Wikipedia: Lidl

Dieser Artikel behandelt die deutsche Discounterkette Lidl. Zu anderen Bedeutungen siehe Lidl (Begriffsklärung).
Lidl Stiftung GmbH & Co. KG
Unternehmensform KG
Gründung 1930er-Jahre
Unternehmenssitz Neckarsulm
Unternehmensleitung

Wilfried Oskierski

Umsatz 30,6 Mrd. EUR (2006)[1]
Branche Lebensmitteleinzelhandel
Website www.lidl.de

Lidl ist eine deutsche Discount-Kette und Teil der Schwarz-Unternehmensgruppe mit Sitz in Neckarsulm.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmen

Beteiligungen

Beteiligungen

Außenansicht einer Lidl-Filiale

Außenansicht einer Lidl-Filiale

Lidl-Aktivitäten

Lidl-Aktivitäten

Geschichte

Die Anfänge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1930 zurück, als Josef Schwarz als Gesellschafter in die Südfrüchte Großhandlung Lidl & Co. in Heilbronn eintrat und somit die Lidl & Schwarz Lebensmittel-Sortiments-Großhandel entstand. Diese wurde 1944 zerstört, der Wiederaufbau gelang jedoch binnen zehn Jahren. 1972 zog das Unternehmen nach Neckarsulm um.

Nach seinem Einstieg in das Unternehmen eröffnete Josefs Sohn Dieter Schwarz 1973 seinen ersten Discountermarkt in Ludwigshafen. Da der Name der Familie als Firmenname ungeeignet war, kaufte er dem pensionierten Berufsschullehrer Ludwig Lidl für 1.000 DM die Namensrechte ab und sicherte sich so ebenfalls die Nutzung des Namens Lidl für seinen Supermarkt.[2] Als Josef Schwarz 1977 starb, verfügte sein Sohn über ein Netz von 30 Lidl-Filialen. Er verkaufte den väterlichen Großhandel an die Metro und gliederte seine Firmengruppe neu.

Später wurden die Aktivitäten in den Bereich der Discount-Lebensmittelmärkte unter dem Namen Lidl sowie in den Bereich der SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte wie Kaufland, KaufMarkt und Handelshof aufgeteilt.

Mit dem Rückzug aus der Unternehmensleitung im Jahr 1999 übertrug Dieter Schwarz seinen Anteil steuersparend auf die gemeinnützige Dieter-Schwarz-Stiftung GmbH, deren Zweck unter anderem die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur ist.

Klaus Gehrig ist als Nachfolger von Dieter Schwarz Aufsichtsratschef der Lidl-Stiftung. Seit Ende 2005 ist Wilfried Oskierski Vorsitzender des Vorstands von Lidl.[3]

Struktur

Lidl hat die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft (KG). Komplementärin ist die Lidl Stiftung GmbH, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Lidl Stiftung GmbH fungiert damit als so genannte unternehmensverbundene Stiftung.

Der Stiftung sind verschiedene Landes- und Servicegesellschaften unterstellt. Die Lidl Stiftung sowie die deutsche Geschäftsleitung haben ihren Firmensitz in räumlich voneinander getrennten Gebäuden in Neckarsulm.

In Deutschland betreibt Lidl 33 Lagergesellschaften, die wiederum ca. 2.700 [4] Filialen betreuen. In jeder Lagergesellschaft gibt es verschiedene Abteilungen, wie zum Beispiel Disposition oder Vertrieb. Der Bereich Vertrieb wird je nach Anzahl der von der Lagergesellschaft belieferten Filialen von einem bis drei Vertriebsleitern geführt. Den Vertriebsleitern unterstehen mehrere Verkaufsleiter, die je einen Verkaufsbezirk von fünf bis sieben Filialen und 70 bis 100 Mitarbeitern als Fach- und Disziplinarvorgesetzte leiten. In einer Lidl-Filiale gibt es einen Filialverantwortlichen, der für den Ausbildungsstand und die Einteilung des Filialpersonals sowie für die Warendisposition, Abrechnung und Erreichung der entsprechenden Filial-Kennzahlen verantwortlich ist. In Abwesenheit des Filialverantwortlichen wird die Filiale vom sogenannten stellvertretenden Filialverantwortlichen geleitet.

