Wikipedia: ISAF

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter ISAF (Begriffsklärung) aufgeführt.
ISAF Logo; Schrift in Paschtu: کمک او همکاری (Komak wa Hamkari), dt.: „Hilfe und Kooperation“.

ISAF Logo; Schrift in Paschtu: کمک او همکاری (Komak wa Hamkari), dt.: „Hilfe und Kooperation“.

Die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, kurz ISAF (von engl. International Security Assistance Force), ist eine Sicherheits- und Aufbaumission unter NATO-Führung in Afghanistan.

Die Aufstellung erfolgte auf Ersuchen der neuen afghanischen Regierung an die internationale Gemeinschaft und mit Genehmigung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (Resolution 1386 vom 20. Dezember 2001). Der Einsatz ist keine Blauhelm-Mission, sondern ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten.

Das Mandat für die Beteiligung deutscher Soldaten am ISAF-Einsatz wurde am 22. Dezember 2001 erteilt. In der deutschen Terminologie wird die ISAF häufig auch als Schutztruppe bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Ziele, Aufbau und Struktur

Aufgabe der ISAF ist die Unterstützung der gewählten Regierung Afghanistans zur Herstellung und Aufrechterhaltung eines sicheren Umfeldes in Afghanistan. In erster Linie soll so der Wiederaufbau Afghanistans, die Etablierung demokratischer Strukturen und die Durchsetzungsfähigkeit der frei gewählten Zentralregierung vorangetrieben werden. ISAF sollte ursprünglich vollständig vom Einsatz Enduring Freedom getrennt operieren.[1] Die ISAF darf im Rahmen der Erfüllung der Resolution 1368 des UN-Sicherheitsrats alle Mittel, auch Waffengewalt, anwenden. Die ISAF ist keine friedenssichernde Blauhelm-Truppe, sondern eine vom Sicherheitsrat genehmigte UN-Schutztruppe, die aus freiwillig gestellten Soldaten und Finanzen der beteiligten Staaten besteht. Das UN-Mandat wurde mehrfach erneuert, die letzte Erneuerung wurde durch die Resolution 1746 des UN-Sicherheitsrates vorgenommen, die das Mandat bis März 2008 ausdehnt.

Ein US-Soldat sichert einen Kontrollpunkt in Kapisa, Afghanistan

Ein US-Soldat sichert einen Kontrollpunkt in Kapisa, Afghanistan

Nach Mandatierung und Aufstellung von ISAF im Dezember 2001 wurde ISAF jeweils von einer oder mehreren Nationen geführt. Am 9. August 2003 übernahm die NATO durch UN-Mandat die Verantwortung für Führung, Planung und Unterstützung der ISAF-Mission. Operationell wird ISAF durch das Allied Joint Force Command Headquarters Brunssum (JFC Brunssum) in den Niederlanden geführt. Die Führung von ISAF in Afghanistan wird seit Ende 2003 jeweils durch ein Hauptquartier der NATO sichergestellt:

  • ISAF I: Vereinigtes Königreich, Dezember 2001 – Juni 2002
  • ISAF II: Türkei, Juni 2002 – Februar 2003
  • ISAF III: Deutschland und die Niederlande, Februar 2003
  • ISAF IV: Deutschland, Oktober 2003
  • ISAF V: Kanada, Oktober 2003 – August 2004
  • ISAF VI: Eurokorps, August 2004 – Februar 2005
  • ISAF VII: Türkei (NRDC-T, NATO Rapid Deployable Corps), Februar 2005 – August 2005
  • ISAF VIII: Italien (NRDC-IT, NATO Rapid Deployable Corps) August 2005 – April 2006
  • ISAF IX: Vereinigtes Königreich (ARRC, Allied Rapid Reaction Corps), Mai 2006 – April 2007
  • ISAF X: Vereinigte Staaten, seit Mai 2007

Dem Befehlshaber ISAF stehen unterschiedliche Truppenelemente in Afghanistan zur Verfügung:

Führungsnationen der Wiederaufbauteams (PRT) und Regional Commands

Führungsnationen der Wiederaufbauteams (PRT) und Regional Commands

  • Das ISAF Hauptquartier (ISAF HQ) befindet sich in der afghanischen Hauptstadt Kabul und dient als operatives Kommando für die gesamte Mission. Mehr als 600 Soldaten aus 28 unterschiedlichen Nationen (Stand: Januar 2006) dienen hier. ISAF HQ und seine untergeordneten Einheiten arbeiten eng mit der afghanischen Regierung zusammen und koordinieren ihre Tätigkeiten mit Organisationen wie der UN-Mission UNAMA, Internationalen Organisationen und verschiedenen Nichtregierungsorganisationen. Von hier aus findet enge Abstimmung mit dem CFC-A (Combined Forces Command – Afghanistan) statt, welches die Operation „Enduring Freedom“ in Afghanistan führt.
  • Im Regional Command Capital (RC Capital), vormals Kabul Multinational Brigade genannt, sind die taktischen Truppen zusammengefasst, die für die Sicherheitsunterstützung in und um Kabul verantwortlich sind. Hauptelemente sind drei multinationalen Battle Groups, die Patrouillen durchführen, häufig gemeinsam mit den afghanischen Streitkräften oder der afghanischen Polizei.
  • Die so genannte Air Task Force (ATF) ist verantwortlich für Planung und Durchführung von allen Operationen und Bewegungen der ISAF-Luftstreitkräfte in Afghanistan. ATF koordiniert den Luftraum und arbeitet mit der afghanischen zivilen Luftfahrt zusammen. Einer der wichtigsten Flughäfen für ISAF ist der Kabul International Airport (KAIA).
  • Zurzeit gibt es 26 Provincial Reconstruction Teams (PRT). Sie stellen das Haupttruppenelement von ISAF in den einzelnen Provinzen des Landes dar. Sie sind so angelegt, dass sie sowohl militärische Zusammenarbeit mit der Provinzregierung leisten, als auch als Fokus der internationalen Gemeinschaft dienen, um in den verschiedenen Regionen die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Gleichfalls wirken sie als ein weiterer Faktor, um der Autorität der Zentralregierung Vorschub zu leisten.
Dänischer und US-Soldat im Camp Warehouse

Dänischer und US-Soldat im Camp Warehouse

  • Um die Bemühungen der PRTs regional besser koordinieren zu können, sind fünf so genannte Regional Commands (RC) eingerichtet worden (vormals RAC – Regional Area Coordinator). Sie managen Logistik und kontrollieren die Kommandostruktur. RC-Nord in Mazar-e-Sharif ist zuständig für die PRTs in Maimana, Pol-e-Khomri, Mazar-e-Sharif, Kundus und Feyzabad; RC-West in Herat ist verantwortlich für die PRTs in Farah, Chagcharan, Qaleh-ye-Now und Herat. RC-Süd in Kandahar deckt die Verantwortungsbereiche der PRTs Kandahar, Qalat, Tarin Kowt and Lashkar Gah ab. RC-Hauptstadt ist zuständig für Kabul und dessen internationalen Flughafen, RC-Ost in Bagram für die PRTs im Osten und Südosten des Landes. Daneben bestehen noch Forward Support Bases (FSB), die als logistische Basen dienen. Sie können beispielsweise medizinische Evakuierung sicherstellen und verbessern so die Sicherheitssituation der PRTS. FSBs wurden im nordafghanischen Mazar-e-Sharif, im westlichen Herat und südlichen Kandahar angesiedelt.

Zu den Präsidentschaftswahlen am 9. Oktober 2004 und den Wahlen zu Parlament und Provinzregierungen im September 2005 wurden Unterstützungstruppen der NATO nach Afghanistan gesendet, um der verschärften Sicherheitslage gerecht zu werden.

