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May 7, 2008

Wikipedia: Österreichischer Rundfunk

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Dieser Artikel behandelt den Österreichischen Rundfunk; zu anderen Bedeutungen dieses Begriffes siehe ORF (Begriffsklärung)
Senderlogo

bzw.

Allgemeine Informationen
Empfang: Kabel, DVB-S, DVB-C, DVB-T, IPTV, Internetfernsehen
Länder: Österreich und Südtirol
Sendeanstalt: ORF
Intendant: Alexander Wrabetz
Sendebeginn: 1. August 1955
Rechtsform: Öffentlich-rechtlich
Programmtyp: Vollprogramm
Liste der Fernsehsender

Der Österreichische Rundfunk (ORF) ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Er ist der größte Medienanbieter Österreichs und hat seinen Hauptsitz in Wien. Daneben betreibt der ORF in jedem der neun Bundesländer ein Landesstudio sowie seit 1975 ein weiteres Studio in Bozen (Südtirol). Der ORF produziert drei Fernsehprogramme, sowie drei bundesweite und neun regionale Radioprogramme. Außerdem ist er Genossenschafter der Austria Presse Agentur (APA).

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Geschichte und rechtliche Grundlagen

Hauptartikel: Geschichte des Fernsehens in Österreich

Die Geschichte des ORF geht auf die Radio Verkehrs AG (RAVAG) zurück, die am 30. September 1924 gegründet wurde. 1938 wurde sie liquidiert und der deutschen Reichsrundfunkgesellschaft (ab 1939 Großdeutscher Rundfunk) als Reichssender Wien unterstellt. Nach Kriegsende 1945 wurden in jeder Besatzungszone eigene Programme gesendet. 1955 wurden diese als Österreichisches Rundspruchwesen vereinigt, 1958 entstand die Österreichischer Rundfunk Ges. m. b. H.

Grundlage für die Gründung des ORF in seiner heutigen Form war das erste österreichische Volksbegehren im Jahr 1964, das auf eine Reform des Rundfunkwesens abzielte. In Folge wurde 1966 das Rundfunkgesetz beschlossen, das am 1. Januar 1967 in Kraft trat. Im Jahre 1974 wurde mit dem Rundfunkgesetz 1974 der ORF in eine Anstalt öffentlichen Rechts überführt. Die letzte große Reform erfolgte im Jahr 2001 durch die ORF-Gesetz-Novelle, BGBl. I Nr. 83/2001, mit welcher der ORF in eine Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt wurde. Begünstigter der Stiftung ist die Allgemeinheit.

Das ORF-Gesetz sieht im Rahmen des Versorgunsgauftrages unter anderem einen Bildungsauftrag vor. Der ORF finanziert sich als öffentlich-rechtlicher Sender zum Teil über das Programmentgelt (§ 31 ORF-G), welches gemeinsam mit der Rundfunkgebühr, dem Kunstförderungsbeitrag und den allenfalls bestehenden Landesabgaben eingehoben wird. Die Höhe der gesamten Rundfunkgebühren im weiteren Sinn, von denen der ORF rund zwei Drittel erhält, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, weil seitens der Länder verschieden hohe Abgaben mit eingehoben werden. Zusammen mit diesen betragen die Gebühren inklusive Programmentgelt zwischen 17,18 Euro (Oberösterreich und Vorarlberg) und 21,88 Euro (Kärnten und Steiermark) im Monat (Stand Juni 2006). Die Gebühren werden vom ORF-Tochterunternehmen Gebühren Info Service (GIS) eingehoben.

Weiters sieht das Bundesgesetz über den Österreichischen Rundfunk in § 3 Abs. 1 vor, dass möglichst alle Menschen in Österreich mit drei Radio- und zwei Fernsehprogrammen versorgt werden sollen, dass also ein möglichst flächendeckender Empfang zu gewährleisten ist.

1989 wurde mit dem Österreichischen Filminstitut das Film-/Fernseh-Abkommen zur Förderung von Spielfilmen beschlossen.

1993 wurde das Radiomonopol des ORF durch das Regionalradiogesetz aufgehoben. Nach legistisch-juristischen Startschwierigkeiten im Privatfunksektor müssen sich die Rundfunkprogramme des ORF seit 1998 österreichweit gegen kommerzielle Konkurrenz behaupten. Der ORF ist aber weiterhin in mehrfacher Hinsicht gegenüber der privaten Konkurrenz begünstigt, insbesondere was die Frequenzzuteilung betrifft. Auch hat die im ORF-Fernsehen ausgestrahlte Werbung für Ö3 des Öfteren für Kritik gesorgt, da den privaten Radiosendern derartige Werbemaßnahmen aus Kostengründen weitgehend verwehrt sind. Seit Inkrafttreten des neuen ORF-Gesetzes am 1. Jänner 2002 ist dem ORF das Bewerben seiner Radioprogramme im Fernsehen und umgekehrt (sogenannte „cross promotion“) nicht mehr erlaubt. Zulässig sind lediglich neutral gehaltene Sendungshinweise.

1997 wurden in Wien ein Radiomuseum und das Radiokulturhaus eröffnet.

Das heutige Logo, welches zwei rote Augen, ein rundes elektronisches und ein ovales menschliches Auge darstellt, wurde von Erich Sokol entworfen.

Der ORF beteiligt sich immer wieder an humanitären Aktionen. Die größten dieser Aktionen sind Licht ins Dunkel und Nachbar in Not.

Das Online-Angebot des ORF mit dem Namen ORF-On gehört zu den meist besuchten Internetseiten Österreichs.

