Fußball-WM: Kameruns Ausscheiden steht bereits fest

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Veröffentlicht: 22:18, 27. Jun. 2010 (CEST)
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Rustenburg / Durban / Pretoria (Südafrika), 27.06.2010 – Mit einem Sieg besiegelten die Dänen das Ausscheiden des Teams von Kamerun aus dem Turnier. Ghana und Australien trennten sich unentschieden. Die Niederlande schlugen Japan mit 1:0. Doch Aufregung gab es auch abseits des Spielfeldes: Frankreichs Teamführung schickte Stürmer-Star Anelka nach Hause. Der DFB schimpfte auf den Schiedsrichter, der im Spiel Deutschland–Serbien Spaniens Farben gelb und rot so großzügig propagierte. Italiens Torwart Buffon droht eine Bandscheibenoperation, und Englands Stürmer Rooney entschuldigte sich bei den Fans.

Ghana – Australien
1:1 (1:1)

Deutschlands nächster Gruppengegner trennte sich von Australien mit einem 1:1-Unentschieden. Das vom italienischen Schiedsrichter Roberto Rosetti geleitete Spiel in Rustenburg verfolgten 34.812 Zuschauer. Sie sahen eine erste Halbzeit, in der die beiden Tore fielen und die einen Platzverweis sowie einen Elfmeter wegen Handspiels mit sich brachte. „Wir haben jetzt vier Punkte und brauchen gegen Deutschland nur noch ein Unentschieden, um ins Achtelfinale zu kommen“, zeigte sich Milovan Rajevac, der Trainer Ghanas nach dem Spiel zufrieden.

Vorläufige Tabelle der Gruppe D
Rang Land Tore Punkte
1 Ghana Ghana 2:1 4
2 Deutschland Deutschland 4:1 3
3 Serbien Serbien 1:1 3
4 Australien Australien 1:5 1

Beide Mannschaften gingen mit gegenüber ihrem ersten Gruppenspiel veränderten Aufstellungen ins Spiel. Den Westafrikanern fehlten Kapitän John Mensah sowie Isaac Vorsah. Australiens Trainer Pim Verbeek besetzte gegenüber dem Spiel gegen Deutschland vier Positionen neu. Die Zuschauer sahen nach sechs Minuten die erste Chance für die ganz in Weiß gekleideten „Black Stars“, als der in Berlin geborene Ghanaer Kevin-Prince Boateng es mit einem Fernschuss auf das australische Tor versuchte. Ein weiterer in der Reihe der Torwartfehler bei dieser Weltmeisterschaft führte dann in der elften Minute zum Führungstor für die Australier, als Torhüter Richard Kingson einen Schuss von Mark Bresciano abprallen ließ, wo er vor die Füße von Brett Holman gelangte, der aus kurzer Entfernung einschießen konnte. Doch der Rückstand konnte die Ghanaer nicht entmutigen, vielmehr spielten sie spielbestimmend. In der 20. Minute versuchte sich André Ayew aus 20 Metern Torentfernung, traf jedoch knapp über das Tor. In der 24. Minute sah ein Schuss von Jonathan Mensah wie das Ausgleichstor aus, doch der bei Galatasaray Istanbul spielende Harry Kewell stoppte den Ball mit dem Arm und sah dafür die Rote Karte. Den daraufhin verhängten Strafstoß verwandelte Asamoah Gyan. Die Australier waren danach um Spielberuhigung bemüht und schoben sich den Ball teilweise minutenlang in den eigenen Reihen umher. Erst in der 43. Minute kam Ghana wieder zu einer Chance, als Boatangs Schuss aus erfolgversprechender halbrechter Position von Torhüter Mark Schwarzer vereitelt wurde.

In der zweiten Halbzeit kam es zunächst kaum gute Tormöglichkeiten. Beide Mannschaften schienen mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Die Ghanaer tauchten kaum noch vor dem australischen Tor auf, die mit zehn Mann spielenden Australier beschränkten sich auf gelegentliche schnelle Gegenangriffe. Die beste Chance der Australier in der zweiten Halbzeit war ein Schuss aus zwölf Metern durch Luke Wilkshire, der von Kingson in der 72. Minute abgewehrt wurde. Ein Schuss von Joshua Kennedy war vergebens. Die einzige nennenswerte Torchance der Ghanaer in der zweiten Spielhälfte war ein Schuss von Jonathan Mensah in der 90. Minute, sein Kopfball ging jedoch neben das Tor. Auch der letzte Angriff der Ghanaer in der 91. Minute durch Quincy Owusu-Abeyie wurde von Torhüter Schwarzer abgewehrt.

Niederlande – Japan
1:0 (0:0)

Im Moses-Mabhida-Stadion von Durban verfolgten 62.010 Zuschauer, wie sich die Niederländer den zweiten Sieg und damit die Tabellenführung in der Gruppe E sicherten. Gut 20.000 der Zuschauer waren Niederländer, die das 21. Spiel der niederländischen Nationalmannschaft ohne Niederlage in Folge sahen. Das Spiel wurde von dem argentinischen Schiedsrichter Héctor Baldassi geleitet, der nur eine Gelbe Karte für den Niederländer Gregory van der Wiel vergab.

