Bohrinsel-Explosion: BP sucht nach einer Lösung

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Veröffentlicht: 15:45, 11. Mai 2010 (CEST)
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New Orleans (Vereinigte Staaten), 11.05.2010 – Einen herben Rückschlag musste der Ölmulti BP bei der Bekämpfung der Ölkatastrophe der am 20. April 2010 explodierten und zwei Tage später gesunkenen Ölplattform Deepwater Horizon hinnehmen: Die gigantische 100 Tonnen schwere Metallglocke, die probeweise eines der Bohrlöcher verschließen sollte, hat ihren Zweck nicht wie geplant erfüllt.

Erstmals bestätigte inzwischen die US-Küstenwache einen Ölfilm in Freemason Island, einem Naturschutzgebiet der New Orleans vorgelagerten Inselgruppe Chandeleur Islands. Er stammt von dem Ölunfall der Ende April zunächst explodierten und zwei Tage später gesunkenen Super-Bohrplattform Deepwater Horizon, die von Transocean Limited betrieben, jedoch von BP geleast wurde. Mit dem Sinken verschwanden auch elf Arbeiter spurlos in den Fluten. Ein in den USA noch nicht vorgeschriebener Sicherheitsnotschalter, der ein Verschließen der Bohrlöcher nach anderen Methoden hätte gewährleisten können, war überhaupt nicht installiert. Seitdem sprudeln noch zwei größere Lecks unaufhörlich während lediglich ein kleineres Leck erfolgreich geschlossen werden konnte.

Alle Bemühungen des Konzerns und der US-Küstenwache, das Öl von den Küsten fernzuhalten, sind nun endgültig gescheitert. Der Schaden ist noch nicht zu überblicken, könnte aber im Ökosystem des Naturschutzgebiets beträchtlich sein. Präsident Barack Obama hatte BP nach dessen anfänglicher Schuldzuweisung an den Plattform-Eigentümer unmissverständlich für den Ölunfall und dessen Folgen verantwortlich gemacht. Dies trägt einem US-Gesetz Rechnung, das anlässlich des Unfalls des Tankschiffs Exxon Valdez vor Alaska im Jahre 1989 erlassen wurde und Betreiber nach dem Verursacherprinzip haftbar macht.

Die Aktien des Unternehmens erlitten seit dem Unfall einen Kurssturz. Der Ölmulti verlor an der Börse rund 23 Milliarden US-Dollar, was einem Börsenwert von 13 Prozent entspricht. Die Kosten für die Beseitigung der Folgen der Ölkatastrophe belaufen sich derzeit auf rund 350 Millionen US-Dollar. Darin sollen Ausgaben für Sofortmaßnahmen, Arbeiten zur Eindämmung der Ölpest, die Bohrung eines Entlastungsausgangs, Verpflichtungen gegenüber den US-Bundesstaaten und Gerichtskosten enthalten sein. BP gab zu, dass die Folgekosten des Unfalls höher seien als zunächst angenommen, man war ursprünglich von rund sechs Millionen US-Dollar ausgegangen.

Trotz einer Klagewelle gegen den Plattform-Betreiber Transocean Limited rechnet dieser damit, aus der Sache noch Gewinn abzuschöpfen. Transocean hatte die Plattform mit 560 Millionen US-Dollar versichert, die Schäden durch den Verlust belaufen sich jedoch nur auf 290 Millionen US-Dollar. Für die Schäden im Meer sei Transocean nicht verantwortlich, die Kosten zur Entschädigung der Fischer und der Tourismusbranche müssten sich die Leasingnehmer BP und die beiden Minderheitspartner „Anadarko Petroleum“ und „Mitsui“ teilen – sie werden derzeit auf 30 Milliarden US-Dollar taxiert.

Behörden haben mit dem Auftreffen des Ölteppichs auf die US-Küste ein Fischfangverbot erlassen und inzwischen noch ausgeweitet. Mit gestifteten Nylonstrümpfen, die mit Menschen- und Tierhaaren gefüllt wurden, werde derzeit versucht das Öl vor dem Auftreffen auf die Küsten zu binden und aufzusaugen: Es wurde ein Aufruf an alle 370.000 Friseure und 100.000 Tiersalons und an zahlreiche Schäfer gestartet, Haare jedweder Art und Größe zu spenden und zur Beseitigung des Ölteppichs zu Verfügung zu stellen. Dieser Aufruf fand überraschend lebhaften Anklang. Etwa 10.000 Helfer versuchen parallel dazu, ein Auftreffen des Ölschlamms auf das empfindliche Marschland an der Küste des Mississippi-Deltas zu verhindern. Nun haben die Behörden gemäß Bericht des Weltspiegel begonnen, den zusammengeschobenen Ölteppich auf offener See kontrolliert zu verbrennen. Die entstandenen Ölklumpen könnte man dann besser einsammeln. Jedoch werden so giftige Dämpfe in die Umwelt entlassen, weshalb das Vorgehen umstritten ist. Auch will man versuchen, das Öl mit ebenfalls giftigen Chemikalien zu zersetzen.