2007 überarbeitete der ORF das Programm komplett neu und versuchte so, wieder mit den sehr beliebten deutschen Privatsendern mithalten zu können. → Programmreform

Bearbeiten Sparten

Bearbeiten Fernsehen

Bearbeiten Programme

Der ORF produziert folgende Fernsehprogramme:

  • ORF 1
  • ORF 2
  • ORF SPORT PLUS
  • TW1
  • Seit Oktober 2005 ist der ORF nach der vollständigen Übernahme des Tourismus- und Sportsenders TW1 im Besitz eines dritten Fernsehsenders.
  • Gemeinsam mit ARD, ZDF und SRG SSR idée suisse ist der ORF auch am Kulturkanal 3sat beteiligt und seit 2002 kooperiert er mit ARTE.
  • Im Sender BR-alpha, der vom Bayerischen Rundfunk betrieben wird, hat er ein Programmfenster.
  • Außerdem plant der ORF, einen eigenen Kinderkanal zu starten, in Kooperation mit dem deutschen KIKA.[1]
  • Seit 26. Oktober 2006 sind in ganz Österreich ORF 1, ORF 2, ATV, seit 22. Oktober 2007 in den Ballungsräumen ORF SPORT PLUS (exkl. TW1), 3sat und Puls 4 (früher Puls TV) über die neue DVB-T-Box empfangbar.

Bearbeiten Werbung

ORF 1 und ORF 2 haben einen höheren Werbeanteil als etwa die deutschen öffentlich-rechtlichen Programme Das Erste und ZDF. Ursprünglich gab es ein Werbeverbot nach 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen, wie in Deutschland. Diese Werbebeschränkung wurde Ende der 1990er Jahre außer Kraft gesetzt, um den ORF wettbewerbsfähig gegenüber den neu entstehenden privaten Rundfunk- und Fernsehanbietern zu machen. Bis Ende der 1990er Jahre bekamen private Radio- und Fernsehanbieter in Österreich keine Sendelizenz. Damit war der ORF in Europa eine der Rundfunkanstalten, die am längsten von einer staatlich garantierten Monopolstellung profitieren konnte.

Werbung wird zwischen zwei Sendungen gezeigt, jedoch darf grundsätzlich keine Sendung mit einer Werbepause unterbrochen werden. Von dieser Regelung ausgenommen sind Sendungen, die in ihrer Dramaturgie eine Unterbrechung haben, etwa Fußballspiele und andere Sportübertragungen. Diese Regelung wird vom ORF jedoch sehr großzügig interpretiert und ausgenutzt. So ging die Anstalt in den letzten Jahren dazu über, eigenproduzierte Hauptabend-Shows wie Dancing Stars oder Starmania in mehrere Teile zu trennen und diese als eigenständige Sendungen zu bezeichnen, um dazwischen Werbung spielen zu dürfen.

Überwacht wird die Einhaltung der Werbezeiten und -Bestimmungen durch die Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria), die dem Bundeskanzleramt unterstellt ist. Die KommAustria kann bei begründetem Verdacht einer Verletzung der Werbebestimmungen diese beim Bundeskommunikationssenat, dem die Rechtsaufsicht über den ORF obliegt, anzeigen.

Besonders hoch ist der Werbeanteil in der Zeit zwischen 19:00 und 20:15 Uhr. Problematisch wurde die Situation vor allem auf ORF2, da seit der Programmreform im April 2007 auch der Sport nicht mehr auf ORF1 sondern auch auf ORF2 gesendet wird. Dadurch wurde vor allem das Wetter, jedoch auch der Sport und die Seitenblicke gekürzt, um wieder auf die Werbezeiten vor der Umstellung zu kommen. Dadurch ergibt sich in der Zeit zwischen 19:45 bis 20:15 Uhr eine Werbezeit von gut 15 Minuten (inkl. Eigenwerbung und Programmhinweise).

Der ORF finanziert sich zu rund 37 Prozent aus Werbung, 56 Prozent der Einnahmen kommen von den Rundfunkgebühren. In den vergangenen Jahren musste der ORF einen massiven Rückgang der Werbegelder hinnehmen, die zu einem erheblichen Teil in die Österreichfenster deutscher Privatsender flossen. Diese begannen wiederum mit der Produktion und Ausstrahlung von österreichspezifischen Formaten, beispielsweise eigene Newsmagazine und Boulevardsendungen auf ProSieben Austria und in Sat.1 Österreich. Dies führte zur Belebung der österreichischen Werbe- und Filmindustrie, welche in jahrzehntelanger Abhängigkeit des ORF koexistierten. Der vorläufig letzte wichtige Punkt in der Entwicklung des Marktsegments Fernsehwerbung in Österreich wurde durch den Sendestart des privaten Konkurrenten ATV gesetzt.

Bearbeiten Technik und Empfang

ORF-Zentrum am Küniglberg in Wien (erbaut 1968-1975 von Roland Rainer) Hier werden hauptsächlich Fernseh-Programme ausgestrahlt.

ORF-Zentrum am Küniglberg in Wien (erbaut 1968-1975 von Roland Rainer) Hier werden hauptsächlich Fernseh-Programme ausgestrahlt.

Anfangs gab es nur ein Fernsehprogramm. Die erste Fernsehsendung wurde am 1. August 1955 ausgestrahlt. Seit 1954 gab es schon Versuchssendungen. Die Besatzungsmächte verhinderten aber einen regulären Betrieb, durch Zukaufverbot, beispielsweise von Kameras. So wurden die ersten drei Kameras aus verschiedenen anderen Teilen provisorisch im eigenen Haus gebaut. Von den Politikern wurde anfangs dem Fernsehen keine große Zukunft prophezeit. Das sieht man beispielsweise an der Proporzbesetzung der Intendanten. So reklamierte Bundeskanzler Julius Raab den der ÖVP angehörenden Intendanten für den Hörfunk, während er den Fernsehintendanten der SPÖ überließ.

Nach Start des ersten Fernsehkanals kam das Technische Versuchsprogramm stundenweise dazu, bis endlich zuerst als FS1 und FS2, später als ORF 1 und ORF 2 rund um die Uhr Programme ausgestrahlt wurden. Seit 1969 sendet der ORF seine Programme in Farbe nach dem PAL-System. Die erste in Farbe ausgestrahlte Sendung war das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker am 1. Jänner 1969.

