitag bekanntgab, sind sieben der einundneunzig EU-weit getesteten Banken am Stresstest gescheitert: fünf spanische, eine deutsche und eine griechische. Der Test sollte zeigen, wie die europäischen Banken für künftige Wirtschaftskrisen gerüstet sind und darüberhinaus ist er als Versuch zu werten, das Vertrauen in die europäische Finanzwelt wiederherzustellen.

Es nahmen 91 Banken aus 20 Staaten teil, die zusammen – gemessen an der Bilanzsumme – 65% des EU-Bankensystems repräsentieren. In jedem Land wurden – ebenfalls gemessen an der Bilanzsumme – 50% des nationalen Bankensystems überprüft. Der Test wurde zwar von der Europäischen Union koordiniert, die Durchführung oblag aber den jeweiligen nationalen Instanzen wie der Bundesbank in Deutschland.

Zunächst wurden die Wirtschaftsprognosen der EU-Kommission herangezogen, in die Parameter wie die zu erwartenden Arbeitslosenzahlen und Immobilienpreise oder das voraussichtliche BIP eingingen und anschließend wurden die Stressfaktoren hinzugefügt. Dabei wurde ein extremes Szenario mit zwei Perioden Rezession simuliert, bei dem in den Jahren 2010 und 2011 eine insgesamt um 3 Prozentpunkte stärkere Abkühlung der Konjunktur angenommen wurde, als die EU-Kommission sie voraussagt. In einem weiteren Schritt wurden weitere wirtschaftliche Verschlechterungen, wie ein Preisverfall der Staatsanleihen in das Modell integriert. Als Limit zum Bestehen des Tests wurde ein Wert von 6% für die Kernkapitalquote nach Ende der betrachteten Periode angenommen. Diese Quote gibt darüber Auskunft, wie viele der aushaftenden Kredite einer Bank durch Eigenkapital gedeckt sind. Dies bedeutet aber nicht, dass eine Bank mit einer Kernkapitalquote von unter 6% automatisch insolvent wäre, die Marke von 6% ist lediglich eine Annahme zur Durchführung des Tests.

In Deutschland wurden insgesamt 14 Banken dem Stresstest unterzogen, wobei eine noch etwas stärker gebremste Konjunktur angenommen wurde. Nur die Hypo Real Estate Holding AG konnte unter diesen Bedingungen die 6%-Hürde nicht erreichen. Neun der getesteten deutschen Banken erreichten Werte von über 18%.

In Österreich wurden bei der Erste Bank und der RZB wegen des Osteuropa-Riskos in einigen Punkten etwas strengere Maßstäbe angelegt, beide Banken landeten aber im Mittelfeld, ebenso wie die Bank Austria, die allerdings gemeinsam mit der italienischen Mutter UniCredit geprüft wurde.

Beide Extreme deckt Spanien ab, einerseits mit der Banca March, die mit 19% Kernkapitalquote das europaweit beste Ergebnis bringt, andererseits ist die spanische Diada mit einer Quote von nur 3,9% das europäische Schlusslicht. In Spanien wurden strenge Maßstäbe bei der Bewertung der Immobilienpreise angelegt. So hat die Banco de España beispielsweise einen Verfall der Preise bei Büros um 35% im Jahr 2010 und um weitere 30% im Jahr 2011 angenommen. Im Vergleich dazu wurde der Verfall der als Büro genutzten Immobilien in Frankreich mit jeweils 4,5% im Jahr 2010 und 2011 angenommen. Es wurde eine relativ hohe Anzahl spanischer Banken, nämlich 27 geprüft, und bei den fünf Banken, die das 6%-Limit nicht erreichen konnten, handelt es sich um regionale Sparkassen, die aufgrund des vorangegangenen Zusammenbruchs des spanischen Immobilienmarktes bereits große Verluste hinnehmen mussten.

In Griechenland schaffte die ATEbank die Testmarke von 6% als einzige von sechs geprüften Banken nicht und der griechische Finanzminister George Papaconstantinou zeigte sich mit diesem Ergebnis zufrieden.

Die sieben an der 6%-Marke gescheiterten Banken würden insgesamt zusätzliches Kapital in Höhe von 3,5 Milliarden Euro benötigen, um die erforderlichen Standards zu erfüllen.

Kritiker des Tests sind der Ansicht, dass die Durchführung durch nationale Instanzen und die unterschiedlichen Grundannahmen in dem Simulationsmodell zu Verzerrungen führen, die Annahmen des Tests nicht streng genug waren, dass politische Manipulation erfolgte und der Test zu wenig transparent war. Dem widersprechen die Europäische Union und die Europäische Zentralbank EZB ebenso wie die europäische Bankenaufsicht CEBS und der IWF. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn meinte, dass dies ein „wichtiger Schritt in Richtung zu mehr Transparenz und mehr Marktvertrauen“ ist. Der österreichische Nationalbank-Chef Ewald Nowotny weist darauf hin, dass der EU-Stresstest mit strengeren Kriterien als derjenige in den USA vor zwei Jahren durchgeführt wurde.

Der nächste Test folgt am Montag wenn die Börsen öffnen und die Märkte darüber bestimmen, ob die vertrauensbildende Maßnahme die erhoffte Wirkung zeigt.

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