Eine internationale Expansion wird intensiv betrieben. Zur Finanzierung wurden Ende 2006 Immobilien im Wert von einer Milliarde Euro verkauft.[5] Mittlerweile ist Lidl mit ca. 7.200 Filialen in fast allen europäischen Ländern vertreten. In Frankreich ist Lidl z.B. mit 1.200 Filialen Marktführer im Discount-Segment.[6] Der Eintritt in den tschechischen Markt (2003) war von Affären um die Abholzung geschützter Bäume begleitet.[7] Die Expansion in die baltischen Märkte wurde 2006 aufgrund mangelnden Erfolges vorerst gestoppt.[8] Auch in Norwegen erreichte Lidl nur einen Marktanteil von 1,5% und stoppte vorerst die weitere Expansion.[9] Im März 2008 wurde bekannt, dass sich der Discounter von seinen 50 Märkten in Norwegen trennt und sie an die Reitan-Gruppe abgibt. Neben den Filialen werden auch Verwaltung und Distribution abgegeben.[10] In Kroatien wurden im Sommer 2006 die ersten Filialen eröffnet. Am 29. März 2007 eröffnete Lidl auch die ersten Filialen in Slowenien und begleitete den Markteintritt mit einer großen Werbekampagne im Fernsehen, in Printmedien und mit Plakaten.

Lidl gehört in Deutschland zu den größten Werbungstreibenden (Etat 2005 laut Nielsen 397 Mio. Euro).[11] Dabei verlässt sich das Unternehmen neben den klassischen Werbeformen wie Handzetteln und Zeitungen auch auf das Internet. Das Fernsehen wurde bisher nur für Azubi-Werbespots und im Jahr 2007 in Zusammenarbeit mit dem Pre-Paid-Anbieter Fonic genutzt.

Personal

Die Zahl der Beschäftigten liegt international bei ca. 80.000 Mitarbeitern. In den Jahren 2005 und 2006 hat Lidl mit öffentlich wirksam inszenierten Ausbildungskampagnen auf sich aufmerksam gemacht. Dabei sollten je 1.000 neue Auszubildende eingestellt werden. Lidl bietet unter anderem eine Ausbildung zu Kaufleuten im Einzelhandel, Bürokaufleuten, Fachlageristen oder Fachkräften für Lagerlogistik an.

Sortiment

Innenansicht einer Lidl-Filiale

Innenansicht einer Lidl-Filiale

Lebensmittel bilden das Kernsortiment des Discounters. Mit über 2000 Artikeln in deutschen Filialen ist Lidl in diesem Bereich untypisch breit aufgestellt. Konkurrent Aldi führt demgegenüber nur 700 Lebensmittel-Artikel.[12] Daneben bietet der Discounter wöchentlich wechselnde Aktionsartikel aus verschiedenen Non-Food-Bereichen, darunter etwa Haushalts- und Elektrowaren, Textilien oder Freizeitartikel. Seit einiger Zeit hat allerdings auch Lidl Probleme mit dem Abverkauf seiner Non-Food-Artikel. Da in den Filialen jede Woche Platz für neue Aktionsartikel geschaffen werden muss, wird nicht verkaufte Ware teilweise in eigens dafür angemieteten Lagern aufbewahrt. Der Wert der dort gelagerten Rückläufer soll angeblich mehr als 100 Mio. Euro betragen.[13]

Lidl ist außerdem mit verschiedenen Dienstleistungsportalen im Internet vertreten. Dies umfasst unter anderem einen Fotoservice, einen Blumenversand und seit Dezember 2006 auch ein Reiseportal. Ferner werden in den Filialen regelmäßig Sonderaktionen durchgeführt. 2005 hatte der Discounter gemeinsam mit der Deutschen Bahn das sogenannte Lidl-Ticket verkauft, mit dem zum Preis von 49,90 Euro zwei einfache Fahrten in der zweiten Klasse auf beliebigen innerdeutschen Strecken (auch Fernverkehr) möglich waren.[14]

Kritik

Arbeits- und Produktionsbedingungen

Gewerkschaften, insbesondere ver.di, werfen Lidl vor, die Bildung von Betriebsräten systematisch zu verhindern. Dies geschehe etwa durch die Androhung von Filialschließungen; die Schließung einer Filiale in Calw im Oktober 2005 wird in diesem Zusammenhang genannt; alle betroffenen Mitarbeiter wurden damals in anderen Filialen eingesetzt.