16:9-Material in beiden landesweiten Fernsehprogrammen wurden einige Jahre analog auch in PALplus verbreitet. Nachdem die Zuführung zu den Sendestationen auf digital umgestellt wurde, sendete man nur mehr in PAL. Über DVB-T und DVB-S wird das Programm jedoch auch in 16:9 anamorph angeboten.

Örtlich war das ORF-Fernsehen im 12. Wiener Gemeindebezirk Meidling in einer ehemaligen Schule untergebracht. Einige Sendungen wurden aus dem Atelier Ronacher übertragen. Anschließend wurde auch aus dem leerstehenden Affenhaus des Tiergarten Schönbrunn gesendet, bis das heutige Haus am Küniglberg gebaut wurde, wo ursprünglich als Erweiterung der 1938 errichteten Flak-Kaserne Küniglberg eine Radaranlage geplant war.

Bis 2000 wurde Fernsehen ausschließlich terrestrisch und analog ausgestrahlt. Der ORF überträgt terrestrisch seine Radio- und TV-Programme mit 1.792 Sendegeräten an 477 Standorten. Seit 31. August 2000 sendet der ORF auch digital über den Satelliten ASTRA 1H (DVB, DVB-S)[2]. Zum Empfang des verschlüsselten Signals ist eine Karte erforderlich, die nur an österreichische Gebührenzahler abgegeben wird (Astra-Zuseher in Südtirol wenden sich an die Rundfunkanstalt Südtirol (RAS)). Das Verschlüsselungssystem Betacrypt wird im Lauf des Frühjahrs 2008 aufgegeben. Künftig wird ORF nur über Cryptoworks und Nagravision zu empfangen sein.

Seit 26. Oktober 2006 werden die Programme ORF 1 und ORF 2 (zusammen mit ATV) in den Landeshauptstädten Österreichs auch mittels DVB-T ausgestrahlt. Seit 5. März 2007 werden laufend analoge Großsender und ausgewählte Umsetzer auf digital umgestellt. Die Anschaffung von zertifizierten DVB-T-Tunern mit MHP wird finanziell gefördert. Seit dem Start der zweiten DVB-T-Bedeckung im Herbst 2007 ist auch ORF Sport Plus in den Landeshauptstädten zu empfangen. Bis auf wenige Ausnahmen werden Umsetzer aber nach wie vor analog betrieben, auch wenn in diesen Gegenden DVB-T bereits möglich ist.

Verbreitungswege Stand April 2008[3]
Rundfunkhaushalte in Österreich gesamt 3.440.000
Sat-Empfang digital (Cryptoworks) 1.460.000
Kabelfernsehen analog 1.250.000
ORF terrestrisch in DVB-T oder PAL (in Verbindung mit Astra-Empfang – analog) 440.000
ORF terrestrisch in PAL (ausschließlich ORF-Empfang) 270.000
Kabelfernsehen digital 170.000 [4]
DVB-T 150.000 [5]
IPTV & Webfernsehen 40.000 [6]

Für DAB gibt es in Wien und Tirol einen Versuchsbetrieb, um die Möglichkeiten von digitalem Radio zu testen.

Der Betrieb der Sendeanlagen erfolgt durch die am 1. Jänner 2005 gegründete Tochterfirma ORS Österreichische Rundfunksender GmbH. Der ORF hält an diesem Unternehmen 60 Prozent der Anteile, 40 Prozent hält die Raiffeisen-Tochter Medicur.

ORF 1 und ORF 2 sind nur in Österreich, Südtirol und grenznahen Gebieten (z. B. Bayern) oder in der ganzen Deutsch-Schweiz via Kabel zu empfangen, da sie nur terrestrisch und über Kabel unverschlüsselt ausgestrahlt wird. Über Satellit werden sie verschlüsselt ausgestrahlt[2]. Das gilt auch für die Lokalsendungen (z. B. Bundesland heute) mit Ausnahme von Wien heute, das auf ORF 2 Europe läuft.

ORF 2 wird als ORF 2 Europe täglich von 6 Uhr bis 00:20 Uhr, mit Ausnahme von Sendungen, für die keine europaweiten Senderechte vorhanden sind, unverschlüsselt über Astra ausgestrahlt. Als Regionalprogramm wird ORF2W unverschlüsselt ausgestrahlt.

ORF Sport Plus wird in Time sharing mit TW1 über Astra (unverschlüsselt über DVB-S) ausgestrahlt. Eine Ausstrahlung über DVB-T erfolgt jedoch von den Großsendeanlagen nahe der Landeshauptstädte. Daneben ist es über Kabel zu empfangen (auch in einigen Nachbarländern).

Bearbeiten ORF in HDTV

Am 23. Jänner 2008 erfolgte erstmals eine ORF HDTV Live Übertragung “The Nightrace” aus Schladming. Ein HDTV Empfang wurde dazu in Event Form in den ORF Landesstudios öffentlich präsentiert. Technikpartner war die Telekom Austria.[7]

Die kommende Fußball-EM will der ORF nutzen, sein erstes Programm teilweise auch in HDTV auszustrahlen. Genutzt werden soll jedoch ein Transponder im Low-Band des Satelliten Astra. [8]

Bearbeiten On Screen Design (corner graphic)

Der ORF hat sein On-Screen-Design einem „Update“ unterzogen: Um ein Einbrennen des Cornerlogos in Plasmabildschirmen zu vermeiden, ist die Sender-Kennung – im Bild rechts oben – nun nicht mehr grün für ORF 1 beziehungsweise rot für ORF 2 gefärbt, sondern einheitlich grau. Auch der Trailer von ORF 2 wurde geringfügig abgeändert; anstatt des roten Würfels mit gold-gelbem Zweier ist jetzt ein „abgeschlankter“ Kubus mit weißer Ziffer im Programmtrailer zu sehen. Außerdem soll der sogenannte „Ziegel“, das Anfang der Neunziger von Neville Brody entworfene aktuelle ORF-Logo, als Dachmarke verstärkt im Mittelpunkt stehen.