Unterdessen ist eine 100 Tonnen schwere und 13 Meter hohe, schnell konstruierte Metallglocke an die Stelle der gesunkenen Ölplattform geschleppt worden, die nun über der Unglücksstelle in Stellung gebracht und ausgerichtet werden soll. Mit ihr sollten ab Montag das entweichende Öl zu angestrebten 85 Prozent aufgefangen und per Tankschiff zur Küste transportiert werden. Doch das Projekt ging vorläufig schief. Wegen der extremen Kälte in der Tiefsee bildete sich ein Panzer aus einer schwammigen, eisähnlichen Masse mit der Bezeichnung Methanhydrat an der Innenseite der Kuppel, die aus einer Ausflockung des Methananteils aus dem Rohöl (in Verbindung mit Wasser) resultiert, ein Abpumpen vereitelt und auch noch für gehörigen Auftrieb sorgt. Zwar waren Techniker auf das Problem vorbereitet, jedoch kam es zur Bildung der Masse weitaus schneller als berechnet. Dies ist auf den Umstand zurückzuführen, dass es sich bei dem Verfahren um eine Premiere in dieser Tiefe handelte. Derweil wurde die Kuppel 200 Meter neben dem Bohrloch-Leck „geparkt“.
Experten arbeiten fieberhaft an der Lösung des Problems. Es könne durchaus noch zwei Tage dauern, bis man einen Plan B zur Hand hat. Es wird eine kleinere Kuppel ins Spiel gebracht, die jedoch nicht vor Dienstag einsatzbereit sei. Ob das Unterfangen, die Glocke am Bohrloch in 1.600 Metern Tiefe festzumachen, doch noch gelingt, ist laut BP derzeit ungewiss. Sollte dieses Experiment tatsächlich noch gelingen, die Stahlglocke das Bohrloch dicht abschließen und alle erwarteten Parameter gegeben sein, ist geplant, das zweite Leck auf dem gleichen Wege abzudichten.

Aus den genannten zwei Bohrlöchern strömen täglich geschätzte 800.000 Liter schweres Rohöl und tragen weiter zur Ausbreitung des Ölteppichs auf dem Meer bei, der am vergangenen Mittwoch ein Ausmaß von 110 Kilometern Breite mal 210 Kilometern Länge erreicht hatte.

Derzeit seien immer noch vier von ursprünglich zehn Tauchrobotern im Einsatz, um die Bohrlöcher abzudichten. Warum eine Sicherung, die die Unterbrechnung des Abflusses aus dem Bohrloch aktivieren sollte, versagte, ist laut Informationen von BP noch ungeklärt. Die sogenannten Blow-out-preventer (BOP) wurden bei der Explosion der Bohrplattform möglicherweise zerstört. Es ist nicht das erste Mal, dass eine solche Sicherung versagte, siehe dazu die Vorgänge bei dem Ixtoc I – Unfall aus dem Jahre 1979. Derzeit wolle man den defekten BOP austauschen beziehungsweise alternativ das Bohrloch mit Gummi und schwerem Bohrschlamm einen umzubauenden BOP beziehungsweise Hochdruck in der so genannten „Top-Kill-Methode“ den versagenden Preventer mit Reifenteilen und Golfbällen verstopfen. Alternativ könne man versuchen, die Steigleitung zu kappen und durch eine größere zu ersetzen. Diese sei aber nur eine nicht favorisierte Notlösung, da ein solches Verfahren mit einem vorübergehend größeren Austritt von Öl in den Golf von Mexiko einhergehe. Diese Verfahren sind laut BP-Manager Doug Suttles riskant, könnten sie doch die Rate des Ölaustritts bei einem Scheitern verzwölffachen. Bis Sonntag sind offiziellen Angaben zufolge nunmehr 13 Millionen Liter Öl seit der Explosion und dem Sinken der Bohrinsel in den Golf von Mexiko ausgelaufen, was einem Drittel der „Exxon-Valdez“-Katastrophe 1979 vor Alaska gleichkommt.

Inzwischen hat man auch eine Entlastungsbohrung schräg zum Bohrloch angesetzt. Der Durchbruch auf das ursprüngliche Bohrloch könne dann in etwa drei Monaten erfolgen, erklärte BP-Sprecher Jon Pack. Danach will man das ursprüngliche Bohrloch mit einem Zementgemisch verschließen und den defekten Bohrkopf damit versiegeln, aus dem das Öl derzeit sprudelt.

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Quellen