Die Versorgung der Soldaten der verschiedenen Nationalitäten erfolgt sowohl durch von der Ukraine angemietete Großraumtransportflugzeuge Antonow An-124 „RUSLAN“ vom Flughafen Köln/Wahn aus sowie über einen Luftwaffenstützpunkt in Termez (Usbekistan), auf dem auch eine Einheit der Bundeswehr stationiert ist. Ein französischer Luftwaffenstützpunkt befindet sich in Duschanbe (Tadschikistan). Die Bundeswehr versorgt von Termez aus durch regelmäßige Flüge mit Transall-Flugzeugen sowohl die verschiedensten Feldlager in Kabul (z.B. das Camp Warehouse) als auch die Stützpunkte der PRT-Teams in Kunduz und Feyzabad. Derzeit sind 3.490 deutsche Soldaten am Hindukusch im Einsatz.[2]

Bearbeiten Führung

Bis zum 19. März 2002 lief der ISAF-Einsatz der Bundeswehr als Vorauskommando unter Führung des Kommandeurs des deutsch-niederländisch-dänisch-österreichischen Einsatzverbandes. Deren Kommandeur war Brigadegeneral Carl-Hubertus von Butler, der ab 19. März 2002 die Führung der Kabul Multinational Brigade (KMNB) übernahm. Er hatte diese Aufgabe bis zum 17. Juni 2002 inne.

Sein Nachfolger war Brigadegeneral Manfred Schlenker. Er führte die KMNB vom 17. Juni 2002 bis zum 17. Dezember 2002. Anschließend führte bis zum 17. Juli 2003 Brigadegeneral Werner Freers die KMNB. Von den oben angegebenen Kommandeuren unterscheiden sich die Kommandeure der ISAF, die unter anderem die KMNB führen, aber auch andere Tätigkeiten haben. Diese Kommandeure der ISAF (COMISAF) waren/sind:

Nr. Name Nation Beginn der Berufung Ende der Berufung Führungskontingent
11 David D. McKiernan Vereinigte Staaten (nominiert) NATO
10 Dan K. McNeill Vereinigte Staaten 4. Februar 2007 NATO und Combined Forces Command Afghanistan der US-Streitkräfte
9 David J. Richards Vereinigtes Königreich 5. Mai 2006 4. Februar 2007 Allied Command Europe Rapid Reaction Corps
8 Mauro Del Vecchio Italien 5. August 2005 4. Mai 2006 NATO Rapid Deployable Corps – Italien (NRDC-I)
7 Ethem Erdağı Türkei 13. Februar 2005 4. August 2005 NATO Rapid Deployable Corps – Türkei (NRDC-T)
6 Jean-Louis Py Frankreich 7. August 2004 12. Februar 2005 Eurokorps
5 Rick Hillier Kanada 9. Februar 2004 7. August 2004
4 Götz Gliemeroth Deutschland 11. August 2003 9. Februar 2004 erstmals NATO-geführt/Joint Headquarters Centre/Heidelberg
3 Norbert van Heyst Deutschland/Niederlande 10. Februar 2003 10. August 2003 1. Deutsch-Niederländisches Korps
2 Hilmi Akın Zorlu Türkei 18. Juni 2002 10. Februar 2003
1 John McColl Vereinigtes Königreich 22. Dezember 2001 18. Juni 2002

Bearbeiten Befugnisse der ISAF

Erstreckte sich das Operationsgebiet von ISAF zunächst nur auf Kabul und Umgebung, so wurde es schrittweise auf weitere Teile des Landes ausgedehnt. Seit Oktober 2003 wurde durch einen Erweiterungsplan der NATO, genehmigt durch den UN-Sicherheitsrat, das Operationsgebiet auf die nördlichen Provinzen Afghanistans ausgedehnt. 2005 wurde durch die sogenannte Stage II auch Verantwortung für das westliche Afghanistan übernommen. Am 31. Juli 2006 erweiterte ISAF ihren Verantwortungsbereich durch Stage III in den Süden des Landes. Hierfür wuchs ISAF von rund 9000 auf 18500 Soldaten an. Am 28. September 2006 beschloss der Nordatlantikrat, die Mission auch auf den Osten Afghanistans auszudehnen. Die Truppenstärke soll durch US-Kräfte der Operation Enduring Freedom auf 30000 Soldaten erhöht werden.