Weiterhin kennzeichnet der ORF bestimmte Sendungen zum Schutz Jugendlicher:

  • Mit einem „X“ links neben dem ORF-Logo (nicht für Kinder).
  • Mit einem „O“ links neben dem ORF-Logo (nur für Erwachsene).[9]

Das musikalische Design (Sound Identity) von ORF 1 wurde von dem Komponisten Hannes Bertolini gestaltet, für die Sound Identity von ORF 2 zeichnet der Komponist Thomas Rabitsch verantwortlich.

Bearbeiten Programmreform 2007

Der seit 2007 amtierende ORF-Chef Alexander Wrabetz leitete 100 Tage nach seinem Amtseintritt eine Reform des ORFs ein. Am 10. April 2007 ging die laut ORF „größte Programmreform aller Zeiten“ auf Sendung. Hauptaugenmerk der Reform war der Vorabend in beiden Sendern, um einem immer stärkeren Seherschwund, vor allem in der Zielgruppe der unter 49-jährigen entgegenzuwirken. Speziell diese Gruppe zog es in den vergangenen Jahren immer mehr zu deutschen Privatsendern, womit ein Sinken der ORF Marktanteile verbunden war, zuletzt sogar bis nur noch rund 40 Prozent. Ein weiteres Ziel war die Betonung des „öffentlich-rechtlichen Mehrwertes“, nicht zuletzt da die EU von verschiedenen staatlichen Fernsehanstalten eine Erklärung über ihren Auftrag sowie eine Überprüfung ihrer Subventionen und Vorrechten veranlasst hat. Erreicht werden soll dies durch die Ausstrahlung von hochwertigen nationalen und internationalen Dokumentarfilmen, erweiterte Kultur- und Diskussionsforen sowie eine Diskussionssendung mit open end (Wiedereinführung von „Club 2“). Einer der umstrittensten Reformpunkte war die Abschaffung der Durchschaltung Zeit im Bild um 19:30 Uhr, welche seither nur mehr in ORF 2 gezeigt wird, und die Einführung der ersten österreichischen Daily Soap zur selben Zeit in ORF 1.

Neue Sendungen im ORF 1:

täglich unter der Woche:

  • wie bitte? (per 8. Jänner 2008 umgestellt auf ein wöchentliches Gesellschaftsmagazin, jeweils um 23.45 Uhr in ORF 1)
  • Szene (eingestellt)
  • ZIB 20/24
  • Mitten im 8en (eingestellt per 29. Juni 2007)

am Wochenende:

  • Vera exklusiv (Seit 9. Dezember in ORF 2)

Neue Sendungen im ORF 2:

  • Heute in Österreich
  • Konkret – Das Service-Magazin
  • Tier zu Liebe
  • Frühlingszeit/Sommerzeit/Herbstzeit/Winterzeit

Weiters wurden die (aus den USA eingekauften) Nachmittagsserien auf frühere Sendeplätze gelegt und der tägliche Kurzsport von ORF 1 auf ORF 2 verschoben. Am Auffälligsten dürfte das Redesign der Zeit im Bild sein: Wiedereinführung der Doppelmoderation und ein neues Studio. Als neues Präsentationsmedium dient eine Videowall aus 40 Einzelbildschirmen, auf denen ein Moderator Diagramme und Statistiken präsentieren und Live-Schaltungen abhalten kann. In den unmittelbaren Wochen nach dem Start der Reform sanken die Quoten und Marktanteile deutlich unter die Werte des ersten Tages, teilweise sogar unter die Werte des Vorjahres. Im April 2007 konnte der ORF gesamt nicht einmal mehr 40 Prozent Marktanteil behaupten. Werbefirmen klagen bereits über die niedrigen Reichweiten, vor allem da im Vorfeld die Preise wegen erwarteter Quotensteigerungen erhöht worden waren. Mitten im 8en wurde Ende Juni aufgrund der katastrophalen Quoten nach anfänglichen Durchhalteparolen abgesetzt.

Für 2008 ist die Einführung neuer Serien und Formate angekündigt, da der Haushaltsplan wegen Verlusten nicht einzuhalten ist. Bis zur Produktion eines Ersatzes von Mitten im 8en wird es größtenteils US-amerikanische und deutsche Serien zu sehen geben.[10]

Bearbeiten ORF-Sendungen

siehe: Liste der ORF-Sendungen

Bearbeiten Hörfunk

Funkhaus in der Argentinierstraße in Wien. Von hier werden hauptsächlich Radioprogramme ausgestrahlt.

Funkhaus in der Argentinierstraße in Wien. Von hier werden hauptsächlich Radioprogramme ausgestrahlt.

Der ORF produziert folgende Radioprogramme:

  • Ö1 ist ein werbefreier Kultursender mit aufwändig produzierten Nachrichtenjournalen.
  • Ö2 besteht aus neun Regionalprogrammen für die einzelnen Bundesländer:
    • Radio Wien
    • Radio Niederösterreich
    • Radio Oberösterreich
    • Radio Burgenland
    • Radio Salzburg
    • Radio Steiermark
    • Radio Tirol (auch in Südtirol ausgestrahlt)
    • Radio Vorarlberg
    • Radio Kärnten
In den 1990er Jahren sind die ORF-Regionalradios zu Formatradios umgewandelt worden mit Schwerpunkt auf Volks- und volkstümlicher Musik, Schlager, Oldies und Superhits. Ihr Zielpublikum sind die über 35-jährigen, wo sie klare Marktführer sind.
  • Hitradio Ö3 ist ein Contemporary Hit Radio (CHR) mit Schwerpunkt auf aktueller Popmusik in sehr enger Rotation. Ö3 ist das erfolgreichste österreichische Radioprogramm mit täglich etwa drei Millionen Hörern. Die meist gehörte Sendung ist der „Ö3-Wecker“ täglich von 5-9 Uhr, am Samstag von 6-10 Uhr.
  • FM4 ist auf alternative Popmusik, Trends und Szene-Berichte spezialisiert. Das tägliche Programm von 1:00 Uhr bis 14 Uhr wird auf Englisch ausgestrahlt; Nachrichten werden wechselnd auf Englisch, Deutsch und Französisch gesendet – hier finden sich Reste des international orientierten Senders Blue Danube Radio, der ursprünglich auf dieser Frequenz sendete und in den 90er Jahren schrittweise eingestellt beziehungsweise von FM4 abgelöst wurde. Aufgrund der ungewöhnlichen Musikauswahl und fehlender entsprechender Angebote deutscher Radiosender ist FM4 auch in Süddeutschland beliebt.
  • Radio 1476 ist ein spezielles Programm des ORF für Wien, das auf Mittelwelle auf der Frequenz 1476 kHz vom Standort Bisamberg bei Wien mit einer Sendeleistung von 60 kW ausgestrahlt wird.

Daneben sendete Radio Österreich International auf Kurzwelle, über Satellit und im Internet weltweit. Aus Kostengründen wurde am 1. Juli 2003 das eigenständige Programm von Radio Österreich International durch das Programm von Ö1 ersetzt und der Sender in Radio Österreich 1 International umbenannt.

Bearbeiten Internet

Auch auf dem Gebiet der Neuen Medien ist der ORF stark vertreten. Neben Community-Portalen für die Radios Ö1, Ö3, und FM4 besteht das Internet-Angebot vor allem aus dem Nachrichtenportal orf.at, das schon seit Ende der 90er Jahre seine Stellung als meistbesuchte Nachrichtenwebsite Österreichs innehat. Die Site wird seit 1997 von der ORF-eigenen Tochterfirma ORF Online und Teletext GmbH produziert. Eines der ersten Onlineangebote des ORF war das ORF-Religionsportal das heute unter der Internetadresse religion.ORF.at abrufbar ist.

Abgesehen von den Nachrichtenmeldungen ist jedoch das Internetangebot des ORF mit dem ausländischer Rundfunkanstalten nicht vergleichbar – Informationen zu Sendungen, Videos, Archive, technische Informationen usw. gibt es wenn überhaupt nur in eingeschränktem Umfang.

Das Projekt mit der meisten Medienkonvergenz ist das Ö1-Inforadio. Das Radioprogramm, welches ausschließlich über Internet-Stream konsumiert werden kann, sendet 24 Stunden täglich Nachrichten, Hintergründe, Analysen und Informationen aus Politik, Kultur, Zeitgeschichte, sowie Berichte aus dem In- und Ausland. E-Musik wird nicht gesendet, so dass es sich im Gegensatz zu Ö1 um ein Voll-Wortprogramm handelt.

Bearbeiten Mitarbeiter

Bearbeiten Aktuelles Führungsteam

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bei einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach (2005)

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bei einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach (2005)

Der Generaldirektor wird von Stiftungsrat für fünf Jahre gewählt und ist Alleingeschäftsführer des Gesamtunternehmens. Seit 1. Jänner 2007 ist Alexander Wrabetz Generaldirektor. Jedes ORF-Landesstudio wird von einem Landesdirektor geleitet.

Aktuelle Direktoren (Führungsteam Wrabetz I, Stand Jänner 2007)

  • Wolfgang Lorenz (62) Programmdirektor
  • Elmar Oberhauser (60) Infodirektor
  • Willy Mitsche (55) Radiodirektor
  • Sissy Mayerhoffer (51) Kaufmännische Direktorin
  • Thomas Prantner (42) Onlinedirektor
  • Peter Moosmann (56) Technikdirektor

Aktuelle Leitung 2. Ebene (Wrabetz I, Stand und Altersangaben Jänner 2007)

  • Pius Strobl (50) Leitung Kommunikation und Marketing
  • Karl Amon (62) TV-Chefredakteur
  • Bettina Roither-Epp Radio-Chefredakteur
  • Martin Traxl (42) Kulturchef
  • Hans Huber (62) Hauptabteilungsleiter ORF Sport
  • Karl Pachner (45) Leitung ORF-On (Geschäftsführung ORF Online & Teletext GmbH) (ab April 2007, bis dahin weiterhin Franz Manola )
  • Werner Mück Geschäftsführung TW1
  • Johannes Fischer Chefredakteur ORF-Magazine

Bearbeiten Intendanten

Frühere Generalintendanten und Generaldirektoren (so lautet die Bezeichnung des ORF-Chefs seit der ORF-Reform im Jahr 2001) und seiner Vorgänger:

  • 1924-1938: Oskar Czeija
  • 1960-1967: Josef Scheidl
  • 1967-1974: Gerd Bacher
  • 1974-1978: Otto Oberhammer
  • 1978-1986: Gerd Bacher
  • 1986-1990: Thaddäus Podgorski
  • 1990-1994: Gerd Bacher
  • 1994-1998: Gerhard Zeiler
  • 1998-2001: Gerhard Weis
  • 2002-2006: Monika Lindner
  • seit 2007: Alexander Wrabetz

Von 1967 bis 1974 war der spätere Wiener Bürgermeister Helmut Zilk Fernseh-Programmdirektor des ORF.