Trainer Bert van Marwijk ließ dasselbe niederländische Team auflaufen, wie bereits im Spiel gegen Dänemark. Bayern-Stürmer Arjen Robben saß somit weiterhin auf der Bank. Die erste niederländische Torchance hatte in der neunten Minute der bei Inter Mailand spielende Wesley Sneijder, dessen Freistoß jedoch am Tor vorbeiging. Ein Fallrückzieher von Dirk Kuyt wurde in der zehnten Minute abgewehrt. Die Niederländer spielten in der ersten Hälfte ausgesprochen defensiv. Ein Fernschuss von Yuto Nagatomo in der zwölften Minute stellte die erste Torchance der Japaner dar. Der niederländische Torhüter Maarten Stekelenburg verhinderte in der 38. Minute einen japanischen Torerfolg von Daisuke Matsui.

Nach der Pause begannen die Niederländer die zweite Hälfte angriffslustiger. Einen eigentlich haltbaren Schuss von Sneijder aus 20 Metern Torentfernung beförderte Japans Keeper Eiji Kawashima in der 53. Minute ins eigene Tor. Allerdings machten die Niederländer wenige Versuche, das Spielergebnis zu verbessern. In der 90. Minute hatte Shinji Okazaki noch Gelegenheit zum Ausgleich, sein Schuss ging jedoch knapp über das Tor.

Kamerun – Dänemark
1:2 (1:1)

38.074 Zuschauer sahen die Niederlage Kameruns im Loftus-Versfeld-Stadion von Pretoria. Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay zückte insgesamt dreimal Gelb, zweimal für einen dänischen Spieler, einmal für einen Spieler aus Westafrika. Das 1:2 besiegelte das Ausscheiden Kameruns, da selbst im Falle eines Sieges im letzten Gruppenspiel die Mannschaft keine Möglichkeit mehr hat, auf den zweiten Tabellenplatz zu gelangen. Das Spielergebnis sicherte den Niederlanden die Teilnahme am Achtelfinale, weil die Mannschaft nun einen aus ihrer Sicht schlechtestenfalls zweiten Platz in der Abschlusstabelle belegen kann.

Vorläufige Tabelle der Gruppe E
Rang Land Tore Punkte
1 Niederlande Niederlande 3:0 6
2 Japan Japan 1:1 3
3 Dänemark Dänemark 2:3 3
4 Kamerun Kamerum 1:3 0

Dabei hatte es für die Westafrikaner in der Anfangsphase des Spieles gut ausgesehen. Samuel Eto’o hatte die erste Torchance des Spieles in der fünften Minute, verfehlte jedoch bei seinem Schuss aus 25 Metern das Tor. Zwei Minuten später schoss Dennis Rommedahl auf der Gegenseite knapp über das Tor. In der zehnten Minute ließ sich Christian Poulsen im eigenen Sechzehnmeterraum den Ball von Pierre Webo abluchsen. Der passte auf den völlig freistehenden Eto’o, der den Ball flach ins Tor lenkte. Auch die folgende Chance der Kameruner in der 13. Minute ging auf einen Fehler Poulsens zurück, doch Achille Emanas Schuss ging knapp links am Tor vorbei. Daraufhin konnten die Dänen zwei Großchancen nicht verwerten. In der 17. Minute wehrte Nicolas Nkoulou einen Distanzschuss des Dänen Jesper Grønkjær zur Ecke ab, die nichts einbrachte, und in der 20. Minute scheiterte Jon Dahl Tomasson an Souleymanou Hamidou, dem in der Türkei spielenden Schlussmann Kameruns. In der 33. Minute fiel schließlich der Ausgleich. Nach einem langen Pass des dänischen Abwehrspielers Simon Kjær auf Rommedahl spielte der auf Nicklas Bendtner, der den Ball ins kamerunische Tor beförderte. In der 42. Minute hätte Dänemark durch Tomasson in Führung gehen könnten, doch sein Schuss wurde im letzten Moment durch den Kameruner Alex Song geblockt. Eine Minute später wehrte der dänische Torhüter Thomas Sørensen einen Schussversuch von Emana ab.

Nach dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit vereitelte Sørensen einen Kopfballtreffer von Stéphane Mbia in der 46. Minute und Webos Schuss aus der Drehung in der 61. Minute. Im sich direkt an Webos Gelegenheit anschließende Konter setzte sich der bei Ajax Amsterdam unter Vertrag stehende Rommedahl gegen Jean Makoun durch und erzielte das dänische Führungstor. Kamerun spielte nun offensiver, um das Aus in der WM abzuwenden, öffnete dadurch jedoch den Dänen den Raum für schnelle Konter. Tomasson konnte sich allerdings in der 71. Minute nicht gegen Kameruns Torhüter durchsetzen. Sørensen musste in der 77. Minute gegen Emana parieren. In der 82. Minute hatte noch der in der französischen Liga spielende Vincent Aboubakar, der vier Minuten zuvor eingewechselt worden war, die Chance auf den Ausgleichstreffer, doch Poulsen fälschte seinen Schuss ab.