Die ISAF-Schutztruppe hat gegenüber der Zivilbevölkerung nur eingeschränkte Rechte. Sie darf bei kriminellen Akten innerhalb der Zivilbevölkerung nur den örtlichen Behörden als zusätzliche Hilfe zur Seite stehen. Grundlegend hat sie das Recht, sich bei Bedrohungen gegen Personal und Material zu verteidigen.

Der Auftrag lautet:

Unterstützung der vorläufigen Staatsorgane Afghanistans und ihrer Nachfolgeinstitutionen bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit, so dass sowohl die afghanischen Staatsorgane als auch das Personal der Vereinten Nationen (inkl. ISAF) und anderes Zivilpersonal (insb. solches, das dem Wiederaufbau und humanitären Aufgaben nachgeht) in einem sicheren Umfeld arbeiten können, und Sicherheitsunterstützung bei der Wahrnehmung anderer Aufgaben in Unterstützung des Bonner Abkommens.

Die ISAF-Truppe soll sich bei Aufgaben, die den Staatsorganen Afghanistans zukommen, bewusst im Hintergrund halten und soll versuchen, deeskalierend zu wirken. Fahrzeugkontrollen werden nur von afghanischen Polizeieinheiten vorgenommen. Bei Patrouillenfahrten deutscher Soldaten wird kein Helm getragen, da man nicht als militärische Besatzungsmacht auftreten möchte. Außerdem trugen die Soldaten der ersten beiden Kontingente der deutschen Schutztruppe Tarnanzüge im oliven Tarnschema, um nicht mit den Amerikanern verwechselt zu werden. Für Patrouillen wurden anfangs vornehmlich das geländegängige Fahrzeug Wolf anstelle des gepanzerten ATF Dingo gewählt.

Die rechtliche Situation der ISAF-Soldaten ist als relativ unsicher zu bezeichnen, da beim Einsatz von Schusswaffen, zur Abwehr von Gefahren für das eigene Leben oder das der Kameraden das Recht der beteiligten Nationen gilt. Ein Gebrauch der Schusswaffe deutscher Soldaten etwa wird von der deutschen Staatsanwaltschaft auf ihre Rechtmäßigkeit hin untersucht. Auch gelten besondere Richtlinien; so dürfen beispielsweise keine Waffen gegen Menschenmengen oder Kinder eingesetzt werden.

Es besteht eine Zusammenarbeit mit der Operation Enduring Freedom.[3]

Bearbeiten Mitglieder

Norwegische ISAF-Soldatin

Norwegische ISAF-Soldatin

Rumänische ISAF-Soldaten

Rumänische ISAF-Soldaten

Im Rahmen der ISAF nehmen zurzeit (April 2008) 40 Nationen (NATO-Staaten und Nicht-NATO-Staaten) mit rund 47.000 Soldaten teil:[4]

  • Albanien, Aserbaidschan, Australien
  • Belgien, Bulgarien
  • Dänemark, Deutschland
  • Estland
  • Finnland, Frankreich
  • Georgien, Griechenland
  • Irland, Island, Italien
  • Jordanien
  • Kanada, Kroatien
  • Lettland, Litauen, Luxemburg
  • Mazedonien
  • Neuseeland, Niederlande, Norwegen
  • Österreich
  • Polen, Portugal
  • Rumänien
  • Schweden, Singapur, Slowakei, Slowenien, Spanien
  • Tschechien, Türkei
  • Ukraine, Ungarn, USA
  • Vereinigtes Königreich

Bearbeiten 2001 bis heute

Am 22. Dezember 2001 nahm die ISAF unter britischem Oberkommando ihre Arbeit in Kabul auf; die erste Amtshandlung war die Bewachung der Amtseinführung der Übergangsregierung. Der eigentliche Stationierungsvertrag zwischen der Übergangsregierung und dem damals leitenden General der ISAF wurde allerdings erst am 4. Januar 2002 geschlossen.

Flagge auf deutschen ISAF-Fahrzeugen

Flagge auf deutschen ISAF-Fahrzeugen

Nach langer Diskussion wurde im Dezember 2003 der ISAF-Einsatz der Bundeswehr auf die Stadt Kunduz ausgedehnt.