Bearbeiten Moderatoren

  • Angelika Ahrens (seit 1999), Sendungen: €co,Börseleiste ZIB 13.00 Uhr
  • Carolyn Aigner (seit 2002), Sendungen: EuroMillionen
  • Doris Appel (seit 12/1995), Sendungen: Kreuz und Quer,Orientierung
  • Armin Assinger (seit 2001), Sendungen: Millionenshow,Kokommentator bei ORF Sportübertragungen
  • Oliver Baier (seit 2004), Sendungen: Was gibt es Neues?
  • Hadschi Bankhofer(seit 2006) Sendungen: TW 1: Die gesunde halbe Stunde
  • Thomas Brezina (seit ???) Sendungen: Drachenschatz,Forscherexpress,Tom Turbo
  • Christian Clerici (seit 2007)Sendungen: 13
  • Gerald Gross
  • Miriam Hie
  • Robert Hochner
  • Hans Huber
  • Rosemarie Isopp
  • Barbara Karlich
  • Arabella Kiesbauer
  • Andi Knoll
  • Robert Kratky
  • Tarek Leitner
  • Chris Lohner
  • Eva Pölzl
  • Heinz Prüller
  • Roman Rafreider
  • Hary Raithofer
  • Peter Rapp
  • Martina Rupp
  • Vera Russwurm
  • Robert Seeger
  • Danielle Spera
  • Norbert Steidl
  • Barbara Stöckl
  • Ingrid Thurnher
  • Peter Tichatschek
  • Elisabeth Vogel
  • Marcus Wadsak
  • Christiane Wassertheurer
  • Mirjam Weichselbraun
  • Armin Wolf

Bearbeiten Korrespondenten

Der ORF verfügt zur Unterstützung seiner Auslandsberichterstattung über einige Auslandsbüros und Korrespondenten.

Auslandsbüros (Zuständigkeitsbereich, Büroleitung so fern vorhanden und falls bekannt auch Gründungsdatum des Büros in Klammer) befinden sich derzeit in:

  • Belgrad, Serbien (Serbien und Ex-Jugoslawien)
  • Berlin, Deutschland (vormals auch ein Büro in Bonn; Leitung: Hans Peter Fritz)
  • Brüssel, Belgien (Leitung: Raimund Löw)
  • Budapest, Ungarn (Ungarn, Rumänien, Bulgarien)
  • Buenos Aires, Argentinien (Südamerika)
  • Kairo, Ägypten (arabischer Raum)
  • London, Großbritannien (Großbritannien und Irland)
  • Madrid, Spanien (iberische Halbinsel und Maghreb)
  • Moskau, Russland (Leitung: Susanne Scholl)
  • Paris, Frankreich
  • Peking, China (China und Fernost) (Leitung: Cornelia Vospernik, seit 2007)
  • Rom, Italien und Vatikan
  • Tel Aviv, Israel
  • Warschau, Polen (seit 2005; 1999–2005 in Prag; Tschechien, Slowakei, Polen)
  • Washington D.C., Vereinigte Staaten (Leitung: Hanno Settele, seit 2007)
  • Zürich, Schweiz

Auslandskorrespondenten und das ORF-Auslandsbüro in dem sie tätig sind: (Stand: August 2007)[11]:

  • Nadja Bernhard, Rom (seit 2005)
  • Georg Dox, Moskau (1991–1996 und seit 2002)
  • Karim El-Gawhary, Kairo (seit 2004)
  • Hans Peter Fritz, Berlin (seit 2007; 1991–1992 in Bonn; 1992/ 93 und 1998- 2003 in Washington D.C.)
  • Ernst Gelegs, Budapest (seit 1999; 1996–1997 in London)
  • Christian Lininger, Washington (seit 2006; 2000–2002 in Moskau)
  • Raimund Löw, Brüssel (seit 2007; 1989–1991 in Moskau, von 1991–1997 und 2003–2007 in Washington)
  • Bettina Madlener, London (seit 2006)
  • Josef Manola, Madrid (seit 1988)
  • Esther-Marie Merz, Buenos Aires (seit 2005)
  • Volker Obermayr, Berlin (seit 2003; von 1996–1997 und 2001–2003 in Bonn, 2000–2001 in Brüssel)
  • Joana Radzyner, Warschau (seit 1988)
  • Sibylle Rothe, Peking (seit 2006)
  • Sonja Sagmeister, Brüssel (seit 2007)
  • Paul Schiefer, Brüssel (seit 2006)
  • Carola Schneider, Zürich (seit 2003; 2001–2003 in Paris)
  • Susanne Scholl, Moskau (seit 2000 und von 1991–1997, 1989–2001 in Bonn)
  • Mathilde Schwabeneder, Rom (seit 2008)
  • Birgit Schwarz, Berlin (seit 1998)
  • Ben Segenreich, Tel Aviv (seit 1990)
  • Hanno Settele, Washington (seit 2003)
  • Eva Twaroch, Paris (seit 1991)
  • Cornelia Vospernik, Peking (seit 2007; ab 2000 mehrere Jahre in London)
  • Christian Wehrschütz, Belgrad (seit 1999; zuvor von Juli bis November 1999 in Brüssel)
  • Jörg Winter, Washington (seit 2006)
  • Hans Woller, Paris (seit 1988)

Bearbeiten Kritik

Die jahrzehntelange Sonderstellung des ORF im Bereich der elektronischen Medien durch das Rundfunkmonopol weckte schon seit den 1950er-Jahren die Begehrlichkeiten der politischen Parteien, sich einen Einfluss im ORF und damit auch auf das öffentliche Meinungsbild zu sichern. Eine in politischen Kreisen weit verbreitete Anekdote illustriert das besitzergreifende Denken der Parteien schon in der Anfangsphase des ORF sehr gut: ÖVP-Bundeskanzler Julius Raab soll beim Aufkommen des Fernsehens gesagt haben, dieses werde sich nicht durchsetzen und könnte deshalb getrost „den Roten“ (= SPÖ) überlassen werden, solange die ÖVP die Oberhand beim –– damals noch viel wichtigeren –– Radio behalte.

Eine erste Gegenbewegung zu diesen parteipolitischen Vereinnahmungen gipfelte 1964 im „Rundfunk-Volksbegehren“, welches vor allem von den Printmedien aus den Bundesländern forciert wurde. Zwischen 5. und 12. Oktober 1964 unterschrieben 832.353 österreichische Wahlberechtigte das Begehren, welches schlussendlich zu einem neuen Rundfunkgesetz führte.