Außerdem würden die Arbeitszeiten in den Verträgen genau mit den Öffnungszeiten der Filiale abgestimmt − notwendige Vor- und Nacharbeiten würden folglich nicht bezahlt. Ver.di hatte 2004 ein Schwarzbuch über Lidl herausgegeben, das die angeblich menschenunwürdige Behandlung der Mitarbeiter dokumentiert. Ende Juli 2006 erschien auch das Schwarzbuch Lidl Europa.

2004 erhielt Lidl einen Big Brother Award in der Kategorie Arbeitswelt für den „nahezu sklavenhalterischen Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“.[15] Im August 2005 begann das globalisierungskritische Attac-Netzwerk mit einer Kampagne gegen die Arbeits- und Produktionsbedingungen des Discounters.[16]

Auch in Österreich wird Lidl vorgeworfen, durch Unregelmäßigkeiten der Stundenaufzeichnungen nicht alle geleisteten Stunden bezahlt zu haben.[17]

Freie Presse

Nachdem eine Redakteurin der Tageszeitung Badische Neueste Nachrichten 2005 kritisch über die Arbeitsbedingungen bei Lidl berichtet hatte, kündigte der Zeitungs-Verlag das Arbeitsverhältnis mit seiner Mitarbeiterin. Dieser Schritt wurde zunächst mit dem Tendenzgebot begründet. Tatsächlich hatte Lidl die Geschäftsführung des Verlags einbestellt und mit Hinweis auf die zweimal pro Woche geschalteten großflächigen Anzeigen Druck ausgeübt. Die Chefredaktion bestand stattdessen darauf, „aus freien Stücken“ in die Lidl-Zentrale nach Neckarsulm gefahren zu sein. Nach Recherchen des Südwestrundfunks zählt Lidl zu den größten Kunden der Zeitung. Pro Jahr wurden bis dahin angeblich Anzeigen im Wert von 1,4 Millionen Euro gebucht.[18] Die Redakteurin der Tageszeitung war unter der Überschrift Handarbeit bei bis zu 24 Grad minus auf das Schwarzbuch Lidl eingegangen. Darin wird Lidls Erfolg vor allem „mit den schlechten Arbeitsbedingungen“ begründet. Nach öffentlichem Druck wurde die Kündigung später rückgängig gemacht. Der Verleger kam damit auch einer öffentlichen Rüge des Presserats wegen Verstoßes gegen den Pressekodex zuvor.[19]

Greenpeace-Kooperation

Untersuchungen und Tests der Umwelt-Organisation Greenpeace zufolge soll von Lidl im Herbst 2005 verkauftes Obst und Gemüse stark pestizidbelastet gewesen sein und teilweise sogar gesetzliche Grenzwerte überschritten haben.[20] Das Unternehmen widersprach den Vorwürfen und verwies auf eigene Laboruntersuchungen. Im Februar 2007 ließ Greenpeace erneut Obst und Gemüse diverser Handelsketten auf Schadstoffrückstände untersuchen. In dieser Untersuchung schnitten Lidl und Aldi am besten ab.[21] Lidl hatte zu diesem Zeitpunkt bereits das Greenpeace-Magazin in sein Sortiment aufgenommen. Das Unternehmen bezog mehr als die Hälfte der Gesamtauflage der Zeitschrift. Tatsächlich verkauft wurden davon jedoch nur wenige: Bis zu 98 Prozent der Hefte mussten entsorgt werden. Dennoch hatte Lidl auf das sonst übliche Remissionsrecht verzichtet und für alle Hefte bezahlt. Unverkaufte Exemplare gingen damit nicht zurück an den Verlag. Nachdem es in der Öffentlichkeit Spekulationen über einen Zusammenhang zwischen dieser ungewöhnlichen Geschäftsbeziehung und dem guten Abschneiden des Unternehmens bei den Greenpeace-Gemüse-Tests gegeben hatte, wurde die Kooperation beendet.[22]

Überwachung eigener Mitarbeiter

Kritik an den Überwachungsmaßnahmen vor einer verbarrikadierten und polizeigeschützten Filiale am ersten Mai in Kreuzberg

Kritik an den Überwachungsmaßnahmen vor einer verbarrikadierten und polizeigeschützten Filiale am ersten Mai in Kreuzberg

Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Stern hatte Lidl seine eigenen Beschäftigten über mehrere Jahre in zahlreichen Filialen systematisch überwachen lassen. In internen Protokollen wurde dokumentiert, „wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat, wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur ‚introvertiert und naiv wirkt‘“. Bei der Überwachung wurden auch vereinzelt Kunden bei der Eingabe ihrer PIN gefilmt. Die Mehrzahl der Überwachungsberichte stammen aus Filialen in Niedersachsen, einzelne kommen aus Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein. Die Überwachung erfolgte mit Miniaturkameras, die von Detektiven in den Filialen montiert wurden.[23] Nachdem die heimliche Überwachung bekannt geworden war, gab das Unternehmen die Vorwürfe zu, beendete die Zusammenarbeit mit Detekteien und entschuldigte sich bei den betroffenen Mitarbeitern.[24] Die Geschäftsführung bestritt jedoch, Überwachungs-Aufträge erteilt zu haben. „Offensichtlich übereifrige Detektive“ hätten das Unternehmen über ihren Auftrag hinaus mit Informationen versorgt, die so nicht gewollt waren.[25] Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, bewertete das Protokollieren von Toilettenbesuchen und ähnlichem als einen schweren Verstoß gegen den Datenschutz.[26] Am 4. April 2008 gibt die Lidl-Geschäftsführung bekannt, in allen Lidl-Filialen in Deutschland die Kameraüberwachung abzubauen. [27] Nachdem die negative Berichterstattung bei Lidl immer mehr zugenommen hatte, haben sich am 15. April 2008 knapp 500 Lidl-Mitarbeiter aus dem ganzen süddeutschen Raum auf dem Stephanplatz in Karlsruhe versammelt, um ihre Verbundenheit mit ihrem Arbeitgeber auszudrücken. [28] Weitere Kundgebungen sind in anderen deutschen Städten geplant. Mittlerweile gibt es auch eine eigene Homepage von Lidl-Mitarbeitern mit weiteren Informationen [29].

Einzelnachweise

  1. WirtschaftsWoche Nr.10 vom 5. März 2007 S.56
  2. [1] Markenlexikon.com
  3. Chaos-Kommando (3) manager-magazin.de, 13. März 2007.
  4. FTD.de – Handel + Dienstleister – Nachrichten – Schwarz-Gruppe wächst zweistellig
  5. Immobilienverkauf: Lidl füllt Kriegskasse – manager-magazin.de
  6. Unternehmensporträt der Lebensmittelzeitung
  7. http://zpravodajstvi.ecn.cz/index.stm?apc=zm1950783gx1– Stromy by v Lidlu nenakupovaly – econnect. cz
  8. Meldung Lebensmittelzeitung zum Expansionsstopp
  9. Radio Osno
  10. http://www.lz-net.de/news/topnews/pages/inhalt.prl#63708
  11. Werbeaufwendungen 2005, WUV
  12. Anzahl der Artikel bei Aldi
  13. Chaos-Kommando (6) manager-magazin.de, 13. März 2007.
  14. Bericht der Lebensmittelzeitung zum Lidl-Bahnticket
  15. Begründung der Jury des Big-Brother-Awards
  16. Website zur Attac-Lidl-Kampagne (abgerufen am 3. Mai 2008)
  17. Lidl auch in Österreich unter Druck (Der Standard)
  18. Beidseitig einsichtig taz.de, 11. November 2005.
  19. Der Pressekodex gilt auch für Verleger heise online, 10. Oktober 2005.
  20. Greenpeace zur Pestizidbelastung
  21. http://www.businessportal24.com/de/Supermaerkte_Pestizid_Vergleich_Neuer_Greenpeace_119528.html www.businessportal24.com
  22. Geschäftsbeziehung mit Lidl: „Das passt nicht zu Greenpeace“ stern.de, 20. Juni 2007.
  23. Lidl gibt Bespitzelung zu stern.de, 25. März 2008.
  24. Lidl entschuldigt sich stern.de, 26. März 2008.
  25. Lidl drückt sich um Schuldfrage stern.de, 27. März 2008.
  26. Lidl zieht erste Konsequenzen tagesschau.de, 26. März 2008.
  27. Lidl baut die Kameras ab sueddeutsche.de, 4. April 2008.
  28. Kundgebung in Karlsruhe ka-news.de, 15. April 2008.
  29. Homepage von Lidl-Mitarbeitern
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