Ärger in Frankreichs Team

Nicolas Anelka im Dress von FC Chelsea

In der Halbzeitpause des Spieles Frankreich–Mexiko soll es zu einer Verbalattacke zwischen dem französischen Trainer Raymond Domenech und dem für den FC Chelsea spielenden Stürmer Nicolas Anelka gekommen sein. Wie die französische Sportzeitung „L′Equipe“ veröffentlichte, soll Anelka zu Domenech gesagt haben: „Fick dich in den Arsch, du Hurensohn.“ Domenech hatte daraufhin in der zweiten Halbzeit statt Anelka André-Pierre Gignac gebracht. Anelka wurde inzwischen vom französischen Fußballverband nach Hause geschickt. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy bezeichnete die Worte Anelkas, sollten sie wirklich gefallen sein, als „inakzeptabel“.

Die Lage Frankreichs bezogen auf ein Erreichen des Achtelfinales sind nach dem zweiten Gruppenspiel praktisch aussichtslos. Abgesehen davon, dass Frankreich sein drittes Auftreten in Südafrika gegen den Gastgeber gewinnen müsste, dürfte es außerdem zwischen Mexiko und Uruguay kein Remis geben. Bei einem Sieg Uruguays müssten die Franzosen fünf Tore mehr erzielen als die Südamerikaner. Bei einem Sieg Mexikos beträgt die Zahl der Tore, die Frankreich gutmachen muss, immer noch vier.

Kritik des DFB an der Leistung von Schiedsrichter Undiano

Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco wurde seitens des Deutschen Fußballbundes heftig angegriffen. Miroslav Klose, der wegen wiederholten Fouls Gelb-Rot sah, nannte seinen Platzverweis „überzogen“, Bundestrainer Joachim Löw bezeichnete acht Gelbe Karten in einem Spiel, in dem es nur 26 Fouls gab, als „übertrieben“. Für Bastian Schweinsteiger war die Schiedsrichterleistung der Hauptgrund, weswegen Deutschland Serbien mit 1:0 unterlag.

Auch der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Urs Meier kritisierte, Undiano habe im Spiel Deutschland–Serbien „nicht die richtige Linie gefunden“, und für Bundesliga-Schiedsrichter Knut Kircher war der Spanier „ein Kartenspieler ohne Persönlichkeit“, der „einen hilflosen Eindruck“ erweckte. Viel Kritik wurde an der Leistung des spanischen Schiedsrichters auch in Facebook und Twitter geübt.

Der Schiedsrichter konnte bislang noch keine Stellung nehmen. Die FIFA hat allen Schiedsrichtern für die Zeit während der Fußball-Weltmeisterschaft einen Maulkorb verhängt und ihnen Gespräche mit der Presse untersagt.

Der DFB und Bundestrainer Löw hätten jedenfalls gewarnt sein können. Der Website worldreferree.com zufolge ist Undiano als Schiedsrichter mit inflationären Umgehen der Karten bekannt. Jeweils zehnmal Gelb gab Undiano beim Endspiel der Junioren-Fußballweltmeisterschaft 2007 und bei einem der Halbfinale desselben Turnieres im Jahr 2009. Durchschnittlich 4,21 Gelbe Karten zückte Undiano in der Vergangenheit pro Länderspiel, 4,7 ist sein Durchschnittswert für die spanische Primera División.

Italiens Torhüter Buffon…

Dem Schlussmann der Squadra Azzurra steht nach der Weltmeisterschaft eine Bandscheibenoperation bevor. Dies bestätigte der 33-jährige Gianluigi Buffon gegenüber der Presse. Der bei Juventus Turin das Tor hütende Fußballer wird wohl für längere Zeit ausfallen. Buffon lebt mit dem tschechischen Model Alena Šeredová zusammen und ist Vater eines gemeinsamen Kindes.

… und Englands Stürmer Rooney

Der für Manchester United stürmende Nationalspieler Wayne Rooney entschuldigte sich für seine Kritik an den englischen Fans, die er nach dem Spiel gegen Algerien verlauten ließ. Mit den Worten „Wenn es um die englische Mannschaft geht, bin ich genauso voller Leidenschaft wie jeder andere. Aber letzte Nacht habe ich in der Hitze des Gefechts Dinge gesagt, die im Rückblick aus der Frustration über unsere Leistung und das Ergebnis entstanden sind“ kommentierte er seinen Ausfall vor laufenden Fernsehkameras, als er Fans des englischen Teams dafür kritisierte, dass sie das englische Nationalteam ausgebuht hatten.

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Quellen