Während der SPÖ-Alleinregierung (1971-1983) wurde vielfach die Kritik geäußert, die damalige Regierung nutze massiv die Monopolstellung des ORF zur Umsetzung der eigenen parteipolitischen Ziele. Auch von 1986-1999 (SPÖ/ÖVP-Koalition) wurde dem ORF vorgeworfen, dem großkoalitionären Proporzsystem zu gehorchen. Mitunter wurde dem ORF (obwohl die Leitung des ORF während eines Großteils dieser Zeit mit Gerhard Weis und Gerd Bacher mit zwei Persönlichkeiten, die eindeutig dem bürgerlichen Lager zugeordnet wurden, besetzt war) wegen seiner Personalpolitik und Berichterstattung eine Affinität zur SPÖ unterstellt.

Anfang der 1990er Jahre zeichnete sich eine Verurteilung Österreichs durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof ab. Nach langjährigem gegenseitigen Misstrauen konnten sich SPÖ und ÖVP auf ein Regionalradiogesetz einigen, welches das staatliche Rundfunkmonopol beendete und „binnenpluralistisches“ regionales Privatradio ermöglichte. Das Fernsehmonopol fiel offiziell erst mit dem Kabel- und Satellitenrundfunkgesetz 1997.

Seit dem Regierungswechsel 2000 und dem Antritt der neuen ÖVP/FPÖ bzw. ÖVP/BZÖ-Regierung wird nun dieser wiederum der Versuch einer Einflussnahme auf den ORF vorgeworfen. Von Kritikern wurde dieser Vorgang als „Umfärbeaktion“ bezeichnet. Vorgeworfen wird dabei der neuen Bundesregierung auch das Auswechseln von hochrangigen Funktionären des ORF.

Kritiker sprechen von „Bedrohung und Einschüchterung“ der ORF-Nachrichtenredakteure. ORF-Journalisten verschiedenster Couleur kritisierten die neue ÖVP-gerichtete Einflussnahme, manche wechselten auch in die Bundespolitik (Josef Broukal). Im Juni 2001 verabschiedete die Redakteursversammlung des Nachrichtenressorts (Zeit im Bild) einstimmig eine Resolution, die betont, dass unter der neuen Regierung der „Ton deutlich schärfer geworden“ sei. Die ORF-Journalisten warnen, dass die Unabhängigkeit des Senders in Gefahr sei. Die Resolution spricht wörtlich von „Druckausübung“, „versuchter Einschüchterung und Beeinflussung“ und zahlreichen Interventionen seitens der Regierungsparteien, namentlich seitens des damaligen FPÖ-Klubobmanns Peter Westenthaler und Bundeskanzler Schüssels.

Kritik zog etwa auch die Leitung des Sportressorts unter dem designierten Informationschef Elmar Oberhauser auf sich, dem vorgeworfen wurde, die Sportberichterstattung einseitig dazu zu missbrauchen, freiheitlichen Politikern eine propagandistische Bühne zu bieten. Oberhauser wurde in besonderem Maße vorgeworfen, dass er einmal sogar die Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ für eine überlange Sportsendung mit Interviews mit der freiheitlichen Sportministerin Riess-Passer und mit FPÖ-Chef Jörg Haider (betreffend den „FC Kärnten“) ausfallen ließ (was laut ORF-Reglement sonst nur im Sonderfall außerordentlicher aktueller Ereignisse vorkommt).

Als besonders eklatanten Verstoß gegen journalistische Standards und die Unabhängigkeit des Senders betrachten Kritiker die Entscheidung des mittlerweile zum neuen ORF-Hörfunkdirektor bestimmten Willy Mitsche, einen Beitrag auf Sendung gehen zu lassen, in dem Jörg Haider ein mit sich selbst geführtes Interview aus New York zeigen durfte.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigte sich 2001 besorgt über die Entwicklung in Österreich: „Die regierenden Parteien üben einen starken Druck auf die Politikredaktionen aus, was zunehmend zu Zensur und Selbstzensur geführt hat.“ In der Weltrangliste der Pressefreiheit landete Österreich 2002 daher – hinter Ländern wie Ecuador oder Benin –– nur auf Rang 26 (heute Platz 16).

Die interne Kritik der ORF-Journalisten an ihrer Führung gipfelte bei der Robert-Hochner-Preis-Verleihung am 17. Mai 2006 in Wien in der Rede des TV-Journalisten Armin Wolf, der der Regierung und ORF-Spitze unter anderem „fast hemmungslose“ politische Einflussnahme auf die Programmgestaltung vorwarf.

Dies wurde unter anderem auch darin ersichtlich, dass bei der Preisverleihung an den kritischen Journalisten Armin Wolf sowohl die Generalintendantin Monika Lindner als auch deren Chefredakteur Werner Mück unbegründet abwesend waren. Die damals vorherrschende Stimmung unter den Redakteuren und Journalisten wurde auch aus einer Reaktion auf diese Absenzen erkennbar: „Zu nicht unwesentlichen Behinderungen journalistischer Arbeit im ORF gehört auch der Eindruck, den öffentliche Verhaltensweisen führender Repräsentanten des Unternehmens erwecken. Etwa, wenn bei der Verleihung der wichtigsten österreichischen Journalistenpreise die ORF-Spitze weitgehend durch Abwesenheit glänze. Unter den Abwesenden auch etliche, die zwei Tage davor bei einer Parteiveranstaltung der ÖVP eifrig applaudierten.“ [12]. Lindner und Mück wird ein Naheverhältnis zur regierenden ÖVP nachgesagt. Der ORF berichtete über die Preisverleihung, erwähnte Wolfs Kritik aber nicht.[13]

Die Kritik führte auch zu einer von österreichischen Intellektuellen, ehemaligen Politikern diverser Parteien und ORF-Mitarbeitern gegründeten Unterschriftenaktion namens SOS-ORF im Internet, die die „politischen Verhältnisse“ ändern will und vom ORF fordert, seiner Aufgabe als öffentlich-rechtlicher Sender nachzukommen, ein qualitativ hochwertiges Programm zu produzieren.