Seit ca. 10. Juni 2004 wurden Diskussionen geführt, den Einsatz der Bundeswehr auf die Stadt und Provinz Feyzabad auszudehnen, personell bedeutete dies eine Aufstockung der Kontingente um ca. 150 Mann unter Teilnahme von niederländischen Einheiten.

Im September 2004 wurde in Feyzabad ebenfalls ein PRT (Provincial Reconstruction Team) aufgestellt. Im Januar 2005 erfolgte der Umzug aus der Neustadt von Feyzabad in das neue Feldlager „Camp Feyzabad“ am Flugfeld. Seit Januar 2005 beteiligt sich Dänemark mit 40 Soldaten und seit März 2005 die Tschechische Republik ebenfalls mit 40 Soldaten am PRT.

Nach einer Übergangsphase ist in Mazar-e-Sharif das Regional Command North (Anfangs als „Regional Area Command“ bezeichnet) stationiert, das diverse Aufbauteams koordiniert.

Bei einer Sondersitzung am 28. September 2005 beschlossen Bundestag und Kabinett mit großer Mehrheit die Ausweitung des Mandats, wodurch die Anzahl auf 3000 Soldatinnen und Soldaten erhöht sowie die Einsatzdauer um ein Jahr bis zum 13. Oktober 2006 verlängert wurde. Dadurch stellte die Bundesrepublik Deutschland bis Juli 2006 das größte Truppenkontingent der ISAF.

Camp Marmal in Masar-e-Sharif

Camp Marmal in Masar-e-Sharif

Mit der neuen Verteilung der Verantwortlichkeiten der PRTs begann die Bundeswehr ab Dezember 2005 damit, in Mazar-e-Sharif das neue Lager Camp Marmal einzurichten. Der Aufbau des Camps ist noch nicht abgeschlossen.

Am 22. März 2006 wurde in Kabul das Kommando über das deutsche Einsatzkontingent der ISAF in Afghanistan durch den Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalmajor Karlheinz Viereck, von Brigadegeneral Achim Lidsba an Brigadegeneral Christof Munzlinger übergeben.

Brigadegeneral Christof Munzlinger gab das Kommando über die deutschen Soldaten Anfang Juli 2006 bei einer feierlichen Zeremonie im nordafghanischen Masar-i-Scharif an Brigadegeneral Markus Kneip ab. Kneip befehligte seit dem 1. Juni die Internationale Schutztruppe ISAF in ganz Nordafghanistan. Ende Dezember erfolgte dann die feierliche Übergabe an seinen Nachfolger Brigadegeneral Volker Barth.

Der Sommer 2006 war gekennzeichnet durch eine Großoffensive der „Enduring Freedom“-Alliierten (Amerikaner und Briten) gegen mutmaßliche Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer im Süden Afghanistans. Mittlerweile wurden auch Bundeswehr-Soldaten im bisher eher ruhigen Norden regelmäßig angegriffen. Dabei wurde deutlich, dass die Angreifer nicht zwischen Soldaten der ISAF-Schutztruppe und der Anti-Terror-Operation Enduring Freedom unterscheiden. Durch verstärkte Selbstschutzmaßnahmen der ISAF-Kräfte wurden v.a. die Arbeit der ISAF-Wiederaufbau-Teams im Lande und der dazu notwendige Kontakt zur Bevölkerung massiv erschwert.

31. Juli 2006: Die ISAF übernahm das Kommando im Süden Afghanistans.

3. August 2006: Bei einem Selbstmordanschlag in Südafghanistan kamen mindestens 21 Menschen ums Leben und 13 weitere wurden verletzt. Das Innenministerium teilte mit, dass der Attentäter die Autobombe auf einem Markt in der Provinz Kandahar zündete. Zuvor war bei einem weiteren Bombenanschlag ein Soldat der Schutztruppe ISAF getötet worden. Seit der Kommandoübernahme im Süden hatten bereits vier ISAF-Soldaten ihr Leben verloren. [5]

Niederländische Panzerhaubitze 2000 beim Beschuss von Talibanstellungen, 16. Juni 2007.

