„Netzwerk Recherche“ präsentiert neuen Medienkodex

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Artikelstatus: Fertig 21:31, 23. Feb. 2006 (CET)
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Wiesbaden (Deutschland), 23.02.2006 – Der Verein „Netzwerk Recherche“, eine Vereinigung von Journalisten, hat einen neuen Medienkodex vorgelegt, der nach Aussagen des Vereins Journalisten aller Medien Orientierung bieten soll.

In der Präambel des zehn Punkte umfassenden Medienkodex von „Netzwerk Recherche“ heißt es, dass neue Technologien und zunehmender ökonomischer Druck den Journalismus gefährdeten. Bei der journalistischen Arbeit solle nach den Leitlinien des Medienkodex der Grundsatz „Sicherheit vor Schnelligkeit“ gelten. Auf eine „handwerklich saubere und ausführliche Recherche aller zur Verfügung stehenden Quellen“ wird im Kodex besonders Wert gelegt. Bei der Präsentation des neuen Medienkodex sagte der Vorsitzende von Netzwerk Recherche e.V., Thomas Leif, dass der Medienkodex ein Navigationssystem in einer immer kommerzielleren Medienwelt und ein Instrument zur Selbstkontrolle der Journalisten sei. Der Medienkodex von „Netzwerk Recherche“ soll nach Aussagen des Vereins einen Kontrast zum Pressekodex des Deutschen Presserates aus dem Jahr 1973 darstellen: zum einen, weil sich der Medienkodex an Journalisten aller Medien und nicht nur an Journalisten der Printmedien richtet und zum anderen, weil der Medienkodex eher auf eine Selbstkontrolle der Journalisten setzt. Nach eigenen Aussagen will der Verein „Netzwerk Recherche“ Diskussionen in Redaktionen und die kritische Eigenbewertung von Journalisten anregen. Neben ethischen Richtlinien, der Forderung nach Weiterbildung und Hinweisen zur journalistischen Sorgfalt heißt es an fünfter Stelle im Medienkodex: „Journalisten machen keine PR.“ In einem Interview mit „Medienhandbuch.de“ vom 23.02.2006 führt Thomas Leif diesen Punkt näher aus. So müssten laut Thomas Leif Journalismus und PR als zwei getrennte Disziplinen mit grundlegend verschiedenen Interessen betrachtet werden. Auch der scheidende Chefredakteur des Deutschlandfunks, Rainer Burchardt, geht in einem Interview mit dem eigenen Sender vom 17.02.2006 auf diesen Aspekt ein. Im Interview zeigt sich Rainer Burchardt besorgt darüber, dass „Leute auf der einen Seite Pressesprecher sind, auf der anderen Seite aber auch journalistisch tätig sind“. Auf der anderen Seite gesteht Rainer Burchardt ein, dass Menschen mit journalistischer Ausbildung heute im Mediensektor allein nicht mehr überleben könnten. Die Öffentlichkeitsarbeit entwickle sich daher zu einem zweiten Standbein.

Der Deutsche Presserat kritisiert den Medienkodex von „Netzwerk Recherche“, den der Presserat für praxisfern hält. Der Medienkodex orientiere sich nach Ansicht des Presserates am Idealzustand, im Gegensatz zum Pressekodex, der die gesammelte Erfahrung aus einer kontinuierlichen Beschwerdearbeit des Presserates darstelle. Im Zentrum der Kritik des Presserates steht die Aussage „Journalisten machen keine PR“, die nach Meinung von Ilka Desgranges, der Sprecherin des Deutschen Presserates, an den Arbeitsbedingungen von Journalisten vorbeigehe. Laut Ilka Desgranges komme diese Aussage bei einer engen Interpretation einem Berufsverbot für freie Journalisten sehr nahe. Der Pressekodex des Deutschen Presserates, der am 12. Dezember 1973 dem damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann in Bonn vorgelegt wurde, enthält in seiner aktuellen Fassung vom 02.03.2005 eine ähnliche Aussage. In Ziffer sieben heißt es: „Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden.“ Auch der in seiner aktuellen Fassung 16 Ziffern enthaltende Pressekodex enthält ethische Richtlinien für Journalisten und Forderungen nach der Wahrung journalistischer Qualitätsstandards. An erster Stelle des Pressekodex steht das oberste Gebot der Presse, das laut Pressekodex in der Wahrung der Menschenwürde und wahrhaftiger Unterrichtung der Öffentlichkeit liege.

Quellen