Die im Frühjahr 2006 immer lauter werdende interne Kritik hing auch mit der anstehenden Wiederwahl des damaligen ORF-Managements für die folgenden fünf Jahre zusammen. Die Wahl im ÖVP-dominierten ORF-Stiftungsrat endete mit dem überraschenden Ergebnis, dass der SPÖ-nahe Kandidat Alexander Wrabetz die Wahl für sich entscheiden konnte. Die Abwahl der als regierungsfreundlich geltenden Generalintendantin Lindner wurde als eine Absage an die stetige Einflussnahme der ÖVP-BZÖ Regierung verstanden. Eine breite Koalition aus Stiftungsräten der Sozialdemokraten, Grünen, BZÖ und FPÖ ermöglichte diese Kursänderung. Diese Verhältnisse wirkten sich auch im von Wrabetz vorgeschlagenem Führungsteam aus, das zu einem Großteil aus FPÖ-, BZÖ- und auch SPÖ-nahen Personen bestand.

Ende Januar 2007 klagte der ORF gegen den Deutschen Kabelnetzbetreiber Kabel-BW, da der ORF in Deutschland nicht empfangen werden möchte. Nachdem der ORF Klage eingereicht hatte, nahm KabelBW die Sender sofort heraus. Der ORF kauft Film- und Serienrechte nur für Österreich und müsste bei einer Ausstrahlung in Deutschland auch diese Rechte kaufen, was aufgrund der hohen Kosten jedoch unmöglich ist.

Auffallend ist auch ein gewisser technologischer Rückstand in den letzten Jahren. Während der ORF in den vergangenen Jahrzehnten eine der führenden Rundfunkanstalten in Europa bei der Einführung neuer Technologien (etwa Farbfernsehen, Teletext, VPS usw.) war, werden derzeit technische Neuerungen wie etwa DVB-T, hochauflösendes Fernsehen und Internetfernsehen nur sehr zögerlich und unter Vorbehalten eingeführt. Am 20. September 2007 gab der ORF bekannt bereits 2008 zur Fußball-EM sowie die Olympischen Spiele in Peking im hochauflösenden Fernsehstandard (HDTV) zu senden,[14] womit Österreich mit hochauflösendem Fernsehen noch vor Deutschland (ARD/ZDF) starten würde. Ebenfalls am 20. September 2007 gab der ORF bekannt, sein Fernseharchiv für die Vermarktungstochter des britischen öffentlich-rechtlichen Senders BBC zu öffnen, der Österreichische Rundfunk wäre dann nach eigenen Angaben der erste europäische Partner von BBC-Worldwide.[15]

Auf der vom FPÖ-Nationalratsabgeordneten Harald Vilimsky geführte Plattform weg-mit-den-orf-gebuehren.at[16] läuft eine Petition gegen die ORF-Gebühren. Auf der Homepage werden Gründe für die Abschaffung der Gebühren aufgezählt, internationale Gebühren verglichen und Meinungen der Bevölkerung veröffentlicht. Die Petition wurde nach eigenen Angaben von über hunderttausend Personen unterzeichnet.

Bearbeiten Landesstudios

Hauptartikel: ORF-Landesstudio

Der ORF verfügt über je ein Landesstudio in den neun österreichischen Bundesländern, die jeweils einen eigenen Regionalradiosender betreiben und täglich Bundeslandfernsehen via ORF 2 verbreiten. Das Landesstudio Tirol produziert zusätzlich Regionalfernsehen für die deutschsprachige Bevölkerung des italienischen Südtirol.

In den Bundesländern gilt der ORF dennoch als sehr wienlastig, zumal es keine dezentralisierte Produktion von Fernsehsendungen gibt (vgl. dagegen das föderale Prinzip der ARD in Deutschland – Nachrichten aus Hamburg, Wetter aus Frankfurt usw.)

Bearbeiten Sendeanlagen

Die Programme des ORF werden u.a. über diese Sendeanlagen der ORS ausgestrahlt (Auswahl):

  • Sender Bisamberg (MW, höchstes Bauwerk in Wien)
  • Sender Moosbrunn (KW)
  • Sender Kahlenberg (UKW, DVB-T)
  • Sender Jauerling (UKW, DVB-T)
  • Sender Lichtenberg (UKW, DVB-T)
  • Sender Freinberg (DVB-T)
  • Sender Schöckl (UKW, DVB-T)
  • Sender Gaisberg (UKW, DVB-T)
  • Sender Patscherkofel (UKW, DVB-T)
  • Sender Pfänder (UKW, DVB-T)
  • Sender Dobratsch (UKW, DVB-T)
  • Sender Himmelhof (UKW, DVB-T)

Bearbeiten Sonstiges

Gemeinsam mit der Presse kürt der ORF jährlich seit 2004 verdiente Persönlichkeiten aus den Kategorien Wissenschaft, Wirtschaft und Humanität zu Österreicher des Jahres. Seit 1990 wird jedes Jahr vom Kurier die Goldene Romy in Gedenken an die österreichische Schauspielerin Romy Schneider an die beliebtesten und besten Fernseh- und Filmschaffenden verliehen. Die Romy ist mittlerweile einer der wichtigsten österreichischen Fernsehpreise.

Im Rahmen des Film-/Fernseh-Abkommens stellt der ORF jährlich 0,56 % seiner Jahresgesamterträge, das sind derzeit rund 6 Millionen Euro, zur Förderung österreichischer Spielfilme zur Verfügung.

Des Weiteren betreibt der ORF den kostenlosen Kinder- und Jugend Telefonbetreuungsdienst 147 – Rat auf Draht.

Siehe auch: ORF-Bestenliste

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