Niederländische Panzerhaubitze 2000 beim Beschuss von Talibanstellungen, 16. Juni 2007.

Am 28. September 2006 stimmte der Bundestag einem Antrag der Bundesregierung auf Verlängerung um ein weiteres Jahr zu. Das Mandat ermöglicht deutschen Soldaten gleichfalls die Bewegung in Gesamt-Afghanistan, wenn dies für den Auftrag im Rahmen der ISAF-Operation notwendig ist.

Am 9. März 2007 stimmte der Deutsche Bundestag dem Antrag der Bundesregierung zu, sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado zur Unterstützung der Friedensmission in Afghanistan zu entsenden. Die Tornados sollen Luftbilder aus ganz Afghanistan für ISAF liefern.[6]

8. April 2007: sechs ISAF-Soldaten wurden bei einem Bombenangriff getötet.

28. April 2007: Knapp zwei Wochen nach Beginn der Aufklärungsflüge der sechs Bundeswehr-Tornados in Afghanistan knickte bei der Landung einer Maschine das Bugrad ein.[7]

19. Mai 2007: Bei einem Selbstmordanschlag auf einem belebten Markt in der nordafghanischen Stadt Kundus wurden drei deutsche Soldaten getötet, zwei weitere verwundet. Daneben gab es weitere zivile Opfer.

Oktober 2007 Operation Harekate Yolo: Unter deutschem Kommando und Beteiligung wird gemeinsam mit der afghanischen Armee, Norwegen und einigen anderen kleineren Kontingenten die erste große Operation zur Bekämpfung von Aufständischen im Norden Afghanistans unternommen.

Januar 2008: Die Nato fordert beim Bundesverteidigungsministerium einen deutschen Kampfverband für Nordafghanistan an, der ab Sommer 2008 die seit Anfang 2006 von Norwegen gestellten, rund 240 Soldaten einer schnellen Eingreiftruppe (Quick Reaction Force/QRF) ersetzen soll. [8] Teile der Panzerbrigade 21 werden diese Kräfte stellen. Die QRF soll aus ca. 205 Soldaten bestehen und mit geschützten Transportfahrzeugen Dingo 2 , Wolf und dem Schützenpanzer Marder 1A5 ausgerüstet werden.[9][10]

Bearbeiten ISAF-Feldlager

  • ISAF-HQ KABUL (Bw)
  • PRT, HQ RC(N) MAZAR-E-SHARIF (Bw)
  • PRT KUNDUZ (Bw)
  • PRT FEYZABAD (Bw)
  • PRT, HQ RC(S) KANDAHAR
  • PRT LASHKAR-GAH
  • PRT TARIN KOWT
  • PRT QALAT
  • PRT, HQ RC(W) HERAT
  • PRT FARAH
  • PRT QALA-E-NAW
  • PRT CHAGHCHARAN
  • PRT POL-E KHOMRI
  • PRT MEYMANA
  • PRT SHARANA
  • PRT KHOST
  • PRT METHER LAM
  • PRT BAMYAN
  • PRT PANJSHIR
  • PRT JALALABAD
  • PRT GHAZNI
  • PRT ASADABAD
  • PRT, HQ RC(E) BAGRAM
  • PRT NURISTAN
  • PRT WARDAK
  • PRT GARDEZ
  • PRT LOGAR

Bearbeiten Verluste (unvollständig)

Der Afghanistan-Einsatz hat bereits 26 deutschen Soldaten und 3 Polizisten das Leben gekostet; 14 davon kamen gewaltsam ums Leben, 11 bei Unfällen und 4 unter nicht endgültig geklärten Umständen.[11]

Im Rahmen von Operation Enduring Freedom und ISAF-Einsatz sind laut CNN bis zum 25. März 2008 insgesamt 774 Soldaten gestorben, darunter 484 US-Amerikaner, 4 Australier, 89 Briten, 81 Kanadier, 2 Tschechen, 2 Esten, 12 Dänen, 12 Franzosen, 22 Deutsche, 11 Italiener, 3 Norweger, 1 Finne, 3 Polen, 2 Portugiesen, 6 Rumänen, 23 Spanier, 1 Südkoreaner, 14 Niederländer und 2 Schweden.

  • Am 6. März 2002 kommt es bei der Vernichtung von SA-6-Luftabwehrraketen im Rahmen der Operation Fingal zu einer Explosion. Dabei sterben 2 deutsche und 3 dänische Soldaten, verwundet werden 5 deutsche und 3 dänische.
  • Am 21. Dezember 2002 sterben 7 Bundeswehrsoldaten beim Absturz eines Hubschraubers vom Typ Sikorsky-CH-53 in Kabul.
  • Am 29. Mai 2003 stirbt ein deutscher Soldat, als sein Geländewagen in der Nähe des deutschen ISAF-Camps in Kabul auf eine Mine fährt.
  • Am 7. Juni 2003 sterben 4 Angehörige der Bundeswehr bei einem Selbstmordanschlag in einem ISAF-Bus in Kabul.
  • Am 25. Juni 2005 sterben 2 deutsche Soldaten in Rustaq beim Beladen von Lastwagen mit abgegebener Munition und Waffen.
  • Am 10. August 2005 kommt ein deutscher Soldat südöstlich von Kabul bei einem Verkehrsunfall ums Leben.
  • Am 16. August 2005 sterben 17 spanische ISAF-Soldaten beim Absturz ihres Hubschraubers in der Nähe von Herat. Zuerst wurde ein Angriff nicht ausgeschlossen, nach Untersuchungen gilt der Absturz jedoch offiziell als Unfall.
  • Am 14. November 2005 stirbt in Kabul durch einen Selbstmordanschlag Oberstleutnant d.R. Armin Franz; er ist der erste gefallene Reservist der Bundeswehr bei der ISAF Truppe. Ein weiterer Soldat wurde schwerst, ein anderer schwer verletzt.
  • Am 2. September 2006 sterben 14 britische Soldaten beim Absturz eines Nimrod MR2 Aufklärungsflugzeuges in der Nähe von Kandahar. Das britische Verteidigungsministerium dementierte Behauptungen der Taliban, das Flugzeug abgeschossen zu haben, und sprach von einem Unfall.
  • Am 18. September 2006 sterben 4 Soldaten bei einem Selbstmordattentat im Süden Afghanistans. Nach inoffiziellen Angaben handelt es sich hierbei um Kanadier, welche Geschenke an Kinder verteilten.
  • Am 8. April 2007 sterben 6 kanadische Soldaten im Süden Afghanistans durch eine Bombe. Ein weiterer Soldat stirbt ebenfalls bei einem anderen Attentat.
  • Am 11. April 2007 sterben weitere 2 kanadische Soldaten durch eine Bombe, 3 weitere werden verletzt.
  • Am 19. Mai 2007 gegen 08:00 Uhr[12] sterben bei einem Selbstmordattentat in Kundus 3 deutsche Soldaten, 4[13] weitere werden verletzt.
  • Am 23. Mai 2007 wird bei einem Bombenanschlag ein finnischer Soldat getötet, 2 norwegische Soldaten werden verletzt.
  • Am 30. Mai 2007 sterben 1 Brite, 1 Kanadier und 5 US-Amerikaner beim Abschuss eines CH-47 Chinook in der afghanischen Provinz Helmand[14].

Bearbeiten Rechtgrundlagen

Resolution 1776 des UN-Sicherheitsrates
Resolution 1707 des UN-Sicherheitsrates
Resolution 1623 des UN-Sicherheitsrates
Resolution 1563 des UN-Sicherheitsrates
Resolution 1510 des UN-Sicherheitsrates
Resolution 1444 des UN-Sicherheitsrates
Resolution 1413 des UN-Sicherheitsrates
Resolution 1368 des UN-Sicherheitsrates

Bearbeiten Siehe auch

  • UN-Missionen
  • Krieg in Afghanistan
  • Angriffe auf Deutsche in Afghanistan
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